Skip to main content

Full text of "Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit"

See other formats


Allgemeine 
Münzkunde 
und 
Geldgeschic 
des ... 




Arnold Luschin von 
Ebengreuth 



Xibrarv? 

ot tbc 

IHnivcröit^ ot TOisconßtn 



HANDBUCH 

DER 

Mittelalterlichen und 
Neueren Geschichte. 



HERAUSGEGEBEN VON 

G.v.Below, im) F. Meinecke, 

I'ROFEjWOR AN DER i;MVER8ITlT TÜBINOEN. i'ROKKKSOR AN DER l MVERSITlT STRASSBURO. 



Abteilung V: 
HILFSWISSENSCHAFTEN UND ALTERTÜMER. 

I) B - A. Luschin von Ebengrkuth. 

ALLGEMEINE MÜNZKUNDE UND GELD GESCHICHTE. 




MÜNCHEN und BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOURG. 

1904. 



ALLGEMEINE MÜNZKUNDE 

UND 

GELDGESCHICHTE 

DES 

Mittelalters und der Neueren Zeit. 



VON 

W A. LUSCHIN VON EBEXGUEl ITH, 

UHIVERSITATSPROFESSOK IN «IKAZ. 



» 

MIT 107 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNG K X . 




MÜNCHEN und BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOURG. 

1904. 



Digitized by Google 



83368 

JA- " i 1 
5" 

L?7 



VORREDE. 



Die erste Anregung zu der hier vorgelegten Allgemeinen Münz- 
kunde und Geldgeschichte « empfing ich vor sieben Jahren auf dem 
Historikertag zu Nürnberg, als mich die Herren Herausgeber des Hand- 
buchs der mittelalterlichen und neueren Geschichte einluden, den Ab- 
schnitt Numismatik für dies Unternehmen zu bearbeiten. Ich habe, 
offen gesagt, mich schwer zur Zusage entschlossen, da ich die mangel- 
hafte Vertretung der numismatischen Literatur in den öffentlichen Biblio- 
theken meines Aufenthaltsortes und auch noch manch andere grofse 
Schwierigkeit wohl kannte, die mir hindernd im Wege stand. Auf der 
andern Seite lockte die dargebotene Gelegenheit zur Überprüfung von 
Meinungen, die ich mir im Laufe einer vierzigjährigen literarischen Be- 
schäftigung mit Münzen gebildet hatte, und zur Ausgestaltung von Ge- 
danken, die noch mehr oder minder unentwickelt in mir schlummerten. 
So entwarf ich denn einen Umrifs des Werkes und sagte schließlich zu, 
als mein Plan Billigung gefunden hatte. 

Von Anbeginn stand fest, dafs ich das Hauptgewicht meiner Arbeit 
auf ein Gebiet- verlegen müsse, das von den vorhandenen Handbüchern 
der Numismatik bisher nur gestreift oder geradezu weggelassen wurde. 
Zwar haben uns die Verfasser der vorerwähnten Handbücher mit 
manch tüchtiger Leistung beschenkt, allein sie haben dabei fast aus- 
schliefslich die Bedürfnisse des angehenden oder schon tätigen Münz- 
sammlers berücksichtigt. Daher wurde von ihnen in den Mittelpunkt 
der Darstellung gerückt, was für das Erkennen und das Bestimmen von 
Münzen vor allem dienlich ist oder mit der numismatischen Wertunix 
der Stücke zusammenhängt; überdies wurden zuweilen auch dio münz- 
ähnlichen Gebilde, Me'daillen. .Jetons, Marken u. dgl. eingehender berück- 
sichtigt, weil diese oft den Münzsammlungen angeschlossen werden. 
Von den übrigen Seiten, welche die Münze dem Forscher darbietet, 
wurden in der Regel die staatsgeschichtliehen und persönlichen Angaben, 
die dem Sammler zur Erklärung seiner Stücke unerläfslich sind, hervor- 
gehoben, auch wohl die Münze oder Medaille als kunstgesehichtlichrs 
Denkmal gewürdigt und, wenn es hoch kam, auch einiges über den Münz- 
fufs beigefügt. 



Digitized by Google 



VI 



Yorro.lo. 



Brauchbare Werke dieser Art sind wie gesagt schon genügend vor- 
handen, und ihre Zahl zu vermehren, fühlte ich um so weniger Lust, als 
ein solches in den Rahmen des Handbuchs der mittelalterlichen und 
neueren Geschichte nicht gepafst hätte, weil dieses sich an einen andern 
Leserkreis wendet. Wohl aber glaubt«- ich, dafs ein Leitfaden der Münz- 
kunde und Geldgeschichte, wenn er den Bedarf geschulter Historiker ins 
Auge fafst, eine merkliche Lücke ausfüllen könnte, da es eine leidige, oft 
und von verschiedener Seite beklagte Tatsache ist, dafs selbst sehr tüch- 
tige geschichtliche Werke meist versagen, so wie sie auf das Gebiet der 
Münzgeschichte kommen oder soweit sie sonst Münzen als Quellen ihrer 
Darstellung benutzen müssen. Ob und inwieweit meine Allgemeine Münz- 
kunde und Geldgeschichte diesem Bedürfnisse abhelfen kann, ist freilich 
eine Frage, deren Beantwortung ich andern überlassen mufs. An gutem 
Willen und Arbeit habe ich es nicht fehlen lassen, allein die Schwierig- 
keiten, die zu überwinden waren, sind zu grofs, um in einem Anlauf 
genommen zu werden. Darunter rechne ich vor allem die Beschaffen- 
heit der zu bewältigenden Literatur, welche vornehmlich aus Aufsätzen 
oder Einzelwerken besteht, die oft über den Bereich der vier europäischen 
Hauptsprachen hinausliegen, nur sehr selten gesammelt sind, meist je- 
doch aus schwer erreichbaren Fachzeitschriften oder den Mitteilungen 
geschichtlicher Voreine hervorgesucht werden müssen. Umfassendere 
Bibliotheken der numismatischen Literatur sind daher nur bei reich 
ausgestatteten öffentlichen Münzsammlungen oder an den Sitzen bedeu- 
tender numismatischer Vereine zu erwarten, die durch langjährigen Avis- 
tausch ihrer Veröffentlichungen in den Besitz einer schönen Auswahl 
gelangen können. Weder das eine noch das andere trifft leider für 
Graz zu; ich war daher bei meiner Arbeit, obschon ich, wo es anging, 
mit Entlehnungen von auswärts nicht kargte, im wesentlichen nur auf 
den Inhalt meiner eigenen Bücherei und auf die Unterstützung an- 
gewiesen, die mir die Handbibliothek des landschaftlichen Münz- und 
Antikenkabinetts am Joanneuni zu gewähren vermochte. Auf diese Weise 
habe ich nebst manchen Monographien zum mindesten die deutschen 
Fachzeitschriften für Numismatik fast vollständig und Bruchstücke der 
französischen, belgischen, italienischen und englischen Fachliteratur un- 
mittelbar benutzen können. Im übrigen mulste ich mich auf Angaben 
verlassen, die in den Bibliographien und in reichlicher Menge auch in 
Besprechungen mir zugänglich waren. 

Dem Entgegenkommen der Wiener numismatischen Gesellschaft ver- 
danke ich die Benutzung des literarischen Nachlasses von weiland Hof- 
rat Alexander v. Pawlowski. Neben den Österreichern Eckhel, dem 
Verfasser der noch heute jugendfrisehen Doctrina wtmorum vrfcmm, und 
Mader. dem Begründer einer wissenschaftlichen Behandlung der Münz- 
kunde des Mittelalters, hätte unzweifelhaft Alexander v. Pawlowski 



Digitized by Google 



Vnrmlo. 



VII 



sich einen dritten Ehrenplatz auf dem Felde der Numismatik gesichert, 
wenn ihm die Vollendung eines grols angelegten Handbuchs der mitt- 
leren und neueren Münzkunde, das er begonnen hatte, beschieden ge- 
wesen wäre. Leider hat ihn ein tückisches Leiden schon 1882 uns und 
der Wissenschaft vorzeitig entrissen. Aus seinem schriftstellerischen 
Nachlafs wurden einige formvollendete und gedankenreiche Vorträge, 
die v. Pawlowski als Prolegomena des geplanten Werkes gehalten 
hatte, in der Wiener Numismatischen Zeitschrift veröffentlicht, das übrige 
blieb bisher ungedruckt und unbenutzt ; denn es sind nur Trümmer 
eines eigenartigen Werkes, das die Stellung der Numismatik unter den 
historischen Wissenschaften wesentlich gehoben hätte, wenn dem Ver- 
fasser die Zeit zum Abschlufs geblieben wäre. Für mein Handbuch 
habe ich daraus den obersten Einteilungsgrund entnommen und aufser- 
dern manche Einzelheit für den ersten Teil, welcher die Münze als Ge- 
genstand der Sammeltätigkeit betrachtet, benutzt. Viel reichlicher wäre 
allerdings die Ausbeute geworden, wenn ich die Herstellung eine« Hand- 
buchs der besonderen Münzkunde des Mittelalters und der neueren Zeit 
beabsichtigt hätte. Wer weife, ob ich nicht später einmal mich zu dieser 
Arbeit entschliefse, um den von Pawlowski mit Bienenfleifs gesam- 
melten Stoff nicht brachlegen zu lassen. 

Die numismatische Gesellschaft in Wien hat dies W r erk ferner durch 
kostenlose Überlassung einer Auswahl der in ihrem Besitze befindlichen 
Holzschnitte und Zinkstöcke wesentlich gefördert. Ein gleiches Ent- 
gegenkommen habe ich auch bei den Herron Dr. H. Buchenau, Her- 
ausgeber der Blätter für Münzfreunde, Regierungsrat R. Ritter von 
Höfken, Herausgeber des Archivs für Braktoatenkunde, Paul Joseph, 
Herausgeber der Frankfurter Münzzeitimg, und durch Vermittlung von 
Prof. Menadier bei der W ei d man u sehen Buchhandlung in Berlin 
erfahren. Durch Auskünfte und Abdrücke haben mich die Vorstände 
der Münzkabinette zu Berlin, Gotha und Wien, die Herren Professoren 
Menadier und B. Pick, Dr. Do man ig und Herr M. Prou in Paris 
mehrfach verpflichtet, durch Übernahme des ausführlichen Sachregisters 
mein Schüler, Herr Richard Meli, mich sehr entlastet. Er hat sich 
dabei auch den Dank der Benutzer dieses Buches rodlich erworben, da 
er seine Arbeit nicht auf den Text beschränkte, sondern auch den in 
den Anmerkungen und Abbildungen enthaltenen Stoff berücksichtigte. 
Nicht zuletzt sei meines Freundes, Prof. Dr. A. Düning in Quedlin- 
burg, gedacht, der sich der Mühe unterzogen hat, die Korrekturen neben 
mir zu lesen. All diesen Förderern meines Buches sei herzlich Dank 
dafür gesagt. 

Zum Schlüsse noch einiges über die als Erklärung des Textes aus- 
gewählten Abbildungen. Bei jenen, die mit Benutzung schon vorhan- 
dener Stöcke hergestellt sind, wurde die Quelle, der sie entnommen 



ized by Google 



VIII 



Vorrode. 



sind, genau angegeben, die übrigen wurden durch Photo-Zinkographie 
nacli Gipsabgüssen neu verfertigt. Nr. (37 aus Bussons Nachlafs geht 
auf ein mir nicht weiter bekanntes Urstück zurück, Nr. 95 und 105 auf 
galvanoplastische Nachbildungen, die andern sind unmittelbar von den 
Urstücken abgenommen. Die Verwahrungsorte dieser sind bei Nr. 2, f>l, 
62 angegeben ; Nr. 5 — 7, 12, 28, 35, 45. 50 stammen aus dem Münz- 
kabinette des steiermarkischen Joanneums, alle übrigen aus meiner 
eigenen Sammlung. 

Graz, 18. September 1904. 

A. Luschin von Ebengreuth. 



Digitized by Googl 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

Einlcituntr i_so 

f 1. Gegenstand der Münzkunde und Geldgesehlehtc 1—4 

1. Die Münze als Gegenstand wissenschaftlicher Beschäftigung erhält 

2. ihre wissenschaftliche Darstellung in der Numismatik. 3. Diese um- 
fafst sowohl Münzkunde als Münz- bzw. Gcldgeschichte und lttfst 
4. bis 6. Einteilungen nach verschiedenen Gesichtspunkten zu. 

0 2. Quellen und Hilfswissenschaften der Numismatik 4— 5 

l. Als Quellen dienen Münzen und 2. Aufzeichnungen über das Mflnz- 
wesen. 3. Hilfswissenschaften der Numismatik. 

f 3. Literatur der Numismatik 6—13 

1. Erste Anfänge. 2. Die numismatische Literatur im 16. Jahrb. 

3. Desgleichen im 17. Jahrh. und 4. im 18. Jahrb. 5. Neue Richtungen. 
6. Auftreten Joseph v. Madors. 7. Aufschwung im 19. Jahrh. 

€ 4. Geld, Münze, mUnzHhnliche Gepräge 13-30 

1. Begriff und 2. Wesen des Geldes. 3. Unterschied von Münze und 



Geld. 4. Kennzeichen der Münze. 5. Gegenstand der .Sammeltätigkeit 
sind nicht blofs Münzen sondern auch 6. Geldsurrogate und 7. ver- 
schiedene müuzähnliche Gebilde (Medaillen, Plaketten, Jetons, Rechen- 
pfennige, Marken usw.). 



Erster Teil. 

Allgemeine Münzkunde 31-132 

I. Huuptstück. 

Die äufsere Beschaffenheit der Münze .... 31— 63 

5 5. MUnzstoffe 31— 36 



1. Sind Metalle überhaupt; insbesondere sind dafür geeignet: 2. Gold. 
3. Silber. 4. Kupfer und dessen l.*5gierungen. 5. Weniger geeignot 
sind die übrigen Metalle: riatin, Zinn. 6. Munzälmliche Gegenstände 
und Geldzeichen werden auch aus andern Stoffen angefertigt. 

6 6. Gestalt, GrÖTse und Gewicht der Münzen 36— 42 

1. Schr«»tlinge. 2. Die Gestalt runder Scheiben ist bei Münzen ge- 
wöhnlich. 3. Doch gibt os auch Münzen in Barren- und in andern 
Formen. 4. GroTso der Münzen. 5. Münzincsser. 6. Dicke der Münzen. 
7. Gewicht. 8. Gröfscre Mannigfaltigkeit in den Grrtfsen und Gewichts- 
verhältnissen herrscht bei Medaillen. 



ized by Google 



X 



Inhaltsübersicht. 



Seit« 

§ 7. Das («eprUge im allgemeinen 42— 45 

1. Begriff des Münzbildes. 2. Vorder- und Kehrseite «1er Münze. 
3. Überstempelte und überprüfe Münzen. 4. Das Gepräge ist meist 
erhaben. 5. Typus und Fabrik der Münze. 

% 8. Das MUuzbild 45— 51 

1. Da« Münzbild Wechsel te nach Zeit und Ort, 2. namentlich häutig 
im spater» Mittelalter infolgo der periodischen Münzverrufungen. 
3. Verbreitung eines Münzbildes ül>er die Grenzen seines Ursprungs- 
gebiets. Nachprüfungen. 4. Beispiele. 5. Mifsvcrständnis des Münz- 
bilds bei lange fortgesetzter Nachahmung. 6. Nachmünzungon der 
Gencralstaaten ohne gewinnsüchtige Absicht. 7. Bildliche Darstellungen. 
8. Kreuze. 9. Gebüude. 10. Tiere und Wappen als Münzbilder. 

§ ». Die Aufschrift 61-63 

1. Umschrift, Inschrift, Randschrift. 2. Sprache derselben. 3. Zwei- 
sprachige Münzen. 4. Art der Buchstaben. f>. Wechsel der Buchstaben- 
formen nach Zeit und Ort. 6. Gotische Schrift. Mönchssehrift. 7. Mo- 
nogramme. 8. Siglen. 9. Trennung.-* ■ und Unterscheidungszeichen. 
10. Jahreszahlen. 11. Inhalt der Münzaufschriften. 12. Wertbezeich 
nungen und Münznamen. 13. Pseudologcndcn. 



§ 10. 



II. Hauptstüek. 

Die Herstellung der Münze . . 

Die Vorgänge bei der Ausmünzung 

Begriff der Ausmünzung. 2. Herstellung durch Giifs. 



64- 89 
64- 78 



§ 11. 



1. Begriff der Ausmünzung. 2. Herstellung durch Gufs. 3. Ein- 
flufs der Präge Vorgänge auf die iuifsere Erscheinung der Münze. 
4. und 5. Legierungen, Stückelung, Vierschlag. Der Weifsstid. 6. Die 
Prügewerkzeugo. Stempel und Punzen. 7. Gestalt der l*rägewerkzeuge 
für den Hammer; Walzen-, Taschen und Stofswerke. 8. Der Anfang der 
Brakteatertprügung im 12. Jahrb. 9. hängt mit der fortgesetzten Ver- 
schwüchung des Schrötlings zusammen 10. und mit der Vorliebe für 
getriebene Arbeiten. 11. Technik der Brakteatenprägung. 12. Erhaltene 
Brakteatenstempel 13. und andere Münzgeräte. 

Die Einrichtung des MUnzbctrlebs 78-89 

1. Der Münzbetrieb zur Zeit der Merowinger schliefst an römische 
Einrichtungen an. 2. Die grol'se Zahl der Münzstätten 3. ist nicht 
durch Verleihung des Marktrechts zu erklären, sondern durch Wander- 
betrieb 4. wie uns die Ix*bensgeschichte des hl. Eligius sowie die 
Münzaufsehriften lehren. 5. Münzuiig auf Rechnung des Staates wie 
auch von Privaten 6. Die Stellung der Münzmeister zur Zeit der Me- 
rowinger, 7. der Karolinger. 8. Die Beschränkung der Münzstätten 
auf die königlichen Pfalzen 9. wird durch Münzrechtsverleihungon seit 
Ludwig dem Frommen wieder aufgegeben. 10. Die Münzer werden 
nun ans dem Stande der Ministerialen genommen. 11. Umbildung zu 
»Hausgenossen^ 12. Stellung der Münzer in Deutschland, Frankreich, 
den Niedertanden, Italien usw. 



III. Haupt. stiiek. 

Die Münze als Gegenstand des Sammeins . . . 

§ 12. Öffentliche und Prlvatsammlumrcn 

1. Erste Nachrichten von Sammlungen in Italien und 2. in Deutsch- 
land. 3. Sammlung von Medaillen. 4. Öffentliche Sammlungen. 5. Pri- 
vut*ainmtungeu. 6. Einteilung der Sammlungen nach ihrem Umfang: 



90—102 
90—101 



Digitized by Google 



Inhaltsübersicht. 



XI 



Seite 

General - un<l Spezialsammltingen. 7. Anordnung von Sammlungen 
nach verschiedenen Gesichtspunkten, 8. Brauchbare Muster bieten die 
Systeme von Thomson, Grote, Engel-Serrure. 9. I^eitsätze für die An- 
ordnung einer Sammlung nach numismatischen Gesichtspunkten. 

% 13. Behelfe des Sammlers 102—108 

1. Behandlung der Münzen, Reinigung und 2. Aufbewahrung der- 
selben. 3. Behelfe zur Bestimmung und Beschreibung von Münzen. 

4. Kauf und Tausch als Mittel zur Anlage und Ausgestaltung einer 
Sammlung. 5. Der Münzhandel. 6. Miinzpreisc. 7. Numismatische 
Gesellschaften. 

§ 14. Die wissenschaftliche Behandlung von MUnzfundcn 108—115 

1. Ankauf ganzer Sammlungen oder 2. von Funden zur Ausgestal- 
tung von Sammlungen. 3. Rückschlüsse, die man aus den Funden 
auf die Zeit der Bergung ziehen kann. 4. Einteilung der Funde. 

5. Wichtigkeit der Zahlenverhältnisse für die Beurteilung der Münz- 
funde. 6. Namentlich der Massenfunde. 7. Zeitbestimmung der Funde 
durch Leitmünzen. 8. Stückzahl, Gewichtsangaben. 9. Zeitbestimmung 
durch Gewichtsangaben. 10. Bearbeitung der Funde. 

$ 15. Dm Bestimmen und Beschreiben und Abbilden von Mllnzcn . . . 115—122 

1. Die Wege zur Bestimmung von Münzen. 2. Wichtigkeit dos Blicks 
für den Stil und die Fabrik der Münze. 3. Hilfsmittel, namentlich 
numismatische Werke. 4. Das Beschreiben von Münzen 5. kann mehr 
odor minder vollständig sein 6. Fachausdrücke. Die Ausdrücke rechts 
und links haben im natürlichen und im heraldischen Sprachgebrauch 
verschiedene Bedeutung. 7. Versuche, eine allgemeine Verständlich- 
keit der Mün/.beschreibuugen herbeizuführen. 8. Abbildungen , Ab- 
formungen. 9. Münzverzeichnisse in Buch- oder in Zettelform. 

§ 16. Falsche und unechte Münzen 122—132 

1. Unterschied zwischen falschen und unechten Münzen. 2. Ver- 
schiedenheit des Zwecks bei Herstellung der einen und der andern. 
3. Begriffsbestimmung der falschen Münze. Sie unterscheidet sich 
sowohl 4. von der Kreditmünze als 5. von unerlaubten Nnchgcpragen 
als endlich 6. von sog. Kriegsmünzen. 7. Arten der Münzfälschung. 
8. Arten der unechten "Münzen : erdichtete Münzen. 9. Nachgearbeitete 
echte Stücke. 10. Nachgemachte Münzen: 11. Gefahr der Täuschung 
durch unechte Stücke. 12. Mittel, solche zu erkennen. 13. Das Ver- 
halten von Sammlern und Sammlungen gegenüber falschen und un- 
echten Stücken. 



Zweiter Teil. 

Geldgeschichte 132-251 

I. Huuptstück. 

Die Münze in ihren Beziehungen zur Geldlehre . 132—192 

§ 17. Aufirabe der Ueldgeschichte 132-134 

1. Entgegenstehende Schwierigkeiten. 2. Unterschied der (Jcldge- 
schichte von der Münzgeschichte. 

§ 18. Gcldartcn, die nicht Münzen sind 135—144 

1. Nordisches Viehgehl. 2. Nordisches Tuchgeld. 3. l.einwandgeld. 
4. Haut- und I'elzgeld 5 Papiergeld der Chinesen. 6. Europäisches 
Notgeld im Mittelalter. 7. Kinggeld. 8. Hacksilber. 9. Burrengeld. 



Digitized by Google 



XII Inhaltsübersicht. 

Seit«» 

10. Dessen Gewichtseinteilung. 11. Murca usualis. 12. I.otige Mark. 
13. Mark silber gewegens. 

§ 19. Mtlnzgreld 144-148 

1. Ostasiatisches Rarrensilber. 2. Privatmünzen. 3. Die Münze als 
staatlich gewährleisteter Wertbetrag. 4. Die Münze als gesetzliches 
Zahlungsmittel. 

§ 20. Wahrung 148-152 

1. Begriff »1er Währung. 2 Doppelwährung. 3. Einfache Währung. 

4. Besserungsvorsehlage und Versuche. 

$ 21. Kerhiningselnhelt und ZUhlweise 152—156 

1. Begriff und Aufgabe der Rechnungseinheit. 2. l'nter und Ober- 
einheiten. 3. Zählweise. 4. Rechnungsniünzen. 5. Bankgeld, rideali- 
sehe* Ctcld«. 

§ 22. »er MUnzfufs 156-164 

1. Begriff de.«« Münzfußes. 2. Gold und Silbergowicht. 3. Verjüngte 
Gewichte für Münzzwecke. 4. Feingewuhtskalcn. 5. Einteilung der- 
selben. 6. Remediuni und Passiergewicht. 7. Trohe des« Schrots im 
Mittelalter. 8. Desgl. des KornH. 9. Schlagschatz. 10. Gcldsystem 
und Münzwesen. 

$ 28. WHhruiiirs-. Handeln- und Scheidemünze 165-170 

1. Das Hecht der Wahrung. 2. Ausbildung lokaler Wahrungen. 
3. Verfall derselben. 4. Versuche, zu einer Reichswährung zu ge 
hingen. 5. Die Reichsmünzordnungen und die handmünzen seit dem 
16. Jahrb. 5. Handelsmünzen. 

$ 24. XUnzpolltlk 170-180 

1. Volkswirtschaftliche Ansichten vom Wesen des Oeldes im Mittel- 
alter. 2. Begriff der Münzpolilik. 3. Ihre Forderungen erscheinen 
erst in neuerer und neuester Zeit erfüllt. 4. Mün/.politische Einrich- 
tungen dos Mittelalters. 5. Miinzverrnf und Ausmünzung nach perio- 
disch schwankendein Münzfufs 6. Malsregel n zur Aufrcchthaltnng 
des Passiergewichts. 7. Eingeschnitteue und geteilte Münzen. K. Preis- 
satzungen, Münztarife. 9. Münzpolizei. 10. Mittel zur Erhaltung der 
Mischwähl ung. 

§ 25. »er MUii/.wert in alter Zelt . 180-192 

1. Nennwert, Metollwert, Kurswert, Tauschwert der Münze. 2. Er 
miltelung des Nennwerts. 3. Des Metall Werts. 4. Des Kurswerts. 

5. Schwankungen des Tauschwerts. 6. Schwierigkeit, diese zu er- 
mitteln. 7. Brotpreis und Taglolm sind als Malsstäbe unzureichend. 

8. Dennoch ist eine (icschichte cler Kaufkraft des Oeldes möglich. 

9. Doch mufs sie auf breiterer Grundlage, 10. ans kritisch gesichtetem 
Material erbaut werden, 11. was mit Hilfe der Geht- und Malsgo- 
schichte zu erreichen ist. 12 Voraussetzungen für eine (iesebichte 
der Preise. 

II. Haupt stück. 

Die Münze in ihren Beziehungen zum Recht . 193—254 

$ 26. »le Münzhoheit und die aus Ihr hergeleiteten Rechte 193—202 

1. Wesen der Ilohcitsrechte. 2. Desgl. der Regalien. 3. Beirriff und 
Inhalt der Münzhoheit. 4. Wie sie sich au Isert 5. Sie ist ein Zeichen 
der Souveränität. 6. Schicksale der Münzhoheit in Frankreich und 
7. in Deutschland. S Mittelalterliche Anschauungen über die Münz 
hoheit. 



Digitized by Google 



Inhaltsübersicht. 



XIII 



Seite 



§ 27. MUnzrcrleihungen 



202-212 



1. Dan Münzrocht beruht .seinem Ursprung nach teils auf früheren 
Amtsbefugnissen. teils auf besonderer Verleihung. 2. I »ie ältesten 
Münzprivilegien bestehen in der Einrichtung königlicher Münzstätten 
an Marktplätzen. 3. Seit Ludwig dein Frommen wird dem Marktherrn 
auch der Krtni,' solcher Münzstätten eingeräumt. 4. Noch starker 
tritt dieser fiskalische < iedanke seit den Ottonen hervor. 5. Entstehung 
von Lokalmünzen. 6. Vollständige Überlassung des Regals an den 
Beliehenen unter den Käufern, 7. so dafs der Berechtigte jetzt auch 
dem Reiche gegenüber gegen jede Schmälerung geschützt ist. 8. Die 
Münzlwrechtigung der früher slawischen Fürsten in Pommern, Meck- 
lenburg, Schlesien 9. Art der Ausbildung des Münzregals durch die 
Berechtigten. 10. l>as Münzrecht der Städte. 



1. Leidlich geordnete Münzzustände zur Zeit der Völkerwanderung. 
2. Allmählicher Umschlag zum Schlochtern. 3. Wiederherstellung des 
Münzwesens unter den Karolingern. 4. Ursachen des abermaligen 
Verfalls seit dem 10. Jahrh. 5. Das Recht auf den Schlagschatz 
wurde 6. erweitert durch das Recht, nach eigenem Münzfuß* zu prägen 
und 7. die periodischen Münzverrufungen, 8. deren Erlrag für den 
Münzherrn lange nicht so grofs war als 9. die Schädigung, die dem 
Lande zugefügt wurde. 10. Ausmünzungon mit periodisch wechselnder 
Schwere. 11. Münzzustände in Frankreich. 12. Beschränkungen des 
Verkehrs mit ungemünztem Edelmetall. 13. Verzicht auf das Mflnz- 
verrufungsrecht gegen Einräumung von Steuern. 14. Die Städte 
suchen Eintlufs auf das Mtlnzwesen zu gewinnen lf>. und erwerben 
schliefslich vielfach selbst Münzgerechtigkeit. 16. Der ewige Pfennig 
und seine Folgen. 17. Münzverschlechterungen und Münzkrisen in 
späterer Zeit. 



1. Begriff der Zahlung. 2. Zahlung mit Viehwerten. 3. Zahlung 
mit Münze. 4. Zahlung in karolingischer Zeit. 5. Nach dem Auf- 
kommen von Loknlmünzen. 6. Der Heller gilt nur dort, wo er ge- 
schlagen wird. 7. Erschwerungen des Verkehrs und Mittel, diesen zu 
begegnen. 8 Wichtigkeit der Handelsinünzen , 9. namentlich der 
Goldgulden seitdem 14. Jahrh. 10. Die unbefriedigenden Münzzuslände 
im 15. Jahrh. 11. führen zu Einschränkungen der Münzbefugnisse 
durch Kaiser und Reich, 12. zu den Reichsmünzordnungen im IG. Jahr- 
hundert und 13. zur Einengung der Annahmepflicht für Scheide- und 
geringhaltige » I jindinünzoii« . 

§ 30. MUnzvertruge, MUnzrercinigiingen, MtlnzvcrbSndc 246 — 254 

1. Mannigfaltigkeit der Münzverträge. 2. L'mlaufsgebiet der Münze. 
3. Dasselbe kann durch Vertrag in verschiedener Weise erweitert 
werden. 4. Münzverträge, Münzveroine, Münzbündnisso 5. Der Nach- 
weis solcher Münzverträge ist oft schwierig. Fehlerquellen. b\ Ent- 
wickelungsgang der Münzvereinigungen im Mittelalter. 7. Interna- 
tionale Münzvereine. 8. Die Weltmünze. 

Alphabetisches Register 255—286 

Berichtigungen 2»7 



§ 28. Die finanzielle Ausnutzung des Milnzrcgals 



212-233 



$ 29. Die MUnze als gesetzliches Zahlungsmittel 



233-246 



ized by Google 



XIV 



Verzeichnis der Abbildungen. 



Verzeichnis <ler Abbildungen. 

Seite 



Fig. 1. Oisnlpiiiisehe Kepublik. Penkmünze zu 30 Soldi auf den Frieden von 

Lünneville 1801 .... 17 

> 2. Zierbrakteat. Schmuckstück, keine Münze 18 

> 3. Schwedischer Nottaler vom .Jahre 1710 19 

> 4. Belauern ngsn Hinze 1593, vom Gouverneur der Zitadelle von Antwerpen, 

Mondragon, geschlagen ........ 19 

» 5. Österreichisches Korn aus der Zeit K. Friedrichs III. (um 1-180) ... 20 

» 6. Medaille de Contianco der Finna Monneron 171*2 22 

> 7. Token vom Jahre 1H63. Vereinigte Staaten von Nord-Amerika ... 23 

> 8. Talerformigo Medaille des Erzherzogs Sigismund von Tirol (um 1485 . 21 
» 9. Jeton des Heinr Poutet, Stadtschüuen zu Metz, 168« 25 

> 10. Französischer Spotjetton (Nachahmung eines höh} auf Napoleon III. . . 25 
» 11. Kaitpfen nitre: a) des Münzmoisters Hans Beliam (vor 1526); h) des Tiroler 

Kammerr;iitnits Ernst von Slahelburg (um 1580) 26 

> 12. Venedig Letzte Osella 17% 27 

> 13. Wallfahrtszeichen der tchitnen Maria in Regensburg 1519. (Braktenten- 

formig .... . . . .27 

> 11. Burgfried Bereitungsklippo des Marktes Frohnleiten 1719 ...... 27 

» 15. Marke des Freilierrn Christoph Ungnad, Freih. v. Weissenwolf, Kom- 
mandanten zu Erlau, f 1587 zu Kaschau . 27 

> 16. Tessern di Muraglia des Franzi, von Carraru, Herrn von Padua (1355 bis 

1388 , liei (Grundsteinlegungen verwendet . . 28 

> 17. Vierteltaler Klippe des Krzbischofs Marx Sitticns von Salzburg 1616 . . 37 
» 18. Guldengroschen des Erzherzogs Sigismund von Tirol 1486 . . .38 
» 19. Brnkteat des Landgrafen Ludwig II von Thüringen 1140—1172 . . 39 
» 20. Schüsselformiger Si.lidus ans Blafsgoid des K. Andronikos Komnenos 

1182 bis 1185, von Byzanz 39 

> 21. Kleinste Gepräge: a Nürnberg Dukaten ; b I'ngam, Kg. Ijidislaus II. 

1161 — 1162; c italienische Marke, 1 , Quattrino 41 

> 22. Groschen Landgraf Ludwigs 1. von Hessen 1413—1458) mit dem Gegen- 

Stempel von Mainz oder Osnabrück (ans dem Münzfund v. Haiegesfelde) 43 

> 23. Überpriigter Wiener Pfennig, 14. Jahrh 43 

. 24. Mahren. Boriwoi 10*»«»— 1120 Denar 44 

» 25. Ostgotenrcich. Theoderich mit K. Anastasius 493—518. 1 \ Siliqua . . 44 

» 26. Graf Siegfried von Blankenburg Brnkteat um 1200) 44 

> 27 Quedlinburg. Brakteat um 1200 41 

» 2S. Erster und letzter Dukaten der Dogen von Venedig 1283—1796 ... 46 

> 29. Spanische Dobia, durch die Geusen in Kampen nachgemünzt .... 48 
» 30. Patriarehenkreuz. Brakteat des Erzbischofs Ludolf von Magdeburg 1192 

bis 1205 50 

» 31. Zwillings Fadenkreuz Pfennig des Aethelred IL, Kg. von England 978 

bis 1016. Münzmeister Aelfstan zu Lynford . . 50 

» 32a. Doppelkreuz. Tiroler Etschkrcu/.er etwa 1267—1300 50 

» 32b. Tiralino von Mantua. Italienischer Beischlag der Tiroler Etschkreuzer 

um 1330 50 

> 33. Doppelte rmsebrift. Prager Groschen, Kg. Wenzel II. 1300—1305 . . 52 
» 34. Schrift in Kieuzform. Herzog Heinrich V. von Bayern 1017—1026 . . 52 
» 35. Deutsche Aufschrift Schilt von Steier um 1250 ." 53 

> 36. Italienische Aufschrift. Spalato Piccolo um 1300 53 

> 37. Slawische Aufschrift. Denga von Pskow, XV. .lahrh 54 

> 38. Brakteat mit hebräischer Einschritt: "»p^S^ XHE*^ M * ko Kr] 

Polski (1183-1202) . .' T . ')' . 54 



Digitized by Google 



Verzeichnis der Abbildungen. XV 

Seit« 

Fig. 39. Orientalische Münzen mit latein. Aufschriften. Afrikanischer 1 , Dinar, 

8.-9. Jahrh • . . . . 65 

> 40. Gigliato doH jonischen Turkomanenfttrstcn Ouiar-beg, 1341 — 48 ... 65 

> 41. Differents Kg. Karls VI. von Frankreich. Halber Denier Blanc ä l'ecu 

(um 1390). Der Punkt steht auf beiden Seiten im Perlcnkrcise unter 

dem 5- Hu cli Htaben der Umschrift und weist auf die Münzstätte Tonlose 58 

> 42. Sizilien. Roger I., 1130— 1154, TERCTA D VC ALIS 60 

> 43. Karthago. Kupfermünze mit der Wertzahl XII 61 

» 44. Nürnberg Halber Schilling, 15. Jahrh 61 

» 45. Pseudolegendc. Fund von Rakwitz 62 

> 46. Ruchstabenähnlichcr Zierrat. Fund von Rakwitz 62 

> 47. Cattaro 1813. Gegossene Notmünze mit vertiefter Schrift 67 

> 48. St. Gallen, viereckiger Brakteat, 15. Jahrh 67 

> 49. Schrötlinge mit Vicrschlag eines Pfennigs und Halblings. Wien um 1400 67 

> 50. Bayerischer Heller 1S29 68 

> 51. Bayerischer Breitpfennig mit unigeschlagenen Ecken, 12. Jahrh. ... 68 

> 52. (Verzerrte Bilder.) Walzenprägung. Parma 71 

> 53. > > Taschenprägung. Ungarischer Groschen 1693 . . 71 
» 64. Brakteat Erzbischofs Konrad von Magdeburg (1134—1143) 72 

> 55. Sog. Halbbrakteat (Breitpfennig> Worms. B Heinrich II., 1192—1195 . 73 

> 56. Brakteat mit teilweise erhabenem, teilweise vertieftem Bilde. (.Fund von 

Freckleben) 73 

» 57. Augsburg. Breitpfennig, Endo 12. Jahrh. (Fund von Huglfing) ... 75 

> 58. Moritzpfennig, Magdeburg 14. Jahrh 76 

> 59. Hälbling. Magdeburg, 14. Jahrh 75 

» 60. Berner Hohlpfennig vom Jahre 1549 75 

> 61. Zierbrakteat. Domschatz zu Halberstadt 76 

> 62. Zierbrakteat, nordischer. Kgl. Münzkabinett Berlin 76 

» 63. Durchschnitt des Züricher Brakteatenstcmpels 77 

> 64 Züricher Pfennig. Das Münzbild stimmt mit jenem des nebenstehenden 

Stempels gröfstenteils überein 77 

> 65. Jeton des Münzmeisters M. K. zu Einleiten 1560 78 

> 66 Abbildungen von Münzwerkzeugen auf einer schwedischen < iewandspange 

aus dem 13. Jahrhundert. 1. Zainhacken. 2. Ambos. 3. Streckhammer. 

4. 5. Zangen. 6. Fäustel. 7. Eisen. 8. Stock 78 

» 67. Solidus mit dem Bilde Kg. Theodeberts (534— 54S) 83 

> 68. Triens des Münzmeisters Madelinus um 690 zu Wyk bei Dürstedt ge- 

schlagen 83 

> 69. Brakteat des Münzmeisters Erdmann Velmar zu Goslar ME FR'ID • 

EKTII VKI.IIAR H M) 86 

> 70. Otto III. f 1002). Pfennig zu Huy geprägt 91 

» 71. K. Friedrich II. (f 1250). Augustalis, Goldmünze zu Brindisi geprägt . 91 

» 72 K. Friedrich II. (* 1250) Silbormünze (italienisches Gepräge?: .... 92 

> 73. Aus dem Hacksilberfund von Kinno, um das Jahr 1020 vergraben . . 111 

> 74. Kraftscher Münzmesser. Das eingespannte Münzehen, ein Schinderling 

des Passauer Bischofs, Ulrich von Nufsdorf. 1451 — 1479, hat D. 16, d. h. 
16 mm Durchmesser. Die Gröl'se nach Appel und Welzl v. Wellcnheim 

ist beim Nullteilstrich abzulesen als 10'/, bzw. 7 118 

> 75. Knopfzwanziger von der Augsburger Firma Drentwett nach dem Muster 

der Salzburger Zwanziger vom Jahre 1802, probehaltig für Schmuck- 
knöpfe angefertigt. Die rückläufige Schrift lautet : DR EXT . WETT . 

GRAVEUR . IN AUGSBURG 123 

» 76. Burg Friedberg in der Wetteruu Kipper/wolfer (Drcibätzner, Schrecken- 

berger) vom Jahre 1(520 123 

> 77. Erdichtete Münzen Denkmünze auf Kl'. Rudolfs I. Tod (v 1291). 

Beckersches Erzeugnis 127 



ized by Google 



XVI 



Verzeichnis der Abbildungen. 



Seite 



Fig. 78. Dortmund. Goldbrakteat. Erzeugnis des Goldarbeiters Metz in Münster 127 
• 79. Marsal, XI. Jahrb. Kgl. Münzkabinett, Berlin 129 

80. Unechte Münze Kg. Stephan« I. von Ungarn. Durch Nacharbeiten mit 
dem Stichel aus einem echten Stück von Marsal erzeugt 129 

81. Trier, K. Ludwig d. Fromme (t 840), echtes Stück 129 

82. Bcckerscher Stempel 129 

83. Ungarn, Stephan I. (1000—1038), echtes Stück 129 

84. Moderne Nachbildung 129 

» 85. Marca usualis urynti mit dein Beizeichen der Stadt Fyritz in Pommern 

Flacher Silberkuchen von 228 g Schwere aus dem Fnde des 13. .lahrh. 

geborgenen Münzsehatz von Lässig 142 

86 Piccolo von Verona oder kleiner Berner. 12.— 13 Jahrh 154 

87. Grosso oder Schilling = 12 Bernerstück von Verona um 1200 .... 154 

88. Venedig. Lira Tron (1471—1473) 154 

89. Goldgulden Kg. Sigismunds, in den Jahren 1433—37 zu Hamburg geprägt 167 

90. Silbergulden, nach der Iteichstnünzordnung von 1559 von K. Ferdinand I. 

für seine Lande geprägt , 168 

91. Frankreich, Ludwig XIV., sog. Louis de eimpsoua vom Jahre 1660 . . 170 

92. Beischlag von Fosdinovo (in der Nähe von Genua), durch Maria Mag- 
dalena Centurioni, f 1669 170 

93. Suatopluk, Herzog von Olmüte seit 1092, f 1109 als Grofsherzog von 
Böhmen. Eingeschnittener Pfennig aus dem Kakwitzer Funde ... 176 

94. Brakteat eines unbestimmten Münzherrn aus Thüringen mit angedeu- 
tetem Teilungsstrich. (Zwickauer Fund. 176 

95. Taler des Sulzburger Erzbisehofs Maximilian Gandolf von Khuenburg 
vom Jahre 1677, mit dein Gegenstempel, mit welchem 1681 alle im Erz- 
bistum zum Umlauf zugelassenen Stücke verschen wurden . . . . 178 

96. Spanisches 5-Ccntiinosstück vom Jahre 1870 mit Gewichtsangaben . . 182 

97. Triens des Beneventer Fürsten Grimoald mit «lern Namen Kg. Karls des 
Grofsen (788—800) 197 

98. Pfennig Kg. Karls des Grofsen mit seinem Namenszug, zu Mailand in 

den Jahren 781—800 geprägt 197 

99. Brakteat des Jakza von Köpenick um 1157 mit dem slawischen Fürsten- 
titel Knes (die Umschrift lautet : IAKZA . COPTNIC . CNL». Nach- 
bildung eines magdeburg. Moritzpfennigs) 209 

100. Braunschweiger Pfennige Pfennig mit der grofsen Büchse vom Jahre 
1411. Letztes Gepräge aus der Zeit der jährlichen Münzverrufungen . 282 

101. Ein ewiger Pfennig (ohne Jahrgangszeichen) 232 

102. Sogen. Hollbatzen des Konstnnzer Bischofs Hugo von Landenberg 1496 

bis 1500 244 

- 103. Österreichisches Zweipfennigstück oder halber Kreuzer ums Jahr 1510 

zu Wien geprägt 244 

104. „ . , ,. I Pfennig Herzog I^opolds VT. von Österreich . 248 
ine Gemeinschaftsmünze t 11{ . , e . in o , • 0 <o 

105. J Pfennig brzbiscbof Eberhards U. von Salzburg . 248 

106. GemeinschaftBinünze Erzbischof Bohemunds II von Trier (1354 — 1862) 
und Herzug Wenzels von Luxemburg (1353-1383) 248 

107. Brakteat des B. Heinrich von Konstanz 1 233— 1 248, dem Münzbund von 
1240 angehörig (aus einem bei Rom gemachten Funde) 251 



Digitized by Google 



Einleitung. 



§ 1. Gegenstand der Münzkunde und Gel (teeschichte. 

1 . Ein Münzstück kann den zu geschichtlicher Betrachtung neigen- 
den Beschauer zu verschiedenen Untersuchungen anregen. Die Münze 
wird ihm als ("berhleihsel der Vergangenheit zunächst ein Zeugnis dieser, 
insofern also geschichtliche Erkenutnisquelle überhaupt sein. Da jedoch 
die Herstellung der Münze durch Aufdrücken eines Gepräges — einer 
bildlichen Darstellung im weiteren Sinne — auf ein Metallstück er- 
folgte und dieses dann als Geld eine wirtschaftliche Aufgabe zu er- 
füllen hatte, so wird ihm die Münze insbesondere in Hinblick auf ihr 
Gepräge und ihren einstigen Zweck historische Erkenntnisquelle sein. 

Die Lehre von den Münzen, gewöhnlich Numismatik genannt, 
stellt sich zur Aufgabe, die Münzen nach den angedeuteten Richtungen : 
der das Aufsere der Münze berücksichtigenden vorwiegend beschreibenden 
einerseits und der volkswirtschaftlichen anderseits, zu untersuchen und zu 
erforschen. Sie hat, da sie über ein abgegrenztes Forschungsgebiet ver- 
fügt, auch eine selbständige Stellung in der Gruppe der historischen 
Wissenschaften , kommt jedoch vornehmlich als Hilfswissenschaft der 
Geschichte in Betracht, indem sie uns Äusserungen menschlicher Tätig- 
keit auf politischem , künstlerischem und volkswirtschaftlichem Gebiet 
erschliefst, die sodann die Geschichte zu einem Gesamtbild der mensch- 
lichen Zustände in der Vergangenheit verarbeitet. 

2. Je nach seinem Zweck kann also der Korscher die Münze als 
geschichtliehe Erkenntnisquelle in verschiedener Weise benutzen, nament- 
lich kann solches nach folgenden drei Richtungen geschehen: 

a) Was vor allem in die Augen fällt, ist , dafs dio Gepräge der 
Münzen uns Namen und Bilder von Personen und Orten, Staats- und 
Städtewappen u. dgl. überliefern. Daher kommt es. dafs mim die 
Münzen am frühesten als Quelle der Staats- und Fürstengeschichte 
behandelt und geschätzt hat, ein Standpunkt, für den die im 18. Jahr- 
hundert erschienenen »historischen Münzbelustigungen typisch sind. 

Luschi n , Nuinisinutik. 1 



Digitized by Google 



2 



Einleitung. 



b) Richtet man das Augenmerk nicht so selir auf den Gegenstand 
als auf die mehr oder minder künstlerische Ausführung der Darstellung, so 
werden die Münzen zu einer wichtigen Erkenntnisquelle der Kultur- 
und namentlich der Kunstgeschichte. Diese Art der Betrachtung ist für 
die Gepräge des Altertums schon längst üblich, dagegen für Münzen 
des Mittelalters und der neuoren Zeit bisher sehr vernachlässigt. 

c) Sowohl die Betrachtung vom staatengeschichtlichen als auch vom 
ästhetischen Standpunkt erfafst nur die Aufsenseite der Münze, nicht 
aber ihr eigentliches Wesen, die wirtschaftliche Aufgabe, durch welche 
sich die Münze von andern, in der Form ähnlichen Gebilden, wie 
Medaillen. Jetons, Raitpfennigen u. dgl., scharf unterscheidet. Erfassung 
der Münze als Überbleibsel der wirtschaftlichen Zustände in der Ver- 
gangenheit, z. B. als Teil eines ehemaligen Münzsystems, Erforschung 
der Umstände, unter welchen das Stück seinerzeit in den Verkehr trat, 
der Grüfse seines Nennwerts, Erschliefsung des Mctallinhalts, den es vor 
Einwirkung der schädigenden Umstände des Umlaufs besafs oder doch 
besitzen sollte, dies und ähnliches sind Aufgaben, die der Lehre von 
den Münzen als ehemaligen Geldstücken zukommen, durch deren Be- 
wältigung sie sich aus der Reihe einer blofsen Liebhaberei zum Range 
einer Wissenschaft erhebt. Doch sind die Schwierigkeiten, die sich der 
Erforschung der volkswirtschaftlichen Zustände des Mittelalters auf dem 
Gebiet des Münzwesens entgegenstellen, so bedeutend, dafs trotz 
mancher achtenswerten Leistung im einzelnen, das meiste hier noch zu 
tun übrigbleibt. 

3. Die Lehre von den Münzen in dem unter a bis c angegebenen 
Umfang fafst man unter dem Gesamtausdruck Numismatik zusammen. 
Diese zerfällt, je nachdem das Aufsere oder das Wesen der Münzen zum 
Gegenstand geschichtlicher Betrachtung gemacht wird: 

a) in die Münzkunde, die sich an die Erscheinungsform, an das 
aufsere Bild der Münze hält und daher vorwiegend beschrei- 
benden Inhalts ist; 

b) in die Münzgeschichte, welche die Münze als gewesenes 
Geld, also nach ihrer volkswirtschaftliehen und rechtlichen Seite 
betrachtet. Die Münzgeschichte erweitert sich zur Gelolgeschiehte, 
sofern sie sich nicht auf Münzen beschränkt, sondern auch die 
übrigen im Verkehr üblichen Geldformen sowie die Ersatzmittel 
des Geldes in Betracht zieht. 

Münzkunde und Münzgeschichte erschöpfen demnach den Inhalt 
der Numismatik und können nebeneinander gestellt als Ersatz für den 
Gesamtausdruck dienen. 

4. Bei der Darstellung sowohl der Münzkunde als der Münz- 
geschichte unterscheidet man zwcckiniifsig einen allgemeinen und einen 
besondern Teil. In der Münzkunde wird der allgemeine Teil von der 
äufsern Erscheinung der Münze ausgehen und jene Grundbegriffe zu 
entwickeln suchen, die für den Sammler wie für den Forscher von 
Bedeutung sind, so z. B. die Gröfse, Gestalt, den Stoff der Münzen. Der 



Digitized by Google 



§ 1. Gegenstand der Münzkunde und Geldgewchichtc. 



allgemeine Teil wird ferner die für die Bezeichnung und Beschreibung 
der Münze wichtigen Ausdrücke, die Kennzeichen zur Unterscheidung 
echter und unechter, erdichteter oder verfälschter Münzen, die Anhalts- 
punkte zur Bestimmung unbekannter Gepräge erörtern. Der besondere 
hingegen wird die Eigentümlichkeiten behandeln, durch welche sich die 
Münzen eines gewissen Zeitabschnittes oder eines bestimmten Landes 
von andern Münzen unterscheiden. 

In ähnlicher Weise wird die Münzgeschichte oder, wenn man die 
schon erwähnte Erweiterung eintreten läfst, die Geldgeschiehte, in ihrem 
allgemeinen Teil die Münze oder das Geld als Zahlungsmittel überhaupt 
betreffen, z. B. erörtern, was während einer gewissen Zeit als Zahlungs- 
mittel gedient hat und von wem dies abhing, wie man die Münze her- 
stellte, welchen Wert man ihr beilegte u. dgl. Der besondere Teil hin- 
gegen hat die Münz- oder die Geldgeschichte, sei es eines bestimmten 
Zeitraumes, sei es eines bestimmten Landes nach ihren Eigentümlich- 
keiten zum Gegenstand. 

5. Die Numismatik zieht die Münzen aller Zeiten, Staaten und 
Völker in den Kreis ihrer Betrachtung, sie läfst sich daher wie später 
{§ 12) gezeigt werden wird, nach historischen, geographischen, politischen, 
künstlerischen und manch andern Gesichtspunkten verschieden einteilen. 
Da jedoch die Numismatik ihrem Wesen nach in das Gebiet der 
Geschichte gehört , so ist »lie Einteilung in Forschungsgebiete, die ge- 
wisse Zeiträume umfassen, für «lie wissenschaftliche Behandlung derselben 
von besonderer Bedeutung. Uber die Zeitpunkte, nach welchen die 
Trennung zu erfolgen habe, und die Zahl dieser Zeiträume herrscht 
keineswegs Übereinstimmung. Manche befürworten die Gliederung der 
Numismatik in solche der alten, mittleren und der neueren Zeit, richtiger 
erscheint wohl die Einteilung in antike und moderne Numismatik, welch 
letztere noch in Numismatik des Mittelalters, der neuern Zeit, auch wohl 
der Gegenwart unterschieden wird. 

ü. Gegenstand dieses Buches bilden die Grundlagen der Numis- 
matik des abendländischen Mittelalters und der neuern Zeit, und zwar 
sollen als erster Teil die allgemeinen Lehren der Münzkunde behandelt 
werden, im zweiten Teil hingegen wird die allgemeine Geldgeschiehte 
in gleichem zeitlichen und räumlichen Umfang nach ihren Beziehungen 
zur Volkswirtschaft und zum Recht getrennt, dargestellt werden. Aus- 
geschlossen bleibt die Behandlung münzähnlicher Gebilde, obwohl diese 
viele Sammler haben und sie auch oft ohne weiteres unter die Münzen 
gereiht werden. Allein die Ähnlichkeit beschränkt sich auf das Aulser 
liehe, es sind geprägte oder gegossene Metallstücke, die niemals Geld, 
sondern von Hause aus für andere Zwecke bestimmt waren. Mögen sie 
nun Medaillen, Plaketten, Jetons, Rechenpfennige, Wallfahrts oder Weihe- 
münzen : f Adrefsmarken oder wie immer heifsen, so hat man sich vor 
der Vermengung mit wahren Münzen zu hüten. Jene haben ihre eigene 
Literatur, und wer sie sammelt, möge sie abgesondert von den Münzen 
zu eigenen Reihen zusammenlegen. Wohl aber gehören Gedächtnis 

1* 



Digitized by Google 



4 



Einleitung. 



münzen (dies Wort in strengem Sinne genommen , denn im weitern 
werden auch die Medaillen darunter begriffen) hieher, weil sie Geld 
waren, obgleich sie aufserdem durch Schrift oder Bild die Erinnerung 
an bestimmte Personen oder Ereignisse festhalten sollten, ferner Kredit- 
münzen aller Art, mögen sie nun eigentliche Notmünzen oder nur münz- 
ähnliche Ersatzmittel (Surrogate) sein, wie dies § 4 des nähern ausgeführt 
werden soll. 

Pawlowski Alexander von, Über wissenschaftliche Klassifikation der mittel- 
alterlichen und modernen Münzen. Wiener num. Zeitschr. XIV, 20ß. — Oers., Über 
die theoretischen Grundlagen zum Studium der mittelalterliche u und modernen Numis- 
matik, a. a. O. XIX, 36'J. — Schalk K., Nationalökonomie und Numismatik in ihren 
Beziehungen, a. a. O. XXIII, 321. — Chalon R, La numisniatigue, 1874 (Cumont 
Nr. 407). — de Witte A., Etat actuel de la stienre mimwnatique. Vortrat auf der 
a. o. Versammlung der belgischen numismatischen Gesellschaft zu Ypern, gehalten am 
14. Mai 1893. (Revue Beige de numisraatique 1893.) — Gabrici Ettore, Le rOle de 
la numismatique dans le mottrement scientißque contemporain. (Vortrag auf dem Inter- 
nationalen Numismatikerkongrefs zu Paris 1900, gedruckt in den von Castellane 
und Blanchet hcrausgg. Verhandlungen des Kongresses, Paris 1900. — Grote H., 
Die Geldlehre. § 1 : Münzkunde und Geldlehre. (Münzstudien Bd. IV, 2. Abtig.) — 
Weil R., Zur Geschichte des Studiums der Numismatik. Zeitschr. f. Numismatik XIX, 
245. Berlin 1895. Promemoria der Wiener numism. Gesellschaft an das k. k. Unter- 
richtsministerium um Errichtung einer Lehrkanzel für die gesamte Münzkunde an der 
k. k. Universität Wien, 1893. Monatsbl. d. num. Gea. in Wien II, Nr. 119 und III, 
Nr. 126. — Na gl A., Die Numismatik und ihre akademische Lehre. Vortrag, a. a. O. 
Nr. 120. — Kirmis M., Die Numismatik in der Schule. Neumünster 1888. — Tick 
P , Vortrag über Archäologie und Numismatik auf dein Philologentag in Halle 1903. — 
Leite de Vase oncel los .1., Klent ho das licoc* de Xumismatiea dadas na Biblio- 
theca national de Lisboa. Lissabon 1894. — Hürkel L. v., Die Bilder der süddeutschen 
breiten Pfennige (Halbbrakteaten), ihre Erklärung durch Beziehung auf andere Kunst- 
gattungen. München 1903. 

Handbücher: Bren dicke IL, Einführung in die Münzkunde (Berlin o. J. um 
1890). — Der«., Der Münzsammler. (Stuttgart <>. J. um 1901). — Dannenberg H, 
Grundzüge der Münzkunde. Leipzig 1891, 2. vermehrte und verbesserte Aufl., 1899 
(erschien unter den Weberschen Katechismen). — Ilalke H., Einleitung in das Stu- 
dium der Numismatik. Berlin 1882. 2. venu. Aufl., 1889. — Meister F., Münzkunde 
für Anfänger. Leipzig 1895. — Sali et A. v., Münzen und Medaillen. Merlin 1898. 
— Stückelberg E. A, Der Münzsammler, Handbuch für Kenner und Anfänger. 
Zürich 1899. — Babel on E, Softer Sur la nionnaie. Paris 1898. (S. A. aus der 
Grande Encvelopedie). — Blanchet J. A , Soureau mannet de la numismatique du 
moyen - öge et moderne. Paris 1890. 2 Bunde und Atlas. Gehört zu den Manuels 
Boret.) — Engel A. et Serrure IL, Tratte de numisntatiqtte. Moyen-oge. 2 Bände. 
Paris 1891, 1894. Ntunixmatii/ue moderne et contemporainc. 2 Bände. Paris 1S97, 
1899. (Leider unvollendet, im übrigen das beste Werk, das wir über den Gegenstand 
besitzen.) — Amhrosoli S., Manuale de nunnsnutfira. Mailand 1891; 2. verm. Aufl. 
1895, eine 3. Aufl. ist im Zuge. (Erschien in den Manuali Hoepli.) — Laue Po nie, 
Coins and Medals London 1892. 

§ 2. Quellen und Hilfswissenschaften der Numismatik. 

1. Die wichtigsten Quellen für die Numismatik sind die Münzen 
und münzähnlichen Denkmale. Dies erklärt, warum in dieser Wissen- 
schaft die Sammler eine groTsere Rolle spielen als auf andern Gebieten. 
Man mag ein noch so tüchtig geschulter Historiker sein, so wird man 
doch in Fragen der Münzgesehichte nicht leicht zu wichtigen Forschungs- 



§ 2 Quollen und Hilf»wi8.scnschuften der Numismatik. 



ergebnissen gelangen, es sei denn, dais man damit auch den durch die 
praktische Erfahrung eines Sammlers oder durch die Beschäftigung an 
einem grofsen Münzkabinett geschärften Blick und eine gewisse natür- 
liche Begabung mitbringt. Die Numismatik, erklärt Freiherr von 
Koehne, der langjährige Herausgeber von Fachzeitschriften, die zu Berlin 
und Petersburg erschienen, ist eine Wissenschaft, zu der man geboren 
sein mufs wie zur Mathematik. Das feine kritische Gefühl, aus Stil und 
Fabrik der Münzen auf ihre Zeit und ihr Vaterland zu schliefsen, läfst 
sich nicht jedem eintrichtern . 

2. Nächst Münzen sind Urkunden über das Münzwesen der ein- 
zelnen Länder, z. B. Münzvereinigungen, Pachtverträge über Münzstätten, 
amtliche Wertfestsetzungen (§ 3, 1 ; § 24, 8) und andere Münzvorschriften 
die wichtigste Quelle der Numismatik, zumal sie der geschichtlichen For- 
schung in manchen Fragen mehr Aufschlüsse bieten können als die 
erhaltenen Münzen selbst. Den ämtlichen Aufzeichnungen anzureihen 
sind solche von Privaten, wie beispielsweise uns die Chroniken des Burk- 
hard Zink, des Pfarrers Unrest und eines Ungenannten (bei Senken- 
berg Stjecta iuris V) die ausführlichsten Nachrichten über das Münz- 
unwesen der sog. Schinderlinge (1457 — 1460) darbieten, oder die um- 
fängliche Literatur, zu der das Kipperwesen in den Jahren 1C18 bis 
1624 Anlafs gab, ferner Rechnungen aller Art. Dazu gesellen sich bild- 
liche Darstellungen, die uns die Vorgänge bei der Münzerzeugung ver- 
anschaulichen, und endlich auch Münzgeräte, die sich aus früherer Zeit 
erhalten haben (§ 10, Absätze 11, 12). 

3. Die Numismatik umfafst demnach ein ausgedehntes Gebiet, zu 
dessen Erforschung und Verständnis verschiedene sprachliche und gra- 
phische Vorkenntnisse sowie mancherlei Hilfswissenschaften erforderlich 
sind. Die wichtigsten derselben sind : 

a) die politische, Rechts- und Kulturgeschichte der Staaten und 
Völker als Grundlage aller numismatischen Forschung; 

b) politische Geographie und Staatenkunde der mittleren und neueren 
Zeit. Sie lehrt uns die jeweilige Zusammensetzung und den Umfang 
der Staaten, deren Münzverhältnisse zu erforschen Aufgabe der Numis- 
matik ist, auch bietet sie in vielen Fällen die Grundlage zur wissenschaft- 
lichen Anordnung einer Münzsammlung (§ 12, 7); 

c) die Chronologie, die uns die Zeitfolge der Tatsachen und die 
Genealogie, die uns die Reihenfolge der Herrscher erschliefst sowie ein- 
zelne wichtige Vorgänge im Staate, z. B. Länderverteilungen und Länder- 
vereinigungen, erst verständlich macht; 

d) die Heraldik und Siegelkunde zur Erklärung der auf Münzen 
so häufig vorkommenden Wappen; 

e) die politische Ökonomie, zumal in jenem Teile, der sich mit der 
Lehre vom Gelde beschäftigt (§ 17 ff.), und 

f) die Metrologie, die zur Ermittelung des Münzfufses (§22) unent- . 
behrlich ist. 



ized by Google 



Einleitung. 



§ 3. Literatur der Numismatik. 

1. Abhandlungen über das Wesen des Geldes sind uns in den 
Schriften der Theologen und Juristen des Mittelalters erhalten, nament- 
lich sei auf Thomas von Aquino hingewiesen, der in seiner Schrift 
De regimlne prinvipis, II c. 13, 14 die Münzveränderung und die verschie- 
denen Aufgaben des Geldes behandelte und auf lange Zeit für die 
kanonistischo Schule mafsgebend wurde. Nach ihm ist Nikolaus 
Oresmius (t 1382) mit seinem Tractatm de origine, iure, nee non et 
mutafiunibm monetamm als Gelehrter zu nennen, der bereits die rich- 
tige Lehre vom Gelde in klassischer Weise vorgetragen hat, welchem 
in Deutschland zu Ende des 15. Jahrh. der Tübinger Professor Gabriel 
Byel oder Biel mit seinem Traktate De monetarum potestate et utilitate 
(erste Ausgabe Nürnberg 1542) folgte. Einen andern Standpunkt zur 
Betrachtung der Münze gewann man erst im Zeitalter der geistigen 
Wiedergeburt, und da ist es begreiflich, dafs sich sowohl der Sammeleifer 
als die Erklärungsversuche vorerst den Münzen des Altertums zuwandten. 
So besprechen z. B. die Miscelhnua des Humanisten Angelus Pon- 
tianus, die 1489 zu Florenz in Druck erschienen, die Freiheitsmützen 
und Dolche auf den Münzen des Brutus und beantworten die Frage, 
warum der Kopf auf den Münzen des Lysimachus ein Widderhorn zeigt. 
In Deutschland verfafste der bekannte Humanist und Bischof von Worms, 
Johann v. Dalberg (* 1445, f 1503), einen Li her de origine et rationc 
monrtae, den Goldast wahrscheinlich in Handschrift besafs. Von Jo. 
Huttichius erschien 1525 zu Strafsburg und noch öfters ein Libelhis 
de Romanurum Imperator ilms , in welchem die Bildnisse nach römischen 
Münzen gezeichnet sind usw. 

Ende des 15. Jahrh. begann man die Buchdruckerpresse auch für 
gewisse, dem wirtschaftlichen Leben dienstbare Verzeichnisse und Wert- 
vergleichungeu von umlaufenden Münzen zu verwenden, deren Kund- 
machung bisher durch den öffentlichen Ausrufer auf Strafsen und Plätzen 
erfolgt war. Je nach Bedarf wurden solche Verlautbarungen bald als 
Flugblätter, bald in Buchform ausgegeben. Ein solches Flugblatt, wohl 
das älteste, das man kennt — es mag um 1480 zu Augsburg ausge- 
geben worden sein — bildet einige falsche Gulden ab, die man in den 
Niederlanden gemacht hatte. Vom 1b\ Jahrh. ab nimmt die Zahl solcher 
Schriften, die als Münztarife, Valvationen, Mandate, Ordonantien, Plac- 
cards u. dgl. bezeichnet wurden, rasch zu; ämtliche Fürsorge auf der 
einen Seite, buchhändlerischer Unternehmungsgeist auf der andern 
halten uns so Tausende von Münzgeprägcn in mehr oder minder gelun- 
genen Holzschnitten oder Stichen überliefert; nebstbei gab es auch Münz- 
vergleichungen ohne Abbildungen in den Handbüchern für Kaufleute 
und erschienen auch mancherlei juristische Traktate über Wesen und 
Aufgabe der Münze. 

2. Die allmählich erwachende Neigung zur Erforschung der eigenen 
Geschichte führte indessen schon im 1*>. Jahrh. zu einigen Schriften, 
welche sich dem Münzwesen der unmittelbaren Vergangenheit zuwandten. 



Digitized by Google 



§ 3. Literatur der Numismatik im 16. und 17. Jahrh. 



7 



An deren Spitze stehen die Werke De asse et partibm eins und Libellus 
de moneta graeca ad gallicam pccunium aestimata des gelehrten Franzosen 
Wilhelm Bude* oder Budaeus (* 1467, f 1540), die nebenbei auf den 
Wert der altfranzösischen Münzen eingehen, dann de* Spaniers Dida- 
cus Covarruvias de Loiva (* 1512, f 1577) Veterum numismatnm col- 
latio mm Iiis, quae modo cxpenduntur. In Deutschland werden wohl 
Willibald Pirk heimer mit seiner 1528 niedergeschriebenen Priscorum 
nu worum aestimatio und Henricus Mameranus mit seiner 1550 ver- 
fafsten kleinen Abhandlung Priscae monetae ad liuius nostri temjwris diver- 
sas aliquot nationum monetas supputatio als die ersten zu nennen sein, 
die den Versuch machten, griechische und römische Münzwerte in gang- 
barer Münze auszudrücken. Ihnen folgte Matthäus Boyfs oder Boifs 
mit seiner Ausgabe der Tractatus rarii atque utilcs de monetis, die 1574 
zu Köln erschienen und dann 1591 der gelehrte kurfürstlich kölnische 
Münzvorstand und Jur. Lic. Reinhard Budelius mit dem ausführ- 
lichen Werke De mottete et re numaria libri duo, das schon mit Abbil- 
dungen zeitgenössischer Notmünzen und einiger antiker Gepräge aus- 
gestattet wurde und im Anhange einen vermehrten Wiederdruck obiger 
Münztraktate enthält. 

3. Während Budelius als gelehrter Jurist wie seine Vorgänger 
Budaeus und Covarruvias den Schwerpunkt der Darstellung in die 
Erörterung der mit dem Münzwesen zusammenhängenden Rechtsfragen 
verlegt, haben Tilemann Friese und Erasem van Höuwelingen 
die geschichtliche Betrachtung, die sich bei der Münze an deren Bild 
und Aufschrift knüpfen läfst, in den Vordergrund gerückt. Erasem 
van Höuwelingens Pennigboeck ofte Wegwyzer der Ch'roniiken von 1597 
ist etwa 100 Jahre später die Grundlage von Alkemades Münzgeschichte 
von Holland (1700) geworden. Der Göttinger Bürgermeister Tilemann 
Friese hingegen hat in seinem 1592 erschienenen Münzspiegel als erster 
ein allgemeines Handbuch für Numismatiker geliefert, das im ersten Buche 
von der »Münz, ihrer Materie und Bereitung überhaupt * handelt, im 
zweiton und dritten Buche einen Abrifs der Münzgeschichte des Alter- 
tums und Deutschlands im Mittelalter liefert und im vierten verschiedene 
deutsche und aufserdeutsche Münzgattungen bespricht. Anfangs des 
17. Jahrh. haben dann der Superintendent zu Röthen Daniel Ange- 
locrator seine Doctrina de ponderibus monetis et mensuris per totnm terra- 
rum orbem usitatis (Marburg 1617, zweite Auflage Frankfurt 1028) und 
der Rechtsldstoriker Melchior Goldast v. Haimensfeld sein Catho- 
ticon rei monetariae, sire leges monarchicae generales de rebus numariis et 
pecnniariis herausgegeben (1620). Aufser Stellen aus dem Corpus iuris cano- 
nici et civilis wurden hier Bestimmungen über das Münzwesen gotischer 
und fränkischer Könige sowie der deutschen Herrscher l»is auf König 
Matthias herunter systematisch zusammenstellt und unter 67 Rubriken 
verteilt. Im ganzen machte jedoch die Literatur der Numismatik im 
17. Jahrh. keine grofsen Fortschritte. Nur in Frankreich zeitigte sie ein 
grundlegendes Werk: Leblancs Tratte historique de monnogs de France 
depuis le comnmwemmt de Ja monarchic jusqu'a present (1690). Die Flut 



Digitized by Google 



Einleituna 



von Schriften, die sich in den Jahren 1618 — 1624 über Deutschland er- 
gofs und das Unwesen der Kipper und Wipper bald vom Standpunkte 
des Theologen, bald des Juristen, bald des gemeinen Mannes beurteilte, 
liefert zwar sehr wertvolle Qucllenzeugnisse für die verheerende Wir- 
kung dieser allgemeinen Münzverwirrung, aber weiter nichts. Ähnlich 
haben die Münzverschlechterungen in der zweiten Hälfte des 17. Jnhrh. 
zum » Discours von dem corrupten Zustand de* Münzwesens im Reich 
und wie demselben abzuhelfen sei (1687) und mancherlei verwandten 
Schriften Anlafs gegeben. Allein die Münzwissenschaft als solche wurde 
dadurch nicht sonderlich gefördert, namentlich stehen die Abhandlungen 
von J. Oh. Olearius, A. Schmid und Ch. Schlegel über deutsche 
Bracteaten, die seit 1678 erschienen, bei aller Tüchtigkeit der Verfasser 
in der Anlage weit zurück hinter Leb laues französischer Münzgeschichte 
oder des Elias Brenne r Thesaurus numorum Sueco-Oothicorum. der 1691 
in erster Ausgabe gedruckt wurde. 

4. Desto ergiebiger war das 18. Jahrh. Die Lust, alte wie neue 
Münzen zu sammeln, hatte jetzt viele Kreise erfafst und galt als standes- 
gemäfse Unterhaltung von Fürsten und Edclleuten. In Doktordisser- 
tationen stritt man über numismatische Fragen, selbst über das Recht 
derer Münzkabinette « werden wir durch solch eine Jenenser Abhand- 
lung vom Jahre 1704 belehrt. Daher ist es nicht überraschend, dafs 
ein unternehmender Hamburger Buchhändler, der 1701 unter dem Ge- 
samttitel : Der geöffnete Ritterplatz«, 14 Grundrisse jener Wissen- 
schaften, so vornemblich denen Cavaliers, hohen Standespersonen und 
allen der Curieusen Erudition beflissenen zu wissen nützlich und höchst 
nötig seind , herausgab, der Münz- und Medaillenkunde darin zwei Ab- 
handlungen von J. Gröuing mit mehr als 400 Seiten einräumte. Die 
Kreierung der Numismatik als einer akademischen Disziplin ging von 
Job. H. Schulze aus, welcher zuerst 1738 zu Halle ein Kolleg über 
die Müuzwissenschaft und die daraus zu erläuternden griechischen und 
römischen Altertümer las, nachdem zuvor schon Immanuel Weber 
der studierenden Jugend zu Giefsen sein Vorhaben wegen Anlegen eines 
Kabinettes von alten Numismatibus und Einführung des curiösen stiulii 
rei numariae 1701 eröffnet hatte. Leblancs Tratte und die 1702 aus- 
gegebenen Medailles sur les prineipawe evenements du regne de Louis le 
Grand gaben den Anstois zu ähnlichen, der Verherrlichung eines Herrscher- 
hauses, eines Staatswesens oder eines einzelnen Regenten gewidmeten 
Münz- und Medaillenwerken. So erschienen: Tenzel, Saxonia nutnis- 
matiea (1700), Beckmann. Historie des Fürsten thums Anhalt (1710). 
Reehtmeier, Historische 'Beschreibung dir Herzoge von Braunschweig und 
Lüneburg (1722), Herrgott, Numotheea prineipum Austriae (1752), Voigt. 
Beschreibung der böhmischen Münzen (1771 ff.), Widmer, Sammlung aller 
Münzen und Medaillen des Wittelsbmhisehen Stammhauses (1784 ff.) für 
Deutschland, während Vergara für Neapel (1715), Florez (1757 ff.) für 
Spanien. Bircherod (1701) für Danemark, Leake (1726 IT.), Snelling 
(1763), Anderson (I7:i ( .») für England und Schottland. Haller (1781) für 
die Schweiz mehr oder minder vorzügliche Münzwerke veröffentlichten. 



Digitized by Google 



g 3. Literatur der Numismatik im 17. und 18. Jahrh. 



9 



5. Auch noue Riehtungen wurden nun der Münzkunde, zumal in 
Deutsehland, gegeben. Job er ts Science de Medailles (1692), noch vor- 
wiegend den Münzen des Altertunis gewidmet, die 1695 in lateinischer 
Ausgabe erschien, 1718 ins Deutsche, 1728 überdies ins Niederländische 
und Italienische übersetzt wurde, gab Veranlassung, dafs Johann 
Peter v. Lud ewig (1709) seine •'Einleitung zu dem Deutschen 
Münzwesen nuttlerer Zeiten herausgab, um den unnötigen Eifer der 
Deutschen für fremde und Kaltsinnigkeit derselben gegen ihre eigenen 
Sachen zu bekämpfen. Freiherr Johann Georg v. Praun lieferte 
eine nahezu das ganze europäische Münzwesen älterer und neuerer Zeiten 
unifassende und wirklich gründliche Nachricht«, die es auf drei Auf- 
lagen (1739, 1741 und 1784) brachte. Anknüpfend an Tenzels ^Monat- 
liche Unterredungen (1689 ff.), veröffentlichte der Altdorfer Professor 
Johann David Köhler seit 1729 durch 22 Jahre wöchentlich seine 
.Historischen Münzbelustigungcn <, welche die erste rein numismatische 
Zeitschrift waren und Bauers Auserlesene Neuigkeiten für Münzlieb- 
haber (1749 ff.), Herolds ?Dem Münzvergnügen gewidmete Neben- 
stunden (1774 ff.), Wills Nürnbergische- (1764 ff.), Fi n au er« Bai- 
rische Münzbelustigungen , (1768) und ähnliches nach sich zogen. Nach 
anderer Richtung vorbildlich war Lilien t hals Auserlesenes Taler- 
kabinett. (1730), das die Sammellust des Münzliebhabers auf Gepräge 
einer bestimmten Gröfse hinlenken wollte. Es hat Joachims Neu- 
eröffnetes Groschenkabinett (1749 ff.), Köhlers (1759 ff.) und Soothes 
Dukatenkabinett x (1784 ff.), Madais Talerkabinett (1765 ff.) und 
Weisens »Guldenkabinett : (1780 ff.) veranlagst, die als Fundgrube der 
darin verzeichneten Gepräge ihren Wert bis heute bewahrt haben. Jo- 
hann Ch. Hirsch gab (1756 ff.) eine Sammlung aller ihm erreichbaren 
Münzurkunden unter dem Titel Des Deutschen Reichs Münzarchiv« 
in 9 Foliobänden und Johann Georg Lori etwas später eine Samm- 
lung des bayerischen Münzreehts in 3 Bänden heraus. Würfel, Plato 
genannt Wild, und Joseph Eucharius Obermayer lieferten 1761 
bis 1763 die ersten Fundbeschreibungen in Deutschland. Prachtwerke 
mit vortrefflichen Stichen, welche, wie die auf Veranlassung Kaiser 
Franz' I. veröffentlichten Monnoycs en or und Catalogue des Monnoyes en 
argent (1756 ff.), den Bestand grofser Sammlungen vorführen sollten, er- 
freuten die Liebhaber; Sammelwerke wie Argelatis De monetis Itidiae 
variorum diss&iationr* (6 Bde., 1750 ff.) oder Zanettis Nuoca raccolta deUe 
vionete e zecche d'ItuUa (5 Bde., 1775 ff.) erleichterten die Anschaffung 
seltener Einzolabhandlungen, unter welchen jene von V. Bellini (1754 ff.) 
und die geldgeschichtlichen Untersuchungen des Grafen Carli Rubbi 
(1751 ff.) besonders zu erwähnen sind. So reichlich war die Zahl numis- 
matischer Veröffentlichungen geworden, dafs gelegentliche Verzeichnisse 
von -Skribenten« der Münzwissenschaft und die Zusammenstellungen 
Brückmanns (1729 ff.), Kreysigs (1736) und anderer nicht mehr aus- 
reichten. Job. Chr. Hirsch, der Herausgeber des Teutleben Münz- 
archivs, lieis 1760 eine Dibliotheca numismuticu omnium gentium als Folio- 
band erscheinen, die 1801 durch des J. G. Lipsius Bibliotlieca numaria 



Digitized by Google 



10 



Einleitung. 



ihre Ergänzung und Fortführung bis zum Schlüsse dos 18. Jahrh. er- 
fahron hat. 

(>. So war die Literatur der Numismatik am Schlüsse des 18. Jahrh. 
zu überreichlicher Fülle erwachsen. Auf dem Gebiete der Münzkunde 
des Altertums war Eck h eis Dmtrina numnumtm reterum (1790 ff.) als 
eine die Sammel- und Forschortätigkeit von Jahrhunderten zusammen- 
fassende und absehliefsende Arbeit erschienen; desto übler war es um 
die Numismatik der späteren Zeiten bestellt: viel zusammengetragener 
Stoff, aber wenig Kritik war hier zu finden. Trotz «1er deutlichen Jahres- 
zahlen l. r >79, 1602 hat Do Ruheis Augsburger und bayerische Pfennige 
einigen Patriarchen von Aquileja des 14. und 15. Jahrh. zugeeignet. 
Joachim erläuterte mit grolser Beledenheit einen brandenburgisehon 
Pfennig des 13. Jahrb., den er für eine Denkmünze der Mitregierung 
Kaiser Ottos II. mit seinem Vater Kaiser Otto I. hielt. Bircherod in 
seinem Specimen antiqme rri monehuiae Danomm übernahm anstandslos 
die Abbildungen alter englischer Münzen, die Spei mann in seiner Vita 
Alfred i auf den doppelten Durehmesser, also auf Talergröfse, gebracht 
hatte, Münzen der deutschen Könige und Kaiser wurden den gleich- 
namigen Karolingern zugeeignet usw. Der Mann, der hier Wandel 
schaffte, war der Prager Professor Joseph v. Mador (* 1754. f 1815). 
Seine zwei Versuche über die Brakteaten (1797. 1808), mehr noch seine 

Kritischen Beiträge zur Münzkunde des Mittelalters , waren bahn- 
brechend und sollten auch heute noch jedem Forscher mittelalterlichen 
Münzwesens genau bekannt sein, zumal sieh Mader nicht auf deutsche 
Münzen beschränkte, sondern abendländische Gepräge überhaupt sowie 
allgemeine Fragen behandelte. 

7. Nach Maders Tod trat allerdings Stillstand ein, der an zwei 
Jahrzehnte dauerte, bis die Jahre 1834/35 eine Wendung zum Bessern 
brachten. Damals verdiente sieh der spätere Altmeister der deutschen 
Numismatik Dr. Hermann Grote (* 28. Dezember 1802, f 1895) 
seine Sporen. Schon 1831 war er als erster mit dem Plane einer numis- 
matischen Zeitung aufgetreten, die dann als Beilage zu den Hannover- 
schen Landesblättern erschien und Blätter für Münzkunde (1834 bis 
1844) hiels. Kurz darauf (1835) hatte der durch die Ereignisse des Jahres 
1831 aus Polen vertriebene Professor Joachim Lelewel zu Brüssel in 
seiner Nitmisnmtique du Mayen aye eansideree sous le rapport dn type der 
Forschung auf dem Gebiete mittelalterlicher Münzkunde neue Richtpunkte 
gegeben. Dies waren Wagnisse, denn die äufsern Umstände waren 
solchen Unternehmungen nichts weniger als günstig. Die Ankündigung 
von Lei tz man ns numismatischer Zeitung wurde von der Presse mit 
beizendem Holme begrüfst. Sie werde, hiefs es 1834 in Nr. 74 des 

Planet., wohl umsonst erschienen sein; wer interessiere sich jetzt noch 
für die Ahstrusitäten der Numismatik; allein der Erfolg gab den mutigen 
Herausgebern gegenüber den Spöttern recht. Nichts ist für den Um- 
schwung in den Anschauungen, der alsbald eintrat, mehr bezeichnend, 
als dals Leitzmann seine gutgemeinte, aber inhaltlich keineswegs bedeu- 
tende Zeitung durch 40 Jahre (1834 — 1873) erhalten konnte. In ganz 



Digitized by Google 



§ 3. Literatur der Numismatik im 19. Jahrh. 



11 



Europa ist seitdem die Lust und Liebe zur Numismatik, namentlich zur 
Münzkunde der eigenen Vergangenheit, wieder erwacht. Ein«' Reihe 
tüchtiger Fachzeitschriften zu Berlin, Blois, Brüssel, Hannover, Leipzig, 
London, Paris, St. Petersburg, dann zu Florenz, (Jenua, Mailand, Wien usw. 
trat in wissenschaftlichen Wettbewerb und gab zur Bildung zahlreicher 
numismatischer Vereine den Anstofs. Nach einer Zusammenstellung im 
Num. sphrag. Anzeiger« (1898) erschienen am Schlüsse des 19. Jahrh. in 
Europa gleichzeitig 24 numismatische Zeitschriften, 10 deutsche, 6 fran- 
zösische, 3 englische, je 1 in niederländischer, schwedischer, russischer, 
polnischer und italienischer Sprache. Das Zusammenwirken von Samm- 
lern und Forschern, die Organisierung des Münzhandels, namentlich aber 
die Beachtung der Münzfunde, haben das Münzniaterial in ungeahnter 
Weise erweitert. So wurden der Münzwissenschaft mit einem erweiterten 
Arbeitsfeld auch neue Aufgaben gegeben, neue Wege der Forschung 
erschlossen, neue Hilfsmittel in den Dienst der Wissenschaft gestellt und 
dadurch jener Zustand der Blüte herbeigeführt, dessen sich die Numis- 
matik in unsern Tagen erfreut. 

Da die Literatur dor Münzkunde und Geldgeschichte neben einigen Hauptwerken 
vor allein aus einer grofsen Zahl von Abhandlungen besteht, die in vielen Zeitschriften 
erschienen, so empfiehlt sich die Anwendung von feststehenden Abkürzungen. Für 
die häufigst erwähnten Verlagsorte wurden benutzt: B. - Berlin, Br. = Brüssel, D. — 
Dresden, F. — Frankfurt a. M , H. Hannover, .T. = Jena, L - Leipzig, M. München, 
X. = X (Irnberg, P. = Paris, S. — Stuttgart, W. _ Wien, Z. Zürich. 

Bibliographien: allgemein. Hirsch, Bibliotheca numismatica. X. 1760. — 
Lipsius, Bibliotheca numaria. L. 1801, 2 Bde. — Leitzmann, Bibliotheca numaria. 
Verzeichnis sämtlicher in dein Zeiträume 1800 — 1866 erschienenen Schriften über Münz- 
kunde. Weifsensee 1867. (2. Aufl ) — Bahrfeldt M., Numismatisches Literaturblatt. 
Wechselnder Verlagsort seit 1880. Vorläufer war das als Beilage zu Walte» nnmis- 
matisch-sphragistischem Anzeiger (IL 1875 — 1878 erschienene Litoraturblatt. Einen 
Überblick über dio Entwickelung der numismatischen Literatur s. E ngel -Se rr u re, 
Traite de numismatique du mogen-age, I. Einleitung, § 1. Jahresberichte über die numis- 
matische Literatur von 1901, 1902, ». Z. f. X. XXIV. 

Bayern: Kuli J. V., Repertorium zur Münzkunde Bayerns. M. 1890— 1903. 
Erscheint als Supplement zu den Mitteilgn d. Bayer, numism. Gesellschaft. 770 Seiten. 

Belgien: t'uinont G, Bibliographie ißm'rale et raisonnee de la numismatique 
Beige. Br. 1883. (2205 Nummern). 

Böhmen: Zibrt, Ccnck Bibliografie ceske historie I, Prag 1900. S. 632 ff. ent- 
halt 400 Nummern über Münzen und Maalse von Böhmen, Mahren und Schlesien. 

England: Cber Geldgeschichte : Mc C n 1 1 oc h , The literature nf politic eronomq. 
London 1845. S 155-191. 

Frankreich: Engel A. et Serrure R., Repertoire den scurres imprim/es de 
la numinmatique franeaiae. 3 Bde. P. 1887— 18H9. Cber 7200 Nachweise. — Lacroix 
Paul, Descriptum de* manuncrits relatifa h la numismatique conserves dans les bildio- 
thcqnex de Paris. Revue Beige de Numismati<|ue. Br. 1879, XXXV, S 1 IT. 

Italien: Tonini, Topographia delle Zerche italiane. Fireuze 1869. S. 105—120. 
— Promis V., Tavole ainottiche, delle mottete italiane. Torino 1869. — Gnccchi Franc, 
ed Ercole, Saggio di Bibiiografia numismatica delle Zccelte italiane medioevali e moderne. 
Milano 1889. 

Polen: Ryszard Anton, Bibiiografia numizmatgezna Polska. Krakau 1882. 

Spanien: Delgado (1). Juan de Dio« de la Rada y — }, Bibiiografia numis- 
matica espanola. Madrid 1886. 

Die numismatischen Zeitschriften bis einschliefHÜch 1889 von Europa und Amerika 
verzeichnet das Repertoire von Engel und Semire I, 3 ff. und III, 3. Die Zahl der- 



ized by Google 



12 



Einleitung. 



selben hat sich seitdem auf rund 100 erhöht. Die von mir häufiger benutzten Zeit- 
schriften und Werke werden unter nachfolgenden Kürzungen angeführt: Annuaire 
=-= A. de la SociHt francaise de numismatique. seit 1866. — Archiv B. - Archiv für 
Brnktcatenkundc, herauflg. von Hudolf v. Höfken. W. 1*85—1901. 4 Bde. B. Mzbl. 

Berliner Münzbliitter, erst herausg. von A. Weyl, nun von E. Bahrfeldt. 1880 ff. Mit 
dem 22. Jahrgang (= Nr. 256' schlofs die alte, mit Janner 1902 begann die neue Folge. — 
Bl. Mzfr. ----- Blätter für Münzfreunde. L. seit 1865. — Bulletin X. = Bulletin men~ 
suel de mitnismatiqtie et d'archeolngie, herausg. von Raymond Serrure seit 1881, erat 
Br., später P. — Eheberg Fber das ältere Münzwesen und die Hausgenossen- 
Schäften. L. 1879 (in Schmollers Staats- und sozial - wissensch. Forschungen, Bd. II, 
Heft 5). — F. Mz bl. = Frankfurter Münzblätter, herausg. von P. Josef. 1. u. 2. Jalir- 
gang. F. 1901. — F. Mzztg. — Frankfurter Münzzeitung, herausg. von P. Josef. 1. bis 
3. Jahrgang. F. 1904. — Grote und Bandzahl Münzstudien, herausg. von II. Grote, 
1 — 9. II. 1857 — 1877. — Grote A. = Numismatischer Anzeiger, herausg. von II. Grote. 
(1868—1873). — Grote Bl. = Blätter f. Münzkunde, I— IV. H. 1835—1844; Grote, 
Geldlehre. L. 1865 (erschien auch in den Münzstudien IV als 2. Abtlg). — Hirsch 
= Des teutschen Reichs Münzarchiv X. 1756 — 1768. 9 Bde. u. Schlüssel. — Koehne, 
B. Bl. ~ Berliner Blätter für Münz-, Siegel- und Wappenkunde. B. 1863—1873. 6 Bde. 
— Koehne M. - Memoires de la SoeiStr d'archeolngie et de numiamatique de S. Veterx- 
bourg. Petersburg-B. 1847—1852. 6 Bde. — Koehne Z. Zeitschrift für Münz-, Siegel- 
und Wappenkunde. B. 1841 — 1816. 6 Bde. N. F. B. lHf>9 — 1862. — Mouadier J. 
= Deutsche Münzen, Gesammelte Aufsätze von — . B. 1891 — 1893. 1., 3., 4. Band. 
(Band 2 ist nicht erschienen). — Mit. B. = Mitteilungen der Bayerischen numismatischen 
Gesellschaft. M. seit 1882. — N A. - Numismatischer Anzeiger, herausg. erst von 
Grote, dann von Walte und Bahrfeldt, zuletzt von Fr. Tewos. H. seit 1868. — 
N. Z. = Numismatische Zeitung, herausg. von J. Leitzmann. Wcifsensee 1834 — 1873. 
Bd. 1—40. — R. N. = Rente de la Xumismatique franraine. Blois. 21 Bde. 1835—1856, 
seit 1856 unter dem Titel Revue nutnisniatique. Xouvelle Serie, 15 Bde. P. 1856 — 1877; 
troiaieme Serie, 14 Bde. P. 1883—1896; quatrieine Serie seit 1897. — R. N. B. ... Revue 
de la numismatiqite Beige, seit 1842; erster Band zu Tirlcmont, die übrigen zu Brüssel. 
Bisher 59 Bde , die ersten 30 Bde. sind in 5 Serion eingeteilt, die späteren durch- 
gezählt; seit 1875 wurde der Titel in Revue beige de numismatique geändert. — Saulcy 
Recueil - - Rccueil de documents rclatifs a Vhistoire des mnnnaie* frapeees par les rois 
de France. P. 1879. t. 1. — Sch mied er — Handwörterbuch der gesamten Münzkunde. 
Halle-B. 1811, Nachtrag 1815. — Soetbecr -- Beiträge zur Geschichte des Geld- und 
Münzwesens in Deutschland. (Erschien in den Forschungen zur deutschen Geschichte, 
Göttingen 1862 ff. in Bd I, II, IV und VI.) Wiener Mw. I, II. meine Abhandlung über 
Wiener Münzweseu, Handel und Verkehr in der vom Altertumsvorcin herausgegebenen 
Geschichte dor Stadt Wien. Bd. I, II. 1897, 1902. — W. X M. - Monatsblatt der numis- 
matischen Gesellschaft in Wien, seit 1*83 bisher 5 Bde., der 6. Bd. 1903 begonnen — 
W. N. Z. - Numismatische Zeitschrift, herausg. von der numismatischen Gesellschaft 
in Wien. 1870 ff., higher 35 Bde. — Z. f X. - Zeitschrift für Numismatik, redigiert von 

A. v. Sali et (zuletzt herausgegeben von Dannenberg, Drefsel, Menndier) 

B. 1874 ff., bisher 24 Bde. 

Münztarife, Valvationen, Placcards. — Die Ordonnance Philipps von 
Burgund vom 8. Dezember 1499 befiehlt, dafs die Abbildungen der zum Umlauf zu- 
gelassenen guten Goldguldcn an den Türen der Kirchen, Rathäuser usw. anzuschlagen 
seien Z. f. X. XX, 353). 

a) Sammlungen : X et l er l an dache Munt Eral rotten van den jaren 1474 to 1499, 
herausg. von Hei maus, Herzogenbusch 1S46. Xederlant'tche Muntboerk. Amsterdam 
1645. — Deutsche Münztarifc wie die vorhergenannten ohne Abbildungen bei Hirsch, 
(Lori), Sammlung des bayerischen Münzrecht««, 3 Bde., Becher, Das österr. Münzwesen 
von 1524 — 183S, 2. Bd. W. 1838. Geigy. Gedruckte schweizerische Münzmandate. 
Basel 18516. — Papadopoli Tariß'e <on disegni di nionrte stampatc a Venezia nel s. 
XVI. Venedig 1S99— 1900, im Xu<>n, archiri» Veneto. Bd. 17 und 20. Einzelne Flug- 
blätter, vielfach mit Abbildungen, haben sich in Sammlungen obrigkeitlicher Erlässe in 



Digitized by Google 



§ -4. Geld, Münze, mtinzahnliche Gepräge. 



13 



grofser Zahl, doch sehr zerstreut erhalten. — Für Frankreich s. eine Zusammenstellung 
bei Engel-Serrure, Repertoire II, 431 Nr. 6894 ff. 

b) Die in Buchform erschienenen Valvationen werden, da man die Verfasser dieser 
Sammlungen nicht kennt, nieist nach den Verlegern zitiert, deren Namen ich daher 
gesperrt angebe: Enaluäcibmukin Gent (um 1548) by Joos Lambrecht, mit einer 
Ergänzung 1551. — Het Thrrxoor oft schat van alle de gpecien . . . van gouden ende 
»ihteren munten. Antwerpen by Guillaem van Parys 1580. — Verzeichnis der bösen 
MOnzHortcn, welche vor der Zeit bis auf difs 1571 Jahr . . . verboten. 1571. 8°. — Ver- 
zeichnis» und Geprügo der groben und kleinen Münzsorten, welcher sich die Chur- 
f Arsten im Obersachsischen Craifse verglichen. L. 1572. Wolfg. Stürmer auch von 
1575, 1578, 1585 4 0 u. dgl. m. 

c) New Müntz-Buech. M. Adam Berg, 1597, 2. Aufl. 1604. — Münzbuoch, darinnen 
zu besehen die besten und schönsten sowol alte als newe Geltmünze. Hamburg, 
Berndt Arents. 1631. (Die 1. Ausgabe soll nach Grote I, 450 schon 1610 erschienen 
sein. Nach Lipsius I, 14 wurde das Buch auch zu Frankfurt bei Zetter und hol- 
landisch zu Leeuwarden, nach Köhler, MQnzbelustigungen XIII, 168, 1631 auch zu 
Hamburg bei Wolders gedruckt. (Madai besafs eine Ausgabe von 1636.) Anzureihen 
sind: Hof mann L. W., Alter und newor Mttnzschlüfsol, N. 1683, 1692, 1715; Lucius 
(Christ. Leonh. Leu cht). Neuer Münz-Tractat. N. 1693; 1700. 

Handbücher für Kaufleute : Pegolotti F. B, Prattica dclla Mercatura (um 
1340). — Uzzano Giovanni da — il libro di Gabelle 1402, beide bei Pagnini, Deila 
deeima et delle allre gravezze. Lissabon und Lucca 1766, Bd. 3 und 4. — Meder 
Lorenz. Münzbüchlein. N. 1557. — Ders.. Handelsbuch. N. 1562. — Scherhauff M. ( 
Handelsbuch Wienn nach Venedig. W. 1563. — Antorffer Wechsel darin gelehret wird, 
wann zu Nürnberg, Ulm etc. ein Summa Gelts auff Wechsel genommen, wie viel man 
in Antorff flämisch Gelt dafür zu erlegen schuldig, s. 1. 1568. — Wechselbuch auf des 
H. R. Reichs auch andere . . . Gulden und silbernen Münzsorten. 1604. — Hof mann 
J. F.. Blühender Wechselbaum oder Wechsel und Münzreduetionstafeln. F. 1609. — 
Kruse, GeldCoursen-Berechnung. Hamburg 1737. — Allgemeine Schatzkammer der 
Kaufmannschaft. 5 Bde. L. 1741—1713 mit ausführlichen Angaben unter den Schlag- 
worten >Geld< und > Münze <. — Nelkenbrecher J. Chr., Taschenbuch eines Bau- 
(piiers und Kaufmanns. B. 1762. Erschien in vielen Auflagen, die 20. B. 1890 unter 
dem Titel: N.s Taschenbuch für Kaufleute. 1. Abt. Taschenbuch der Münz-, Mafs- und 
Gewichtskunde. — Noback Christian u. Fr., Vollständiges Taschenbuch der Münz , 
Mars- und Gewichtsverhältnisse. 2 Bde L 1851. Eine 2. Ausgabe erschien 1877. 

Juridische Abhandlungen. Eine Zusammenstellung der Ansichten dor 
älteren Juristen über die Münze bei Ende mann W., Studien in der romanistisch- 
kanonistischen Wirtschafts- nnd Rcchtslehre. 2 Bde. B. 1877, 1883 (vor allem U, 161 ff.) 
— Boy ss, M.) Tractatus varii atqne utile* de mututis. Köln 1574, vermehrt bei Bu- 
delius R., de moneti«. Köln 1591. S. 343— 79S. — Thesaurus G. A , De monetarum 
angmento, variafione et diminutione tractatus varii. Turin 1609. Die zahlreichen Disser- 
tationen über Fragen des Münzrochts wollen bei Lipenius. Bibliotheca reali* juridica, 
L. 1757, n, 52 ff. und Vogel, LerU'on literaturae acadcmico-juridicac, L. 1836, II 454, 
unter dem Schlagwort Moneta nachgesehen werden. 

§ 4. Geld, Münze, münzHlinllehc Gepräge. 

1. Dor wirtschaftliehe Verkehr bezweckt die Befriedigung der in 
den Wirtschaften vorhandenen Bedürfnisse. Diese kann in verschiedener 
Weise, namentlich durch Ausgleichung jeweilig verfügbarer (.lütcrüber- 
schüsse erfolgen. Auf den tiefsten Stufen gesellschaftlichen Lebens voll- 
zieht sich solches nur durch unmittelbare Befriedigung des wechsel- 
seitigen Bedarfes, also durch Tausch, bei welchem die Wirtschaft A 
Güter, dio ihr entbehrlich sind, der Wirtschaft B, die danach verlangt, 



Digitized by Google 



14 



Einleitung. 



gegen Güter überläfst, die B missen will und A braucht. Allein so vor- 
teilhaft die unmittelbare Umsetzung der vorhandenen Güterübersehüsse 
gegen Gegenstände des Wirtschaftsbedarfcs für A und B sein kann, 

— bei Tausch gewinnen beide Teile, ist ein uraltes Sprichwort — , so 
wird sie doch für Bedürfnisse einer halbwegs entwickelten Gesellschafts- 
ordnung niemals allein ausreichen. Wie schwer wird es oft fallen, gerade 
denjenigen Menschen zu finden, welcher unserm Mangel abhelfen kann 
und zugleich unseres Überflusses bedarf. Noch viel seltener mag es 
vorkommen, dafs sich Überflufs und Mangel in der Quantität genau ent- 
sprechen, dafs, um Roschers Beispiel anzuführen, der Nagelschmied, 
welcher eine Kuli eintauschen will, einen Viehhändler antrifft, der genau 
so viel Nägel braucht, wie eine Kuh wert ist . Selbst der mittelbare 
Tausch, bei dem A seine Überschüsse dem B in der Hoffnung über- 
läfst, die von B erhaltenen Güter, die er selbst nicht braucht, bei C 
gegen solche einzutauschen, deren er bedarf, wird für den Verkehr nur 
selten genügen, da viele Güter nicht ohne Verminderung, ja Zerstörung 
ihres Wertes geteilt, andere nicht ohne Schwierigkeit in grofsen Vor- 
räten aufbewahrt werden können. Die Bedürfnisse des täglichen Lebens 
drängen daher zur Einschiebung eines Gegenstandes in den Güterverkehr, 
der kraft seiner besonderen Eigenschaften die Übertragung der Güter- 
überschüsse ohne Rücksicht auf den unmittelbaren Bedarf der Wirt- 
schaften dadurch ermöglicht, dafs er bei den einzelnen Verkehrsakten 
die als Gegenwert gewünschte Ware ganz oder teilweise ersetzt. Einen 
derart zur Erleichterung des Verkehres verwendeten Gegenstand nennen 
wir Geld. Mit steigendem Verkehr vorliert also der Tausch überall an 
Bedeutung, und die Übertragung der Güterübersehüsse erfolgt mehr und 
mehr in den Formen des Kaufes, der die Befriedigung der wirtschaft- 
lichen Bedürfnisse nicht wie der Tausch durch ein einmaliges Geschäft, 
sondern durch Zerlegung in mannigfache Verkehrsakte zu erreichen 
sucht und den einfachen Güterverkehr zum Güterumlauf erweitert. 

1. Ans der überaus zahlreichen Literatur über das Geldwesen — Monier 
schlitzt die Zahl der einschlägigen Schriften, die numismatischen nicht mitgerechnet, 
auf f> — 6000, so dafs die Bibliographie einen Oktavband von etwa 300 Seiten füllen 
würde — seien hervorgehoben : die in $ 3 am Schlüsse erwähnten juridischen Abhand- 
lungen, ferner: (»res in ins Nikolaus (f 1382), Tractatus de origint et jure nec non muta- 
tionibus monetär um. (Thunum v. Ilagelstein. Acta publica monetaria. Augsburg 1692 I, 
247 ff. Kritische Ausgabe unter Beigabe der Monetac eudendae ratio de« Nikolaus Ooper- 
nicu», durch Wolowski. 1\ 1864j. — Galiani F , Deila M»neta libri cinque. Neapel 
1750. 2. Aufl. 1780. — Abhandlung von den Grundsätzen der Münzwissenschaft . . . aus 
der englischen Originalhandschrift übersetzt. Tübingen 1761. — Was er J. IL, Ab- 
handlung von» Gcldc. Zürich 1778. — Büsch J. G.. Von dem Geldumlauf in anhal- 
tender Rücksicht auf die Staatswirtschaft und Handelspolitik. Haniburg 1780 (nebst 
mehreren ähnlichen Schriften über Bankgeld, Münzpolitik usw. desselbon Verfassers, 
1"n6. 1780 . — Busse F. G., Kenntnisse und Betrachtungen des neueren MünzwcsonB 
für Deutsche. 2 Bde. L. 1795. — Buse G. IL, Vollständiges Handbuch der Geld- 
kunde 2 Ilde. Krfurt 1800—1803. — Hof f mann .1 G., Die Lohre vom Gelde. B. 1838. 

— Oppenheim, Die Natur des Geldes Mainz 1856. — v. Carnap. Zur Geschichte 
der Münzwissenschaft und der Wertzeichen (in d. Zcitschr. f. gesamte Staatswissen- 
xhaften. Tübingen 1860 S. 348 ff.) — Grote. Die Geldlehre. L. IW',5. — Knies, 
Geld und Kredit. 3 Bde. B. 1S73— 1*79. 1. Band >Geld«, 2. Aufl. 1885. - Koscher W., 



Digitized by Googl 



§ 4. Begriff und Wesen des Oelde«. 



15 



Grundlagen d. Nationalökonomie. 16 Aufl. Stuttgart 1882, § 116 ff. — Ilwof F.. Tausch- 
handel und Geldsurmgatc. Graz 1882. — Hildebrand Rieh.. Die Theorie des Geldes. 
J. 1883. — Wirth Max. Da» Geld. L 1884. — Ridgeway M. A.. The »rigine <>/ 
Mttallic currency and iceight Standard. Cambridge 1892. — Shaw W. A.. The histury 
of currency 1252 — 1891. 2. Aufl. London 1896 — Rabeion E, Lcs nrigines de la tnon- 
naie consideries au point de vue economique et historigue. P. 1897. — Schurtz, H., 
Grundrifs und Entstehungsgeschichte des Geldes Weimar 1898. — Menger C, Artikel 
>Geld< im Handwörterbuch der Staatswissenschaften. hcrausg. von Konrad, Elster usw. 
J. 1892. 3. Bd. 730-754, 2. Aufl. bei vollständiger Umarbeitung des Aufsatzes 1900, 4. Bd 
S. 60 bis 106 mit violon Literaturangabon. 

2. Über das Wesen des Geldes und seine eigentliche Aufgabe im 
wirtschaftlichen Lebeu ist man keineswegs einig. Zugegeben wird, dafs 
das Geld in der heutigen Gesellschaftsordnung verschiedene Funktionen 
hat, indem es sowohl Wertmals, bei passender Stückelung überdiefs Preis- 
mafs, als auch Tauschwerüzeug, Zahlungsmittel, Werttransport- und Wert- 
aufbewahrungsmittel sein kann. Man gelangt jedoch zu sehr verschie- 
denen F olgerungen, die sich namentlich in der Münzpolitik eines Staates 
praktisch ftufsern können und wirklich schon geäufsert haben, je nach- 
dem man das Wesen des Geldes in dieser oder jener Funktion allein 
sucht. Die Vertreter der Nationalökonomie, die jetzt unter dem Eindruck 
der Forderungen des Welthandelsverkehres stehen, stellen heutzutage die 
Eigenschaft des Geldes allgemeines Tauschmittel zu sein, obenan und 
bestimmen danach den Begriff des Geldes. Eine geschichtliche Betrachtung 
des Geldes darf jedoch dessen Wesen nicht einzig nach dem Stande der 
letzten Entwickelungsstufe beurteilen. Sie mufs vielmehr beachten, dafs 
in früheren Zeiten unter andern wirtschaftlichen Bedürfnissen wohl auch 
andere Aufgaben des Geldes wichtiger erscheinen mochten, als die heute 
in den Vordergrund gerückten, und dafs manches, was wir heute vor- 
wiegend durch Verwendung des Geldes zu erreichen suchen, damals mit 
andern Mitteln besorgt wurde. Weitere Ausführungen über diesen Gegen- 
stand wolle man im geldgeschichtlichen Abschnitte (§17 IT.) nachschlagen. 
Iiier sei einerseits die Tatsache kurz hervorgehoben, dafs schon sehr 
verschiedene Gegenstande, je nach Zeit und Ort als Geld gedient haben 
oder noch als solches verwendet werden, dafs jedoch bei vorgeschrit- 
tener wirtschaftlicher Entwickelung überall Edelmetalle, Silber und Gold 
als die geeignetsten Geldstoffe erkannt und benutzt wurden. Ander- 
seits sei auch an das Ergebnis vergleichender Betrachtung der Geld- 
zustande bei unkultivierten Völkern erinnert, dafs das, was als Grund- 
lage des Reichtums und Wertmesser des Besitztums im Innern eines 
Stammes Geltung erlangt und sozialen Zwecken dient (Binnengeld), in 
seinen Anfängen etwas ganz anderes ist als die Tauschniittel, die von 
Stamm zu Stamm wandern und sich schliefslich als allgemein will- 
kommene Ware zum Aufsengeld umbilden. 

2. Wie sehr die Ansichten der Gelehrten über die Natur des Geldes auseinander- 
gehen, möge man aus folgenden Proben ersehen: Knies I, 112 1873). »Für die einen 
— und diese Ansicht ist auch jetzt noch vertreten — kommt nur oder weit voraus 
der Tausch mitteldienst in Betracht, für andere vorab der Dienst des Wert 
mafs es. Wohl die größte Zahl spricht von dein Gelde ah dem Tauschniittel und 
dem Preismaßstab. Wieder andere behandeln das Geld auch als den allgemeinen 



Digitized by Google 



16 



Einleitung. 



Wertträger und als Wer tbe wah r e r. Dann int das Geld als das allgemeine 
Zahlungsmittel in Erörterung gekommen, auch ata das allgemeine Leih mitte 
besprochen worden. Wo und weshalb ist hier die Grenze zu ziehen ? . . . . Das Wesent- 
liche dos Geldes mufs über all diese Verschiedenheiten in seinen ein- 
zelnen Funktionen hinausliegen, so dafs deshalb das Geld alle diese 
Funktionen darbieten kann, oder nur die einen und nicht auch die andern. < 

Grote, Geldlehre, § 2 . . . »Das Mefswerkzeug, womit man Längen niifst, ist der 
Mafsstab ; das, womit man Schweren mifst, das Gewicht ; das, womit man Werte mifst, 
das Geld. Es kann aber nicht jeder körperliche Gegenstand als Geld dienen. Der 
Gegenstand, womit man Länge, Schwere oder Wert mifst, mufs selbst von Länge, von 
Schwere und von Wert sein. Aber die verschiedenen Mensehen haben ganz ver- 
schiedene Ansichten über den Wert der Dinge, und deshalb können sie tauschen. 
Sobald sie aber diese verschiedenartigen subjektiven Werte gegen den Wert eines 
Dinges vergleichen, das in den Augen aller gleichen Wert hat, kaufen sie. Als Geld 
können nur Dinge dienen, die in den Augen aller gleichen Wert haben können. < 

Roscher, Grundlagen der Nationalökonomie, §116, Anm. 6: >Die falschen 
Definitionen von Geld lassen sich in zwei Hauptgrnppen teilen : Bolche, die es 
für mehr und solche, die es für woniger halten, als die kurrentoste Ware.< Auch 
Mengers Artikel >Geld< in Konrad - Elstere Handwörterbuch der Staatswissenschaften 
(1. Aufl., 3. Band S. 730, 2. A. 4. Band, 8. 60 ff.) betont vor allem die Wareneigenscbaft 
des Geldes, das sogar »dauernd eine .Ware' bleibe, während der Warencharakter der 
übrigen Güter regeltnärsig ein transitorischer ist.< 

Rieh. Hildobrand, Theorie des Goldes, Kap. 1, unterscheidet drei Entwicke- 
lungsstufen in der Geschichte der Ansichten über das Wesen des Geldes. »Zuerst 
sieht man in dem Geld gewissermaßen den Inbegriff alles Reichtums oder die einzige 
Sache von wirklichem Wert, da für Geld alles zu haben sei. Das ist der Standpunkt 
des sog. Merkantilsystems. Dann fällt man in das andere Extrem und schreibt dem 
Geld nur repräsentativen Wert zu oder behandelt es als ein reines Werteeichen oder 
Unterpfand. Das ist die Auffassung vornehmlich der englischen Philosophen J. Locke 
und D. Unrne, und endlich behauptet man, dafs das Geld eine Ware sei, die sich von 
amiern Waren nur dadurch unterscheide, dafs sie nicht zur unmittelbaren Befriedigung 
von Bedürfnissen, sondern als allgemeines Tauschmittel und Wertmafs diene oder 7.11 
dienen bestimmt sei. Das ist die noch gegenwärtig allgemein verbreitete Anschauung.« 
S. 9, 10. Alles Geld ist nur dazu da, um ausgegeben zu werden, sei es früher, sei 
es später, in der einen oder andern (gewinnbringenden oder nichtgewinnbringenden) 
Weise .... Dais Geld geht also — auf dem Warenmarkt — (wenigstens in der Kegel) 
nur aiiH dem Grunde von Hand zu Hand, weil der eine vergleichsweise Mangel, der 
andere vergleichsweise Überflufs an einer Ware hat, oder weil der eine einen höhorn 
Wert auf den Besitz einer Ware legt als der andere .... Das Geld ist folglich keine 
Ware, sondern vielmehr das gerade Gegenteil einer Ware. 

Schurtz, Grundrifs und Entstehungsgeschichte des Geldes 1, S. 5. »Nun ist 
auch das, was wir gegenwärtig ,Geld' nennen, nur eine scheinbare Einheit. Schon 
eine oberflächliche Betrachtung zeigt, wie das Geld einmal als Wertmesser dient, ferner 
als Mittel, die Ergebnisse aller Art von Arbeit . . . aufzuspeichern . . ., wie os weiterhin 
in der Form der Geldstrafen und Steuern rein soziale Aufgaben erfüllt, und wie es 
endlich ein überall willkommenes Tauschmittel ist, das den Handelsverkehr von Person 
zu Person, von Volk zu Volk aufserordentlich erleichtert. Suchen wir bei den Natur- 
völkern nach den Spuren «lieser verschiedenen Eigenschaften, so finden wir sie bei 
ihnen nicht nur gesondert in völlig kenntlicher Form, sondern wir erhalten auch 
zugleich einen Wink, wie die im Begriff Geld schliefslich vereinigten Strömungen eng 
mit der Entwicklung der Menschheit überhaupt verbuuden sind.« 

Gegenüber der Ansicht, die Sittl im Handbuch der klassischen Altcrtumskde., 
VI. Anhang (1. Aufl.), §70 S. 81)3 ausspricht : »Die Münze im engern Sinne ist nicht 
eine Ware, sondern eine Au Weisung des Sumtes auf eine gewisse Summe, welche nicht 
durch den natürlichen Wert der Münze, sondern durch die Autorität des Staates 
gefleckt ist< (Beispiel die Notmünzen\ vertritt Babelon, Xotu? S. 26, mit aller Ent- 



gitized by Googl 



§ 4. Begriff der Münze. 



17 



uchiedenheit da* Gegenteil : La monnaic metaUiquc, instrument ordinaire des ichantje* 
ne vaut rjue pnr la quantite de metal precieus qu'elle contient. 

Eine ergötzliche Schilderung der Geldverhitltnisse auf den Inseln des Stillen 
Ozean« ums Jahr 18fiO bietet der launige Brief einer Pariser Sängerin, die für ihre 
Opernarien anf den Frcundschaftsinseln mit I^ebensmitteln (Schweinen, Hühnern, 
Bananen usw.) bezahlt wurde. Wirtb, Das Geld, S. 6 ff. 

3. Die Geldeigenschaft kann einem Gegenstande auch ohne Mit- 
wirkung der Staatsgewalt lediglich durch den Verkehr erteilt werden, 
die Eigenschaft einer vollkommenen Münze kann jedoch einem Geld- 
stücke nur durch den Staat verliehen werden (§ 19, 3). 

Münzen sind Metallstücke, die, um als gesetzliches Zahlungsmittel 
zu dienen, im Namen und nach Vorschrift des Staates durch mancherlei 
mechanische Vorgänge eine vorgeschriebene Form erhalten haben und 
deren Wert vom Staate verbürgt ist. 

Der Münzwert beruht nun teils unmittelbar auf dem Metallinhalt 
des einzelnen Stückes, teils auf dem Staatskredit. Meide Kaktoren kommen 
im Münzwerte gewöhnlich ne- 
beneinander zum Ausdruck, 
wenngleich fallweise in Behl 
verschiedenem Umfang. In 
vielen Fällen wiegt der Me- 
tallwert so sehr vor, dafs die 
Münzen nach dem Einschmel- 
zen als blofse Metallbarren 

noch nahezu denselben Ver- „ f) cualplolwh« Republik, 

kehrswert behalten, den sie nenkmtinzo *u ao Soi.il «uf den Frieden LnnMtt« UM, 
vorher als Münze besafsen. 

Bei Münzen, deren gesetzlicher oder Nennwert indessen erheblich höher 
ist als ihr Metallinhalt, wiegt ebenso der Kreditwert vor, so in Deutsch- 
land bei den als Dreimarkstücke umlaufenden Talern. in Osterreich bei 
den Silbergulden und Kronen. In noch höherem Mal'se ist «las bei den 
Nickel- und Kupfermünzen der Fall, die reine Kreditmünzen sind. 

Oberster Zweck bei der Ausmünzung von Geld soll innner die Her- 
stellung gesetzlicher Zahlungsmittel sein; dies schliefst jedoch nicht ans. 
dafs der Staat der Münze auch noch andere Aufgaben zuweist. Soweit 
diese finanzieller oder staatsrechtlicher Natur sind, wird von solchen 
Nebenzwecken der Ausmünzung im münzgeschichtüchcn Teile (§§ 26, 28) 
die Rede sein; hier sei erwähnt, dafs bisweilen Münzen benutzt werden, 
um durch Bild und Aufschrift die Erinnerung an gewisse Freiguisse 
bei den Untertanen wach zu erhalten. Solche Stücke sind, weil ihnen 
Währungsrecht beigelegt wurde, wirkliche Münzen; sie werden zwar 
mit Rücksicht auf ihren Nebenzweck als Gedächtnismünzen den 
übrigen Landesmünzen gegenübergestellt, müssen aber, wie noch gezeigt 
werden wird, von anderen Erinnerungszeichen, die bei gleichen An- 
lässen als Medaillen oder Jetona hergestellt wurden, wohl unter- 
schieden werden. 

Lmchln. Numismatik. 2 





18 



Einleitung. 



v. Ernst K., Münze (8. A. aus Karinnrsch und Heeren« technischem Wörter- 
buch, Prag 1882). — l.exis im Handwörterbuch d. Staatswisseuschaften unter > Münz- 
wesen«, 2. Aufl. J, 1900. Bd. 5, S. 898 ff. — Grote, Geldlehre § 13 ff. (Münzstudien, IV). 

4. Nachdem wir so dm Begriff der Münze gewonnen haben, kann 
es nicht schwer fallen, die Kennzeichen anzugehen, durch welche sich 
Münzen von münzähnliehen Gebilden unterscheiden. Münzähnlich nennen 
wir jene Stücke, die zwar in ihrer Erscheinung, z. B. durch das Metall, 
ihre Form, die Art der Herstellung mehr oder minder den Münzen 
gleichen, allein entweder nicht staatlichen Ursprunges sind, oder nicht 
als Zahlungsmittel dienen sollen. Fehlt eines von diesen beiden Erfor- 
dernissen, so liegt keine Münze vor. Daher sind z. B. die in früheren 
Zeiten für Rechnungsführung der Behörden bestimmten Rait- oder 
Rechenpfennige . seihst wenn sie durch Münzberechtigte hergestellt 

wurden, ebensowenig Münzen, als es die 
von Privaten in Münzform ausgegebenen 
Geldsurrogate sind, die von Schlufs des 
Mittelalters an vorkommen; noch weniger 
sind niünzartige Schmuckstücke, wie die 
nordischen Goldbrakteaten , unter die 
Münzen zu rechnen (Fig. 2, 61, 62). 

Grotefend, Über Goldschmuckfunde im 
Königreich Hannover Zschr. d. histor. Ver. für 
Kiedersachsen 1800, S. 391. — (irote, Hl. II, 
15: — R. N. B. I, 1, 8. 94 ff. — Koehne, Z. 
VI, 1G2. — Stückelberg S. 177 ff. — Z. f. X. XVII, 
198 — die im Kopenhairener Museum befind- 
lichen münzartitfen Schmucksachen sind abge- 
bildet im Atlas for NortHsk Oldkyndightai. Ko- 
penhagen 1S57. \'v\. auch Note zu § 10, 9. 

• r >. Das Gebiet der Sammeltätigkeit 
erstreckt sich allerdings über die liier 
gezogenen Grenzen hinaus. Man fafst daher den Ausdruck Numismatik , 
wiewohl eigentlich unrichtig, weiter, indem man ihr im ganzen folgende 
Gegenstände zuweist : 

A. Münzen mit der aus der gesetzlieh beschränkten oder unbe- 
schränkten Annahmepflicht hergeleiteten Unterscheidung von Scheide- 
münzen einerseits und von Hartgeld oder K urantmünzen anderseits. 

Zu den Münzen geboren auch die zur Erinnerung an gewisse 
Ereignisse» geprägten, jedoch mit Währungsrecht ausgestatteten Denk- 
münzen, beispielsweise die verschiedenen Geschichtstaler, Sterbe- 
taler. Krönungsdukaten, Friedenskreuzer. Münzen zur Erinnerung 
au die Jubelfeier der Reformation, einer Vermählung im Herrscherhause, 
dann die aus dem Ertrag«- von Bergwerken und Goldwäschereien ge- 
schlagenen Aus beute münzen wie die bayerischen Rhein- und Isar- 
dukaten, endlich die sogenannten Notmünzen, die bei grofsem Geld- 
mangel zu einstweiligem Verkehr meist in Eile angefertigt wurden und 
daher nach Stoff und Gehalt, sowie der Art der Herstellung oft mancherlei 
Abweichungen von den übrigen Münzen zeigen (Fig. .-V). Sie wurden 




Flir. 2 

Zierltraktent Sehiimekstürk. keine Münte. 
(Menmlier, Deutsche M. III. SC.) 



igitized by Googl 



§ 4. Verschiedene Arten Münze. 



19 



häufig unterweitig als Kreditmünzen, zuweilen jedoch vollwichtig als 
Kurant münzen ausgegeben. Besondere Arten der Notmünzen bilden die 
Belagerungsmünzen, die in einer belagerten Stadt und die Feld- 
münzen, die in Kriegszeiten für die Bedürfnisse eines Heeres aus- 
gegeben wurden. (Fig. 4). 

Als eine besondere Art müfsen auch manche Münzvielfache be- 
zeichnet werden, die mit dem Stempel einer andern Münzeinheit auf 
schwererem Schrötling oder besserem Metall ausgebracht wurden. So 
kommen Abschläge von Gulden- oder Talerstempeln mit doppeltem, 
dreifachem und selbst noch höherem Gewicht oder in Gold als vierfache 
bis zehnfache, ja selbst zwanzigfache Dukaten vor, die man füglich als 
Geschenk münzen bezeichnen kann, da feststeht, dafs sie zu Geld- 
geschenken, denen man ein vornehmeres Ansehen geben wollte, geprägt 
und verwendet wurden. Da diese Stücke in der Regel ohne amtliche 
Wertbezeichnung sind, von den Empfängern aber dessenungeachtet als 




Flg. 3. Flg. i. Bclugcnuigsraunte 165W. vom (ioiirpmcur 

Schwedischer Notdalcr vom Juhre 1719. der Zitadelle von Antwerpen. Mondragon, 

(Kupfer.) geschlagen. (Kupfer - W. R. lt. IV. 2ft5.) 



Geld ausgegeben wurden, so ritzte man zuweilen die Wertangabe hinterher 
ein. Zahlreiche Beispiele findet man bei den als mehrfache Dukaten aus- 
gegebenen Goldabschlägen von Talerstempeln österreichischer Münzstätten. 

Dergleichen Geschenkmünzen kamen wenig in Umlauf, für den sie 
sich weder durch ihre Grölse noch durch ihre Ausstattung eigneten, 
sondern wurden gewöhnlich umgeprägt oder als Heckepfennig aufbewahrt. 
Es gab jedoch auch Schatzmünzen im strengen Sinne des Wortes, 
staatliche Gepräge mit Münzwert, die nach dem Willen des Münzherrn 
dem Verkehre entzogen und blofses Schatzgeld sein sollten. Es sind 
dies die braunschweigischen Lösertaler der Herzoge Julius und Hein- 
rich Julius, die 1574—1588 und 1609 in verschiedener Gröfse von 2—10, 
ja 16 Taler Wert geschlagen wurden, um dem Lande einen gewissen 
Vorrat an Edelmetall zu sichern. Zu diesem Zwecke mufste jeder Haus- 
vater einen nach seinem Stande abgestuften Betrag von diesen Münzen, 
die daher »Löser« hielsen, gegen ban s Geld einlösen. Adelige nahmen 
ganze Löser zu 10. der Mittelstand halbe zu ö, Geringere viertel zu 
2 1 /« Taler Wert, die sie auf obrigkeitliches Verlangen vorzeigen mufsten 
und nicht wieder ausgeben, sondern höchstens im Notfalle versetzen 
durften. Den Untertanen sollte durch diese Mafsregel ein barer Not- 
pfennig, dem Herzoge aber die Möglichkeit gewahrt bleiben, dies Silber 
im Bedarfsfalle gegen Kreditmünze einfordern zu können. 

2* 



Digitized by Google 



20 



Einleitung-. 



Es gibt auch Abschläge von Münzstempeln, die ungeachtet der 
Wertbezeichnung keine Münzen waren. Hierher gehören die zur Erpro- 
bung der Münzstempel gemachten Abschläge, die oft anderes Metall oder 
gröfsere Dicke als die auszugebende Münze haben und in Frankreich 
laut königlicher Verordnung vom 28. Dezember 1355 als p'wdsfnrts den 
Münzbeamten bei jeder Münzerneuerung gebührten, sowie verschiedene 
Münzentwürfe (essai, monnaies d'essai) die vor Einführung neuer Münz- 
bilder oder neuer Münzeinheiten angefertigt, aber nicht immer zur Münz- 
prägung verwendet wurden. 

Keine Münzen, wiewohl für Münzzwecke hergestellt und bisweilen 
sogar mit Münzbildern versehen, sind die Passiermarken (Laissez- 
passer) der französischen Münzer, die zum freien Durchzug an Maut- 
und Zollstätten vorzuzeigen waren, ferner die Münzgowichte zur 
Prüfung der vorgeschriebenen Schwere, endlich die sog. Richtmünzen, 
Richtstücke. Exagia, etalons — in Norddeutschland während des Mittel- 
alters in volkstümlicher Umdcutung Estalen, Stael, 
Stahol, Stal — im Süden Korn genannt (Fig. 5). 
Sie dienten bald als Normalgewichtsstücke, indem 
sie das gesetzliche Durchschnittsgewicht einer An- 
zahl Stücke angaben, bald als Streichnadel, um den 
Feingehalt zu prüfen, vereinigten auch wohl beide 
Aufgaben. In Frankreich und den Niederlanden 
wurden diese in den Ordonnanzen öfter genannten 
Dickmünzen (dicken pnininc*) in Gold oder gutem 
n * ' Silber ausgebracht als Geschenk an Standespersonen 

Osten* irliiM-hc!' Koni uua » • < , > r .. „ , i 

der Zeit k. Frii'iirich* 111. gegeben, die der Münzprägung nahestanden. 

(um hm». Denkmünzen: Abramson, Versuch über den Ge- 

schmack auf Medaillen und Münzen der neuern im Vergleich 
mit jenen aus den iiilern Zeiten. H. 1801 (mit dem Vorschlag. Kurrentmünzen mit 
geschichtlichen Darstellungen auszugehen. — Grote, Bl. IV, 22, 63; Koehne, Z. V, 
227; VI, 335. — Dannenberg, Kannte das Mittelalter Penkmünzen? Z. f. N. XIII, 
.122, auch \V. X. Z. XIX, 243. — Bayerische Geschichtstaler: Grote, Bl. I. 15; II, 18; 
III, 271. Badischc Gedenkkreuzer, X. Z. 1871, Xr. 15. Sächsische Fricdenstaler n. n. <» 
Nr. 20. Keine Denkmünzen, sondern schlechtweg gewöhnliche Münzen sind die sog. 
ominösen oder wahrsagenden Münzen, hei welchen man aus Zufälligkeiten ihres 
Gepräges: Stcmpelrissen. verkehrten Buchstaben u. dgl. hinterher auf die Vorhersage 
künftiger Ereignisse geschlossen hat, z. B. der C'mmwells- und der sog. Winterkönig- 
taler, s. Kundmann, Xuunni singulare. Breslau 1731. — Seyler D. G„ Nachricht 
von wahrsagenden Münzen. L. ll'.VA; der sog. Sterbetaler Konig Friedrichs II. von 
l'reufsen, s. Koehne, Z. I, 170. — Ausnahmsweise kam es vor, dafs auch die l>ri 
Huldigungen unter das Volk geworfenen Jetons als Geld umliefen, wohl ohne Zwang 
zur Annahme. Vgl. Pinchart. VotHpte des jetons fabru/urs /wiir itre jetes au peuple l 
m 1549. R. N. B. lors des joyemes entrics de Philippe I Bd. XVI, S. 305; I* (1894. 
S. .">2: jitoiU ayant COUffl comme monnaye. 

Ausbeutemünzen: v. Krnst, Von Bergwerksmünzen. W. 1882. — X. '/.. 1871. 
Xr. 6. — Kuli, Die Flufs golddukaten der Pfalz und Baverns. Mit. B, V (1886:. — 
W. X. M. III. 438, 454; IV. 35. 

Xotmünzen: Mailliet P., Catal»gue deacriptif des immnaiet obtidionale$ ei 
de tteeeeeite*. I'.r. 1870 — 1873. 2 Bde. Text und 240 Taf. — Smith. Aquila. Monty 
<>/ necettity iesued in Irrland in the reign of Charte* the first (um 18GG. besprochen 
von Koehne. B. Bl. LH. 120>| — Brause Aug., Feld-, Xot- und l'.elagerungsmünzen. 




Digitized by Google 



§ 4. Münzen, münziihnliche Gepräge, Gcldsurrogatc. 



B. 1897. Kürzere Nachrichten vielfach zerstreut: Grote. Bl III 4G, X Z. 1871, Nr. 15; 
Koehne. Z. I. 85, II. 388; Ii. X. B. I, 2, S. 14, 196 werden bleierne Belagerungsmünzen 
von v. Omer 1477 angeführt. Älteste Abbildungen wohl bei Budetius, S. 5—8. — Eine 
ziemlich reichhaltige Liste von Xotmünzen bei Blanchet 11,2, S. 325 ff. 

GeschenkmOnzen : W. X. Z. XIII, 148; Bayerische Douceurdukaten. X. A. 
1872. 129. Goldabachlage der talerförmigen Stempel König Wladislaus" II. von Ungarn 
von 6, 12 und mehr Dukaten Schwere s. Busson in W. X. Z. IX, 255. 

Schatz münzen. Ktihlor. MünzbeluBtigungon I, 393. Schmied er I, 245; 
X. A. 1891, Xr. 4. 

Probeabschlage, Richtstücke, Stal, Pieds-forts. Kstsais. Blanchet I, 17; 
R. X. B. I, 6 (1850) mit Abbildung von 10 Münzentwürfen, die 1847 von 10 verschie- 
denen Stcmpelscbncidern für das Bild oinos nouen belgischen 5 Frankcnstücks ein- 
gereicht wurden. — Österreichische Kupfermünzproben s. Missong i. «1. Wiener Xumism. 
Monatsheften III (1867), 55, 218. Ein Verzeichnis der Piedsfort* in der Sammlung der 
Pariser Münze von 1286—1655 bietet Clerot im Annuaire IV, 308 ff. — Grote Münz- 
Studien III, 220 der Stal. — Mader, Kritische Beitrüge z. Münzkunde des Mittelalters. 
Prag 1803 ff. I, 174, Xr. 99 mit Gewichtsangaben. Wiener Mw. II, 780. — Das Museum 
der Pariser Münze bewahrt eine Platte mit Stempolabschlagen der mittelalterlichen Pfen- 
nige von Melle. R. X. IV (1889), S. XII. 

M ü n z g e w i c h t e. Blanchet II, 470 ff. : Diniraur et poids moni'ti/ormes ; 
Chalon, poid* monttiformes du mvli de la France. R. X. B. II, 6 (1856). Marquis de 
Lagois, Fierton* on p>rid* nionftaire» des rois de France. R. N. III, nouvelle Ser. III 
(1858\ S 413. _ Ein Exagium solidi des Ricirner. Z. f. X. IX, 1. 

6. Geld Surrogate, aber keine eigentlichen Münzen sind gewisse 
bisweilen von Münzberechtigten, häufiger jedoch von Privaten ausgege- 
benen münzflhnliche Zeichen, denen eine beschränkte Uiulaufsfähigkeit 
zukommt. Hierher gehören: 

B. Privatgelder, Gepräge, die von privilegierten Handelsgesell- 
schaften, wie der englischen und der niederländischen Kompagnie in Ost- 
indien, 2- und 5-Markstücke der deutschen Neuguinea -Kompagnie usw. 
kraft staatlicher Ermächtigung für ihre Gebiete ausgegeben wurden, 
können hier wahre Münzen sein. Die in England und den englischen 
Kolonien ausgegebenen Token — deren Ausprägung in ihren Anfängen 
auf eine 1653 staatlicherseits erteilte, jedoch schon 1672 widerrufene 
Ermächtigung zurückführt, die Städten und Privatpersonen die Ausgabe 
kupferner Halfpennies unter eigenem Wappen gestattete — sind dagegen 
Privatgeld. Die Zerrüttung des englischen Scheidemünzenwesens zur 
Zeit der Koalitionskriege gegen Frankreich war Ursache, dafs Ende des 
18. und Anfang des 19. Jahrh. die Tokenprägung in grofsem Malsstabe 
durch Banken, Berg- und Schmelzwerke und andere Private wieder 
aufgenommen wurde, bis die Ausgabe und der Umlauf von Token 1818 
für England und 1873 auch für die englischen Kolonien als ungesetzlich 
untersagt wurde. — Private Notgelder waren die in Frankreich 1791 
und 1792 ausgegebenen midailles de amßance (Fig. 6) und die während 
des nordamerikanischen Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten um- 
laufenden münzähnlichen Zeichen (Fig. 7), die zum Teil mit Benutzung 
von Briefmarken hergestellt wurden. Ein Privatgeld, das sich in der 
Aufschrift selbst als moneta bezeichnet, hüben um 1844 die Jesiuten im 
Kanton Freiburg für ihr Konvikt ausgegeben. Almlicher Natur sind die 
Geld- oder Zahhnarken aus Messing, Kupfer oder andern unedlen Mo- 



Digitized by Google 



22 



Einleitung. 



teilen, dio noch heutzutage bei Bergwerken. Fabriken. Brauereien, Gast- 
häusern usw. im geschäftlichen Verkehr mit Bediensteten als vorläufiges 
Zahlungsmittel dienen und daher auf bestimmte Münzwerte lauten. Man 
aennl sie Geld- oder Zahlmarken, Berggeld u. dgl. (Vgl. $ 19, 2). 

C. Me^reaux. Die münzähnlichen Zeichen aus Blei oder Kupier, 
die man in Frankreich und Belgien unter dem Sammelnamen Mfr&lUX 
begreift, haben nur soweit den Charakter von Geldsurrogaten, als sie 
als Anweisungen für den Bezug von Geldleistungen dienten. Solche 
kommen bei vielen kirchlichen Körperschaften im 15. und 16. Jahrb. 
vor und dienten bei den sog. distrihutiones in plumbo; sie sind unge- 
achtet der Aufschrift moneta , die sich bei einigen findet, nur Prä- 
senzmarken, die, wie die Ratsgelder in einigen Reichsstädten, s. B. 
Regensburg, verwendet wurden, daher einer Art mit den Präsenz- 
inarken, die noch heutzutage bei Aktiengesellschaften zur Entlohnung 
der Verwaltungsrate üblich sind. Andere Aufgaben hatten die bei den 




Kl (f. 6. Mc'liiltl«' <le Cnnfliinee <lor Finna Monncron 1792. Kujifpr. 



Kapiteln Münster und Paderborn vorkommenden Bursarienzoichen , 
die für Zwecke der inneren Verwaltung von den Stiften geschlagen 
wurden, während die Mainzer St. Martinsgold gülden zwar wahr- 
scheinlich nur Präsenzmarken für die Domherren waren, jedoch im 
Gegensätze zu den französischen Mt'rcattX in Gold hergestellt wurden. 

Die übrigen Mtnaux sind keine Geldsurrogatc, sondern Quittungs- 
zeichen, z. B. der Zolleinnehmer, die nur soweit als Zollrückvorgütungon 
vorkamen, wieder an Geldesstatt angenommen wurden, oder Legitimations- 
zeichen zur Entgegennahme bestimmter Leistungen. Zu den ersterwähnten 
gehören die Mnreü, die schon 1251 in einer Verordnung der rrhn ins von 
Douai erwähnt werden, zur zweiten Art die von Calvin um 1561 ein- 
geführten Abendmahlspfennige, die in reformierten Kirchen vor 
Empfang des Abendmahls abgegeben werden mufsten. 

D. Wertmarken überhaupt, welche nicht wie die unter B und C 
angeführteii münzähnlichen Zeichen zum Bezüge einer Geldsumme, 
sondern irgend einer andern Leistung von wirtschaftlichem Werte be- 
rechtigen. 



§ 4. Geld, Münze, mflnz&hnliche (taprige. 



23 





II a n d e 1 «* m ü n z e n. Notscher uwl Van der ( ' h y s , De Mimten van Xcder- 
landsch India. Batavia 1863; Nahnys, Xumisniatique des Indes neerlandaise. R.N.B. 
1887. — v. Ernst, Der Levantinertaler. \V. N. Z. IV, 271. — Peez ('. und Raud- 
nitz J., Geschichte des Marin Thercsiatalers. W. 1898. — Meyer Ad., Prügungen 
Brandenburg Preufsens betr. dessen afrikanische Besitzungen. B. 1885. — über die 
1895» anfscr Verkehr gesetzten Gepräge der Neuguinea-Kompagnie vom 20-Markstück 
abwart*, s. B. Mzbl. Nr. 237. 

Privatgelder. Aus dem in den Flüssen von Nordkarolina gewonnenen Golde 
wurden zu Rutherfordton durch einen Deutschen namens Bechlcr in den Jahren 1831 
bis 1851 5- und 2',', • Dollarstücke (in den ernten 10 Jahren um 2 Millionen Dollars 
geprägt, die indessen bald in die Staatsmünze wanderten und umgeprägt wurden. — 
Sowohl diese Beehlcrschen als auch die von den Mormonen ausgegebenen Goldstücke 
erwiesen sich übrigens als nicht ganz vollwichtig. Koehn e M. I, 387, Cber dergleichen 
Privatgelder s. Babel on, Xotice S. 18, 21. Abbildungen von Monnonenmünzen, Bl. 
f. Mzfr. Nr. 76 (18791, Taf. 57, Nr. 8, 10. — Helfert .T. A. v., Österreichische Münzen 
und Geldzeichen von den Jahren 1848—49. W. N. Z. VI, VII, 283 ff. 

Token. Hilm II J., .4 descriptive catalogue of the London traders-, tarern- 
and cnß'cchousc tokens current in the 17. Century. London 1853, 2 Aufl. 1855. — Boy u© \\\, 
Token» issued in the 17. Century in England. Wales and Ircland by Corporation», mer- 
chants usw. London 1858. — Akermann J. G., Tradesmen's tolcen current in London 
. . . between . . . 1648—1672. London 1849 24G1 Stück':. , 

— Bushnell ('. J., Arrangement of tradesmen's jgHSSät^. 
enrds, . . . t«kens etc. current in . . . America. New Vork 
1858. — Fber die Kupfcrpnigunir durch Private 
wahrend des Krieges 1861— 1S65 soy. Boguscents). 
N. Z. 1865, Nr. 2—13. Bl. f. Mzfr. 36, mit Abbilden., 
Taf. 35. — S t a i n s f i e 1 d , Descriptive catalogue of 
Aitstralian tradesmen's tokens. London 1883. Vgl. Pl K - 

auch B. Bl. Nr. 99 ff. Viele Token sind beschrieben Tok ,.„ VOIll j, lhn . i 8 ,„ r Vereinigte 
bei Neu mann, Kupfermünzen, Bd. 4, Prag 1865. Staaten von Amerika. (Kupfer.) 

— Cber die von Privatpersonen wahrend der fran- 
zösischen Revolution (Finna Monneron und andern als Geld ausgegebenen Medailles 
de confianee s. Hennin, Histoire numismatique de la revolution froncaite. P. 1826; 
Engel-Serrure TraiU de nunt. moderne. P. 1897, S. 42. 

Berggelder, Geld marken. Ernst, Bergwerksmünzen, S. 36 ff. Freiburger 
Konviktsgeld. N. Z. 184-1, Sp. 144. Fber ähnliche Münzzeichen von Kirchen, Zwangs- 
arbeitsanstalten, Festen u. dgl. Mitt. d. Berl. ntuii. Gesellsch. II, 119 (1850'; Koehn«, 
B. Bl. III, 10«> , V, 110. — Tiedt F., Die Münzen der thüringisch - sächsischen Por- 
zellanfabriken. Bl. f. Mzfr. 1900, Nr. 8/9 (a. F. 245/46, mit Abbildgn. 

Mcrcaux. Ria n che t II, 406 IT. und Literaturangaben S. 520; Catalogue 
de la collection Rouger . 1. Jetons et mereau.c du mogen-äge /'. . . in der Sammlung der 
Kataloge der Bibliothcqne Nationale. — Grote, Bl. 11,315 111,36, 45, 71 und von 209 
ab eine Cbersetzung von A. Herrn an da Untersuchungen über Zweck und Ursprung 
der Mereau.r; viele Aufsatze in der R. X. B. z. B. I, 2. S. 1 ; 6, S. 121, II, 1. 8. 28, 211 
usw. — Romans, Mereau.r et jetons ecclesiastiqucs du Danphine, Annuaire IV (1873 bis 
1876 , 8. 284 mit Libra canonicorum. Libra presbgterorum usw. des Kapitels von Vienne. 
Da diese Mercaur von einzelnen Kirchen auf ihren Grundherrschaften neradezu als 
Geldzeichen in Umlauf gesetzt wurden, erschien 1557 eine erstliche Verwarnung soitens 
der Regierung (an dllfl Kapitel von Macon\ a. a. O. 287. — Abendmahlspfennig von 
Horsham, Australien, Bl. f. Mzfr. Xr. 46 (1875 , Taf. 42, Nr. 10. — Schottische Kirchen- 
jetons a. a. O. 1876, Xr. 50 mit Abbildungen auf Taf. 44 — Münzförmig Abendmahls 
zeichen der sächsischen reformierten Gemeinden, a. a. O. 1900, 11 Nr. 249 a. F.), 8. 151. 

Bursar ie nzeichen. Zepernik, Die Kapitels- und Sedisvakanzmünzen und 
Medaillen, Halle 1822, Xachtrüire 1825, 1834. Grote, Bl. III, 36. 

Ratsgelder. Sehr atz W., Die Regensburj:er Katszeichen. Stadtamhof 1883. 
(Bd. 37 der Verhandig. d. Hist. Ver. von Oberpfalz und Ketrensburg.') 



Digitized by Google 



24 



Einleitung. 



7. Der Rufseren Erscheinung mehr oder minder münzähnlich, jedoch 
weder Münzen noch Geldsurrogate sind : 

E. Medaillen, Plaketten, Jetons. Man bezeichnet mit diesen 
Ausdrücken münzförmige Stücke, durch welche das Andenken an be- 
stimmte Hegebenheiten oder Personen der Mit- und Nachwelt überliefert 
werden soll, die sich indessen von den trüber erwähnten Denkmünzen 
unterscheiden, weil sie weder Geldzweck noch Geldeigenschaft haben. 
Sie sind keine Münzen, sondern in ihren edelsten Erscheinungen von 
keinerlei staatlicher Ermächtigung abhängige, daher freie Betätigungen 
des künstlerischen Vermögens ihrer Zeit, Werke der Kleinplastik in 
Münzenform. 

Der Unterschied zwischen Medaillen, Plaketten und Jetons liegt, 
da alle drei den gleichen Inhalt zum Ausdruck bringen können, nur in 
der äulseren Erscheinung. Medaillen und Jetons sind gewöhnlich zwei- 
seitig, und rund, seltener oval, quadratisch, sechs- und achteckig, während 



Flg. 8. T»lerft>niiigi- Mt»<lailU> <lf<i Erzherzogs Sigismund von Timl (um H8.Y \V. N Z. XXIV. 78). 

die Plaketten einseitig und meist Rechtecke oder andere von der Münzen- 
form abweichende Formen aufweisen. Auf der andern Seite stehen sich 
Medaille und Plakette in der Ausführung näher; sie sind meist mehr 
erhaben gearbeitet als die sehr flachen Jetons und besitzen gewöhnlich 
auch gröfseren Kunstwert. Jetons werden durch Prägung erzeugt, von 
Medaillen und Plaketten kommen neben gegossenen und geprägten auch 
getriebene Stücke vor. Die fremden Ausdrücke weisen auch auf den 
fremden Ursprung dieser Stücke. Im 14. Jahrb. nannte man in Florenz 
eine kleine Münze im Werte eines halben Pfennigs eine medalia, später 
bezeichnete man mit diesem Worte überhaupt alte, aufser Verkehr ge- 
setzte und namentlich römische Münzen, die man seit Petrarca eifrig 
sammelte. So liegt also im Ausdrucke einerseits die Erinnerung, dafs 
das Schaugepräge kunstgeschichtlich an die antike Münze anknüpft, 
anderseits der Begriff mangelnder Umlaufsfähigkeit. 

Die Medaillen sind ein Ergebnis der durch den Humanismus wieder- 
erweckten Beschäftigung mit den Kunstresten des Altertums. Man kennt 
einzelne Stücke aus dem 14. Jahrb., und zwar einige geprägte oder 
getriebene Medaillen oberitalienischen Ursprunges und einige grofse ge- 
gossene Stücke mit dem Reiterbilde Kaiser Konstantins des Grofsen und 




Digitized by Google 



§ 4. Medaillen, Plaketten, Jetons. 



25 



dem Brustbilde dos Kaisers Hnraklius, die vielleicht in den Nieder- 
landen zu Hause sind. In die erste Hälfte des 15. Jahrh. fallen die grofsen 
Gufsuiedaillen des Viktor Pisanus, der diese Technik zur gröfsten 
Vollendung brachte. In Deutschland beginnt, wenn wir von den me- 
daillenartigen Erzeugnissen der Tiroler Stem]>elschneidor abseilen wollen 
(Fig. 8) die Medaillenkunst erst Anfang des IG. Jahrh. Sie entwickelte sich 
dann durchaus selbständig und legte auf das Bildnis das Hauptgewicht, 
so dafs man geradezu von deutschen Contrefait- Medaillen spricht 
und der Medailleur zum Conterfetter wurde. Die Verdeutschungen 
des Wortes Medaille sind bisher wenig geglückt. Die Ausdrücke: Schau- 
oder Denkmünze sind zu vermeiden, da die Medaillen eben keine Münzen 
sind und es anderseits wahre Denk- und Gedächtnismünzen mit Geld- 
eigensehaft gibt. Besser sind die Zusammensetzungen mit Gepräge, 
Pfennig, Stück, also Schaupfennig, Denkpfennig, Schaugepräge, Schau- 
stück u. dgl. Doch trifft auch dieser Ausdruck nicht immer zu, deun 
man kann doch nicht von gegossenen oder getriebenen Schau- 
geprägen sprechen. Der Ausdruck Schaupfennig kommt übrigens 






Flg. » .letton des Heinr. Ponte«, 8in<|ts< h«rtVn 
zu Met« IM6 (W. X. Z. II. 648). 



Kiir 10. Frnnio!« S|>ottjc-tton (Nachahmung 
»■Ines «>ui auf Ktpoteon III 



schon im 16. Jahrh. als deutsche Bezeichnung der Medaille vor. Ehr- 
oder Gna'den pfenninge nannte man damals jene Bildnismedaillen 
deutscher Fürsten und Fürstinnen, die, in kostbarer Einfassung mit 
Schmelzwerk, Perlen oder Edelsteinen besetzt, als Zeichen hoher Gnade 
mit oder ohne goldene Kette», ähnlich wie heutzutage die Orden, ver- 
liehen wurden. 

Wie aus dem bisher Gesagten hervorgeht, gibt gewöhnlich der 
Gegenstand der Medaille, der Zweck oder der Anlafs zu ihrer Her- 
stellung den Einteilungsgrund an. Man spricht von öffentlichen und 
Privatmedaillen, von Personen- und Ortsmedaillen, von historischen und 
religiösen Medaillen, von Preis- und Spottmedaillen, Schulpfennigen usw. 

Medaillen, die sich auf eine Folge von Ereignissen, Herrschern 
oder Privatpersonen beziehen und trotz der Gröfse des Zeitraums, den 
sie umfassen, eine einheitliche Ausstattung zeigen, nennt man Suiten- 
medaillen. Derartige Medaillenfolgen, die notwendigerweise manch 
erfundenes Bildnis bringen müssen, sind im allgemeinen heutzutage weit 
weniger geschätzt, als noch vor 70 und 80 Jahren. 

Der Ausdruck Jeton, vom französischen jetor. in der Bedeutung 
Rechnen abgeleitet, bezeichnete in Frankreich ursprünglich den Rechen- 
oder Zahlpfennig und kommt als solcher vom 13. Jahrb. in den Formen: 



Digitized by Google 



26 



Einleitung. 



jeetoir, getoir, gictoer, gerton, getton usw. vor. Als sich mit der Zeit der 
Gebrauch der Rechenpfennige verloren hatte, übertrug man den Aus- 
druck jcton auf kleinere, münzartige Stücke, die gleich den Medaillen 
als Erinnerungszeichen dienen, die man jedoch ihrer geringen Gröfse und 
ihres flachen Gepräges wegen von diesen unterscheiden will (Fig. 9, 10). 
Man ist jedoch zu einer scharfen, begrifflichen Trennung der beiden Aus- 
drücke Jeton und Medaille noch nicht gelangt. 

Die Verwendung der Jetons als Gedächtnispfennige ( Gedenkpenn inge) 
scheint in den Niederlanden während der ersten Hälfte des 16. Jahrh. 
aufgekommen zu sein. In Frankreich hat die Sitte, zum Jahreswechsel 
dem Könige und den vornehmen Beamten Rechenpfennige aus edlem 
Metall zu überreichen, gleichfalls dazu geführt, diese jetons (Vetrennes mit 
geschichtlichen Darstellungen auszustatten. Eine besondere Gruppe der 
Jetons bilden die auf Krönungen oder Huldigungen gesehlagenen Krö- 
nungsjetons, die nach uralter, in die Zeiten des römischen Kaiserreichs 
zurückreichender Sitte bei dieser Gelegenheit unter das Volk gestreut 
wurden und daher auch .Auswurfmünzen missMa genannt wurden. 





kik. 11. Raitpfennlge. 

«! des MQiie.UH'Mrr* Huris Pehaiu (vor 152fi) b) <lo> Tiroler Kaintiierruitrats Emst von 

IW N /.. VI, VII, 146.) Stuhelburs (um 1&S0). kW. N. Z. XI, 290.) 



Als Plaque, Plaquette, Plakette bezeichnet man einseitige, medaillen- 
artige Metallarbeiter von verschiedener, meist eckiger, seltener runder 
oder ovaler Form. Dergleichen Werke der Kleinplastik waren schon im 
16. Jahrh. nicht selten, da die ersten deutschen Porträtmedaillen meist 
einseitig hergestellt wurden. Der Augsburger Patrizier Philipp Hainhofer, 
ein bekannter Kunstfreund und Kunstagent, bezeichnet Plaketten in 
einem Briefe an Herzog Philipp von Pommern (1611) als »Landsehaftlin , 
Neudörfer (16. Jahrh.) als Historien den Goldschmieden zum Treiben 
und Giefsen geordnet«; beide Bezeichnungen sind offenbar den Dar- 
stellungen der gerade in Rede stellenden Stücke entnommen, so dafs 
man darin keinen allgemeinen deutschen Ausdruck für Plakette finden 
kann. Später verlor sich die Vorliebe für diese Erzeugnisse der Klein- 
kunst, bis selbe etwa im letzten Drittel des 19. Jahrb. in Frankreich 
wieder erwachte und von dort aus nebst der Bezeichnung Plaque, Pla- 
quette nach Deutschland und Österreich gelangte. 

F. Rechenpfennige, Zahlpfennigo, Raitpf ennige, Rait- 
groschen wurden beim sog. Rechnen auf der Linie benutzt, waren 
also ungeachtet ihrer münzförmigen Gestalt nur ein Rechnungsbehelf 
und niemals Münze. In Frankreich läfst sich der Gebrauch von Rechen- 
pfennigen, die hier, wie erwähnt, jetoir, g><U>n usw. hiefsen, bis in die 



zed by Googl 



§ 4. (Je<lenk-, Rait-, Betpfennige, Burgfricd-Bercitun-rsinün/eu. 



27 



Zeiten Köllig Ludwigs IX. (+ 1270) zurückverfolgen, in den burgundi- 
sehen Landen schon Anfang des 14. Jahrh. nachweisen. Von hier aus 
drang der Gebrauch langsam nach Deutschland vor. Re chnungen der 
Stadt Frankfurt a. M. erwähnen den Ankauf von Rechenpfennigen seit 
1309, die Wiener Stadtrechnungen seit 1470. Allgemeine Verbreitung 
fand indessen das Rechnen auf der Linie in Deutschland erst seit Kaiser 
Maximilian I., der es bei seinen Rechnnngsbehörden einführte (Fig. 11). 





Piff. 12. 

Venedig. Leiste Osella 17%. 



Fiir. 1.1. Wullfalirttizoiclii'n <lt>r 

•ebfinen Murin in Reffentlntxg 
i-"»in. (BtakiMtMtiwnlff ) 



Die französische Sitte, Rechenpfennige aus edlem Metalle als Neujahrs- 
geschenke zu verwenden, bürgerte sich auch in Deutschland ein. Sie 
hat zu medailleiiartigen Geprägen, die mit dem Wappen des Beschenkten 
versehen waren, Anlal's gegeben, ferner in Venedig zur Prägung der 
sog. 0seUe f die der Doge am Nenjahrstage statt eines Geschenkes von 
Wildvögeln (iv lli) an die Mitglieder des Grofsen Rates verteilte (Fig. 12). 





nie ii 

Burjjfrii-il »Berel tungaktlppe dei 
M«rktes Prohnlelten 1719. 



Fl*. 15 Marke des Frvilu-rrn Christoph 
1'iiKtiiul, Frvih v. Welwenwolf, Konuuid, 
zu Krimi, + IUI tu KiiM-huii (Kupfer.] 



Für privaten Bedarf wurden dergleichen Rechenpfennige zu Nürnberg ge- 
werbsmafsig von eigenen Rechenpfennigmachern verfertigt und über 
Deutschland und Frankreich verbreitet. Heutzutage rinden Rechenpfennige 
nur als Spielmarken noch Verwendung. 

G. Burgf ried-Bereitungsmünzen. Die zahlreiche Durch- 
kreuzung der Gerichtsbehörden machte in früheren Jahrhunderten von 
Zeit zu Zeit die räumliche Abgrenzung ihrer Bezirke zur Pflicht der 
Beteiligten. Dergleichen Grenzbesichtigungen, Burgfriedsberainungen 
oder i Bereitungen«, nicht selten in den feierlichen Formen eines Um- 
ritts vorgenommen, waren ein Bürgerfest und gaben in Osterreich im 
17. und 18. Jahrh. Anlal's zur Ausprägung von Gedenkpfennigen mit 
dem Wappen der Stadt und dem Namen des Stadtrichters, die zur 
Erinnerung an die Anwesenden, zumal an die Jugend, verteilt, aucli 
unter neue Grenzsteine gelegt wurden (Fig. 14). 



28 



Einleitung. 



H. Religiöse Medaillen, Wallfahrtspfenuige, Breverln 
oder Zeichen, Betpfennige (Fig. 13), sind münz- oder medaillenartige 
Stücke, die von Priesterhand geweiht und von den Gläubigen als Schutz- 
und Gnadenmittel getragen wurden. Sie werden in neuerer Zeit Weihe- 
münzen, besser wäre wohl »geweihte Pfennige , genannt. Einzelne, wie 
die sog. > Agnus dei , wurden aus Wachs oder geweihter Erde, die weit 
überwiegende Menge indessen aus Metall hergestellt. Ihre Gestalt ist 
meist oval, seltener rund oder eckig, doch kommen auch andere Formen, 
namentlich Kreuze (sog. Ulrichskreuze zu Augsburg) vor. Den wich- 
tigsten Bestandteil dieser münzähnlichen Gruppe bilden die Wallfahrts- 
oder Betpfennige, die von Wallfahrern als Andenken an eine vollbrachte 
Wallfahrt mitgebracht wurden — . zu welchen auch die sog. Benedikts- 
pfennige gehören, die ihren Ursprung wahrscheinlich im Kloster 
Metten haben. 

I. Marken und Zeichen in münzförmiger Gestalt, die zu sehr 
verschiedene," Zwecken dienen können, kommen in Deutschland als 

Zeichen , z. B. wer herz eichen, petler zeichen in Italien als 

Tesseie schon im Mittelalter vor 
(Fig. 15, 1(>). Von Marken als Geld- 
surrogaten wurde bereits Absatz ß 
gehandelt. Aus der grofsen Menge 
der übrigen Marken seien noch be- 
sonders hervorgehoben : 

a) Steuer und Kontrollmarken 
als Beweis erfüllter Leistungen, wie 
f(k 16 die russischen Bartsteuermarken, 

T.fr.TH <ii muthrüh «Ii s Kran/ i r<.n ( arraro, Robotmarken über geleistete Fron- 

Htrrn von Piulua (Um- IW), bei ürmidswln- ,, r» .. i i r>u u 

leRunBcn ronven.i.t. (K.u-fer ) dienste, Brucken- und Prlastergeld- 

marken. 

ß) Legitimationszeichen, wie die Regensburger Feld- und Holz- 
zeichen, die den Inhaber zu Wachtel- und Lerchenfang, zur Ähren- 
nachlese auf dem Felde, zum Holzfällen und Holzlesen in den städtischen 
Waldungen u. dgl. mehr berechtigten. Anzureihen sind Ein lafszei eben, 
z. B. die Regensburger Schützenzeichen, die zum Betreten des Schiefs- 
standes ermächtigten, Torzeichen. Theatereintrittsmarken u. dgl. 

y) Gewerbliche Marken, zu welchen u. a. die als Beweis der 
vorgenommenen Warenbeschau angebrachten Plomben, sog. Beschau- 
zeichen , gehören. Andere, wie die Niederländischen Gilden- 
pfennige, haben als Legitimations- oder Präsenzzeichen gedient. 

d) Adrefsmarken, die mit Angabe des Namens und Wohnorts von 
Geschäftsinhabern zu Reklamezwecken ausgegeben werden, u. dgl. m. 

Alle münzähnlichen Gebilde, die im 7. Abschnitte unter E — I auf- 
gezählt wurden, haben das negative Merkmal gemein, dafs ihnen der 
Geldzweck fehlt. Sie fallen daher aufser den Bereich der eigentlichen 
Numismatik und daher auch dieses Handbuches (vgl. § 2). 

Mo «lallen. Den Grundsatz. dafs Medaillen und alle übrigen Stucke, welche 
mit den Münzen lediglich die Prairunji gemein haben, von den Münzen zu trennen Bind, 




Digitized by Google 



§ 4. Münzähnliche fieprüge; Marken. 



29 



verficht auch Menadier im B. Mzbl., X. F. 2 (1902) S. 18. — Der Sprachgebrauch 
unterschied schon in alter Zeit die Schau pfennige oder S ch a u g r ose h e n Hcharf 
von Münzen. Als der nicht münzberechtigte Freiherr Hans Siegmund von Wollwarth 
den Xürnhcrger Rat bat, hier 6 Kreuzerstücke im Betrag von 100 fl. ausmünzen zu 
dürfen, um sie bei Beinern Begräbnis unter arme Leute verteilen zu lassen, genehmigte- 
dies der Rat am 10 Mai 1608, doch Höhten diese Stücke probiert werden, »ungeachtet 
es keine Münz sondern Schaugroschen sein.« Mit B. IX, 58, W. X. Z., XVIII, Taf. II, Xr. IG 
(eine Regonsburger Klippe auf dem Glflckshafen von 1586 nennt sich Bclbst SCHAU 
GROSCH — Bl. f. Mzfr, Xr. 118, Sp. 1078 (1884 . Eine andere alte Bezeichnung für 
Medaille ist G e den k g r o s c he n : FIX / GEDEXC GR / ÖSCHLEIX DES / HAKEXS 
ZV MER / GATHAIM AXXO / 1581 lautet die Aufschrift auf einem ähnlichen Stück 
bei Dudik, Des teutsehen Ritterordens Münzsammlung. W. 1858. T. XVIII, Xr. 189. 
Es gab Übrigens auch münzartige Medaillen, z. B dio Hildesheimer auf die 1528 er- 
folgte Vermehrung des Stadtwappens, die seit Auf. des 17. Jahrh. lange Jahre hindurch 
im Metall, Gewicht und (ichalt, je nach den Wünschen des Bestellers, geschlagen 
wurde. Z. f. X. XX, Anhang S. 12. Gute Übersichten über das Medaillenwesen bei 
Dannenberg, Grundzüge 294 ff., Stückelberg 171; Blanchet II, 362, dazu die 
bibliographische Übersicht II, 617 ff. A mbrosoli 213. Aus der sehr zahlreichen Litera- 
tur über Medaillen hebe ich hervor: Bolzenthal II., Skizzen z. Kunstgeschichte d. 
m«>dernen Medaillenarbeit. B. 1840 (veraltet). — über den Ursprung der Medaille : 
Fried länd er J., Die geprägten italienischen Medaillen des 15. Jahrh. B. 1883. 
Die italienischen Schaumünzen des 15. Jahrh. B. 1882. — Schlosser J. v., Die älte- 
sten Medaillen und die Antike. (Jahrbuch der kunsthistor Sammlungen des a. h. Kaiser- 
hauses. W. 1896. Bd. XVII . Dio Entwicklung der Medaille. W. X. Z. XXVI, S 321. - 
Kenner F., Vorträge über die Medaille W. X. M.III, 138 ff., IV, 27 ff. 

Fabriczy Com. v., Medaillen d. italienischen Renaissance. L. 1903 (erschienen 
in Sponsels Monographien des Kunstgewerbes.) — G uif rey J., Lcs medaillom des Car- 
rara, uecutees vern 1390. R. X III, t. IX. P. 1891. (Lenormant) Tresor de Nunns- 
matique et de Glyptique. P. 1834—1850, 20 Bde. — Hei Ts A.. Les midaUleurs de la 
Kenaitixance. P. 1881 ff. — Armand A., Lett medailleurs it(diens den XV* et XVI*" Huden. 
P. 1883—1887. — Dorna ni k' K., Porträtinedaillcn dos Erzhausen Österreich von Fried- 
rich III. bis Franz II. W. 1896. — Die deutsche Privat medaille d. älteren Zeit, 
W. X. Z. XXIV, 76; Register zu den Xürnberger Personen mcdaillen, welche Imhof 
und Will besprechen. W. X. Z. W. XX VT, 347 ; ältesteMedaillcure in Österreich. W. 1893 , 
Peter Flötner als Plastiker und Medailleur. W. 1895 (beides: Jahrb. der Kunstsamm- 
lungen des a. h. Kaiserhauses, Bd. XIV und XVI) zu letzterem die Bemerkungen von 
Merzbacher in Mit. B. XVIII, XIX und Domanigs Antwort in W. X. Z. XXXII. 258. 
Menadier) Schaumünzen des Hauses Hohoiuotlern. B. 1901. — Die Medaillen und 
Münzen des Gesainthauses Wittelsbach, bearl»eitet vom Kgl. Konservatorium des Münz- 
kabinetts (Habich) M. 1901. — Kuli V., Studien z. Geschichte der Münzen und Me- 
daillen der Herzoge von Bayern. Mit. B. I — IV. — Beierlein J. P., Medaillen auf 
ausgez. und berühmte Bayern. M. 1852 ff (Oberbayer. Archiv, Bd. X, XII. XIII, XV, 
XXII). — Bergmann : Medaillen auf berühmte Männer des österr. Kaiserstaats. W. 1855. 
2 Bde. — Erman, Deutsche Medailleure des 16. und 17. Jahrb. Z. f. X. XII (1885), 
S. 14 ff. — Simonis Julien: hart du mHailleur en lieltjiqne. Brüssel 1900. 

Moderne Medaillen: Uchtwark A., Dio Wiedererweckung der Medaille. D. 1897. 
Domanig. Anton Schärft. W. X. Z XXVI, 271. — v. Loehr A., Wiener Medailleure 
(mit Mitteilungen über die verschiedenen Medaillentechniken;- W. 1899, Xaclitrag 1902. 
— Marx Rog., Die franzonischen Medaillen unserer Zeit. St. 1898. — Mitteilg. des 
Klubs d. Münz- u. Medaillenfreunde in Wien seit 1890, namentlich da\s Beiblatt: Die 
moderne Medaille zu Jahrg. 1900. — Das Hauptwerk ist: Doinpierrc de Cliaufepie : Lex 
mtdaille* et plaquettes modernen. Ihmrlein von 1898 — 1903 erschienen. 12 Lieferungen 
oder 2 Bände in prächtigster Ausführung. 

Spottmedai 1 le n , Stachelmünzen ; z. B. auf Xapoleon III., X A. 1871, S. 129, 
X. Z. Xr. 9, 12; Schmied er I, 436, 438; Klotz, hi*tnriu numorum eontumelioxonaii 
et satyricorum. Altenburg 1765: Serrure ('. l\, Quelques mednilte* *ah/riquc*. U. X. B. 
I, 3, S. 404; Meifsner: über Christian Wennuth und *eine satyrischen Medaillen: 



ized by Google 



HO 



Einleitung. 



Bl. f. Mx.fr. Nr. 109—112 (1883) und Abbildungen auf Taf. 75. — Collectio Fieweger, 
Katalog satyrischer Medaillen und Münzen. Ii. 1885. 

Gnadenpfennige: Kuli, Auh bayer. Archiven. Mit, B. XIX, 23 ff., Ab- 
bildungen n. a. O Taf. V, 3; W. N. Z. IV, 130, Taf. VII. Z. f. X. V, Tafel V. XI, 
Taf. II ; (Menadier) Schaumünzen d. Hauses Hohenzollern. B. 1901, 7 Tafeln in Farben. 

Scb ü tzen tnedail len, Schiefsklippen u. dgl. Die aus Anlafs von Schützen- 
festen als Preise ausgegebenen Stücke haben zuweilen Münzwert und sind dann Denk- 
münzen, so z. B. die >Gedenktalert zum Frankfurter Schützenfest 1862, die schweizeri- 
schen zu den eidgenössischen Freischiefsen 1842, 1847 u. dgl., der Mehrzahl nach haben 
sie aber Medaillencharakter. Riggaucr, Einige Festmünzen früherer Stuck , Arm- 
brust- oder Büchsenschiefsen. Hl. f. Mzfr. Nr. 118 ff. (1884) : vgl. auch a. a. » >. Nr. 8, 9 
(1866, 1867), Taf. VII u. VIII. 

Preismedaillon: N. Z. 1871, Nr. 10. Hierher gehören die zur Belohnung 
fleifsiger Schüler verteilten Pramienmünzon, Schulpfennige, in Österreich (16. Jahrh. 
auch Ehrpfennige genannt: Embletnata anniverfioria aeadetniae Xoribergensis quae eat 
Altorfii. Nürnberg 1597, 2. Ausg. 1617 (Reihe von 1577 bis 1616) — i. ö. Ehrpfennige. 
W. N. Z. IX. — H. Voigt: Schulmünzen, Rechenpfennige Z. f. N. Nr. XIX., 144. 
Knabl, Verzeichnis der Schulmünzen im ehem. Kurhessen. Kassel 1894. (Schul- 
programm der Oberrealschule in Kassel. 

Rechenpfennige, Rait- oder Z ah 1 pf e n nige , Jctons, holländisch 
Legpenninge. — Urkundlich ist der Gebrauch der Legpennnige seit 1388 nachweisbar. 
Die Mitglieder der Gelderschen Rechenkammer erhielten u. a. jährlich 5 Mark silbernes 
Leggeld und 2500 kupferne Legpfennige: ähnliche Bezüge waren auch bei den staat- 
liehen und landschaftlichen Rechnungsbehördcn in Österreich zum Teil bis ins 
18. Jahrh. üblich. — Literatlirangaben: Bl a n che t II, 400 und 520. — de Vogt, 
Aantekningen betrekkelgk de Leg of Rekenpeningen van de Geldersehe Rekenkammcr. 
Amsterdam 1869. — Nagl A., Die Rechenpfennige und die operative Arithmetik. W. N. Z. 
XIX. 309. Rechenpfennige im XVIII. Jahrh. a. a. O. XX, 407. — Werdnig G, 
Die Osellon oder Münzmedaillen der Republik Venedig. W. 1889. 

\V e i h o in ü n z o n , W a 1 1 f a h r t s z c i c h e n , B r e v e r 1 n : K u n c z e Leo, Syste- 
matik der Weihemünzcn. Raab 1885. — Beierlein J. P., Münzen baver. Klöster, 
Wallfahrtsorte und anderer geistlicher Institute. M. 1857 — 1879 (Oberbaver. Archiv 
Bd. XVII, XXVII, XXXVIII). Fortsetzung durch F. Och. M. 1897 a. a. O. Bd. L). 
Friesen egg er M., Die L'lrichskrcuze. Augsburg 1895 und Mit. B. XVI, XVII; 
Scb ratz, Die Wallfahrtszeichen der schönen Maria in Regensburg. Mit. B. VI, 

5. 41 ff. Bcnediktuspfennige : S c h m i e d e r L, 87 ; K ö h 1 e r , Münzbelustigungen, VI, 105. 

Marken aller Art, Zeichen, Tesnere : Ambrosoli, Kap. VIII; Koehne B, 
Bl. II 1S65, S. 80, vermutet, dafs diese Tes^ere eine Art Studtgeld für den inneren 
Verkehr gewesen seien. — Beierlein J. P., Jetone und Marken von bayerischen 
Städten, Orten, Klöstern. N. Z. XVIU 1850) S. 85 ff. — Gebert, Verschwundene 
Nürnberger Zeichen ; niittelulterl. Mit. B. VII, 107. -- Grotefend: Neuere unedierte 
Marken: B. Mzbl. Nr. 77 f. (1887) russische l'.artsteuermarken : Chaudoir. Aprnu nur 
/es monnaies rwzcs. St. Petersburg 18:56, Taf. 22, Nr. 5, 23, Nr. 1. — Joseph P, 
Mittelalterliche Frankfurter Bleimarken. Bl. f. Mzt'r. 1883, Nr. 50. — Elssig E., Marken 
und Zeichen der Stadt Leipzig a. a. O. 1878, Nr. 65 ff. 

Robotmarken - Wolfseggsche Mit. B. VII, 109; Neumann, Kupfermünzen V, 

6, Nr. 284S2— 28 491 ; Legitimationszeii'hen, s. Schratz, Regensburger Ratszeiehon 
S. 12 II. Passier/eichen für den Friseur der Konigin Isabella von Spanien. N. '/.. 1871 
Nr. 11, für beurlaubte schwedische Soldaten (17., 18. Jahrh) X. V. 1**0 Nr. 6. — Ge- 
werbliche Marken Dirks de Xoord, Xederlandsrhe (iildepcnningen Haarlem 
1878/7», 2 Bde. — Münchener Rabattmarken, W. N. M. III, S, 340. 



gitized by Google 



■ 



Erster Teil. 

Allgemeine Münzkunde. 

I. Hauptstück. 
Die äufsere Beschaffenheit der Münze. 

Die äufseren Merkmale der Münze, die als sinnenfällig das Erkennen 
und Beschreiben der Münze ermöglichen, sind : a) die chemische Zu- 
sammensetzung, der Münzstoff; b) die Form; c) die Gröfse; d) das Ge- 
wicht; e) das Gepräge. 

§ 5. Münzstoffe. 

So grofs die Mannigfaltigkeit der von alter Zeit her als Geld ge- 
brauchten, zum Teil noch heute bei wilden Völkern verwendeten Stoffe 
{§ 4, 1) ist. so haben doch die Metalle überall bei steigender Kultur 
die andern Geldstoffe aus dem ordentlichen Verkehr verdrängt. Dies 
läfst auf eine besondere Eignung der Metalle zu Geldzwecken schliefsen, 
die in der Tat vorhanden ist. Die Metalle sind eben dauerhafter als 
viele andere Geldstoffe : sie lassen sich ohne oder mit geringem Wert- 
verluste aufbewahren, können ohne Wertvernichtung beliebig geteilt 
und infolge ihrer Sehmelzbarkeit wieder zu Stücken vereinigt werden, 
lassen eine dauerhafte Bezeichnung zu u. dgl. Doch ist die Eignung zu 
Geldzwecken nicht bei allen Metallen im gleichen Mafse vorhanden, 
sondern weit überwiegend bei den sog. Edelmetallen. Diese haben durch 
ihr gefälliges Ausse hen und ihre natürliche Seltenheit einen hohen Tausch- 
wert und zeigen derartige Gleichförmigkeit, dafs es nicht, sowohl nach 
ihren Eigenschaften verschiedene Arten, sondern blofs verschiedene be- 
liebig regelbare Feinheitsgrade von Gold und Silber gibt. Es sind daher 
die Edelmetalle der vor allem zweekmäfsige Stoff für die Münze, doch 
haben das Bedürfnis, kleine Wertbeträge in bequemer Münzform dar- 
zustellen und zuweilen andere Ursachen beigetragen, dafs zu allen Zeiten 



Digitized by Google 



32 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



und fast aller Orten auch Münzen aus anderem Metallen angefertigt 
wurden. 

Roscher, Gründl, d. Nationalökonomie IG. A. (St. 1882} § 119, 120, 135 ff. 
Schürt*, Entetohungsgosch. d. Geldes. (Weimar 1898), 112 ff. Stückelberg, Mttnz- 
saminler (Z. 1899) S. 4 ff. Dannenberg, Münzkunde (L. 1899) S. 7; En gel - 
Serrure, Tratte de Numismattque du M. A. I. (P. 1891), Introdnclion % III. — 
Sabatier J. et L. : Production de Vor, de Varyent et du ettivre chez les anciens 
(St. Petersburg 1850). Nies, Tber Münznietalle und sog. Ausbeutemünzen. (St. 1893, 
Jahreshefte d. Ver. f. vaterl. Naturkunde in Württemberg. 49. Jahrg.) — Neu mann 
Iternh , Die Metalle, Geschichte, Vorkommen und Gewinnung nebst ausführlicher 
Produktions- und PreisHtatiatik (Halle 1904). 

2. Gold wurde schon bei den Völkern des Altertums, insbesondere 
von den Griechen und Römern zu Münzzwecken verwendet. Seit der 
Mitte des 3. Jahrh. n. Chr. war indessen in der Goldmünzung des römi- 
schen Kaiserreiches eine greuliche Unordnung eingerissen, die erst Kon- 
stantin der Grolse dadurch beseitigte, dafs er die angenommene Stückelung 
von 72 solidi aus dem Pfund Feingold genau einhielt und seinen Nach- 
folgern überlieferte. Dieser Goldsolidus und mehr noch das von den 
späteren römischen Kaisern geschlagene Drittelstück (Trinis, Tremissis) 
wurde mafsgebend für die Goldprägung in den germanischen Reichen 
der Goten, Burgunder und der Franken. Diese Goldprägung hielt im 
Abendlande an, solange der Goldvorrat dauerte, den man an den im 
Lande befindlichen römischen Goldstücken und Schmucksachen besafs. 
Als dieser erschöpft war und weder Bergbau noch Handel genügenden 
Zuflufs boten, half man sich mit immer stärkerem Silberzusatz, bis man 
zuletzt bei geringhaltigem Blafsgold angelangt war. Solcher Art sind 
die jüngsten Gepräge der Merowinger; später wiederholte sich der gleiche 
Vorgang in Benevent, Oypern, Byzanz usw. Mit dem Regierungsantritte 
der Karolinger hörte im allgemeinen die Goldprägung im Frankenreiche 
auf, »loch wurde dieselbe unter Karl dem Grofsen und Ludwig dem 
Frommen, die ihren Goldbedarf möglicherweise aus den in den Awaren- 
ringen erbeuteten Schätzen deckten, in geringem Umfange wieder auf- 
genommen , auch dauerte der Goldinnlauf in Friesland und in Bayern 
noch längere Zeit fort. Im übrigen aber hörte in Europa vom 9. bis 
zum 13. Jahrb. die Goldprägung fast ganz auf und nur die Staaten im 
äufsersten Osten und Westen, die byzantinischen Kaiser wie auch die 
arabischen Herrscher versorgten noch den Verkehr mit Goldmünzen 
(Byzanthis und Marabutinm}. Die infolge der Kreuzzüge entstandenen 
lebhaften Handelsbeziehungen führten in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. 
zunächst in den romanischen Ländern (Italien, Frankreich. Spanien) 
wieder zur Goldprägung, die im 14. Jahrh. auch in den germanischen 
Staaten aufgenommen und seither ununterbrochen fortgesetzt wurde. 
Doch wird das Gold jetzt selten chemisch rein als Feingold, sondern 
meist mit einein absichtlichen Zusatz an Silber oder Kupfer, mithin 
legiert, zur Ausmünzung verwendet. Gold mit starkem Silberzusatze 
hiefs im Altortume Ehdrum und war längere Zeit an den Küsten des 
ägäischen Meeres ein beliebter Münzstoff. Dem Mittelalter war zwar 
dieser Name, nicht aber die Sache selbst, unbekannt, wie die ober- 



Digitized by Google 



§5. Münzstoffo: Gold, Silber. 



33 



wähnten Blafsgoldmünzen und manche unter den späteren Goldgulden 
dartun. 

Du Gange, Glossarium media; et infinue Latinitatis (benutzt wurde die letzte 
durch L. Favre besorgte Ausgabe, Niort, 1883 ff.) unter Auntm. — Hofmann K., 
Zur Geschiebte der antiken I^gierungen. W. N. Z. XVII, S. 1 ff. — annähernde Be- 
stimmung der Mischungsverhältnisse einiger ElektrummÜnzen Z f. X. XI, 161. — Be- 
rüchtigt waren um 1500 die Lütticher Postulatguldcn aus Blafsgold, die mehr als die 
Hälfte Silberzusatz hatten. 

3. Silber wurde im Altertume schon vor dem Golde zu Münzen 
verarbeitet und beherrschte den abendländischen Verkehr von den Karo- 
lingern angefangen durch viele Jahrhunderte. Es ist wohl der am wei- 
testen verbreitete Müuzstoff. Technische Schwierigkeiten, namentlich 
der Verlust durch Verflüchtigung beim Umschmelzen, haben die Schei- 
dung des Silbers von beigemengten unedlen Metallen die längste Zeit 
erschwert. Erst in unseren Tagen ist die Herstellung von 998 bis 999 
Tausendteile feinem, also nahezu chemisch reinem Silber im grofsen ge- 
glückt. Man hat daher im Mittelalter ein Silber mit etwa %4 Beimen- 
gung, oder 958 Tausendteile fein, das sog. Königsilber, Argent le Roi 
schon als sog. purissimum argentum angesehen imd bei der Legierung 
vermutlich so behandelt, als ob es chemisch rein oder fein wäre. 

Es blieb dann der vorgeschriebene Feingehalt der Silbermünzen, sofern 
dieser Zusatz nicht wie in Frankreich in Rechnung gezogen war, hinter 
dem tatsächlich erreichten etwas zurück, ein Umstand, der später (§ 18, 
10) noch zu besprechen sein wird. Das feine Silber wurdo indessen 
nur selten ungemischt vermünzt ; in dor Regel erhielt es noch einen ab- 
sichtlichen Kupferzusatz, angeblich um die Münze widerstandsfähiger zu 
machen, in Wahrheit meist, um den Münznutzen zu vergrößern. Daher 
ist auch der Feingehalt der Silbermünzen im Mittelalter trotz aller Anläufe 
zur Besserung im ganzen immer tiefer gosunken. 

Der Feingehalt wurde früher in Deutschland bei Goldmünzen in 
24 Karat zu 12 Grän (— 288 Grän) beim Silber in 16 Lot zu 18 Grän 
(= 288 Grän) eingeteilt. Gegenwärtig erfolgt dio Angabe des Feingehaltes 
fast allgemein in Tausendteilen fmillinnesj des chemisch reinen Metalls, 
das als Einheit = angenommen wird. Es entspricht daher eine 
Goldlegierung von 18 Karat = I8 / 24 — 216 Grän oder eine Silberlegierung 
von 12 Lot = % 6 = 216 Grän 750 Tausendtoilen (0,7507). Das nähere 
darüber wolle § 22, 5 nachgesehen werden. 

Silber mit einem Zusatz von mehr als der Hälfte Kupfer heifst 
jetzt Billon. Der Ausdruck stammt aus dem mittelalterlichen Latein, 
biUio, und bezeichnete eine kupferne oder doch stark kupferhaltige 
Münze, zuweilen aber auch Münzgut (Pagament) schlochtweg. (Daher 
das englische hidüon für ungemünztes Edelmetall.) Überschreitet der 
Kupferzusatz mehr als drei Vierteilo der Mischung, so spricht man von 
schwarzem oder kupferähnlichem Billon, argentum nigrum, in den Nieder- 
landen moneta argmtosa. Überwiegt das Kupfer so sehr, dafs dasselbe 
beim Weifssud nur als dünnes Häutchen die Oberfläche bedeckt, so be- 
zeichnet man den Münzstoff als »Weifskupfer <. 

L us cb In, Numismatik 3 



Digitized by Google 



34 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Du C a n g e , unter A rijentum und Moneta ; van Ii i e m s d i <• k, Memoire nur 
la compnsition chimique den monnair» necrlandaisea et mr Ja vnlatili*ntion de Vargent 
(Archivcs neerlandaiHes 1868, III). — Argent le Roi vgl. Saulcy, RerucU, I, S. 7; 
Monnai noire, R. X. 1847, S. 437 ff., 1848. S. 404 ff.. (Rouyer). - Montta argentoaa, 
Z. f. N. XX, 353; Weif h k u p fe r , zur Bezeichnung der sog. mminaie sausse (Seeck 
in Z. f. X. XVIT, 113 ff.) entspricht dem Ausdruck cuivre blanchie für Mittelaltermünzen. 
Coster in K. X. B. I, 6, S. 215. Bibra E. v.: Über alte Eisen- und Silborfunde. X. u. 
L. 1873. 

4. Kupfer, das im Altertume vielfach als Münzstoff gedient hat. 
wurde im Mittelalter zu diesem Zwecke wenig verwendet. Nur die auf 
römischem Reichsboden gegründeten germanischen Staaten der Vandalen, 
der Ostgoteri und Angelsachsen haben Kupfermünzen ausgegeben. 
Ferner kennt man Kupfermünzen des frühern Mittelalters aus den unter 
byzantinischem Einflüsse stehenden Teilen Unteritaliens und ohne Zeit- 
beschränkung für das oströmische Reich. Im übrigen Europa gab es 
vom 13. Jahrh. angefangen viel schlechte Billon-, selbst Weifskupfer- 
münzen, die heute wegen ihres kupfrigen Ansehens häufig für Kupfer- 
münzen angesehen werden, in der Tat jedoch herabgekommenes Silber- 
geld sind und als solches ihren Umlauf hatten. Vom 16. Jahrh. ab be- 
gann wieder hie und da die Kupferprägung, allgemein wurde sie jedoch 
in Europa erst vom 18. Jahrh. an. In den orientalischen Staaten, na- 
mentlich in Indien reicht jedoch die Kupfermünze vom Altertume bis 
in die neueste Zeit ohne Unterbrechung fort. 

Das Kupfer wird nicht nur rein, sondern in Mischung mit andern 
Metallen zu Münzen und mehr noch zu Medaillen, Jetons, Marken u. dgl. 
verarbeitet. Die häufigsten Kupferlegierungen, die zu diesem Zwecke 
verwendet werden, sind : 

a) Messing, orichalcum, eine Mischung von Kupfer und Zink, die 
je nach der Gröfse des Zinkzusatzes rot, gelb oder weifs erscheint und 
daher als rotes, gelbes und weifses Messing bezeichnet wird. In China 
wird Messing als Münzstoff seit den ältesten Zeiten benutzt, in Europa 
wurde und wird es vorwiegend für Jetons und Marken verwendet. 

b) Die Bronze, eine Mischung von Kupfer, Zinn und Zink, bereits 
im Altertume einer der beliebtesten Münzstoffe, der sieh durch feines 
Korn und beträchtliche Märte auszeichnet, auch weniger leicht als das 
blofse Kupfer rostet, wird heutzutage bei oiner xMischung von 8— 12% 
Zinn, 2— 3°/ 0 Zink und etwas Rlei mit Kupfer vorzugsweise zu Medaillen, 
bei geringerer Zusetzung von Zinn und Zink auch für Scheidemünzen 
verwendet. Das sog. Gloekengut (78°/ 0 Kupfer und 22°/ 0 Zinn) und 
die Kanonenbronze (90°/ 0 Kupfer und 10 u / 0 Zinn) eignen sich weniger 
zu Münzen und wurden nur in Ausnahmsfällen für solche benutzt; so 
sind beispielsweise in Frankreich zur Zeit der grolsen Revolution die 
zuerst ausgegebenen Sou- und Doppelstücke aus eingeschmolzenen Kirchen- 
glocken hergestellt worden. 

Bibra ErnHt Frbr. v. Die Bronzen- und Kupferlegierungen der itlteHten Völker. 
Erlangen 1869: Münzen au» Glockeiimetall. W. X Z. XIV, 417; W. X. M. V, 
Xr. 205 (1900 . 



Digitized by Googl 



§ 5. Münutoffe : Kupfer, Platin, Zinn, Nickel usw. 



35 



5. Gold, Silber und Kupfer werden nahezu auf der ganzen Erde 
als MünzstofFe benutzt, die übrigen Metalle und Metallmischungen wurden 
für solche Zwecke nur zu gewissen Zeiten oder in einzelnen Ländern 
verwendet. 

Platin gehört zwar zu den Edelmetallen, wurde jedoch nur in Rufs- 
land, und zwar in den Jahren 1826 — 1845 zur Ausprägung von 3-, 6-, und 
12-Rubelstücken und Jetons gebraucht, dann aber wegen der leichten 
Verwechslung mit Silber wieder aufgegeben. 

Zinn wurde in Europa wegen seiner Weichheit nur zu Notmünzen, 
also ausnahmsweise, z. B. 1743 zu Eger benutzt; in Ostindien gab es da- 
gegen zu Taverniers Zeiten (17. Jahrh.) einige Reiche, in welchen nur 
Zinngeld umlief. In England wurde Zinn zum Münzmetall unter Karl IL, 
doch hörte die Zinnausmünzung hier 1692 auf. Häufig wird Zinn für 
Medaillen verwendet, namentlich in seinen verschiedenen Mischungen, 
z. B. als Britann iametall, das eine Zinn-Antimonlegierung mit etwas 
Kupfer und widerstandsfähiger als das unvermischte Metall ist. 

Zink war den Alten als Metall unbekannt, wohl aber hat man 
durch Beimischung von Zinkerzen (Galmei) schon sehr früh Zinklegie- 
rungen, namentlich Messing hergestellt, die man als Münzmetall ver- 
wenden konnte. Münzen aus Zinkmetall gab es nur in einigen asiatischen 
Staaten 

Auch Blei ist als Münzstoff zu weich und überdies der Verwitte- 
rung ausgesetzt, doch wurde es allezeit von Münzfälschern gerne ver- 
wendet und diente ab und zu zur Herstellung von Notmünzen. In 
neueren Zeiten hat König Friedrich III. von Dänemark um 1660 große 
und kleine Geldstücke aus Blei prägen lassen, am häufigsten sind jedoch 
Bleimünzen in China und Ostindien vorgekommen. Marken, Medaillen 
und Plaketten aus Blei sind nicht selten. Auffallend jedoch ist die 
Nachricht, die Budelius (I. S. 7) mitteilt, dais zu seiner Zeit, also Ende 
des 16. Jahrh., in England bleierne Münzen in Umlauf gewesen seien. 
Da Budelius nur nach Hörensagen erzählt, so dürfte seine Angabe wohl 
eino satyrische Anspielung auf die Zerrüttung im englischen Münzwesen 
sein, die erst unter der Königin Elisabeth behoben wurde. 

Nickel, ein silberähnliches Metall, das sich in der Luft nicht ver- 
ändert, soll in Vorderindien schon im 3. Jahrh. v. Chr. zu Münzen ge- 
braucht worden sein. Reichlichere Verwendung zu Münzzwecken fand 
es erst seit einem halben Jahrhundert, und zwar als Ersatz des Billon 
bei Scheidemünzen. Zur Herstellung dienen meist Legierungen des 
Nickel mit Kupfer, in der Schweiz zeitweise sogar mit Silber, nur aus- 
nahmsweise, wie in Österreich, benutzt man reinen Nickel. 

Eisen, zu Münzzwecken wenig geeignet, diente vereinzelt zur Her- 
stellung von Gufsmedaillen und war bis ins 19. Jahrh. der Stoff der 
geringsten Scheidemünze Doosa-Seni in Japan. Eisengeld in verschiedenen 
Gestalten, bald rohe Eisenstücke, bald geschmiedet als Stab, Spaten, 
Lanzenspitze, Messer usw., vermittelte den Verkehr im Innern von Afrika. 

Die übrigen Motalle und Metallmischungen kommen für Münz- 
zwecke fast gar nicht in Betracht. Der Potin, ein Metallgemisch von 

3* 



Digitized by Google 



36 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



grauer Farbe (angeblich Kupfer, Zinn, Zink und Blei und % Silber), 
gehört nur dem Altertume an. Eine gröfsere Menge Alexandriner Tetra- 
drachmen von Claudius I. und der Antonia aus Potin, die wegen schlechter 
Erhaltung eingeschmolzen wurden, ergab auf 1000 Teile 0,251 Silber, 
0,001 Gold (W. Nuni. Monatshefte, HI. 68). Das Aluminium hat die 
Hoffnungen nicht erfüllt, mit welchen es begrüfst wurde, und dient zur 
Anfertigung wenig geschätztor Medaillen. Geradezu Kuriositäten sind 
Medaillen aus seltenen Metallen, wie Palladium, oder aus den wunder- 
lichen Metallgemischen der sog. alehymistischen Stücke. 

Zinnmünzen: Iloblin im Numismatic Chronicle 1877, X. S. XVII, S. 358 ff. 
Schniieder I, 478. Bleimünzen: Schmieder I, 50; Eisengeld: Schmieder I, 
155; Schürt« 148; X. Z. 1840, S. 80; 1871, S. 47. Koehne in It. X. B. in, Bd. 1. — 
W. N. M. 1.(1886) S. 158. Platin : W. N.M. IV (1897), 35, 46. Nickel münzen: Heyne- 
mann in F. Mzbl. 1884, 208, 235, 249. F. Mzztg. I, 206, 291. v. Ernst, Medaillen 
aus nicht .gewöhnlichen oder seltenen Metallen. W. N. M. IV (1897), S. 13, 25. Me- 
daillen aus Palladium: N. Z. 1870, Nr. 7, R. X. B. B.i. 26 (1869), S. 477; aus Alu- 
minium: W. X. M. I (1890), 354. Alchimisten münzen usw. ; Reychcr, de numis 
ex chymico metallo. Kiel 1692. W. N. Z. XXIII, 346 /Ryszard), XXIX, 322 (Bauer). 

6. Nach dem in § 4, 3 Gesagten ist die Herstellung aus Metall 
ein wesentliches Kennzeichen der Münze, mit andern Worten: nur Metalle 
sind Münzstoffe. Dagegen können Geldzeichen und müuzähnliche Gegen- 
stände, Medaillen, Jetons, Marken usw. auch aus Papier, Leder, Holz, 
Horn, Bein u. dgl. verfertigt worden. Hervorgehoben sei das völlig münz- 
gleiche papierene Notgold, das 1573 in der belagerten Stadt Leyden 
durch Prägung hergestellt wurde, und erwähnt, dafs die sog. orientali- 
schen Glasmünzen ungeachtet der Münzaufschriften, z. R. »ein Dinar , 
weder als Münze noch als Geld, sondern lediglich als Münzgewichte 
gedient haben. Dagegen waren in Siam noch vor einem Menschenalter 
Geldzeichen aus Glas und Porzellan in Umlauf, von welchen die jüngsten 
in den Jahren 1873 bis 1876 ausgegebenen das Bildnis dos jetzt regieren- 
den Königs Chulahlongkorn und die Wertangabe tragen und für Geld- 
marken öffentlicher Spielhäuser angesehen werden. Ledergeld als An- 
weisung auf künftige Zahlungen gaben aus: der venezianische Doge in 
den Kriegen 1122 bis 1120, König Johann von England während der 
Baronenkämpfe, Ludwig IX. von Krankreich in seiner Gefangenschaft, 
Kaiser Friedrich II. während der Belagerung von Faenza 1240 u. a. m. 
(vgl. § 18, 6). 

Ledermedaillen: Z. f. N. XXII, Anh. 9 (eine Scheidemünze aus Leder kur- 
sierte 1570—80 auf der Insel Man). Kokue B. Hl. IV, 350 — s. auch W. N. M. I (1885), 
S. 76, 80. — Ostasiatische Porzellanmilnzen: Kainx in B. Mzbl., Xr. 177 ff. (1895); 
G ii in mi-Tuken (Chile) X. A. 1872, Nr. 5, (5. 

§ 6. Gestalt, Gröfsc und Gewicht der Münze. 

1. Die rohen Metallstücke, aus welchen durch Aufdrücken des 
Geprags die Münzen entstehen, werden in unbezeichnetem Zustande 
Schrötlingo genannt; bei gegossenen Stücken ist die Guisform, bei 
geprägten die durch schneidende Werkzeuge erzeugto Gestalt des Schröt- 
lings für den Umrifs der Münze bestimmend. 



Digitized by Google 



§ 5. Münzstoffe. § 6. Gestalt der Münzen, Klippen. 



37 



Kenner Fr., Die Anfänge des Geldes im Altertum. (S. B. d. W. Akad. 18G4, 
Bd. XIJII, S. 382. Dickinson W., On ihe jewel or ring monney of the inferior of 
A/rica. Numismatic Chronirle. Heft 23 (1844), 43 (1849), Hoare E., On some Celtir 
Ring Money trith pointed ends similar to the African Ring currency, a. a. O. Nr. 24 
(1844). Morel Fatio im Bulletin de la Suc. suisse de numismatique, Genf 1886. 

2. Metall als Münzstoff ist wesentliches Kennzeichen der Münze, 
dagegen ist die Form, die man dem Metalle gibt, an sich nebensächlich. 
Man hat in der Tat Münzen sehr verschiedener Gestalt, wenngleich die 
runde weitaus überwiegt, weil die Erfahrung gelehrt hat, dafe die Ver- 
wendung runder, mäfsig dicker Metallscheiben für Münzzwocke am vor 
teilhaftesten ist. Öfters kommen auch eckige Münzen vor. Im Mittel- 
alter hat das Bestreben, die Zahl der zur Prägung ungeeigneten Mctall- 
abschnitzel (Abschrote) zu vermindern, manchmal dazu geführt, die 
Schrötlinge mit der Blechschere viereckig zu schneiden, doch wurden 
dann in vielen Fällen die Ecken durch Niederhäinmern der Seiten aus- 




Fig. it. Vlertelüüer- Klipp* de« Ersbi schob Max Sittlcua von Salzburg 1610. 



gerundet, so dafs in der Mitte das Metall als unregelmäfsiges Viereck stehen 
blieb. Dies ist der sog. Vierschlag, der sich auf süddeutschen Münzen 
vom 11. Jahrh. an findet (§ 10, 4, Fig. 49). Bleiben die Ecken des Schröt- 
lings scharf und ist dieser nicht blechartig dünn, so nennt man das 
Stück eine Klippe, nach dem schwedischen klippa, das so viel . als 
*mit der Schere schneiden* heilst. In der Tat ist Skandinavien das 
Ursprungsland der Klippen. Man kennt eine dem norwegischen Jarl 
Hakon 989 bis 995 zugeschriebene Klippe, die indessen gleich einem im 
Budapester Nationalmuseum ausgestellten Gegenstück König Belas L 
(1131 bis 1141) vereinzelte Münzproben sind, da runde Münzen gleichen 
Gepräges vorkommen. In Umlauf gebracht wurden Namen und Form 
durch die Unionskünige seit Christian L, der um 1460 geringhaltige 
» Klippinge i auszugeben begann. . Seit dem 16. Jahrh. kommen Klippen 
auch in Deutschland, und zwar zuerst bei Notgeldern vor, doch hat man 
in einigen Ländern, vor allem in Sachsen und Salzburg, an dieser Form 
solchen Gefallen gefunden, dafs Klippen auch für den gewöhnlichen 
Verkehr durch Aufprägung runder Stempel auf viereckige Schrötlinge 
hergestellt wurden. Die gebräuchliche Klippenform ist (juadratisch, selten 
sind sie drei-, fünf- oder mehreckig, eine Gestalt, die nur bei Geschenk- 



38 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



münzen, Münz] »ruhen, Medaillen, Jetons und Marken vorkommt. Den 
Münzproben und Geschenkmünzen gab man bisweilen noch andere Um- 
risse; so sind z. B. Abschläge von Dukatenstempelu auf halbmond- 
förmigen oder sternartigen Sehrötlingen von 2 bis 10 Dukaten Gewicht 
aus Siebenbürgen bekannt. 

Klippen. Schmieder I, 256 ; norwegische von Ilakon .Tarl: Koehne, Z. VI, 
Taf. III, Nr. 1 und M. III. Taf. XVII, 11. Eh gibt auch dünne Blechmünzen von vier- 
eckiger (iewtalt, beispielsweise hiiutig in der Schweiz wahrend des 13. — 14. .fahrh. (Fig, 48', 
doch ist die Bezeichnung Klippe für diese Stücke nicht üblich. Man spricht eher von 
viereckigen Brakteaten. Skibenbürgische Klippen, sechs- und achteckig, Münzproben 
auf halbmondförmigen Sehrötlingen und dergleichen Sonderbarkeiten, abgebildet bei 
Besch, Siebenbürgische Münzen und Medaillen von 153H bis zur Gegenwart. Her- 
mannstadt 1901, Tafel 48—53. 

3. Die ältesten Rubel in Rufsland waren gestempelte Silberbarren, 
die Kopeken vor Kaiser Peter dem Grofsen breitgequetschte Silber- 
klümpchen von ganz regellosem Umrifs. Gold- und Silbermünzen 




Flg. 18. Gnldengroschen des Erzherzogs Sigismund von Tirol 148fi. 



Barrenform gab es in Japan, und kupferne von 1 bis S Stüber Wert 
(sog. Bonken) vermittelten den Kleinverkehr in Niederländisch -Indien. 
Kurze, zu Klumpen zusammengebogene und abgestempelte Silberstangen, 
die von der Regierung in abgestuftem Gewicht ausgegeben wurden, 
waren bis über die Mitte des 19. Jahrb. Geld in Siam; kleinen, auf einer 
Seite abgeflachten Goldtropfen ähneln die ostindischen Pagoden, flache, 
ovale Scheiben waren die japanischen Kobangs, noch andere Formen 
wiesen die chinesischen Scheidemünzen auf, und zwar Umrisse einer 
Fischgabel, eines Messers, einer Glocke usw., bis man auch hier den 
Vorteil einer kreisrunden Scheibe erkannte. Damit man jedoch die 
Stücke nicht blofs aufeinander legen, sondern zur Erleichterung der 
Zahlung auf Schnüren gereiht wie unsere Geldrollen verwenden könne, 
haben die Chinesen und Japanesen ihre aus Messing oder Eisengufs 
hergestellten Scheidemünzen mit einem viereckigen Loch in der Mitte 
versehen. Aus andern Gründen, nämlich um die Verwechslung mit 
gleich grofsen Silbermünzen zu verhindern, sind in allerneuester Zeit 
auch in Belgien Xiekelniünzen gelocht ausgegeben worden, die sich im 
Verkehr bewahrt haben. Befremdlich ist auch die schüsseiförmige Aus- 



Digitized by Google 



# 6. Ungewöhnliche Münzfonnen; Durchmesser der Münzen. 



30 




Fl*. 19. 

Rruktt'Ut dM 1-ntnlgruIVn I ulw . II. 
v. Thüringen II 10 — 1 IT» «tagt 0,83 g. 
i Archiv II. IV. Taf. 47.) 



bauchung des Schrödings, die in Bvzanz im 11. Jahrh. aufkam und seit 

dem Ende des 13. Jahrh. auch in Norditalien in Venedig, Verona, Friaul 

usw. namentlich für die sog. Piaoli üblich wurde (Fig. 20). 

Abbildungen alter Rubel bei Koehne, M. V, Taf. 6, 7 und VI., 22; Z. f. X. XV, 
27; viereckige u. ovale Münzen von Japan und Kochinchina s. Luch mann, Xeueste 
Münzkunde. L. 1860, T. 31, 36. — Bonken vgl. Xoumann, Kupfermünzen. Trag 
1863, III, Nr. 20387 ff.; über Siamesische Münzen Jos. Haas in W. X. Z. XII, 458. 

4. Nächst dem Umrifs kommen für die 
äufsere Erscheinung der Münzen die GroTsen 
Verhältnisse, und zwar bei runden Stücken der 
Durchmesser der kreisförmigen Oberfläche 
einerseits, die Stärke oder J>icke des zvlin- 
<lrischen Schrödings anderseits in Betracht. 

Im Altertum waren Münzen von grofsem 
Durchmesser nicht beliebt; die gröfsten der- 
selben, ja sogar die zu andern als Münz- 
zwecken geschlagenen Medaillons erreichen 
selten die Gröfse eines Talers und überschrei- 
ten dieselbe fast niemals. Dagegen übertreffen 
sie die später üblichen Schrötlinge gleichen 
Durchmessers an Dicke, sind also vergleichs- 
weise schwer. Die Münzen sind also bis ins 15. Jahrh. durchschnittlich 
klein, und wenn je einmal und an einem Orte Stücke von gröfserem 
Durchmesser beliebt wurden, so geschah dies bei dem obwaltenden Mangel 
von Münzmetall meist auf Kosten der Metallstärke, so dafs es deutsche 
Münzen von reichlieh Talergröfse auf papierdünnem Schröding gibt, 
die kaum ein Dreifsigstel der Schwere eines Talers erreichen (Fig. 10). 
Sieht man von einzelnen Prachtstücken der kastilischen Könige ab, die 
seit dem letzten Viertel des 14. Jahrh. Ooldmünzen von 45 bis 228 g, 

also in der Schwere einer 10- bis 
50 fachen l)nl>1a de la Yanda und 
darüber herstellen Uelsen, so be- 
ginnt die Reihe greiserer Münzen 
erst in der zweiten Hälfte des 
15. Jahrh. mit dem Auftreten der 
sog. Guldengroschen (Fig. 1H). Im 
16., mehr noch im 17. und 18. Jahr- 
hundert nahmen dann einzelne 
Stücke geradezu ungeheuerliche 
Mafse an : die kupfernen Taler- 
platten in Schweden, die braunschweigischen Lösennünzen, die 50-Realen- 
stücke in Spanien, die siebenbürgischen 100-Dukatenstücko des Fürsten 
Michael Apafi I. (1674, 1675, 1677) die 100-Zechinen>tücke des letzton 
venezianischen Dogen Manin dürften wohl zu den gröfsten Münzen ge- 
hören, die bisher geprägt wurden. Als Gegenstücke seien die kleinen 
Silberpfennige und Silberkreuzer in Süddeutschland sowie die englischen 
Silberpenny genannt. Erst in neuerer Zeit ist man zur Erkenntnis ge- 




Y\«, 20. 

SchiisselfönniifiT SolidUl von Ityzanz. 
AiKlronikoü Komnenn« 1182 llsfi. (Btaihgold.) 



40 



Erster Toil. Allgemein© Münzkunde. 



langt, dafs zwischen der Gröfse und Dicke der Münze gewisse Beziehungen 
bestehen, die man um des Münzzweckes willen nicht vernachlässigen 
darf, und man besitzt aus der Erfahrung abgeleitete Formeln zur Berech- 
nung des zweckmäfsigsten Durchmessers, den man einer Münze nach 
ihrer Schwere und ihrer Stellung im Münzsystem geben kann. 

Münxformate s. Kannarsch, Beitrag zur Technik des Münzwosena. H. 185<>, 
S. 18 ff. — v. Ernst, Münr.e (S. A. aus Karuiarsch und Heerens techn. Wörterbuch) 
Prag 1882. — Die gröfsten Geldstücke der Welt s. Antiquitätenzeitung. S. 1897, Nr. 40. 
Abbildung der kastilischen 10- und der 60 fachen Dobia de la Yanda bei Koehne, 
Z. N. F. (1859—1862), Taf. XV; der siebenbürjriBchon lOO-Dukatenstflcke b. Resch, 
Siebenb. Münzen, Taf. 48—50. Grofse mittelalterliche Schaustücke werden erwähnt 
Z f. N. XX, 350. 

5. Lange Zeit hat man bei der bildlichen Wiedergabe von Münzen 
weder auf die Umrisse noch auf die Gröfse genügend Rücksicht ge- 
nommen, des Beispiels halber sei auf Joberts Einleitung zur Medaillen- 
und Münzwissenschaft hingewiesen (deutsche Ausgabe 1718), welche auf 
ihren Tafeln, mögen es nun Stücke des Altertums oder der Neuzeit, 
Münzen oder Medaillen sein, einheitlich einen kreisrunden Umrifs von 
11 Pariser Linien (nahezu 25 mm) Durchmesser verwendet und dadurch 
die Eigentümlichkeiten der Gepräge geradozu verwischt. Man verlangt 
darum neuerer Zoit einen guten Umrifs und genaue Gröfsenangabe als 
wesentliches Erfordernis jeder brauchbaren Münzbeschreibung oder Ab- 
bildung. Bei dem Mangel eines allgemein bekannten Längenmaßes 
bedionte man sich zu diesem Zwecke seit Olearius (1694) verschiedener 
kreisförmig gezeichneter Münzmesser, die den Werken beigedruckt wurden, 
nur bei Medaillen war es so ziemlich üblich geworden, den Durchmesser 
in Pariser Linien anzugeben. Neuester Zeit wird indessen der Durch- 
messer der Münzen sowohl in Gesetzen wie auch in wissenschaftlichen 
Werken ausschliefslich in Millimetern bestimmt. Eine Umrechnung der 
am häufigsten gebrauchten Münzmesser bietet Grote im dritten Band 
seiner Münzstudien, S. 46 ff. Es gibt aufserdem sehr zweckmäfsige 
Münzmesser mit verschiebbarer Skala, welche ein unmittelbares Ablesen 
der Münzgröfsen sowohl in Millimetern als auch in zwei andern zur 
Vergleichung beigezogenen Münzmessern gestatten (§ 13, 4). 

Die Gröfsenangabe in Münzbeschreibungen erfolgt neuestens in 
der Art, dafs man der Sigle D (Durchmesser) dio Anzahl der Millimeter, 
die das Stück mifst, folgen läfst. Bei ovalen und viereckigen Stücken 
werden Breite und Länge gemessen und die Ergebnisse in Bruchform 
(z. B. : D. 40/45 mm) angeschrieben. 

6. Weniger augenfällig als der Durchmesser ist die Dicke der 
Münze, sie wird daher bei Beschreibungen nur angegeben, wenn die 
für Schrötlinge eines gewissen Durchmessers gewöhnliche Stärke erheb- 
lich Übersol l rit ten oder gemindert erscheint. Im ersten Falle haben wir 
es mit Dickmünzen zu tun, zu welchen beispielsweise Münzvielfache 
und Münzproben gehören, wenn der Stempel der einfachen Münze auf 
doppelt oder mehrfach so dickem Schrötling abgeschlagen wurde. Zur 
zweiten Gattung gehören die Blech münzen, die man Brakteaten 



Digitized by Google 



§ ü. Münzmesser; Einzel- iiinl DurrhschnittMgewieht. 



41 



oder Hohl münzen nennt, wenn sie wegen der Dünne des Schrödings 
das Bild des Stempels nach Art der getriebenen Arbeiten auf der einen 
Seite erhaben, auf der andern vertieft zeigen (§ 10, 8 ff.). Im Gegensatze 
zu den Hohlmünzen, welche Schrötlinge von Papierstarke und über- 
mäfsigen Durchmesser haben, werden die kleineren Münzen gleichen 
Wertes auf etwas dickerem Blech auch Dichtmünzen genannt. 

7. Das Gewicht der Münze, das ist die absolute Schwere derselben, 
ist einerseits von der Beschaffenheit des verwendeten Metalls, anderseits 
von den Gröfsenverhültnissen des Schrödings abhängig. Gute Gewichts- 
angaben sind für die Herstellung brauchbarer Münzbeschreibungen meist 
unerläfslich, weil sie oft den wichtigsten Behelf bilden, um dem einzelnen 
Stücke den gebührenden Platz im Münzsystem anzuweisen, dem es an- 
gehört. Ohne den genaueren Ausführungen über diesen Gegenstand im 
zweiten Hauptstück § 22 vorzugreifen, seien hier nur die allgemeinen 
Gesichtspunkte hervorgehoben, die sich auf die nötigen Gewichte, auf 
die Art des Abwägens und die Angabe der Schwere beziehen. 

Da es bei Münzen aus Edelmetall oft auf die 
genaue Feststellung sehr kleiner Mengen ankommt, 
so hat man sich zum Abwägen derselben von den 
ältesten Zeiten bis auf unsere Tage nicht der ge- 
wöhnlichsten Handelsgewichte, sondern eigener Münz- 
gewichte mit einer kleinen obersten Einheit und 
wohl auch mit abweichender Einteilung bedient, z. B. 
der Mark neben dem Pfundgewicht. Seit der Ein- 
bürgerung des metrischen Gewichts wird indessen 
die Schwere fast ausnahmslos in Grammen und Bruch- 
teilen solcher ausgedrückt. 

Neben der Angabe des Einzelgewichts wird das 
Durchschnittsgewicht einer gröfseren Zahl gleicher 
Münzen erforderlich sein, wenn man aus dem heu- 
tigen mehr oder minder durch den Umlauf ge- 
schmälerten Gewicht der Stücke annähernd jenes 
ermitteln will, das ihnen bei der Ausmünzung zu- 
kommen sollte. War die Prägung von Haus aus auf 
die Einhaltung eines bestimmten Durchschnittes eingerichtet, was bei den 
kleinen Münzen des Mittelalters die Regel war, so haben Angaben des 
Einzelgewichts wenig Wert. Bei Ermittelung von Durchschnittsgewiehten 
sind übrigens manche Vorsichten zu beobachten, um sich von störenden 
Fehlern freizuhalten, wie solches im $ 14 über die Behandlung von 
Müuzfunden des näheren ausgeführt werden soll. 

8. Münzähnlichen Geprägen, namentlich Medaillen, sind weitere 
Grenzen gezogen als den Münzen selbst, sowohl was den Umrifs als 
auch den Durchmesser, die Dicke und das Gewicht anbelangt. Wie grofs 
diese Verschiedenheiten sein können, lehrt beispielsweise die Nürnberger 
Industrie, die im 18. Jahrh. sowohl die gröfsten als auch die kleinsten 
Prägeerzeugnisse geliefert hat, von den zu Goschcnk/.weeken hergestellten 
Goldstücken mit dem Gotteslamm mit f> mm Durchmesser und 0.1 g 




Vitt 21. Kleinste Gepräge. 

a) Nü rnl htk Dukaten, 
•>) Cngarn, Kk LMtÜMII II 
HCl 1K,2. 
c) Italienische Marke 
Vi Quattrfaa (Rupfen 



42 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Gewicht angefangen (Fig. 21a) bis zur Medaille auf die Berliner Parade 
von 1733 mit 132 mm und mehr als 500 g Schwere, die lange Zeit die 
gröfste geprägte Medaille blieb und erst kürzlich durch den russischen 
Graveur Tolstoi durch Stücke von 137,5 mm und den Belgier Hart mit 
15 cm Durehmesser übertroffen wurde. Gufsmedaillen konnten in noch 
gröfserein Umfange hergestellt werden. Stücke des französischen Me- 
dailleurs Guillaume Duprc (1574— 1G47) erreichten bereits 183 mm Durch- 
messer. Als Karl V. im Jahre 1530 durch Tirol nach Augsburg zog. wurde 
ihm zu Schwaz ein silberner Pfennig mit dem Reichsadler, umgeben mit 
den Länderwappen des Kaisers ■um 1700Guldin wordt < (also bei 170 Mark 
schwer), von den Gewerken verehrt (W. X. Z. 1, 343). Das gröfste Stück 
dieser Art. das sich erhalten hat, ist meines Wissens im k. k. kunst-histo- 
rischen Hofmuseum zu Wien ausgestellt, ein ovales Medaillon von 2055 Du- 
katen (mehr als 7 kg) Schwere, das der Alchymist Wenzel von Reinburg 
im Jahre 1677 aus Silber in Gold verwandelt zu haben behauptete. 

Dickmünzen dienten u. a. in Brabant um 1400 zur Verteilung an die bei Ab- 
rechnung der Münze Anwesenden: also qhewonhc es. F. Mztg. 1901 — 1903, S. 312. — 
Gröfste Medaillen: Z. f. X. XXI, Anh. 8, 15; Koehne, B. Bl. IV, 293; Koehne, 
M. I, 159. Koudot Xatalis, Le diamelre des metlailhs coulees. R. X. in, Bd. 13(1895). 
— Die durch den k. Büchsengiefser Gregor Lcffler 1550 und 1551 im Auftrage der 
Tiroler Stande stur Ehrung Konig Maximilians II. und seiner Gemahlin gegossenen 
Medaillen hatten über 359 bzw. 350 Mark Schwere. Xewald, Das Osten*. Münzweaen 
unter K. Ferdinand I. W. 1883, S. 88. — v. Ernst, Bergwerksmünzen, S. 78, Xr. 92. 

§ 7. Das Geprötre im allgemeinen. 

1. Die Ausstattung, die der Münzherr dem Schröding geben läfst, 
um das halbfertige Metallstück zur Münze zu machen, nennen wir Münz- 
bild, im weiteren Sinne, gewöhnlich aber nach dem Prägen, das zur 
Herstellung von Münzen am häufigsten Anwendung findet, das Gepräge. 

Das Gepräge besteht entweder aus bildlichen Darstellungen, dem 
Münzbild im engeren Sinne, Figuren, Köpfen, Wappen, Zieraten u. dgl. m. 
oder aus Schrift. Gewöhnlich erscheinen im Gepräge Schrift und bild- 
liche Darstollung nebeneinander, doch gibt es — namentlich im Orient — 
auch solche Gepräge, die nur aus Schrift bestehen, und umgekehrt wieder 
andere, die nur Bilder aber keine Schrift zeigen. Im letzterwähnten 
Falle pflegt man von schriftlosen oder stummen Geprägen zu sprechen. 

Stückelberg S. 24: vgl. auch meine Bemerkungen zu §10,9. 

2. Zur Anbringung des Gepräges verfügt man bei der seit Jahr- 
hunderten üblichen Münzform, welche die Gestalt sehr niederer Zylinder 
hat, immer über zwei kreisrunde Flächen, die sog. Seiten, und wenn 
das Metall mehr als Blechdicke hat, auch noch über die gekrümmte 
Mantelfläche, den : Rand . Je nachdem nun das Gepräge auf blofs einer 
oder beiden Seiten angebracht ist, spricht man von ein- oder zweiseitigen 
Münzen, wird außerdem der Rand benutzt, so geschieht dies gewöhnlich 
durch regelmäfsige kleine Kinschnitte, Kerbrand, durch Anbringung von 
Randzieraten oder durch eine Randschrift. Diese beiden werden wieder 
entweder erhaben oder vertieft hergestellt. Von den beiden Seiten pflegt 
man in der Beschreibung von Münzen jene mit dem wichtigeren Gepräge 



gitized by Googl 



§ 7. Du« (ieprüge iiu allgemeinen. 



43 



jetzt als Haupt- oder Vorderseite, die andere als Rück- oder Kehrseite 
zu bezeichnen, während man früher die franzosischen Ausdrücke Avers 
und Revers verwendete. Den mittleren Teil der Münze, auf der sich 
gewöhnlich die bildliche Darstellung befindet, nennt man das Feld; 
erscheint der untere Teil durch eine Querlinie oder Leiste vom übrigen 
Gepräge getrennt, so wird dieser als Abschnitt bezeichnet. 

3. Das ursprüngliche Gepräge findet man bisweilen durch nach- 
trägliche Zutaten verändert, die entweder am Stempel oder an den damit 
erzeugten Münzen vorgenommen wurden. Veränderung der erstgedachten 
Art kommen namentlich in den Jahreszahlen vor und wurden nicht 
blofs zur Verbesserung etwaiger Versehen, sondern öfter noch aus dem 
Grunde vorgenommen, um brauchbare Stempel auch ferner zu verwenden. 
So wurden z. B. die Stempel für den breiten steirischen Taler vom 
Jahre 1071, wie die Spuren verraten, für das Jahr 1672 von neuem 
benutzt und nach abermaligen Veränderungen auch noch für die Jahre 
1674, 1676 und 1678 verwendet. — Ebenso wissen wir, dafs das auf 
mehreren Geprägen Kaiser Maximilians L im Feld vorkommende Rös- 
chen erst 1517 in die Stempel gegraben wurde, um die neuen in den 
Niederlanden gemachten Abschläge von den Tiroler Urstücken zu unter- 
scheiden. Noch häufiger werden dergleichen Zutaten den fertigen Münzen 
erst geraume Zeit nach der Prägung und zuweilen an fremdem Ort bei- 
gefügt, um die Umlaufsfähigkeit dieser Stücke oder die Wertänderung 
derselben zu bezeichnen. Man unterscheidet überstempelte, im Mittel- 
alter >gestämpfte (Fig. 22) und überprägte Münzen (Fig. 23), je nach- 
dem nur ein kleiner Beiatem pel, die sog. - Kontermarke* eingeschlagen 
(vgl. § 24, 8) oder ein Stempel von nahezu der Gröfse des Schrödings ver- 
wendet wurde, unlei welchem dann 
allerdings das ursprüngliche Gepräge 
bis auf einzelne Spuren verschwindet. 



Fi« 2a. 
erprlgter Wiener Pfennig 
14. Jalirh 

Beispiele für beide bietet das russische Münzwesen während der Finanz- 
krise von 1656 — 1663 in den gestempelten Talern verschiedener Her- 
kunft, die nur einen runden Kopekenstempel und die Jahreszahl 1655 
aufgeschlagen erhielten, und in den i Rubcljefimki«, die auch aus fremden 
aber überprägten Talern hergestellt wurden. Wohl zu unterscheiden von 
überstempelten und überprägteu Stücken sind verprägte und Zwitter- 
münzen. Die erstgenannten sind fehlerhafte Stücke und entstehen, wenn 
der Schröding bei der Prägung nicht festliegt und daher bei der Arbeit 
rutscht, oder wenn ein schwach ausgeprägtes Stück, das zur Verstärkung 
des Gepräges einen zweiten Schlag erhalten soll, nicht mit genügender 




Hf. 22. Groschen I,nn«l|?rHf Ludwins I. v He*sen 
(1413— 14f>8) mit «lern Geirenstempel von Mtüm oder 
Osnabrück (nun dem Münzfuwl von Hnegesfelde». 



44 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Sorgfalt in die Stempel eingepafst wurde. Es entstehen dann sogenannte 
Doppelseh läge, welche meistens leicht als solche kenntlich sind, zu- 
weilen indessen schwer enträtselbare Münzen ergeben. — Zwittermünzen 
hingegen nennt man jene Stücke, die zwei nicht zueinander gehörige 
Gepräge aulweisen. So hat man zuweilen aus Sparsamkeit nur einen 
Stempel erneuert und für die zweite Seite einen schon vorhandenen 
alten Stempel verwendet, in andern Fällen haben sich wohl die Münzer 
in den Stempeln vergriffen u. dgl. m. 

Brückner, Das Kupfergeld 1656—1663 in Rufsland (Riga 1863), S. 14 ff. Über- 
prägte Münzen, antike s. Friedlander in Z. f. N. IV, 328 ff.; Inihoof -Blunier, 
a. a. O. V, 143, vgl. auch XII, 134; XIX, 72. — Menadier, Brandenburgische Über 
pragungen. Deutsche Münzen III, 138 iauch B. Mzbl., Nr. 162, 1894;; irreführende Ver 
prägungen: v. Vlo uteri in Z. f. N. XV, 224 mit Abbildung eines brabantischcn Patards 
vom Jahre 1482, der infolge eines Doppelschlags die Aufschrift fabrieatus in Bitard 
statt in Brabantia aufweist. 

Zwittermünzen. Z. B. die während der russischen Invasion 1761 in Preufren 
geschlagenon Münzen mit dem Bilde der Kaiserin Elisabeth auf der Haupt-, und dem 




Fl«. 27. Fi«- 25 Fi*. 26. 

Quedlinburg um 1200. Ostffoterireich. Theoderich mit K <Jrnf Sisfrieil von BlankenburB 

Archiv U II, 158. Ainistusius 493 51S. '/* Slliquu (um 1200) Archiv B. II, 151 



preufsischen Adler auf aer andern Seile. Schmie der I, 482 ff. Adolf Meyer in 
W. N. Z. XII, 448. 

4. Das Gepräge erscheint auf Münzen fast immer erhaben und 
nur selten in Einzelheiten vertieft, doch kommen auch fehlerhafte Münzen 
mit vertiefter Darstellung einer ganzen Seite vor. Sie entstellen durch 
sog. Fehlschläge, wenn ein fertiges Münzstück zwischen den Stempeln 
liegen bleibt, dessen erhabenes Gepräge bei der nächsten Prägung im 
Schrötling einen vertieften Abdruek zurückliefst. Es gibt jedoch Münzen, 
die, nach Art der getriebenen Arbeiten, innner das Bild auf einer Seite 
erhaben, auf der andern vertieft zeigen; dies sind die schon erwähnten 
(§ 6, 6) Hohhnünzen oder Brakteaten. Das Emporragen des Gepräges 
aus dein Felde nennt man das Relief der Münze, wobei man nach 
der Höhe zwischen Hoch-, Mittel- und Flachrelief unterscheidet, das 
letztgenannte ist seit dem Mittelalter für Münzen vorherrschend. Mittel- 
relief findet man bei vielen Brakteaten, das Hochrelief bei Medaillen. 

5. Bild und Schrift zusammen bestimmen also das Gepräge , den 
Typus der Münze. Er entspricht dem Eindruck, den mehrere Münzen 



zed by Googl 



§ 7. Das Gepräge im allgemeinen. § 8. Das Münzbild. 



45 



durch den Inhalt ihrer Darstellungen beim Beschauer hervorrufen. Vom 
Typus wohl zu unterscheiden ist die * Mache*, die sog. Fabrik der 
Münze, d. h. die Ähnlichkeit verschiedener Stücke, soweit sie auf der 
Gleichförmigkeit der Herstellungsart beruht. Wir sprechen von einem 
byzantinischen Typus, der sich durch reichverzierte, steife Kleidung der 
Herrscherfiguren, durch die besondere Darstellung der Christusgestalt usw., 
von einem karolingischen Typus, der sich durch Zurücktreten bildlicher 
Darstellung und Vorwalten der Schrift kennzeichnet, während ander- 
seits für die »Machet in Süddeutschland vom 12. — 15. Jahrh. auf Dicht- 
münzen der sog. Vierschlag (quadratum superaisum) und für Schrötlinge 
der Schweizer Brakteaten die viereckige Gestalt genannt sein mögen. 

Verfolgen wir nun die Entwickelung der Typen und der Mache, 
so finden wir, dafs jedes Zeitalter und jedes Land gewisse Eigentümlich- 
keiten aufzuweisen hat, deren Kenntnis für die Bestimmung, zumal der 
mittelalterlichen Münzen, von grüfster Wichtigkeit ist. 

§ S. Das Mttnzbild. 

1. Im Altertum sind sorgfältig gearbeitete und stark erhabene Münz- 
bilder vorherrschend, doch nimmt mit dem Verfall der Kunst in der 
späteren Kaiserzeit die Mannigfaltigkeit und die Ausführung der bild- 
lichen Darstellung ab. In den germanischen Reichen des frühen Mittel- 
alters herrscht grol'se Einfachheit: die Gepräge zeigen durchwegs rohe 
Ausführung, und, soweit sie nicht Nachahmungen älterer Vorlagen sind, 
vorwiegend Schrift oder grofse verschränkte Buchstaben (Monogramme 
Fig. 25) unter Beigabe geringer bildlicher Ausschmückung. Dieser Zu- 
stand dauerte auch in den aus dem Zerfall der karolingischen Monarchie 
hervorgegangenen Reichen noch lange fort, bis vom Beginn des 12. Jahrh. 
ein Umschlag allmählich eintrat. Derselbe beginnt in Mähren um das 
Jahr 1100 mit sehr flachen Geprägen, die zu den vollendetsten Erzeug- 
nissen des Grabstichels im Mittelalter gehören (Fig. 24). Im Gegensatz 
zu diesen Münzchen von 15 — lf> nun Durchmesser, deren mannigfache 
Darstellungen zum Teil durch römische Vorbilder beeinflufst erscheinen, 
sind dio süddeutschen breiten Pfennige mit flachen, sowie die mitteldeut- 
schen Hohlmünzen oder Brakteaten (Fig. 26, 27) mit bilderreichen, 
stark erhabenen Geprägen auf grofsen, papierdünnen Schrötlingen eine 
durchaus eigenartige Xufserung deutschen Kunstschaffens, die sich 
während der ersten 70 Jahre auf einer hohen Stufe der Vollendung 
erhält. Etwa vom Jahre 1200 angefangen, wird mit dem Aufkommen 
des Wappengebrauches in Deutschland das Münzbild wieder einför- 
miger, bis die Ausprägung gröfserer Stücke begann, die vom Ende 
des 15. Jahrh. ab die Anbringung bildlicher Darstellung erleichterte. 
Regentenbilder und Wappen werden nun vorherrschend, doch beginnt 
hie und da schon die planmäßige Vereinfachung der Münzbilder, die 
in der Gegenwart ihren Höhepunkt erreicht hat; aufserdem gewinnt vom 
18. Jahrh. an die Schrift wieder an Bedeutung, so dals seither in vielen 



Digitized by Google 



46 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Staaten Münzen vorkommen, deren eine oder sogar beide Seiten nur 
mit Schrift bezeichnet sind. Eine gelegentliche Bemerkung Grotes (Münz- 
studien V, 174 IT.), dafs man im Gegensatz zur Neuzeit während des 
Mittelalters das Hauptgewicht auf die bildliche Darstellung, vor allem auf 
dasjenige, was ins Fach der Heraldik und Genealogie einschlug, legte, 
hingegen um so gleichgültiger gegen die umschriftlichen Bestandteile 
gewesen sei, trifft für Deutschland im allgemeinen zu, denn hier hat 
man in der Tat die Umschriften zu Zeiten nur als raumfüllenden Zierat 
behandelt (§ 9, Absatz 13). Nicht minder muls man jedoch auch Koehnes 
Warnung (Mein. III, 411) beherzigen und sich hüten, Emblemen auf 
mittelalterlichen Münzen vorschnell einen politischen oder historischen 
Sinn zuzuschreiben, der ihnen hier oftmals fehlt. 

Lelewel J. Numistnatique du moi/en-äge considen'e sous le rapport du type. 
Brüssel 1835, 3 Bde. und Atlas; de Lonpperier A. veröffentlichte (nach R.N.B. 
I, 2, S. 77) in der Rente archeologique (P. 1844, Mai) un article trvs curieu.r sur le 
type mnnetaire. Wahrscheinlich ist es der von Engel-Serrure, Repertoire I, Nr. 4165, 

angeführte Essai d'appriciatüms getie- 
yt^ff^^K ra lcB en numismatique. — Engel- 
f^^^isk ^rrure, Traite" M A. I, S. U\\ — 
Stückelberg, 24 ff . ; nach antiken 
v !Sölr , Mustern geschnittene Münzbilder Dan 
N gjfrgj t'.UvS r nenherg, Kaisermünzen , S. 520, 659, 
6%, 805, dazu Taf. 88 und 110, Weil 
Flg. -J8. Krster und letzter Dukaten v. VenediK 1283-1796. in Z. f. N. XIX, S. 245 ; auf böhmischen 

Münzen : W. N. Z. XIX, Taf. II ff. ; Z. f. 
N. XVI, Taf. 4, 5. — Ponebauer M., Beschreibung der Sanunlung böhmischer Münzen. 
Trag 1888, Taf X ff. — v. Bttrkel L , Bilder d. süddeutschen breiten Pfennige M. 1903. 
— über die Vereinfachung der Münzbilder in den Niederlanden durch K. Karl V., Z. 
f. N. XX, 353. — Über den byzantinischen Einllufs auf die Münzbilder des dänischen 
Königs Sven Estridsen (11. Jahrb.. a. die von Caslellane und Blanche t hcrausg. 
Verhandlungen des internat. Nuinismatikerkongresses zu Paris 1900, S. 335 ff. — Vgl. 
auch Koehne, B. Bl. II, 8 ff. 

2. Die vorherrschende Gleichförmigkeit der Gepräge in unseren 
Tagen beruht auf münzpolitischen Erwägungen. Im Mittelalter zwang 
der Mifsbrauch, der mit dem Verrufen alter Münzen getrieben wurde, 
zur häufigen Änderung des Gepräges, um eben die neue Münze jeweilig 
von den früher ausgegebenen augenfällig zu unterscheiden (§ 28, 7); 
dieser Anlafs ist nun weggefallen und zugleich die Erkenntnis allgemeiner 
geworden, dafs die Beibehaltung ein und desselben Münzbildes durch 
längere Zeit die Umlauffähigkeit der Münze vorteilhaft beeinflusse. Diese 
Erfahrung gewann man dort, wo ein lebhafter Aktivhandel herrschte. 
Daraus erklärt sich eine allgemeine Beständigkeit der Gepräge von 
Handelsstaaten und die an sich überraschende Erscheinung, dafs hier 
die Ausführung der Münzbilder, hinter dem Fortschritte der Kunst zurück- 
bleibend, auf derselben Stufe verharrt, auf der sie sich zur Zeit befand, 
in der der Aufschwung des Handels stattfand. Dies läfst sich fürs 
Altertum an den Münzen von Athen, noch besser aber für das Mittel- 
alter an den venezianischen Geprägen zeigen, welche das aus Anlafs 
des vierten Kreuzzuges (1204) angenommene byzantinische Vorbild bis 
zum Untergange des Staatswesens beibehielten (Fig. 28). 




Digitized by Google 



§ 8. Nachahmung von Münzbildern. 



47 



3. Neben dieser Erhaltung eines Gepräges durch lange Zeit findet 
sich bisweilen die räumliche Verbreitung eines Münzbildes weit über 
die Grenzen seines Ursprungsgebietes. Diese Anwendung eines gleichen 
Münzbildes kann die Folge eines Übereinkommens, eines Münzvertrags 
(§ 30), sie kann aber auch eine unerlaubte sein. Als solche haben wir 
Kachprägung und Münzfälschung zu unterscheiden. Nachprägung nennen 
wir die widerrechtliche Nachahmung fremden Münzgepräges durch einen 
Münzherrn, also durch einen an sich zur Ausmünzung Berechtigten, um 
dadurch seinen eigenen Münzen den Umlauf im fremden Lande zu ver- 
schaffen, Münzfälschung im engeren Sinne ist aber jene Nachahmung 
von Münzen in gewinnsüchtiger Absicht, die durch jemand, der nicht 
münzberechtigt ist, begangen wird. Näheres darüber bringt § 16. 

Im Mittelalter, wo die Einfachheit des Münzverfahrens zahlreiche 
Münzstätten von kurzlebiger Dauer ins Leben rief, wo der Satz aufkam : 
»Der Heller gilt nur dort, wo er geschlagen ist«, wo der niedrige Bil- 
dungszustand im Volke die Unterscheidung fremder Münzen von don 
heimischen Erzeugnissen sehr erschwerte und die Münzherren es mit 
der Einhaltung des Münzfufses nicht allzu genau nahmen, war die Ver- 
lockung zur Nachahmung beliebter Gepräge grofs, und wir finden auch 
eine ungeheure Anzahl derselben. Es half nicht, dafs man bald die 
Nachprägenden mit Münzfälschern auf eine Stufe stellte. Im Mainzer 
Landfrieden vom Jahre 1235 verfügte Kaiser Friedrich IL: Faharionnn 
poeriae subjacere decrenmm omnes Mos, qui siln monetam sh e formam alienae 
impressionis vsurpant, ohne damit mehr auszurichten als später die 
Päpste mit jenen Bullen, mit welchen dio Florentiner vor der Nach- 
ahmung des Guldengepräges geschützt werden sollten. 

Pawlowski A. v., Zwei Vorträge über Nachahmung und Nachfalschung von 
Münztypen. W. N. Z. XVII. 145 ff , vgl. auch XII, 394. — Serrure R., L imitation 
den type« monetaires flantands au tnoyen-dye. Br. 1899. (Ann. de la SorUte d'archeoloyie 
t. XIII) mit dor treffenden Bemerkung: La pihe prototype appartient toujours ä ttn 
etat d une puinsance rommerciale et financierc plus yrande que la pure imitee (vgl. R. 
N. IV, 3 [1899^, S. 412). — Dannenberg« Vortrag Über die Gründe von Münznach- 
ahmungen in der Sitzung der Berliner nun». Ge»ellnchaft am 1. April 1897 in Z. f. N- 
XXI, Anh. S. 13. 

4. Zu den Geprägen, welche im Mittelalter am meisten zur Nach- 
ahmung verlockten, gehören die eben erwähnten Florentiner Goldgulden 
mit dem hl. Johannes und dor Lilie, die französischen Turnosen, die 
englischen, schottischen und irischen Sterlinge, deren Münzbilder in ganz 
Europa in unzähligen Münzstätten verwendet wurden. Im übrigen darf 
man ruhig annehmen, dafs in der Zeit von 1200 — 1500 kein einziges 
irgend beliebtes Gepräge der Nachprägung an einzelnen Orten ent- 
gangen ist (Fig. 32b). Im 16. und 17. Jahrh. haben niederländische und 
mehr noch italienische Münzherren (Correggio, Fieschi, Radieati. Mazzeti, 
Tizzoni . . .) ihren minderwertigen Münzen unter Anwendung ihrer Titel 
und Wappen eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit mit guten und 
beliebten Prägen zu geben verstanden. Welch wichtige Fingerzeige man 
aus dem Nachweis solcher Nachahmungen für die Bestimmung von 
Münzen ableiten kann, wolle in §15, 2 nachgesehen werden. 



48 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 




Über Münznachahmungen : Der Florone: Dannenberg in W. X. Z. XII, 146, 
XXXII, 201 (bisher sind 85 genaue Nachahmungen bekannt), der englischen Sterlinge : 
Chautard: Imitations des monnaies au type esterlin frappees en Europe aux 13. et 
14. stiele. Nancy 1871 — 1872; der Turnosen : Chautard in der R. N. B. 1872, 
S. 319 ff. und die durch Menadier vervollständigte Liste in Deutsche Münzen IV, 11 
(auch B. Mzbl.. Nr. 177, 1895); von flandrischen (iepragen: R. Serrure s. oben Abs. 3. 
Piot, Etudes sur les types und die Entgegnungen von A. Hermand in der R. X. B. I, 
Bd. 3, S. 113, Bd. 4, S. 133, 315, Bd. 6, S. 246, II, Bd. I, S. 49. — Über die täuschenden 
Gefrage der oberitalienischen Münzherren sind Arbeiten von Morel Fatio und 
Domenico Promis in gröfserer Zahl vorhanden. Bordeaux, Imitation des 
monnaies franeaises a Messcrano usw. R. N. F. IV, Bd. 5 (1901), S. 75 ff. — Man- 
tel Ii er P. : De la contre/aron des esphes franeaises du faux monnayage du XI' au 
XVlIlt siecle. P. 1867. — Cipelli: Di min moneta turen coninfa nella zecca di Parma. 
Parma 1868. 

5. Die lange fortgesetzte Nachahmung eines Gepräges konnte in- 
dessen zum völligen Mifsverstündnisse des ursprünglichen Münzbildes 

führen, da die Stempel mit der 
Zeit nicht mehr nach Urstücken, 
sondern späteren Nachbildungen 
nachgeschnitten und die Fehler 
der Zeichnung dadurch vergröfsert 
wurden. Es liegt dann ein »er- 
starrtes Gepräget vor, wie Dan- 
nenberg den dafür üblichen fran- 
zösischen Ausdruck type immobiliae 
glücklich verdeutscht hat. Der- 
gleichen konnte in der eigenen 
Münzstätte vorkommen, wenn sie ihr Gepräge durch Jahrhunderte behielt, 
wie dies in Frankreich öfter der Fall war, um so mehr dann, wenn aus- 
wärts eine Nachmünzung erfolgte. Ein besonderes auffälliges Beispiel 
einer solchen Verzerrung des ursprünglichen Münzbildes ist der sog. 
type chhwnais in Frankreich, früher type chartrain genannt, Vom Profil- 
kopf des spätkarolingischen Gepräges von Cliateau Chinon sind zum 
Schlufs nur die Nase, die wie ein grofses verkehrtes J gezeichnet wurde, 
und einige unbeschreibliche Schnörkel übrig geblieben. Dals auch Schrift- 
züge einer ähnlichen Verwilderung unterliegen, lehren die bekannten 
Nachbildungen der Pfennige Karls des Grofsen aus der Münze zu Duer- 
stadt, welche zum Teil in Dänemark entstanden sein dürften. 

Ponton d'Amecourt, Monnaies au type chinonais. Macon (um 1897, be- 
sprochen R. N. IV, 2, S. 144. Dazu Engel-Serrure, Traite M. A. II, 394 und die 
Abbildungen bei Lelcwel, Atlas Taf. VIII. des type chartrain, type ehampenois usw. — 
llauberg, Demi - Hracteates danoises au type de Ihtersfcde. {Memoires des internat. 
numismat. Kongresses zu Brüssel 1891, S. 40'.» ff. . — Mein Aufsatz über den Fund von 
Zazvic (Spalatiner Gepräge) in \V. X. Z. XXXIII, 165. 

6. Nicht in gewinnsüchtiger Absicht, sondern aus politischen Beweg- 
gründen halien die Geusen in den Niederlanden während der Jahre 1508 
bis 15HH, als ihre Macht noch nicht so befestigt war, um die Ausmün- 
zung unter eigenem Stempel zu wagen, mancherlei Nachmünzungen vor- 
genommen. Sic haben dabei verbreitete Gepräge fremder Länder, beispiels- 
weise spanische und portugiesische Münzen aus älterer Zeit, nachgeahmt, 



Fig. 29. 

Spanische Dobia, durch die Ck-uson in Kninpcn 
nncheemünzt. 



by Google 



§ 8. Erstarrte Geprfigo; Mannigfaltigkeit der Münzbilder. 49 

(Fig. 29) in Zwoll, Kampen und Ober-Yssel Dukaten mit veränderten 
Umschriften und Wappen ausgegeben, oder endlich auf den Namen und 
mit dein Wappen ausgestorbener Geschlechter gemünzt. Auf diese Art 
sind Münzen geschaffen worden, die mancherlei Anachronismen auf- 
weisen, beispielsweise Taler mit dem Namen und Wappen der schon 
1415 erloschenen Familie Arkel, die eine offenbare Nachahmung der 
Taler des Herzogs Julius von Braunschweig (1568 — 1589) mit dessen 
Emblem und Wahlspruch sind. 

Münznachahraungen durch die Geusen, Serru re R., in der R. X. B. I, 3, S. 253 ff. 
und Roichel in Koehnes M V, 8. 5. 

7. Die auf Münzen vorkommenden bildlichen Darstellungen lassen 
sich in der Aufzählung nicht erschöpfen. Am häufigsten wiederkehrend 
sind menschliche und Tiergestalten , Bilder aus dem Pflanzenreich, 
Hjmmelskörper, Gebäude, Kreuze, Geräte, mancherlei Phantasiegebilde 
und endlich Wappen. 

Die Abbildungen von Menschen auf Münzen bieten die ganze Figur 
zu Fufs oder reitend, oder als Kniestück, Brustbild, ferner den blofsen 
Kopf, und zwar entweder nach vorne {en face) oder nach der Seito 
(en profil) gekehrt, im letzten Falle wieder entweder von der rechten 
oder von der linken Seite gesehen; von den übrigen Körperteilen er- 
scheint die Hand am häufigsten auf Münzen. Diese Bilder beziehen 
sich auf den Münzherrn, dessen Ober- oder Schutzherrn, auf Heilige u. dgl. 
Um diese im Mittelalter oft sehr roh gezeichneten Gestalten zu erkennen, 
muls man deren Ausstattung ins Auge fassen. Münzherren erscheinen 
gewöhnlich mit den Abzeichon ihrer Würde, namentlich ist häufig bei 
Königen und Kaisern das Haupt geschmückt, im frühen Mittelalter 
mit dem durch flatternde Bänder erkennbaren Diadem, später auch mit 
Kronen, die erst seit dem 15. Jahrh. bleibende Gestalten annehmen. Bei 
andern weltlichen Machthabern, Herzogen, Fürsten, Grafen ist bis zum 
16. Jahrh. der Kopfschmuck selten; seit dem 18. Jahrh. überwiegt die 
Sitte, den Münzherrn mit blofsem Kopfe oder nur mit einem Lorbeer- 
kranz geziert darzustellen. Auch die geistlichen Münzherron werden 
bis zum 12. Jahrh. zumoist mit blofsem Kopfe abgebildet, seither er- 
scheinen sie mit der Bischofsmütze (Infel, Mitra), deren wechselnde Ge- 
stalt, ob ein- oder zweispitzig, oft einen Anhaltspunkt für die Zeitbestim- 
mung der Prägung bieten kann. 

Nach dem Hauptschmuck sind die übrigen Abzeichen wohl zu 
beachten. Kaiser und Könige haben oft den Zepter, in Lilien- oder 
Kreuzform, und den Reichsapfel, Herzoge eine Fahne oder eine Lanze, 
Grafen ein Schwert in den Händen; geistliche Münzherren sind am 
Krumm- oder Kreuzstab, dem Evangelienbuch und an der segen- 
spendenden Hand, Heilige an Kopfscheinon und an den ihrer Lebens- 
geschichte entnommenen Beigaben erkenntlich, mit welchen ihre Bilder 
von der kirchlichen Kunst ausgestattet wurden. Doch erleidet das hier 
Gesagte mancherlei Ausnahmen, namentlich hat die Nachmünzung fremder 
Gepräge nicht selten dazu geführt, dafs weltliche Münzherren als geist- 
lich dargestellt wurden und umgekehrt. 

I.u acta in, Numismatik. 4 



Digitized by Google 



50 



Erster Teil Allgemeine Münzkunde. 



Brustbilder und Kopfe: Lelewel, Atlas Taf. XXXII, Kronen und Beizeichen 
ebendort. Verzeichnisse der Heiligen, deren Bilder auf Münzen erscheinen: Reutz- 
mann W. ( Nutnismat. Legendenlexikon. B. 1881; (iroschenkabinett, Anhang zum 
3. Fach. L. 1746; auf italienischen Münzen: Tonini, Topojrrafia generale dclle zeeche 
italiane. Florenz 1869, S. 89, auf französischen: Longperier Ad., im Annuaire de 
la Soc. des antiqu. de France 1851. — Blanchet Manuel TT, 490 ff. — Abzeichen 
der Heiligen: Wessel y, Ikonographie der Heiligen. L. 1874. — Verworn M., Para- 
doxe Herrecherinsignien auf Münzen. Z. f. X. XXIII, 70 (B. 1902). 

8. Unter den übrigen Münzbildern ist im Mittelalter das Kren/ 
seit Karl dem Grofsen weitaus das häufigste. Es besteht aus dem Pfahl 
und aus einem oder mehreren Querbalken, ist meist aufrecht, seiteuer 
quergestellt (Andreaskreuz), oft im Münzfelde freischwebend, andere 





Fi» 31. Fi«. 32b. 

ZwillinKs-Fn.lenkreuz. Tlraiino von Mnntua. 

Aethelre.l II., Kg. v. Enalind 97* 101C Italienischer Beischla* der Tiroler 

Mnnzmelster Aelfstan zu l.ynfoni. F.t«ehkreiuer um 1330. {W. X. Z. I. «*.) 



Male aufstehend. Je nachdem die Schenkel des Kreuzes alle gleich lang 
oder einzelne verlängert, verkürzt oder abgefallen sind, dieselben gespalten, 
gespitzt oder durch Zutaten verändert wurden, entstehen die mannig- 
faltigen Kreuzformen, deren die Heraldik mehr als zweihundert durch 
eigene Benennungen unterscheidet, die auch in der Münzkunde zur An- 
wendung kommen. Hier seien nur einige für das Münzbild wichtige 
Können genannt. Das aus England stammende Zwillingsfadenkreuz, 
das die Schenkel durch Doppellinien zeichnet, das Patriarchen-, auch 
lothringische oder ungarische Kreuz genannt, mit zwei Querbalken, von 
welchen der obere kürzer ist. Das in Lilienform endigende Lilien- 
kreuz und endlich das für die Münzbezeichnung Kreuzer entscheidende 
achtsehenklige oder Doppelkreuz, das durch Tiroler Gepräge seine 
Verbreitung fand. 



Digitized by Gobgl 



§ 8. Münzbilder: Kreuze, Gebäude, Tiere, Wappen. 



51 



Kreuzformen erscheinen als Münzbild vereinzelt schon in vorchristlicher Zeit, 
z. B. auf Drachmen von Chios und auf den monnaie* ä la crois genannten Münzen der 
gallischen Cadurci, Tectosagen usw., Z. f. N. XIV, 155 und Taf. VI, 1 — 3. R. N. B. 
XXXV, 248. Mittelalterliche Kreuzformen : L e 1 e w e 1 , Atlas, Taf. XXXII. — Bieder- 
mann, Die Kreuze in der Heraldik. W. 1874 (Jahrb. d. herald, gencal. Ver. Adler, 
S. 59 mit Abbildg u. Register). Gebäudeformen: Lelewel, Taf. VII. 

9. Gebäude erscheinen auf mittelalterlichen Münzen sehr häufig, 
so der Säulentempel auf karolingischen Geprägen, die Holzkirche in 
Deutschland seit der Ottonenzeit, Kirchengiebel zwischen Türmen oder 
auch mehrtürmige Münster, die Abbild bestehender Kirchen sind, Mauern 
mit Zinnen und Türmen u. dgl. Dabei konnte es geschehen, dafs im 
Laufe der Zeit die ursprüngliche Gestalt sich so weit veränderte, lj| 
dafs ein neues Münzbild entstand, das dann wieder lange Zeit |Zi| 
festgehalten Mirde. So ist das bekannte Münzbild von Tour^ '* c 
vielleicht nur eine mifsgestaltete « T Umänderung des karolingischen 
Säulentempels, jenes von Genua Iii ursprünglich wohl ein Torturm 
{janua). 

10. Die Tiere, die wir auf Münzen dargestellt finden, sind zuweilen, 
wie das Einhorn, der Hase, der Elefant, der Hirsch, das Eichhörnchen. 
Fische usw. auf Wiener Geprägen, nur willkürlich gewählte Münzbilder, 
oft aber haben sie Wappenbedeutung, das gilt zumal vom Adler und 
Löwen, die am häufigsten erscheinen. Die Wappen, die nach 1200 
immer öfter als Münzbilder dienen, kommen namentlich vom 16. Jahr- 
hundert an nicht selten vollständig mit Schild, Helm, Kleinod und den 
heraldischen Prachtstücken, Mantel, Krone, Wappenspruch, Schildhaltern 
u. dgl. vor. Das Mittelalter mit seinen viel kleineren Stücken verwendet 
in der Regel nur einzelne Teile des Wappens, meist blofs den Schild, 
zuweilen ebenso Helm und Kleinod, fast noch öfter erscheint die Wappen- 
figur ohne Schildeinfassung im Münzfelde. Was endlich die mannig- 
fachen Wappenfiguren anbelangt, so wurden diese auch auf den Mün- 
zen nach den allgemeinen Angaben des Wappenwesens dargestellt. 
Folgerichtig ist es, dafs sie bei Münzbeschreibungen mit den üblichen 
heraldischen Ausdrürken bezeichnet werden. Es mufs daher der Münz- 
forscher über ein ziemliches Mafs heraldischen Wissens verfügen, das 
ihm durch das Studium tüchtiger heraldischer Lehrbücher vermittelt 
werden kann. Doch gibt es aufsordem Hilfswerke für die besonderen 
Zwecke des Münzfreundes, unter welchen Rentzmann, »Numismatisches 
Wappenlexikon ' (Berlin 1870) hier genannt sei. 

Wappen: Mayer C. v, Heraldiscbcs ABC Buch. M. 1857; Hefner 0. v., 
Grundsätze d. Wappenkunst. N. 1855; .Seyler G. A., Geschichte d. Heraldik. X. 1885 
bis 1889. — Quorfurt C. v., Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. 
Nördlingen 1872. — v. Sacken, (irundzüge der Wappenkunst. G. Aufl., bearbeitet durch 
v. Weittcnhiller. L. 1H99. (Webers illustr. Katechismen.) Gute Dienste können 
dem Münzfreund leisten die Wappentafeln bei Ambrosoli, Manuale di Xuuiismatica 
und die Wappenbeschreibungen in Hühners realem Staats-Zeitungs- und Konver- 
sationslexikon (viele Auflagen im 18. Jahrh.). Weniger brauchbar erscheint mir im 
Vergleich zum hohen Preise Rentzmann W., Numismatisches Wappenlexikon. 
B. 1876. 

4» 



52 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



§ 9. Die Aufschrift. 

1. Bei der Münzaufschrift, auch > Legende« genannt, kommen in 
Betracht die Prägeweise — ob erhaben oder vertieft — die Stellung 
und Verteilung über die Münzfläche, die Schriftform, die Sprache und 
endlich der Inhalt. 

Nach der Verteilung unterscheidet man die Umschrift, die längs 
dos Randes der Münze läuft, von der Inschrift in der Mitte des 
Feldes und von der auf der Münzdicke, dem Rande, angebrachten 
Rand schrift. 

Die Umschrift, welche von dem inneren Felde häufig durch eine 
glatte oder gezähnte Kreislinie, eine aus einzelnen Kügelchen gebildete 
Perlenschnur oder irgendeine andere kreisförmige Verzierung abgeschlossen 

ist, kann wieder nach der Stellung 
der Buchstaben nach aufsen oder 





Kip. 33. 
noi.poltc Imsrhrift. 
Pr&gei «JroM-hen Kg. Wenzel II. l.tOO-130S. 



Fi*. 34 
S< hrin in Kreiuforra 
Hentog Heinrich V. von Bayern 1017-1026 



innen gekehrt, aufserdem recht- oder rückläufig sein. Meist um- 
gibt die Umschrift das Münzbild als geschlossener oder teilweise durch 
das Münzbild unterbrochener Ring. Bedeckt sie jedoch nur die Hälfte 
oder noch weniger vom Münzumfang, so bezeichnet man sie als Schrift 
im Bogen. Zuweilen erscheint das Münzbild oder die Inschrift sogar 
von einer zweiten Umschrift umschlossen, die dann als äufsere von der 
inneren Umschrift unterschieden wird. Dies war beispielsweise im 
Mittelalter bei den Turnosen, den böhmischen Groschen (Fig. 33), ver- 
schiedenen niederländischen Münzen usw. der Fall. 

Die Inschrift, die aus einer oder mehreren Zeilen oder auch 
nur aus einzelnen Buchstaben bestehen kann, reicht zuweilen bis an 
den Münzrand, so dafs die ganze Oberfläche nur Schrift in ein oder 
mehreren wagerechten oder bogigen, vereinzelt auch in senkrechten 
Zeilen aufweist. Sie kann ferner kreuzförmig, d. h. aus einer senkrechten 
und einer wagerechten Zeile zusammengesetzt mit oder ohne Buchstaben 
in den Kreuzwinkeln vorkommen (Fig. 34). oder endlich nur einzelne, zu- 
weilen verschränkte Buchstaben aufweisen (Fig. 2f>). In der Regel aber 
ist die Inschrift selbst von einer Umschrift umgeben , ja sie braucht 
nicht einmal das ganze innere Münzfeld zu erfüllen, sondern kann aus 
einzelnen Worten oder Buchstaben zu Seiten, ober- oder unterhalb des 
Münzbildes bestehen, oder als Schrift in Wappen oder Zierschilden (Kar- 
tuschen), oder endlich auf dem Münzbilde selbst erscheinen. Ist die In- 
schrift oberhalb oder unterhalb des Münzbildes, so bezeichnet man sie 



xJ by Google 



§ 9. Stellung und Sprache der Aufschriften. 



53 




auch als Überschrift tizw. Unterschrift. Endlich kann die Schrift 
auch im Münzabschnitt vorkommen. 

Stückelberg, S. 66 ff. — Engel-Serrure, Traite M. A. I, S. LV ff. 

2. Die Sprache auf den Münzgeprägen der 
Völker Europas war, soweit sich diese zur 
katholischen Kirche bekannten, während des 
ganzen Mittelalters und weit darüber hinaus, 
bis etwa ins 18. Jahrb., durchgängig lateinisch, 

unzweifelhaft aus denselben Gründen, die auch F i K . asTneuuche Aufschrift, 
für die Abfassung von Urkunden in latei sohiu von steier um 12» 
nischer Sprache mafsgebend waren. Selbst 

die byzantinischen Münzen tragen lange Zeit lateinische Aufschriften, 
bis als ein Zeichen der eintretenden Scheidung von Rom die grie- 
chische Sprache auch auf Münzen erscheint und hier etwa von der 
Mitte des 8. Jahrhunderts an herrschend wird. Griechische Aufschriften 
trifft man ferner auf einigen süditalischen Münzen (8. — 11. Jahrh.) 
und auf Kreuzfahrermünzen, bei welchen, entsprechend dem Völker- 
gemisch, dessen Verkehr sie vermitteln sollten, überdies französisch und 
arabisch vorkommen. Französische Aufschriften findet man aufserdem 
auf Münzen des schottischen Königs Wilhelm (1165 — 1214), einiger fran- 
zösischer Barone, dann in Lothringen und Belgien (12.-14. Jahrh.), 
während die französischen Könige im Mittelalter der Kirchensprache 
treu blieben. Nur auf italienischem Boden hat König Karl VIII. (um 
1495) in der Stadt Aquila als Ausnahme von dieser Regel Münzen mit 
französischen Umschriften schlagen lassen. Als ältestes Beispiel einer 
deutschen Aufschrift ist vielleicht das Wort GOT auf Münzen des böh- 
mischen Herzogs Boleslaus II. oder III. anzusehen, das kaum als Abkür- 
zung eines Münzmeisternamens wie Gottfried zu deuten sein dürfte, da 
sich auf andern Münzen dieses Herrschers an gleicher Stelle das lateinische 
»DEVSi oder das slawische »BOZE^ finden. Dann folgen die um die 
Mitte des 11. Jahrh. geschlagenen Pfennige der magdeburgischen Münz- 
stätte Gittelde mit den Umschriften IHR • STEIT • DE • BISCOP und 
IELITHIS - PEN I NG, um die Mitte des 13. Jahrh. der steirische Pfennig 
mit + SCHILT VON • STEIR (Fig. 35) usw. Im ganzen sind etwa ein halbes 
Hundert mittelalterlicher Gepräge mit deutschen Aufschriften bekannt. 

Nordische Münzen mit Runenzeichen tragen nor- 
wegische, dänische und angelsächsische Aufschriften, 
der germanische Titel CVNVNG statt des lateinischen 
Rex findet sich aufserdem bei den Königen nor- 
manischer Herkunft von Northumberland und von „ ,. . F i g *• , .„ 

Italienische Aufschrift 

Irland im 10. Jahrh. S|M»iato piccoio um iaoo. 

Das Italienische ist im eigenen Lande während 
des Mittelalters nie zur Münzsprache erhoben worden, wohl aber ver- 
einzelt im Osten an den Ufern des Adriatischen und des Mittelmeers, 
wo es sich vermöge des italienischen Handels gröfster Verbreitung er- 
freute. Die Aufschrift SP ALATIN 0 (Fig. 36) neben dem lateinischen 
SP ALATIN VS, die Umschriften COflTe ■ ST« flfl , COflTe CflSflRO ser- 




Digitized by Google 



54 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 




bischer Fürsten, sowie die Münzen einiger Hochmeister des Johanniter- 
ordens auf Rhodus. seien als Beispiele genannt. Die Münzen der Süd- 
slawen zeigen übrigens in der Sprache der Auf- 
schriften ahnliche Mannigfaltigkeit wie die Kreuz- 
fahrerstaaten : aufser dem Italienischen, das im 14. 
und 15. Jahrh. verwendet wurde, kommen liier 
Aufschriften in lateinischer und in der Landes- 
siavis. be Aufschrift spräche als die häufigeren vor. Slawische neben 
Denga von p»kow. xv. Jahrh, lateinischen Aufschriften bieten die Münzen der 

Moldau und Walachei, während die Russen, die 
niemals in einer kirchlichen Abhängigkeit von Rom standen, fast aus- 
schliefslich ihre Landessprache auf Münzen verwendeten und nur zur Zeit 
ihrer Tributpfiichtigkeit an die Khane der Goldenen Horde ab und zu ara- 
bische Aufschriften auf ihren Geprägen anbrachten. Bei don übrigen der 
römischen Kirche zugewandten Nordslawen herrschen lateinische Um- 
schriften und es gibt von dieser Regel nur wenig Ausnahmen. Der 
Titel *Knäsi auf den Brakteaten des Jakza von Köpenick, das Wort 
*Milo$t auf einem um 1200 geprägten schlesischen Brakteaten, endlich 
verschiedene polnische Brakteaten aus Mieskos II. Zeit (1139—1202) 
seien hier angeführt. Die Letztgenannten haben hebräische Buchstaben, 
die Umschriften selbst sind aber nur teilweise in hebräischer, teilweise 
in polnischer Sprache abgefafst. 

Dannenberg, Mittelaltermünzen mit Umschriften in der Volkssprache. W. X 
Z. XXXII, 203 dazu a. a. O. II 517, XVII, 125. — Menadier, Ein Hammer Englisch, 
zugleich mit deutscher Umschrift. Ii. Mzbl. Nr. 148, Sp. 1389. — Münzen mit Runen- 
schrift, Z. f. X. XV, Anh. 35. — Deutsche Aufschriften auf italienischen Münzen: Bl. 
f. Mzfr. Nr. 20. 

3. Münzen, welche Aufschriften in zwei Sprachen aufweisen, nennt 
man zweisprachige, bilingue Münzen. Aufser den genannton Bei- 
spielen aus Rufsland können Gepräge mit arabisch -lateinischen Auf- 
schriften aus den Kreuzfahrerstaaten, aus Unteritalien und Spanion, ja 
sogar ein goldener Mancus dos Königs Offa von Mercien (757 — 790) und 
ein Pfennig Kaiser Heinrichs II. (1002 — 1024) angeführt werden. — 
Zweifellos haben Rücksichten auT den Handelsvorkehr zur Herstellung 
zweisprachiger Gepräge geführt, gleiche Beweggründe waren mafsgebend, 
wenn orientalische Herrscher ihre Münzen — wie es zuweilen geschah — 
ausschliefsend mit lateinischen Aufschriften versahen. 

Karabacek J., Spanischarabischdeutsche Xachpragungen für Polen. \V. X. Z. 
I, 1H5; II, 455, — die sog. A6o - Münzen arabischer Prägung, W. X. Z. II, 55; Cbcr Gi- 

gliati der Turkomanenfürsten mit lateinischen l'mschriften : 
Finder-Fried! Ander, Beitrage zur alteren Münzkunde. 
B. 1851, S. 52 ff. — Karabacek in W. X. Z. II, 525, IX. 
200. — A. de Longperier, Observation* nur les dinars 
arnbes i't Ugendes latines et Im dinar* bilingues in der Revue 
archcolotrupie. P. 1850 51. P>. VII, \1U, dazu Koehne M. VI, 
257, 32G. — Stickel, Über byzantinisch arabische Bild- 
Fi B . ss liniktcat mit h.l.rrti- münzen. Zeitschr. d. morjrenländ. Ges. XXIII, S. 174 ff.; dazu 
s. hiT Umschrift: W. X. Z. I, 191. 

"pu^'E T"lp Nnfc'S I m Zusammenhang mit der für die Auf- 

Msko Kri poiski iiiM-iaw.j Schriften benutzten Sprache stehen auch die Buch- 




Digitized by Google 



§ 9. Zweisprachige Münzen, wechselnder Schriftcharaktcr. 



55 




staben. Als Regel gilt, dafs, soweit die Aufschriften lateinisch sind, auch 
deren Schriftzeichen zur Anwendung kamen, während die unter dem 
kirchlichen Einflüsse von Byzanz stehenden Münzherren sich der grie- 
chischen oder der daraus abgeleiteten slawischen Buchstaben (sog. Cvril- 
lica) bedienten. Vergleichsweise selten kommen Runen auf nordischen 
Münzen vor, und nur grofse Ausnahmen sind die hebräischen und ara- 
bischen Schriftzeichen auf den früher erwähnten abendländischen Ge- 
prägen, oder umgekehrt lateinische Aufschriften und Buchstaben auf 
Münzen orientalischer Herrscher, die in Nachahmung abendländischer 
Gepräge geschlagen wurden (Fig. 39, 40). 

So einfach, als man nach dem Gesagten glauben könnte, steht 
trotzdem die Sache nicht , denn jede Schrift hat ihre Entwickelung 
durchgemacht, die nach Zeit und Ort und überdies beeinflufst durch 
gewisse äufsere Umstände zu sehr verschiedenen Buchstabenformen ge- 
führt hat. Erschwert dies auf der einen Seite die Lesbarkeit der Um- 
schriften, so können anderseits gerade die Besonderheiten 
der Schrift einen guten Fingerzeig geben, in welcher 
Gegend und um welche Zeit gewisse Gepräge entstanden 
sind, mit andern Worten, der Schriftcharakter kann zu Fi,? S9 - 

. f , , , iii i j- TT i pi Orientalische Münzen 

einem Merkmale werden, um das Alter und die Herkunft mit utein. AuAchriftcn. 
einer Münze zu bestimmen. Schon in diesem Falle zeigt AMkantocfc« »/• Dinar, 
es sich, dafs Numismatik nicht ohne ein gewisses Mafs (W . n. z ii, acs.) 
paläographischer Kenntnisse betrieben werden kann. 
Hinderlich ist allerdings, dafs es noch keino umfassende Paläographie 
der Münzschriften gibt, denn diese zeigen gegenüber den bisher vorzugs- 
weise erforschten Urkunden- und Buchschriften mancherlei Eigentümlich- 
keiten, die im letzten Grunde davon abhängen, dafs die Buchstaben bei 
den Urkunden und bei den Münzen andere Schreibunterlagen haben 
und daher auch durch ganz verschiedene Mittel und Vorgänge hervor- 
gebracht werden. 

5. Das Schriftwesen der west- und der mitteleuropäischen Völker 
beruht auf der lateinischen Majuskel, aus der selbst die norwegischen 
Runen hervorgegangen sind. Die edlen Formen der Kapitalschrift, die 
man auf den Münzen der ersten 
Kaiser findet, verschwinden jedoch 
später oder werden vergröbert. Am 
Schlüsse des 4. Jahrh. unter Arca- 
dius und Honorius schliefsen die 
Buchstabenschäfte nach Art der 
Blockschrift stumpf ab: A M V; 
hundert Jahre später endigen die 
Schäfte dreieckig, die Mittellinie des 
A wird gebrochen : JJ^ JVJ y ; 
unter Konstans II. (641 — 6P>8) werden die Buchstaben kleiner und er- 
halten schlanke Schäfte mit kugeliger Verdickung an den Enden /\ H V • 
Aul'serdem wird allmählich ein Eindringen der runden Form, der sog. 
Unzialschrift, bemerklich. V und E nehmen schon unter Anastasius 




GSglUtO des Untschen Turkomanenfiirsten 

Oraar-beg, imi- 48. fW. x. z. U, 625.) 



Digitized by Google 



56 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



(491—518) die Gestalt V, £ an, seit Tiberius Constantinus (578 — 582) 
erscheinen überdies 0) Q und sogar das b der Minuskel. In den ger- 
manischen Reichen, die auf römischem Boden entstanden waren, be- 
hielten die Herrscher für ihre Münzen vorerst das römische Gepräge 
und die Kapitalschrift bei, in welche jedoch bald einzelne Unzialbuch- 
staben Eingang fanden. So erscheint beispielsweise G auf den zu Karthago 
geschlagenon Münzen des Vandalenkönigs Hilderich (523 — 530, Fig. 43) 
und bei den Westgoten seit Leovigild (572 — 586), das runde 6 auf Gold- 
stücken des Frankenkönigs Theodebert (534 — 548, Fig. 67) und bei den 
Ostgoten unter Baduila oder Totila (541 — 552). Diese parallel verlaufende 
Entwickelung der Münzschrift in Ost- und Westeuropa dauerte jedoch 
nicht lange, und der rasche Verfall der letzten Resto römischer Kultur 
offenbarte sich auch in der Verwilderung der Münzgepräge in ganz 
Europa. In Byzanz begann man einzelne griechische Zeichen in die 
lateinischen Aufschriften zu mengen, bis man unter Konstantin V. und 
Leo IV. (751 — 775) auch die Amtssprache änderte und Münzen mit 
griechischen Aufschriften ausgab. In Westeuropa hingegen bildete sich 
vom 6. Jahrh. an eine grofse Menge verschiedener Schriften durch Run- 
dung eckiger und umgekehrt durch eckige Gestaltung runder Buchstaben 
der römischen Majuskel, ferner dadurch dafs die Buchstaben hier übcr- 
schlank, dort breit und gedrückt gestaltet wurden, endlich dadurch, dafs 
man die geraden Schäfte bald durch Keile ersetzte, bald mit Ansatzlinien 
versah u. dgl. m. Demungoachtet blieb die Münzschrift in Westeuropa 
immer und überall den römischen Grundformen viel näher als die Ur- 
kundenschrift, die sich in der Zeit vom 7. bis zum 12. Jahrh. in den 
einzelnen Ländern so abweichend zeigt, dafs man geradezu National- 
schriften unterscheidet. Der Grund dieser Erscheinung ist zweifellos in 
den technischen Vorgängen, durch welche die Schrift auf den Münzen 
hergestellt wird, zu suchen, namentlich in der Verwendung von Punzen, 
über welche § 10, 6 des näheren gehandelt werden wird. Je nach der 
Verschiedenheit der Punzen, mit welchen man die Buchstaben auf ein- 
mal oder durch mehrmaliges Ansetzen in den Prägestempeln versenkte, 
wechselte natürlich ihre Gestalt und so konnte es wohl vorkommen, dafs 
die Münzen desselben Herrschers je nach den Münzstätten verschiedene 
Buchstabenformen erhielten. Als ein frühes Beispiel seien die Münzen 
des Westgotenkönigs Receswint (653 — 672) aus Sevilla und Toledo ge- 
nannt, welche gleiche Münzbilder und bis auf den Namen der Münz- 
stätten auch gleiche Umschriften haben und trotzdem stark verschieden 
erscheinen. 

6. Die römische Majuskel erhielt sich als Münzschrift mit den 
angegebenen Veränderungen bis ins 12. Jahrh. Sie wurde dann für 
mehrere Jahrhunderte durch die gotische Majuskel abgelöst, eine Schrift 
von gerundetem Charakter, die größtenteils aus dem unzialen Alphabet 
stammt und Anschwellung der gekrümmten Linien sowie übermässige 
Verlängerung der Querstriche liebt. Daneben wurde hier und da nach 
der Mitte des 14. Jahrh. auch die eckige gotische Minuskelschrift benutzt, 
so auf den Prager Goldgulden Wenzels IV. und auf den kleinen Görlitzer 



Digitized by Google 



§ 9. Wechsel der Münzalphabete. Monogramme, Siglen. 



57 



Pfennigen. Mit dem 16. Jahrh. verlieren sich auf Münzen die gotischen 
Schriften und es bürgerte sich unter dem Einflüsse des Wiederauflebens 
der Kunst des Altertums abermals die römische Majuskel ein ; diese hat 
sich unter dem Einflufs europäischer Eroberungen und Kolonisation 
seither über die ganze Welt verbreitet, so dafs neben ihr nur noch die 
slawische Cyrillika und verschiedene orientalische Schriftarten als Münz- 
schriften ernstlich in Betracht kommen, da die Anwendung sowohl der 
neugriechischen Schrift als der modernen sog. deutschen Schrift seltene 
Erscheinungen sind. 

Münzalphabete : L e 1 e w e 1 , Taf. XXXIV, XXXV ; Ambrosoli, Manuale, Taf. I, 
II. — Conbrouee Gaill., Catalogue raisonne des monnaies nationales de France, 
P. 1839, enthalt Tafeln mit Alphabet royalt merovingien, carlovingien, capetien, gothique. 
— Engel-Serrure, Tratte M. A. I, II, mit verschiedenen Alphabeton im Texte an 
einschlägiger Stelle. — Tavole descrittive delle mottete della zecca di Genova. 1890, Taf. VIII. 

7. Die Buchstaben all dieser Perioden können ihrer Form nach 
dünn oder dick, hoch oder niedrig, grofs oder klein, gleich oder un- 
gleich, aufrechtstehend, geneigt, liegend oder gestürzt, eng oder weit — 
gestellt sein. Die Buchstaben erscheinen entweder jeder für sich oder 
derart zusammengezogen, dafs ein Schaft zweien oder mehreren Buch- 
staben gemeinsam ist, Letzteres trifft bei den Monogrammen zu, d. h. 
bei der nicht selten vorkommenden Ineinandersehränkting mehrerer 
Buchstaben zu einer zusammenhängenden Figur, die, in richtiger Reihen- 
folge gelesen, entweder einen Namen, oder Namen und Titel, oder einen 
ganzen Satz ergibt. Von diesen alten, im frühen Mittelalter sehr beliebten 
Monogrammen sind die heute ebenso bezeichneten Namenszüge zu unter- 
scheiden, die auf Münzen vom 17. Jahrh. angefangen mit oder ohne 
Beigabe einer Krone oder eines Fürstenhuts häufig erscheinen. Diese 
sind ihrer Natur nach Siglen und aus den Anfangsbuchstaben der Tauf- 
namen, wohl auch der Titel zusammengesetzt. 

Monogramme: Engel- Scrrurc, Tratte M. A. I, II, häufig im Text. — Lelc- 
• wel, Taf. V, VII, XIV. — Ambrosoli, Manuale Tav. II. — Catalogue de la collect ion 
de monnaxeit de feu Chr. J, Thomsen, II/l. Kopenhagen 1873. — Tonini, Top»- 
grajia generale delle zecche italiane, Taf. I. — Conbrousö, Monnaies de France I, 
P. 1843, Taf. Motwgrammes: Yilles. Rois, Papes. 

Namenszüge: Xeumann, Kupfermünzen I. Prag 1858, Taf. 12. 

8. Das Bestreben, längere Inschriften auf verhält nismäfsig kleinem 
Raum unterzubringen, hat schon im Altertum neben der Zusamnien- 
ziehung von Buchstaben zur Wortkürzung durch Siglen [JUterae migidares) 
geführt, die darin besteht, dafs einzelne Buchstaben oder die Anfangs- 
silben für ein ganzes Wort gebraucht werden. Bei der Buchschrift und 
auch auf Steindenkmälern wurde die Sigle durch einen nachgesetzten 
Punkt als solcho hervorgehoben, der indessen auf den römischen Kaiser- 
münzen weggelassen wurde. Das Sehriftwesen des Mittelalters hat in 
dem Bestreben, Raum zu sparen, die Siglen und Buchstabenverbindungen 
nicht blofs beibehalten, sondern auch neue Kürzungsarten entwickelt, 
bei welchen ein oder mehrere Buchstaben aus der Mitte des Wortes 
wegbleiben konnten und der Ausfall durch eigene Kürzungszeiehen ge- 
deckt w T urde. Während Siglen, Buchstabenverbindung und Ausfall von 



Digitized by Google 



58 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 




Buchstaben namentlich bei Titeln der Münzherren häufig vorkommen, 
haben von den letzterwähnten Kürzungszeichen auf den Münzen eigent- 
lich nur 7 für et und 9 am Ende des Wortes statt as allgemeine Ver- 
wendung erfahren. 

Abkürzungen. Allgemein. Cape Iii, Lericon Abbreriaturarum. L. 1901 (in 
Webers Katechismen; ist vollnUindiger als das italienische Original in den Manuali 
Hocpli, Mailand 1899). Für Münzzwecke insbesondere : Schmid G. V., Claru nutiiia- 
matica oder enzyklopädisches Handbuch zum Verständnis der auf Münzen und Me 
daillen vorkommenden Sprüche usw. Dresden 1840. — Sehl ickey sen F. W. A. 
Erklärung der Abkürzungen auf Münzen. Ii. 1856, 3. vermehrte (durch Pallinann 
besorgte) Auflage. B. 1886 (bedarf noch mancher Verbesserungen und Ergänzungen). 
— Rentzmann W., Numismatisches Legcndenlexikon des Mittelalters u. d. Neuzeit. 
2 Teile. B. 1865— 1878, Titelausgnbe 1881, sehr verwendbar. — Sehl umberger, Brac- 
töates d AUemagne. P. 1873, S. 74. 

9. Zu beachten .sind ferner die in den 
Münzaufschriften vorkommenden Tren- 
nungszeichen, die Anfang und Ende 
bezeichnen oder auch zwischen einzelnen 
Worten stehen. So findet man vom (5. 
bis 17. Jahrh. auf Geprägen christlicher 
Fig u. Herrscher zu Anfang der Aufschriften fast 

Dinvrent» Kg Kurls vi. vun Frankreich, ausnahmslos ein Kreuz, das übrigens auch 

Halber Denier Wune n l'öcu nun 1390). , , . , , rt . 

Her rtu.kt steht auf bei.ien Seiten im noch von Rosetten oder andern Zieraten 
^rienkrriariinteriipms BiirhMRben.it>r hegleitet sein kann. Trennungszeichen im 

l m«-hnft uihI weist auf «lie Münzstätte 6 

Toniuose. Innern der Münzaufschniten werden erst 

seit dem 12. Jahrhundert häufiger und. 
bestehen gewöhnlich aus Punkten, Kreuzchen, Rosetten, Sternchen 
Kleeblättern oder anderen Zieraten, die einzeln, verdoppelt oder zu 
Gruppen vereinigt erscheinen und mitunter ein Merkmal zur näheren 
Bestimmung der Münze abgeben. Neben diesen Trennungszeichen gibt 
es auch noch besondere Unterscheidungszeichen, die sog. ? Diffe- 
renz der Franzosen, die zur Festlegung der Münzstätte, des Münz- 
meisters, der Zeit oder des Münzfufscs dienten und zum Teil öffentlich 
bekannt gegeben wurden, in andern Fällen geheime Erkennungsmerk- 
male blieben, wie solches noch heutzutage bei Banknoten vorkommt. 
Es war dabei nicht ausgeschlossen, dals die zur Worttrennung ver- 
wendeten Zeichen, je nachdem es Punkte, Sternchen, Poppelkreuzchen 
waren, gleichzeitig auch Unterscheidungszeichen sein sollten. In den 
französischen und burgundischen Münzstätten verwendete man mit Vor- 
liebe unscheinbare Punkte (poinfc secrefc) unter vorausbestimmten Buch- 
staben der Umschrift, nach 1420 auch Siglen. in Deutschland Siglen und 
andere Zeichen der Münzmeister oder des Münzfufses. Zu letzteren 
zählten beispielsweise das kleine Andreaskreuz (X) auf österreichischen 
Geprägen des sog. Konventionsfufses von 1754 — 1805 oder die in den 
Ilarzgcgenden während des 1(5. bis 18. Jahrh. häufig angebrachten ge- 
kreuzten Zainbacken ^ als Merkmal, dafs die Prägung durch einen 
ordentlichen Münzmeister erfolgt sei , der sein Handwerk nach den 
Satzungen der im Reiche gültigen Münzordnung erlernt habe. 



Digitized by Google 



§ 9. Trennung*- und Unterscheidungszeichen, Jahreszahlen. 



59 



Trennung«- und Unterscheidungszeichen: Differents. Points secrets usw. Ropcr 
Valentin, Les differents de la monnaie de Romans 1389 — 1556. — Dcrs., Les der- 
nieres monnaies frappees ä Montelimar, beides im Bulletin de la Soc. d'Archeologie de 
la Drome, Valence 1894. — Notes sur les differents d'ALr usw., im Bulletin de numis- 
matique 1894, II. — Les differents de la monnaie de Grenoble de 1489—1553, im Annuaire 
de la Soc. frane. de num. 1894. — Soudrc \,., Releve tur les differents ou signes dis- 
tinetifs des graveurs generaux et directeurs de la fabrication des monnaies de France 
depuis la Im du 22 vendhniaire an IV. (Annuaire IV 1873 — 1876), 153 ff. — Zainhucken 
als Abzeichen der Münzmeistor, W. X. M. II, S. 219. — Grote, in Bl. f. Mzfr. Xr. 51, 
macht mit Berufung auf Trachsel aufmerksam, dafs die unterscheidenden Punkte auf 
französischen Münzen richtig deferents. nicht, wie gewohnlich geschrieben wird, differ- 
ents lauten. Der Ausdruck sei der Astrologie entlehnt. 

10. Das gewöhnliche Mittel zur Angabe der Zeit, in der die Münzen 
ausgegeben wurden, ist jetzt die Jahreszahl, deren Anwendung auf mittel- 
alterliehen Geprägen noch im 15. Jahrh. selten war. Das älteste Beispiel 
einer Jahreszahl auf abendländischen Münzen bietet eine dänische, schon 
bei Mader V, 146 angeführte Münze, die nur in einem einzigen Exemplar 
mit den mangelhaften Umschriften -f RDDO DOCDIHI und :(D:CC:XX...I 
bekannt ist und MCCXXXXVIII, also 1248, ergänzt wird. Ebenso ver- 
einzelt ist das bei Mader V, 157 angeführte Stück des Reinhardt von 
Schonvorst, das nach seiner Abbildung ins Jahr 1372 gehört. Im gleichen 
Jahre begann man indessen auch vor den Toren Aachens zu Junkheit 
Münzen mit Jahreszahlen zu prägen, und da man dies hier durch 
mehrere Jahre fortsetzte und vom Jahre 1402 angefangen die Stadt 
Aachen selbst nachfolgte, so darf man wohl sagen, dafs der Gebrauch 
von Jahreszahlon auf Münzen von den Rheinlanden ausgegangen ist. 
Bis ins erste Viertel des 15. Jahrh. wurden fast ausschliefslich lateinische 
Zahlzeichen verwendet. Die arabischen Ziffern erscheinen ihrer dem 
Mittelalter eigenen Gestalt ( R = 4, 7 = 5, \ = 7) zuerst 1424 auf einem 
Plappart der Stadt St. Gallen in der Schweiz. Im 16. und 17. Jahrh. 
wurde dann in Deutschland die in Urkunden schon früher vorkommende 
Datierung nach der minderen Zahl üblich , d. h. man liefs die beiden 
ersten, im 17. Jahrh. gewöhnlich nur die erste Ziffer hinweg (z. B. 68 = 1568, 
609 = 1609) ein Brauch, der schon manchen in der Münzkunde Un- 
bewanderten über das Alter der Münze irregeführt hat. 

Jahreszahlen auf Münzen: Mader, Bcitr. V, 136 ff. — Koehne, Z. V, 195, 
Bl. f. Mzfr. Nr. 5, 7, 8 (1866). Lcitzmann, X. Z. 1866, Xr. 23, Z. f. X. II. 70; W. X. M. 
V, Nr. 228— 229 (1902). — Monnaies tuedioevales datica (Gazette nuinismatintie, Br. 1896). 
Xadrowski, Welchen Ursachen verdanken die nummi postuitii ihre Entstehung? 
B. Mzbl. Xr. 134 — 135, Sp. 1186. Keine Jahreszahlen, wohl aber Angabe der Regierungs- 
jahrc findet man auf byzantinischen Kupfermünzen von Justinian bis in die Zeit 
Leos III. des Isauricr» (etwa 530—730). 

11. Der Inhalt der Münzaufschriften betrifft gewöhnlich den Münz- 
herrn, die Münzstätte, die an der Münzherstellung beteiligten Personen, 
die Zeit oder die Veranlassung der Münzenausgabe und endlich den 
Wert oder den Namen des Stückes; aufserdem kommen mancherlei 
Sprüche vor. Die Art, wio diese Bestandteile der Aufschrift auf die 
verschiedenen Münzflächen verteilt werden, wechselt, man wird sie auch 
sehr selten insgesamt auf einem Stück vorfinden. Dem Namen des Münz- 



Digitized by Google 



60 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



herrn, der auch durch ein Monogramm ausgedrückt sein kann, werden 
in Europa seit dem 16. Jahrh. Ziffern beigesetzt, um ihn von gleich- 
namigen Vorgängern oder Nachfolgern zu unterscheiden, ein Vorgang, 
der im Mittelalter nur ausnahmsweise beobachtet wurde. Gewöhnlich 
wird auch der Herrsehertitel angegeben, dagegen fehlen die dem Altertum 
geläufigen Beinamen der Herrscher auf dem Gepräge des Mittelalters 
und der neueren Zeit. 

Der Name der Münzstätte, der im früheren Mittelalter gewöhnlich 
auf den Münzen erscheint, wurde später oft weggelassen oder durch die 
schon erwähnten Erkennungszeichen, auch durch kleine, wappenähnliche 
Figuren, wie die Rose für Lienz auf Görzer Geprägen, die flache Hand 
auf Münzen von Antwerpen u. dgl. oder endlich durch Siglen ersetzt. 
Neuerer Zeit ist in Anschlufs an das jüngere französische System die 
Bezeichnung der Münzstätte durch Münzbuchstaben üblich geworden, die, 
ohne Rücksicht auf den Namen des Münzortes gewählt, eine gewisse 
Rangordnung der Münzstätten ausdrücken. 

Das vergleichsweise späte Auftreten der Jahreszahlen auf Münzen, 
von dem schon die Rede war, dürfte zum Teil mit der im Mittelalter 
weit verbreiteten Unsitte der Münzverrufung zusammenhängen, die einen 
auffälligeren Wechsel der Gepräge erforderte, als die Änderung einer 
Zald ist. Von diesem auf Kosten der Sicherheit des Verkehres, aber 
zum Vorteil des Münzherrn betriebenen Unfug wird noch genauer (§ 28) 

die Rede sein ; hier sei erwähnt, dafs aus der seit 
dem 15. Jahrh. häufig vorkommenden Aufschrift 
«moneta nova keineswegs immer auf eine voran- 
gegangene Änderung des Münzfulses zu schliefsen 
Fi«. 42. ist. Der Ausdruck wird wohl in vielen Fällen nur 

Neapel und s uiiu-n ,]j 0 Bedeutung gehabt haben, welche den denarü 

Hoger I., 1130 -UM. . . b f ' . . 

novi im Gegensatz zu den denarn veteres zukommt, 
er dürfte Bezeichnung der Währungseigenschaft des neu ausgegebenen 
Gepräges gewesen sein. 

Münzaufschriften : Rentmann, Numismat. Legendenlexiknn, Namen der Münz- 
herren a. a. O. I, 1—156 und Nachtrag. — Mader, Beitr. IV, 11H; VI, 1 : Über Namen, 
ßeynamen und Titel der Personen und Unter auf Münzen des M. A.; Dannenberg, 
Die Titel der Münzherren auf M. A. Münzen, ß. Mzbl. 1900, Nr. 237, Xawenszahlen 
auf Münzen, a. u. O. 1902, Nr. 1. 

Münzstätten: Leitzmnnn, Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münz- 
kunde (inkl. Österreich, Schweiz, Luxemburg und Elsafs.) WeifsenBee 1869. — Belgien: 
Serruro Raymond, Dictionnaire geographique de l'histoire monetaire Beige, ßr. 1880 
(in der Art wie Leitznianns Wegweiser). — Serrure Raymond, Dictionnaire geo- 
graphique de ihistnirc tnonetaire de la France. P. 1887 (behandelt nur daa nordwest- 
licbe Frankreicb). — Italien: Am vollständigsten bei Gnecchi, Sag g in di Jiiblio- 
grajia numismatica delle zenhe italUine medioevali e moderne. Mailand 1889. — Vgl. 
auch die S. 11 bei §3, Absatz 7 angeführten Bibliographien. 

V2. Wertbezeichnungen und Namen fehlen zumeist auf den Münzen 
des früheren Mittelalters. Die alte Streitfrage, ob das OB auf den 
goldenen Solidi Konstantins des Grofscn das griechische Zahlzeichen 72 
oder die Feing«'halLsbezeichnung o,1nt\;ov = purum sei, ist endgültig im letzt- 
erwähnten Sinne entschieden, seitdem man Goldbarren mit gleichen Be- 




Digitized by Google 



§ 9. Münzbuchstaben, Wertbezeichnungen, Münznamen. 



61 



Zeichnungen gefunden hat. Wertbezeichnungen XLII, XXI und XII 
tragen die Münzen der Vandalen (Fig. 43), ferner die von don Franken- 
königen zu Marseille mit dem Bilde des Kaisers Mauritius Tiberius (582 bis 
602) und der Zahl XXI geprägten Solidi sowie die merowingischen Drit- 
telstücke mit dem Zahlzeichen VII oder VIII im Felde, die durch die 
Umschriften CABILONNO FIT DE SELEQAS VIII oder VESVNCIONE 
DE SELEQAS VII ihre Erklärung als Vielfache von Siliquen erhalten. 
Aufschriften wie IELITHIS PENING (Gittelde), BEUNA RDVS SVM 
E[G]0 DENarius oder HEHODIVS DENARP (Falkenstein) und ähn- 
liche wollen im Grunde nur übor den Prägeherrn oder den Prägeort, 
nicht aber über den Wert des Gepräges Aufschlufs geben, der ja nicht 
zweifelhaft sein konnte, solange nur Pfennige und Hälblinge geschlagen 
wurden. Das gleiche gilt von dem Ausdruck Grossus, der nur die Eigen- 
schaft des Stückes als Dickmünze und mittelbar also auch die eines 
Pfennigvielfachen hervorhebt, aber nicht angibt, wieviel Pfennigwerte er 




Plf. «. Fig. 44. 

Karthago (Kupfer). Nürnberg. Halber Schilling, 15. Jahrh. 



darstellt. Anders verhält es sich mit der TERCIA DVCALIS (Fig. 42), 
der TERCIA APVLIENSIS und ähnlichen Aufschriften auf den Münzen 
der Normanenkönige in Unteritalien (11 40 ff. ) , den französischen Münz- 
bezeichnungen wie MO N ETA DVPLEX REG ALIS bzw. LEG ALIS, 
BVRGENS1S FORTIS und ähnliche, die im 14. Jahrh. auftauchen. In 
Deutschland kommen Aufschriften mit Solidus, medins Solidus erst im 
15. Jahrh. auf (Fig. 44) und lassen die Münze als ein Zwölfpfennigstück 
oder Sechspfennigstück usw. erkennen. Mit dem 16. Jahrh. wird die 
Wertbezeichnung auf den Münzen, die auch aus einer blofsen Wertzahl 
bestehen kann, in Deutsehland unter dem Einflufs der Reichsmünz- 
ordnung die Regel, und sie gilt heutzutage allgemein als ein Erfordernis 
des Münzgepräges. 

Die zahllosen Benennungen älterer Münzengattungen haben last 
ausschliefslich dem Volke ihre Entstehung zu verdanken, das das Be- 
dürfnis empfand, die gleichen Münzeinheiten häufig wechselnden Gepräges 
sinnenfällig zu unterscheiden. Bei der grofsen Rolle, die der Humor 
im Leben unserer Vorfahren spielte, fehlte es nicht an absonderlichen 
Bezeichnungen, die indessen oft unerklärlich sind, da sie Anspielungen 
auf uns unbekannte Einzelheiten enthalten. 

MünzmeiBternamen : Dannenberg, Z. f. X. XXII, 277: Münzmeister auf Mittel- 
altermünzen. — Abkürzungen solcher Xamen s. Sch 1 i c k c i sc n , Erklärung der Ab- 
kürzungen, 3. Aufl., K. 1S%. — Forrer I.., Hiotjrnphical dictionnarij of tnedallistx. coin. 
gern and seal engravers. tnhitmastcr* etc. finden t and modern. l.on<lon 1902. (1. Bd. A bin 
D.) — Münzbezeichnungen: Dannenberg, L"S appcllations ntourtaires mir Irs 



Digitized by Google 



62 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



mtmnaie* du moyen-ügt. R. N. B. 1395 (Lp. 242. — Münznamen: Stückelberg, 
15t) ff. — Grote, der Geldlehre § 21 Beispiele von Münzbennungen bringt, meint, 
dafs neuerer Zeit dem Volke der Witz dazu ausgegangen sei. Ganz so schlimm steht 
es nicht, wenn wir die von rrof. Edward Schröder in Nr. 424 der Berliner National- 
zeitung vom 2. August 1903 veröffentlichte Zusammenstellung volkstümlicher Ausdrücke 
für die eben eingezogenen silbernen Zwanzigpfennigstücke betrachten, die örtlich als 
Läuse, Nisse, Fischschuepple, Flimmerchen, Siebneri usw. im Volke gingen. Wir haben 
übrigens erfreulicherweise von der Feder Prof. Schröders eine gröfsere Arbeit über 
deutsche Münznamen zu erwarten. Bisher war Schmiedors Handwörterbuch der 
Mzkdo., Halle 1811 — 1815 unser Hauptwerk dafür. Ein ähnliches Work für Portugal 
ist das Diccionario de numismatica Portugueza, Porto 1872 ff., des Jose do Amaral, 
B. do Toro. 

13. Die mancherlei Sprüche auf den Münzaufschriften sind vor- 
wiegend frommen Inhalts und oft Waldsprüche, die mit dem Münzherrn 
wechseln, zuweilen aber durch Jahrhunderte bleibend und dann kenn- 
zeichnend für die Münzgattung wie das Bmedicium est nomen Domini 
nostri Jesu Christi auf den Turnosen oder das Sit tibi Christe (latus. 




KiR 45 Fi »f. 46. 

Pseudolegemle. Fuml vou Itukowitz BuchstabenÄhtilicher Zierou, 

W. X. Z. XX, T IX. Fund von Rnkowitz. W. N. Z, XX, T. X. 



quem tu regis, iste dueatus auf den venezianischen Zecchinen (Fig. 28). 
— Heutzutage werden Sprüche vor allem für Randschriften verwendet. 

Die Aufschriften auf mittelalterlichen Münzen sind im allgemeinen 
nicht leicht lesbar. Die Buchstaben zeigen oft Verschränkungen und 
ungewohnte Formen, die Kürzungen von Namen sind oft mehrdeutig, 
die Schreibweise von der heute üblichen abweichend und häufig durch 
Fehler entstellt, aufserdem läfst die Erhaltung, in der uns solche Münzen 
überliefert sind, meist viel zu wünschen übrig, zumal viele Stücke vom 
Hause aus mit unvollständigem Gepräge in den Verkehr kamen. Es 
gibt jedoch auch irreführende Aufschriften, die von unabsichtlich ver- 
wirrten sowie von den sog. Pseudolegeuden wolü unterschieden werden 
müssen. Die im Mittelalter und dann im 16. und 17. Jahrh. in einigen 
Gegenden Deutschlands, der Niederlande und Italiens häufige Nachmünzung 
guter und beliebter Gepräge in gewinnsüchtiger Absicht, bewog den Münz- 
herrn nicht blofs zu genauer Nachahmung fremder Bilder, sondern suchte 
die Empfänger auch durch täuschende Aufschriften über die Herkunft 
der Münzen irrezuführen. So haben Bischof Peter von Cambrai (1349 
bis 1368) und Arnold Herr von Rummen (1363 — 1367) die Franc-ä-cheval 
genannte Goldmünze König Johanns II. von Frankreich (1350 — 1364) 
nicht blofs im Bilde genauestens nachmachen lassen, sondern auch, um 
die Person des Münzherrn zu verdecken, die Umschriften mit Johannes 
beginnen lassen, wie nachfolgende Zusammenstellung zeigt: 



Digitized by Go 



§ 9. Verwirrte o<ler tauschende Umschriften, Pseudolegenden. 63 

+I0b75PnaSDI-GR7VGm:PRnP00RV:RflX 
. + lObHPneS : 6V2VR0 : flT6 RI?OL:DI?S:RVM 1 1?6 VX 

+ K>»7rni?es: lvgäs= M7iRavs:MKTÄVS 

Unverstandene Nachmünzung hat zur Entstehung verwirrter Auf- 
schriften Anlafs gegeben, namentlich in dein Falle, wenn sie in der 
Fremde von Münzeisenschneidern vorgenommen wurde, die weder mit 
der Sprache noch etwa mit der Schrift vertraut waren, und, was auch 
häufig vorkam, nicht Urstücke, sondern schon vorliegende Nachahmungen 
als Vorbilder benutzt wurden. Die Mühe, die man sich früher mit der- 
art verderbten Aufschriften gab, hat zu vielen unhaltbaren Folgerungen 
geführt. Man hat jetzt im allgemeinen die Entzifferung solcher ver- 
wirrter Aufschriften als fruchtlose Arbeit aufgegeben, ebenso jene der 
sog. Pseudolegenden, die als durchaus willkürliche Aneinanderreihung 
von Buchstaben an Stelle einer wahren Umschrift erscheinen. Von diesen 
Pseudolegenden, die den Buchstaben bereits als raumfüllendes Ornament 
behandeln, ist noch ein Schritt weiter bis zu den buchstabenähnlichen 
Zieraten, denen wir beispielsweise in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. 
auf bayerischen Geprägen (vgl. z. B. Obermayer, Tafel VII) nicht selten 
begegnen. 

So u chi er It., Lateinische Verse auf Münzen und Medaillen. X. Z. 1870,1871. 
— Psalmenanfunge auf Münzen: Engol-Scrrure, Tratte. M. A. 1, S. LV1I. — 
Köhler, Münzbelustigungen, Register. — Pseudolegenden usw. Schlumber- 
ger. BracteatcK, S. 68 ff. — (irotc, Münzstud. VIII, 88. Die Nachmünzen. — Täu- 
schende Umschriften. R. N. B. II/l, 258; 388. 



Digitized by Google 



II. Hauptstück. 



Die Herstellung der Münze. 

§ 10. Vorgange bei der Ausmunznng. 

1. Der Ausdruck Ausmünzung umfafst die verschiedenen Vor- 
gänge, durch welche das rohe Metall zu Metallstücken von bestimmter 
Form und Grüfse mit einer gewissen, vom Staate verbürgten Menge 
Edelmetall verarbeitet und durch eine dauerhafte Bezeichnung zu umlauf- 
fähiger Münze gestaltet wird. 

Um 7Ai diesem Ziele zu gelangen, mufs zunächst das zur Verfügung 
stehende Rohmaterial geprüft werden, ob es so beschaffen ist, dafs es 
ohne weiters vermünzt werden kann. Das wird selten der Fall sein, da 
sowohl in dem aus verhütteten Erzen als auch in dem aus sog. Paga- 
menten (alten Münzen, Geräten und Metallabfällen) gewonnenen Edel- 
metalle verschiedene, meist minderwertige. Beimengungen in wech- 
selndem Ausmals vorhanden sind. Man mufs in solchem Falle das 
Rohmetall der sog. Scheidung unterwerfen, durch welche man bei An- 
wendung der heute so vervollkommneten technologischen Verfahren die 
Edelmetalle in beliebiger Menge nahezu chemisch rein herzustellen ver- 
mag. Da man indessen die Münzen schon seit langem nicht aus voll- 
kommen reinem Metall, sondern aus härteren Metallnüschungen herstellt, 
so wird das zur Prägung bestimmte. Edelmetall in einem durch den 
Münzfufs gegebenen Verhältnis mit minder edlem Metall — meist 
Kupfer — beschickt oder legiert und dann geschmolzen. Ergibt die 
flüssig gewordene Mischung nach tüchtigem Umrühren bei neuerlicher 
Prüfung den vorgeschriebenen Feingehalt, so wird sie in Formen zu 
kleinen, dünnen Barren, den sog. Münzzainen, ausgegossen, welche ent- 
weder durch Aushämmern oder, wie seit «lern 10. Jahrb. üblich, durch 
Walzendruck auf die erforderliche Münzdicke gebracht werden. Die der- 
artig gestreckten - und zwischen hinein, um das Brüchigwerden zu hindern, 
wiederholt geglühten Zaine werden hierauf, um die zur Ausmünzung 
erforderlichen Schrötlinge Zugewinnen, gestückelt , und zwar entweder 
mittels einer Blechschere, der sog. Benehmschere, zugeschnitten oder 
mit einem passenden Eisen (sog. Durchschlag) aus dem Zain heraus- 



Digitized by Google 



§ 10. Vorgängo bei doi AiiBmünzung, I'ragcwerkzctigo. 



65 



geschlagen. Die Ränder der Zaine und die übrigen bei solchem Ver- 
fahren sich ergebenden Mettillabfälle heifsen die »Abschroten ~ und müssen, 
soweit sie nicht zu kleineren Schrötlingen verwendet werden können, 
geschmolzen und zu neuen Zainen ausgegossen werden. Es folgt dann 
die Justierung, d. h. es werden die Schrötlinge untersucht, ob sie das 
vorgeschriebene Gewicht haben. Das geschieht entweder nur al marco 
d. h. man begnügt sich, ohne das Gewicht der einzelnen Stücke zu prüfen, 
damit, dafs eine gewisse gröfsere Zahl (in Wien anfangs des 15. Jahrb. 
beispielsweise 300 Schrötlinge) das Gewicht der sog. Aufzahlmark er- 
reicht, oder mit Berücksichtigung der Einzelgewichte, in welchem Falle 
sowohl die über- als die unterwichtigeu Schrötlinge ausgeschieden werden. 
Die so als richtig, just, befundenen Schrötlinge sind jedoch nur Blindgeld 
oder, wie man im Mittelalter sagte: plossgcU (Fig. 49), unbezeichnete 
Metallscheiben und werden erst durch die Prägung, d. h. durch Auf- 
drücken einer dauerhaften Bezeichnung, zur umlauffahigcn Münze. 

Unter den Geräten, die dabei zur Verwendung gelangten, sind die 
Prägestempel mit dem vertieften Münzbild die wichtigsten. Aufserdem 
bedarf es noch einer Vorrichtung, um auf die zwischen den Stempeln 
liegenden Schrötlinge einen starken Druck auszuüben. Bis über die Hälfte 
des 16. Jahrb. geschah dies ausnahmslos durch den Schlag eines schweren 
von Menschenhand geführten Hammers, seither durch verschieden ein- 
gerichtete Prägemaschinen, erst durch Prägewalzen, dann durch soge- 
nannte Taschenwerke, noch später durch Spindelpressen (Stofswerke, 
Balancier) letztlich durch Verwendung des hydraulischen Druckes (Uhl- 
hornische Pressen u. dgl.). 

Bergmann J. v., Münzenschingen und Münzenprilgen. W. X. Z. V, 247. — 
Dannenberg, Anfänge d. Münzprägung. Z. f. X. VIII, Anh. 28. — v. Ernst K., 
Münze (S. A. buh Karmarttch u. Heerens techn. Wörterbuch, Prag 1882 . — Die Kunst 
des Münzens von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. W. X. Z XII, 22 und viele 
Einzelaufsätze im W. X. M. — Karmurseh K., Beitrag z. Technik des MnnzwesenH. 
II. 1866. — Schlüfser E., Die Münztechnik. II. 1884. — S t ü ekel be r g , 8. 129 ff. 

— Grote, Geldlehre § 22. — Leiuaire V., Etüde nur les procede» de fabriration des 
tuonnaies anriennes. K. X. B. 1892. — Chalon R., Histoire de la fabrication den mon- 
naies. B. 1873 (C u ru o n t Xr. 405). — B a be 1 o n E., Xotice, P. 1898, S. 114 ff. — An se 1 1 , 
Jlte Royal mint its irorking cunduet and Operation* es-plained. l>ondon 1871, 3. Aufl. 

— Picciono M., Os»ervazioni sulla teenica e m-qqi monetali anficht. Rom 1902 (vgl. 
W. X. Z. XXXIV, 314). — Bahrfeldt A., Antike Münzterhnik. B Mzbl. 1904. Xr. 25. 

2. Ehe wir die nur nach ihren äufseren Umrissen geschilderte Aus- 
münzt] ng in ihren Einzolvorgängeu näher betrachten, ist zu erwähnen, 
dafs Münzen und münzähnliche Gebilde auch ohne Stempel durch Gufs 
in passende Formen oder durch Treiben mittels Hannner und Punze 
hergestellt werden können. Getriebene Münzen sind mir nicht bekannt, 
selbst getriebene Medaillen und Plaketten kommen wegen der Umständ- 
lichkeit dieses Verfahrens nur .selten vor; allein auch der Gufs eignet 
sich weniger zur Massenerzeugung von Münzen aus Edelmetall, obwohl 
die auf die Beschickung des Tiegels folgenden Vorgänge der Münz- 
prägung vom Giefsen der Zaine angefangen hier wegfallen, da die 
geschmolzene Legierung sofort zum Eingufs in die Formen verwendet 

Luschiii. Numismatik. 5 



Digitized by Google 



f>6 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



werdon kann. Es fehlen daher gegosseno Münzen dem Mittelalter, und 
aie kommen auch später nur ausnahmsweise und unter Verhältnissen 
vor, welche die Einrichtung ordentlicher Prägestätten ausschliefen, 
z. B. als Notmünzen (Cattaro silherne 1-, 5- und 10-Frankstücke vom 
Jahre 1813, Fig. 47). Am häufigsten sind wohl die elenden marokkanischen 
Erzmünzen, die nach Neumanns Beschreibung (Kupfermünzen IIT, 108) 
halb gegossen, halb geprägt sind. Die dicken 1- und 2-Sousstücke aus 
der Zeit der französischen Revolution mit dem Brustbilde König Lud- 
wig XVI. (1791 — 1793), zu welchen die eingezogenen Kirchenglocken den 
Stoff lieferten, haben durch' Gufs hergestellte Schrötlinge, welche dann 
mit den von Duvivier gelieferten Stempeln geprägt wurden. Wohl aber 
war der Gufs zu Massenerzeugung der dicken Schrötlinge sehr geeignet, 
die im Altertum beliebt waren. Man hat sich dabei unzweifelhaft 
eigener Guisformen bedient, die mit einem Eingufs die Herstellung einer 
groben Zahl von Schrötlingen erlaubten. Waren diese Gufsformen genau 
gearbeitet, so konnte man Schrötlinge erhalten, die nur geringe Gewichts- 
differenzen zeigen, und ich möchte gerade in diesen technischen Vor- 
gängen den Grund sehen, weshalb die dicken Münzen des Altertums um 
so viel besser justiert erscheinen als die dünnen Pfennige des Mittel- 
alters, dio oft nur al marco geprüft wurden. 

Auf dem Historikerkongrefs zu Horn, April 1903, hat Conim. A. Salin an aus 
Palermo eine Gnfsform zur Herstellung von Didrachinen-Schrotlingen vorgezeigt, die 
er in Sizilien auffand. Mit Hilfe derselben konnten nahezu 100 Stück Schrötlinge mit 
eiförmigem Querschnitt und obener Oberfläche auf einmal gegossen werden. Wie 
genau man bei Anwendung welcher Gufsformen justieren konnte, mag aus einem Fund 
von Keltenmünzen geschlossen werden, der in Kärnten auf der Gorlitzen Al|>e nördlich 
des Ossiachor Sees im November 1903 gemacht wurde. Derselbe enthielt 13 Tetra- 
drachmen (attisches Normalgewicht zur Zeit Alexandere dos Grofsen nach Babelon 
17.20 g), je ein Stück 16,96 und 16.98 g, die übrigen elf zwischen 17,12—17,43, ferner 
17 Stück eines andern Münzsystems ein Stück 9,9, die übrigen von 10— 10,33 g. — 
Gnfsform zur Herstellung von Raitpfennigen vom Jahre 1465. K. N. B. I, Bd. 3 (1847;, 
67 Taf. IV. — Gegossene Münzen zu Marokko. Z. f. N. XX, Anh. 27. — Technik der 
getriebenen Medaille. W. N. M. IV, S. 56 und Abbildungen bei v. I,öhr, Wiener Me- 
dailleure, 1899, S. 8, der gegossenen Medaille a.a.O. S. 7. — Legierungen: Fachs 
Modestin Probierbüehlein 1567, auch 1618. — Haase Salomon, Vollständiger Münzmeister 
und Münzwardein. F. 1765. — Eröffnetes Geheimnus der praktischen Münzwissenschaft. 
N. 1762. — Karmarsch, Über die Methode, den Feingehalt des mit Kupfer legierten 
Silbers durch das spezifische Gewicht zu bestimmen (Dinglers polvtechn. Journal, 
Rd. 224, Heft 6\ — Hofmann K B., Beiträge z. Geschichte der antiken Legierungen. 
W. N. Z. XVI, 1 XVII. 1. — Das spezifische Gewicht als Mittel, gefälschte Goldmünzen zu 
erkennen, a. a O. XVIII, 1. — Loos, Die Kunst, falsche Münzen zu erkennen. B. 1828. 
S. 39 ff. Weifssud, a. a. <».. S. 39 IT. — Neubauer C, Feinbuch nebst Anleitung zur 
Feinberechnung bei tausendteiligen Gehaltsangaben. B. 1857. — Richter A., Tabellen 
zur Berechnung von 108 der gebräuchlichsten Goldlegierungen. Pforzheim 1889, 3. Aufl. 

3. Gar manche Eigentümlichkeiten in der äufseren Erscheinung 
der Münze rühren davon her, dafs die Präge Vorgänge im einzelnen ver- 
schieden sein können. So ist z. B. die Farbe der Münzen einerseits 
von Legierungen, anderseits davon abhängig, ob der sog. Weifssud vor- 
genommen wurde oder nicht Heutzutage werden sowohl Gold wie Silber 
nur mit Kupfer legiert, das dem Edelmetall eine unangenehme rötliche 
Farbe gibt, falls der Zusatz eine gewisse Grenze überschreitet. Da diese 



Digitized by Google 



§ 10. GogosBonc Münzen, Farbe der Münzen, Weifssud. 



67 



beim Gold bald erreicht wird, so hat man es wohl auch mit Silber ver- 
setzt, wenn dies aber zu reichlich geschah, ein unansehnliches Blafsgold 
erhalten (§ 5, 2), weshalb man schliofslich auf den Ausweg verfiel, Silber 
und Kupfer zuzusetzen, wie solches noch im 18. Jahrh. bei den deutschen 
Carlin d'or üblich war. 

Stärkeren Zusatz als das Gold verträgt das Silber, das selbst zu 
gleichen Gewichtsteilen mit Kupfer gemischt Münzen gibt, die einige 
Zeit eine angenehme Farbe bewahren. Dies hängt mit dem sog. Weifs- 
sud zusammen, d. h. mit dem Eintauchen der geglühten und rauch- 
geschwärzten Schrötlinge in eine Beize (früher Weinstein mit Salz, jetzt 
verdünnte Schwefelsäure) um die Oxydhaut zu entfernen. Bei dieser 
Gelegenheit wird durch die Beize auch das Kupfer an der Oberfläche 
der Münze aufgelöst, während das Silber zurückbleibt. Der auf solche 
Weise gebildete Überzug von reinem Silber verleiht der Münze, selbst 




FiR 47 Flg. 48. Fig. 49. 8ehr<>Uinge mit 

CftttRro 1813. UrKosocne Notmünio St. «ialleti, 15. Jahrh Vorschlag eines Pfennig 

mit vertiefter Schrift. Archiv B, III, T. 33. und Halbling. Wien um 1400. 



wenn sie stark mit Kupfer versetzt ist, ein blankes Aussehen, das aller- 
dings im Umlauf um so schneller verschwindet, je silberärmer die 
Legierung ist. Derartige Stücke wie die Kreditmünzen im römischen 
Kaiserreich seit Gallienus, deren Silberinhalt zuletzt bis auf zwei Hundert- 
teile ihres Gewichtes und weniger heruntergeht, die wenig besseren 
Piccoli oder Bagattini Venedigs zu Ende des Mittelalters, dio Soldi seit 
dem 16. Jahrh. u. dgl. werden in der Regel ihrem Aussehen nach für 
Kupfermünzen erklärt, obwohl sie in Wirklichkeit die letzten Erscheinungen 
einer heruntergekommenen Silbermünze sind. 

4. Das Weifssieden der Schrötlinge verursacht durch die Entfernung 
der Oxydschichte und die Abscheidung des Kupfers aus der Oberfläche 
eine Gewichtsverminderung des Schrödings, die bei den kleinen und 
schlechten Münzen des Mittelalters nicht unbedeutend war. Man rechnete 
z. B. in der Wiener Münze diesen Verlust ums Jahr 1400 schon bei 
Pfennigen die mehr als die Hälfte Silber enthielten, auf ein Sechsund- 
zwanzigstel des vorgeschriebenen Gewichtes. Die Erfahrungen, die man 
mit solchen und noch geringhaltigeren Münzen machte, führten dahin, 
dafs man das Weilsmachon der Silberplatten überhaupt aufgab und die 
Schrötlinge mit ihrer rauchgeschwärzten Oberfläche zur Prägung brachte. 
So kam also schwarze Münze: moneUt arymtom. arycntnm nignim in Um- 
lauf, in welchem sie sich bis gegen Ausgang des Mittelalters (§ 5, 3) erhielt. 

Fast noch eigentümlicher als die Legierung wirken die Verschieden- 
heiten im Stückelungs- und im Prägeverfahren auf die äufsere Erscheinung 
der Münze ein. Mit der Stückelung hängt die viereckige Gestalt der 



Digitized by Google 



68 



Kreter Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Schweizer Brakteaten (Fig. 48) und der sog. Vierschlng auf den süddeut- 
schen Geprägen des Mittelalters eng zusammen. In beiden Fällen hat der 
Wunsch, die Zahl der Abschroten zu vermindern, die man nur in ver- 
lustbringender Weise durch Umschmelzen wieder verwenden konnte, 
dazu geführt, dafs statt der runden eine eckige Stückelung vorgenommen 
wurde. Die Schrötlinge für die erwähnten Brakteaten wurden ohne 
weiters eckig, wie sie mit der Benehmschere aus dem papierdünnen 
Zain herausgeschnitten wurden, verinünzt, die Herstellung des Vier- 
schlages dagegen war eine Arbeit für sich, die von den Münzgesellen 
unmittelbar nach der Stückelung vorgenommen wurde, um die Ecken 
des Schrödings etwas auszurunden. Durch Hammerschläge auf den Rand 
des Schrödings wurde dieser niedergedrückt und breitgequetscht, während 
in der Mitte das Metall in der ursprünglichen Dicke als unregelmälsiges 
Viereck (qnurfratum sHpercusinn) erhaben zurüekhlieb (Fig. 49). 

Aufgekommen ist der 
in der Schweiz in der Mitte de 
hunderte. Die Münzen de 

Fig. 50. 
Buvit. Meiler 1829. 

Bischofs Theodorich TL (1041 — 1057) und die etwas jüngeren Gepräge 
des Steckborner Fundes weisen parallel zu den vier Seiten des Schröt- 
lings je 3, 4 und noch mehr staffeiförmig ansteigende Hammerspuren, 
die ein unregelmäfsig erhabenes Viereck freilassen, im übrigen aber die 
eckige Gestalt des Schrötlings nicht aufhoben. Im 12. Jahrb. wird dann 
der Vierschlag zur Ausrundung der Ecken üblich, wahrscheinlich zuerst 
in baverischen Münzstätten, von welchen er sich über viele süddeutsche 
Münzstätten verbreitete. Mit der verbesserten Münztechnik verschwindet 
der Vierschlag um das Jahr 1500 in Ost erreich und ein paar Jahrzehnte 
später auch in Bayern, dagegen lebte die Erinnerung an ihn als rein 
dekoratives Moment noch lange fort, indem das Münzbild der Pfennige 
in Osterreich bis zum Endo des 17. Jahrhunderts, bei den Hellern in 
Bayern sogar bis 1835 eine in den Stempel gegrabene rautenförmige Um- 
rahmung des Münzbildes zeigt (Fig. 50). 

Den gleichen Zweck, den der Vierschlag hatte, die Ausrundung 
des viereckig geschnittenen Schrötlings, hat man zuweilen auch durch 
Umschlagen der spitzen Ecken zu erreichen gesucht, ein Vorgang, den 
man vereinzelt bei den breiten Pfennigen im 12. Jahrb., häufiger jedoch 
an Elsässer Geprägen des 13. Jahrh. beobachten kann (Fig. 51). 

Vioi-schlag: Mader, Boitr. 11,98, meine Wiener Pfennige. W. N. Z. VI, VII, 
S. 6üfT., Nagl in W. N. 21 IV, S. 247; Grote. Das Quadraten supercusum. Bl. f. 
M/fr. Nr. 50, 53; die technische Krklilrunu für d:»n Vorfahren beim Vicrschlag lieferte 
Borne mann u.a. O., Nr. 254 (1901, Nr. 4), 8. 190. Die von ihm auf einfache Weise 
hor^ostfllten l'roben stimmen in ihrer Erscheinung völlig iiberein mit den S. 67, Fig. 49 




Google 



§ 10. Vierschlag, Mache der Münzen, Sonkungsverfahrcn 



69 



abgebildeten Schriitlingen der Wiener Münze mit Vierschlag. — Tr ach Hei, Trouvaiüe 
de Steckborn. LauBanne 1884. 

6. Die Prägewerkzeuge, von deren Beschaffenheit die sog. Mache 
(fabrique), das ist der Gesamteindruck, den eine Münze beim Beschauer 
hervorbringt, zumeist abhängt, bestehen, wie gesagt, aus den Prüge- 
stempelu und einer Vorrichtung, durch deren Druck die Stempel in den 
Schröding eingeprefst werden sollen. Die Prägestempel erhalten nach 
Art der Siegelstempel das Münzbild in umgekehrter Anordnung, beispiels- 
weise einen Kopf vertieft und zur Linken des Beschauers gekehrt, der 
auf der Münze erhaben und nach rechts gewandt erscheinen soll. Die 
Herstellung der Münzstompel erfolgt nun entweder ganz aus freier Hand 
durch Eingraben des Bildes und der Schrift mittels des Grabstichels 
oder durch Einschlagen von Punzen (poinron, pimzone), d. i. gehärteter 
Metallstücke, mit einer dem Münzbild genau entsprechenden Oberfläche, 
deren Abdruck im Stempel die gewünschte Form zurückläfst. Durch 
Verwendung von Punzen wird die Erzeugung von Münzstempeln um so 
mehr erleichtert und beschleunigt, je mehr Teile des Münzbildes mit 
Punzen gearbeitet werden können. Es unterliegt auch keinem Zweifel, 
dafs dies Hilfsmittel vom Altertum her bekannt war, und dafs ein gewisser 
Vorrat von Punzen schon im frühen Mittelalter zu den wesentlichen 
Geräten derjenigen Münzarheitor gehörte, welchen die Anfertigung der 
Münzstempel übertragen war, also der Eisenschneider oder Eisengraber, 
wie man diese im späteren Mittelalter nannte. Die Gestalt der Punzen 
richtete sich natürlich nach jenem Teile der Münzbilder, der mit ihrer 
Hilfe hergestellt werden sollte, und war ungemein mannigfach, vom ein- 
fachen Punkt, Strich, Ringel u. dgl. angefangen, bis zu vielfeldigen 
Wappen, oder mannigfachen Figuren. Durch wiederholtes Einsenken 
<einer oder mehrorer Punzen konnten demnach sowohl Buchstaben wie 
auch Münzbilder im Münzstempel erzeugt werden ; es genügten beispiels- 
weise schon fünf Punzen, eine mit dem Bildniskopf des Herrschers, zwei- 
erlei Halskrägen, einem Harnisch und einer Toga, für vier verschiedene 
Brustbilder. Da sich nun mit Hilfe des Grabstichels nicht zusammen- 
hängende Abdrücke verbinden und Teile ergänzen lassen, für welche 
keine Punze vorhanden war, so zeigen solche Stempel bei Wiederholungen 
desselben Bildes in der Regel mehr oder minder merkliche Abweichungen, 
•die sog. Stempelverschiedenheiten (Varianten). In neuerer Zeit hat man 
dies Senkungsverfahren, das, wie gesagt, in allen seinen Einzelheiten, 
das nachträgliche Härten der Stempel mit eingeschlossen, im Mittelalter 
schon bekannt war. dahin vervollkommnet, dafs vorerst das ganze Münz- 
bild als vertiefte Matrize hergestellt, von diesor im weichen Stahl eine 
erhabene Patrize abgenommen und diese dann gehärtet wird. Mit Hilfo 
einer solchen Patrize, die im Bedarfsfall durch neue Abschläge aus der 
Matrize vervielfältigt werden kann, werden durch Absenken im weichen 
Stahl die in allen ihren Einzelheiten haarscharf mit der ursprünglichen 
Matrize übereinstimmenden Prägestempel in beliebiger Menge erzeugt. 
Sie werden sodann auf den Durchmesser der Münze genau zugedroht 
und gehärtet, worauf sie gebrauchsfertig sind. 



Digitized by Google 



70 



Erster Teil. Allgemeine Müuzkunde. 



Die Feststellung, ob die Prägestempel einer gewissen Münze blofs 
aus freier Hand graviert oder aber unter Beihilfe von Punzen angefertigt 
wurden, kann unter Uniständen von Wichtigkeit sein. Kann nämlich 
in einem Falle der Nachweis geliefert werden, dafs die ganz gleichen 
Punzen auch für die Stempel einer andern Münze verwendet wurden, 
so ist damit ein örtlicher oder zeitlicher Zusammenhang zwischen beiden 
Geprägen wahrscheinlich gemacht und man wird, wenn die Zeit und 
die Herkunft des einen feststeht, danach auch die Zeit und Herkunft des 
andern annähernd bestimmen können. 

Alter des Scnkungsverfahren« V>ei Anfertigung von Münzstempeln : W. X. Z. 
XIV, 358, und Jordun in F. Münzzeitung I, .< 49 (1901/03). — h'irista italiaim di »um. 
VI, (1893^ 117; VII (1894) 344. Xach Stückelberg, 130, wurden zur Kaiserzeit in 
den rnininchen Münzstätten die Schriften mittels beweglicher 1-ettem aus gehärtetem 
Eisen in die Stempel eingeschlagen, auch für die Kaiserköpfe wurden Punzen verwendet. 
Markl, Über Herstellung der Prägestempel. W. X. Z. VIII. 243. Die Stempel selbst wurden 
(naeh Stückelberg) im Altertum aus gehärteter Bronze oder aus Eisen hergestellt, heutzu- 
tage aus weichem Stahl, der nachträglich gehärtet wird. — Die Münzstempel im histori- 
schen Museum zu Köln, die bis zur Mitte des 14. .lahrh. zurückreichen, zeigen durchwegs 
verstählte Oberfläche. Joseph, Paul in W. X. Z. XX, 92. — über Punzen a. a. O.. 
S. 153 ff. — Eine sehr frühe Erwähnung von Punzen in K. Friedrichs I. Bestätigung 
der Wormser Münzerfreiheiten vom Jahre 1165. der Münzmeister habe zu schicken 
wercklude und wem gezuge da mit man bilde off die pfeunige mache (Boos, 1". B. v. 
Worms I, 80). — Vortrag von Prof. Verworn über Punzen in der num. Ges. zu Berlin 
(1899), Z. f. N. XXII, Anh. 1 uud B. Mzbl. Xr. 222, Sp. 2573. — Menadier a. a. O., 
Nr. 176 (1895) und Deutsche Münzen IV, 5. — Jordan in F. Mzztg. 1904, S. 104. — 
Mlle. de Man in Tgdarhrift vor Muntkundc XII, S. 119 ff., Amsterdam 1904. 

7. Die Gestalt der Prägestempel hat im Laufe der Zeit sich geändert. 
Solange das Münzen mit dem Hammer geschah, also bis über die Hälfte 
des 16. Jahrh. herab, brauchte man einen feststehenden Unterstempel 
oder »Stock«, der als Ambofs diente, und einen beweglichon Oberstempel, 
schlechtweg -Eisen genannt. Sollten einseitige Pfennige geschlagen 
werden, was in Deutschland zu gewissen Zeiten üblich war, so konnte 
ein gewöhnlicher Schmiedeambols mit glatter Oberfläche den Stock er- 
setzen ; wurden jedoch zweiseitige Münzen geprägt, so enthielt der v Stock , 
der mit einem spitz auslaufenden Fortsatz in eine Unterlage eingelassen 
wurde, den Stempelschnitt der Rückseite. Der Oberstempel hingegen 
war am unteren Ende eines starken, 10—15 cm langen Eisens von walzen- 
förmiger oder einem Kcgclstutz entsprechender Gestalt angebracht, wurde 
von der linken Hand des Münzers gehalten und mutete für die Aus- 
prägung eines jeden Stückes auf den Schrötling neu aufgesetzt werden. 

Da die Hammerprägung mit einem festen und einem beliebig dreh- 
baren Stempel arbeitet, so liefert sie bei nicht genügender Sorgfalt leicht 
Stücke mit Doppelschlag, d. h. mit Verprägungen, die durch ein Rut- 
schen des Stempels unterm Schlag oder durch wiederholtes Aufsetzen 
desselben zur Nachbesserung undeutlicher Stellen entstehen. Aufserdem 
ist die Richtung, in welcher die Münzbilder auf beiden Seiten des Sehröt- 
lings erscheinen, nicht unveränderlich. Man hat sie zwar, wo man 
Sorgfalt auf die Prägung verwendete, in feste Beziehung zu bringen ver- 
sucht und darauf gesehen, dafs die Bilder zueinander entweder aufrecht 



gitized by Google 



§ 10. Pragewerkzenge. Stock und Eisen, Walzen, Taschen. 



71 



oder verkehrt standen; doch waren damit nur die Hauptriehtungen ge- 
gehen und kleine Abweichungen nach rechts oder links oft trotzdem 
unvermeidlich. Wo nun solche vorkommen oder geradezu Regellosigkeit 
herrscht, wird man aus dieser Beschaffenheit der Münzen auf Hammer- 
prägung schliefsen müssen. 

Andere Kennzeichen verraten die Walzenprägung ; die Münzbilder 
wurden auf zwei horizontal gestellte Stahlwalzen eingegraben, die durch 
Wasserkraft gegeneinander bew'egt auf den durchgezwängten Zainen 
während ihrer Umdrehung stellenweise das Gepräge hervortreten lassen. 
Die Zurichtung der Münzplatten entfällt also, es werden vielmehr die 
abgeprägten Münzbilder als fertige Münzen aus den Zainen herausge- 
schlagen. Die grofse Gewalt, die dazu erforderlich war, ist an den ab- 
geschrägten Münzrändern zu erkennen. Die Münzbilder trafen, sobald 
die Walzenpaare gut eingestellt waren, haarscharf aufeinander, der Schröt- 
ling aber zeigt eine leichte Wölbung, sofeme diese nicht durch Aus- 
hämmern zwischen zwei Bleiplatten später beseitigt wurde. 




Fi>f. 52. WrtPrrto Bilder. Fig. 53. 

WHlzenpriMning Parma. TuM-rHii|iraguiig. rngnrisrher Griechen 103. 



Ähnliche Merkmale findet man bei den mittels Taschenwerke her- 
gestellten Münzen, weil auch bei diesem die Prägung im Zaine erfolgte, 
der zwischen zwei ausgebauchten und mit dem vertieften Münzbild ver- 
sehenen Stahlklötzen, den Taschen, durchgezwängt wurde. Beiden ge- 
meinsam ist das Vorkommen von Fcilstrichen auf dem Rande, weil das 
Justieren dieser Stücke erst nach dem Herausstofsen des geprägten Stückes 
aus dem Münzzain durch Befeilen vorgenommen wurde. Ein drittes 
Merkmal, das man bei den mittels Walzen oder Taschen erzeugten 
Münzen bisweilen antrifft, ist das verzerrte Gepräge. Die Münzbilder 
durften nämlich auf den gekrümmten Flächen nicht kreisrund sein, 
sondern mufsten oval eingegraben werden, und zwar bei den Walzen in 
die Breite, bei den Taschen in die Höhe gezogen (Fig. 52, 53). Es galt also 
jedesmal zu berechnen, um wieviel die Zeichnung verkürzt oder verlän- 
gert werden müsse, um im Abdruck ein rundes Münzbild zu liefern; doch 
haben die Stempelschneider diese Aufgabe in den meisten Fällen richtig 
gelöst und nur selten Münzen mit ovalem Münzbilde verschuldet. 

Die Stofswerke und die neueren Prägemaschinen verwenden wieder 
Stempel mit ebenen Flächen, spannen jedoch beide fest ein, so dafs die 
Münzbilder bei jedem Prägevorgang in der gleichen Richtung aufeinander 
treffen. 

Fiala E., Der Prägestempel und seine Geschichte in Österreich :irn >Katalog 
der Münzen- und Medaillcnstenipcl-Sammlung des k. k. Haiiptmünzauites in Wien« 



Digitized by Google 



72 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



I, II, 1901/1902, S. 3 ff., Prachtwerk mit vielen Abbildungen). — Kip atlaaz az nrchaelo- 
giai közlemeni/rk. Pest 1861. Taf. II Münzstempel des Kg. Matthias Corvinus (f 1490) 
aus der Sammlung des Grafen Em. Andrassy. Die Länge von 7,5 cm, die Paul 
Joseph, W. N. Z. XIV, 98, alB durchschnittlich für das Obereisen annimmt, wäre an 
sich unzureichend, da es ja über die Mannerfaust des Münzen*, die man zum mindesten 
auf 8 cm veranschlagen mufs, emporragen mufste. Es wäre jedoch möglich, dafM derart 
kurze Eisen beim Gebrauch in ein fest anschließendes Verlängerungsstück eingepafst 
wurden. Eine sehr vereinzelte Erscheinung ist die Kölner Prägezange vom Jahre 1546, 
a. a. O., S. 99. - Vgl. noch X. Z. 1841, Nr. 19, 20; 1868, Nr. 5, Bp. 20: 1872, ffr. 14, 
S. 57. — Eine antike Prägemaschine. Z. f. X. V, 121; antike Münzstempcl : Koehne, 
B. Bl. II, 79, IV, 111, 350; V, 372, VI, 123. 

8. Abweichend von den beschriebenen Prägungsarten, die bei ein- und 
zweiseitigen Dichtmünzen zur Anwendung gelangten, war die Herstellung 
der als Brakteaten bezeichneten Hohlmünzen. Es ist noch unaufgeklärt, 
welchen Gründen die Einführung dieser Münzgattung zuzuschreiben ist, 
die von allen andern so sehr abweicht, dafs man ihr im 17. Jahrb. geradezu 

den Münzcharakter absprach und die aufgefundenen 
Brakteaten für Knopf Überzüge, versilberte Oblaten 
oder gar für Teufelswerk erklärte, das sorgfältig ver- 
nichtet werden müsse. Man wird wohl auf ein 
Zusammentreffen von verschiedenen Umständen 
schliefsen müssen, die zum Teil auf dem Gebiet 
der Münztechnik liegen, zum Teil auch mit der 
Ausgestaltung zusammenhängen, welche das Münz- 
regal bis gegen das 12. Jahrb. durch das Auf- 
Brrtkient Enbisrhofs Konrn.i kommen von Ortswährungen mit eigenem Münzbild 

von Mus.U-burs (11,4-114:.,. t . rfahmi lmtte (§ 2 7). 

Gehen wir von gesicherten Tatsachen aus, so ist der. Ursprung der 
deutschen Brakteaten in den Harzgegenden und Thüringen zu suchen. 
Wir treffen auf Brakteaten bis zu 40 mm Durchmesser und darüber, der 
Mainzer Erzbischöfe Adalbert II. (1137—1141), Mareolph (1141—1142), 
Heinrich (1142—1153), die zu Erfurt geprägt wurden. Wir kennen ferner 
solche von der Äbtistin Beatrix von Quedlinburg (1139 — 1106), der Bischöfe 
Rudolf (1136-1149) und Ulrich von Halberstadt (1149-1100), des Erz- 
bisehofs Konrad von Magdeburg (1134 1143, Fig. 54), der Thüringer 
Landgrafen sicher seit Ludwig II. (1140 — 1172, Fig. 19) usw., welche er- 
weisen, dafs die Brakteatenprägung zur Zeit Konig Konrads III. (1138 bis 
1152) schon in Übung war. Auf der andern Seite steht fest, dafs in 
Sachsen der Durchmesser der Pfennige bis über das Jahr 1100 hinaus 
19 20 mm betrug, dann aber im ersten Viertel des 12. Jahrb. rasch bis 
auf 26 mm anstieg, wie dies eine Vergleichung der Goslarer Gepräge 
Kaiser Heinrichs IV. (f 1105) und Kaiser Heinrichs V. (t 1125) dartut. 

Wir sieben dabei vor keiner vereinzelten Erscheinung, denn ein 
Blick auf Taf. 25 — 30 von Dannenbergs Kaisermünzen lehrt, dafs es in 
Naumburg. Merseburg, Quedlinburg, Wegeleben, Magdeburg nicht anders 
war. Am lehrreichsten indessen ist Halberstadt, wo man unter Bischof 
Reinhard (1100 — 1123) die ganze Entwickelung verfolgen kann, da dieser 
Kirchenfürst seine Ausmünzung von Pfennigen in der herkömmlichen 




Digitized by Google 



§ 10. Anfänge der Brakteatenprügung. 



73 



Gröfse (etwa 19 mm) begann, dieselbe aber im Verlaufseiner 17 jährigen 
Herrschaft bis auf 26 mm anwachsen liefs. Zur selben Zeit hatte man 
auch im Süden des Reichs den Ubergang zum gröfseren Durchmesser 
vollzogen, der in Norditalien und Hochburgund schon früher vorkam. 
Dio Münzen Bischof Hartwigs I. von Regensburg (1106 — 1126, Dannen- 
berg Taf. 87, Nr. 1714 ff.) mit 22 mm, dio etwas jüngeren, breiten Ge- 
präge des Kasinger und des Rakwitzer Fundes (Dannenberg, Taf. 89—92) 
mit 25 mm, die Münzen Bischof Rudolfs III. von Basel (26 mm) und der 
Äbte von St. Gallen (22 mm, Dannenberg, Taf. 84, 85, Nr. 977 a, 1686 ff.) 
seien als Beispiele angeführt. Wir stehen somit vor der Tatsache, dafs 
man nicht blofs am Harz und in Thüringen, sondern darüber hinaus in 
einem grofsen Teile des Reichs um das Jahr 1125 die Dichtmünzen mit 
kleinem Durchmesser verlassen hatte. Die Vergröfserung des Durch- 
messers konnte jedoch, da keine Erhöhung des Gewichtes gleichzeitig 
eintrat, nur auf Kosten der Dicke der Schrötlinge geschehen, und das 
hatte zur Folge, dafs das dünne Metallblech unter dem Drucke dos 
Münzhammers nach den beiden Seiten in die Vertiefungen der Stempel 




Flg. 55. Fig. f>6. 

*ok Halbbmkteat (Breitpfennig) Worms. Brukteat mit teilweise erhabenem, teilweise 

U. Heinrich II., 1192-1196. (FF. Mibl. 1901. vertieftem Hilde (Fund v. FTCCk leben ) 

8. 141). ArehlT B. I. 231. 



ausbauchte und dadurch die sicheren Umrisse des Münzbildes zerstörte. 
Um dein abzuhelfen, heifst es allgemein, habe man die Schrötlinge auf 
einer Bleiunterlage zuerst mit einem und nach Umkehrung auch mit dem 
zweiten Stempel geschlagen, bis man dieses Verfahren, da es doch keine 
befriedigenden Ergebnisse lieferte, endlich aufgab und unter abermaliger 
Vergröfserung des Schrödings zur Münzung mit einem einzigen Stempel, 
zur Brakteatenprägung überging. Mir scheint indessen die Annahme, 
dafs man diese dünnen, zweiseitigen Münzen, die man wenig glücklich als 
Halbbrakteaten bezeichnet (Fig. 55), auf so umständlich«« Weise erzeugt 
habe, nicht genügend begründet. Bei der Mehrzahl derselben dürfte die 
gleichzeitige Anwendung der meist flach geschnittenen Stempel hin- 
gereicht haben, um die unsicheren Geprägespuren hervorzurufen, die 
man auf beiden Seiten sieht, Was hingegen gewisse Münzen, wie jene 
des Erzbischofs Adalbert von Mainz, betrifft, die das Münzbild vertieft, 
die Umschrift erhaben zeigen, so hatte schon Mader erkannt, dafs sie 
nicht mit zwei verschiedenen Stempeln nacheinander, sondern durch einen 
Schlag mit einem absonderlich gestalteten Stempel erzeugt wurden, der 
das Gepräge zum Teil wie eine Punze erhaben, zum Teil versenkt 
hatte (Fig. 56). 



■ 



74 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Aus der Krofson Literatur über Brakteaten seien hervorgehoben: Mader, Ver- 
such über die Brakteaten I, II. Prag 1797, 1808. — Schlumberger, Lcs BracUatrs 
d'Allemagne. P. 1873, dazu die Bemerkungen von Dannonberg in Z. f. N. II, 101 
und v. Rai mann in W. X. Z. VI, VII, .S. 354. — v. Hofken, Archiv f. Brakteaten- 
künde, Bd. 1—4. W. 1885 ff., insbesondere die Einleitung zum 1. Bd. — Schone- 
mann, Zur vaterländischen Münzkunde. Wolfonbüttel 1852. — Köhler, Münz- 
belusti^ungen II, 297 ff. Aufser Kriechischon Silberuiünzen mit vertieftem Gepräge auf 
dickem Schröding (Sybaris, Posidonia, Metapont, Tarent, Siris, vgl. Annuaire III, Taf. 1, 
Nr. 19, 123) gibt es auch kleine Goldbrakteaten von Athen, die als Grabbeigaben ge- 
funden werden. Vgl. R. X. B. I I (1842), S. 364 und Taf XVI, Xr. 4. — Brakteaten mit 
teils erhabenem, teils vertieftem Gepräge: Mader, Versuch 11, 117; Posern Klett, 
Sachsens Münzen. I.. 1846, S. 161 ; v. Höf ken, I, 231, 324. Es gibt auch Dichtmtinzeu 
solcher Art : z. B. einen Meifsener Pfennig, s. Groschen kabinett, 12. Fach, Taf. IV, 45. 

— Auch die Annuaire III, Taf. I, Xr. 123 und bei Stückeiber«, 18, abgebildete Münzo 
von Siris und Pyxos (die übrigens mit zwei Stempeln geprägt wurde), zeigt teils erhabenes, 
teils vertieftes Gepräge auf der Rückseite. — Anfange derBrakteatenprägung: 
Allgemein wird das 4. Jahrzehnt des 12. Jahrh. für den Beginn angenommen. Mena- 
dier, Deutsche Münzen III, 31 (verlegt den Ursprung nach Magdeburg) ; Grote II, 492; 
Dannenberg in Z. f. X. XIV, Anh. 5. 

9. Solche Versuche, wie sie der Eisenschueider Erzbischof Adal- 
berts ersann, erweisen, dals mun, von der bisherigen Prägung unbefriedigt, 
nach Auswegen suchte, um ein deutliches Münzbild zu erhalten, und 
zeigen, wie man dabei unvermerkt zur Prägung mit einem einzigen 
Stempel gelangte. Allein die Anfertigung halb erhaben, halb in die 
Tiefe gearbeiteter Stempel stellte grofse Anforderungen an das technische 
Können des Eisenschneiders und lieferte doch nicht klare zweiseitige 
Gepräge, auf die man es abgesehen hatte. Es ist daher dieses Ver- 
fahren zu keiner Verbreitung gelangt und bald verlassen worden, dann 
aber zweit sich die weitere Entwickelung : in den Harzgegenden und in 
Thüringen vergröfserte und schwächte man die Schrötlinge noch mehr 
und ging zur Brakteatenprägung über, die nur einen, jedoch tief ge- 
schnittenen Stempel erforderte; in Bayern, am Rhein und teilweise auch 
in Schwaben hielt man an der Zweistempelprägung und ineist auch an 
dem etwas dickeren Schröding fest. Die Blechmünzen der Bischöfe Kon- 
rad von Augsburg (1150 — 1107, 24 mm, Fig. 57) und Worms (I, 1150 bis 
1171, oder II, 1171—1192. über 30 mm) seien als Beispiele genannt und 
auiserdem erwähnt, dals Herzog Heinrich der Löwe schöne Brakteaten 
in Braunschweig und Breitmünzen von 2t> mm Durchmesser in Bayern 
schlagen liefs. 

Xordisehe Zierbmkteaten : Salin, De nordiske Guhlbracbaterim. — Mcsatorf J., 
Ober Goldbrakteaten funde (41. Bor. des nchleswig-holstcin. Museums. Kiel, beide mir 
unzugänglich). — Grotcfend in Zeitschr. d. histor. Vor. f. Xiedersachsen. H. 1860. 

- - Atta* fnr nordisk Oldkyndighcd. Kopenhagen 1H57. T 1 — XII. Menadier, 

Deutsche Münzen III, 21* ff. : v. Hofken, Archiv III, 309 ff. — Xordisehe Goldbrak- 
teaten. welche sieb in den ruischriften auf K. Constans (v 350) u. dgl. beziehen, be- 
schreibt l.elcwel in Ii. X B. I (1842), S. 94 ff. dazu Tuf. II. — Vgl. auch Anm. zu § 4, 
4 : Ober die kunstgeschichtliche Bedeutung der bayerischen zweiseitigen Blechmünzen 
sielie die Arbeiten v. Bürkels in den Mitt. B. XVIII, XIX, XXI bis XXIII. 

10. Eine Würdigung der Bedeutung, die den Brakteaten vor allem 
in den ersten 70 Jahren nach ihrem Erscheinen als eine durchaus eigen- 
artige Äul'serung der deutschen Kunst im Mittelalter zukömmt, kann 



Digitized by Google 



§ 10. Ursache der Brakteatenprägunjj. 



75 



hier nicht geliefert werden, sie würde zu vielerlei ins einzelne gehende 
Untersuchungen erfordern; soviel dürfte indessen durch meine Dar- 
legungen klargestellt sein, dafs örtlich wirksame Ursachen, die heutzutage 
in ihren Einzelheiten noch nicht erforscht sind, zur Einhürgerung dieser 
sonderbaren Münze viel beigetragen haben. Sicherlich gehört darunter 
die Vorliebe für getriebene Schmucksachen, die in sehr alte Zeiten zurück- 
reicht. Selbst wenn wir von den getriebenen Zierblechen der sog. Hallstatt- 
periode absehen, bleiben die gar nicht so seltenen nordischen Goldbrak- 
teaten aus dem 4. — 6. Jahrh. unserer Zeitrechnung (Fig. 62), die gewifs 
keine Münze waren. In Deutschland haben die Goldschmiede brakteaten- 
förmige Erzeugnisse zu andern als zu Münzzwecken nachweislich seit dem 
10. Jahrh. hergestellt; ich verweise auf die silberne Schiefse mit «lern 
Kopf und Namen König Heinrichs 1. aus dem Funde von Klein-Roschar- 
den (Fig. 2), auf die Goldbullen Kaiser Heinrichs II. und seiner Nachfolger 
aus dem salischen Hause, auf einen Kupferbrakteaten mit dem Namen 



und Bilde König Heinrichs IV., auf die fünf Kupferbrakteaten mit dem 
Bildnisse Kaiser Ottos I. und der Umschrift HIERUSALEM V1SIO PACIS 
auf eine bei Dorpat gefundene liturgische Schüssel, die etwa der zweiten 
Hälfte des 12. Jahrh. angehört, usw. Es mag daher auch mehr als blofser 
Zufall sein, dafs gerade in Halberstadt, das so früh und so schöne Brak- 
teaten geprägt hat, diese Art Schmuck so beliebt war, dafs beispiels- 
weise die Bänder der uralten Mitra Nr. 136 des Domschatzes mit brak- 
teateuförmigen Zieraten benäht sind, die Christum am Kreuze zeigen 
(Fig. 61). Einmal vor die dankbare Aufgabe gestellt, welcho die Technik 
der Brakteatenprägung durch die Vergrölserung des Schrödings und 
gröfsere Bildsamkoit des dünnen Silbers darbot, sind die Eisengraber 
auch rasch zu künstlerischer Höhe emporgestiegen, während ihre Ge- 
nossen in Süddeiltschland, auf den schwierigeren Flachschnitt beschränkt, 
trotz mancher tüchtiger Leistung im einzelnen aus ihren Werken niemals 
die Anregung schöpfen konnten, welche der Anblick einer tadellos aus- 
gefallenen Arbeit gewährt. Die Blütezeit der Brakteaten dauerte übrigens 
nicht lange: schon Anfang des 13. Jahrh. begann der Verfall; die künst- 
lerische Ausstattung nimmt nun rasch ab. die Stücke werden zusehends 
kleiner und leichter, der Stempelschnitt immer roher, bis diese Technik 
endlich mit unscheinbaren * Hohlpfennigen im 16. und 17. Jahrh. ihr 
Ende erreichte (Fig. 58—60, 64). 




Augsburg Hreltpfeiiuig, Rnde 12. Juhrh 
Futnl von Huglfing 
(Archiv B. I, 172.) 



Fig. 53. Fig. 59. 

Moritzpfennig, desgleichen Hftlbling 
Magdeburg, 11. Jahrb. 
An h. Ii. 1. 172, Kund v. Ascherslebeu.» 



Fig 60. 
Hemer Hohl- 
pfennig v. J. 

154U. 



Digitized by Google 



76 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 




Fig. 61. Zierbrokteat. 
Domschatz «u Halborstadt. 



6 BraktentenBtpmpel wurden von mir beschrieben und abgebildet in W. X. Z. XIII. 
Der Stempel von Ilaverbierg bei Menadier, Deutsche Münzen III, 29 ff. Dazu 
kommen noch 6 Stempel in Stockform und zwar 4 zu Jena, je 1 zu Nordhausen 
und Quedlinburg. — Stückelberg, S. 18. 130; Halke, Einleitung S. 101; Bl. f. 
M/.tr. Nr. 179 und 2G9 (1902, Nr. 7); Z f. N. IX, Anh. 10, 24. — Düning in Archiv 
B. 1, 367. 

11. Wie über die Entstehung, so sind 
auch über die Technik der Brakteatenprägung 
die Ansichten keineswegs geklärt. In den An- 
fang des lfl. Jahrh. reicht die Behauptung zu- 
rück, dafs man die Brakteaten mit Holzstempeln 
geprägt habe, der seither <>h widersprochen 
wurde und die trotzdem ein Körnchen Wahr- 
heit enthalten dürfte. Versuche mit Metall- 
Stempeln und Blei, Leder oder Filz als Unter- 
lage, die Oberpostrat Halke im Jahre 1881 
machte, sollen vorzüglich gelungene Nachbil- 
dungen von Brakteaten ergeben haben. Ahn- 
lich denkt sich auch v. Höfken die Anfertigung: der Schrötling, sagt er 
wurde auf eine Unterlage von Leder oder Filz u. dgl. gelegt und der 
mit einer Handhabe versehene Stempel mittels eines kräftigen Hammer- 
schlages in denselben eingetrieben, während Stückelberg den umge- 
kehrten Vorgang annimmt. Der konkave Stempel, sagt dieser, wurde 
in einen Klotz eingerammt und das dünne Münzblech in denselben hinein- 
getrieben. Keine dieser Ansichten ist als falsch schlechtweg abzuweisen, 
keine von ihnen reicht aber für sich allein hin, um die Brakteaten- 
technik zu erklären, welche, wie Menadier trefflich hervorgehoben hat, 
keineswegs eine Erzeugung der Münzprägung ist, 
sondern schon Jahrhunderte vorher von Gold- 
schmieden geübt wurde. Ein Blick auf die we- 
nigen Geräte zur Erzeugung von Brakteaten, die 
uns erhalten sind, zeigt, dafs es mindestens drei 
verschiedene Arten der Herstellung gegeben haben 
muls; zwei Stempel, die aus Dänemark und Ungarn 
stammen, weichen von der üblichen Gestalt der 
Prägestempel vollständig ab und sind eigentlich Fig ö2 . 

Plättchen aus Kupfer oder Bronze von 2 bis 3 mm zicrt>rakt<>at. nordischer. 
Dicke, auf welchen beiderseits das Bild des Brak- Kgl »«»■*•*»•« 
teaten vertieft erscheint. Mit solchen Platten konnte 
überhaupt keine Prägung vorgenommen werden, da der über das Münz- 
bild vorragende Teil dem hinderlich gewesen wäre, wohl aber konnten 
sie als Stanzen dienen, in welche der rundgeschnittene Schrötling hinein- 
getrieben wurde. Von den übrigen Brakteatenstempeln, die ich kenne, 
sind zwei (15. oder In'. Jahrh.) als Oberstempel oder Eisen«, neun (13. 
bis 15. Jahrh.) als Unterstempel oder Stock gearbeitet (Fig. 63). Die 
erstgenannten erforderten bei der Prägung eine Unterlage von Blei, 
Leder, Filz oder weichem Holz, welche beim Sehlage auf das Obereisen 
dort nachgab, wo sie von der Fläche des Stempels getroffen wurde, 




Digitized by Google 



§ 10. Technik der Braktcatcnprägung. 



77 




ad N! 5. 

Fig. es. 

Durchschnitt des Zü- 
richer Braktefttcnstem- 
pell W. N. Z. Xm 
(1881), S. 




Fi K . 64. 

Züricher Pfennig. Das Münxbllcl 
stimmt mit Jenem des neben- 
stehenden Stemels größten- 
teils ühereln. Arch. B. III, T. .13. 



anderseits aber genügende Festigkeit hatte, um den Schröding in das 
vertiefte Münzbild hineinzudrücken. War hingegen der Brakteatenstempel 
als Stock eingerichtet, so bedurfte es umgekehrt einer entsprechenden 
nachgiebigen Auflage, um den Schröding von oben in die Vertiefungen 
des Stempels hineinzutreiben. In einzelnen Fällen mag ein entsprechend 
schwerer Holzschlegel diesen Zweck erfüllt haben, wahrscheinlicher war 
aber die in einer Miniatur der Kuttenberger Bibel angedeutete Präge- 
weise verbreiteter. Auf dieser wird das Eintreiben des Schrödings in 
die Vertiefungen des Stockes durch einen aufgesetzten, mit brauner Farbe 
bemalten, also hölzernen Zylinder besorgt, auf welchen der Schlag mit 
dem Fäustel geführt wurde. 

12. Dem Stoffe nach sind 
die erhaltenen Stempel meist 
von Eisen, seltener von Bronze 
oder Kupfer, und es steht 
aufser Zweifel, dafs zur Her- 
stellung schöner und kunst- 
voller Brakteaten immer Me- 
tallstompel verwendet wurden. 
Dagegen halte ich es nicht für 

ausgeschlossen, dafs die spätem, ungemein rohen Brakteaten aus Meifsen 
mit Holzstempeln erzeugt wurden. Mich bestimmt zu dieser Annahme 
nicht blofs meine durch eigene Versuche bestätigte Erfahrung, dafs 
Stempel aus hartem, trockenem Holz hinlänglich Festigkeit besitzen, um 
die Prägung einer gröfseren Anzahl dünner Silberschrötlinge zuzulassen, 
sondern auch der plumpe, von der früheren Zierlichkeit ganz abweichende 
Charakter der Zeichnung wie der Buchstaben auf diesen Brakteaten. Ent- 
scheidend vor allem ist mir die Beschaffenheit ihrer Oberfläche, welche 
nicht glatt, wie bei Anwendung von Metallstempeln, sondern immer 
grieselig ist, und durch diese Spuren die Holzporen des über Hirn zu- 
geschnittenen Stempels verrät. 

Die Zahl der Münzgeräte, die sich vom Mittelalter her erhalten 
haben, ist verhältnismäfsig grofs, obwohl in manchen Münzstätten das 
Zerbrochen der Münzstempol der Einziehung der Münze alljährlich vor- 
angehen sollte, um Mifsbrauch zu verhüten. Ihre Gestalt und Beschaffen- 
heit ist namentlich aus den Verzeichnissen der in den Stempelarchiven 
grofser Münzstätten noch vorhandener Stempel zu ersehen, welche in 
ziemlicher Anzahl und zum Teil auch mit trefflichen Abbildungen aus- 
gestattet schon veröffentlicht sind. In zweiter Linie sind dann alte Ab- 
bildungen, welche Münzvorgänge schildern, heranzuziehen. Sie finden 
sich vereinzelt auf Münzen und Medaillen, auf Siegeln, als Holzschnitte 
und Kupferstiche, im Mittelalter als Miniaturen und selbst als Glasma- 
lereien. 

Die rauhe Oberfläche der erwähnten rohen Brakteaten aus Meifsen haben einige 
auf die Verwendung gegossener Prägestempel zurückgeführt, doch ist eine solche 
wenig wahrscheinlich. I>urch (iufs entstehen gewöhnlich nur vereinzelte («ufsblasen, 
während die Oberfläche jener Brakteaten mit feinen Unebenheiten übersät ist, aufser- 



Digitized by Google 



78 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 




Fig. 65. 

.leton «les Miiruunelstoin M. K. zu 
Eiüleheo 1660. 
(Ni'iimiinn V. 31, 512.) 



dem würden gegossene St<?mp**l von der erforderlichen Gröfse unter dem Hamuier- 
schlag leicht splittern, ein Urnntand, auf den mich Herr Hofjuwelier Apell in Erfurt 

aufmerksam machte, der in dieser Erage als Gold- 
schmied und Sammler doppelt Fachmann ißt. 

Beschreibung von Münzucniten s. Noten zu 
Absatz 7; ferner: Crespcllani Arscnio, Conii e 
pnnzoni numisniatici tfella R. biblioteca Estense. 
Modena 1887. — Porti o 1 i AU., La cotlezionc de' 
conii del civico museo di Mantova. Man: na 1871. 
— Piot Ch., Catalogue du Depot de. coins, poinrons 
et niatrices de* nionnaics. etc. appartenant a l'etat. 
lir. 1861. — Catalogue des coins du cabinet de la 
monnaye rogale den mälailles. P. 1817. — Sal- 
danho J. de, Catalogo dos ponca-s matriges e runhos de moeda esistentes na casa da 
nmeda. Lissabon 1873. 

Das Zerbrechen aufser < leurauch gesetzter Münzstempel war Vorschrift in Mer- 
seburg: In die assumptionia ferrum Habens impressionem secabitur et frangetur. sabato 
post diem Laurent» interdicentur denarii usw. Verträge von 1255 und 1273 bei 
Posern Klett, Sachsens Münzen d. M. A. L. 1846, S. 368/69. Stompelverschieden- 
betten und Prägestempel verbrauch: Num. sphr. A. 1875, Nr. 10, 1876, Nr. 2, 1877 Nr. 4. 
F. Mzztg. I, S. 50. Die Zahl der Stempelverschiedenhciten erreichte im Mittelalter un- 
glaubliche Zahlen. Der grofse Münzfund von Richard Puszta, der ins Kgl. National- 
muscum zu Budapest gelangte, enthielt etwa 20000 Stück des bei Hupp, Nnmi 
Hungaria- 1841, Taf. III, Nr. 77 ahgehildeten und Kg. Bela 11. (1131—1141) beigelegten 
Pfennigs mit rund 2000 Stempelvorschiedenheiten ! Von einem Gepräge, dcB weiter 
nicht bekannten walachischen Woiwodon Petrus um 1420) besitzt Herr C. F. Nubcr 
in Esset: aus einem Funde an 400 Stempelvorscliicdenheiten. 

Invoutare dos Münzhauses zu Bourges von 1561 und 1577: R. N. IV, t. 4 (1900), 
S. 235. Abhildungen : Siegel der Kuttenberger Münzer. Mittl. d. num. Ges. in Berlin II, 
1850, S. 133. W. N. Z. XIII, Taf. IV mit Abbildungen von Kuttenberger Münzern nach 
Initialen der sog. Hufsbibel. — Stückclberg 135/136. — Bl. f. Mrfr. 1904, Nr. 3. 



§ 11. Die Einriehtuiifr des Mttnz betriebe*. 

1. Die Art der Ausmünzung hat vom Mittelalter her Ins zur Gegen 
wart die ganze Entwicklung vom kleinen unsteten Wandergewerbe, das 
nach Bedarf bald da, bald dort seine 
Werkstätte aufsehlug, bis zum zentra- 
lisierten Grofsbetriebc an wenigen festen 
Stätten durchgemacht. Die ersten Mün- 
zer in Frankreich waren wohl auf ihrem 
Posten verbliebeno römische ofßcinatores, 
kaiserliehe Freigelassene und Sklaven, 
unter der Leitung des Exactor tmri, ar- 
genti et aeris und der Probateres als En- 
terbeamten. Die Merowinger scheinen 
anders als die Hurgunder- und die Goten- 
konige — auf die hoheitsreehtliche Seite 
des Münzwesens meist weniger Wert 
gelegt zu haben, da Münzen mit ihrem 
Namen anfänglich gar nicht, später nur 
unregelmälsig vorkommen. So kann es 
nicht wundernehmen, dafs die fräheivn //f z ^ 




KJff 66. 

Abbildungen von Münrwerkzetij?en. 

Schwedische ftewandsiMDge, XIII. Jnhrh. 
Hl. f. M/fr. IsKM, Nr. 3. 



Digitized by Google 



§ 10. Mttnzgertite. § 11. Einrichtungen des Münzbetrieb». 



79 



Einrichtungen verfielen und dafs die Ausmünzung in Frankreich nahezu 
zu einem staatlich beaufsichtigten Privatgewerbe herabkam. Anknüpfungs- 
punkte zu solchem Übergang waren ja im sinkenden Römerreiche selbst 
vorhanden, dessen elende Münzzustände seit dem 4. Jahrb. in immer 
steigendem Mafse die Verwenung gestempelter Motallbarren statt der 
Münze begünstigten. Die Herstellung dieser Barren konnte sowohl in 
kaiserlichen Münzämtern als durch Private geschehen; im ersten Falle 
erhielt der Barren, wie die bekannten Fundstüeke ausweisen, aufser der 
durch den Namen des Münzvorstandes beglaubigten Feinhaltsbestätigung 
meist auch den Namen der Münzstätte, mitunter noch andere Beglau- 
bigungsstempel, im zweiten Falle fehlt die Feingehaltsbezeichnung und 
wird nur der Name des Eigentümers oder Leiters der Privatanstalt ge- 
nannt, in der die Barren gegossen wurden. So tritt dem OF. PR1- 
MVS. TR. PVS. PI = ofßrinntor primm Treveronm pusulati (sc. argenti) 
pfando) I auf den amtlichen Silberharren das EX OF ( kina) FL. HO- 
NORINI oder ex ofßcina Fl. Ciirmissi und ex ofßcina Pafiicii u. ä. 
auf Privatbarren entgegen. Dafs diese Ofßnnae, unsern Privat -Silber- 
scheideanstalten ähnlich, mit denselben technischen Einrichtungen wie 
die Münzstätten versehen waren, lehrt ein Blick auf die äufsere und 
innere Beschaffenheit ihrer Erzeugnisse ihre Barren zeigen genau die- 
selbe eigentümlich geschweifte Gestalt wie die ämtlichen, sind also dureh 
Eingufs in gleiche Hohlformen hergestellt ; sie sind gleichfalls auf das 
römische Pfund justiert und im Feingehalt nur unbedeutend geringer. 
Einrichtungen zur Münzprägung waren demnach in diesen Privatanstalten 
schon vorhanden oder konnten bei Bedarf in kürzester Zeit beschafft 
werden, an dem es schon im römischen Reiche nicht fehlte, da hier das 
Recht der Kupferprägung im 4. Jahrb. zeitweilig einzelnen Privatpersonen 
zugestanden wurde. Erwägt man dies alles, so wird man bei den Auf- 
schriften fränkischer Goldmünzen DE OFFICINA MAVRENTI (mit dem 
Monogramm Childeberts I, 511 —558) oder VIENNA DE OFFICINA 
LAVRENT1 (mit dem Bilde des Mauritius Tiberius, 582—602) zur An- 
nahme gedrängt, dafs im Frankenreich schon im 6. Jahrh. die Aus- 
münzung auch Privatanstalten überlassen wurde. Die Nennung ihrer 
Inhaber auf den Münzen hat geradeso deren Haftung für die Vollwertig- 
keit der hier hergestellten Gepräge bedeutet, wie die früher genannten 
Curmissus, Honorinus usw. für die von ihnen gezeichneten Silberbarren 
einzustehen hatten. 

Eheberg, 97 ff. Die MünzerhausgenoSBen von Spoier, «. Zeitschr. f. <ieschichte 
d. Oberrheins, 32. Bd. (1880), S. 441—480. — Soetbeer in Forschungen I, 563; II, 295; 
Engel -So r rare, MA. I, S. 54 ff. — Römische Goldbarren, Ken nur in \V. N. Z. XX, 
19 ff. m. Abbild. — Römische Silberbarren : II. Willers in W. N. Z. XXX, 211 ff., XXXI, 

35, 367 ff. mit Abbild.; \V. N. M. I, S. 218. — Über die römischen ofßi -hmtores und die 
Privatpersonen zugestandene Kupferpräimng, die ein k. Reskript vom Jahre 393 be- 
seitigte: Mommsen, S. 747-71H. — Römische Münzpächterinschriften, Z. f. N. XIV, 

36. — Stflckelberir 135. Die Zahl der Münzstatten hat überall vom Mittelalter her 
ptark abgenommen. Im Umfang des Königreichs I'reulVen vor 18»>6 wurde soit dem 
Mittelalter in 309 Stitdten und Flecken gemünzt, seit 1*50 nur noch in Berlin. In 
In Frankreich waren von 43 Reitierunirsmünzstattoti im Jahre 1S«>8 nur noch 3 übrig. 
Mit«, d. num. Ges. Berlin II, 140: Koehne, Ii. IM. IV, 300 und 91. 



Digitized by Google 



80 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



2. Das römische Reich befriedigte seinen Münzbedarf, nachdem 
unter Diokletian die letzten lokalen Münzstätten geschlossen waren, in 
etwa 20 Reichsmünzstätten, die über Europa, Nordafrika und Westasien 
verteilt waren und, wenn auch nicht alle zu gleicher Zeit, gewöhnlich 
lange Jahre tätig blieben. Es waren grofse Staatsmanufakturen , die 
nach Bedarf in Unterabteilungen (ofßcinae) von großer Selbständigkeit 
zerfielen. Denn jede dieser ofßcinae, deren es drei, vier und mehr in 
einer Münzstadt geben konnte, hatte ihre eigene Arbeiterschaft und 
haftete für die Güte ihrer Erzeugnisse, weshalb sie auch ein eigenes 
Münzbild verwendete oder doch ihr Unterscheidungsmerkmal beisetzte. 
Wie ausgedehnt der Betrieb war, wie zahlreich die Beschäftigten, erfahren 
wir aus den Nachrichten über den Aufstand der römischen Münzer unter 
Kaiser Aurelian, der 7000 Menschen das Leben kostete und zu dessen 
Unterdrückung die in Rom befindlichen Truppen nicht ausreichten. 
Stellen wir diesem Grofsbetrieb, der für Spanien und Gallien mit 3 bis 
5 Münzstätten auskam, die Einrichtungen gegenüber, die sich hier in 
den ersten Jahrhunderten der germanischen Reiche zeigen, so müssen 
wir schon aus der übergrofsen Zahl von Münzstätten — wir kennen 
jetzt schon 61 westgotischo und bei 800 Münzorte im Frankenreieh und 
die Funde bringen noch immer Zuwachs — auf grofse Veränderungen 
im Münzwesen schliefsen. 

Romische Münzstätten des späteren Kaiserreichs: Enpel-Serrure, Traite 
MA. I, 12; M üller, Deutsche Münzgeschichte I, 213 ff.; Verzeichnis der west>jotischen 
und merowingischori bei Eu^ol Scrrure I, fiO, 118— 14f; Blnnchet, Manuel II, 271 
und I, 42 — 100. — Maurice Pro u, Monnaies merovingiennas Iniroduetwn. P. 1892 
auch in R. X. 1888. 542 ff. — Münzstätten der Karolinger: Blanchet I, 107 ff. ; 
Engel Scrrure I, 237. — Ein Verzeichnis der 1)4 Münzstätten, die Karl der Kahle 
benutzte s. Bulletin ilnisucl de »um. von R. Sorrure III, 1883—1884, S. 37. 

3. Um diese gewifs auffällige Vermehrung der Münzorte zu erklären, 
nimmt Soetbeer an, dafs etwa, was später unzähligemal vorkam: die 
gleichzeitige Verleihung des Markt-, Zoll- und Münzrechts für eine ein- 
zelne Ortschaft, — eine Einrichtung sei, die ihren Ursprung bereits im 
merowingischen Zeitalter habe. Die Bewilligung eines Marktes gab Ge- 
legenheit zur Erhebung von Zöllen, und um die zur Entrichtung der 
Zölle und vielleicht zur Erleichterung der Umsätze unter den Geschäfts- 
leuten verlangte Münzsortc anzuschaffen, meint Soetbeer. mufste eine 
Münzanstalt und damit verbundene Wechselbank vorhanden sein. Dieser 
Ansicht, die stillschweigend von der Voraussetzung ausgeht, dafs Markt, 
Münze und Zoll schon in der Merowingerzeit Regal des Königs ge- 
wesen seien, hat, was die Märkte anbelangt, Rietschels Nachweis, dafs 
die Anlegung der Märkte in jener Zeit Ausflufs der Grundherrlichkeit 
war, den Boden entzogen; aufserdem kann aus den Müuzaufschrifton 
der Beweis erbracht werden, dafs mitunter an Orten gemünzt wurde, 
an welchen es keinerlei bleibende Ansiedlung gab. Nicht einmal der 
Ausdruck Ciciln.< bietet volle Sicherheit dafür, dafs die Münze in der 
Stadt selbst geschlagen wurde, da er auch Stadtgebiet bedeuten kann 
und nachweislich in diesem Sinne auf Münzen erscheint, wie beispielsweise 



Digitized by Google 



§ 11. Münzstätten im Römer- and im Frankenreiche. 



81 



auf dem Triens mit CANNACO IN RVTENE CIVE(tate), der in Cannac, 
einem Dorfe etwa 30 km südlieh von Rodez entstand. Kaum viel anders 
dürfte es sich mit jenen Stücken verhalten, die nur eine Gaubezeichnung 
tragen : ALEXIA PAGO, CAMBORTESE PAGO, REMENSE PAGO usw. 
Vollends zur Gewifsheit erhoben wird die Ausmünzung als Wandergewerbe 
durch Stücke, welche ihrer Aufschrift nach gelegentlich der Gerichts- 
verhandlungen entstanden sind, z. B. MALLO AHL AVIS, MALLÖ 
MANRIACO oder MALLO MARTIRIACO usw. 

Neben solch wandernden Münzstätten, die besonders in Mittel- und 
Nordfrankreich vorkommen, gab es auch bleibend eingerichtete Anstalten, 
deren Nachweis im einzelnen Falle dann möglich ist, wenn uns, wie bei- 
spielsweise für Chalons sur Säone odor Limoges, Gepräge eines Ortes 
mit dein Namen mehrerer Frankenkönige und zahlreicher Münzmeister 
bekannt sind. 

Kietschc) S-, Markt und Stadt. S. 13. — 1-onpon Au£., Geographie de la 
Gaule au VI" sihle. P. 1878; Ton ton d'Amöcourt, Essai nur la numismatique nu-ro- 
vingienne comparte a la Geographie de Gregoire de Tours. P. 1864. — Im Annuaire IV, 
37 (1873), weint derselbe für Chalons sur Saöne 155 Gepräge von den Königen Thso- 
debert, Chlotar I., dem Bischor Stephan und 34 MünzmeiHtem aus der Zeit von etwa 
540—640 nach. — Wundernde Münzstätten . In Feldlagern. Karabaeek in W. X. M. I, 
Nr. 44, S. 177; Bnsson in W. N. Z. XIII, 393. Übrigen» gab es bei den französischen 
Münzern eine alte Überliefcrunjr, zur Zeit der Karolinger hätten die Münzer die Könige 
in« Feldlager begleitet und in den eroberten Städten jremünzt. Grote, Münzstud. VHJ, 
316, dazu Blanchet, Manud I, 105. 

4. Über die Stellung der Münzmeister unter den Merowingern 
bietet uns die Lebensbeschreibung des hl. Eligius, — leider nur in 
einer Überarbeitung aus karolingischer Zeit erhalten — , wertvolle An- 
gaben. Der aus einer romanischen Familie stammende Eligius wurde 
in seiner Jugend zu dem angesehenen Goldschmiede Abbo in die Lehre 
gegeben, qui eo tempore in itrbe Lrmovicina pnblicam fiscal is monetae offi- 
cinam gerohat; dafs dio königliche Münzstätte zu Limoges längere Zeit 
tätig war, lehrt die Liste von 8 bis 10 Münzmeistern, deren Gepräge 
uns erhalten sind (jenen Abbo nicht miteingerechnet, von dem bisher 
nur Stücke aus Chalons sur Saöne bekannt sind), sowie die Nennung 
König Dagoberts auf einem dieser Stücke, unter welchem der hl. Eligius 
die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte. Es gab jedoch zu Limoges 
im Gegensatz zur publica fiscalis moneta zeitweise auch Ausmünzuugen 
für Rechnung Privater, wie Goldstücke der Münzmeister Marinianus und 
Domulfus mit Aufschriften wie LEMOVIX RATIO ECLISIAE, MARI- 
NIANO MONETA (rio) u. ä. erweisen. 

Vita Kligii episcopi Noviamagensis : Mon. Germ. hi«t. Ss. ror. MerovingiearuinlV, 
S. 634 ff. — Prou M., Monaies merovingienttc», P. 1802, Introduction c. 5. 

5. Eine Vermünzung auf Rechnung Privater kann auch heutzutage, 
soweit die Prägung freigegeben ist, stattfinden. Der einzelne liefert den 
Münzstoff an die öffentliche Anstalt und erhalt im gleichen Betrag nach 
Abzug des Schlagschatzes nach seiner Wahl Hartgeld oder Handels- 
münzen mit staatlichem Gepräge. Die Nennung desjenigen, auf dessen 
Rechnung das Geld geprägt wurde, mufs jedoch in merowingiseher Zeit 

Luscbin, Numismatik. 



Digitized by Google 



82 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



eino besondere Bedeutung haben, da es neben ratio axlesiae, ratio monas- 
terii, ratio basilici, auch Stücke mit ratio fi$t-i oder ratio Domini gibt, 
von Aufschriften wie IN PALATIO oder PALATI MON(ETA) oder IN 
SCOLA FIT, IN PALACK) FIT zu schweigen. Auch hier bietet uns 
die Lebensbeschreibung des hl. Eligius die Erklärung. Im 15. Kapitel 
des 1. Buches ist von einer Steuereinhebung im Gau von Limoges die 
Rede, und wir erfahren, dafs die eingezahlten Beträge nicht sofort an 
den König abgeliefert, sondern über Anordnung des königlichen llaus- 
beamten vorerst durch den Münzmeister im Schmelzofen geläutert wurden, 
ut iiixta ritam purisshnns atqne rutilns aidae regln praesentaretur metallm. 
Dieser Vorgang also ist etwas Herkömmliches und könnte wie so manches 
im Frankenreiche mit römischen Einrichtungen zusammenhängen, etwa 
mit der im Kodex Theodosianus (XII, Tit. 7. 1. 3) überlieferten Verord- 
nung der Kaisor Valentinian I. und Valens vom Jahre 3(57, welche das 
Einschmelzen der eingehobenen Steuerbeträge an Ort und Stelle und 
Ablieferung des daraus gewonnenen Feingolds an die kaiserliche Kasse 
verfügt. Üb nun das Gold sofort bei der Läuterung, oder ob es erst 
nach der Ablieferung im königlichen Palatium vermünzt wurde, darüber 
spricht sich die Vita nicht aus. Soetbeer (a. a. (). II, 298) nimmt das 
zweite an, weil er den Wanderbetrieb der Münze überhaupt bestreitet; 
wahrscheinlich war jedoch die Vermünzung in der Regel mit dem Um- 
schmelzen verbunden, weil man dabei Zeit und Arbeit sparen konnte. 
Auch ist ein Umlauf von Goldbarren, wie er im sinkenden Römerreiche 
vorkam, für die Zeit der Merowinger nicht bezeugt, und es gibt außer- 
dem Gepräge mit der Aufschrift RACIO FlS(ci) und einem Ortsnamen, 
z. B. REDONIS (Reimes), die sich in anderer Weise kaum erklären lassen. 

Dahn, Könige der Germanen. K. 180. VII, 3. Aufl., S. 99 ff., VIII, 3. Aufl., 
S. HM. Brunner, Deutsche Rcehtsgeschichte. I..*1892, II, $ 75, S. 117 ff., $90, 
S. 233. — Dannenberg in B. Mzbl. W. 229, Sj>. 2086 nieint, dafs die merowinjrischen 
MünrmeiKter gleichzeitig mit der staatlichen Steuerverwaltun^ betraut waren. 

6. Die vielen hundert monetarii, deren Namen auf merowingischen 
Münzen erhalten sind, waren vermögende Leute und oft Pächter könig- 
licher Einkünfte, sie müssen von untergeordneten Münzarbeitern, über deren 
Stellung wir keine Kunde haben, wohl unterschieden werden. Etwa 4 / : > 
der überlieferten Namensformen lüfst auf germanische Herkunft schliefsen, 
die übrigen verraten keltischen oder romanischen Ursprung; auch scheint 
es nicht ausgeschlossen, dafs hie und da Juden die Münzmeisterschaft 
erlangten. Der technischen Fertigkeiten wegen gingen die Münzmeister 
wohl meist aus der Reihe der Goldschmiede hervor, deren Gewerbe sie 
neben der Münzmeisterschaft fortbetreiben konnten, wie anderseits der 
hl. Eligius diese beibehielt, als er Bischof zu Nyon geworden war. 

Zu einer völligen Auslieferung des Münzwesens an Private, die 
einige Schriftsteller annehmen, ist es unter den Merowingern nicht 
gekommen; die Münzmeister, die auch in Unterordnung von einem 
mi>Hrtarin.i pro<><ipuas oder prima,? stellen konnten. Titel, die sich ein 
gewisser ß'U» auf den von ihm zu St. Remy geschlagenen Münzen bei- 
legt, waren als Vorstande einer offu 'nta pithfica fiw.nl t* mouefae königliche 



Digitized by Google 



§11. Münzeinrichtungen unter den Merowingern. 



83 



Beamte und an die königlichen Münzvorschriften gebunden, die sicherlich 
im ganzen gut eingehalten wurden. Man ersieht dies daraus, weil das 
Münzwesen zur Zeit der Merowinger trotz der Unzahl von Münzstätten 
nicht jene Zerfahrenheit aufweist, die sich erst vom 10. und 11. Jahrh. 
an unter dem Einflufs des Lehenswesens herausgebildet hat. Sie arbei- 
teten auf ihren Wanderungen, wie die Münzaufschriften lehren, allein 
oder in Gesellschaft bald hier bald dort, indem sie einmal die vom König, 
ein andermal die von Kirchen oder Grundherren eingehobonen Geld- 
zinse gegen den gebührenden Schlagschatz einschmolzen, läuterten und 
mit dem Namen des Empfängers versahen : Ratio ßsci, ratio hasiliri, ratio 
eedesiae, ratio monashrii usw. Die Beisetzung ihres Namens war Haftung 
für die Güte der verfertigten Münze, während die Angabe des Prägeortes 
die Überwachung erleichtern sollte, ob die an einem bestimmten Orte 







Fl*. 67 

BoUdtU mit dem Bil<le Kg. Theudebert* 
(534 548). 



Fip. 68. 

Trions des Miinimeisters Madelinus um 6'M) 
zu Wyk bei Himstedt geschlagen 



fälligen Einkünfte jeweilig in vollem Umfang hereingebracht wurden. 
Die Nennung dos Herrschers auf Münzen, die unter den Söhnen Chlodwigs 
aufkam, hatte unter Theodebert I. (534 — 548) staatsrechtliche Bedeutung, 
der durch seine Goldstücke den Anspruch des byzantinischen Kaisers auf 
ausschlief/suche Goldprägung zurückwies (Fig. 67); seinen Nachfolgern er- 
schien sie unter geänderten Verhältnissen entbehrlich. Sie kommt später 
noch vor auf Stücken, die in palatio geschlagen wurden, wie Gepräge des 
hl. Eligius mit den Namen Dagoberts I. und Chlodwigs II. erweisen, oder 
wenn irgend ein besonderer Anlafs dazu vorlag, allein immer nur als 
Ausnahme. Münzen mit Königsnamen sind daher in der Merowingerzeit 
Seltenheiten ; um so zahlreicher sind Gepräge, die nur den Ursprungsort 
und den Münzmeister nennen; sie haben uns, wie schon gesagt, rund 
800 Münzstätten und mindestens ebensoviele, wenn nicht mehr. Münz- 
meisternamen erhalten (vgl. § 26). 

Der ums Jahr 690 tätige Münzmeister Madelinus münzte zu Dürstadt (Fig. 68) Vic 
sur Seille, Famare, Sauviat und Maastricht. Engel- Serrure, MA. I, 91—98; M. de 
Barthelemy, Etüde» sur les monnayeurs meroringiens. R. nrrh-of. V. 1865; Keary 
C. F., The Coinages of Western Europt Ktm, ChrtmicU 187S, fs. 216 ff. scheint 1S79 
auch im Sonderabdruck veröffentlicht zu sein). Namen jüdischer Münzmeister in der 
Merowingerzeit sind Jusef zu Macon, Jaro zu Orleans und Chalons und Osias. — 
Ponton d'Amecourt sucht Anmtaire IV, 128 nachzuweisen, dafs auch der Münz- 
meister PriKcus zu Chalons s. S. identisch sei mit dem bei Gregor von Tours erwähnten 
reichen Juden I'ritsctts, der für König Chilperich Kostbarkeiten zu beschaffen hatte. 

7. Unter den Karolingern erfuhr das Münzwesen im Frankenreiche 
durchgreifende Veränderungen. Die Goldprägung wird verlassen, die 
Zahl der Münzstätten stark verringert. Die Silbermünze verliert ihren 



Digitized by Google 



84 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



kleineu, dicken Schröding mit dem kräftiger hervortretenden Gepräge 
und wird zur flachen Scheibe, die fortan für die Münzen des Mittelalters 
bezeichnend ist. Schon von König Pippin ist uns die Verordnung eines 
neuen Münzfufses bekannt, und da gleichzeitig der Name des Münz- 
meisters verschwindet und die Nennung des Münzherrn zur Regel wird, 
so unterliegt es keinem Zweifel, dafs die Karolinger das Münzregal in 
vollem Umfange als ihr Herrscherrecht beanspruchten und ausübten 
(§ 26, 5). In der Tat wird die Münze schon durch König Pippin der 
staatlichen Aufsicht unterstellt; unter seinen Nachfolgern nehmen die 
Vorschriften über das Münzwesen mit dessen steigender Bedeutung zu. 
Bestimmungen über Bestrafung von Falschmünzern, über Annahme guter 
und Einführung neuer Münzen, Instruktionen für die Grafen, in deren 
Bezirk sich Münzstätten befinden, u. dgl., begegnen uns in den Kapitu- 
larien Karls des Grofsen, seines Sohnes und seiner Enkel bis herunter 
zu dem bekannten Kdktum Pistense (864), das uns den deutlichen Ein- 
blick in das Münzwesen des 9. Jahrh. vermittelt. Aus allen spricht die 
Befugnis des Herrschers, in Münzsachen allein mafsgobend zu sein, das 
hat natürlich die Stellung der Münzer gegenüber den Zuständen in der 
Merowingerzeit sehr geändert. 

Soetbeer in Forschungen IV, 244 ff., VI, 1. — d ariel E., Les monnaiea royalcs 
de France nous la race carolingienne. Strafsburg 1883 — 1885. — ßlanchet, Manuel. 
P. 1890, I, 101 ff. — Prou, w»m». carolingiettnes. P. 1896. Introduction. 

8. Zu Zeiten König Pippins war nach den Bestimmungen des früher 
erwähnten Kapitulars die Prägung noch so weit freigegeben, dafs jeder- 
mann sich sein Silber durch die Münzer vermünzen lassen konnte, allein 
diese durften aus dem Pfund Feinsilber von 327 g nicht mehr als 
22 Schillinge oder 264 Pfennige schlagen, von welchen ihnen ein Dutzend 
als Münzerlohn gebührte, und mufsten das Geld, wie der Augenschein 
lehrt, mit dem königlichen Namenszug versehen. Ein Verbot, das 
Münzgewerbe im freien Umherziehen auszuüben, erging spätestens unter 
Karl dem Grofsen, der zur Verhütung von Falschmünzerei, die vieler- 
orten getrieben wurde, im Jahre 805 die Ausmünzung bis auf weiteres 
nur in der königlichen Pfalz erlaubte. Mit dem wandernden Hofe sind 
demnach die königlichen Münzer im Reich umhergereist und haben ihre 
Gepräge zu Zoiten Karls des Grofsen wohl mit dem Namen der Pfalz, 
in der man sich gerade aufhielt, oder mit irgendeiner ständig wieder- 
kehrenden Aufschrift (etwa XPISTIANA RELIGIO) bezeichnet, da die 
Aufschrift PALATI NA MONETA erst unter seinen Nachfolgern vor- 
kommt. Daneben gab es, wie wir aus jüngeren Kapitularien ersehen, 
auch feste Münzstätten im Reiche, welche der Aufsicht jenes Grafen 
unterstellt waren, in dessen Sprengel sie lagen. Es ist nicht unmöglich, 
dafs diese Grafen, die ja für die während ihrer Wirksamkeit geschla- 
genen Münzen haftbar waren, ihren Namen anfänglich beisetzen durften ; 
auf diese Weise würden gewisse Gepräge aus den ersten Regierungs- 
jahren Karls des Grofsen mit dem Namen seines Schwagers ODALRICVS, 
des Grafen Milo von Narbonne. des sagenberühmten Palatins Roland 
und anderer ihre ungezwungene Erklärung finden; später war dies nicht 



Digitized by Google 



§ 11. Die Münzeinrichtungen unter den Karolingern. 



85 



mehr gestattet. Sache derjenigen, denen die Sorge für das Münzwesen 
oblag, zunächst des ortszuständigen Grafen und seines Vizegrafen, dann 
auch der Königsboten war es vorzukehren, dafs taugliche und gewissen- 
hafte Leute zu Münzmeistern bestellt wurden. Diese gehören nun durch- 
wegs zu den königlichen Beamten und wurden auf ihr Amt (ministerium) 
vereidigt, was damals nur ausnahmsweise vorkam. Sie hatten zu wachen, 
dafs nur feinhaltige und vollwichtige Pfennige gemünzt wurden. Ihre 
Aufgabe war ferner die Einlösung und das Feinbrennen des Silbers; auch 
die Auswahl der Münzerknechte, über welche wir weiters nichts erfahren, 
dürfte ihnen zugekommen sein, da sie für deren Redlichkeit zu haften 
hatten. 

Engel-Scrrure, MA. I, 197; Dahn, Könige d. G. VIII, 5. Abt., S. 59. — Ehe- 
her g, 6 ff.; Müller, Deutsche Münzgoach. L. 1860, I, 222. — Übersicht der karolin- 
gischen Münzverordnungen nebst Auszug aus dem Edikt von Pitres bei ßlanchetl, 
128: vollständige Abdrücke Mon. Germ. bist. Legum Sectio, CapittUaria. — Soetbeer, 
VI, in Forschungen VI, 27, Anm. 1, ist der Ansicht, dafs die Pfennige mit XPISTIAN'A 
RELIGIO unter Aafsicht und mit zum Vorteil geistlicher Stifter geschlagen wurden, 
ebenso Blanchet 1, 103. — Longperier, Noms den monetaires nur les monwaies 
carolingiennes {Bull, de la Soc. des Antiq. de France 1858), hält die auf Karolinger- 
Pfennigen genannten Milo, Roland usw. für Münzmeister, steht jedoch mit dieser 
Ansicht allein. — Serrure R., Le mot fiscus sur les deniers de Charles le Cfutuve. 
R. N. B. XXXV (1879), 92, 199. — Hilliger B. in Hist. Viertdjahrssehrift, 1903, 
206 ff., behauptet, dafs die Münzen Pippins schon legiert wurden, so dafs 240 Pfennige 
auf das beschickte Münzpfund gingen. Vgl. auch meine Besprechung dieser Aufsätze 
in Bl. f. Mzfr. 1904. Nr. 1. 

9. Eine tiefgohende Veränderung in der Stellung der Münzpersonen 
wurde durch die seit Ludwig dem Frommen beginnenden Münzrechts- 
verleihungon angebahnt, welche hie und da auch die Münzgerätschaften 
und das Münzpersonal an den Berechtigten übertrugen. Die Folge dieser 
Verleihungen war, dafs die bestehende Einheitlichkeit dos Münzwesens 
gelockert und schliefslich zerrüttet wurde. Es wird an anderer Stelle 
{§§ 26, 27) zu schildern sein, wie diesor Übergang schrittweise vor sich 
ging, bis endlich die Münze in den Händen vieler eigenberechtigter Ge- 
bietsherren war. Hier genügt es hervorzuheben, dafs mit der Verlei- 
hung die Herstellung der Münze den neuen Münzherren ausgeliefert war, 
und dafs diese sie in der Art vornahmen, die ibnen jeweilig den gröfsten 
Gewinn versprach. In allen Fällen stand jedoch der Münzmeister mit 
weitgehender Jurisdiktionsmacht als der dem Münzberechtigten verant- 
wortliche Leiter an der Spitze des Münzbetriebes. Dieser selbst konnte 
verschiedene Formen annehmen. Bei Eigenbetrieb war der Münzmeister 
Beamte des Müuzherrn: diesem stand der ganze Ertrag der Münze 
nach Abzug der Betriebskosten, zu welchen der Sold oder Anteil des 
Münzmeisters und auch der übrigen Münzpersonen gehörte, zur Ver- 
fügung; er mufste aber nebst dem Münzhaus auch das zur Vermün- 
zung erforderliche Metall beistellen. War jedoch dies Regal verpachtet 
oder verpfändet, so konnte der Münzmeister auch wohl der Unter- 
nehmer sein, der die Münze nach Inhalt des abgeschlossenen Vertrags, 
in welchem die Bedingungen für die Ausmünzung enthalten waren, 
für seine Rechnung betrieb und dem Münzherrn nur einen Anteil, 



Digitized by Google 



#G • Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



— meist so und soviel von der vermünzten Mark — herauszuzahlen 
hatte. Da jodoch die Beschaffung des Münzmaterials gröfsere Geld- 
summen erforderte, so konnte der Betrieb auch einer Mehrzahl von 
Personen übertragen werden, und zwar in verschiedener Weise. Nach 
der einen wird ein mehr oder minder kurzfristiger Pacht- oder Ver- 
pfändungsvertrag vom Münzherrn mit einer offenen Handelsgesellschaft 

geschlossen, zu welcher der Münzmeister als Haupt 
und Teilhaber gehört. Ich nenne diese Form die 
italienische, weil sie vor allem in den Verträgen der 
Münzherren mit italienischen Münzern — unter 
welchen im 13. und 14. Jahrh. die Florentiner vor- 
herrschten — angewendet wurde. In Frankreich wur- 
den mitunter einzelne Ämter der Münze, z. B. die 
Herstellung der Münzstempel, das Amt des Eisen- 
B^^ uL^er, Jäters Ü«r<k deeoins, u. dgl gegen festgesetzte Ent- 
Kniman» wimar z» oosiur lohnung als vererbhehes Kecht an Bürger verliehen. 
M #n FIC i D ■. Kk I H n V M M » K Wieder nach einer andern, der deutschen Form, über- 

(H — M) ArCD. H II, .Vi. 

läfst der Münzherr die Besorgung der Münze als 
dauerndes Recht einer mit mancherlei Begünstigungen ausgestatteten 
Körperschaft, den I lausgenossen c, an deren Spitze ein frei ernannter 
Münzmeister steht. 

Verschenkung von nwnetarii ist vielleicht aus der Formel: cum banno, mone- 
tär iis, monetis, thehnris nmnibnsque forensis juris ntensilibns herauszulesen, die 1057 
und 1060 hei Verleihung des Markt- und Münzrechts zu Haderichesbrwcn und Villach 
an Bischof Günther von Bamberg vorkommt. Moncta cum otnnibus utensilibus wurde 
1016 dem Kohlenzer Kloster, s. Florin, in vitta Gilliuelt geschenkt. — Man. G. hixt. 
Dipl. III, S. 450, Man. Bot,,, XXIX, 1, S. 140 und XXXI, I, S. 343. — Aus den Rech- 
nungen der sachsischen Münzstätte in Freiberg, die seit 1353 fast vollständig erhalten 
sind, ersieht man, data die .Münzmeister bis gegen 1390 meist Pachter, von da ab 
Beamte des Landesfürston waren. Z. f. X. XV, 229 bei Besprechung von Ermisch, 
U. B. der Stadt Freiberg. — Nennung der .Münzmeister auf mittelalterlichen Geprägcn 
Fig. 61»), Dannenberg in Z. f. N. XIV, 236; XXII, Anh. 21 (Sitzung vom 3. Juli 1899% 
Menadier bezieht die bekaunte Aufschrift: Luteger nie feeit nicht auf den Münz- 
meister, sondern auf den Münzherrn, und zwar auf den zum Jahre 1188 bezeugten 
tirafen Luteger, den Sohn Hoiers, und erklärt in gleicher Weise auch andere ähnliche 
Aufschriften. Z. f. X. XIV, Anh. 28: XV, Anh. 30, 40. Buchenau in Bl. f. Mzfr. 1900, 
(Nr. 9 247), S. 131 in Hinblick auf neu aufgefundene Geprägo für Namen der Stcmpel- 
schneider. — Alexi, Die Münzmeister der Calimala und Wechslerzunft (mit Listen 
der rlorentinischen Münzmeister in auswärtigen Münzstätten). Z. f. N. XVII, 258. — 
t'mgekehrt haben die Fulger als Pächter die päpstliche Münze in Born zwischen 1508 
bis 1527 durch mehrere Jahre besorgt, wie A. Schulte, Die Fugger in Rom I, 
207 IT., L. 1901, nachweist. - Saulcy, Bscueil I, 120, 133, die cartn Hcnrici Platard 
1225 und der Verzicht der Erben gegen Empfang von 40 Pfund auf das Amt des Eisen- 
schneiders 1265, dann eines Bürgers von Bourges maitre de la monnaie et garde de coins 
zu sein 1265, a. a. O. S. 131. — Eheberg, 106. 

10. Die Hausgenossen hatten eine längere geschichtliche Entwicke- 
lung hinter sich, ehe sie zu dieser hier erwähnten Stellung gelangten. 
Beim Übergang des Münzrechts an zahlreiche neue Herren war der 
Münzmeister minist* riolis geblieben, allein er war aus dem angeseheneu 
königlichen Beamten der Karolingerzeit zum Diener eines kleinen Ge- 




Digitized by Google 



§11. Der Münzbetrieb im spatern Mittelalter, die HäUHjrenosHen. 



87 



bietsherrn geworden, der seine Ämter mit unfreien Leuten besetzte. Als 
jedoch — etwa in der Zeit der ersten staufischen Herrscher — , der 
Stand der Ministerialen einen raschen Aufschwung nahm, ein Teil der- 
selben, die späteren ministerielles maiores, sogar aktive und passive Lehens- 
fähigkeit erlangte und dadurch in die Klasse der adeligen Grofsgrund- 
besitzer vorrückte, besserte sich auch die Stellung der Münzmeister, die 
zu den untergeordneten Ministerialen gehört hatten, nun aber, wie Bei- 
spiele zeigen, zu Ansehen und Reichtum gelangen konnten. Aus ihrem 
unfreien Münzergesinde hingegen, das gleichfalls aus Ministerialen, oder 
aus andern unfreien Handwerkern bestanden hatte, gingen in vielen 
deutschen Städten die Hausgenossen hervor, die beispielsweise zu Worms 
schon um die Mitte des 12. Jahrh. in solcher Stellung waren, dafs sie 
nach dem Wortlaut des kaiserlichen Gnadenbriefes vom Jahre 1165 im 
Bedarfsfall nur bei den vier Hofämtern des Kaisers Aushilfe leisten, 
im übrigen aber lediglich ihrem Amt obliegen sollten. 

Cber den Stand der HauHgenoHHen, die Gierke, Deutsches GenosKenHchafts- 
recht I (B. 1868), S. 188 ff., als »DieiiHtamtugenoasensolmi't « bezeichnet, h. Meyer E., 
Deutsche und französische VerfttHKunjfSneHchichte. L. 1*99, II, 280, 285; Eheberjr, 
110 ff. HauBjjenoH«en zu Worms (1400 , Bl. f. Mzkde. I, Nr. 29. 31; zu Öhringen (1253), 
Mainz (1287), Erfurt (1289) a. a. O. II, 8. 29, 40, die Rechte der Goslarer Ha,imnen<>sHen, 
die Khebertf nicht kannte, bei P. .1. Meyer in Ilöfkens Archiv f. Rrnkt. II, G6. — 
T. B. Worms I, W. 80, S. 65. 

11. Zu dieser Umbildung hat vor allem die gesellschaftliche Ent- 
wicklung beigetragen, welche viele Stadtbewohner aus dem Stande per- 
sönlicher Abhängigkeit vom Stadt- oder Grundherrn zu freien Bürgern 
emporhob. Dazu kam, dafs sich die Münzherren aufser stände sahen, 
den Münzbetrieb in der alten Weise fortzusetzen, und ihn entweder der 
Stadt überliefsen oder doch auf andere wirtschaftliche Grundlagen stellten 
(§ 27). In beiden Fällen konnte die Verantwortung für den ungestörten 
Münzbetrieb auf die Hausgenossen übergehen, deren wichtigste Aufgabe 
nun die Herbeischaffung des erforderlichen Münzmetalls auf eigene Kosten 
und Gefahr wurde. Das hat wieder auf ihre gesellschaftliche Stelle zu- 
rückgewirkt. Als nicht mehr die technische Fertigkeit, sondern Besitz 
eines Vermögens zur wesentlichen Voraussetzung wurde, wenn ein 
Hausgenosse seiner Aufgabe entsprechen wollte, stand auch nichts im 
Wege , dafs reiche, angesehene Bürger ohne technische Vorkenntnisse 
unter die Hausgenossen aufgenommen wurden, deren Reihen sich dann 
bald schlössen. Die Hausgenossenschaft ist seitdem soviel als die mit 
Vererblichkeit oder Veräufserlichkeit der Stelle und mit vielen andern 
Vorrechten ausgestatteten Zugehörigkeit zu einer höchst angesehenen 
Körperschaft. Sie verpflichtete den Inhaber, Geld für den Münzbetrieb 
beizusteuern, und stellte ihm dafür einon Anteil am Münzgewinn in Aus 
sieht. Die persönliche Tätigkeit der Hausgenossen beschränkte sich fast 
nur auf den Geldwechsel, soweit sie nicht auch diesen durch ihre Diener 
besorgten, und auf die Berechnungen, in welcher Weise sich ihr vor- 
rätiges Münzmaterial am vorteilhaftesten für die vorgeschriebenen Güsse 
verwenden lasse. Die technischen Arbeiten hingegen wurden handwerks- 
mäfsig ausgebildeten Münzerknechten überlassen. 



ized by Google 



88 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



>Weil dein Dienstrecht augehörin, stand die MOnzer^enossenHchaft unter dem 
Dieustherrn und seinem ernannten Stellvertreter, dem Munzmetater, und leitete vom 
Herrn ihr Recht der ausschließlichen MünzprU^ung und deH (ieldwechnelB her. Gierke, 
GenOBsonschaftarecht I (B. 1868), S. 188 ff. — Eheberg, 113 ff. — Münch J. Ü., 
De monetariis principum at- ciritatnm Germania* dictis Hausgenossen. Jenaer Disser- 
tation vom Jahre 1751. — Wiener Mw. II, § 6, Absatz 4 ff. 

12. Die Münzarbeiter, die je nach ihren Aufgaben als Giefser, Zain- 
meister, Schrotmeister, Versucher, Setzmeister, Eisenhüter, Eisengraber 
u. dgl. unterschieden wurden, waren der Gerichtsbarkeit der Münzmeister 
untergeben und empfingen ihren Unterhalt als Sold oder Anteil am Münz- 
gewinn. Als Angehörige eines Handwerks hatten sie den Bildungsgang 
als Lehrling und Geselle durchzumachen, um der Rechte teilhaftig zu 
werden, welche die Zugehörigkeit zu gewissen grofsen Münzverbänden 
dem einzelnen gewährte. Vom eidlichen Gelöbnis, das bei der Auf- 
nahme abzulegen war, erhielten diese Münzverbände im Bereich des 
alten westfränkischen Reiches den Namen Serment, und zwar unterschied 
man den Serment de France, dann jenen von Toulouse, von Spanien und 
endlich den Serment du saint Empire romain. Sie verteilen sich ungefähr 
über die Gebiete der Reiche Karls des Kahlen, Pippins von Aquitanien, 
der nordspanischen Mark und des Reiches Kaiser Lothars I. Der Ser- 
ment de France berief sich auf die grande chat te de Bonrges, die bis 1211 
zurückgehen soll, jedoch nicht weiter bekannt ist, und erhielt 1354 ein 
umfängliches Statut, nach dem sich die Mitglieder zu halten hatten. Die 
Satzungen des Serment du saint Empire berühren sich mehrfach mit den 
Freiheiten der deutschen Hausgenossen, die Münzerstellen waren z. B. 
im Mannesstamme vererblich und konnten selbst auf Seitenverwandte 
übergehen. Die Aufnahme erfolgte entweder durch Ernennung von Seiten 
des deutschen Königs oder auf den zur Besprechung allgemeiner Ange- 
legenheiten von vier zu vier Jahren stattfindenden Versammlungen des 
ganzen Handwerks, den sog. Parlamenten, oder endlich durch die ein- 
zelnen Münzgenossenschaften. 

Für England beschränkte das Gesetz König Aethelreds II. (978 bis 
1016 IV, § 9), die Zahl der Münzmeister auf drei in den Haupthandels- 
plätzen, auf je einen für die minderen. Die vielen monehirii, die auf 
englischen Münzen unter diesem König und noch später bis über die 
Mitte des 13. Jahrb. genannt werden, bestimmen P. Hau borg zur Ver- 
mutung, dals nicht dio Münzmeister, sondern deren suboperarii, die für 
die Güte der von ihnen geschlagenen Münze zu haften hatten, ihren 
Kamen auf die Münze gesetzt hatten. Ahnliche Einrichtungen vermutet 
Hauberg auch für das älteste Münzwesen in Dänemark. 

Die Münzer in den Niederlanden erhielten durch Einzelprivilegien 
der vielen Münzherren im ganzen die Rechte ihrer Hand worksgenossen 
in Frankreich. Ähnlich war es in Deutschland. Die Münzer waren hier 
zunächst auf die Gunstbriefe ihrer Münzherren angewiesen, obgleich es 
1571 zu einer allgemeinen Bestätigung des allen Herkommens für all 
und jede im Deutschen Reiche wohnenden Münzgesellen « durch Kaiser 
Maximilian II. kam. Auch in Italien waren die Münzer im zünftigen 



Digitized by Google 



§11. Münzeinrichtungen in Frankreich, England, Italien. 



89 



Verbände Zeuge eines Notariatsaktes vom Jahre 1300, in welchem be- 
schrieben wird, dafs ein Bürger von Aquileja in Gegenwart des Patri- 
archen nach eidlicher Angelobung der Pflichten vom Münzmeister durch 
Überreichung des Münzhammers feierlich ins Handwerk aufgenommen 
und befähigt wurde, das Münzgewerbe zu Aquileja et alibi per Universum 
orbein auszuüben. Das Münzgesetz vom 17. Oktober 1311, in welchem 
K. Heinrich VII. die Prägung kaiserlicher Münze in Italien regelte, stimmt 
mit dem Ebengesagten aufs beste, da es Vereinbarungen cum operuriis 
et monetariis nostri imperii de Italia, juratis nostris enthält. 

Lexis im Handwörterbuch d. Staatawissenschafton, 2. Aufl. Jena 1900, Bd. V, 
!K>4. — Engel-Serrure, MA. I, Einleitung § V, Lei monnayeurs et leurs Privileges, 
S. XUV ff. — Blanchet, Manuel I, 7 ff. — Saulcy, Recueil des documents relati/a 
« l'histmre des monnaies. P. 1879, S. XII ff. und S. 183, 1313 Serment des maitres des 
monnoyes, S. 321, 1354 Anfang und Ende des Kgl. Ordmnance über die Stellung der 
Münzer du serment de France. — l'rkdc. von 1387, durch welche König Karl VI. von 
Frankreich einen Bürger von Rouen zum monetarius ex saeramento imperii ernennt, 
bei Du Cange, Glossarium unter monetarius (1885 V, 505). — Vallentin Roger, 
Les Statuts des prevots generaux des ouvriers et des monnayeurs d'Avignon et du c umtat 
Yenaissin. P. 1891 (Annuaire de la Soc. de Numism.j. — Longperier A., Sccaux 
des monnayeurs. R. N. 1839. — Grote, MünzHtudien VIII, 313 ff. — Statuts des mon- 
nayeurs de Namur 1298, nebst andern auf die Münzer bezüglichen Urkunden. R. 
N. ß. 1/1, 1842, S. 40 ff. — K. Maximilians II. Privilegium den Münzgesellen Anno 1571 
gegeben. Hirsch, M. A. H, 115, 239. — Angelsächsische Münzmeister: Hau borg P., 
ilynt/orhold og udmyntninger i Danmark indtil 1146. Kopenhagen 1900. S. 80 ff. Dazu 
Dannenberg in B. Mzbl. 1902 Nr. 3, S. 44. Die Verordnung Aethelreda lautet bei 
Schund, Gesetze der Angelsachsen, 2. Anfl , L. 1858, 8. 221 : Et ut monetarii pauciores 
sint, quam antea fuerint, in omni summo portu III et in omni alio portu sit unus 
monetarius, et Uli habeant suboperarios suos in suo crimine quod purum faciant et recti 
ponderis .... Über den Stand der anglononnannischen Münzer im 13. Jahrb.: Drum- 
mond Robertson .1. im Num. Chron. 1881, S. 32 ff., 1885, 213 ff. — Stiem- 
stedt, Om Myntorter , Myntmästare och Afyntordninger in det nuvarande Sverige. 
Stockholm 1874. — Münzer und Münzbeainte in Italien : A 1 e x i in Z. f. X. XVII, 
258 ff., namentlich 265. — Verzeichnis von Urkunden z. Münzgeschichte Italiens bei 
Argelati de Monetis Italiae HI (Mailand 1750), S. 30 ff. — K. Heinrichs VII. c dictum 
de Moneta Italiae 1311, 17. Okt. Monum. Germ. Inst. Legen II (H. 1837, fol.) 517. — Die 
Aufnahme des Johann von Aquileja unter die Münzor vom Juni 1300, wohl ungedruckt 
im Museum zu Cividale, Archivio excapitolure, Pery. capitolari, Bd. 9, S. 108. 



Digitized by Google 



III. Hauptstück. 



Die Münze als Gegenstand des Sammeins. 

§ 12. Öffentliche und Priratsamiulungen. Anordnung derselben. 

1. Sammler von Münzen hat es vielleicht schon im Altertume ge- 
geben, obsehon nur wenige Zeugnisse uns überliefert und selbst diese 
bestritten sind. Doch hat diese Vorliebe für alte und fremde Gepräge, 
soweit eine solche bestand, sicher den Untergang des römischen Reiches 
nicht überdauert. Die geschickte Verwendung römischer Vorbilder für einige 
seltene Münzen der Karolinger und Ottonen (Fig. 70) beweist zwar, dafs 
man vereinzelt auch später solch alten heidnischen Pfennigen einige Be- 
achtung schenkte, ebenso stehen Gepräge der Herzogt.* Kofi wo j (f 1124, 
Fig. 25) und Sobeslaus (f 1 140) aus mährischen Münzstätten unter dem 
Einflüsse der Antike, von den berühmten Augustalen Kaiser Friedrichs II. 
(t 12.">0, Fig. 71, s. auch Fig. 72) zu schweigen; demungeachtet reichen 
unsere Nachrichten von Münzsammlungen im Mittelalter nicht über das 
14. Jahrh. zurück, in welchem die wiedererwachende Wertschätzung der 
Überreste des Altertums auch in der Münze einen Gegenstand der Kunst 
und eine Quelle von wissenschaftlicher Ergiebigkeit erkennen liefs. Ge- 
wöhnlich wird Petrarca (f 1374) als erster Münzsammler unter den Hu- 
manisten genannt, doch hatte er in Oiivieri Forzetta, einem reichen 
Kaufmann aus Treviso, einen Vorgänger, der schon I3.*i5, anläfslich einer 
Reise nach Venedig, sein Augenmerk auf die Erwerbung von 50 Römer- 
münzen gerichtet hatte. 

Dannenberg, Einleitung S. 14. — S t fi ekel berg 183 ff. — Babelon, Dis- 
count mir l'utilitr scieutißque des eullertions den monnaies aneirnnex. R. X. IV, 1 (1897), 
S. 20}t, erschien P. 1897 in erweiterter Fassung unter «lern Titel : sur la reforme de la 
monnaie. — F r i cd 1 it n d e r , Haben die Komer Münzsammlungon gebabt? Z. f. N*. III, 
167. — Willers, Köorj i W. X. Z. XXXI, 311} verneint diese Fnige. — Erste Spuren von 
Münzsammlungen im Mittelalter: K. Weil in Z. f. X XIX, 218. — Grote in Bl. f. Mzfr., 
Xr. 75 (1879 , S. 634; S oh 1 i c h t e g ro 1 1 , Annalen der gesamten Xumismatik. L. 1804. 
1,87,187; durch Thesaurierung in einer Familie entstandene Münzsammlungen, X. Z. 
1871, S. 76. — Deutsche Knisprmünzeu des Mittelalters von künstlerischer Ausstattung 
besprachen Dannenberg und K. We.il, vgl. Z. f. X. XV, Anh. 40, Sitxg. 3. Dez. 1887 
und XIX, 245. -- Augustalen: Winkehnann, Goldprägungen K. Friedrichs U. 
für das Königreich Sizilien. Mitt Inst. f. öst. Gesch. XV, 401; XVI, 381; Schaube A., 
Der Wert des Augustalis a. a. < >. XVI, 545. 



Digitized by Google 



§ 12. Münzsammler im Mittelalter. 



91 



2. In Deutschland war man auf Münzen als Zeugnisse des Alter- 
tums schon zu Beginn des 14. Jahrh. aufmerksam geworden. Der un- 
bekannte Mönch, der im Jahre 1310 im Kloster St. Florian seine Lebeus- 
erinnerungen niederschrieb, erzählt (M. G. Ss. IX, 7f>0), dafs man im 
Jahre 1297 bei Stadt Stevr in Oberösterreich einen Schatz von Römer- 
münzen mit der Aufschrift: FAVSTINA AVGVSTI PII FILIA ge- 
funden habe, der Tochter des Kaisers Autoninus Pius zugehörig, der im 
Jahre 140 zur Herrschaft gelangt sei. Herzog Albrecht I. von Osterreich 
wird diesem Schatze wohl deshalb so eifrig nachgetrachtet haben, weil 
er seinen landesherrlichen Anspruch auf den Fund wahren wollte. Von 
Kaiser Karl IV. hingegen wissen wir, dafs er aus Petrarcas Sammlung 
Römermünzen erwarb; ihn werden wir wohl als den ersten Münzsammler 
in Deutschland ansehen können. Mit dem Humanismus hat das Sammeln 
römischer Münzen aufserhalb Italien an Boden gewonnen. Zunächst an 
den Höfen kunstsinniger Fürsten (wie später Maximilians I.) gepflegt, 
verbreitete sich das Münzensammeln schon im 15. Jahrh. auch in andere 
Kreise. Von Bischof Stephan Matthiae von Kulm (1480 — 1495) wissen 





Fl*. 70. 

Otto m. (+ 1002). Pfennig «n Huy Rcj>r>i|ft, 
(Dannenberg, D. Kui.sormx. I, Tat. X, N, 224.) 



Fl?. 71. 

K Frieilri.'h II. (t 12.V». AuifiiMnlii. OoM- 
tUÖnM /■)■ Uriinli»l tM'pragt «Knbinctt Qöth»), 



wir, dafs er sich gerne mit fremden und seltsamen Münzen befafste, die 
er von allerlei Landen besafs; doch schien diese Vorliebe noch manchem 
unerklärlich und wurde vom Chronisten Konrad von Grünau geradezu 
einem Altersgebrechen zugeschrieben. Hin jüngerer Zeitgenosse dieses 
Bischofs, der Bayer Degenhart Pfeffinger von Salmanskirchen, der 1519 
als einflufsreicher Berater des Kurfürsten Friedrich von Sachsen starb, 
brachte schon eine Sammlung von etwa 2000 Stück in Gold, Silber, Bronze 
und Blei zusammen, deren Verzeichnis uns in jüngerer Abschrift teil- 
weise noch erhalten ist. 

Über Degenhard Pfeffingen Bl f. Mzkde. I, Nr. 29; Z. f. BT. XX, 310 ff. — Münz- 
sammler waren auch der Rat K Friedrichs III. und Maximilian«, Dr. Joh. Fuchsmagen 
(7 1510), dessen ansehnliche Sammlung alter Münzen K. Maximilian 1. erwarb. Asch- 
bach, Wiener Universität 11,(1877, S. 74 Anm.) und Johann Hefa (* 1490, i 1547), der 
erste evangelische Geistliche in Schlesien. Z. d. Vit. f. Gesch. Schlesiens IV, 259, XXII 
(1888), 84 — Fürstliche Münzsammler des 15. und 16. Jahrb., Bl. f. Mzfr. 1900, Xr. 2, 
S. 88. Das Verzeichnis der von Hubert Goltz wahrend der Jahre 155U — 1 5G0 in ganz 
Europa besuchten Münzsammlungen — es sollen 950 erwähnt Bein — druckte C. Ph. 
Serrure in der ersten Auflage der Notire sur le cabinet nionetaire de 8. A. le Princc 
de Litjne, Gent 1S4T, als Anhang ab. Die zweite Au Hage, Gent 1HS<), bietet nur eine 
kurze Übersicht, Introduction. S. III ff. — Über Thomas von Khedigors Sammlung: 
Friede nsburg in Z. f. N. IX, 75 und Z. f. Gesch. Schlesiens XXII, 1888. — Ein 
> Verzeichnis der berühmtesten Münzkabinetter in Kuropa< zu Anfang des 18. Jahrb. 
im geöffneten Ritterplatz, Hamburg 1700, I. Kine erschöpfende Aufzahlung iler jetzt 



Digitized by Google 



92 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



be»tohenden öffentlichen Sammlungen und der über sie vorhandenen Literatur kann 
hier nicht geboten werden. Ich verweise einerseits auf die internationalen Adref«- 
bücher von Onecchi, Guido numismatica universale, Mailand, 3. Aufl. 1894, 4. Aufl. 
1903 (mit 6278 Adressen) und S e e 1 i g s Führer durch den Sammelsport, Bd. I. B. 1904, 
für Deutschland und Österreich insbesondere auf die amtlichen Veröffentlichungen: 
Kunsthandbuch für Deutachland, 6. Aufl., B. 1904 und Handbuch der Kunstpflege in 
Österreich, 3. Aufl., W. 1902; dann auf die Literaturübersicbten bei Lipsius, Biblio- 
theca numaria, Leitzmann, Engel-Serrnre, Repertoire unter den Schlagworten ; 
Xumophylacium, Münzkabinett, Cabinet des mcdailles und auf die zahlreichen, wenn 
auch sehr zerstreuten Nachrichten über öffentliche Sammlungen in don verschiedenen 
numismatischen Zeitungen. Ich nenne daher nur beispielsweise Bergmann J. \\, 
Pflege der Numismatik in (isterreich (im 18. und 19. Jahrh , mit einer Geschichte des 
Wienor k. Münzkabinette, S. B. d. k. Akad. d. W. in Wien, Bd. XIX, XXIV, XXVDI). 
J. Friedländers Bericht über die Entstehung und Entwickelung des Kgl. Münz- 
kabinetts zu Berlin in der Festschrift : Zur Geschichte dor Kgl. Museen in Berlin 1880, 
dazu die seit 1873 erscheinenden Ausweise über Neuerwerbungen des Kgl. Münzkabi- 
netts in Z. f. X., Bd. 1 ff. — H. Riggauer, Geschichte des Kgl. Münzkabinette in 
München. Hamberg 1890; die Arbeiten von Dumersan P. 1838) und de Jonge 
(Haag 1832) über die Kgl. Münzkabinette zu Paris und in den Niederlanden usw. 




3. Neben römischen , und wenn es das 
Glück wollte, auch griechischen Münzen, die 
vor allem begehrt wurden, hat man frühzeitig 
Medaillen berücksichtigt. Aus dem Inventar, das 



Fi*. 72 k Frie«)ri.h ii. ( + 12.VI) t ] e r grofse Kunstliebhaber Johann Herzog von 
aib.ru.au» (itH.ic,, ü.,,**-, ßerrv e . n Sohn Kön ^ Johanns n von Frftnk . 

reich, im Jahre 1401 anlegen liefs, erfahren wir, dafs er nicht blofs den 
Bleiabstofs einer um 1390 gefertigten Medaille auf einen Carrara als Herrn 
von Padua, sondern auch fünf in Gold gegossene, ziselierte mit Edel- 
steinen und Perlen reichbesetzte Goldmedaillen niederländischen Ursprungs 
besafs. Pfeffinger, der seine eigene Medaille durch einen italienischen 
Künstler herstellen liefs, mufs schon eine beträchtliche Medaillensamm- 
lung zusammengebracht haben, da sein Verzeichnis vom Jahre 1514 auf 
333 Stück aus Blei und Bronze nur etwa ein Drittel romischer Münzen 
anführt. Als dann im 16. Jahrh. allmählich die Liebe zur eigenen Ge- 
schichte erwachte und neben den Drucken des Corpus iuris die Aus- 
gaben der alten Volksrechte durch Sichard, Herold, Tilius traten, 
da wandte sich die Sammellust auch den Münzen des Mittelalters zu. 
Tilemannn Friese war darum in der Lage, seinen Münzspiegel (§3,3) 
hu Jahre 1592 »mit Figuren der alten teutschen Müntz, so bey den Lieb- 
habern der Antiquität hohes und niederes Standes vorhanden seyn, gc- 
zieret« erscheinen zu lassen, die zum Teil gar nicht schlecht geraten sind. 

4. Seit dem 16. Jahrh. hat das Sammeln von Münzen und Medaillen 
allenthalben grofsc Fortschritte gemacht, nur hat sich dabei ein anfäng- 
lich nicht, vorhandener Unterschied nach den Eigentümern herausgebildet. 
Ursprünglich gab es nur Privatsammlungen, mochten gleich einige von 
Herrschern, andere von Bürgern oder Adeligen angelegt sein; die im 
16. Jahrh. aufkommenden fürstlichen Kunstkammern, in welche auch 
Münzen und Medaillen aufgenommen wurden, führten jedoch dazu, dafs 
man die von fürstlichen Personen hinterlassenen Sammlungen nicht zer- 
streute, sondern zu einem Münz- und Medaillenkabinett des fürstlichen 



Digitized by Google 



§ 12. Öffentliche und Privatsammlungen. 



93 



Hauses vereinigte und allmählich als unveräufserliches Familiengut be- 
handelte. Solcher Art ist der Ursprung der verschiedenen Münzkabinette 
an den europäischen Höfen. Erst verhältuisinäfsig spät wurden hie und 
da eigentliche Staatssammlungen, mit Mitteln des Staates und der aus- 
gesprochenen Absicht, Staatseigentum zu begründen, errichtet; früher 
schon entstanden hie und da öffentliche Sammlungen anderer Art durch 
Stiftungen, indem Private ihre Münzsammlungen einer öffentlichen Körper- 
schaft mit der Auflage der Erhaltung und unter Freigabe der Benutzung 
zur Belehrung und Forschung Übermächten, wie beispielsweise Thomas 
v. Rhedigers (f 1576) Münzsammlung mit seiner Bibliothek an die Stadt 
Breslau gelangte. Neuerer Zeit sind dergleichen Münzkabinette bei zahl- 
reichen historischen Museen teils in Anlehnung an Stiftungen, teils ge- 
radezu durch Neuanlage in erheblicher Zahl entstanden. Gemeinsam 
diesen bisher genannten Sammlungen, die man kurzweg als öffent- 
liche Sammlungen zu bezeichnen pflegt, ist mehr oder minder die 
Unveräufserlichkeit der Bestände, aber Freigabe derselben zu Zwecken 
der Belehrung und wissenschaftlicher Forschung, endlich die Verwaltung 
durch fachmännisch gebildete Organe, die meist Beamtenstellung haben. 

Verzeichnisse der in diesen öffentlichen Sammlungen bewahrten Münzschätze 
wurden vom Schlufs des 17. Jahrb. ab in verschiedener Form, meist als eine von Ab- 
bildungen begleitete Auswahl dor Seltenheiten durch den Druck bekannt gemacht. 
Sie betrafen anfänglich vor allem Münzen dep griechisch-römischen Altertums, so in 
Begers Thesaurus ex Thesauro Palatino selectus , Heidelberg 1685 und Thesaurus 
Brandenburg icus selectus. B. 1690, der aber in dem 1704 erschienenen Teile Xutnis- 
mata modernorum enthält. Noch heute ein durch seine Pracht auffälliges Quellenwerk 
für Gepräge des Mittelalters und der neuem Zeit sind die vom Vorstand der Samm- 
lungen K. Franz' I., Dural, besorgten Cataloguc des monnoies en argent du cabinet 
imperial d'Autriche. W. 1756 (Neue A. 1769) und der monnaies m or, W. 1759. Auch die 
berühmten Kataloge de» British Museum, im Erscheinen seit 1873, und der Bibliutheque 
Xntionale zu Paris sind vorwiegend dem Altertum, die Berliner den orientalischen 
Münzen gewidmet. Münzen und münzähnliche Gebilde des Mittelalters und der neuern 
Zeit behandeln die von Maurice Prou (fränkisches Reich) und Henri de la Tour 
(Jetons) besorgten Abteilungen des Pariser Katalogs sowie das Verzeichnis der nieder- 
landischen Gedenkpfennige im Kgl. Kabinett zu Haag. 

5. Viel zahlreicher sind begreiflicherweise- Privatsammlungen, welche 
gegenüber den beharrenden Einrichtungen der öffentlichen Münzsamm- 
lungen dem Gesetze der Beweglichkeit folgen. Auf dio Dauer der Sammel- 
freude und äulserstens auf die Lobensdauer und die Mittel eines einzelnen 
gestellt, verkörpern sie den Wechsel des Entstehens und Vergehens und 
gelangen nur insoweit zur Ruhe, als sie schliefslich ganz oder teilweise 
in eine öffentliche Sammlung übergehen. Erhalten bleibt von ihnen ein 
gewisser Ruf und wenn es gut geht, das Verzeichnis der Stücke, die 
der Sammler mit mehr oder minder Glück und Geschick zusammen- 
brachte. So ergänzen sich also beide: die öffentlichen Sammlungen 
bilden den gesicherten, also bleibendem Bestand an Münzen und Me- 
daillen, über welchen die Münzforschung im allgemeinen verfügt, die 
privaten hingegen vorkörpern oft eigenartige Versuche zur Lösung solcher 
Aufgaben, welche der schwerfälligeren Organisation der öffentlichen Samm- 
lungen widerstreben. 



Digitized by Google 



94 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Vgl. dio Anmerkungen zu Absatz 4, forncr v. Bergmann, Pflege der Numis- 
matik in Österreich durch Private. S. B. d. k. Akad. d. W. in Wien, XLl; fortgeführt 
bis zum Schlufs des 19. Jahrli. durch v. Krnst im W. X. M. 1901, V, Nr. 214 — 215 
(auch mit kurzen Nachrichten über öffentliche Sammlungen). — Liste generale par 
departemcnts den collertionnenrx im Annuaire III, S. XV; Statistique des rollections de 
inedailles appartenant a des I'artkuliers, Annuaire III, 433. — Eine Zusammenstellung 
von Münzsammlungen, welche Knde 1893 in der Schweiz vorhanden waren, von A. Geigy, 
wurde nur als Manuskript gedruckt. — Kataloge von Privatsammlungen werden meist 
erst aus Anlafs der Auflösung einer Sammlung, also zu Versteigerungszwecken, ver- 
öffentlicht. Als Ausnahmen von dieser Regel nenne ich: Katalog des Freihcrrl. Warn- 
boltschen Münzkabinetts, Heidelberg 1833, 2 Tie. ; die Keichelscho Münzsammlung in 
St. Petersburg, 9 Bde., St. Petersburg 1842—1850 (im ganzen über 46000 Münzen und 
Medaillen, von welchen nur 1500 dem Altertum, die übrigen dem europaischen »Mittel- 
alter« und der neuern Zeit angehören), ging an das k. Kabinett der Kremitatie über. 
Eine Übersicht über den Stand der Beichelschen Sammlung bietet v. Koehne in der 
1$. Z. f. Münz , Siegel- u. Wappenkde., N. F. 1859—1862, S. 1-24. — Notire sur le cabinet 
monetaire de S. A. le Frince de Ligne, Gent 1847, 2. Auf! 1880 (bearbeitet durch C. P. 
Serruro). — Collection Ernst Prinz zu Windischgriitz. Beschrieben u. bearbeitet durch 
A. Fiala, J. Scholz und O. Vötter; seit 1895 erschienen Bd. 1, 2, 5, 6). — Des 
hl. Deutschen Ritterordens Münzsammlung in Wien. (Beschrieben durch Dudik.) 
W. 1858. — Hessisches Münzkabinett des Prinzen Alexander von Hcssen-Darmstadt 1877 
bis 1885, 3 Tie. — Münz- und Mcdaillenkabinett des Grafen Karl zu Inn- und Knyp- 
hausen, 2 Bde. H. 1872, 1877 (über 10000 Stück, vornehmlich Braunschweig, Hannover). 

— Dannenberg H., Verzeichnis einer Sammlung deutscher Münzen der sächsischen 
und frankischen Kaiserzeit. L. 1899. — — Beschreibung der Sammlung böhmischer 
Münzen und Medaillen des Max Donebauer. Prag 1888— 181H), bearbeitet durch E. Fiala. 

— Catalogue raisonne des monnaies du comte D'Artois faisant pariic du cabinet mone- 
taire d' Adolphe Dewisme*. Saint-Omer 1866. — Description des monnaies seigneurnles 
francaises coraposant la collection «le M. F. Poey d'Avant. Kontenay-Vendee 1853. — 
Gaillard .1., Description des monnaies espagnoles . . . composant le cabinet monetaire de 
Ihn Jose Garcia de la Tm-re. Madrid 1852. — Catalogue de monnaies et medailles po- 
l»nai*es de S. A. le l'rinee Guill. Rad zi will. Neue Ausg. durch Trachsel, Berlin 1869. 
Desgleichen: Du comte Üntten-Czapzki. 4 Bde. P. u. St. Petersburg 1871—1891. 

Viel gröfser, ja in neuerer Zeit schwor übersehbar, ist die Zahl von Sammlungs- 
verzeichnissen , die teils zu freihändigem Verkauf, teils als Grundlage für eine 
Versteigerung veröffentlicht und neuerlich auch mit Abbildungen von Seltenheiten 
reich ausgestattet werden. Schon vom Jahre 1715 hat sich das Verzeichnis einer zu 
Gotha versteigerten Münzsammlung erhalten (B. Mzbl. Xr. 141, Sp. 1271); unter den 
spateren aus dem 18. Jahrb., die bei l.i peius II, 117 IT. unter dem Schlagwort »Ver- 
zeichnis« nachgesehen werden wolle, hebe ich nur jenes »der auserlesenen und höchst- 
uusehnlichen Talersammlung des zu Halle verstorbenen Hofrats David Samuel von 
Madai« hervor, die 17S8 durch den Makler Pierre Texier zu Hamburg verkauft wurde, 
weil diese Sammlung dio Grundinge für das bekannte Madaische Talcrkabinett war. 
Aus ähnlichen Gründon und wegen der sorgfaltigen Beschreibung der Stücke hat auch 
der von den Gebrüdern Erbstein bearbeitete Katalog des Ritters von Schulthefs- 
R e c h be r g s c h e n Münz- und Medaillonsammlung, Verfassers eines bekannten »Taler- 
kabinetts« 2 Bde., Dresden 1868 — 1869) bleibenden Wert, zumal die 2. Abteilung, 
welche das unvollendet gebliebene Werk von Schulthefs bis zu einem gewissen Grade 
ergänzt. Aus der urofsen Zahl der übrigen Auktionsvcrzeichnisso hebe ich mit wenig 
Ausnahmen nur deutsche, und zwar solche hervor, die noch heute für den Summier 
mehr oder minder wertvoll sind. Ich ordne sie nach den Namen der vormaligen Eigen- 
tümer, füge in Klammern deren Wohnsitz und seit 1S74 auch den Münzhändler bei, 
der die Versteigerung leitete. Dnblottenverzeichnisse öffentlicher Sammlungen und die 
von Munzhimdlern aus ihren Lagervorräten zu Zwecken der Versteigerung oder frei- 
händigen Verkaufs zusammengestellten Verzeichnisse bleiben folgerichtig an dieser 
Stelle unberücksichtigt Ich beginne mit allgemeinen Sammlungen des Mittelalters und 
der neueren Zeit 



Digitized by Google 



§ 12. Kataloge von öffentlichen und Privatsainmlungen. 



Lipsius .T. G. L., Europa im Kleinen Münzverzeiehnis. D 1809. — v. Mader 
Joseph (Prag), Summarisches Verzeichnis seiner Münzsammlung. Prag 1818. — v. Rildt 
Knut Reinhold, I>. 1819, 1821. 2 Bde. — Beiroi s C. Ch., Erfurt 1827 idurch lx>itz- 
mann benrbeitet). — v. Ampach Ch. Lebrecht, L. 1833—1835, 3 Bde. — v. Die le- 
rn a n n (Wien), W . 1836, beschrieben durch C.W. Wotypka. — v. Bretfcld-Chluuic- 
zansky Franz .T. (Wien), W. 1841, 1842, 2 Bde. — Welzl v. Wel 1 e n h e i in Leopold 
(Wien), durch Kustos Eitel bearboitet. W. 1844—1845, 3 Bde. — Devegge O. (Kopen 
hajren), bearbeitet durch Thomson. Kopenhagen 1851 — 1867, 2 Bde. — de Trau x 
Ludwig (Wien), W. 1866. — Cappe Heinr. Phil. (Dresden" 1 , 1860 (geringer Rest seiner 
Sammlung). — Maretich de Riv Alpon E. (Wien), \V. 1863, 3 Bde. — Rolaa de 
Rosey C. v., L. 1863. — Thomsen Christian Jürgensen (Kopenhagen, f 1865). Das 
Verzeichnis seinor Sammlung, ein unentbehrliches Handbuch für Sammler von Mittel- 
altermünzen, erschien zu Kopenhagen 1866—1876 durch P. M. J. Brock, Kr. Erslev u. a., 
bearbeitet unter dem Titel: Catalogue de la collection de monnaies de feu Chr. Jürgensen 
Thomsen, 3 Bde. in 7 Abteilungen. — Schellhafs Karl Em. (Bremen), Katalog, von den 
Gebrüdern Erbstein bearbeitet, für Sammler von Mittclaltermünzen wichtig. D. 1870. 
— Minus Gotthard (Riga und Preifs, W. 1874, versteigert durch Brüder Egger. — 
Leitzmann.T. (Weifsensee), L. 1880, ebenso durch Thieme. — Montenuovo Fürst 
Wilhelm (Wien, f 1895), Verzeichnisse über einzelne Teile seiner prächtigen Samm- 
lung, die 1870 an Hefs in Frankfurt um 150000 Taler verkauft wurde, hat dieser in 
den Jahren 1879—1886 unter dem Gesamttitel: Collectio Montenuovo veröffentlicht. 
(Vgl. Bl. f. Mzfr. Nr. 76, Sp. 643 . — Garthe Hugo (Köln) 1884. Köln durch J. M. 
Heberle. — Missong Dr. Alex. (Wien), F. 1885 durch Adolf Hefs. — Bauer Joseph 
(Irlbach, namentlich auch Schützenraedaillen mit guter Ubersicht:, M. 1876 durch Dr. 

E. Merzbacher. — Reim man, Friedrich (Hannover, F. 1891 — 1892 durch A. Hefs. 
3 Bde., die beiden ersten nur als Titelausgabe, da sie schon bei I>ebzoiten Reinimans, 
1877 und 1879 erschienen waren. — MeyerGedanensis Adolf (Berlin), F. 1894 
bis 1895 durch Hefs. — Saurma- Jel tsch Hugo Freiherr v. (Jürtsch), F. 1898 durch 
L. und L. Hamburger. — Latour v. Turinberg Karl (Wien), W. 1888 — 1899, durch 
Brüder Egger. — Grote Dr. Hermann (Hannover) und Bar dt F. (Frankfurt a. O.), 

F. 1899 durch Adolf Cahn. — Czikann Joh. Leo (Brilnn\ W. 1899 durch Brüder 
Fgger. — Isenbeck Julius (Wiesbaden), F. 1899 durch A. Hofs. — Keetman Adolf 
(Frankfurt), F. 1902 durch Schott- Wallerstein. — Ströhlin P. (Genf). F. 1902, durch 
Hamburger. — Rainer Joseph (St. Veit in Kärnten, f 1884;. Das Verzeichnis seiner 
Sammlung erschien M. 1902 — 1903 unter dem Titel: Katalog einer berühmten alten 
Münzen- und Medaillensammlung in 4 Abteilungen bei O. Heining. — Pogge C. F. 
(Greifswald), F. 1903 durch H. und H. Hamburger. 2 Abteilungen mit 39 Lichtdruck- 
tafeln. - Trau Franz (Wien), W. 1904 durch Brüder Kgger. 

Unter der jrrofsen Zahl von Spezialsammlungcn, die in Deutschland versteigert 
wurden, nenne ich . 

Für Bayern: J. V. Kuli (München), F. 1887 durch A. Hofs. Rothenhan II. 
Frhr. v. (München), M. 1896, durch Dr. E. Merzbacher. Ber ehern Graf, M. 1900, 
durch Dr. Jakob Hirsch Elsafs: Diemor, F. 1901, durch A. Cahn. Italien: 
Gnecchi Ercole (Mailand), F. durch L. u. L. Hamburger 1902—1903, 3 Abteilungen mit 
5849 Nuramern u. 41 Lichtdrucktaf. Medaillen: Gutekunst II. G Stuttgart) F. 1886 
durch Hefs, 1902 durch Hamburger. — Felix Eugen, (Leipzig), F. 1895 durch A. Hefs. 

Österreich: Ungcr Theodor (Graz), W. 1897 durch IL Cubasch und Brüder 
Egger. — Salzburg: Zell er Gustav (Salzburg), W. 1902 durch Brüder Egger. — 
Tirol: Wertheimer Karl (Meran), M. 1895 durch Helbinir. 

Polen: Mikocki Leon (Wien), W. 1850; Stecki Gf. Heinrich, F. 1873, 1875 
durch Hamburger; Chelminski Sigismund (Szarawaka), M. 1904, durch O. Helbing. 

Proufsen: Saurma- J el tsch Hugo von, B. 1868, durch Fieweger (orschien 
ohne Nennung des Eigentümers); II en ekel Paul (Berlin 1 , B. 1876, durch Adolf Weyl ; 
Fonrobert Jul. (Berlin), B. 1877, durch Adolf Weyl; Farina Karl (Köln), F. 1893, 
durch Ad. Hefa; Kil lisch von Horn, F. 1904 durch Hers. 

Städtern ü n zen : Warn ecke Friedr. (Berlin 1 , M. 1889 Helbing. Übersee- 
ische Münzen: Fonrobert Jul. (Berlin), 4 Abteilungen. B. 1878, durch Ad. Weyl. 



Digitized by Google 



96 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Die französischen Sammlungen gelangten vor allem durch die auch als Mün»- 
uchriftsteller vorteilhaft bekannten Pariser Münzhändler H. Hoffmann, Rollin ot Feuar- 
dent und Raymond Serrure zum Verkauf. Die Versteigerung italienischer Sammlungen 
pflegt durch die Impresa di Vendite Giulio Sambon, jene der niederländischen durch 
J. Schulman, auch durch G. Tb. Bom & Zoon in Amsterdam zu geschehen. 105 eng- 
lische Kataloge von 1775—1881 verzeichnet Catalogue of the . . library of the American 
Xttmümntie Society. New York 1883, S. 5 ff. 

6. Ein anderer Einteilungsgrunel wird aus dem Inhalt der Samm- 
lungen hergeleitet. Wird der Sammlung keine Begrenzung durch all- 
gemeine Gesichtspunkte gesteckt, z. B. durch die Zeit, in welcher, (»der 
dem Ort, an dem die Gepräge entstanden sind, durch die Art derselben 
u. dgl. so nennt man sie eine allgemeine, eine Universalsammlung, andern- 
falls aber eine besondere, Partikular- oder Spezialsammlung. Diese können 
je nach der Begrenzung, die für die Anlage der Sammlung mafsgebend 
ist, sehr mannigfach, bald umfassender, bald enger eingerichtet sein, doch 
lassen sich die meisten Spezialsammlungen unter einen oder mehrere 
der folgenden Gesichtspunkte bringen: 

a) Die Beschränkung bezieht sich nur auf die Entstehungszeit der 
Gepräge, also auf jene des Altertums, Mittelalters, neue oder neueste Zeit 
oder auf eine andere Periode, z. B. auf Gepräge aus der Zeit der fran- 
zösischen Revolution, aus der Regierung eines Münzherrn u. dgl. 

b) Die Begrenzung ist geographisch, d. h. man sammelt abendlän- 
dische oder orientalische, europäische oder aufsoreuropäische Münzen, 
die Gepräge eines bestimmten Landes usw. 

c) Nach dem Stande des Münzherrn : Münzen geistlicher oder welt- 
licher Fürsten, der Städte, Kavaliermünzen u. dgl. 

d) Nach den Metallen: Gold-, Silber-, Kupfersammlungen; Kipper- 
münzen. 

e) Nach den Münzgröfsen : Talerkabinett, Dukaten-, Groschenkabinett, 
auch wohl Münzen bis zur Talergröfse usw. 

f) Nach der Art der Gepräge: Münzen, Modaillen, Plaketten, Jetous, 
Marken , Weihmünzensammlungen usw. , Sammlungen von Schützen- 
münzen, Notmünzen, von Brakteaten, Naehgeprägen u. dgl. mehr. 

g) Nach der Ausdehnung, je nachdem nur eine Muster- oder Typen- 
sammlung oder eino möglichst vollständige Sammlung beabsichtigt wird, 
bei welcher z. B. alle Jahrgänge oder selbst alle Stempelverschieden- 
heiten (Varianteusammlung) Berücksichtigung finden sollen. 

Die Bedeutung der Spezialsammlungen liegt vor allem darin, dafs 
sie mit verhältnismäfsig geringerem Geldaulwand auf dem gewählten 
Gebiete ziemliche Vollständigkeit ermöglichen, weil sie dem Grundsatz 
der Ansammlung der gröfsten Kraft im kleinsten Punkte entsprechen. 
Dem steht als Nachteil gegenüber, dafs sie die Sammler leicht zur Ein- 
seitigkeit verführen. Es ist daher dem Anfänger durchaus zu wider- 
raten, mit einer Spezialsammlung zu beginnen. Richtig ist vielmehr, 
dafs der Anfänger zunächst nach seinen verfügbaren Mitteln, eine all- 
gemeine Sammlung anlegt und erst dann, wenn er einen gewissen Über- 



Digitized by Google 



g 12. Einteilung und Anordnung der Sammlungon nach ihrem Inhalt. 97 



blick gewonnen hat, die Beschränkung des Sammelgebiets eintreten läfst. 
Wer seine Sammlung nicht blofs zum Vergnügen haben, sondern auch 
zu wissenschaftlichen Zwecken benutzen will, dem ist sogar zu raten, 
dafs er seine Spezialsammlung mit einer allgemein gehaltenen Muster- 
sammlung verbinde, um Vergleichsstücke für seine besonderen For- 
schungen jederzeit zur Hand zu haben. 

7. Durch den Inhalt der Münzsammlung wird auch die Anordnung 
derselben bestimmt. Sie ist von den besonderen Zwecken abhängig, 
welchen dio Sammlung dienen soll, und wird verschieden ausfallen, je 
nachdem ästhetische, geschichtliche oder volkswirtschaftliche Gesichts- 
punkte vorwalten und je nachdem es sich um eine Universal- oder Spe- 
zialsammlung handelt. Als allgemeine Regel gilt die Zweckmäfsigkeit, 
d. h. es soll die Anordnung so getroffen werden, dafs sie dio Erreichung 
der für die Sammlung aufgestellten nächsten Zwecke mit möglichst ge- 
ringer Mühe gestattet. 

Bisher sind für die Anordnung von Münzsammlungen vor allem 
folgende Gesichtspunkte verwendet worden: 

Oberster Kinteilungsgrund ist: 

A. Die Zeitfolge, d. h. es werden die Gepräge lediglich nach der 
Zeit, in der sie entstanden sind, angereiht, ohne auf den Prägeort oder 
auf die Bedeutung der Gepräge zu achten. Eine solche Anordnung ist 
namentlich für eine allgemeine Sammlung unzweckmäfsig ; sie kommt 
bei Sammlungen von Medaillen und Jetons in den Niederlanden, wohl 
unter dem Einflüsse von Van Loons Histoire metallique — sowie verein- 
zelt bei Verzeichnissen verkäuflicher Münzen noch heutzutage vor. 

B. Das Metall: Gold-, Silber-, Kupferkabinett. 

C. Nach der Gröfse. — Auch diese Anordnungen sind durchaus un- 
wissenschaftlich, doch wird aus rein praktischen Gründen in jeder gröfsern 
allgemeinen Sammlung die Aufstellung nach der Gröfse eine gewisse Be- 
rücksichtigung finden, meist in der Art, dafs man die Gepräge nach 
ihrem Durchmesser in Formate teilt und innerhalb der so entstehenden 
Gruppen die gewithlto Ordnung gleichmüfsig beobachtet. 

D. Nach den Münzherren oder Prägeorten und zwar: 

«) Nach den Anfangsbuchstaben der Namen. Die alphabetische 
Einreihung ist zwar als oberstes Einteilungsprinzip durchaus unwissen- 
schaftlich, weil sie Gepräge, welche weder der Zeit noch ihrer Herkunft 
nach in nähern Beziehungen stehen, nebeneinander bringt, wie die 
Worte in einem Lexikon und anderseits bestehende Zusammengehörig- 
keit ohno tieferen Grund zerreifst. Da sie jedoch ein verhältnismäfsig 
rasches Auffinden einzelner Stücke gestattet, sobald man das Schlag- 
wort kennt, so erfreut sich diese Art der Anordnung leider noch immer 
einer unverdienten Beliebtheit, namentlich in Italien, wo die Preis- 
ausschreibung des Grafen Papadopoli für die beste Abhandlung über 
das Ordnen italienischer Münzen, nach einer die Geschichte und die 
geographische Lage berücksichtigenden Einteilung noch in Verhandlung 

Luüchin, Numismatik. 7 



Digitized by Google 



98 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



steht, obgleich Grote schon 1871 in seinen Münzstudien (VII, S. 335 bis 
350) den Entwurf einer wissenschaftlichen Aufstellung der italienischen 
Münzen veröffentlicht hat. 

Für die Anordnung innerhalb kleiner Unterabteilungen der Samm- 
lung ist jedoch die alphabetische Reihenfolge oft schwer zu entbehren. 

ß) Ein anderer Einteilungsgrund kann im Stande und Range des 
Münzherrn gefunden werden. Dergleichen Aufstellungen waren lange 
sehr beliebt; man trennte die Gepräge dor geistlichen Münzherren von 
jenen der weltlichen und beide von den Münzen der Städte und zer- 
legte jede dieser Abteilungen noch in Gruppen, die man nach dem 
Range der Münzherren oder nach dem Alphabete ordnete, als Päpste, 
Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe usw. einerseits und Kaiser, Könige, Kur- 
fürsten usw. anderseits. Eine solche Einteilung, verbunden mit alpha- 
betischer Anordnung innerhalb einer gröfseren Gruppe, bildet z. B. das 
System von Appels verbreitetem: »Repcrtorium der Münzkunde des 
Mittelalters und der neueren Zeih (W. 1820-1829), das zuerst Gepräge geist- 
licher Fürsten, dann solche von Kaiser und Königen, im dritten Teil 
Gepräge der weltlichen Fürsten und Herren und im vierten und letzten 
jene der Republiken und Städte und Orte behandelt. 

Auf ähnlichen Grundsätzen beruht auch das Lilienthal- Madais che 
System, das noch seine Anhänger hat. Es stellt die Gepräge der Kaiser, 
Könige und Kurfürsten voraus, schiebt dann jene der geistlichen Fürsten 
ein, läfst darauf die Gepräge der weltlichen Fürsten und Grafen, Frei- 
herren, der Städte usw. folgen, berücksichtigt aber nebenbei die geo- 
graphische Lage der Münzgebiete bis zu einem gewissen Grade. Es ist 
jedenfalls bemerkenswert, dafs Hermann Grote seinerzeit (Bl. f. Mkde. 
III, 75, 1837) dieses System mit gewissen Verbesserungen als das geeig- 
netste zur Anordnung grofser, allgemeiner Sammlungen bezeichnet hat. 

y) Das von Bergmann empfohlene dynastische System, nach 
welchem alle von einem Münzherrn ausgegangenen Gepräge, ohne Rück- 
sicht darauf, wo dieselben geschlagen wurden, zusammengestellt werden. 
Man findet dasselbe oft in Partikularsammlungen durchgeführt, in welche 
gerne zur Ergänzung alles, was man überhaupt hereinziehen kann, auf- 
genommen wird; für Universalsammlungen ist es ungeeignet. 

8) Alle genannton Aufstellungen vernachlässigen mehr oder minder 
die Beziehungen, welche sich zwischen Geprägen ergeben, die ungefähr 
gleichzeitig an benachbarten Orten entstanden sind. Gerade darauf hat 
jedoch ein wahrhaft numismatisches System vor allem Rücksicht zu 
nehmen. Bei der Umsetzung dieses Gedankens in die Tat ergeben sich 
aber sofort Schwierigkeiten, wenn man die Einteilung nach der politi- 
schen Geographie der Gegenwart machen wollte, weil diese fortwährend 
Veränderungen unterliegt. Es bleibt daher nur eine synchronistische 
Anordnung übrig, welche den Stoff in passende Zeitabschnitte zerlegt 
und innerhalb dieser die Gepräge der damaligen politischen Geographie 
entsprechend aufteilt. Die Abtrennung der Münzen des Altertums von 
den jüngeren Geprägen ist ohnehin schon üblich und hat sich, weil 



§ 12. Systeme und Muster zur Anordnung von Münzsammlungen. 99 

innerlich begründet, durchaus bewährt; man braucht also nur den ein- 
mal als richtig befundenen Grundsatz der Absonderung nach Zeiträumen 
bei den Geprägen des Mittelalters, der neuen und neuesten Zeit wieder- 
holt anzuwenden, um zu einer wissenschaftlich brauchbaren Aufteilung 
zu gelangen. Nur hüte man sich vor steifen Zeitgrenzen, sondern wähle 
dabei lieber solche, die einen gewissen Spielraum zulassen, weil die für 
die Münzkunde entscheidenden Umstände keineswegs überall aufs Jahr 
zusammentreffen. 

Borgmann J. v., Darlegung mehrerer bisheriger Systeme für Anordnung von 
Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen. Denkschriften 
d. k. Akad. d. Wissensch. Wien, Bd. XIV (1865), S. 245. — Ein Beispiel des hier 
empfohlenen und dann in Partikularsammlungen oft angewandten SystemB bietet das 
vom Konservatorium des Kgl. Bayer. Münzkabinetts herausgegebene Werk: Die Me- 
daillen und Münzen des Gesamthauses Wittelsbach. M. 1901. — Grote H., Bl. III 
(1837), S. 76, 150. — Über die Anordnungsweise von Sammlungen neuerer Münzen s. 
Münzstudien VII, S. 241 —378, dazu seine zerstreuten Bemerkungen über ein Corpu» 
numorum in dem von ihm als Korrespondenzblatt des Münzforschervereins heraus- 
gegebenen Numism. Anzeiger III, IV (H. 1873-1874) und in den Bl. f. Mzfr., Bd. III, 
Nr. 33 ff. bis 50 (1873—1876). Leitzmann .1., Abrifs der gesamten Münzkunde. Erfurt 
1828; Mader, Beitr. U, 24: Über die Gronzen und Anordnung einer Sammlung von 
Münzen des Mittelalters. — Fawlowski A. v., Über wissenschaftliche Klassifikation 
der mittelalterlichen und modernen Münzen. W. N. Z. XIV, 206. — Stückelberg 
191 ff. 

Thomson, Katalog s. Sammlung 1866 — 1876, dazu die Bemerkungen Dannen- 
bergs in Z. f. N. II, 376. — Grote. Münzstudien VIT; Engel-So rrure, Tratte MA. mit 
den Bemerkungen Dannenbergs in Z. f. N. XIX, 294, in welchen der von Mader 
und Grote aufgestellte Grundsatz verfochten wird, dafB jede geographische Anordnung 
geschichtlicher Denkmäler der gleichzeitigen historischen Geographie entsprechen 
müsse. 

Über die Grundsätze, nach welchen die Auswahl der zur Ausstellung bestimmten 
Stücke aus dem k. k. Münz- und Antikenkabinett in Wien vorgenommen wurde vgl. 
Kenner in W. N. Z. XXD3, 297 ff. — Menadier J., Die Neuordnung der mittelalter- 
lich-neuzeitlichen Münzen im Kgl. Münzkabinett zu Berlin, B. Bl. 1902, Nr. 2, 3. — 
Die von Grote geforderte Absonderung der Medaillen und anderer Stücke, die mit 
Münzen lediglich die Prägung gemein haben, welche Menadier seiner Neuordnung 
des Kgl. Münzkabinetts zugrunde legt, wurde von mir schon vor einem Jahrzehnt in 
der Sammlung des Landesmuseums >Joanneum> in Graz rücksichtlich der steiermärki- 
schen Gepräge durchgeführt. 

8. Muster zur Anordnung einer Uni Versalsammlung nach den zuerst 
von Mador in seinen Beiträgen (II, 24) ausgesprochenen numismatischen 
Gesichtspunkten haben Thomsen, Grote und Engel-Serrure in 
drei Formen als Katalog einer wirklichen Sammlung, als theoretische 
Erörterung mit Beispielen und als numismatisches Handbuch geliefert. 
Bei mancher Verschiedenheit in der Anlage stimmen alle drei darin 
überein, dafs sie nicht blofs für die Hauptgruppen: Altertum, Mittel- 
alter, neuere und neueste Zeit, sondern auch für die Unterabteilungen 
- innerhalb dieser Perioden getrennte Aufstellungen voraussetzen, ferner 
dafs sie im wesentlichen nur die abendländischen Gepräge Europas be- 
rücksichtigen. Sehr zu beachten sind aufserdem die kurzen Angaben, 
welche Direktor J. Menadier über die Neuordnung der mittelalterlichen 
und neuzeitlichen Münzen im Kgl. Münzkabinett zu Berlin in don B. 
Mzbl. (1902, Nr. 2, 3) veröffentlicht hat. 

7« 



Digitized by Google 



100 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde 



Thomsens Katalog bringt im ersten Bande nach Eckhels System 
in zwei Abteilungen erst die griechischen und Kolonialmünzen und sodann 
die römischen Gepräge bis zum Sturz des weströmischen Kaiserreichs. 
Der zweito Band beschreibt 12683 Mittelaltermünzen aus der Zeit von 
395 — 1520 in drei Gruppen: a) byzantinische 395 — 1453, b) frühmittelalter- 
liche, c) spätmittelalterliche Gepräge, je nachdem die Münzen vor das 
Jahr 1000 oder in die Zeit von 1001—1520 fallen. Den Geprägen der 
neueren Zeit hatte Thomsen weniger Beachtung geschenkt, da er nur 
nordische Münzen von 1521 — 1865 und allgemein von der französischen 
Revolution an sammelte. Grundlegend ist Thomsen durch die völlige 
Trennung der Münzen von den Medaillen und die Anordnung dieser 
nach den Künstlern und nicht nach den Personen und Begebenheiten, 
auf welche sie Bezug nehmen. 

Grotes Abhandlung über die systematische Anordnung der modernen 
Münzen ist im 7. Bande der Münzstudien, S. 241—378 nachzulesen. Sie 
bietet mehr, als man nach dem Titel vermuten würde, da sie das ge- 
samte abendländische Münzwesen vom Mittelalter bis zur Gegenwart ins 
Auge fafst und eine Fülle richtiger Bemerkungen und wichtiger An- 
regungen neben schrullenhaften Aufserungen enthält. Die Zeiträume und 
die geographischen Übersichten werden für die einzelnen Unterabtei- 
lungen begründet. Verzeichnisse der Münzherren und Münzstätten und 
am Schlüsse als praktisches Beispiel für die Anordnung deutscher Münzen 
des Mittelalters das Inventar einer wirklichen Sammlung sind ange- 
schlossen. Ergänzt wird diese Abhandlung durch zahlreiche Aufsätze 
über ein Corpus numorum, die Grote erst im Numism. Anzeiger (1872) 
und später in den Bl. f. Mzfr. (1873—1876) veröffentlicht hat. 

Der Tratte de numismatique von Engel und Serruro, unser bestes, 
leider noch unvollendetes Handbuch der Münzkunde des Mittelalters und 
der neuern Zeit, ist auf 5 Teile berechnet, von welchen 3 aufs Mittelalter, 
2 auf die neuere und neueste Zeit entfallen sollen. Der 1. Teil reicht 
vom Sturz des Römorreiches bis zum Ende der Karolinger, entspricht 
also dem Thomsenschen Frühmittelalter; er zerfällt nach der Zeit der 
Merowinger und Karolinger in 2 Hälften, innerhalb welcher sich die 
Abschnitte über die Franken, Angelsachsen, Byzanz usw. wiederholen. 
Der 2. Teil reicht vom Ende der Karolinger bis zum Auftreten des Pfennig- 
vielfachen, der 3., der als spätes Mittelalter die Zeit vom Beginne der 
Groschen und Turnosen bis zur Talerprägung enthalten soll, ist noch 
nicht ausgegeben, wohl aber liegen Teil 4 und 5 schon vor. Auch hier 
wird eine münzgeschichtlich bedeutende Erscheinung für die Unterteilung 
benützt: die neuere Zeit reicht bis zur Einführung des Dezimalsystems 
im französischen Münzwesen, durch welche die karolingische Pfundein- 
teilung beseitigt wurde, die neueste von da ab bis zur Gegenwart. 

9. Man sieht nach dem Gesagten, wie sehr man bei der Aufstellung 
von dem schon erreichten Bestände und dem beabsichtigten Umfang der 
einzelnen Münzsammlung abhängig ist. Es lassen sich daher nur wenige 
erprobte Sätze als allgemeine Richtschnur für die Anordnung einer Münz- 
sammlung aufstellen ; solche sind : 



Digitized by Google 



§ 12. Erprobte Sätze für die Aufstellung von Münzsammlungen. 101 



a) Der Wert der verschiedenen für die Aufstellung einer Sammlung 
vorgeschlagenen Systeme ist nach dem Grade, in welchem sie den all- 
gemeinen Uberblick erleichtern, zu beurteilen. Nicht im leichten Auf- 
finden eines einzelnen Stückes, sagt Grote richtig, sondern im leichten 
Übersehen des Ganzen liegt die zu lösende Aufgabe. »Die Numismatik 
ist keine Gcographia oder Oironologia numis illustrata; ihr dienen umge- 
kehrt alle historischen Hilfswissenschaften nicht blofs zur Erläuterung 
der einzelnen Münzen, sondern namentlich zur Aufstellung ihres Systems. 
Das numismatische System schliefst sich ja dem Erfordernisse nach der 
Geographie, der Chronologie, der Geldgeschichte, ja dem Alphabete an, 
wie es ihre Zwecke erfordern.« 

b) Für eine allgemeine Sammlung ist nur ein synchronistisch-geo 
graphisches System zu empfehlen. Um jedoch ein rasches Auffinden 
einzelner Stücke zu ermöglichen, sind nach Bedarf alphabetische oder 
Realrepertorien anzulegen. 

c) Die Münzen sind in der Aufstellung grundsätzlich von münz- 
ähnüchen Geprägen, namentlich auch von den Medaillen zu trennen. Das 
kann im einzelnen Falle verschieden durchgeführt werden, etwa indem 
man den Münzen eines Landes oder eines Herrschers die einschlägigen 
Medaillen, Jetons, Marken u. dgl. als ebensoviele Unterabteilungen an- 
schliefst, oder aber, indem man sie von den Münzen ganz trennt und 
als besondere Abteilungen behandelt, was sich schon aus praktischen 
Gründen als das bessere empfiehlt, weil die Verschiedenheit der For- 
mate Laden von ungleicher Tiefe oder mit abweichenden Einteilungen 
erfordert. 

d) Die Einordnung der Münzen ist eine geographisch-chronologische ; 
innerhalb der durch die Regierungszeit der Münzherren oder sonst ge- 
bildeten kleineren Zeitabschnitte kann sie entweder durchlaufend chrono- 
logisch oder aber nach den Münznominalen erfolgen, was übersichtlicher 
und daher zweckmäfsigor ist. Die Anordnung der Medaillen erfolgt ent- 
weder nach der Person, dem Orte oder dem Ereignisse, das sie betreffen, 
oder nach den Künstlern, je nachdem man geschichtliche oder kunst- 
geschichtliche Zwecke in den Vordergrund stellt; doch ist jedenfalls 
durch ein Repertorium die Benutzung der Medaillensammlung auch nach 
der zweiten Richtung hin sicherzustellen. 

e) Innerhalb der historisch - geographischen Gruppen der Münz- 
sammlung werden die Münzen nach der staatsrechtlichen Verschiedenheit 
der Münzberechtigten, welche eine physische oder juristische Person 
sein können, gesondert. Es werden daher die Münzen der weltlichen 
Münzherren, die ein vererbliches Recht haben, von den geistlichen Münz- 
fürsten, die es auf Lebenszeit erhalten, und von beiden jene der münz- 
berechtigten Städte zu sondern sein. 

f) Unbekannte oder unbestimmbare Münzen werden wohl keiner 
Sammlung fehlen. Grote unterscheidet relativ (subjektiv oder provi- 
sorisch) unbestimmbare, die man wegen mangelhafter Beschaffenheit der 
Exemplare nicht deuten kann, und absolut, objektiv oder definitiv un- 



Digitized by Google 



102 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



bestimmbare, auf denen deutlich erkannte Bilder und Umschriften den 
Münzherrn und Prägeort nicht ermitteln lassen. 

Thomsen vereinigte all diese Münzen als Anhang zu der gesamten 
Sammlung unter dem Namen eines Cabinet cCignorance. Meist wird die 
Unbestimmbarkeit nur eine relative sein, d. h. man wird mit einiger 
Wahrscheinlichkeit die Zeit und die Gegend, welcher diese Gepräge an- 
gehören, vermuten können. Wenn dies der Fall ist, dann hat die Münze 
ihren gesicherten Platz am Schlüsse jener geographischen oder chrono- 
logischen Abteilung, welcher sie angehören dürfte. 

g) Münzfunde sollen, solange sie noch nicht wissenschaftlich in er- 
schöpfender Weise bearbeitet sind, beisammengehalten und nicht durch 
Aussonderung der bestimmbaren Stücke zerrissen werden (vgl. § 14). 

h) Falsche und unechte Münzen sind zu trennen. Erstere können 
als Erzeugnisse zeitgenössischer Falschmünzer in der Sammlung neben 
die echten Vorbilder gelegt werden, letztere, die Erzeugnisse einer weit 
späteren, wo nicht der neuesten Zeit, vereinigt man in geeigneter Weise, 
um Vergleichsmaterial zur Prüfung echter oder verdächtiger Stücke zur 
Hand zu haben. 

§ 13. Behelfe des Sammlers. 

1. Ein Sammler, welcher seine Münzen nicht wie ein Geizhals tot 
aufhäufen will, sondern von seiner Sammlung, sei es ästhetischen Genufs, 
sei es Anregung zur wissenschaftlichen Forschung beabsichtigt, wird zur 
Erreichung seiner Zwecke mancherlei Behelfe notwendig haben. Oft 
werden die Münzen in so üblem Zustande, mit Rost oder Schmutz be- 
deckt, in seine Hände gelangen, dafs eine Reinigung derselben vorerst 
erforderlich sein wird ; nur hüte man sich dabei, des Guten zu viel zu 
tun. Edelrost (Patina), der Bronzemünzen mit der Zeit in verschiedener 
Färbung: hell- oder blaugrün, braun usw., je nach ihrer Zusammen- 
setzung und dem Orte, wo sie gelegen haben, so überzieht, dafs alle 
Einzelheiten der Prägung scharf hervortreten, ist unbedingt zu schonen, 
erdige Auswüchse hingegen, welche Bild oder Schrift unkenntlich machen, 
müssen beseitigt werden. Man versuche dies zuerst durch trockenes 
Abbürsten mit einer harten Nagel- oder Zahnbürste, nötigenfalls durch 
vorsichtige Anwendung einer Drahtbürste; Lösungsmittel vermeide man 
nach Tunlichkeit; in allen Fällen, in welchen solche gebraucht wurden, 
selbst wenn man blofs Seifenwasser zum Abwaschen des Schmutzes ver- 
wendet hat, müssen die Stücke gut abgotrocknet werden, was am besten 
durch Abreiben mit feinen Holzspänen oder Torfmull erreicht wird. 
Roichen diese einfachen Mittel nicht aus, so wird man, je nach Umstän- 
den, zu einem der verwickeiteren Verfahren greifen müssen, die Kirmis, 
Rathgen, S. 121 ff., und Blanchet, S. 33 ff., für die Reinigung von 
Kupfer- oder Bronzemünzen empfehlen. Weniger bedenklich ist die An- 
wendung von Lösungen zur Reinigung von Münzen aus edlem Motall, 
wiewohl man auch hier auf die Legierung von Kupfer, die sie fast immer 
haben, Rücksieht nehmen mufs. Kernhaltiges Silber wird durch Ein- 



Digitized by Google 



§ 13. Behelfe zur Reinigung und Aufbewahrung der Münzen. 



103 



tauchen in Ammoniak oder eine schwache Schwefelsäurelösung (1 — 2%) 
blank, mufs aber hinterher sorgfältig ausgewässert und dann abgetrocknet 
werden. Das Nähere bei Blanchet, S. 43. Um blankes Silber gegen 
das schwärzliche Anlaufen zu schützen, das namentlich bei den zur Schau 
gestellten Münzen häufig vorkommt, wird das Eintauchen derselben in 
Zapon (Amylazetat) empfohlen. Dieses läfst nach dem V erdunsten einen 
sehr dünnen und völlig durchsichtigen Uberzug zurück und verhindert 
durch diesen die Einwirkung von Schwefelverbindungen auf die Münz- 
oberfläche. Verbogene Stücke hämmert man vorsichtig zwischen Blei- 
platten oder zwischen zwei quer über die Faser (über Hirn) geschnittenen 
Klötzen von Buchenholz wieder gerade. 

Rathgen F., Die Konservierung von Altcrtumsfnndon. B. 1898. — Blancbet 
et Villen oisy, Guide pratique de VAntüjuaire. P. 1899. — Stückelberg 217. — 
N. Z. 1835 Nr. 5, 6: W. N. M I, 8. 14; II, S. 192. Hallet in Z. f. N. I, 203, III, 262. 
— Coste, Ober Reinigen und Bronzieren von alten Münzen. W. N. Z. XI, 196; auch 
Loos, Kunst, falsche Münzen zu erkennen. B. 1828, 86 ff. — Verfahren, um verwischte 
Gepräge wieder sichtbar zu machen. X. Z. 1839, Xr. 25, 8p. 198. — \je Rouxsches Ver- 
fahren mit Anwendung des galvanischen Stroms. Z f. N. XX, 325; Rathgen 126. — 
Grote Bl. I, 31. — Drude in Z. f. X., XVII, 100: >Eine Eigenschaf t der Silb*rmttnzen<. 
Auf dem gleichen Prinzip beruht wahrscheinlich die Spielerei einer auf die Welt- 
echöpfung geprägten Medaille im Gothascheu Kabinett. Xach dem Erwärmen zeigte die 
anscheinend leere Rückseite den Erdball und die Worte: ES WARD LICHT. N. Z. 
1839, Sp. 7. — Kirmis M., Chemische Winke für Xumismatiker. B. Mzbl. Xr. 49 (auch 
als Sonderabdruck, 2. Aufl. B. 1894). — Derselbe, Dio Xumismatik in der Schule. B. 
Mzbl. Xr. 94, auch Neumünster 1888 (Programm'. — Plundrich Aug., Münzensamm- 
lungen als Anschauungsmittel beim Unterricht Stockorau 1892 (Gymnasialprogramm), 
dazu W. X. M. llf, 58, 64. Über Versuche, das Skioptikon für numismatische Zwecke 
zu verwenden. W. X. M. IV, 42 (Nr. 165). 

2. Die Aufbewahrung der Münzen mufs sowohl den Forderungen 
der Sicherheit als auch der Übersichtlichkeit entsprechen. Sie erfolgt 
daher in gröfseren Sammlungen in Kasten, die, je nachdem die Stücke 
zur Schau gestellt oder nur verwahrt werden sollen, verschiedene Ein- 
richtung haben. Das Münzkabinett zu Neapel hatte sämtliche Münzen 
unter Glas, was an sich empfehlenswert, allein bei grofsen Sammlungen 
schwer durchzuführen ist. Gewöhnlich schlägt man daher den umge 
kehrten Weg ein, d. h. man behandelt zunnächst alle Münzen als Be- 
standteile einer grofsen Ladensammlung und wählt dann aus dieser 
einzelne Stücke, die man, nach verschiedenen Gesichtspunkten geordnet, 
in der Schausammlung unter Glas voreinigt. Man benötigt in solchem 
Falle eine Anzahl gut verschliefsbarer Münzkasten mit vielen Laden von 
geringer Tiefe. Um nun das Durcheinanderrütteln der Münzen beim 
Aufziehen und Zurückschieben der Laden zu hindern, werden diese mit 
einer meist festen, zuweilen auch beweglichen Einrichtung versehen, 
welche die Münzen an ihren Plätzen festhalten soll. Nicht wohlfeil, 
aber sehr zweckmäfsig ist die Einrichtung im königlichen Münzkabinett 
zu Berlin: flache Laden ohne Fächereinteilung mit auswechselbaren 
Einlagen, die aus mehrfach übereinander geleimtem Pappendeckel be- 
stehen und kreisförmige Ausschnitte zur Aufnahme der Münzen ent- 
halten. Die ausgestanzten Pappenscheiben werden zunächst an Ort 



Digitized by Google 



104 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



und Stelle gelassen und erst nach Mafsgabe, als der Platz für Münzen 
benötigt wird, entfernt; man kann daher, da in jedes Feld nur ein Stück 
gelegt wird, mit einem Blick überschauen, ob alles, was vorhanden sein 
soll, auch da ist, oder ob Stücke fehlen. Die Laden, am besten auf 
Nut und Feder gerichtet, werden für das Berliner Kabinett aus starkem 
Eisenblech hergestellt, da sich Holz gerne wirft, namentlich wenn die 
Leisten der Fächer aufgeleimt wurden. Schausammlungen werden am 
zweckmäfsigsten in Pulttischen oder Kasten auf etwas geneigter Fläche 
unter Glasdecke ausgestellt. Viel kostspieliger sind Einrichtungen, bei 
welchen die Münzen zwischen zwei Glasplatten eingeschlossen werden; sie 
gewähren indessen den Vorteil, dafs man beide Seiten des Gepräges be- 
trachten kann, ohne das Stück aus dem Verschlufs nehmen zu müssen. 

Münzschränke : Schübler Jos. Jak.: Nützliche Vorstellung, wie man auf eine 
vorteilhafte Weise bequeme Repositoria und Medaillenschränke ordinieren könne; 
N. 1736, mit Abbildungen. — Grote, Bl. 11,200: Einrichtung von Münzschränken — 
Beckers >Revere Duplex Reflektor Numisma«, der sich an jedem Schauschrank an- 
bringen lasse und die Rückseite im Spiegelbild neben der Vorderseite zeige, ange- 
kündigt in Thiemes numism. Verkehr 1904, Nr 1, S. 30. Anordnung einer chinesischen 
Münzsammlung. N. Z. 1871, S. 84, der Storerschen Medaillensammlung in Boston. 
W. N. M. Nr. 251 (1904). 

3. Wieder andere Behelfe erleichtern das Bestimmen und Beschreiben 
der Münze. Zur Erkundung kleiner Schriften oder Einzelheiten des Geprä- 
ges benötigt man ein Vergröfserungsglas, zur Ermittelung des Münzgewichts 
eine gute Wage und passende Gewichte, zur Feststellung der Münzgröfse 
sog. Münzmesser (§ 6, 5 und Fig. 74, S. 118). — Für vorübergehende 
Aufbewahrung haben sich kleine Papiertäschchen bestens bewährt, die 
auch zur Versendung von Stücken geeignet sind. Für einzelne Münzen, 
die man aus der Hand geben und doch vor Berührung schützen will, 
können flache Schachteln aus durchsichtigem Celluloid empfohlen werden, 
die von der Bayer. Celluloidwaarenfabrik vormals A. Wacker et Comp, in 
Nürnberg in beliebiger Gröfse billig geliefert werden. Sehr verwendbar ist 
auch ein kleines Gerät, »der Münzenträger«, weil es ohne Hilfe der Hand 
eine darauf gelegte Münze in beliebiger Lage und — was namentlich 
fürs Abzeichnen wichtig ist — in beliebiger Beleuchtung festhält. Es 
besteht aus zwei Teilen, dem Untersatz mit einer kreisförmig heraus- 
gedrehten Öffnung und dem eigentlichen Träger, einer Kugelhälfte, in 
deren Schnittfläche mehrere konzentrische Ringe treppenartig eingelassen 
sind. Der Träger, auf die Öffnung des Untersatzes gestellt, ist wie ein 
Kugelgelenk nach allen Richtungen frei beweglich, während die Münze 
durch ihre Schwere und den Steil rand des nächst gröfseren Ringes fest- 
gehalten wird. Unentbehrlich für jeden Sammler ist ferner eine Anzahl 
von Hilfswerken, namentlich Münzbeschreibungen und Abbildungen; der 
Forscher wird überdies Stücke, die er nicht selbst besitzt, in Form von 
Abdrücken (Siegellack, Gips, Zinnfolie usw.) zu Rate ziehen müssen. 

Münztnesser, der älteste wohl von 0 1 eari u s 1696, Mader hat sich dessen 
noch bedient. — Grote, Bl. II, Taf. 4 und Sp. 50 51. — Kraft scher Mtinzmesser, 
der das Ablesen dreier verschiedener Skalen bei einmaliger Einstellung ermöglicht. 
W. N. M. I, 140. Aufsätze über einen allgemeinen Münzmesser von Smits van 
Nieuwonkerk und Stephanik in Tydschrift van het Xedcrlandsch Genootschap vor 



Digitized by Google 



§ 13. Einrichtung von Schau Sammlungen, Münzraesser, Hilfswerke, Münzbandel. 10ö 

Munt en Penningkunde I. Amsterdam 1893, Taf. III. — Taschen presse zur Herstellung 
von Münzabdrücken. Bl. f. Mzfr. 1899, Nr. 4, 5. Beschreibzettel, Zählkarten einige 
Muster, b. Num. -sphrag. An*. 1871, S. HB; 1872, S.B; 1878, 8.3. — Hilffjbibliothek. s. 
die Verzeichnisse von Bibliographien § 3, S. 11 und die Literatur zu § 9, Absatz 6 ff., 
ferner Stückelberg 219 ff. und Uberhaupt die Literaturangaben in den § 1, S. 4 ge- 
nannten Handbüchern. 

4. Auch der Einrichtungen mufs hier kurz gedacht werden, durch 
welche die Anlage von Sammlungen erleichtert wird. Da Münzen fast 
immer nur gegen Entgelt zu haben sind, so sind Kauf und Tausch die 
gewöhnlichen Wege, auf welchen eine Sammlung zusammengebracht 
wird. Der Tausch dient vor allem dem Verkehr der Münzsammler unter- 
einander, welche sich entbehrlicher Stücke so mit wechselseitigem Vor- 
teile entüufsern können. Demungeachtet hat er aus jenen allgemeinen 
volkswirtschaftlichen Gründen, die bei Besprechung des Geldes (§ 4, 1) 
schon angedeutet wurden, auch im Münz verkehr gegenüber Kauf und 
Verkauf die geringere Bedeutung, zumal seit durch die Entwicklung 
des Münzhändlergewerbes im 19. Jahrh. Formen geschaffen wurden, 
welche dem Sammler gegen Entgelt alle Mühen abnehmen. Allerdings 
ist dadurch jener Reiz des Sammelns — ein wahres Jagdvergnügen — 
fast ganz geschwunden, den das Aufstöbern eines seltenen Stückes in 
den Händen eines gleichgültigen Besitzers dem eifrigen Sammler gewährte. 
Der Reichtum einer neuangelegten Sammlung an Seltenheiten beruht 
darum heutzutage weniger auf Glück und Geschick ihres Eigentümers 
als auf der Gröfse der Geldmittel, die dieser seiner Sammlung widmen 
will und kann, ist somit also wesentlich eine Geldfrage. Ausgleichend 
steht dem gegenüber, dafs Sammlungen nun in kurzer Zeit bis zu einem 
Grade der Vollständigkeit gebracht werden können, der sich früher selbst 
bei einer durch Jahrzehnte fortgesetzten Tätigkeit nicht erreichen liefs. 

Den raschesten Wuchs durch Ankauf ganzer Sammlungen zeigt das Kgl. Münz- 
kabinett zu Berlin, das Ende des 18. Jahrh. wenig über B700 Stück, i. J. 1880 jedoch 
schon über 200000 Stück zahlte. Erworben wurden für die Abteilung der Griechen- 
münzen die Sammlungen Rauch (4000\ Fox (11500), Pr okesch-Osten (10916) 
und im Jahre 1900 ImhoofBlumer (22040 Stück) füre Mittelalter und die neuere Zeit 
die Sammlungen Dannenberg 3000), Grote (10000) und Fi ke n tsc he r (15000, 
darunter mehr als 6000 burggrafliche und markgrafliche der Hohenzollern), Orientalen, 
Guthrie (15263 Stück), Privatmcdaillen, Rudolphi 9344 Stück, die an Seltenheiten 
aller Art reiche Benoni-Friedländersche Sammlung (17 000 Stück) usw. Vgl. 
Zur Geschichte der Kgl. Museen in Berlin, Festschrift 1880, B. Mzbl. Nr. 241. Me- 
nadier, Deutsche Münzen IV, Einleitung. 

5. Die erwähnte Entwicklung des Münzhandels hat neben den all- 
gemeinen auf die Preisbildung wirkenden Umständen, zumal der ver- 
mehrten Kapitalsbildung und der Zunahme der Umlaufsmittel, die Preise 
der Münze wesentlich beeinflufst. Es ist zu einer gewissen Ausgleichung 
gekommen, die man früher nicht kannte. Vom Münzhändler wird dies 
durch den gemeinen Marktwert der Stücke erklärt, in Wirklichkeit sind 
es Liebhaberpreise, die innerhalb gewisser Grenzen durch Angebot und 
Nachfrage gefestigt sind. Die Preise für begehrte, gut erhaltene seltene 
Stücke sind dabei oft auf das 5- bis 10 fache des Preises gestiegen, den 
man vor 50 — 60 Jahren dafür bezahlte; umgekehrt sind viele Münzen 



Digitized by Google 



10G 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



jetzt billiger zu haben als früher, ja es gibt nicht wenige Stücke, die 
man bei einem Münzhändler wohlfeiler kaufen wird als von einem Eigen- 
tümer, der keine Münzkenntnisse hat. Viel entscheidet übrigens auf 
diesem Gebiet die Mode, die z. B. jetzt Gold hinter Silber zurücksetzt. Ein 
einziger zahlungskräftiger Sammler, der sich einem bestimmten Sainmel- 
gebiete zuwondet, kann Anlafs sein, dafs die einschlägigen Münzen rasch 
über den Wert, der ihnen etwa mit Rücksicht ihrer Seltenheit zukommen 
würde, im Preise weit hinaufschnellen. Ist dies einmal geschehen, so 
können sich die Preise auf dieser Höhe durch einige Zeit behaupten, 
selbst wenn jener Sammler inzwischen seine Liebhaberei geändert und 
keine Nachfolger gefunden haben sollte. 

Münzhandol: Stückelberg 224 ff. — Bl. f. Mzfr. Nr. 80. Münzpreise. 
Leitzmann, X. Z. 1837, 72; 1838, 14 von einst und jetzt (Vergleichung der Preise 
von 1828 und 1869) a. a. 0. 1870, 6. — Was ist das teuerste und was ist das billigst« 
Sammeln? a. a. O. 1870, S. 34 und 116 — Der höchste Preis für eine Münze (15400 M.\ 
s. Num.-Bphrag. Anzeiger 1897, Nr. 1 — L 325 for a Gold-Penny (König Heinrichs III.) 
F. Mzztg. 1903, Nr. 29, S. 446, dazu Nr. 32, S.486: Proise wertvoller englischor Münzen. 
— Vgl. auch Bl. f. Mzfr. 1885, Nr. 58, 59; 1887, Nr. 142, 146; dazu die lebendige Schil- 
derung Dannenbergs der Münzpreise und Sammlerverhältnisse zu Berlin seit 1840 
in der Denkschrift zur Feier des 60jahrigen Bestehens der Numismat. Gesellschaft zu 
Berlin (Berl. Mzbl. 1900, Nr. 23/24). Im grofBen ganzen sind die Preise von Münzen 
und andern Geprägen , namentlich für Seltenheiten aus älterer Zeit von schöner Er- 
haltung und künstlerischem Wert ungemein gestiegen. Der Betrag von 200 M., der 
bei Versteigerung der an Seltenheiten überreichen Sammlung Welzl von Wellen- 
heims (Wien 1845, über 28000 Stück) meinen Wissens nur vom Keutschachtaler erreicht, 
richtiger gesagt, sogar etwas überschritten wurde, ist heutzutage gar nicht selten. Er 
wurde z. B. bei der im Jänner 1902 durch L. und L. Hamburger in Frankfurt a. M. 
geleiteten Versteigerung der ersten Abteilung der Sammlung E. Gnecchi (1884 Stück) 
5 mal erreicht und 75 mal überschritten, eine zehnfache Zecchine des Papstes Kle 
mens VIII. wurde hier mit 2100 M. bezahlt; in der dritten Abteilung haben zwei zehn- 
fache Zecchinen der Trivulzio sogar 2890 und 3300 M. erreicht. Der schon erwähnte 
Keutschachtaler, 1836 bei der Versteigerung der D i c k m an nschen Sammlung mit 
69 H., etwa 145 M. erstanden, ging 1845 bei Welzl von Wellen he im auf 100 Ü. 
C. M. = 210 M., 1H6H bei Schulthefs-Rechberg auf 105 Tuler = 315 M., 1902 in der 
Versteigerung Z e 1 1 c r (Wien) : 2350 Kronen oder rund 2000 M , ungerechnot die Neben- 
auslagen von 10°/ O i die gleichfalls vom Kaufer zu tragen sind. Aber auch neuere 
Stücke, die man früher wenig beachtete, finden jetzt Abnehmer zu hohen Preisen 
Ich erwähne den sehr seltenen Löwcntaler des Salzbnrger Erzbischofs Hieronymus 
vom Jahre 1790, der 1845 bei Welzl nur 4 fl. ('. M., d. i. den doppelten Silber- 
preis, erzielte, 11*02 bei Zell er um 1350 Kronen — rund 1150 M. abging. Diesen 
Preiserhöhungen steben namhafte Preiscrmftfsigungen bei vielen andern Stücken ent- 
gegen. Die auf den Schlag der deniers tourmm gemünzten Pfennigo der Kreuzfahror- 
staaten Achaia und Athen waren vor 60 Jabren noch sehr selten, die 15 Stück, die 
Welzl besafs, brachten damals um 9 fl. mehr ein als der Keutschacher Taler. Während 
jedoch dieser, wie erwähnt, im Jahre 1902 mit 2000 M. bezahlt wurde, hat der Wiener 
Münzhfindler Dr. F. Walla im nämlichen Jahre in seinem gedruckten Lagerverzeichnis 
obige Kreuzfahrer|ifennige, die durch Münzfunde häufig geworden sind, bei bester 
Erhaltung das Stück zu 1 Krone bis 1 Krone 20 Heller, also die gleiche Sammlung um 
rund 20 Kroner» - ■ 17 M. ausgeboten. Für seltene Taler wurden übrigens schon im 
18. Jahrb. mitunter hohe l*reisc bewilligt Madai, der Verfasser des bekannten Taler- 
kubinetts soll (nach dem Vorbericht des Auktionsverzeichnisses meiner Sammlung, S. 4) 
für gute Taler nicht selten 10—60, ja 100 und mehr Taler bezahlt hüben 

Gedruckte Listen der bei Münzversteigerungen erzielten Preise erschienen schon 
in den 30 er Jahren des 19. Jahrb., z.B. von der 1836 versteigerten Di c kman n sehen 



Digitized by Google 



§ 13. Mttnzpreiae, Auktionslisten, dio »Kippe <, Lagerverzeichnisse usw. 107 

Sammlung. Handschriftlich beigesetzte Versteigerungspreise finden sich schon in Ver- 
zeichnissen aus dem 18. Jahrh. — Über eine 1715 zu Gotha vorgenommene Münzver- 
Steigerung von mehr als 2000 antiken, mittelalterlichen und neueren Münzen, deren 
gedrucktes Verzeichnis ich zufällig besitze, vgl. B. Mzbl. Nr. Ul, Sp. 1271. 

6. Die erwähnte Ausgleichung der Münzpreise wird vornehmlich 
durch zwei Einrichtungen gefördert: durch zeitweise Veröffentlichung der 
Lagervorräte, die sich im Besitz der Münzhäudler befinden, und durch 
öffentliche Versteigerung von Sammlungen. Zu diesem Zwecke werden 
Verzeichnisse der verkäuflichen Münzen hergestellt, dos eine Mal mit An- 
gabe der vom Münzhändler geforderten Preise, das andere Mal, da ja der 
Preis erst durch Angebote der Käufer bestimmt werden soll, ohne dieselben ; 
doch sorgen hinterher ausgegebene Preislisten für die Verbreitung der 
Versteigerungspreise. Zur Beurteilung des numismatischen, d. h. jenes 
Wertes, der einem Stücke über seinen Metallwert hinaus zukommt, hält 
man sich am besten an die Verkaufspreise erprobter Münzhändler. Man 
wird jedoch beim Verkaufe eines Stückes selten auf mehr rechnen können, 
als dafs einem der halbe numismatische Wert vergütet wird, weil die 
Münzhändler erfahrungsgemäfs mit hohem Gewinn arbeiten müssen, um 
bestehen zu können. 

Weniger genau, als man denken sollte, kommt das Verhältnis von 
Angebot und Nachfrage in den Auktionen zur Erscheinung, zumal in 
gewissen Fällen der numismatische Wert hinter den durch die Liste 
veröffentlichten Preisen zurückbleibt, z. B. wenn der Eigentümer durch 
scheinbares Übersteigern der ernstlichen Angebote einzelne Stücke an sich 
zieht. Noch störender ist die entgegengesetzte Ungenauigkeit der Listen, 
die bei einer Ringbildung der Käufer eintreten kann; in solchen Fällen 
bringt nicht der in öffentlicher Versteigerung gezahlte Preis, sondern der 
Betrag, um den das Stück in der unter den Beteiligten hinterher abge- 
haltenen »Nachauktion« abgeht, den numismatischen Wert zum Ausdruck. 

Periodische Blätter für Münzverkauf nach Art der Antiquarkataloge wurden in 
England durch die Finna W. S. Lincoln and Son seit 1856, in Frankreich durch Kollin 
seit 1861 veröffentlicht. In Deutschland hat sie zuerst (1862) J. M. Heberle in Köln 
ausgegeben. — N. Z. 1865, Nr. 20. Don Umsatz an Münzen, der 1869 durch Münz- 
versteigerungen bewirkt wurde, schätzte man auf 72385 Stück, ungerechnet den 4 Ztr. 
schweren Paradieser Fund, der auch verkauft wurde. N. Z. 1870, S. 102. — Uber Ring- 
bildung bei Auktionen, die sog. Kippe, durch welche sich die beteiligten Münzhttndler 
den Erwerb guter Münzen zu gemeinsamem Vorteil sichern, wurden Klagen zuerst 
1869 und 1870 laut. N. Z. 1869, S. 26: der Münzhandlerverein (Nachbörse); Koehne 
B. Bl. V, 214; Num. sphr. Anz. 1869, Nr. 7, 9, 11, 13, »Die Kippe«. — Adreß- 
bücher: Grenser, AdrefHbuch f. Freunde der Münz-, Siegel- und Wappenkunde. 2. 
Jahrgg. F. 1885. — Forrer R. und Fischer II-, Adrefsbuch der Museou, Bibliothe- 
ken, Sammler und Antiquare. Strafsburg 1897. Brauchbarer ist: Gnecchi E. und F., 
Guido, numisHHitica universale. Mailand 1886 mit 2322 Adressen, 4. Aull. 1903 mit 
6278 Adressen. — Seeligs Führer durch den Sammelsport. Internationales Adrefs- 
buch der Antiquitäten-, Münzeammler und -Handler. B. 1903. 

7. Gegenüber dem organisierten Münzhandel, der durch seine auf 
Bereisungen erworbene Kenntnis vom Inhalt vieler Sammlungen und 
den Wünschen der einzelnen Sammler imstande ist, sowohl etwa feh- 
lende Stücke in unglaublich kurzer Zeit zu beschaffen, als auch die 



Digitized by Google 



108 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Münzpreise zu halten, hat es an Versuchen nicht gefehlt, einen un- 
mittelbaren Verkehr zwischen den Sammlern selbst herbeizuführen. Am 
bekanntesten ist wohl Thiemes numismatischer Verkehr, der seit dem 
Jahre 1863 periodische Verzeichnisse von Stücken, die ihm von Sammlern 
zum Verkaufe eingesandt wurden, veröffentlicht und dafür durch einen 
Anteil am Verkaufspreis entschädigt wird. Ingleichen führen auch die 
Zusammenkünfte der Mitglieder der numismatischen Gesellschaften zu 
einem Austausch entbehrlicher Stücke. Doch liegt die Förderung, welche 
der einzelne als Mitglied solch einer Gesellschaft zu erwarten hat, vor 
allem auf wissenschaftlichem Gebiete: auf dem Vorzeigen seltener oder 
unbestimmter Stücke, auf Vorträgen und dem sich anschliefsenden Aus- 
tausch von Meinungen, in der freien Benutzung einer gemeinsamen Bib- 
liothek, dem Bezug von Vereinsschriften u. dgl. m. 

Noch über die Förderung, die der einzelne als Mitglied einer Ge- 
sellschaft empfängt, geht der Gedankenaustausch, welchen Wandervor- 
sammlungen, wie es die 'Deutschen Münzforschertage« (1880 — 1891) 
waren oder gar die internationalen Zusammenkünfte (numismatische Kon- 
gresse zu Brüssel 1892, Paris 1900, Rom 1903) führen. 

Numismatische Gesellschaften. Nachrichten über solche bei Engel-Serrurc, 
Repertoire I, Nr. 1—91, Recueih periodiques. — Eine internationale numismatische Ge- 
sellschaft : F. Mzztg. 1901, Nr. 7, 8, 8. 107. — Als Organ dieser internationalen Vereinigung 
erscheint das Bulletin international de numismatique zu Paris seit 1902. — Festschriften 
zur Feier des 50- und des 60 jährigen Bestehens der numismatischen Gesellschaft zu 
Berlin. B. 1893, 1903. Vereinstage des Allg. deutschen Münzforschervoreins. Leipzig 
1880, Dresden 1881, Wion 1882, München 1886, Dresden 1891. Berichte in Bl. f. Mzfr. 
Nr. 85, 86, 96, 112 ff., 134-138: W. N. M II, Nr. 100. Congres international de tVurnw- 
matique ä Bruxelles. B. 1891. — Congrte international de numismatique rtuni ä Paria 
en 1900. Protokoll und Abhandlungen, veröffentlicht durch Couite de Castellane 
und A. Blanche t. P. 1900. (Anzeigen W. N. Z. XXIII, 346; XXXII, 274, B Mzbl. 
Nr. 240, 246. Atti drl congrrsso inttnmzioualv di stieme storiche ( Roma 1903). Vol. VI 
Numismatica. Rom 1904, s. auch Msztg. 1903, S. 439. 

§ 14. Die Behandlung von Xilnzfnnden. 

1. Sowohl die erste Anlage einer Münzsammlung als auch die Ver- 
mehrung einer schon bestehenden beruht, wie in § 13 bemerkt wurde, 
meist auf entgeltlichem Erwerb der Stücke. Dieser kann sich nun auf 
den Erwerb ganzer Sammlungen oder einzelner Münzen oder endlich auf 
einen Münzschatz erstrecken, mit welchem Ausdruck wir eine Mehrzahl 
von Münzen bezeichnen, die sich noch in dem bei ihrer Aufdeckung 
vorhandenen Verbände befindet. 

Der Ankauf einer Sammlung erspart die Zeit und Mühe, die an 
deren Herstellung und Ordnung gewendet worden sind, und bietet den 
Grundstock für die beabsichtigte neue Sammlung. Er wird also vor 
allem nützlich sein, wenn man eine Münzsammlung rasch bilden oder 
grofse Lücken schnell ausfüllen will ; für den weiteren Ausbau eignet sich 
besser der Kauf einzelner Münzen, weil dabei der Erwerb von Doppel- 
stücken vermieden werden kann, die eine unerwünschte Belastung der 
Sammlung bilden, wenn ihre Zahl allzusehr anwächst. 



Digitized by Google 



§ 13. Numismatische Gesellschaften und Kongresse. § 14. Münzfunde. 109 

Über den Ausbau des Kgl. Münzkabinetts zu Berlin durch Ankauf ganzer Samm- 
lungen s. oben 3 13 Anm. zu Absatz 4 und Salle ts Nekrolog auf Jul. Friedländer 
in Z f. N XII, 118. — Ankauf der Sammlung Marignoli (32000 italienische Münzen) 
durch den König von Italien als Grundlage eines corpus numorum ItcUiae und der 
grofsen Sammlung Randi (26000 Stück) durch den Papst: R. N. IV, t. 5; 275, 405 
(1901). — B. Mzbl. 1901, Nr. 245. 

2. Anderer Art sind die Vorteile, die für eine Sammlung mit dem 
Erwerbe von Münzschätzen oder Münzfunden (wie man gewöhnlich sagt), 
verbunden sind. Mehr noch als auf Einzelfunden beruht der Zuwachs 
unserer Vorräte an alten Münzen auf der Aufdeckung von Münzschätzen; 
sie vor allem bereichern unsere Sammlungen mit neuen Geprägen, sie 
vermitteln überdies Einblicke in die Münzzustände der Vergangenheit, 
die wir auf anderem Wege kaum zu erlangen vermögen. Aus dem Ge- 
sagten folgt, dafs den Münzfunden neben dem numismatischen Wert 
jenes Münzvorrates, den sie darbieten, noch ein besonderer Wert für 
die Münzkunde zukommt, den ich kurzweg als ihren wissenschaft- 
lichen Wert bezeichnen will. Da dieser von jenem nicht abhängt, so 
kann es wohl vorkommen, dafs ein Fund mit manchen numismatischen 
Seltenheiten eine geringere Bedeutung für die Wissenschaft haben kann 
als ein Massenfund, der nur häufige Gepräge enthält. Wir müssen, um 
das zu verstehen , die Beschaffenheit der Münzfunde, die verschieden 
sein kann, etwas näher ins Auge fassen. 

Th. Stenzel, Zur Einigung Uber die Grundsatze bei Beschreibungen von Münz- 
funden aus dem Mittelalter. : Vortrag auf dem 1. deutschen Münzforschertag zu Leip- 
zig 1880;. W. N. Z. XII, 50; Iii. f. Mzfr. Nr. 85, 86, Sp. 735. — Grote, Bl. II, 259, 
III 14, 92, 93; Koehne M. VI, 399. — Meine Abhandlung: z. Chronologie der Wiener 
Pfennige in Bd. 140 der S. B. der Wiener Akademie und mein Vortrag auf dem Hiwto- 
rikerkongrefs zu Rom 1903: Sul metodo da osservarr nella descrizione dei ripostigli di 
mottete del medio evn per trarne il maggior profitto seientifico. Abhandlung 15 in Band VI 
der Akten des Kongresses, S 129 ff. — Müsset G., Trouvaillcs des monnaies faitcs en 
France, Annuaire III, 370. Kirmis, Chemische Winke f. Numismatiker, B. 1894, 
2. A., S. 11. Gesetzliche Bestimmungen über Münzfundo: in Preufson: Bardt F., 
Cl)er den Erwerb von Münzfunden. B. Mzbl. Nr. 14, 15 (1881); — in Frankreich : 
Blanchet-Villenoisy, Guide pratique de l'antiquaire. P. 1899, S. 5 ff. Blanchet: 
Lex lois anciennes relatives ä l'invcntion des tresors. (Verhandlungen des Congres 
international). P. 1900, S 429 ff. In Rufsland: Bl. f. Mzfr. 1899, Nr. 12. 

3. Es ist klar, dafs das, was uns heute als Münzfund eine will- 
kommene Bereicherung unserer Sammlungen bringt, Geldstücke sind, 
die vor Zeiten ihren Besitzern oder deren Rechtsnachfolgern verloren 
gegangen sind. Nun lassen aber die Umstände, unter welchen die Auf- 
deckung solch eines Müuzschatzes erfolgt, zuweilen einen Rückschlufs 
auf die Zeit und auf den Anlafs seiner Bergung zu. Bei Funden weniger 
Stücke wird dies seltener vorkommen, doch werden uns z. B. einzelne 
als Grabbeigabe gefundene Münzen vielleicht zur Annahme berechtigen, 
dafs dieselben zur Zeit der Bestattung als Geld umliefen. Viel sicherer 
sind jedoch alle Schlüsse, wenn nicht einzelne Münzen, die auch ver- 
loren gegangen sein können, sondern eine gröfsere Zahl Stücke den Fund 
bilden, vor allem dann, wenn wir nach den Umständen vermuten dürfen, 
dafs wir auf einen seinerzeit absichtlich verborgenen Schatz gestofsen sind. 



Digitized by Google 



110 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Blanchet A., Lea trfaora de* monnaiea romaima et lea invasions germaniques 
en Gaule. P. 1900. Vgl R. N. IV« serie t. 4, S. 494 — W. X. Z. XXXII 276 - 
Stöckelberg 224 ff. — Prof. Brunsmid in Agram hat aus dem Umstand, dafs er in 
den vielen altkroatiHchen Gräbern, die er untersuchte, nur ungarische Münzen der 
Könige Stephan I. bis Bela I. (1000 — 1063) als Grabbeigaben antraf, den begründeten 
Schlufs gezogen, dafs die nationalen Kroatenkönige, die im Jahre 1088 ausstarben, nicht 
gemünzt haben. Tjexnik der kroatischen archäologischen Gesellschaft, Agram 1903. 

4. Prüfen wir die Zusammensetzung solcher Münzschätze, so lassen 
sich zunächst die Massenf unde , die wenige Gepräge jedoch in vielen 
Stücken aufweisen, von Mischfunden unterscheiden, bei welchen das 
umgekehrte Verhältnis — also viele Gepräge bei verhältnismäfsig wenig 
Stücken — , obwaltet. Fassen wir die Herkunft der Fundstücke ins 
Auge, so stammen diese in ihrer Mehrzahl entweder aus der nächsten 
Umgebung oder aus nicht allzu grofser Entfernung von der Fundstelle 
oder aus der Fremde. Das ergibt dann die Unterscheidung als Lokal-, 
Heimat- und Auslandfunde. Mischfunde, die in bunter Mannig- 
faltigkeit Gepräge aus aller Herren Länder aufweisen, also internationalen 
Charakter haben, pflegt man kurzweg internationale Funde zu nennen. 
Man kann endlich noch Geldfunde und Schatzfunde im engeren 
Sinne unterscheiden, je nachdem man annehmen darf, dafs die gefun- 
denen Münzen zur Zeit und am Orte, wo sie geborgen wurden, die Eigen- 
schaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels hatten oder als Mittel der Schatz- 
bildung nach ihrem Metallwert in Betracht kamen, wie wir dies bei den 
sog. Hacksilberfunden in Preufsen, Polen und Mecklenburg und 
überhaupt bei solchen Funden anzunehmen haben, welche viele einge 
schnittene oder geteilte Münzen aufweisen. 

über die Unterschiede zwischen Heimat- und Auslandfunden Dannenberg 
gelegentlich bei Besprechung des Bonner Münzfundes, der unter 1612 geretteten Stücken 
1592 Kölner Gepräge enthielt. Z f. N. XVIII, 188; deutsche Kaisermünzen I, 40, 
II, 520, III, 762 ff. Auslandfunde: Fund skandinavischer Münzen zu Vevay 
11. Jahrh., wohl der Schatz eines Roru pilgere). Morel-Fatio in R. N. II, t. 10 (1865) 
und Koehne in B. Bl. III, 298. — 830 angelsächsische Münzen um 950 zu Rom im 
Vestatempel vergraben und 1883 gefunden (jetzt im Muaeo nationale delle terme in Rom), 
von Rossi als Teil eines Peterepfennigs erklärt. Z. f. X. XV, Anh. 18. — Der grofse 
Fund im Glockenturm von S. Paolo fuori le mura, deutsche Gepräge des 11. Jahrh , 
beschrieben durch s. Quintino, Turin 1846 und Morel-Fatio in der R. N. 1849. — 
Ein Brakteatenfund zu Rom (süddeutsche Gepräge aus der ersten Hälfte des 13. Jahrh , 
1890 gefunden), beschrieben von Höfken im Archiv B. n, 370 ff. Hacksilber- 
funde: Fund von Schwaan in Mecklonburg-Schwerin (1859). Koehne, Z. X. F. 
8,. 258. — Fund von Plonsk : Dannenberg in Koehne, B. Bl. VI, 150: Fund von 
Posen: Z. f. X. XV, 297; Funde von Peisterwitz in Schlesien und Kinno, Prov. Posen: 
Menadier in Z. f. X. XV, 114 ff., XXIII, 95. — Bahrfcldt E., Der Hacksilberfund 
von Gralow. B. 1896. — Der Hacksilberfund von Aloxanderhof. Prenzlau 1902. — 
Desgleichen von der Leissower Mühle bei Göritz 1895. Z. f.N. XIX, Anh. 35. 

5. Schon aus diesen Ausführungen ersieht man, welch wichtige 
Rolle die Zahlenverhältnisso bei der Beurteilung von Münzfunden spielen. 
In der Tat bietet uns die Art der Zusammensetzung die Möglichkeit zur 
Anwendung der statistischen Methode auf die Münzzustände der Ver- 
gangenheit. Der früher erwähnte wissenschaftliche Wert der Münzfunde 
beruht eben vor allem auf der Möglichkeit, dafs man durch ihre Hilfe 



Digitized by Google 



§ 14. Verschiedene Beschaffenheit der Münzfunde, Schlüsse daraus. \\\ 



mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu wesentlichen Ergebnissen ge- 
langen kann, die man auf anderen Wegen wohl kaum erreichen würde. 
Dabei steht die Wichtigkeit der Ergebnisse, die sich aus der Zusammen- 
setzung der Münzfunde ableiten läfst, im umgekehrten Verhältnisse zur 
Menge von Quellen, die uns aufserdem für die Erkenntnis der Münz- 
zustände einer gewissen Zeit zu Geboto stehen. Sie ist daher bei Funden 
von stummen Mittelaltermünzen am gröfsten und nimmt bei Münz- 
schätzen, die aus Geprägen der neueren Zeit bestehen, erheblich ab. 

Massenfunde: 7a\ Köln 18% römische Kupfermünzen von Diokletian bis Kon- 
stantins II., angeblich im Gewicht von 16 Ztr. S.-B. d. Berliner num. Ges. 1895, 
5. Mai und 10. Juni (Z. f. N. XX, Anh. 14, 17) — Um 1840 am Ufer des Ribbleflusses 
im Distrikt von Cuerdale eine bleierne Kiste mit 290 Unzen (an 10000 Stück) angel- 



/Y iä r / 



Flg. 73. Aus dem Hacksllberfund von Kinno, um dai Jnhr 1020 vergTaben. 

sächsischer Münzon, dazu Silberbarren und Silberschmuck 750 Unzen. N. Z. 1840, 
Sj». 120. — 1831 zu Tutbury etwa 200000 Münzen der englischen Könige Edward L und II.. 
1902 zu Colchester 10926 Tennies aus «ler Zeit von 1180—1240. Grueber im Num. 
chronicte IV. Ser. vol. 3, 1903; B. Mzbl. 1904, S. 509, Nr. 28, 29. — Um 1851 im 
Anhalt neben an 4000 Goldmünzen aus dem 15 und Anfang 16. Juhrh. — Koehne, 
Z. N. F. B. (ia59-1862), 8. 40, 85, 144. — Thomson, Über den Oster Larskjerfund 
mit allgemeinen Bemerkungen über die Beschaffenheit der nordischen Funde bei 
Koehne, B. ßl. II, 51 auch III, 31. 

6. Um zu den gedachten Ergebnissen zu gelangen, mufs man zu- 
nächst trachten, über die Beschaffenheit des vorliegenden Fundes ins 
Reine zu kommen, was nicht schwer fällt, soferne der Münzschatz noch 
unberührt ist, und verläfsliche Nachrichten über die Umstände der Auf- 
findung vorliegen. Aus einem Massenfund mit lokalem Charakter wird 
man beispielsweise mit grofser Sicherheit auf die Münzzustände schliefsen 
können, die zur Zeit der Borgung in der nächsten Umgebung des Fund- 
ortes geherrscht haben. Man wird daher selbst schriftlose Münzen solcher 
Münzfunde bestimmten Münzstätten und Münzherren mit Grund zuweisen 
und Gepräge, die in ihrer Mehrzahl wohlerhaltene Stücke aufweisen, als 
die i neuen Pfenninge«, das ist Geld von damals, ansehen dürfen. Ahn 
liehe Schlüsse werden bei Mischfunden oft gar nicht, andere Male nur 
mit grofsen Einschränkungen zulässig sein; wohl aber können wir aus 



Digitized by Google 



112 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



solchen wertvolle Aufschlüsse über die der Vergrabung vorangehende 
Zeit erwarten, da sie vielfach schon entwertetes Geld, die sog. »alten 
Pfenninge« , enthalten. Auslandfunde belehren uns über den Verkehr 
in der Vergangenheit; so können wir wohl auch aus ihnen ersehen, von 
welchen Ländern aus Aktivhandel betrieben wurde. Die Masserif unde 
arabischer Dirhems an der Küste der Ostsee, der angelsächsischen Münzen 
in Skandinavien, deutscher Münzen in Polen und Rufsland, von Frie- 
sacher- (13. Jahrh.) und Wiener - Pfennigen (13. — 14. Jahrh.) in Ungarn 
finden dadurch ihre Erklärung. 

Brock P., »Vermutliche Zeugnisse von wendischen Einfallen in Dänemark 
(Z. f. N. I), beklagt, dafs man sich bei Fundbeschreibungen auf die Ähnlichkeiten und 
Unähnlichkeiten von Funden beschränke, und so nur ein spezifisch numismatisches 
Ergebnis daraus abgeleitet habe, ohne Gruppen auszusondern, »in Beziehung auf welche 
man dazu berechtigt sein könnte, den Grund ihrer Vorgrabung in einem bestimmten 
historischen Faktum zu suchen.« Gegen dergleichen numismatische Phantastereien 
wandte sich scharf Bergs üe (a. a. O. II, 258), der nur Gewicht, Lötigkeit, Typen, 
Umschrift, fehlende Stücke u. dgl. als Mittel zur Bestimmung der Vergrabungszeit eines 
Fundes gelten lassen will. 

Auf die Bedeutung, ja Unentbehrlichkeit der Münzkunde für die Handelsge- 
schichtc wies Menadier hin bei Besprechung von Jastrows Schrift über Welt- 
handelsstrafsen. Sitzg. der Berl. num GeB. am 4. Juli 1887. Z. f. N. XV, Anh. 31 ff. 
— v. Zambaur, Orientalische Münzen in Nord- und Osteuropa. W. N. M. V, S. 367 ff. 
Turno8enfunde in Oberfranken erwähnt G e bert, Numismat. Mitteilg Nr. 67 (Okt. 1902). 
Vgl. auch R. N. IV, t. 6 (1902), S. XXXIII. Dann die Abführungen von R. Serruro 
in seiner Arbeit über Imitation des types monitaires flammaruls au mayen~äge, Br. 1895», 
und meinen Akademievortrag (W. 1893) über die Handelspolitik der osterr. Herrscher 
im M.-A., S. 6 und Anm. 12. 

7. Die nächste Frage, welche nun den Bearbeiter eines Münzschatzes 
beschäftigen wird, ist die Feststellung der Zeit, welcher er angehört. 
Dies ist nicht schwierig, wenn die aufgedeckten Gepräge Jahreszahlen 
oder andere chronologische Behelfe darbieten; fehlt es an solchen, so 
mufs man den Zeitpunkt zu erschliefsen suchen, um welchen herum die 
Bergung erfolgt sein dürfte, um dadurch die untere Zeitgrenze zu ge- 
winnen, vor welcher die Entstehung aller Gepräge des Fundes liegt. 
Glaubt man beispielsweise, gewisse Gepräge bestimmten Herrschern zu- 
schreiben zu dürfen , so wird der jüngste Regierungsantritt in deren 
Reihe das Jahr sein, in welchem die Bergung des Fundes allerfrühestens 
erfolgt sein kann, aber nicht erfolgt sein mufs. Es wird also der Er- 
wägung noch anderer Umstände überlassen, ob und um wie viele Jahre 
die Vergrabungszeit nach unten vorzurücken sei. Man sieht, diese Zeit- 
grenze wird selten scharf zu ziehen sein, und Irrungen können leicht 
vorkommen. Annähernd kann die Zeitbestimmung auch durch sog. 
Leitmünzen erfolgen. Ähnlich wie der Geologe das Alter der Erd- 
ablagerungen nach dem Vorhandensein oder Fehlen gewisser Schaltiere 
beurteilt, so kann der Münzforsclior aus dem Auftreten oder Fehlen 
gewisser Gepräge mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf den Zeitpunkt 
der Vergrabung von Münzschätzen schliefsen. Zu Leitmünzen eignen 
sich Gepräge, deren Entstehungszeit sichergestellt ist und die einst eine 
grofse Verbreitung hatten, daher in Funden einer gewissen Zeit und 
Gegend vermutet werden dürfen. 



Digitized by Goo 



§ 14. Ermittelung dos Alters von Münzschtttzen durch > Leitmünzen« usw. H3 

Über >lveitmünzen« b. meine Chronologie der Wiener Pfennige, Abschnitt 24 ff. 
Aus dem Fehlen gewisser Gepräge Schlüsse auf die Vergrabungszeit des MünzBchatzes 
zu ziehen, liebte namentlich Tho innen. Vgl. dessen Beschreibungen des Oster- 
Larskjer und des Munkcgarder Fundes in Koehne. B. Bl. II, 51 ; III, 31 ff. 

8. Nach dem Erwähnten kann es nicht zweifelhaft sein, dafs eine 
Behandlung der Münzfunde, die sich etwa auf eine Auslese und Be- 
schreibung aller darin vorhandener Gepräge beschränkt, wissenschaftlich 
unzureichend ist, selbst die Beifügung von allgemeinen Angaben, dafs 
z. B. ein bestimmtes Gepräge zahlreich oder selten darin vorhanden war, 
genügt nicht. Es mufs vielmehr die Forderung aufgestellt werden, dafs 
mindestens die Funde von Mittelaltermünzen in erschöpfender Weise 
bearbeitet werden, und dafs weder Stückzahl noch Gewichtsangaben, noch 
der Erhaltungszustand der Gepräge dabei fehlen; erwünscht ist überdies 
die Mitteilung von Feingehaltsbestimmungen. Ob dabei Durchschnitts- 
werte oder Einzelangaben vorzuziehen sind, mufs im einzelnen Fall mit 
Rücksicht auf die Beschaffenheit des Münzschatzes entschieden werden. 
Bei Goldstücken, die schon um ihres höheren Metallwertes willen eine 
genaue Stückelung erforderten, werden die Einzelgewichte vor allem in 
Betracht kommen, zuweilen kann dies jedoch auch bei kleinen Silber- 
münzen der Fall sein. Maurice Prou, der allerdings von der Voraus- 
setzung ausgeht, dafs die Stückelung der Pfennige unter den Karolingern 
eine genaue war, bestreitet beispielsweise die Annahme, dafs das Pfund 
Karls des Grofsen nur 367 g und der Pfennig 1,52 — 1,53 g Schwere ge- 
habt haben u. a. auch aus dem Grunde, weil er beim Nach wägen auf 
schwerere Stücke gestofsen sei , auf Pfennige Karls des Grofsen bis 
zu 1,79 g von Karl dem Kahlen von 1,70— 1,93, sogar von 2,03 g 
Schwere. Bei den kleineren Silbermünzen des späteren Mittelalters, die 
von Haus aus al marco, d. h. nach einem Durchschnittsgewicht aus- 
gebracht wurden, wird natürlich dies das wichtigere sein. 

Vgl. meinen Vortrag auf dem internationalen Historikerkongrefs zu Horn 1903. 
— Engel Serrure, Traitr M.-A. I, S. LXXVIU, § VIII. — Gegen M. Pron, der 
Karl d. Gr. dio Einführung eine» schwereren Münzgewichts von etwa 491,179 g zu- 
schreibt (Catalogue des monnaies carolingiennea de la BibliotMque Nationale). P. 1896. 
Introduction S. XLII ff., wendet Hilliger in der Iiistor. Viertel jahrsschrift 1903, S. 4&8 
ein, dafs das herrschende Pfund im Karolingerreich das alte Römerpfund geblieben soi, 
wohl aber habe Karl d. Gr. in der zweiten Hälfte seiner Regierung eine schwerere 
Münze geschlagen und damit in der Währung an dio Stelle des Gewichtspfunde« ein 
schwereres Zählpfund gesetzt. Vgl. auch Bl. f. Mzfr. 1904, Nr. 1. 

9. Auch das Durchschnittsgewicht kann zuweilen benutzt werden, 
um die Vergrabungszeit von Münzschätzen annähernd zu bestimmen. 
Kommen nämlich die gleichen Gepräge in gröfserer Anzahl in mehreren 
benachbarten Funden vor, so dürfen diese nach den Durchschnitts- 
gewichten in der Art angeordnet worden, dafs man jenen Fund, der das 
höchste Durchschnittsgewicht hat, als den ältesten, jenen mit der geringsten 
als den jüngsten in der Reiho ansieht. Gerechtfertigt wird dies einmal 
durch die Erfahrung, dafs jede Münze durch den Umlauf abgenutzt wird, 
ferner durch den im Mittelalter allgemeinen Unfug der sog. Aussaigerung, 
d. i. der Ausscheidung der überwichtigen Stücke, um durch Einschmelzen 

Luschin, Numismatik. 8 



Digitized by Google 



114 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



derselben unerlaubten Gewinn zu ziehen. Da nun dieser Prozefs schon 
in der Münzstube begann und im Verkehr dann fortgesetzt wurde (§ 24, 
5, § 28, 10), so ist es klar, dafs das Durchschnittsgewicht jeder Münz- 
gattung um so tiefer sinken mufste, je länger sie im Umlauf war, und 
dafs daher die Schlufsfolgerung aus dem geringeren oder gröfseren Durch- 
schnittsgewicht auf die Vergrabungszeit der Funde begründet ist. 

Die Verwendung des Durchscbnittagewicht« zur Alterebestimmung von Münz- 
schätzen bebandelt meine Cbronologie der Wiener Pfennige, Abschn. 5 ff. — Schon 
in der Ottonenzeit ist nur noch das Durchschnittsgewicht brauchbar. Die Gewichte 
von 120 wohlerhaltenen Otto- Adelheidspfennigen , die Menadior dem Funde von 
Peisterwitz entnahm und einzeln wog, um sich zu überzeugen, wie weit man sich 
auf Einzelgewichte verlassen könne, schwanken von 0,95 — 1,95 g. Z. f. X. XV, 115 
Anm. Dazu die Bemerkungen Samwers über Münzwitgungen und Durchschnitts- 
gewicht in W. N. Z. XV, 72, 73 und daraus abgedruckt im Xura.-sphrag. Anzeiger. 
H. 1883, Xr. 11, S. 99 

10. Dio Bearbeitung eines Fundes eröffnet man am zweckmäfsigsten 
damit, dafs man zunächst die Reinigung der Fundstücke unter der ge- 
botenen Vorsicht vornimmt, um ein nachträgliches Zerbröckeln der Münzen 
zu verhindern, da die Mehrzahl der Münzmetalle in der Erde chemische 
Veränderungen erleidet, die beachtet werden wollen. Hierauf mag man 
mit der Bestimmung des durchschnittlichen Gewichts beginnen, das den 
darin vorkommenden Münzgattungen: Pfennigen, Hellern, Hälblingen 
usw. ohne Rücksicht auf die Geprägsverschiedenheiten zukommt. Schon 
bei dieser Gelegenheit wird der Fundinhalt in gewisse gröfsere Gruppen 
zerlegt, die dann durch Aussonderung der Geprägeverschiedonhoiten auf- 
geteilt werden. Auch für die nun entstandenen kleineren Gruppen werden, 
sofeme sie mindestens aus zehn Stücken bestehen, die Durchschnitts- 
gewichte ermittelt und erst nunmehr die Trennung von Stempel Verschieden- 
heiten innerhalb einzelner Gepräge nach Bedarf vorgenommen. Die so 
ermittelten Umstände: die Gepräge, die Stückzahl, das Durchschnitts- 
gewicht und der allgemeine Erhaltungszustand, mit dem sie im Funde 
vertreten sind, müssen natürlich durch Aufzeichnungen festgehalten werden. 
Dies kann in sehr übersichtlicher Weise durch Anlage sog. Grundblätter 
für jeden Fund geschehen, solche werden am einfachsten durch Halb- 
bogen gebildet, die nach ihrer Breite gefaltet sind, um nach Bedarf Ein- 
lagen aufzunehmen. Auf die erste Seite kommen oben die Bezeichnung 
des Fundes nach dem Fundorte und dann die Fundunistände, die man 
erfahren hat. In der unteren Hälfte der eisten Seite mag man mit der 
Fundbeschreibung beginnen. Man beläfst für jedes Gepräge einen 3 bis 
4 cm breiten Streifen, von dem man links und rechts durch eine senk- 
rechte Linie Raum für eine fortlaufende Nummer und für die Stück- 
zahl absondert. Der dazwischenliegende Raum nimmt die Beschrei- 
bung oder Abbildung des Gepräges nebst den Gewichts- und Feinge- 
haltsangaben auf, auch Bemerkungen über den Grad der Erhaltung 
und den prozentualen Anteil an dem Fundinhalte werden hier ange- 
bracht. Man beginnt ferner am besten mit dem Gepräge, welches im 
Funde am zahlreichsten vertreten ist, und liifst die übrigen nach 
den Fundzahlen in absteigender Reihe folgen. Gepräge, welche viele 



Digitized by Google 



§ 14. Die Bearbeitung von Münrfunden. § 15. Da« BeHtimmen von Münzen. 1 15 

Stempelverschiedenheiten aufweisen, werden nach Bedarf auf eigenen 
Blättern verzeichnet und diese den Grundzetteln beigelegt. Damit sind 
die Vorbereitungen abgeschlossen, und man kann nun mit dem Ein- 
ordnen der Münzen sowie auch mit der Ausstofsung der vorhandenen 
Doppelstücke unbeschadet der künftigen Bearbeitung des Fundes vor- 
gehen, obwohl es zweckmäfsig und meist auch möglich sein wird, dem- 
ungeachtet eine tunlichst vollständige Reihe der Gepräge nebst Stempel- 
verschiedenheiten bis zur Drucklegung der Fundbeschreibung beisammen 
zu lassen. 

Mein Vortrag über wissenschaftliche Behandlung von Münzfunden auf dem 
Historikerkongrefa zu Rom 1903. — Kirmis M , Die Numismatik in der Schule. 1888, 
B. Mzbl. Nr. 94. Anderer Art sind die Grundzottel, die G. Mu fset im Annnaire III, 370, 
Trouvailles des monnaUs faitex en France, vorschlagt. Sie sollten vor allem eine ver- 
läßliche Ermittelung der Fundtimstande sichern und die Einsendung vorläufiger Fund- 
berichte an die Societe francaise de Numismatique ermöglichen. 

§ 15. Das Bestimmen, Beschreiben und Abbilden von Münzen. 

1. Die Münzen, welche dem Sammler in die Hände fallen, sind oft 
unbestimmt, d. h. sie werden dem Bewerber überlassen, ohne dafs An- 
gaben über den Münzherrn, das Land und die Zeit, der sie angehören, 
über den Wert, dor ihnen vormals zukam, u. dgl. beigefügt werden. Die 
Feststellung dieser, für den Sammler wie den Forscher wichtigen Um- 
stände wird das Bestimmen der Münzen genannt. Es ist eine Denk- 
tätigkeit, die, vom Ungewissen ausgehend, unter Verwertung der vor- 
handenen Anhaltspunkte zu gesicherten Ergebnissen fortszuchreiten sucht,' 
zuweilen rasch zum Ziele führt, andere Male aber recht mühsam sein 
kann. Zwei Wege stehen demjenigen, der eine Münze bestimmen will, 
zur Auswahl: Er kann vom Allgemeinen zum Besonderen übergehen, 
d. h. trachten, ehe er sich auf Einzelheiten einläfst, zuerst über Ort und 
Zeit ins reine zu kommen, denen ein gewisses Stück überhaupt ange- 
hören kann, oder er wird sich sofort ein bestimmtes Urteil bilden und 
hinterher nachprüfen, ob die Voraussetzungen auch im einzolnen zu- 
treffen. Man wird daher, wenn mau den ersten Weg einschlagen will, 
zunächst erforschen, ob eine gewisse Münze dem Mittelalter oder der 
Neuzeit, ob sie nach Deutschland, Frankreich oder Italien gehört, ob 
sie von einer Körperschaft oder von einem weltlichen oder geistlichen 
Herrn ausgegeben wurde. Hat man dann beispielsweise einen deutschen 
Kirchenfürsten Otto als Münzherrn ermittelt, so wird man nun unter- 
suchen, welchem von mehreren Trägern dieses Namens das fragliche 
Stück mit Wahrscheinlichkeit oder mit Gewifsheit beigelegt werden darf. 
Ein zweiter Forscher könnte hinwieder von der Vermutung ausgehen, 
dafs ein Gepräge des Würzburger Bischofs Otto von Lobdaburg (1207 
bis 1223) vorliegt. Er hätte dann nachzuprüfen, ob das Stück wirklich 
dem Würzburger Schlag vom ersten Viertel des 13. Jahrh. entspricht, 
oder ob nicht ein oder der andere Umstand die Zuweisung desselben 
an einen andern Kirchenfürston Otto wahrscheinlich oder selbst gewifs 
macht. Beide Wege können zum Ziel führen, und es hängt zunächst 



Digitized by Google 



116 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



vom Ermessen dos Bestimmenden ab, welchen er einschlagen will. Zu 
raten ist, dafs jemand, der noch wenig Erfahrung hat, mit dem schritt- 
weisen Vorrücken vom Allgemeinen zum Besonderen beginnen möge, der 
zwar der längere ist, aber auch leichter zu gesicherten Ergebnissen führt. 
Anders stellt sich die Sache für jemand, der Übung oder angeborenen 
Scharfsinn hat. Ein solcher wird in den meisten Fällen sofort eine 
mehr oder minder klare Vorstellung haben, wohin das fragliche Stück 
nach Zeit und Ort zu verlegen sein könnte, und danach seine weiteren 
Untersuchungen einrichten. 

2. Zu den teils angeborenen, teils erworbenen Fähigkeiten, welche 
die Anwendung der abgekürzten Bestimm ungs weise ermöglichen , ge- 
hört vor allein der Blick für den Stil und die » Machex oder »Fabrik* 
der Münze, d. h. die Fälligkeit, aus mancherlei oft schwer beschreib- 
lichen Eigentümlichkeiten, die das Stück in seiner äufseren Erscheinung 
zeigt, den Scblufs auf dessen wahrscheinliche Herkunft zu ziehen. Ge- 
ringfügige Abweichungen in der Zeichnung des Münzbildes, die freiere 
oder gezwungene Wiedergabe desselben durch den Stempelschneider, 
Gestalt, Dicke und Gröfse des Schrötlings, die Farbe des Metalls, das 
Gewicht usw. können entscheiden, ob wir es z. B. mit einem Urstück 
oder einer späteren, sei es heimischen oder auswärtigen Nachbildung 
desselben zu tun haben, ob die Münze dem Mittelalter oder der neueren 
Zeit, dem Norden oder dem Süden angehört usw. Wie wichtig die Fest- 
stellung dieser Umstände ist, ergibt sich daraus, dafs schon die Fest- 
stellung der Tatsache, dafs ein gewifses Stück die Nachbildung eines 
andern ist, wichtige Fingerzeige für die weitere Forschung gibt. Sie 
erleichtert die Altersbestimmung, da die Nachahmung notwendigerweise 
jünger soin mufs, als das Urbild, anderseits liegt aber auch in der 
Tatsache der Nachahmung eines fremden Gepräges das Eingeständnis, 
dafs die vorbildliche Münze seinerzeit die wirtschaftlich bedeutendere 
war, entwoder weil sie an sich einem mächtigeren Münzherrn angehörte 
oder weil sie sich in einer bestimmten Gegend schon ein festes Absatz- 
gebiet errungen hatte, das ihr durch die Nachahmung nun zum Teil 
entzogen werden sollte. (Vgl. z. B. Fig. 32 a und b auf S. 50). — Wem 
dieser Blick fehlt, der wird nach den kräftigeren Anhaltspunkten greifen 
müssen, die durch Aufschriften, Wappen, typische Münzbilder u. dgl. 
gegebon sind, der wird aber auch ratlos sein, wo diese versagen, d. h. 
er wird wohl sog. redende Münzen, nicht aber .stumme Gepräge be- 
stimmen können. 

Dannenberg, Italienische und französische Denare deutscher Fabrik. Z. f. N. 
XIV, 240. 

3. Erleichtert wird die Bestimmung der Münzen durch mancherlei 
Behelfe, die wir im § 13 bereits als Hilfsmittel des Sammlers kennen 
gelernt haben, namentlich durch Werke, die ihn über Namen und Ab- 
stammung der Münzherren, die Zeit ihrer Herrschaft, die Münzstätten, 
die Heiligen, deren Namen und Bilder auf Münzen erscheinen, die 
Wappen und Beizeichen, Münzbenennungen u. dgl. belehren, ferner durch 



Digitized by Google 



§ 15. Das Bestimmen nach der > Mache <, Hilfswerke, Münzbeschreibung. H7 

Münzbeschreibungen und Abbildungen. Letztere sind für die Bestimmung 
von Münzen von gröfserer Wichtigkeit, wenn und wo es auf das oben 
erwähnte Stilgefühl vor allem ankommt, da in solchen Fällen selbst die 
genaueste Beschreibung nicht ausreicht, um alle Zweifel auszuschliefsen. 
Daher sind namentlich die Sammler von Mittolaltcrmünzen auf Tafel- 
werke angewiesen, während man solcher für die Gepräge der neueren 
Zeit weit weniger bedarf. 

Vgl. die § 9 Abs. 8 genannten Hilfswerke zur Auflösung von Abkürzungen, von 
welchen namentlich Rentzmanns Numismatisches Legendenlexikon, B. 1881, durch 
seine Verzeichnisse der Münzherren, der auf Münzen genannten Heiligen, Ergänzung 
der auf Münzen vorkommenden Titel und Abkürzungen usw. beim Bestimmen sehr 
gute Dienste leistet. 

M Unzlexika: do Amaral B. de Toro, Joai, Diccionario de numismatica 
Portugueza. Porto 1872 ff. — Basinghen A. de. Traite des monnoies . . en forme de 
dictionnaire, 2 Bde. P. 1764. — Beuther J. C, Münzlexikon aller noch üblichen 
Münzen, Augsburg 1774, weiter entwickelt in J. C. Xelkenbrochers und Nobaks 
Taschenbüchern der Münz- und Mafsverhältnisso (vgl. § 8 Handbücher f. Kaufleute, 
S. 13). — Schmieder C. Chr., Handwörterbuch der gesamten Münzkunde Halle und 
B. 1811, Nachtrag 1815, sehr brauchbar. — Salzade, Recueil den monnoies tant an- 
ciennes que modernes ou dictionnaire historique. Br. 1767. — Weilmoyr F. X., All- 
gemeines numismatisches Lexikon oder Münzwörterbuch. Salzburg 1817, 2 Tie. — Ein 
Verzeichnis derjenigen Kunstwörter, welche in Ansehung des Münzwesens üblich 
sind, bietet Ben st, Sciagraphia juris monetandi, L. 1745 als Anhang nach S. 362. 

Wappenwerke, s. S. 51, § 10, Abs. 8. Gute Dienste leisten auch die in Hübners 
realem Staats-Zeitungs- und Konversationslexikon (soit 1704 in zahlreichen Auflagen 
verbreitet) unter dem Schlagwort Wappen sowie im Anhang gebotenen Nachweise über 
Wappenfiguren. — Unentbehrlich ist ferner ein Verzeichnis der lateinischen Ortsnamen. 
Auch diesfalls wird man Bich der älteren Ausgaben von Hübners Zeitungslexikon (etwa 
die vor 1760 erschienen sind) mit Vorteil bedienen, femer die Register der Original- 
ausgaben von Büschings neuer Erdbeschreibung, Hamburg um 1765 — 1770 (im 
Troppauer Nachdruck 1784 ff. Bind die lateinischen Namen woggolassen), oder Graes so, 
Orbis latinus, D. 1861, benutzen können. — Stammtafeln und Regentenreihen für die 
besonderen Zwecke des Münzforschers hat Grote bearbeitet und als 9. Band seiner 
Münzstudien herausgegeben. L. 1877. — Hirth S, Regententabellen zur Weltgeschichte. 
M. und L. 1898. — Hopf K., Hist. genealogischer Atlas. Gotha 1858-1868, 2 Bde. — 
Für geistliche Würdenträger : Mooyer E. F., Onomastikon . . . hierarchiue Germanicae. 
Minden 1854; Garns P., Series episenporum ecclesiae catholicae. Regenaburg 1893 und 
Suppl. M. 1879. — Eubel C, Hierarchie catholica medii aevi. Münster 1898—1901. 
2 Bände. 

4. Das Beschreiben sucht durch Anführung aller wesentlichen Merk- 
male ein Bild der Münze in Worten zu liefern. Es soll sich daher auf 
Angaben über das Metall, die Gröfse. das Gewicht und den Erhaltungs- 
zustand des Stückes erstrecken, das Münzbild schildern, dio Münz- 
aufschriften möglichst genau wiedergeben und auch den Namen der 
Münze anführen. Erwünscht sind ferner Mitteilungen über die Herkunft 
des beschriebenen Stückes durch Nennung der Sammlung oder des 
Fundes, aus der es erworben wurde, über den Preis der dafür gezahlt 
wurde, Feingehaltsbestimmungeu, Nachweise über den Stempelschneider 
und die etwa vorhandene Literatur. Von geringerer Bedeutung sind die 
Seltenheitsbezeichnungen. Wiewohl manche Sammler gerade darauf Ge- 
wicht legen und durch Beifügung solcher den numismatischen Wert der 
Sammlung zu heben wähnen, sind doch die Seltenheitsgrade meistens 



Digitized by Google 



118 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



ein subjektives Urteil des Besitzers, das über Nacht durch Auftauchen 
gleicher Stücke auf dem Münzmarkte umgestofsen werden kann. Man 
mng in Fällen, in welchen es gerechtfertigt ist, ein »selten«, isehr selten«, 

»einziges Stück« u. dgl. der Beschreibung bei- 
setzen, allein die Abstufung der Seltenheit 
nach vier, acht oder noch mehr Graden ist 
immer etwas willkürlich und darum Spielerei. 

Stückelberg 209 ff. — Looa, Die Kunst, 
falsche Münzen zu erkennen. B. 1828, 8. 200 ff. — 
Bezeichnung der Erhaltungsgrade durch C 1 — C* oder 
E 1 — E\ Num.sprag. Anz. 1875, Nr. 1, 3. — Zu ver- 
meiden ist das in Münzhündlcrkreisen gänge Wort- 
ungetüm >Unicat« zur Bezeichnung eines wirklichen 
oder vermeintlichen Unikum. 

5. Je nachdem man nach Tunüchkeit 
alle genannten oder nur einige Punkte be- 
rücksichtigt, erhält man mehr oder minder 
vollständige Beschreibungen, die jedoch un- 
beschadet der Deutlichkeit mancherlei Kür- 
zung vertragen. So hat sich die Anwendung 
von Siglen zur Bezeichnung gewisser oft wie- 
derkehrender Ausdrücke allgemein eingebür- 
gert, wenngleich diese Buchstaben mit der 
Sprache der Beschreibung wechseln. Um diese 
Unbequemlichkeit zu überwinden, ist man 
in einzelnen Fällen noch weiter gegangen 
und hat die Siglen durch ein einfaches Bild 
nach Art der Hieroglyphen ersetzt. Gefördert 
wurden diese auf Vereinfachung der Beschrei- 
bung gerichteten Absichten namentlich durch 
die Einführung der metrischen Mafse zur Be- 
zeichnung der Gröfse, des Gewichtes und des 
Feingehaltes der Münzen. Während man 
früher die Gröfse nur beiläufig als Taler-, 
Groschengröfse usw., durch Vergleichung mit 
einer andern Münze oder in willkürlicher 
Abstufung als Münze 1., 2., 3. Gröfse, besten- 
falls nach einem besonderen Münzmesser be- 
zeichnete, werden nun die Durchmesser (bei 
eckigen die Seitenlängen) in Millimetern an- 
gegeben. In gleicher Weise sind die mannig- 
faltigen Gewichts- und Feingehaltsangaben, 
die in älteren Besehreibungen vorkamen, 
durch Mitteilung des Münzgewichts in Gramm, 
des Feingehaltes nach Tausendteilen fast all- 
gemein verdrängt worden, 
vereinfachte Bilder in die Münzbeschreilmng einzufügen, ging von 
aus. Angewandt werden solche von O. Vöttor, Prof. Brun- 




Flf. 74. 
Krtiftscher Mün/i m - i 
(vgl. § 13, 3. S. ioii. I»aa eimrfM'anntr 
Munzchen, ein Scblnderllng dei \'n»- 
■aiier Bischof«, llrich vnn Xufsdorf, 
1461- MW (W. N 7.. XXX, .111), hnt 
I». 16, d. h. 16 mm Durchmew«, Die 
(irofse um Ii \| ) u Wi 1/1 \ Wellen- 
MB i*t (« im Xiilltellstrich abzulesen 

ata luv» ii benr, 7. 



Dor < 'Jedanke 
A. Missong in Wien 



Googl 



§ 16. Anwendung von Siglen ; Fachausdrücke, »rechts« und >links.« H9 

8mid und anderen in ihren Abhandlungen über römische Münzen des späteren Kaiser 
reichs. W. N. Z. XXIV, XXXII, XXXV usw. Auch Conte Papadopoli bedient sich 
schematiacher Bilder zur Bezeichnung von Stempelverschiedenheiten und Beizeichen 
auf Venezianer Münzen. 

6. Viel zu dieser Vereinfachung hat beigetragen, dafs sich in der 
Münzbeschreibung gewisse Fachausdrücke eingebürgert haben. Wir sind 
allerdings in Deutschland von einer allgemeinen Münzterminologie leider 
Gottes weit entfernt, auf eine solche hinzuarbeiten, wäre ein erspriefs- 
lichcs Arbeitsfeld für unsere numismatischen Gesellschaften und die 
Münzforschertage. Ob man statt der französischen Ausdrücke Avers 
und Revers im Deutschen Haupt- und Rückseite oder Vorder- und 
Kehrseite (Siglen: Hs, Rs, Vs, Ks) anwendet, das ist weniger störend; 
empfindlich ist dagegen das Schwanken im Sprachgebrauche von »rechts« 
und »links« als Bezeichnung der Richtungen auf der Münzfläche, da 
diese bald vom Beschauer, also subjektiv, bald vom beschauten Stücke 
aus, also objektiv, genommen werden. Der allgemeinen Verwendung 
dieser Ausdrücke im subjektiven Sinne, die man, als natürlich und allen 
Beschauern geläufig, als einfaches Auskunftsmittel empfohlen hat, steht 
jedoch entgegen, dafs in der Heraldik, die eine dem Münzforscher un- 
entbehrliche Hilfswissenschaft ist, aus gutem Grunde der entgegengesetzte 
Sprachgebrauch längst eingewurzelt ist. Da nun die auf den Geprägen 
des Mittelalters und der Neuzeit häufigen Wappen unstreitig nach heral- 
dischem Sprachgebrauche bezeichnet werden müssen, so kann man die 
Verwirrung ermessen, die sich daraus ergeben mufs, wenn auf der Kopf- 
und der Wappenseite die Ausdrücke »rechts« und links im entgegen- 
gesetzten Sinne verwendet werden. Wir müssen daher im Deutschen 
auf die kurzo Richtungsangabe »nach rechts«, mach links« verzichten, 
obgleich man sie im Französischen und Italienischen, wo sie zu keinen 
Zweifeln Anlafs geben, ruhig anwenden kann, und müssen sie durch 
eine kurze, allgemein verständliche Bezeichnung im objektiven Sinn er- 
setzen, was leicht ist. Niemand nimmt Anstois, wenn bei einer seitwärts 
gerichteten Figur von ihrer »rechten Hand* gesprochen wird, auch wenn 
diese vom Beschauer aus gesehen nach links gerichtet sein sollte. Man 
gehe nur einen Schritt weiter und bezeichne auch die übrige Figur als 
»von ihrer rechten; oder »linken« Seite gesehen (Siglen v. d. R., v. d. L.) 
oder kurzweg als rechtseitig oder linkseitig, so ist man über alle 
Schwierigkeiten hinaus und hat eine kurze, zu keinerlei Zweifel Anlafs 
gebende, allgemein verständliche Bezeichnung. 

Grote, Münzbenennungen, Sprachliches. Bl. f. Mzfr., Nr. 45, Sp 346 und seine 
manchen beherzigenswerten Gedanken enthaltenden Ausführungen über die Wichtig- 
keit einer festen Münzterminologie a. a. (V, Nr. 50 — 53: da« Quadratum nnpercmum, 
überhaupt die Abteilungen Numisniatographik in Band III und IV der Bl. f. Mzfr. 
I.. 1873—1880. — Grote ist für Anwendung der Ausdrücke rechts und links bei 
Münzbeschreibungen nach heraldischem Sprachgehrauch , alao in objektivem Sinn. 
Bl. f. Mzkdo. HI, 134, Bl. f. Mzfr. 1877, Nr. 60. - Ihm folgen u. a. Passler in N. Z. 
1843, Sp. 56; Cappe und die Beschlüsse des 1. Münzforschertags zu Leipzig 1880, 
die auch von der Wiener num. Gesellschaft mit der Begründung angenommen wurden, 
dafs man hierin mit Genugtuung den ersten Schritt zur höchst wünschenswerten An- 
bahnung einer allgemeinen einheitlichen Münztorminologie erblicke. Bl. f. Mzfr. Nr. 86, 



Digitized by Google 



120 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



86, Sp. 734; W. N. Z. XII, 500. Dazu auch die treffenden Bemerkungen von Ernst, 
W. >*. M. V (1901), Nr. 212, S. 161. Dagegen sind für Anwendung dieser Ausdrücke in 
natürlichem, also subjektivem Sinn, Friedlander in Z. f. N. IV, 189, Dannen- 
berg, Die detitschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiscrr.eit I, Vorwort, 
S. XVI; Friedensburg in Z. f. X. IX, 306 usw. 

Die Ausdrücke Avers und Revore (Kürzung >R«) zur Bezeichnung beider Münz- 
seiten verwendot bereite der Katalog der Gothaer Versteigerung vom Jahre 1715. Tber 
diese Ausdrücke: Num. snhrag. Anz. 1870, Nr. 5, S. 34; 1875, Nr. 7,8, S. 56; Bl. f. 
Mzfr. Nr. 67, 75, Sp. 553, 633. Gegen die Verdeutschung mit »Vorder-« und > Rück- 
seite« wendet sich Paul Joseph, F. Mztg. 1901, Nr. 11, S. 63; er zieht »Haupt « und 
»Kehrseite« als richtiger vor. — Michaelis, Über Rechtechreibung auf deutschen 
Münzen. B. 1873. 

7. Neben diesen auf Vereinfachung der Münzbeschreibung abzie- 
lenden Bestrebungen laufen andere, die auf Herbeiführung allgemeiner 
Verständlichkeit gerichtet sind. Die Tatsache, dafs infolge des Auf 
Schwungs der nationalen Ideen im 10. Jahrh. manche wissenschaftliche 
Abhandlungen und Werke, die man früher nur in einer der Haupt- 
sprachen zu veröffentlichen pflegte, nunmehr in Sprachen erscheinen, 
die noch keine nennenswerte Literatur haben, oder nur von wenig Mil- 
lionen Menschen verstanden werden, hat sich auch auf dem Gebiete der 
Münzkunde unliebsam bemerklich gemacht. Als Mittel zur Abhilfe gegen 
diesen Übelstand wurde auf dem internationalen Historikertag zu Rom 
(April 1903) der Beschlufs gefafst, dahin zu wirken, dafs mindestens die 
Beschreibung von Münzen des griechischen und römischen Altertums 
wieder in lateinischer Sprache erscheine. Ob dieser Versuch Erfolg 
haben wird, ist zweifelhaft, da sich weder die Autoren noch die Verleger 
die Sprache, in der ihre Veröffentlichungen zu erscheinen haben, werden 
zwangsweise vorschreiben lassen. Eine Besserung des gegenwärtigen 
wirklich zu beklagenden Zustandcs ist nur dann zu erwarten, wenn Ver- 
fasser wie Verleger zur Überzeugung kommen, dafs eine Änderung der- 
selben auch ihnen Vorteile bringt, d. h., dafs der Gewinn allgemeiner 
Verständlichkeit durch den Verzicht auf die auschliefsliche Veröffent- 
lichung in einer weniger verbreiteten Sprache nicht zu teuer erkauft ist. 
Wo sich dieser Gedanke Bahn gebrochen hat, dort wird sicherlich von 
bedeutenderen Arbeiten neben der Ausgabe in der Muttersprache auch 
eine Übersetzung oder doch ein ausführlicher Auszug in einer Welt- 
sprache erscheinen. Es gibt jedoch ein Auskunftsmittel, dafs schon bei 
dem gegenwärtigen Stande der Sache guto Dienste leistet, und dessen 
man auch in Zukunft niemals wird ganz entraten können, das ist die 
Sammlung der in den verschiedenen Sprachen für die Münzbeschreibung 
im weiteren Sinne verwendeten Fachausdrücke, und deren Vereinigung 
zu einem internationalen Wörterbuche der Münzkunde. Der erste Ver- 
such in dieser Richtung, den Ambrosoli 1897 in seinen Vocabolarietto 
pei Xinni.smatici in 7 Ungue (Mailand, U. Iloepli. Serie scientißca dei 
Manual i Hoepli) geliefert hat, ist rühmend anzuerkennen, und es wäre 
nur zu wünschen, dafs derselbe durch einträchtiges Zusammenwirken 
der numismatischen Gesellschaften Europas zu einem grundlegenden 
Werke ausgebaut würde. 



Digitized by Googl 



§ 15. Münzbeschreibung: sprachliche Hilten, Abbildungen ; Abdrücke. 121 

Ambrosoli, Relazione sul tema intorno all'uso delle lingue nnzionali negli ficritti 
di numismatiea, .Mailand 1903, vorgetragen auf dem internationalen Historikerkongrefs 
zu Rom (April 1903) empfiehlt Rückkehr zum Lateinischen, mindestens für Beschrei- 
bungen von Gepragen des Altertums. — Derselbe, Vocabolarietto pei numismatici in 
nette lingue. Mailand 1897 (Manuali Hoepli Nr. 242); den in dänischer Spracho ver- 
öffentlichten numismatischen Werken wird zuweilen, wie bei Hauberg, Myntforhold 
. . * Danmark indtil 1146, Kopenhagen 1900, ein Auszug des wesentlichen Inhalts in 
französischer Sprache beigegeben. 

8. Genügen dem Sammler für seine Zwecke die Beschreibungen 
von Münzen nicht, so wird er als Ergänzung derselben Abbildungen 
und Abformungen von solchen Stücken heranziehen. Die roheste Art 
von Abbildungen sind Papierabreibungen, die man gewinnt, wenn man 
eine Münze mit dünnem, zähem Papier überdeckt und dann mit einem 
abfärbenden Stift überfährt. Besser gelingen solche, wenn man die Münze 
mit befeuchtetem Papier umgeben zwischen Gummiplatten prefst und 
dann die Erhabenheiten mit einem Ölkopierpapier einreibt. Die auf diesem 
Wege gewonnenen Abbildungen sind übrigens nur bei Stücken von 
flachem Gepräge halbwegs entsprechend; sie können jedoch, wenn man 
ihre Rückseite schwärzt oder ein Kopierpapier unterlegt und dann die 
Umrisse mit einem Stifte nachzeichnet, die Herstellung guter und ge- 
treuer Handzeichnungen sehr erleichtern, deren man zur Vervollstän- 
digung des Sammlungsverzeichnisses zuweilen bedarf. Sollen Abbildungen 
vervielfältigt werden, so hat man zwischen Autographie oder Stich oder 
Lichtbildern mannigfacher Art zu wählen. Trotz vieler Vorzüge, welche 
die Lichtbilder aufweisen, worden dieselben die Zeichnungen niemals 
ganz verdrängen, weil sie nur zur Wiedergabe des Individuellen mit all 
seinen Zufälligkeiten geeignet sind, während es Fälle gibt, in welchen 
nur durch Erfassen des Gemeinsamen und Wesentlichen und Verdichtung 
desselben zu einem Bilde der beabsichtigte Erfolg erzielt werden kann. 

Teilweise andern Zwecken dienen die Münzabformungen, vor allem 
als Ergänzung des in der Sammlung vertretenen Münzvorrates. Nach 
ihrer Herstellung lassen sie sich als Abklatsche, (in Papier oder Zinn- 
folie) Abdrücke in Blei, Siegellack, Guttapercha u. dgl., Abgüsse in Gips, 
Schwefel , Metall oder Nachbildungen auf galvanischem Wege unter- 
scheiden. Besondere Beachtung verdienen namentlich die Abdrücke in 
feinstem Siegellack auf feiner Pappe, die aber sorgfältig verwahrt vor 
Wärme und jeder Pressung geschützt sein wollen. Sie nehmen nicht 
viel Raum ein, ermöglichen die Anbringung von Vermerken auf dem 
Pappendeckel und gestatten als Negative die positive Herstellung von 
Münzbildern aus Stanniol, Gips oder auf galvanischem Wege. 

Anfertigung von Münzkopien: Stückelberg 213 ff. — Grote, Bl. f. Mzkde. I, 
18, II, 136, 228. — N. Z. 1837, Nr. 21— 23 von G. L., wohl G. Lnos — Koehne M. I, 
360; K«oehnc, Z V, 111; TrachHcl, Ein neues Verfahren, um schöne Papier- 
abdrücke von Brakteaten zu erzielen. W. X. Z. XIV, 199. — Erhaben geprägte Ab- 
bildungen (Congrevedruck) s. Koehne, Z. V. — Hornifs, Wie entstehen unrichtige 
Abbildungen von Münzen? W. X. M. I, S. 94. — Originale oder Abgüsse ? : Blanchet 
et Villcnoisy, Guide pratique de Vantiquaire. Y. 1H94. Livre II, Reproduction den 
monuments. — X. Z. 1839, Nr. 14, 1868, Nr. 19. — Engel, Über die beste Methode 
des Giefsens und der Reproduktion von Medaillen. H. N. B., Bd 34 (1882), S. 310 ff. 



Digitized by Google 



122 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



— Galvanoplastische Kopien, Z. f. N. I, 286, XI, 338. — Das Köck Ische Abgufsver- 
fahrcn. Bl. f. Mzfr. Nr. 120 (1884) 8p. 1698. 

9. Die Anlage von Münzverzeichnissen kann mit verschiedener 
Ausführlichkeit in Buchform oder auf losen Blättern erfolgen, da je 
nach dem Zwecke, der dabei erreicht werden soll, bald die eine bald 
die andere Form mit Vorteil gewählt wird. Die Herstellung genauer 
Münzbeschreibungen ist immer mühsam und langwierig, obgleich manche 
mechanische Arbeit durch Verwendung gedruckter Formulare, durch Auf- 
druck passender Stempel, durch Einkleben von Abbildungen und durch 
Verweise auf schon vorliegende Beschreibungen erheblich gekürzt 
werden kann. 

Th. Grofsman in Gonf (Ruc Argand 3) Hefa, um die Anlage eines übersicht- 
lichen Verzeichnisses zu erleichtern, Blätter, mit den erforderlichen Rubriken herstellen, 
welche sowohl lose als in Bänden von 2 — 400 Seiten mit Register käuflich sind. W. 
N. M. III, 8. 107. — Paul Stroh lin in Genf gibt für MedaillenBammler ein Repertoire 
general de tnedaillistique heraus, ouvrage conru sur un plan noureau imprime sur fichet 
separees et destini a former un diclionnaire gineral de inedaillistique. Erschienen waren 
Ende 1903 800 Zettel. — Vgl. die Anzeige durch H. de la Tour in R N. IV, (1900), 
8.391; F. Mzztg. 1901—1903, S. 133, 212, 229, 396, 601. 

§ 16. Falsche und unechte Münzen. 

1. Die Ausdrücke falsch und unecht, die man als Gegensatz 
zum Begriffe echt verwendet, beziehen sich auf verschiedene Mängel 
einer Person oder eines Dinges, und sind daher keineswegs gleicher Be- 
deutung. Echt nennen wir Münzen, die sowohl ihrer Herkunft als 
ihrem Wesen nach unanfechtbar sind; unechte oder gefälschte Münzen 
sind anderer Herkunft, als sie vorgeben, die falschen aber anderes 
Wesens, als sie scheinen. Bei der Herstellung sowohl der falschen wie der 
unechten Stücke ist die Absicht immer auf Täuschung, aulserdem meistens 
auf Erzielung eines unerlaubten Gewinnes gerichtet, nur soll dieser das 
eine Mal auf Kosten der Bevölkerung überhaupt, das andere Mal auf 
Kosten der Sammler insbesondere eingeheimst werden. Mit andern 
Worten : Die Falschmünzerei bedroht die Münze in ihrer Eigenschaft 
als allgemeines Zahlungsmittel, die Münzfälschung als begehrten Gegen- 
stand des Sammeleifers. 

Beauvois G., Moniere de discemer les medailles antiques de Celles, qui sont 
conlrefaitcK. P. 1739 uud öfter, von Lipsius ins Deutsche übersetzt und D. 1791, 
veröffentlicht. — Loos G. B., Die Kunst, falsche Münzen zu erkennen. B. 1828. 

— Eudel P., Le Truquage, nouvrfle edition. P. 1903. In deutscher Bearbeitung durch 
B. Bucher, T„ 1885, unter «lern Titel: >Die Fälsclierküuste« erschienen. —Grote, 
Geldlehre § 23: die Zerrüttung des Münzwesens. — Kirmis M., Die Numismatik in 
der Schule. Neumünster 1888. (Programm). — P. W. Falßche und verdächtige Münzen. 
Schülerfreund 1895, S. 275 ff. — Illustriertor Anzeiger über gefälschtes Papiergeld und 
unechte Münzen. Nach amtlichen Quellen herauHg. von Adolf Henze. L.^1865 ff. 
Viele Jahrgänge. — Bork, Die neuen deutschen Reichsmünzen und ihre Falsifikate. 
F. 1878. — Schmiedor S. lbo. — Stttckelborg 232 ff. 

2. Schon aus dem Gesagten ergibt sich, dafs die Wege zum Teil 
verschieden sein werden, die vom Verfertiger unechter und vom Er- 
zeuger falscher Münzen eingeschlagen werden, um den beabsichtigten 



Digitized by Google 



§ 15. MünzvorzeichniBBO. § 16. Falsche und unechte Münzen. 123 



Erfolg zu erzielen. Wer Falschmünzerei betreibt, mufs, um zu gewinnen, 
am Münzstoff sparen, das braucht der Münzfälscher nicht zu tun, der 
sich aus dem hohen Liebhaberpreis bezahlt machen will. Auf der andern 
Seite wird der Falschmünzer seinen Zweck gewöhnlich schon erreichen, 
falls es ihm gelingt, den Mangel an Feingewicht derart zu verdecken, 
dafs die äufsere Erscheinung der von ihm in den Verkehr gebrachten 
Stücke den Leuten nicht auffällt. Unechte Münzen hingegen suchen 
den Sammler zu täuschen und müssen von echten Vorlagen, soweit 
solche vorhanden sind, selbst bei der Prüfung durch einen Fachmann 
nicht leicht zu unterscheiden sein, wenn sie ihren Zweck erreichen 
wollen. Schon aus diesem Grunde werden also unechte Münzen von 



ihren echten Vorbildern im Metall selten abweichen, um nicht von 
vornherein Verdacht zu erwecken. 

3. Nach gewöhnlichem Sprachgebrauch sind allo Stücke falsch, 
welche die Sicherheit des Geldverkehrs bedrohen, weil sie durch trüge- 
rische Gestalt ihres Aufseren über den vorhandenen Mangel am vor- 
gegebenen Münzstoff hinwegtäuschen. Der juristische Begriff der Falsch- 
münzung war und ist jedoch ein anderer. Er ist enger insofern, als 
selbst bei gewinnsüchtiger Absicht des Täters der Tatbestand eines 
Münzverbrechens nur vorliegt, wenn die Herstellung der Münzen zu 
Geldzwecken durch jemanden erfolgte, der keine Münzberechtigung hatte, 
er ist weiter insofern, als unter diesen Voraussetzungen selbst die Er- 
zeugung probehaltiger Stücke als Falschmünzerei bestraft wird. 

Daraus folgt, dafs die von einer mit Münzrecht ausgestatteten 
Person oder Körperschaft veranlafste Erzeugung geringhaltiger Münzen 
unter eigenem oder sogar unter fremdem Gepräge mangels eines subjek- 
tiven Erfordernisses das Verbrochen der Münzfälschung nicht einmal 
dann begründet, wenn sie rechtswidrig oder selbst strafbar sein sollte. 
Derartige Handlungen von Münzberechtigten fallen unter andere — 
volkswirtschaftliche, staatsrechtliche oder selbst völkerrechtliche Gesichts- 
punkte und liefern Erzeugnisse, unter welchen man einerseits die er- 
laubte Kreditmünze und anderseits die unerlaubte Nachahmung fremder 
Gepräge mittels nachgeschnittener Stempel oder durch unterwertige Aus- 
münzung mittels der fremden echten Stempel, zu unterscheiden hat. 




Fig. 7ö. Knopfzwanziger von der Augsburger 
Finna Drentwctt nach dem Muster der Salz- 
burger Zwanziger vom Jahre 1#> - -!. probehsltig 
für Sehmuckknopfe angefertigt. Die rückläufige 
Schrift lautet: I)RKNT . WKTT . ORAVKÜR . IN 



Fi». 76. 

liurg Kriedberg In der Wetterau, Kipperzwölfer 
(Dreib&tzner. Schreckenborger) vom Jabre 1620 

F. Mzbl. Nr. 16. 17. S. 157. 



AUGSBURG. 



124 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Loos, Einleitung, § 1 — 27. — C. C. C. Art. 111. >Straff der Münzfälscher und 
auch dero, die so ou habend Freiheit müntzen.i — Münzfälschungen im Mittelalter. 
Koehne, Z. V, "21. — Puschi, Das Corpus delicti eines Falschtuünzerprozesses. 
W. X. Z. XIV, 191. Xadrowski, Thorner Falschmünzerei im 17. Jahrb. B. Mzbl. 
Nr. 49. Princhart A., Quelques particularites sur les ateliers de fausses monnaies au 
XV II* stiele. R. X. B. I, 4, S. 46. — Falschmünzerei durch fabriksniäfsige Erzeugung 
österreichischer Scheidemünze im Auslande mit vorschriftgemäfwem Gehalt. W. X. Z. 
DT, 255. — Knopfzwanziger. Zu eigentümlichen münzartigen Geprägcn hat die bauer- 
liche Mode Kleider mit grofsen Silberknöpfen zu tragen, Anlafa gegeben. Als die 
dazu besonders beliebton bayerischen und salzburgischen Zwanziger und Zehner schon 
selten geworden waren, liefsen Münchener und Augsburger Geschäfte die Münzbilder 
nachschneiden, umgaben sie aber mit andern Umschriften. Diese probehaltig geprägten 
Xachmünzen wurden dann mit angelöteter Öse als fertige Knöpfe in Handel gebracht 
(Fig. 75). 

4. Von der Kreditmünze wurde bereits § 4, 3 in Kürze gehandelt 
und wird noch § 19, 4 die Rede sein. Sie ist heutzutage für die Zwecke 
des Kleinverkohrs unentbehrlich und volkswirtschaftlich zu rechtfertigen, 
solange sich ihr Umlauf in gewissen Grenzen hält; sie wird jedoch ge- 
fährlich, sowie sie überhandnimmt, weil sie dann die gute Münze aus 
dem Verkehr verdrängt, und geradezu verderblich, wenn sie durch ihre 
äufsere Erscheinung über ihr Wesen täuscht oder gar von vornherein 
auf Irreführung der Empfänger berechnet ist. Dergleichen ist früher 
nicht so selten vorgekommen. In Zeiten finanzieller Bedrängnis ist 
Kreditmünze oft unter Beibehaltung des früheren Gepräges in grofsen 
Mengen ausgegeben worden; Zahlungen an den Gegner in solcher statt 
in guter Münze zu leisten, mochte selbst als erlaubte Kriegslist betrachtet 
werden. Beispiele liefern uns die sog. gefütterten Münzen (ntimi mbaerati) 
im alten Rom, die nur zum Teile Falschmünzererzeugnisse sind, ferner 
so manche Gepräge aus derKipperzeit. 

Rahrfcidt M., Die gefütterten Münzen aus der Zeit der römischen Republik. 
W X. Z. XVI, 309, XXIII, 99. — Graf Julius, Münzverfälschung im Altertum. W. X. Z. 
XXXV, 1, 130. — Falsche römische Bronzemünzen mit eisernem Kern. Z. f. X. 
XIV, Anh. 9. Über die Technik der Münzfütterung : M. Piccione, Lt •mottete suberate. 
Rom 1903. (Gelegenheitsschrift, nicht im Handel.) Derselbe: La teenica delle J'alsi- 
ßeazioni. Boürtino di Xumitmatka. Mailand 1903. S. 99. — v. Schrötter, Die Prä- 
gung der kursächsischen Sechspfennigstücke (Seufzer) 1701—1702. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Scheidemünzpolitik. Z. f. X XXIII, 8. 1 (1902) — Xachrichten über die süd- 
deutschen Schinderlinge 1457—1460 (Fig. 74); am vollständigsten bei Schalk K., Der 
MOnzfufs der Wiener Pfennige von 1424—1480. W. X. Z. XU, S. 246 ff.; forner 
W. H. II (1902) 799 ff. - Die bösen Osterröder Groschen 1472. X. Z. 1872, Xr. 11 — 13. 
— Kippermünzen. Eine erschöpfende Darstellung dieses Münzunwesens fehlt; 
Schmieder T, 254 verweist auf Heroldt, dem Münzvorgnügen gewidmete Xebcn- 
stunden, Xr. 1774, S. 279. — Ewtor, Xeue kl. Schriften II. Marburg 1762. S. 76. 
Deutschland* Unheil durch das Kipper- und Wipper auch das Plätzergeid des vorigen 
Jahrhunderts. — Vulpius, Kuriositäten (Weimar 1811 ff.) VIII, 2, 1. — Xewald, 
Die lange Münze in Österreich. W. X. Z XIII, 88 ff. (1881). — Mein Aufsatz über da* 
lange Geld oder die Kipperzeit in Steiermark. Mittig. d Histor. Vor. f. Stmk , 1890, 
Bd. XXXVIII, 26 ff und eine Zusammenstellung der stoierischen Kippermünzen von 
Dr. Hans Tauber a a. O. 55» ff. 

5. Wieder anders sind die unerlaubten Nachgcpräge (§ 11. 3), die 
von Münzberechtigten in täuschender Weise nach Art echter Vorbilder 
veranlagt wurden. Ungeachtet aller Gegenanstrengungen der dadurch 



Digitized by Google 



§ 16. Kreditmttnzen, Beischläge, Kriegsmünzen. 



125 



betroffenen Münzherren trotz kaiserlicher Verbote und päpstlicher Exkom- 
munikationsbullen kommen solche Beischläge durch das ganze Mittelalter 
und darüber hinaus bis ins 17. Jahrh. vor (§ 27, 7 und Fig. 32b, S. 50). 
Insofern diese unter Einhaltung von Schrot und Korn ihrer Vorbilder 
ausgebracht wurden, um die Umlaufsfähigkeit in Gegenden zu gewinnen, 
wo jemand anderm der Anspruch auf den Münznutzen zustand, bilden 
sie einen unstatthaften Eingriff in eine fremde Münzberechtigung; sie 
waren jedoch überdies eine betrüglicho Verkürzung des gutgläubigen 
Empfängers, wenn sie, was die Regel war, minderwertig hergestellt waren. 

Thomsen, Über Mtinxnachahtnungen im Mittelalter; Grote, BI. III, 5. — 
Pawlowski A. v., Über Nachahmung und Xachfalschung von Münztypen. W. N. Z. 
XVII, 145. — Dannenberg, Die Goldgulden vom Florentiner Gepräge. W. N. Z. 
XII, 146, XVII, 130, XXXII, 201 ; 8. auch Z. f. N. XXI, Anh. 18. — Die Florentiner 
»ollen päpstliche Bullen zum Schutze ihres Guldengepräges erwirkt haben, doch ist 
die Sache zweifelhaft. Argelati de Monetis Italiae. Mailand 1752, IV, S. 105. — 
Auch Kg. Karl V. von Frankreich soll 1372 eine päpstliche Bulle gegen die Nach- 
ahmer seiner Gepräge erwirkt haben. Shaw, History of currtnqj. 2. Auti. Lon- 
don 1896. S. 36. 

6. In Kriegszeiten ist es auch vorgekommen, dafs die echten 
Stempel eines Münzberechttgten dem Gegner in die Hände fielen und 
von diesem weiter benutzt wurden. Soweit diese Prägungen für Bedürf- 
nisse des Verkehrs nach dem früheren Münzfufs erfolgten, läfst sich da- 
gegen auch vom völkerrechtlichen Standpunkte nichts einwenden. Anders 
verhält es sich, wenn das fremde Bild die mangelnde Münzberech- 
tigung decken soll, wie dies bei den § 8 Abs. 5, Fig. 29 besprochenen 
Münzen der Geusen der Fall war, oder gar wenn von einem Münz- 
berechtigten dabei die Münze des fremden Gepräges verschlechtert wird. 
In früherer Zeit hat man selbst dies durch die Notlage des krieg- 
führenden Staates entschuldigt und dergleichen verschlechterte Münzen 
als eine Art 'Kriegsmünze erklärt. Das bekannteste Beispiel dieser 
Art sind die sog. Ephrairaiten, die im Siebenjährigen Kriege nach 
der Einnahme von Leipzig mit den dort vorgefundenen Stempeln der 
sächsischen Gulden, Halb- und Viertelgulden vom Jahre 1753 durch 
den Juden Ephraim als kgl. preufsischen Münzpächter geschlagen wurden. 
Der immer stärker abnehmende Gehalt dieser Münzen, die zu 20, 40 
und selbst 45 Reichstaler aus einer Mark Silber (statt 14 Reichstaler) 
ausgebracht wurden, machte diese Ephraimiten, welche der Berliner Witz 
als »von aufsen schön, von innen schlimm, — von aufsen Friedrich, von 
innen Ephraim« bezeichnete, rasch berüchtigt. Fast noch merkwürdiger 
und für die Münzpolitik einzelner Münzberochtigter tief beschämend 
lautet die Nachricht in Schmieders Handwörterbuch (I, 264), dafs ähn- 
liche und zum Teil noch schlechtere Sorten als die Ephrairaiten von 
preufsischen Münzpächtern, die mit den Münzherren darüber besondere 
Verträge schlössen, unter dem Stempel von Schwedisch-Pommern, Mecklen- 
burg-Strelitz, Anhalt- Bernburg, Anhalt-Zerbst Sachsen-Hildburghausen usw. 
ausgemünzt werden konnten. 

Kriegs münzen: h. Schmied er I, 264. — Ephraimiten : Sehmieder I, 
159. — Praun, gründliche Nai-hricht v. d. Münzwesen. 3. Aufl. 1784, S. 163 ff. — 



Digitized by Google 



126 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Bufse, Kenntnisse- and Betrachtung des neuen Münzwesens. L. 1796, II, 54. — Buse, 
Geldkundo. 1800, I, 84. — Büsch, Grundsätze der Münzpolitik. Hamburg 1789, 386, 
417. - Bahrfeldt E., Zur Münzpolitik Friedrichs d. Gr. B. Mzbl. 1900, Nr. 242 
weist nach, data schon Ende 1755 polnische Tympfe unter sächsischem Stempel zu 
Königsberg und Breslau gemünzt wurden, die nach Polen zu schaffen waren. — Nach 
einem Bericht der diplomatischen Agenten an die französische Republik vom Juli 1793 
wurden in Nürnberg auf Bestellung Ton Preufsen Louisdore mit dem Bilde Kg. Lud- 
wigs XVI. und den Jahreszahlen 1786 und 1787 unter Einhaltung des vorgeschriebenen 
Schrot und Korns für Kriegszwecke gemünzt. R. N. IV, 3 (1899) S. XLIII ff. Dagegen 
wurden 1796 französische I^ouisdors zu Birmingham gewerbsmäßig in mehreren Fa- 
briken nachgefälscht, a. a. O. — Merkwürdig ist der bei Hirsch Vin, 77 ff. abge- 
druckte »Gründliche Bericht und Erläuterung nach denen Reichs-Creyfs-Fundamental- 
Münzgesetzen, ob dem Veatner als Eisenschneider bey dermaligen Zeiten und Zustand 
des verfallenen Münzwcsens der Gebrauch der Münzwerkor oder sog. grossen Anwurff» 
zu Ausprägung der Medaillen zu gestatten seye«, der 1730 den Ständen des fränkischen 
Kreises per dictaturam publicum mitgeteilt wurde. Der Antrag ging dahin, dem Vestner 
das erbetene Stofswerk zu verweigern. 

7. Die Falschmünzer suchen ihren betrüglichen Gewinn vornehm- 
lich auf zwei Wegen zu erreichen: In dem einen Falle, den man als 
Falschmünzerei im engeren Sinne bezeichnet, stellen sie falsche Münzen 
aus einem minderwertigen Stoffe dar, dem sie durch Prägung mit nach- 
geahmten Stempeln, durch Gufs oder durch galvanischen Niederschlag usw. . 
eine mehr oder minder tauschende Ähnlichkeit mit echten Stücken zu geben 
suchen. Im andern Falle entziehen sie echten Stücken durch chemische 
oder mechanische Prozesse auf unmerkliche Weiso möglichst viel Münz- 
stoff, den sie entweder gar nicht oder in minderwertigem Metall ersetzen. 
Die Anfertigung von Gold- und Silbermünzen aus einer schlechteren 
Legierung, durch Plattierung eines unechten Kerns mit probehaltigem 
Münzmetall, schliefslich die dünne Vergoldung oder Versilberung eines 
Kerns aus Messing oder Kupfer, der Nachgufs in weifsen Metallmischungen 
u. dgl. sind Beispiele häufig geübter Fälschung von Münzen. Bedenk- 
licher ist für die Sicherheit des Verkehrs die Verfälschung echter Stücke. 
Gegen das plumpe Befeilen und Beschneiden der Münzränder, das seiner- 
zeit häufig geübt wurde, ist man heutzutage durch die Gestalt der Münzen 
ziemlich geschützt. Bedrohlicher ist die Erfahrung, dafs man einem 
Goldstück durch Einlegen in Königswasser, ohne die Schärfe des Ge- 
präges zu zerrütten , in lohnender Weise Gold entziehen kann. Am 
gefährlichsten sind jedoch mechanische Prozesse, durch welche bei tun- 
licher Schonung der Oberfläche der echte Kern der Münze entfernt 
werden kann, die namentlich in Amerika geübt werden. Dicke Gold- 
stücke werden am Rande angebohrt und mittels sinnreicher Maschinen 
ihres Inneren beraubt, oder sie werden gespalten, an den Innenseiten 
befeilt und dann wieder zusammengefügt. Da in beiden Fällen der ent- 
zogene Goldkern durch ein annähernd gleichschweres Metall ersetzt wird, 
so bedarf es das eine Mal nur einer sorgfältigen Verlötung des Bohrloches, 
das andere Mal eines dünnen Goldstreifens von entsprechender Ausstattung 
zur Verdeckung des beschädigten Randes, um Stücke zu gewinnen, die 
man, ohne Gefahr ertappt zu werden, wieder in Verkehr bringen kann. 

Falschmünzerei: Dante, Inferno XXX, v. 73, 74, 89, 90. — Meister Adam, 
der auf Befehl des Grafen von Romona Florentiner Gulden nachfälschte : ei m'indussero 



Digitized by Goo 



§ 16. Falschmünzerei. Unecht«, erdichtete Münzen. 



127 



a battere fiorini che avevan tre earatti de mondiglia also mit 3 Karat Zusatz. Eh kam 
auch vor, dafs Münzmeister mit Benutzung älterer Stempel schlechtere Münze aussahen, 
wie 1653 zu Bourges nachgewiesen wurde, wo bei der Revision ein Stempel vom Jahre 
1648 eingespannt gefunden wurde. R. N. F. IV, 2 (1897) Prodi verbaux L. — Loos, 
S. 20 ff. — Stü ekel her g 232. — Falschmünzerei durch Zersägen von Goldstücken in 
Amerika. N. Z. 1866, Nr. 13, Sp. 104. Die Einsetzung eines Kerns aus Iridium oder 
einer Iridiumlegierung ist nach den Metallpreisen undenkbar, es wird doch wohl ein 
Bleikern gewesen sein. Englische Souvereigns mit Platinakern wurdon in Spanien 
hergestellt. Z. f. N. XIX, Anh. 10; Bl f. Mzfr. 1877, Nr. 57, Sp. 455. — Münzfälschung 
durch Abätzen a. a. O., 1877, Nr. 59, Sp. 476. — Falschmünzerwerkstättc zu Genf 1881, 
Num.-sphrag. Anz. 1881, Nr. 6, S. 47. — Les fausses piastres de Birmingham. R. X. IV, 
7 (1903), 383 ff. ; sio wurden um 1792, teils durch Beschneiden echter Stücke, teils durch 
Abfeilen und Wiederzusammensetzen, teils aus unechtem Münzgut fabriksmäfsig für 
den Handel nach China erzeugt. Es gibt auch kontermarkierte Fälschungen, obwohl 
die Chinesen aus Vorsicht nur nachgestempelte Stücke umlaufen liefsen. — Weil R. 

Erdichtete Münzen. 




KS 



FiK- 77. 

Denkmünze auf Kr Kudold I. Tod (t 1291). 
Heckernche« Krzeugnls. 



Fig. 78. Dortmund, noldbraktent. 
Erzeugnis des < Goldarbeiten Metz 
in Münster (vrI. Bl. f. Mzfr. Nr. 10-.», 
1»82, 8p. 902). 



Über Falschmünzerei im Altertum. Z. f. N. XIX, Anh. 10. — Eine antike Falsch- 
münzerwerkstätte in Ägypten. Bl. f. Mzfr., Nr. 273, Sp. 2865 1 1902). — Tonmodelle 
römischer Falschmünzer." Z. f. N. XIII, Anh. 5, XV., Anh. 20; Bl. f. Mzfr. 1879, Nr. 78, 
Sp. 663. — Vötter, Die römischen Münzen des Kg. Gordianus III. und deren antike 
Fälschungen. W. N. Z. XXV, 385. — Sog rheinische oder Frankfurter Juden Pfen- 
nige mit den Wertaufschriften: 1 HELLER (auch 1 THELER) 1 PFENNIG u. dgl. und 
den Jahreszahlen 1703, 1807, 1819 wurden um 1820 von Frankfurt a. M. aus in grofsen 
Mengen in den Verkehr gebracht. Am 10. April 1823 schritt der Frankfurter Magistrat 
ein und hat diese Fälschungen fässerweise mit Boschlag belegt. Neu mann, Kupfer- 
münzen V, 391, Nr. 32025 — 32037. — E. Felln er, Die Münzen der Neuzeit von 
Frankfurt a. M. F. 1896, 8. 624. Vgl. auch R. N. B 1893, S. 344 ; 1895, S. 45. 

8. Ungemein ausgebreitet und kaum zu übersehen ist das Gebiet 
der unechten Münzen, obgleich sich alle im Grunde auf drei Gruppen 
zurückführen lassen. An erster Stelle sind erdichtete Münzen zu 
nennen (Fig. 77, 78), von Herrschern, die nicht gemünzt haben (Attila), von 
Gebieten, die kein Münzrecht hatten (Moresnet, Andorra) usw. Viele Er- 
dichtungen sind so plump, dafs der Betrug unschwer durchschaut werden 
kann, und darum gilt diese Gattung unechter Münzen als verhaltnis- 
mäfsig ungefährlich. Als Beispiele dieser Art seien die Goldmünzen der 
altserbischen Herrscher Urosch, Milutin, Lasar erwähnt, die in Wien 1875 
durch serbische Kaufleute als Bestandteile eines grofsen Münzfundes 
nächst Prisrend an den Mann gebracht werden sollten , jetloch , wie 
eine genauere Untersuchung erwies, durch Überprägung österreichischer 



128 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. 



Dukaten aus den Jahren 1853 und 1871 hergestellt worden waren. Diese 
Münzen, deren Echtheit eine in Agram 1876 erschienene Schrift ver- 
teidigt, sind, wie man aus den Abbildungen ersehen kann, zum Teil 
Nachbildungen echter Silbermünzen, zum Teil zeigen sie neue Gepräge 
von wahrhaft kindischer Erfindung. Seither sollen sogar die Prägestempel, 
mit welchen sie erzeugt wurden, gefunden worden und ins Kgl. Museum 
zu Belgrad gelangt sein. 

Die Geriebenheit der Fälscher hat übrigens im 19. Jahrh. auch 
mancherlei erdichtete Stücke auf den Markt gebracht, deren Unechtheit 
nur mühsam festgestellt werden konnte, wie die schon erwähnten Münzen 
der Republik Andorra und des Staates Moresnet, Fünfcentsstücke von 
Hawaii vom Jahre 1881, Zehndollarstücke der Königin Liliuokalani, an- 
gebliche Probemünzen von Napoleon II. und Ludwig XVII. von Frank- 
reich u. dgl. mehr. 

Friedensburg, Erdichtete Medaillen. B. Bl. 1903—1904, Nr. 15—27. — 
Erdichtete Münzen: Koehne, B. Bl. I, 213; S.-R. d. B. num. Gesch. 1895; S. 6, 
1899, 5. Juni, Z. f. X. XX, Anh. 6; XXII, Anh. 19. — 2 Krcs.Stücke von Moresnet und 
10 Centimos Stücke von Andorra, 1873 s Bl f. Mzfr. T. XV, Nr. 1 und LIX, Nr. 21, 
dazu Nr. 16 (1868), Nr. 42 1875), Sp 324, Nr. 80, 81, Sp. 681, 603. - Erdichtete alt 
serbische Goldstücke: Ljubic S., Xa obranu pravosti siaro srb$kih zlatih novaca. 
Agram 1876; W. N. Z. V, 263, VI, VII, 389: VIII, 228, 392; auch Bl. f. Mzfr. 1876, 
8p. 380,432. — Erdichtete Münzen der Moldau: W N. M. III, Nr. 147, S. 27». — Ober 
5-Frankenstücke auf Mac Mahon, dann mit Finis (iermaniae usw. F. Mzztg. Nr. 24, 
25, 27. — Die Gazette numvttnatiqu« enthält vom 4. Jahrgang an (Br. 1889) eine fort- 
laufende Reihe : Monnaies, mldaiikt et jetons moderne», contre/aits ou compleUment in- 
vcntcs. — Es gibt übrigens auch Erdichtungen von Falschmünzern. So hatte z. B. 
Johann Georg Breuer, herzoglicher Münzmeister zu Braunschweig 1683 eine grofs« 
Menge geringhaltiger (Juldenstücke eines angeblichen Prinzen von Japan , MANG 
CHA(n) zum Vertrieb nach Rufsland hergestellt und wurde deshalb 1684 vom Herzoge 
Rudolf August zu 10000 Taler Strafe verurteilt. Num.-sphrag. Anz. 1879, Nr. 3. 

9. Gefährlicher für den Sammler als die erdichteten Stücke, diesen 
jedoch bis zu einem gewissen Grade verwandt, sind die nachgear- 
boiteton Münzen. Der Fälscher benutzt dabei echte Münzen, deren 
Bild und Umschriften er durch Überarbeitung mit dem Stichel oder 
durch geschicktes Zusammenfügen der echten Seiten zweier Münzen 
verändert, oder er sucht den Sammelwert zu erhöhen, indem er einem 
echten Stücke durch Aufpolieren Stempelglanz, durch einen passenden 
Überzug das Ansehen von Edelrost (Patina) zu verleihen sucht, eine 
falsche Kontermarke aufschlägt u. dgl. Endlich sei an dieser Stelle der 
Vollständigkeit wegen noch des betrüglichen Verkaufes neuer Abschläge 
von echten Stempeln (sog. refrappe) gedacht. Nicht immer wird übrigens 
der Fälscher bei diesem Vorgang auf seine Kosten kommen; ja es kann 
geschehen, dafs er dabei ein wertvolles Stück opfert, um ein an sich 
minderwertiges zu erhalten. Ein Beispiel für das Gesagte bietet das bei 
Schön wiesner, Notitia rci numariar, Taf. XI abgebildete Stück mit den 
Aufschriften: SANCTGS STEPHAN VS und ALEMANIA. Der nach- 
weislich erste Besitzer desselben, Luck, hat es offenbar für eine Münze 
des ungarischen Königs Stephan gehalten, dessen echte Gepräge ganz ge- 
wöhnlich sind ; in Wirklichkeit ist es von einem Fälscher aus einem 



Digitized by Google 



§16. Nachgearbeitete und nachgeahmte Münzen. 



129 



höchst seltenen, in einem zweiten Urstück bisher nicht bekannten Ge- 
präge der Bischöfe von Marsal durch Nachstich der Buchstaben her- 
gestellt worden. 

Nachgearbeitete Münzen. W. N. Z. XFI, 233. Neuabschlage von echten 
Stempeln (re/rappe) F. Mzbl. II, Nr. 16, S 240; F. Mzztg. 1903, Xr. 19, S. 290. — Die 
PariBer Münzstätte vorsieht XeuabKchhlge, um sie als solche zu kennzeichnen, am 
Rande mit dem eingeprftptcn Namen des Münzmetalls : CVIVRE bezw. ARGEXT. — 
Echte römische Münzen mit nachgemachter Patina überzogen. Z. f. X. III, 260. 





Fig. 79. 
Marsal, XI. Jahrhundert. 
Kg). Münzkabinett, Berlin. 
W. N. Z. XU, 283. 



Fig gn. I'ncrhte Münze Kg. Ste- 
l>hans I. von l'ngaro. Durch Nach- 
arbeiten mit dem .Stichel aus einem 
echten Stück von Marsal erzeugt. 
W. X. Z. XII, 2S3. 



10. Noch tückischer sind wohl die nachgemachten Münzen, 
d. h. unechte Stücke, die nach echten Vorbildern erzeugt wurden, um 
den Sammlern als echt unterschoben zu werden. Früher standen dem 
Fälscher dabei nur zwei Wege offen: der Nachgufs in Gufsformen, die 
von echten Stücken abgenommen waren, oder die Prägung mit nach- 
geschnittenen Münzstempeln. Die Abgüsse wurden indessen niemals 
scharf und verrieten sich als solche, falls man nachhelfen wollte, durch 



Echte Vorbilder. 



Unechte Nachbildungen. 




Fig 81. Trier. K. Ludwig d. Fromme (tMO.) 




kerscher Stempel. 




Fig 83. l'ngam. Stephan I. (1<k>o-10:is.) Fig. 84. Moderne Nachbildung 

die Spuren des Stichels. Die Anfertigung eigener Prägestempel zur Er- 
zeugung unechter Stücke war aber zu kostspielig, um die Herstellung 
weniger Stücke lohnend zu machen, war daher vor dem 19. Jahrh. 
selten; als Beispiel seien die unechten Brakteaten aus Seeländers Fabrik, 
ferner die sog. Prager .Judenmedaillen genannt, die indessen in die 
Klasse der erdichteten Stücke einzureihen sind. Anfang dt-s 19. Jahrh. 
kamen zahlreiche, echten Münzen gut nachgebildete antike und mittel- 
alterliche Gepräge in Umlauf, zu welchen der fürstlich isenburgische 
Hofrat Becker die Stempel geschnitten hatte. Becker fand so manchen 

I. uschin, Numismatik. » 



130 



Ereter Teil. Allgomoine Münzkunde. 



Nachfolger in Europa, denn heutzutage sind die Voraussetzungen, welche 
die Herstellung unechter Stücke lohnend machen, ungleich günstiger 
als ehedem. Der Kreis der Sammler hat sich erweitert und ist durch 
Adressenverzeichnisse allgemein zugänglich gemacht, die Preise einzelner 
Münzen und Medaillen haben eine schwindelnde Höhe erreicht, so dafs 
schon der Absatz weniger Stücke trotz grofser Selbstkosten lohnend 
sein kann; dem Fälscher kommon endlich alle Fortschritte der Technik, 
des Verkehrs und leider auch der Wissenschaft bei Ausübung seines be- 
trügerischen Handwerkes zustatten. Man kann daher ohne Übertreibung 
sagen, dafs die Fälschelindustrie heuto blühender ist denn je. 

Nachgemachte Münzen: Unechte Griechen- und Rönicnnünzen : Bar- 
tholomei: Sur la falsification des monnaies antique», qu'on vient de commencer en 
Perae, in K o e h u e , Z. N. F. 133. — Vgl. auch Kochne.B.Bl. II, 87, 354, 860, Fried - 
1 ander in Z. f. X. XI, 92, Sallet in Z. f. N. XX, 326. - W. X. Z. III, 435, W. X. M. 
V, Nr. 231, S. 354. — F. Msbl. 1899, Xr. 2. — Unechte mittelalterliche Stücke : Posern - 
Klett in GroteB Bl. IV, 21. — Polnische Münzen: Koehnc, Z. IV, 376, V, 109, 252, 
355; Koehnc, M I, 361, Koehne, B. Bl. in, 106. — X. Z. 1844, Xr. 25: unechte 
böhmische Münzen (von Kilian) W. X. Z. XII, 405 in. Ahbldg. ; Num. Hphrag. Anz. 
1881, Xr. 9, S. 79. — Unechte Keutschachtaler : W. N. M. I, S. 326, 338, 432: Bl. f. 
Mzfr., Nr. 146, Sp. 1370; Zellcr in Mitt. d Ges. f. Salzburger Ldkde. XXVI (1886\ 
Frankfurter Doppelgulden von 1849, W. X. M. II, Xr. 107, S. 144. — Unechte Gepräge 
von Hanau. F. Mzbl. 1899, S. 16. Unechte Schweizennünzen. Z. f. X. XXII, 324. — 
F. Mzztg. 1902, S. 272, 288. — Platel E., im Bulletin de la Soc. suisae de numwmatique 
VI (1887), S. 77 ff. — Zeller- Werdinü Her in der Revue tuisae de nunrismatique XI 
(1901), S. 373. — Unechte, zum Teil durch Ätzung hergestellte russische Münzen 
Koehne, Z. V, 346; Koehne M., V, 271. Bekannte Falscher: Über die 
>Paduaner< Cavino und Bassiano: Sallet in Z. f. X. VIII, Anhang 9, 10; über 
Pirro Linorio: Drofsel in Z. f. X. XXIT, 206. — Über Becke rsche Fälschungen: 
Seatini, Sopra i moderni fahificatort. Florenz 1826 im Auszug bei Grote, Bl. I, 
Nr. 34, Beilage 232 und II, 51. — Steinbüchel A. v., Die Beckersehen falschen 
Münzstempel. W. 1836; vollständiger bei Pin der, Die Beck ersehen falschen Münzen. 
B. 1843. — Über Nikolaus Secländer und dessen Brakteatcn Mischungen . X. Z. 1867. 
Xr. 2, Sp. 6 ff. Archiv Br. III, 42, W. X. Z. XXIV, 359; Buchenau in Bl. f. Mzfr. 1902, 
Xr. 3, Sp. 2739. — I.uigi Cigois Fälschungen (t 1876): Trau und B. Willner in W. 
N. Z. III, 150; XXVII, 115. — Bl. f. Mrfr. Xr. 43, Sp. 331, Xr. 47, S. 361. 

Prager Judenmedaitlen, angeblich von einem Prager Goldschmied im 17. Jahrh. 
herrührend: Köhler, MüuzbehiHligungen I, H9; VI, 138. — Schmieder, Nachtrag 89. 
— Koehne in B. Bl. 111,334, Anm. *• bemerkt, dafs die sog. Judenmedaillen weder 
einer Zeit noch einem Meister angehören. Basse rmnn n -Jordan hält sie für 
niederländisch oder italienisch. Vgl. Gebert, Num. Miltlg. Nr. 71, N. 1903. 

11. Am leichtesten wird der Kenner Stücke, die mit unechtem 
Stempel geschlagen sind, herausfinden, weil sein geübtes Auge Ver- 
ständnis für die Geprägeeigentümlichkeiten besitzt und ihm daher das 
mehr oder minder Gezwungene der Nachbildung auffallen wird. Doch 
hat in allerjüngster Zeit ein römischer Künstler, auf dessen Wohnungs- 
tür die Inschrift 'Kunstanstalt für Nachahmung alter Münzen* prangt, 
Stempel zu römischen Münzen geschnitten, die man kaum von echten 
unterscheiden kann. Man hat aufserdeiu die Gufstechnik neuerer 
Zeit sehr vervollkommnet. Oft sind auf diesem Wege gut gemachte 
Stücke sogar schwieriger als die mit neuen Stempeln nachgeprägten 
Stücke als Nachbildungen zu erkennen. Kirmis verweist auf Taler 



Digitized by Google 



§ 16. Unechte Münzen mancherlei Art; Mittel sie zu erkennen. 131 



nachgüsse, die von einem im Jahre 1884 verstorbenen Münchener so 
vollendet hergestellt wurden, dafs ein durch seine Findigkeit und seino 
Kenntnisse ausgezeichneter Frankfurter Münzhändler getäuscht wurde, 
der einen solchen gegossenen Georgstaler für echt ansah und kaufte. 
Die gröfste Gefahr droht indessen den Sammlern durch gute galvanische 
Kopien und gewisse neuo Verfahren, welche die Gravierung von Stempeln 
durch mechanische oder chemische Arbeit ersetzen. Ich will mich da- 
rüber nicht weiter aussprechen und bemerke nur, dafs man bei gal 
vanoplastischen Nachbildungen das Gowicht und die Legierung des 
Originals genau wiedergeben und den Niederschlag so dicht erzeugen 
kann, dafs er klingt. Bis auf eine leichte Furche quer über den ganzen 
Rand, welche meist vorhanden ist und die Stelle zeigt, an welcher die 
beiden Münzseiten durch Hartlot verbunden wurden, sind dergleichen 
Stücke, falls man sie nicht tief einschneiden kann, von echten oft kaum 
zu unterscheiden, weil eben alle äufseren Anhaltspunkte bei beiden 
übereinstimmen. 

Gnecchi E., Über moderne Fälschungen au» neuester Zeit. Rivista Italiana, 
Mailand 1896, 501; 1898,315; 1901,373; 1902,333. — M. Piccione, La teenica delle 
falsificazioni ; Le patine im Bollettino di numismatica. Mailand 1903, Nr. 9 — 11 und 
Battaglie di archeoiogia, Rom 1903, 1904. 

12. Wie die Arten der Täuschung verschieden sind, so gibt es auch 
mannigfache Mittel, um unechte Stücke zu erkennen, sogar Gefühl, Ge- 
ruch und Geschmack können gute Dienste dabei leisten. Nach Kirmis, 
dessen Ausführungen ich hier folge, sichern eigentlich nur Bestimmungen 
des absoluten und spezifischen Gewichts, ein gonaucs Studium der Ober- 
fläche und Untersuchung der Patina, wo ein solcher Überzug vorhanden 
ist. Professor Piccione in Rom verlangt in zweifelhaften Fällen geradezu 
Opferung des Stückes, um durch die Untersuchung des Inneren Sicher- 
heit zu erlangen. Allein nicht jedermann kann Chemiker sein, nicht 
jedem stehen die zur Untersuchung nötigen Münzen und Geräte zur 
Verfügung. Man nutze daher die in öffentlichen Sammlungen vorhan- 
denen Anschauungsmittel durch fieifsige und aufmerksame Betrachtung 
recht gründlich aus, gewöhne sich an das Aussehen echter alter Stücke 
und vergleiche diese mit Nachbildungen. Man unterziehe ferner jedes 
angebotene Stück einer eingehenden Untersuchung und prüfe erforder- 
lichenfalls mit der Lupe die Form der Buchstaben und der verdächtigen 
Stellen, ob sie nicht Gufsspuren, Nachgravicrung, geätzte Stellen, das 
kristallinisch -körnige Gofüge mancher galvanoplastischen Nachbildung 
u. dgl. zoigen. Man übereile sich nicht, selbst wenn die Prüfung gut 
ausgefallen ist, und kaufe wenigstens im Anfang nur aus zuverlässiger 
Quelle. 

Über da« spezifische Gewicht als Mittel, gefälschte Münzen zu erkennen: Hof- 
niann, K. B. in W. N. Z. XVI11, 1 ff., Quilling und Wehner ie W. N. Z. XXVII, 
125. — Kirmis, Die Numismatik in der Schule. Neumünster t8»8 (Programm). 

13. Für das Verhalten gegenüber falschen und unechten Münzen 
können für Sammler und öffentliche Sammlungen verschiedene Gesichts- 
punkte mafsgebend sein ; Falschmünzererzeugnisse, die ja zu allen Zeiten 

9* 



Digitized by Google 



132 



Erster Teil. Allgemeine Münzkunde. § 16. Unechte Münzen. 



einen leidigen Bestandteil des Münzumlaufes gebildet haben, werden in 
den Sammlungen meist neben den echten Stücken, die sie nachgemacht 
haben, untergebracht, nicht so Nachmünzungen, die in der Regel mit 
den übrigen Geprägen ihres Münzherrn vereinigt bleiben. Unechte 
Münzen werden am besten aus der Sammlung der echten ausgeschieden 
und nach der Art ihrer Herstellung oder nach ihren Urhebern angereiht. 
Dergleichen Zusammenstellungen sind ungemein lehrreich und sind für 
öffentliche Sammlungen als Vergleichsmaterial geradezu unentbehrlich, 
denn die von geschickten Fälschern herrührenden Nachbildungen sind 
am unkenntlichsten, wenn sie vereinzelt auftauchen, dagegen für ein 
geübtes Auge alsbald kennbar, wenn sie in grösseren Reihen vereint 
vorliegen. Die vielberufenen Beckerschen Stempel (Fig. 77, 88), die seiner- 
zeit, als sie nach und nach in Umlauf kamen, so viele getäuscht haben, 
sind heutzutage ungefährlich, weil vollständige Sammlungen dieser Er- 
zeugnisse vorhanden sind. Ein durch deren Besichtigung geschultes 
Auge wird unschwer die Farbe und die übrigon Eigentümlichkeiten 
herausfinden, die allen Beckerschen Erzeugnissen gemeinsam sind und 
wo Zweifel bestehen, können diese durch Vergleichung mit unstreitigen 
* Beckeri-Münzen leicht behoben werden. 

Es kommt indessen bei recht tüchtigen Münzenkennern auch vor, 
dafs sie mit Absicht in ihre Sammlungen einige unechte Stücke ein- 
legen, um sie als Prüfstein für das numismatische Verständnis ihrer 
Besucher zu benutzen ; im allgemeinen möchte ich indessen dies nicht 
empfehlen. Wer solch eines Mittels zur Prüfung nicht entraten will, 
der benutze dazu lieber sein Cabinet (Vignorance, d. i. seinen Vorrat an 
unbestimmten und unbestimmbaren Stücken. 

Das Berliner Kabinett kauft mit Absicht unechte Münzen, um Vergleichsmaterial 
zu haben, so z. B. die Erzeugnisse des Luigi Cigoi. Z. f. N. III, 103 — Bl. f. Mzfr. 
Nr. 47 (1875), Sp. 362. 



Digitized by Google 



Zweiter Teil. 

Geldgeschichte. 

I. Hauptstück. 
Die Münze in ihren Beziehungen zur Geldlehre. 

§ 17. Aufgabe der ßeldgeschichte. 

1. »Wenn die Numismatik nicht lediglich oino Anweisung Münz- 
sammlungen zu ordnen sein, sondern sich zum Wissenschaftlichen er- 
heben soll, so darf sie sich nicht ausschliefslich auf die Beantwortung 
der Frage: cujus ttit imago et superscriptio? beschränken, sondern sie mufs 
auch darüber Auskunft geben: quo valeat numus, quem lyraebeat usum. 
Mit der Münzenkunde mufs Geldkunde verbunden sein.« 

Mit diesen Worten leitete Grote, nach Mador der bedeutendste 
Forscher auf dem Gebiete mittelalterlichen Münzwesens in Deutschland, 
seine 1865 orschieneno > Geldlehre « ein. Seit der Niederschrift dieser 
Worte ist ein Menschenalter verstrichen, ohne dafs wir wesentlich vor- 
wärts gekommen wären, wiewohl Menadier im Jahre 1898 Grotes 
Forderung wieder aufgenommen und erklärt hat, dafs die Münzkunde 
als selbständiger, den übrigen Geschichtewissenschaften durchaus gleich- 
berechtigter Zweig bestehe und ihre Arbeit nicht etwa als Hilfswissen- 
schaft der politischen Geschichtsforschung leiste, sondern umgekehrt mit 
Benutzung dieser als eines Hilfsmittels, die Entwickelung des Münz- und 
Geldwesens als eines der vernehmlichsten Faktoren aller materiellen 
Kultur zu erforschen habe. Die tiefer liegonde Ursache, weshalb die 
Fortschritte auf diesem Gebiet ungeachtet mehrfacher Mahnungen nur 
zögernd eintreten, ist, dafs jene Voraussetzungen , die eine gedeihliche 
Beschäftigung mit der Münzkunde und der Geldgeschichte erst ermög- 
lichen, nur selten in einer Person vereinigt vorkommen (vgl. § 2), was 
freilich, um wieder mit Grote zu sprechen, sehr erklärlich ist, »denn es 



Digitized by Google 



134 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



sind zur Sachkunde so vielerlei, sehr verschiedeneu Wissensfächern an- 
gehörende Kentnisse erforderlich, die aber sämtlich nur aus der Er- 
fahrung gewonnen werden können, dafs von einem einzelnen schwer- 
lich eine gründliche, allseitige Sachkunde erwartet werden darf. Mit 
andern Worten: Die Numismatiker, die aus den Kreisen der Sammler 
hervorgehen, haben selten die streng geschichtliche Schulung einerseits, 
das Verständnis für die Forderungen der Volkswirtschaft anderseits, ohne 
welche man eine Geldgeschichte nicht schreiben kann. Fachtüchtige 
Historiker und Nationalökonomen hingegen sind selten Numismatiker, 
sie entbehren daher der unmittelbaren Vertrautheit mit den uns aus der 
Vergangenheit erhaltenen Münzen, die nicht nur ein wichtiger Gegen- 
stand der geldgeschichtlichen Forschungen überhaupt sind, sondern oft 
die einzige Möglichkeit zur Nachprüfung gewähren, inwieweit und in 
welcher Weise die in Urkunden und Gesetzen uns überlieferten Nach- 
richten über das Münzwesen mit den tatsächlichen Zuständen in Ein- 
klang zu bringen sind. 

Vgl. die Literatur zu §4, 1, außerdem Grote, Geldlehre § 1 und §24 Sehlufs, 
Maller, Deutsche Münzgeschichte, L. 18ß0, Vorrede. — Na gl A., Die Numismatik 
und ihre akademische Lehre, W. X. M. II, Nr. 120, S. 245 ff. — Menadier, Deutsche 
Münzen IV, 155. — Contien IL, Über die Geschichte des Geldes und über Gold 
Währung. Vortrag. L. 1868. — Del Mar Alexander, Lea sy Stentes monetaires. Histoire 
mon&taire des principaux Stats du mondc ancien et moderne. (Übersetzung ins Franzö- 
sische durch A. Chabry und Bessonet Fa vre. P. 1899, das englische original 
London 1885). — Chevalier M., Cours d'ecmtomir politiqur. La monnaü-. Br. 1850; 
La, mnnnaie. et sts derive* 1872, 2. Aufl. — Ridgeway W., The origin of metallir 
currency and weight Standards. Cambridge 1892. — Eine ziemlich reichhaltige Biblio- 
graphie geldgeschichtlicher Werke von der Mitte des 16. Jahrh. bin 1882 bei Je von» 
H. St., Invcstigations in currency and ßnanze. London 1884, S. 364 bis 414. 

2. Der Begriff des Geldes ist bereits § 4, 1 dahin festgestellt worden, 
dafs als Geld ein zur Erleichterung des Verkehrs, und zwar als allgemeiner 
Gegenwert der begehrten Ware verwendeter Gegenstand bezeichnet wurde. 
Es wurde ferner § 4, 3 ausgeführt, dafs die Geldeigenschaft einem Gegen- 
stande gegebenenfalls durch den Verkehr allein erteilt und gewahrt bleiben 
könne, während die Eigenschaft einer Münze einem Geldstück nur durch 
den Staat verliehen wird. Der Kreis der als Geld dienenden Gegen- 
stände ist daher ungleich gröfser als jener der Münzen und damit ist 
auch der Geldgeschichte an sich ein weit über die Münzgeschichte hinaus- 
reichender Umfang gegeben. Es verringert sich jedoch dieser erhoblich, 
sowie man die Grenzen der Geldgeschichte räumlich oder zeitlich ein- 
schränkt, so zwar, dal's beispielsweise die Geldgeschichte Europas im 
Mittelalter und der neueren Zeit, deren allgemeine Lehren in diesem 
Buche behandelt worden, ungeachtet der lange vorherrschenden Natural- 
wirtschaft im grofsen ganzen doch mit der Geschichte der Metalle und 
Münzen als Zahlungsmittel zusammenfällt. 

Meng er C, Über den Ursprung des Geldes. (Untersuchungen über die Me- 
thode der Sozialwissenschaften, L. 1883, S. 172) führt aus, dafs im Stadium des Tausch- 
verkehrs auf den Markten nahezu aller Völker gewisse Waren von selbst aus dem 
Kreise ulier übrigen hervortreten und ohne irgend eine Einflufenahme des Staates zum 
>Geld« im weitesten Vorstand des Wortes werden. — Knies, I). Geld, 2. A. B. 1885, S.O. 



Digitized by Go 



§ 17. Aufgabe der Geldgeechichte. § 18. Kuhgeld und Zeuggeld. 



135 



§ 18. Geldarten, die nicht Münze sind. 

Für die europäische Geldgeschichte in dem soeben abgegrenzten 
Umfang kommen folgende Geldarten, die nicht Münze sind, in Betracht. 

1. Die Verwendung von Vieh nach einom allgemein festgestellten 
Wertansatz; das sog. Vieh- oder Kuhgeld kann man in Deutschland 
von der Niederschrift des Ribuarischen Volksrechtes an (Tit. 36) verein- 
zelt bis ins 10. Jahrh. verfolgen. Noch um Jahrhunderte darüber hinaus 
reichen die Zeugnisse bei den westnordischen Völkern. Hier war die 
Einheit, nach der sowohl einzelne Sachen als ganze Vermögen als 
auch die Gröfse von Schäden abgeschätzt wurden, der Wert einer trag- 
fähigen Kuli von mindestens 5 und höchstens 8 Wintern nach norwegi- 
schem — von mindestens 3 und höchstens 10 Wintern nach isländischem 
Recht, die überdies als »heil an Hörnern und Zagel, an Augen und 
Eutern und an allen Füfscn und überhaupt als »lasterfrei« gedacht ist. 
So verbreitet war dieser Brauch, dafs selbst Geldsummen, z. B. ein 
Kaufpreis, ein auf Zinsen geliehenes Kapital, ein Sühnegeld u. dgl. in 
ki'tijihli angegeben wurden. Allein damit war nicht gesagt, dafs die 
Summe wirklich in gehenden oder lebenden « Kühen entrichtet 
werden müsse, dies konnte wohl geschehen, allein oft genug wird aus- 
drücklich bemerkt, dafs die Zahlung der Kuhwertc in Metall- oder Zeug- 
geld zu erfolgen habe oder geschehen sei. 

K. Otto I. verurteilte 937 den Frankonherzog Eberhard nach Widukinds Bericht 
II, c. 6: centum talcntia aestimatione equorum. — Über das nordischo »Kuhgeld«, vor 
allem v. Amira, Nordgermanisches Obligationonrccht, L. 1882, 1895, I, 443 ff., II, 622 ff. 

— Soetbeer in Forschungen I, 210 ff. — Müller, Doutschc Münzgeschichtc I, 12 ff. 

— Ilwof F., Tauschhandel und Geldsurrogate in alter und neuer Zeit. Graz 1882. — 
Haupt, Histoire monitaire de notre tevips. V. 1886. — Kidgeway, The origin of 
metallic currency, Kap. 1—3, S. 1 ff. -- Socbohm F., Tribal custom in tht Anglo- 
Saxon law. London 1902, S. 1 ff. — Knies, Das Geld, 2. A B. 1885, S. 13 ff. 

2. Im Unterschied vom Kuligeld, das dem Verkehr vor allem als 
Werteinheit oder Rechnungsmünze diente, war das eben genannte Zeug- 
geld bei den westnordischen Germanen Zahlmittel im strengen Sinn des 
Wortes. Der Stoff, den man dabei verwandte, war der grobe, einfarbige 
Fries, ein dickes Wollenzeug, wie es die Hausweberei in allen west- 
nordischen Landen, wo Schafzucht getrieben wurde, verfertigte. Die 
Benennung dieses Zeuggeldes war bei den Nordgermanen vadmAI — Tuch- 
mafs, bei den Friesen ueife = Gewaud, insbesondere Wollengewand. 
Gezahlt wurde nach der Elle, dabei waren Metall- und Zeuggeld vom 
Recht in ein festes Wertverhältnis gebracht. Eine bestimmte Zahl von 
Friesellen wurde der Unze gemünzten Silbers gleichgesetzt, so dafs man 
eine Summe, die in Pfennigunzen oder Pfennigmark ausgedrückt war, 
in Zeuggeld zahlen konnte und umgekehrt, falls nicht effektive Zahlung 
in der einen oder andern Währung bedungen war. Auf Island galten 
nach dem gemeinen Warentarif des 12. Jahrh. 20 sechseilige Unzen, d. i. 
ein Grofshundert Friesellen, ein kihjibli oder '/a Mark Feinsilber; bei den 
Friesen war die Wede ein Tuch von bestimmter Länge — wahrscheinlich 
4V 2 Ellen — und kam an Wert 12 Pfennigen oder einem Schilling gleich. 



Digitized by Google 



IM 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Vier solche Weden = 18 Friesellen, ein Wert, den die Friesen bei An- 
gabe von gröfseren Strafsummen häufig als Einheit zugrunde legten, 
bildeten eine sog. Reilmark, d. i. Gewandmark. 

v. Atnira I, 478 ff. — II, 510 ff. — J aekel, Die friesische Wede. Z. f. X. XI, 
S. 191 ff. — Heck P., Die Gomeinfreien d. karoling. Volksrechtc. Hallo 1900. 

3. Im Norden waren auch andere Bekleidungsstoffe als Zahlungs- 
mittel in Gebrauch. Leinwand hat in einigen Gegenden Schwedens bis 
ins 14. Jahrh. als Geld gedient. Geldschulden sind hier entweder Pfennig- 
oder Ellenschulden, und in Leinwand nach Ellen wird in den Rechts- 
büchern dieser Landschaften der Wert gestohlener Fische oder geraubter 
Sachen abgeschätzt. Ebenso" nennen friesische Rechtsquellen, beispiels- 
weise die Rüstringer Aufzeichnung über verschiedenen Marken die in 
Gebrauch standen, neben der oberwähnten Reil- oder Gewandmark auch 
eine Leinwandmark, die jedoch dreimal so hoch, nämlich auf 12 Schil- 
linge bewertet wird. Sehr verbreitet scheint das Leinwandgeld unter 
den Nordslaven gewesen zu sein. Nur nebenbei sei hingewiesen, dafs 
von einigen ein etymologischer Zusammenhang zwischen den slawischen 
Bezeichnungen für Leinwand (platno) und für »zahlen« (pl/ititi) ange- 
nommen wird. Wird dies auch von andern bestritten, so besitzen wir 
doch unmittelbare Zeugnisse, dafs bei den Slawen Leinwand als Geld 
diente. Der jüdische Reisende Ibrahim ihn Jakub, der um das Jahr 965 
Deutschland und die angrenzenden Slawenländer durchzogen hat, be- 
richtet über Böhmen, dafs man hier leichte Tüchelchen sehr dünnen Ge- 
webes, Netzen ähnlich, die zu nichts taugen, verfertige und als Geld 
gebrauche, so dafs man um dergleichen Tüchelchen die zum Metallgeld 
in ein festes Verhältnis gebracht seien, die kostbarsten Sachen, Weizen 
und Sklaven, Pferde, Gold und Silber, kurz alles kaufen könne. Ähn- 
liche Geldverhältuisse scheinen bei den Ostsee -Slawen noch ein paar 
Jahrhunderte länger fortgedauert zu haben, denn die Slawenchronik 
Ilelmolds (I, c. 38) erzählt von den auf Rügen wohnenden Ranen, 4 dafs 
diese Gold und Silber lediglich als Frauenschnmck oder zur Ausstattung 
der Tempel vorwendeten, im Handelsverkehr jedoch nur die Leinwand 
als Zahlungsmittel gekannt hätten. 

v. Arnim T, 444. — .lackcl, S. 192. — Brückner A., Cyiriliz<nja i jfzyk. 
2. verl». Aull., Warschau 1901 : Münzen kannten sie (d. i. die Slawen) ursprünglich 
nicht ; sie zahlten, wo der blolse Tausehverkehr nicht anging, mit T>appen dünnen 
Tuchs, mit Marken usw. Dazu die Anmerkung: >.Ieno bappon dünnen Tuchs dienten 
allgemein als Münze, so dafs davon das .slawische Zeitwort ph'ttifi — zahlen abzuleiten 
sein dürfte (die gef. Mitteilung und (Versetzung dieser Stelle danke ich Herrn Privat- 
dozenten Dr. J. Peisker). — Bericht des Ibrahim Ihn .lakub über die Slawen- 
lander in der kommentierten Ausgabe von Friedr. Westberg MSmoircs de Vacadimi* 
imperiale des scienres de. St.-l'rtersbourtj, histor.-phil. Klasse, VIII. Serie, Bd. III, Nr 4, 
S. 23, 54 (Petersburg 1898'. — Ilehuoldi Chronica Slarorum I, cap. 38, Porro apud 
Ranos von habetur nmicta nee est in comparandi* rebu* mtmmorum consuetttdo, sed 
quirqnid in foro uten-ari voltu-ri*, patino Uneo coinparabis, dazu I, c. 12, 14, restifuli Uni 
und restes lini als Abgabe. 

4. Tierhäute standen in Skandinavien hie und da bis ins späte 
Mittelalter als Geld in Gebrauch. Die Haut fhwlf gab z. B. in Tele- 



Digitized by Go< 



§ 18. Lcinwandgeld ; russisches Pelzgeld; chinesisches Papiergeld. 137 

marken eine Werteinheit ab, nach der man Sachen abschätzte und Preise 
und Pachtzinse berechnete, während in den schwedischen Kolonien jen- 
seits der Ostsee um dieselbe Zeit gleichem Zwecke verschiedene Felle 
dienten, die zu vierzig zusammengefafst, die Rechnungseinheit ^Zimmer« 
bildeten. Der enge Zusammenhang zwischen dem Fellgeld in Finnland 
und den Geld Verhältnissen in Westrufsland ist unverkennbar. Hier be- 
diente man sich bis gegen das Jahr 1400 der kuna, eines Pelzgeldes, 
das nach dem als Hauptmünze geltenden schwarzen Marder seinen Namen 
hatte und im altrussischen, den Grofsfürsten Jaroslav und Wladimir zu- 
geschriebenen Rechtsbuch unzählige Male erwähnt wird. Felle des sibi- 
rischen Eichhörnchens, die das geschätzte Grauwerk liefern, dienten als 
Unterabteilung der kuna, die ihrerseits in bestimmter Anzahl auf ein ge- 
wisses Gewicht Feinsilber, die Gritma, veranschlagt wurde, ihren Wert 
jedoch nicht beibehielt, so dafs man im Verkehr die Gritvna Jenny von der 
Qritvna in Silber zu unterscheiden begann. Als Scheidemünze verwendete 
man Marderschnauzen, mordki, und kleine Läppchen Grauwerk, lobki. 

Fellgeld in Skandinavien, v. Amira I, 444 ; II, 525. — Russisches Pelzgeld : 
Chaudoir, Apercu stur lea monnaies rusnen, St. Petershurg 1836. — Koohne in 
M. III, 352 — Bl. f. Mzkde. I, 28, 35; IV, 110. — Herberstein Sigism. v., Berum 
Moscovüarum commentarii, Basel 1551, S. 57, de moneta erzählt: vir- centum annin 
utuntur moneta argentea. praesertim apud Mos cusa . . . Porro ante monetam proboscide 
et auriculis aspreolorum aHorumque animalium qnorum pelles ad nos aß'eruntitr ute- 
bautur, iisque vitae neceasaria reu pecunia emebant. — Karamsin in der Pariser Über- 
setzung (1819 ff.), Bd. V, 142, 283; Schlözor, Nestor III (1805), 75 ff. Ein Seitenstuck 
der hier erwähnten Mardersteuer der Drewior an Oleg ist die marturina, welche die 
Slawonier an die ungarischen Könige in Fellen zu entrichten hatten, bis unter Bela IV. 
(1235 — 1270) dio Zahlung in den mit dem Marderbild bezeichneten Münzen aufkam. 
Bupp, Numi Hungariae, Ofen 1846, II, S. 156. 

5. Mau hat angenommen, dafs diese Fellstückchen von der Regierung 
in Rufsland gestempelt waren und in deren Magazinen mit ganzen Fellen 
eingelöst wurden; doch sind diese Nachrichten für die Zeit des Mittel- 
alters nicht beglaubigt, wohl aber hat es nach den Zeugnissen des vene- 
zianischen Reisenden Marco Polo, der zur Zeit König Rudolfs von 
Habsburg am Hofe des mongolischen Grofs-Khans Kublai lebte, und des 
Florentiners Pegolotti, der ein halbes Jahrhundert später schrieb, zu 
dieser Zeit in China Papierwährung gegeben. Es wurdon damals aus 
der Rinde des Papiermaulbeerbaumes (Broussonetia papyrifera) bereitete 
Zettelcheu in Umlauf gesetzt, die mit dem Siegel des Grofs-Khans und 
der Wertbezeiehnung versehen, im ganzen Reiche Zwangskurs hatten 
und Babisci hiefsen. Beschädigte Stücke wurden an der Bank zu Peking 
mit geringer Aufzahlung gegen neue eingetauscht ; auch war ausnahms- 
weise eine Einlösung derselben gegen Silber möglich. 

Roschers Behauptung (System d. Volkswirtschaft, 16. Aufl., I, St. 1882, S. 285, 
Anm. 3): >AUmählich kam es auf, statt der ganzen Felle nur Schnauzen und andere 
I äderst ückchen (etwa ein Quadratzoll grote' zu geben, dio vermutlich von der Regie- 
rung gestempelt waren und in deren Magazinen mit ganzen Fellen eingelöst wurden,< 
dürfte auf die schon von Schlözer, Nestor III, 93, als unbewiesen erklarten Anmer- 
kungen zur Moskauer Ausgabe von 1799, der I'ruvdu rwtknjn zurückzuführen sein, 
welcher sich auch Karamsin (I, S. 307 der Pariser Übersetzung) angeschlossen hat. 



ized by Google 



138 



Zweiter Teil. Goldgeschichte. 



Marco Polo, Viaggi, Ausgabe durch A. Bar toi i, Florenz 1863, 140 Kap., 
LXXXI della moneta del Gran Canc. — Pegolotti bei Pagnini della Decima III 
(Lissabon und Lucca 1766), S. 3, Kap. 3. 

6. In Europa ist man während des Mittelalters, so zerrüttet die 
Münzverhältnisse hier im übrigen waren, auf ein ähnliches Kreditgeld 
nicht verfallen. Nur vereinzelt sind uns Nachrichten, und zwar meist 
bei späteren Schriftstellern überliefert, dafs Notmünzen aus unedlen Stoffen 
zur Deckung eines augenblicklichen Bedarfs ausgegeben wurden. So er- 
zählt beispielsweise Villani in den Istorie Fiorentine (VI, c. 21), 
dafs K. Friedrich II. seinen Soldaten während der Belagerung von Faenza 
(1241) Lederstückchen mit seinem Bildnis an Zahlungsstatt gab, die 
Zwangskurs hatten und später je für einen goldenen Aiigustalis eingelöst 
wurden. Das gleiche Auskunftsmittel sollen vorher bei Belagerungen an- 
gewandt haben der Griechenkaiser Konstantin Kopronymus im Jahre 743 
und der venezianische Doge Domenico Michieli um 1122; ferner sollen 
Ledergeld als Anweisung auf künftige Zahlung der englische König Johann 
ohne Land, während der Baronenkämpfe, die französischen Könige Lud- 
wig IX. (während seiner Gefangenschaft) und Johann der Gute im Jahre 
1360 ausgegeben haben. Notgelder in minderwertigem Metall, also Not- 
münzen, sind uns vom Schlufs des Mittelalters her in grofser Zahl über- 
liefert (vgl. §4, 5; § 16, 6). 

Als Absonderlichkeit sei erwähnt, dafs auf der Insel Man in den 
Jahren 1570 — 1580 eine Scheidemünze aus Leder umlief. 

Vgl. die Anmerkung zu §4, Absatz 5 unter > Notmünzen«, forner Roscher, 
System TTT 3. A., St. 1882), S. 241, Anm. 11. — (Carli Hubbi Del Origine e del com- 
mercio della moneta. . . d'Italia. Haag 1761, S. 21 ff.: rili mottete di diverse nazioni 
lontane di eommercio. — Clay, Ö« the hrass, copper and other currency on the ixle 
of Man in den Froceedings der numisinatiachen GeMellachaft zu Manchester I, 1864, 
S. 5 ff. (Vgl. Koehne, B. Bl. IV, 350 ff.). — Eine alte Beschreibung den von Kg. 
Ludwig IX. während seiner Gefangenschaft ausgegebenen Lcdergeides, das den Nenn- 
wert durch eingeprefste Gold- oder Silbcrnägel bezeich nete, nach Ms. Fr. 2621 f. 26, 
der Pariser Nationalbibliothek bei Sa u 1 c y , Rerueil 1 (I*. 1879), 124. — Schmiederl, 271. 

7. Bis ins graue Altertum zurück reicht die Verwendung von 
Metallgeld in den alten Kulturstaaten; jedoch auch die aufserhalb des 
römischen Reichs Verbandes verbliebenen nordischen und osteuropaischen 
Völkerschaften haben schon frühzeitig auf dem Woge des Handelsverkehrs 
verschiedene Metalle kennen und sehätzen gelernt, da Funde römischer 
Münzen bis nach Skandinavien und tief nach Rul'sland hinein vorkommen. 
Freilich war dies kein Geldumlauf in unserm Sinn; diese armen und 
noch wenig entwickelten Völkerschaften benützten die Sachen, die sie be- 
safsen, zur Befriedigung sehr verschiedener Bedürfnisse: die Röinormünzen 
waren ihnen sicherlich vor allem Zierat; der übrige Metallvorrat hin 
gegen diente zunächst zur Anfertigung von Waffen, von Schmuck, von 
Prunkgeräten und mancherlei Gegenständen priesterliehen oder gewöhn- 
lichen Hausgebrauchs, wurde aber auch ab und zu verarbeitet oder in 
rohem Zustande zu Zahlungen verwendet. Unter den Metallgegenständen, 
die, nach der Häufigkeit zu urteilen, mit der sie als Grabbeigaben ge- 
funden werden, besonders verbreitet waren, sind nun offene Metallringe. 



Digitized by Googl 



§ 18. Verschiedene Notmünzen. Metallgeld: Ringgeld, Hacksilber. 139 



sog. Baugen, zu nennen, die man in der Vorzeit an Händen und Füfsen 
und wohl auch um den Hals trug. Man nimmt nun an, dafs diese 
offenen Ringe und Metallspiralen aus Erz, Silber oder Gold nicht blofs 
Schmuck sondern auch ihren ehemaligen Besitzern Geld waren. In 
der Tat bietet die Ringform, die wir auch bei den alten Ägyptern an- 
treffen, für unentwickelte Geldverhaltnisse mancherlei Vorteile. Abge- 
sehen davon, dafs man an den starken, über den Arm dicht aneinander 
geschobenen Ringen eine Schutzwaffe hatte, mit der man, wie mit einem 
Schild, im Notfall einen Schlag abwehren konnte, war man der Sorge 
eines Verstecks für die Aufbewahrung seines Geldes überhoben, das man 
fast mühelos von einem Ort zum andern brachte. Gröfsere Zahlungen 
vermochte man durch das Abstreifen eines oder mehrerer Ringe zu 
leisten, kleinere Ausgleichungen geschahen mittels Ringbruchstücken. 
Bauge- oder Ringbrecher ist der dichterische Ehrenname nordischer 
Könige, die in ihrer Freigebigkeit die Dienste von Skalden oder Ge- 
treuen durch Hingabe von Bruchstücken ihrer Armringe belohnten. 

Funde römischer Münzen in Skandinavien und Rufeland: Koehno, M. III, 
352 ff.. - Koehne B. Bl. V, 334. 

8. Ob diese Ringe, wie von manchen Forschern angenommen wird, 
nach ihrer Schwere in einem einfachen Gewichtsverhültnis zueinander 
standen, so dafs man sie, ohne nachzuwägen, als Zahlungsmittel von Hand 
zu Hand wandern lassen konnte, bedarf noch der Nachprüfung. Rid- 
geway möchte die Übereinstimmung der Gewichte eher aus dem Gewicht 
der zur Anfertigung solcher Ringe umgeschmolzenen Münzen erklären 
(S. 35). Sicher dagegen ist, dafs es in den an den Osten Deutschlands 
angrenzenden Slawenländern eine Zeit gab, in der die Edelmetalle nur 
mit der Wage gegeben und genommen wurden. Dies wird durch die 
ins 10. und 11. Jahrh. gehörigen Hacksilberschätze bezeugt, die von 
Schlesien bis an die Küsten der Ostsee vorkommen und aus zerhackten 
Silberklumpen und zerschnittenen Münzen bestehen. Es unterliegt auch 
keinem Zweifel, dafs die unversehrten Gepräge, die man bisweilen unter den 
zahllosen Münzbruchstücken findet, von den Empfängern nicht als Münze, 
sondern nur als Metall geschätzt wurden (§ 24, 7) und bestimmt waren, 
bei passender Gelegenheit gleichfalls zu Hacksilber verarbeitet zu werden. 
Dies geschah in rohester Weise durch Einschmelzen von Schmucksachen 
und Münzen, die als probehaltig bekannt waren, und durch Ausgiefsen 
des flüssigen Silbers in ein mit Wasser gefülltes Gefäfs oder unmittelbar 
auf den feuchten Erdboden. Man erhielt dabei dünne flache Gufskuchen 
von verschiedener Gröfse, die nach Bedarf mit einem Beil in kleinere 
Stücke von regelloser Gestalt geteilt wurden, daher scharfe Schnittränder 
und an Stellen, wo Silbertropfen auf das halberstarrte Metall gefallen 
waren, höckerige Auswüchse zeigen (Fig. 73, S. 111). 

Ringgeld: Müller, Munzgcschichto I, 14. — Soutbeer a. a. O. T, 223. — 
Bctham in den TramncHom der R. Irish Kcodrmif. Dublin 1836 1837. - «iroto, 
Bl. IV, 38, da» älteste Geld. — Iloare, On the celtoirish ring monvy. S'um. Chronirle 
XVII, 62 ff. (vgl. auch VI (1844, Nr. 23, 24. — v. Kinn, die Zahl u. Schmuck-Ringgelder. 
I*ent 1859. — Ridgcway, S. 35, bestreitet die «ieldeigenschaft dieser Uingo bei den 



Digitized by Google 



140 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Kelten und Germanen ; sie seien blofs Mittel zur Schatzbildung gewesen. Vgl. übrigens 
a. a. 0. S. 42, Fig. 13. — Über Hacksilberschatze s. Literatur bei § 14, 4, S. 110. 

9. Ringgeld und Hacksilber sind verschiedene Äufserungen der als 
Barrengeld bekannton Metallgeldfonn, die ohne Zutun des Staates auch 
von Frivaten hergestellt werden kann (§ 11, 1) und ihre Zahlungskraft aus- 
schliefslich aus dem Wertinhalt der im Barren vorhandenen Edelmetall- 
menge empfängt. So roh und plump diese Geldform an sich ist, so grofs 
sind anderseits gewisse Vorzüge, die sie in ihrer Einfachheit bietet. Das 
Barrengeld hat sich darum mit wechselnder äufserer Gestalt auch nach 
der Einführung der staatlichen Münze durch alle Jahrhunderte als Zahl- 
mittel im Grofsverkehr erhalten und greift in Zeiten unbefriedigender oder 
zerrütteter Münzzustande noch darüber hinaus. Je unhandsamer z. B. das 
gemünzte Geld durch den geringen Wertbetrag der umlaufenden Münz- 
stücke oder die gebrechliche Beschaffenheit derselben wurde, je mehr 
Zweifel über den Metallinhalt einer in Münzen geleisteten Zahlung ent- 
stehen konnten, um so allgemeiner sah sich der Verkehr auf den Ge- 
brauch eines von der ungenügenden Fürsorge des Münzherrn unab- 
hängigen Zahlmittels angewiesen, dessen Umsatz, den verschiedenen 
Landesmünzen gegenüber mit dem geringsten Wechsel verlust verbunden 
war (§ 29). Das trifft namentlich für grofse Zeiträume im Mittelalter zu. 
in welchen bei sehr vielen Zahlungen neben zugezählten Pfunden, 
Marken und Schillingen in Münze, das Zu wägen von Silber nach seinem 
Feingewicht vorkam. 

Rarrcngeld: Grote, Münzstudien 11,792; IV, 215; VI, 34. — Sehr anschaulich 
schildert die Reiserechnung de» B. Wolfger von Passau vom Jahre 1203 — 1204, wie 
durch Rarrenzahlung die verschiedenen Landestnünzen mit geringstem Wechselvorlust 
erworben wurden. Der Reisemarschall Heinrich wechselte gegen Silberbarren zu Go- 
mona, Aglcicr, zu Pordenonc Venezianer Pfennige ein, imperiales zvi Ferrara, Berner 
und Rologneser Pfennige zu Rologna usw., vgl, § 29, 7. — Ein australischer Goldbarreu, 
Ingot, mit der amtlicheu Restätigung Reines Gewichts und Feingehalts, der als erste 
Form australischen Goldgelds ums Jahr 1852 hergestellt wurde, ist beschrieben in den 
Mittig. der num. Gesellschaft in Rerlin III (1857), S. 311. Die Abbildung eines bra- 
silianischen Goldbarrens vom Jahre 1817 bei Stückelberg, S. 12. 

10. Das Barrengeld wird in den Urkunden durch Angabe der be- 
dungenen Gewichtsmenge Edelmetall bezeichnet. Gewöhnlich lauten die 
Verabredungen auf Gewichtsniark Silber, marca argmti, seltener auf Ge 
wichtspfunde, libm, talentttm aryenti, die man auf die doppelte Schwere 



der Mark ansehlug. Teile der Mark sind der Vierting, firtluny, ferto 
= J /.,, das Lot = Vi« Mark, in romanischen Ländern auch die als Doppel- 
lot behandelte Unze, nmi<i, once altrömischen Ursprungs. Unterabtei- 
lungen des Lotes waren der Setin * = V2 un ^ das Quentchen = V« Lot. 
Diese Einteilung der Mark war, wenn wir von dem selten erwähnten 
1 Setin« absehen, allgemein üblich, dagegen wies die Schwere des Pfundes 
oder der Mark, je nach dem Orte, dem das Gewicht angehörte, mancherlei 
Schwankungen auf. Die Ermittelung dieser Gewichtsunterschiede ge- 
hört ins. Gebiet der Metrologie, welche insoweit eine Hilfswissenschaft 
der Geldgeschichte bildet (§2,3). 

Metrologie: Grote III, S. 1 ff., Die numismatische Metrologie und die übrige 
bei | 22, 2 und {? 25, 12 angefahrte Literatur. 



Digitized by Google 



§ 18. Barrengeld: Gewichtseinteilungen, feine und Usualmark. 



141 



11. Das zu Zahlungen verwendete Silber war selten ganz fein, 
sondern enthielt teils wegen Unvollkommenheit der Reinigung, teils als 
absichtlichen Zusatz (Legierung) auch unedle Metalle, so dafs im Verkehr 
eine nähere Bezeichnung seiner Beschaffenheit oft nötig war. Dio Aus- 
drücke, deren sich die Urkunden dabei bedienen, entbehren jedoch der 
wünschenswerten Genauigkeit. Der marca probati, meri, fini, recti, meriati, 
combttsti, cocti, examinati, mundiati, (tibi, purißcati, puri oder selbst puris- 
simi argenti, dem lauteren, feinen, gebrannten oder WizzesUber steht die 
marca non probati, montani, nigri argenti, auch das wersHber gegenüber, 
ohne dafs man imstande wäre, solchen Abstufungen einen allgemein zu- 
treffenden, ziffermäfsigen Ausdruck zu geben. Es liegt nun auf der Hand, 
wie sehr der Barrenverkehr durch die Unsicherheit erschwert war, die 
sowohl über das Gewicht als über den Feingehalt der bedungenen Mark 
Silber herrschen konnte und dafs solches fallweise nur durch besondere 
Abrede der Parteien zu beheben war. Dies führte zum Auskunfts- 
mittel der sog. marca usualis argenti, d. h. man vereinbarte, dafs die so 
und so viel Mark Silber nach dem an einem genannten Orte gebräuch- 
lichen Feingehalt und nach dem am gleichen Orte üblichen oder dem 
Gewichte einer bestimmten andern Stadt zu liefern seien. Die marca 
tumalis argenti war daher niemals ganz fein, sondern enthielt immer einen 
Zusatz von minderwertigem Metall. Das Silber in solch einer gemischten 
Mark, von dem die Güte derselben abhing, nannte man albedo, in Nord- 
deutschland die Witte, in Thüringen die Weiße, in Süddeutschland Brand 
oder Gelöt. Es sind demnach Witte, Brand und Gelöt mittelalterliehe 
Ausdrücke für den Feingehalt, d. h. für den verhältnismäfsigen Anteil 
des Silbers an der gemischten Mark. Sie bezeichnen ihn indessen nicht 
in der heute üblichen Weise durch eine Zahl, die das Verhältnis zu der 
mit 16 Lot oder 1000 Tausendteilen als ganz fein (argentum purissimum) 
angenommenen Mark unveränderlich ausspricht, sondern durch den Hin- 
weis auf den in einer bestimmten Stadt gerade ortsüblichen Feingehalt, 
der im Laufe der Zeit verschieden sein konnte. 

Bode, Das ältere Münzwesen Niedersachsens, Braunschweig 1847, S. 88 ff. — 
Die marca usualis in Brandenburg: Kot cl mann, Gold- und Münzwoscn der Mark 
Brandenburg, Z. f. X. XI, 1 ff. — Argentum candidum, xpectatum, purum et sincerum. 
purum et legale erwähnt von Buchenau, Bl. f. Mzfr. 1903, Nr. 6 7, Sp. 2977. ilo- 
neta Halhmis ab argenti albedine seit puritate commendabili* 1266. 1* oscrn-Klett, 
340, Nr. 24. — 400 lotigt' markt- «Ubers Erfurter geiriehte und u-issr 1398 a. a. O. 344, 
Nr. 23. — Silbe r Friburger hratuhx und genügen, Grote, Mün/.Ktudion VI, 50. - Bu fse, 
Neueres Münzwesen, 1,. 1795, I, §94, S. 107. > Feinstes Brandsilber ist nicht nur kein 
roinos Silber, sondern es wird auch in den Münzstätten noch nicht einmal für feines 
Silber geachtet. Eine Mark des feinsten Brandsilbers wird nur auf 15 Lot, 16 Gran fein 
Silber gerechnete ; dazu §§ 86, 87 IT.: >Eine Mark lutic gebranntes Silber wird allerdings 
im mittleren Zeitalter dem unreinen Silber entgegengesetzt, und so wird eine Mark 
vom damaligen feinsten Brandstiber angezeigt, nur so fein, als es die damals üblichen 
Behandlungen auf den Hutten hervorbrachten, ohne dafs man es durch beigemischten 
Zusatz absichtlich verunreinigt hatte. 

12. Zur Erleichterung und Sicherung des Verkehrs Uelsen Handels- 
städte die Marken ihres Vsualsilbers mit amtlichem Stempel versehen. 
Es sind das die marcae argenti usualis signata; Marken tefo-ns, geteknete 



Digitized by Google 



142 



Zweiter Teil. Goldgeschichte. 




Flg. 8.V 

Maren tuualüi argenti mit dem Iteiceichen «1er St«dt 
I^yrltz in Pommern. Flacher SiH>erkuolien v<tn k 
Schwort« au« dein Kn<l«' iW* 13. Jabrh. RBbOigeiiea 
Münnrhat/. von Lu«sifr Z. f X. XXUI, 222. 



Marken , die zuzeiten wohl durch ganz Deutschland verbreitet waren, 
obschon die erhaltenen Beispiele und urkundlichen Zeugnisse vor allem 
nach Norddeutschland weisen. Weil indessen die Vergleichung der 
Usualmarken verschiedener Städte untereinander eine Umrechnung des 

ortsüblich für das Silber üb- 
lichen Feingehalts voraussetzte, 
daher nicht leicht war und aus- 
wärtiges Silber in vielen Fällen 
nur nach einer mit Schwierig- 
keiten und Metallverlust ver- 
bundenen Neulegierung für ge- 
l ' '{A^Tj/jUt B werblich«' Zwecke verwendet 

werden konnte, so Helsen auch 
manche Städte Usualmarken- 
stücke aus ganz feinem Silber 
bereiten, die unter der Benen- 
nung marca vsuaUs argentipura 
in Umlauf kamen. Solche 
Stücke, bei welchen der seinem 
Werte nach ohnehin nicht be- 
rücksichtigte Kupferzusatz weg- 
blieb, hatten dann natürlich 
nicht die volle Schwere von 16 Lot, wohl aber den vollen Silberinhalt 
einer Usuahnark. Dieser Brauch erklärt die auffällige Erscheinung, dafs 
«lie erhaltenen Usualmarkenstücke ein un«l derselben Stadt und Zeit bis. 
weilen von verschiedenem Gewicht und verschiedenem Feingehalt sind. 
Er deckt jedoch auch «las Irrigo jener Ausdeutung auf, die das Wort 
USUClHs nicht auf (trgenti, wohin es gehört, sondern auf mttrca beziehen 
will und in der Usuahnark ein ortsübliches Silbergewicht erblicken möchte. 

Bode 39, |s 21, «iezeiehnete rsualmarkenstücke sind nur ans Xonldeutwchland 
erhalten, kamen jedoch auch in Suddeutscbland vor, z. B. in Freiburg i. B., Cahn, 
Rappen m ü n z b u n «i , 8. 7 ff.; vgl. die Abbildungen hei Bode, Taf. X, Nr. I, 2 und die 
Beschreibung des Oienderaheimer Münzfundes bei .Sc h 0 ne uia n n , Zur vaterl. Münz- 
kunde, Wolfenbüttel 1852, 8. 75, leider ohne Gewichtsangaben. Ks sollen braunschuei 
gische marcae usualin anjenti purae sein. Auch im Mtin/funde zu Läfsig in der Provinz 
Brandenburg wurden vier Barren in Form von Gufskonigen gefunden, darunter drei 
unbezeiehnete, 195, 196 und 840 g, und ein vierter mit dem Beizeichen «1er Stadt Pyrit* 
(eine KoBe), 228 g schwer. Vgl. Kanadier in Z. f. N. XXUI, 222, 247 und in der 
Zeitschrift dos Har/.veroina 1H88, S. 165, ferner B. Mzbl. Xr. 71 2, Der Silbennarkfund 
von Oebisfelde und Nr. 150; Menadier, Der Wetteborner Silbermarkfund. Die 
Miinzkonige, die beim Keichenhaller Münzfund vorkamen, wurden leider vernichtet. 
Obermayr, Iiistor. Nachricht von bayerischen Münzen, 1763, 8. IV. Eine unbe- 
zeiehnete Silbermark (Gufskouig von 197 g Schwere kam im Münzfund von Turren bei 
Golling (1903) vor. 

Das Erfurter Mimzre«-ht befiehlt rin ittislich yolt.im>t s<il lol'uj httrn'ti linder nimr 
cz' ich n. i n t» ti h> r >!>,* nicht, so trirt »r buzhajt au Ii 8 usw. P 0 se r n - K 1 0 1 1 319. 

13. Andere Bezeichnungen < l « -s in Zahlung gegebenen Silbers, «lie 
für die Geldgeschichte einer Erläuterung bedürfen, sind lötige Mark. Münz 
oder gemischte Marie, trersilher. Muffut hat in seinen Beiträgen zur Ge- 



Digitized by Google 



§ 18. Haren umali* argenti pura, lötige Mark usw. 



143 



schichte dos bayerischen Münzwesens lötiges Silber für Feinsilber ge- 
nommen. Allein seine Ansicht, der ich selbst lange gefolgt bin , er- 
scheint als nicht bewiesen, da er sie einmal nur auf den Gleichklang 
von ledig und lötig stützt und an der zweiten von ihm angeführten Stelle: 
drew tail veyn lötiges silier den entscheidenden Zusatz fein übersieht. 
Es bleibt vielmehr die von Bode gegebene Erklärung bestehen, durch 
den Beisatz lötig werde im allgemeinen nur ausgedrückt, dafs der be- 
stimmten Zahlung der volle gesetzlicho Silbergehalt gewahrt sein solle, 
Es wird dadurch die Zahlung mit Pfennigen schlechtweg — d. h. ohne 
Rücksichtnahme auf deren Gewicht und Gehalt — ganz ausgeschlossen. 
Auch in bayerischen und österreichischen Urkunden will lötiges Silber 
zunächst nur soviel als argentum legale besagen ; ob wir es für eine ganz 
feine oder eine geringere Mark zu nehmen haben, das hängt von der 
Zeit und dem Ort, die dabei in Betracht kommen, sowie von etwaigen 
Nebenbezeichnungeu ab. So stehen sich also die Ausdrücke marca usualis 
und lötige Mark in ihrer Bedeutung sehr nahe, da beide Silber von einem 
gewissen festgestellten Feingehalt meinen. Da wir denselben regelmäfsig 
als ziemlich hoch ansetzen dürfen, so kann man sagen, dafs die lötige 
Mark im deutschen Verkehr ungefähr diejenige Aufgabe erfüllte, die dem 
Königsilber, Argent-le-Roi in Frankreich, dem argento da grossi Venetiani 
oder argento della bolla di Ycnezia in Italien zukam. 

Nicht zu verwechseln mit der lötigen Mark ist die Mark des Pfennig- 
silbers oder Münzmark, deren Feingehalt sich nach jenem der eben um- 
laufenden Pfennige richtet. Sie ist geschichtlich aus der Usual- oder der 
lötigen Mark hervorgegangen, hat sich aber von dieser getrennt, als der 
Feingehalt dor Pfennige rasch zu sinken begann und steht seitdem 
tiefer als die vorgenannten. In innerösterreichischen Urkunden wird sie 
zutreffend als Mark wersilber bezeichnet. 

Tileman Friese, Münzspiegel (1592), S. 146 ff. von der Mark Witte .... ist 
wol in acht zu nemen und zu merken, «Inf« da» Witte in der Münz nach I^ingheit der 
Zeit in den Stetten Rehr angenommen . . . gesetzt, dafs ein Stücke Guts vor 60 Mark 
lötigen Silbers, Göttiugischer Wichte und Witte versetzt oder vorkauft sei umb da« 
1400 Jahr . . . Antwort, angedeutete 60 Mark sein gewegene und nicht gezalte Mark an 
Göttingischer Wichte auch Göttingischen Geldes, als da« der Zeit so gut und böse zu 
Göttingen geschlagen ist, ncmlich zu 12 Lotten ins Witte und 4 Lot ins Rote oder 
Zusatz, jegliche Mark. — Bc u st Joachim E. v., Sci/tgraphia jitrin monetandi in S. Im- 
perio Romano Germanien 1745, 8. 167 . . . dahingegen, wenn von einer lötigen Marek 
Silbers oder einer marca m nun Ii gedacht wird, kein ganz feines, sondern ein mit oinein 
der Zeit aller Orten gewöhnlichen Zusatz vermischtes Silber darunter zu verstehen ist. 

14. Eine Abart der Barrenzahlung ist die Zahlung mit Mark gewi*- 
gens, die in österreichischen Urkunden des 13. und 14. Jahrh. oft er- 
wähnt wird. Sie stimmt ihrem Wesen nach überein mit der Münzmark, 
unterscheidet sich jedoch dadurch, dafs nicht Barrensilber vom Fein- 
gehalt der umlaufenden Pfennige, sondern einfach die aufser Verkehr 
gesetzte Münze nach ihrem Gewicht in Zahlung gegeben wird. Die 
Vorteile, die dem Verkehr durch die Mark gewegons geboten wurden, 
waren nicht unbedeutend. Es gab nämlich im Lande einen ziemlich 
ansehnlichen Vorrat an alten, d. h. aufser Verkehr gesetzten Getragen, 



Digitized by Google 



144 



Zweiter Teil. GeldgeBchichto. 



da bei jeder Münzverrufung eine Anzahl Stücke nicht zur Einlösung 
gelangte, sondern in den Händen der Bevölkerung zurückblieb. Der- 
gleichen »verrufene« Pfennige hatten natürlich nicht das Währungsrecht 
der neuausgegebenen Münze, allein sie behielten ihren Einlösungswert 
als Silber und dadurch auch eine gewisse Umlaufsfälügkeit, so zwar, 
dafs es nicht blofs einen Kleinverkehr sondern auch grofse Zahlungen 
gab, die mit »altenc Pfennigen bestritten wurden (§ 29, 6). Zumal im 
Verkehr mit dem Ausland, in welchem fremdes Geld ohnehin nur als 
Handelsmünze, also vorwiegend nach ihrem Metallwert genommen wurde, 
konnten dergleichen »alte« Pfennige mit Vorteil abgesetzt werden, da 
man dabei die bedeutenden Präge- und Wechselkosten ersparte, die bei 
Anschaffung s neuer« Pfennige zu entrichten waren. Aus diesem im 
Lande vorhandenen Vorrat an alten Pfennigen konnten jedoch auch im 
Inland die in Münzmarken oder trersilber bedungenen Zahlungen sehr 
bequem geleistet werden, da es in einem Zeitalter, das durch alljährlich 
und noch öfter eintretende Münzerneuerung dem Münzherrn eine Ein- 
nahmsquelle schuf (§28, 7), fast ausgeschlossen war, dafs die neuen Pfen- 
nige nach einem besseren Münzfufse hergestellt wurden als die alten, 
aus deren Einlösung der Hauptgewinn zu erhoffen war. Man konnte 
daher, wenn keine plötzliche Änderung des Korns für die neuen Pfen- 
nige befohlen war, diesen und den alten Pfennigen gleichen Feingehalt 
zuschreiben und demnach durch Zuwägen alter Pfennige Zahlungen nach 
der Münzmark leisten. Man ersparte dabei den Verlust sowio die übrigen 
Kosten, die mit dem Einschmelzen des Silbers verbunden waren, be- 
durfte keiner weiteren Beglaubigung über den Feingehalt des gelieferten 
Silbers und konnte überdies ohne Schwierigkeit das bedungene Gewicht 
bis auf ein zwanzigstel oder dreifsigstel Lot (etwa bis auf 1— '/jg genau 
liefern. 

Über Mark geteegens s. meine Abhandinngen: Münzgesehichtliche Vorstudien, 
Archiv f. osterr. Geschichte, Bd. 46, S. 243 ff. (W. 1871); Wiener Pfennige in W. >\ Z. 
VIII, 282 ff. — Über die Begriffsbestimmung und den Unterschied von alten und neuen 
Pfennigen meine Chronologie der Wiener Hennige im 140. Bd. der S.-B. der W. Aka- 
demie, 1899, S. 32 ff. und unten g 28, 9; 29, 6. 

§ 19. Münzgeld. 

1. Die besondere Eignung der Metalle zu Geldzwecken hat — wie 
schon § 4, 2 kurz angegeben wurde — , dahin geführt, dafs alle Völker- 
schalten der Erde, deren Kulturstand eine gewisse Höhe erreicht hat, 
schliefslich beim Metallgeld angelangt sind. Manche Vorzüge, die das 
Metallgeld gegenüber andern Geldarten hat, zeigen sich schon im Zeit- 
alter, da sich der Verkehr roher Gufskönige oder des Hacksilbers be- 
diente, wiewohl damals jene Freude am Glanz und der schönen Farbe 
des Geldes nur schwach sein konnte, welche die Wertschätzung der Edel- 
metalle sehr gesteigert hat (§ 5, 1). Auch haftet diesen rohen Geldfonnen 
immer eine gewisse Schwerfälligkeit an, die sie für einen Verkehr mit 
raschem Umsatz wenig geeignet macht. Oft sind genaue Unterteilungen 
nur schwer auszuführen, und selbst wenn das Gewicht richtig sein sollte, 



Digitized by Google 



§ 18. Die Mark gewegens. § 19. Barrenverkehr in China; Privatgeld. 145 

sind Zweifel über die Güte dos empfangenen Metalls möglich, so dafs 
man eigentlich beständig Wage und Prüfstein bei der Hand haben müfste. 
Diese Ünbequemlichkeit hat bei ostasiatischen Völkerschaften, zumal bei 
den Chinesen, die bis zum heutigen Tag kein geordnetes Münzwesen 
haben, dazu geführt, dafs durch Kaufleute oder Vereinigungen von Kauf- 
leuten Edelmetallbarren von genau abgestufter Schwere und zur Aus- 
gleichung aufserdem solche in Drahtform hergestellt wurden, von welchen 
kleine erforderliche Stücke leicht abzutrennen sind. Diese Barren, die 
in Silber in der Schwere von — 100 Taels (d. i. chinesischen Silber- 
unzen von 37,58 g Gewicht) und mit einem zwischen 80—100 Hundert- 
teilen schwankenden Feingehalt umlaufen, werden nicht nur bei den 
Zahlungen zu- und nachgewogen, sondern auch geprüft und mit dem 
Stempel jenes Mittelmanns oder Bankiers versehen, der die Prüfung des 
Feingehalts gegen eine angemessene Gebühr vorgenommen hat. Wer 
vollkommen sicher gehen will, wird in jedem einzelnen Fall nicht blofs 
nachwägen, sondern auch den Feingehalt untersuchen lassen. Da in- 
dessen der Nachprüfer bei schwerer Strafe für den von ihm angegebenen 
Feingehalt haftet, so kommt es wohl vor, dafs Barren mit den Stempeln 
mehrerer vertrauenswürdiger Privaten lange von Hand zu Hand wandern, 
ehe sie einer neuen Prüfung unterzogen werden. All dies vollzieht sich 
ohne Dazwischenkunft der Regierung, die den einzelnen ebensowenig 
zwingt, dafs er sich ein bestimmtes Geld als Zahlung gefallen lassen 
müsse, als sie anderseits irgend eine Haftung für Gewicht oder Fein- 
gehalt der im Umlauf befindlichen Barren leistet. 

Chinesische Geldverhaltnisse: Noback, Taschenbuch d. Münz- . . Verhältnisse. 
L. 1851, I, 394 ff. — Leitzmann, N. Z. 18G9, Nr. 9, S. 38. — Babelon Notice 13, 
19. — Derselbe, Les origines de In tuonnaie conaiderces au point dt vue economique 
et historique. P. 190. Abbildungen roher Metallgeldformen bei Ridgeway, The origin 
0/ metallic currency. Cambridge 1892, S. 28 ff. — »Ob man das heutigo chincwi.sche 
Geldwesen mit dem europäischen des 13. — 14. odor des 16. — 18. Jahrh. parallelisieren 
soll, wird man bezweifeln können ; jedenfalls sehr vollkommen ist es nicht und zeigt 
viele Zuge des älteren europäischem. Sc hm oll er, (irundrifs der allgem. Volks- 
wirtschaftslehre II, 21. (L. 1904.) 

2. Der nächste Fortschritt auf diesem Gebiet führt über den Ver- 
kehr mittels roher Barren hinaus zum Privatgeld, das man, wenn es 
münzähnliche Gestalt hat, auch als Privatmünze bezeichnet, das jedoch 
noch nicht Münze im heutigen Sinn des Wortes ist; denn die Umlaufs 
fähigkeit solchen Privatgehles beruht ausschliefslich auf privatem Vertrauen 
und die Annahme erfolgt seitens des Empfängers aus freiem Willen 
und nicht infolge einer bestehenden allgemeinen Verpflichtung. Wesent- 
lich ist dabei, dafs der Ausgebende durch seine Bezeichnung des Stückes 
eine Haftung für dessen Gewicht und Feingehalt oder auch nur für 
eines von beiden übernimmt. Daher stehen die erwähnton chinesischen 
und auch dio indischen Silberkuchen mit aufgedrückten Feingehalts- 
bezeichnungen und den bürgenden Namen von Geldhändlern, Nach- 
prüfern usw. schon an der Schwelle des Privatgeldes. Nach Babel ons 
Ausführungen unterliegt es keinem Zweifel, dafs auch in Europa Privat- 
münzen der Staatsmünze zeitlich vorangegangen sind. Gerade die ältesten 

Luve hin. Numismatik. 10 



Digitized by Google 



146 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



griechischen Münzen, die man kennt, sind nichts anderes als dergleichen 
durch Geldhändler [iQa.teurat) an ihre Kunden ausgegebenen Stücke, 
bei welchen die durch den Aufdruck des Stempels gegebene Ursprungs- 
bezeichnung das ewige Nachprüfen mit Wage und lydischem Stein über- 
flüssig machen sollte. Noch ist uns ein Beispiel dieser Art mit dem 
Namen des haftenden Geldhändlers aus jener fernen Zeit erhalten ge- 
blieben, der Stater aus Elektron mit dem Bilde eines Hirsches und der 
Umschrift: *Ich bin das Zeichen des Phanes' {(fifwurz eipi Oijia). Bei- 
spiele von Privatmünzen fehlen auch in spätem Zeiten nicht. Wie locker 
die Münzverhältnisse unter den Merowingern im Frankenreich waren, 
wurde schon in § 11, Absatz 4 — 6 angedeutet. Das häufige Weglassen 
des Ilerrschernamens, an dessen Stelle die Angabe des Münzmeisters, des 
Prägeortes und etwa des Auftraggebers treten, zeigen, dafs in der Mehr- 
zahl der Fälle die Haftung des Staates weggefallen und auf andere 
Schultern überwälzt worden war. Ahnliche Erscheinungen zeigt trotz 
der ausgebildeten Regalität das spätere Mittelalter in seinen niederlän- 
dischen Mailles, die nur Prägeort und Münzmeister nennen, in den 
kleinen, stummen Goldmünzchen gleichen Ursprungs, die etwa zur Zah- 
lung von Rekognitionszinsen gedient haben, vielleicht auch in gewissen 
schlesisch-polnischen Brakteaten mit hebräischen Unischriften und in der 
Vorschrift des Erfurter Münzrechts, dafs jeder Goldschmied das ihm 
übergebene Silber zu lötigen Marken under sinw czeichene zu brennen 
habe, die sich allerdings nicht auf Münzen, sondern auf Privatgeld be- 
zieht und überdies die Möglichkeit offen läfst, dafs eine Nachstempelung 
mit dem Zeichen der Stadt erfolgte. Von Bechlers Münzung in Nord- 
karolina (1831 — 1840) war schon in §4, Absatz 6 die Rede; ähnliche 
Beispiele vom Anfange des 17. bis über die Mitte des 19. Jahrh. macht 
Babelon namhaft. 

Konner, Die Anfänge des Geldos im Altertum (S.-B. der W. Akad. B. 43 1863; 
S. 453 führt an, dafs noch Demosthenea das Held vöinf/tn, als eine private Einrichtung 
von den Gesetzen ioikh als Staatseinrichtung unterschied. Allein der Sinn, der in 
der Rede gegen Timokrates vorkommenden Aufsorung (Ausgabe von Dindorf, L. 1879, 
II, 270, Nr. 213 = 766) ist wohl der, dafs nach Solon die Verfälschung der Münze, die 
für den Privatverkohr der Bürger erfunden wurde, weniger strafbar sei, als die Ver- 
fälschung der Gesetze, die gleichsam die Münze des Staates bilden. — Babelon 
a a. O. 18 ff. — Über die Mailles der Münzmeister Simon und Bastin. R. X. B. I f 4, 
S. 25. — Goldmünzchen füi Anorkennungszinse (vgl. die Zusammenstellungen v. A. Wau- 
ters in Serrures Bulletin de Humismatiijue II, 122, 111,95, Br. 18S2- 1884) sind wohl 
jene Momtuiea incrpliquees in Ii. X. B. I, 6, S. 377, Taf. X, Nr. 1 — y. — Den polnisch- 
schlesischen Brakteaten mit hebräischer Schrift hat Lelewel «Ion Charakter von 
Staatsmünzen abgesprochen. Er erklark» sie für pieers de ciromxtaHce oder für nur 
nmnifesUäion de hi reconnahmmee d une si/migogue. Pol k o w sk i , Dbouverte a Glebokic. 
Gnesen 187G, S. 4 IT. 

3. Die Umlaufsfähigkeit sowohl der Barren als des münzartigen 
Privatgeldes beruht auf freiem Übereinkommen, daher ausschliefslich 
auf der Uberzeugung des Empfängers, dafs ihm die zugesagte Metall- 
menge in vereinbarter Güte auch wirklich geleistet werde. Sie ist darum, 
wenn der Privatkredit des Zahlenden nicht ausreicht, oder keine andere 
Bürgschaft vorhanden ist, von einer Nachprüfung im einzelnen Falle 



gitized by Google 



i? 19. Privatniünzen. Anfänge der staatlichen Münze. 147 

abhängig. Einer solchen bedarf es dort nicht mehr, wo die Autorität 
des Staates eintritt und durch eine dauerhafte Bezeichnung des Tausch- 
mittels die Haftung für einen bestimmten Wert des einzelnen Stückes 
übernimmt. Wessen Kopf dieser Gedanke zuerst entsprungen, wird 
wohl immer verborgen bleiben, denn schon die Griechen des Altertums 
haben uns die Namen vieler Erfinder der Münze überliefert. Solch eine 
alte Nachricht nennt den König Phidon von Argos, der wahrscheinlich 
in der ersten Hälfte des 7. Jahrb. vor Christo lebte, als Erfinder, was 
wohl in dem Sinne zu verstehen ist, dafs er der erste Herrscher war, 
der unter Abschaffung der Kupferbarren, die vorher als Geld umliefen, 
auf Ägina die Ausmünzung silberner Münzen mit bestimmten Fein- 
gehalt und Gewicht angeordnet hatte. Etwas später wurde bei den 
Lydiem, welche, um Herodo ts Zeugnis anzuführen, » so viel wir wissen, 
die ersten unter den Menschen waren, die sich geprägten Goldes und 
Silbers bedient haben«, der erfolgreiche Versuch unternommen, das in 
seiner Mischung schwankende und daher zu Münzzwecken ungeeignete 
Elektron (§ 5, 2) durch Münzen aus reinem Gold und reinem Silber zu 
ersetzen. Der Staat ging schliefslich über die Verbürgung eines be- 
stimmten Metallinhalts in den Münzen hinaus, indem er sich das Recht 
beilegte, selbst zu bestimmen, was innerhalb seiner Grenzen Zahlungs- 
mittel sein solle (§ 29). Damit war die Münzhoheit des Staates begründet, 
und die Privatmünze wurde nun durch Staatsgeld aus dem Verkehr 
gedrängt. Wann und wo dies zuerst geschah, ist gleichfalls unbekannt. 
Aulserlich ist es unmöglich, den Übergang vom gemerkten Barren und 
der Privatmünze zum Staatsgeld anzugeben, da das unterscheidende Merk- 
mal ein inneres, nämlich die juristische Auffassung des Beweggrundes 
ist. Es haben ja selbst noch die ältesten Stater von Ägina die rohe 
elliptische Gestalt von kleinen Barren, wie sie in Siam, Japan usw. vor- 
kommen. Immerhin ist es für die Zähigkeit, mit der sich die Vorstellung 
der Privatmünze bei den Griechen festgesetzt hatte, bezeichnend, dafs 
noch Demosthenes dem Solon die Worte in den Mund legt, er glaube, 
dafs das Silbergeld für den Privatverkehr der Bürger erfunden wurde 
während Gesetzo gleichsam die Münze des Staates seien. 

Kenner, Anfänge de» Geldes, a. a. O. 382 ff. — Babelon, S. 25. La garuntie 
de letat. 

4. In dem Grade der Einwirkung des Staates auf die Münze und 
die innere Beschaffenheit derselben können Verschiedenheiten obwalten, 
welche wohl beachtet werden müssen (§ 4, 3). Nur wenn der vom 
Staate durch seine Zwangsgewalt dem Münzstücke als gesetzlichem 
Zahlungsmittel beigelegte Wert, der sog. äufsere oder Nennwert von 
dem marktgängigen Preise des verbürgten Metallinhalts unerheblich ab- 
weicht, ist die Münze vollkommen. Man spricht dann von einer harten 
oder K ur an t münze. Beschränkt sich der Staat auf die Verbürgung 
eines bestimmten Metallinhalts, enthält er sieh aber die Verpflich- 
tung zur Annahme des Stückes auszusprechen, so liegt eine staatliche 
Hau (lelsmiinze vor, wogegen wir von Kredit münzen reden, 
sofern der Staat Münzen zu einem erheblich höheren als ihrem Metall- 

10* 



Digitized by Google 



148 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



wert mit Zwangskurs ausgibt, d. h. deren Annahme als Zahlungsmittel 
zu diesem höheren Nennwert erzwingt oder doch zu erzwingen versucht. 
Es liegt auf der Hand, dafs die erwähnten Münzarten verschiedenen 
Zwecken dienen, dafs jedoch geordnete Münzzustände nur vorhanden 
sind, wenn die Ausgabe von Kreditmünzen in gewissen knappen Grenzen 
gehalten wird. Man sieht, die Münze zeigt eine Doppelnatur, welche sie 
eben befähigt, sowold volkswirtschaftlichen Zwecken zu dienen als staat- 
liche Aufgaben zu erfüllen. Wir müssen sie daher auch nach ihrer 
volkswirtschaftlichen und ihrer juristischen Seite getrennt betrachten. 

Nach der ersten Seite, die wir zunächst ins Auge fassen wollen, ist 
sie der allgemeine Wertmafsstab für alle im Verkehr befindlichen Güter, 
nach der zweiten (§ 26 ff.) ist sie das gesetzliche Zahlungsmittel. 

§ 20. Währung. 

1. Mit der Ausbildung der Münzhoheit (§ 26) hatte der Staat das 
Münzwesen dem vollen Umfang nach seiner Herrschaft unterworfen. Es 
ist nun seine Sache, zu bestimmen, was er innerhalb seines Machtbereichs 
als gesetzlichen Wertmesser aufstellen, welche Einteilung er dem ge- 
wählten Mafsstab geben will, was als gesetzliches Zahlungsmittel dienen 
soll (§ 29) und in was für Stücken er diesen verkörpern (§ 21) will, mit 
andern Worten, der Staat bestimmt die Währung, die Zählweise 
(§ 21) und den Münzfufs (§ 22). Allein so weit seine Macht auch reicht, 
unbeschränkt ist der Staat auf diosem Gebiet keineswegs. 

»Im Münzwesen verschlingen sich wie Fäden zu einem Knoten, 
vier grofse Kulturelemente: der Verkehr, die Wissenschaft, die Kunst, 
endlich der Staat.« Alle Versuche, dem Staate eine schrankenlose Herr- 
schaft über die Münze zu gewinnen, au welchen es — zumal in Zeiten 
der Not nicht gefehlt hat, sind noch fehlgeschlagen, wenn und soweit 
sie gewisse, den natürlichen Voraussetzungen des Verkehrs entsprechende 
Forderungen mifsachtet haben. Die Festsetzung der Münzen, die der 
Staat zu gesetzüchem Zahlungsmittel bestimmt, nennt man Währung. 
Dabei mufs natürlich zunächst festgestellt werden, aus welchem Metall 
die Währungsmünzen geprägt werden sollen. Dadurch wird in den Fragen 
der Währung der Münzstoff in die erste Reihe gerückt, und dies hat 
dazu geführt, dafs man die Währung geradezu nach dem Metall, dem 
die Ilauptniünzen angehören, als Kupfer-, Silber- oder Goldwährung zu 
bezeichnen pflegt. Genau ist diese Ausdrucksweise nicht, weil sie zur 
Ansicht verleiten kann, als sei das Metali unmittelbar die Währung. 
Eine solche Annahme wäre falsch, da die Währung immer aus ganz 
bestimmten Münzen besteht, und daher streng genommen, auch nur nach 
diesen als Mark-, Franken-, Taler-, Gulden-, Kronenwährung u. dgl. zu 
benennen wäre. Da sich jedoch jener Sprachgebrauch um seiner Kürze 
willen allgemein eingebürgert hat, so soll er auch hier beibehalten werden, 
und zwar in dem Sinne, dafs mit Kupfer-, Silber-, Goldwährung nur 
gesagt sein soll, die als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannte Münze 
sei von Kupfer, Silber oder Gold. 



Gc 



§ 19. Zwangskurs der Münzen. § 20. Einfache und Doppelwährung. 149 

Chevalier M., La monnuie. Br. 1850. Bildet den 3. Band des Cours d'economie 
pfllitiqnr. — Shaw W. A., 7V history of currency 1252—1891. 2. ed. London 1896. 
Die Übersetzung ins Französische durch Raffalovich, P. 1896, ist nach A. de 
Witte» Urteil ungenügend. R. N. B. L. (1896) S. 244. In einem weiteren Sinn spricht 
Schmoller, Grundrifs d. allg. Volkswirtschaftalehre II, L. 1904. § 164, S. 68 auch 
von einer »Epoche der mehrfachen Waren- und Güterwährung.« 

2. Die Kupferwährung, mit welcher das Münzwesen in Rom be- 
ginnt und die man in Schweden in den Jahren 1650 — 1770 hatte, ist 
ihrer Schwerfälligkeit wegen allgemein aufgegeben worden, so dafs heut- 
zutage nur Gold oder Silber Währungsmetalle sind. Da dem Staate 
durch die Münzhoheit das Recht zusteht, seine Währung nach Ermessen 
zu bestimmen, so ist es rechtlich möglich, dafs ein Staat beide Edel- 
metalle, also Gold und Silber zu Wertmessern erklärt. Auf dieser juri- 
stischen Möglichkeit beruht die sog. Doppelwährung (Mischwährung, 
Systeme bimetallique), bei welcher das Preisverhältnis zwischen Gold- und 
Silbermünzen gesetzlich festgelegt ist und es dem Schuldner freisteht, 
in welchem Metall er zahlen will. 

Die meisten älteren Münzordnungen, die überhaupt von Gold- und 
Silbergeld zugleich handeln, stehen auf dem Boden der Mischwährung, 
d. h. sie setzen die Schwere und den Feingehalt der auszuprägenden 
Münzen nach dem angenommenen Wertverhältnis der Edelmetalle fest. 
Da nun dieses nicht unveränderlich ist, sondern beständig Schwankungen 
unterliegt, so wird jede auf der Doppelwährung beruhende Münzordnung 
nur so lange aufrecht zu erhalten sein, als sich das ihr zugrunde ge- 
legte Wertverhältnis der Edelmetalle nicht allzusehr von dem zur Zeit 
auf ihrem Gebiet herrschenden freien Marktpreis des Goldes und Silbers 
entfernt hat. Sobald nun eine gewisse Fehlergrenze durch längere Zeit 
überschritten wird, steht der Staat mit Doppelwährung vor einer bösen 
"Wahl, er mufs nämlich entweder zu einer hinkenden Währung über- 
gehen, d. h. dem entwerteten Geldgut nach Mafsgabe des gesetzlich an- 
erkannten Wertes unbeschränktes Zahlungsrecht vorbehalten, gleichzeitig 
aber che freie Prägung im entwerteten Metall einstellen und dadurch 
den Grundsatz der Doppelwährung preisgeben, oder er mufs seinen 
Münzfufs soweit ändern, bis das gesetzliche Wertverhältnis der Edel- 
metalle mit dem derzeit marktüblichen wieder übereinstimmt. Das 
Böseste dabei ist, dafs die Wertverschiebungen mehr oder minder un- 
vermutet eintreten können, da sie von Umständen abhängen, die sich 
zum Teil der Berechnung entziehen. So war beispielsweise das 1803 
von Frankreich für seine Ausmünzung angenommene Wertverhältnis 
1 : \b l j 2 den Marktverhältnissen zwei Menschenalter hindurch so weit an- 
gemessen, dafs man hoffen durfte, etwas Bleibendes erreicht zu haben 
und noch 1865 die lateinische Münzvereinigung (§ 30, 8) auf dieser 
Grundlage abgeschlossen wurde; allein schon neun Jahre später setzt der 
Umschwung ein, der den Goldpreis innerhalb weniger Jahre zu einer Höhe 
emportrieb, die in geschichtlicher Zeit ihresgleichen nicht hat und noch 
heute andauert. 

Bahelon, Xotice 42, Le rupport des rakurs den metaux monftairts. — Koschor, 
System III (3. Aufl. 1882), § 43 ff., S. 209. — Phil ip pov ich, Grundrifs der politischen 



Digitized by Google 



150 



Zweiter Teil. Geldgenchichte. 



Ökonomie 1 (Freibarg i. B. 1893), § 91, S. 176 ff. — Wolowski, La question mone- 
taire. 2. Aufl. P. 1869; Vor et Vargent. P. 1870. Über die schwedische Kupferwflhrung, 
Schmieder I, 351 unter »Plate«, Praun, Gründl. Nachricht, 3. Aufl. L. 1784, S. 368. 

3. Diese Nachteile der Doppelwährung, die durch dio Verkehrs- 
mittel der Gegenwart und die Ausdehnung des internationalen Geld- 
verkehrs über die ganze Erde gesteigert sind, haben in den letzton 
30 Jahren sich besonders fühlbar gemacht; es haben daher die Mono- 
metallismen, d. i. Anhänger einer einfachen Währung, jetzt sehr an Zahl 
zugenommen. Bei der pinfachen Währung ist nur eines der Edelmetalle. 
Gold oder Silber, Währungsmetall, wenngleich das andere im Umlaufe 
daneben vorkommen kann und meist auch wirklich vorkommt, nur dals 
bei der Goldwährung dem Silber die Rolle der Scheidemünze, bei der 
Silberwährung dem Golde blofs die Bedeutung einer Waare zufällt. 

Man hat zur wissenschaftlichen Begründung der einfachen Währung 
angeführt, dafs die beiden Metalle von verschiedenartiger Substanz seien, 
daher sei auch ihr Wert ein verschiedenartiger; geradeso wie die Länge 
der Brabanter und der Rheinländischen Elle eine verschiedene ist, liefsen 
sich auch die beiden edlen Metalle nicht als homogene Grade ein und 
desselben Maßstabes verwenden. Nur eines der beiden Metalle könne 
bei einem bestimmten Akte des Messens, beim Messen eines einzelnen 
Gegenstandes als Mafsstab dienen, und daher dürfe man nur mit Gold 
oder Silber messen. So überzeugend diese Worte klingen, so ist doch 
diese von Grote gezogene Folgerung nicht einwandfrei. Grote läfst 
aufser acht, dafs das, was gemessen werden soll, in beiden Fällen gründ- 
lich verschieden ist, das eine Mal die Länge oder Schwere, also die ob- 
jektive Eigenschaft eines Gegenstandes, das anderemal eine subjektive 
Vorstellung. Man mufs sich daher wohl mit dem Gedanken vertraut 
machen, dafs das Geld als Werkzeug zum Messen der ökonomischen 
Wertvorstellungen des Menschen niemals jenen Grad der Unveränder- 
lichkeit besafs, noch ihn jemals annähernd erreichen wird, den etwa 
Gewichts-, Längen- oder Hohlmafse erlangen können. Auch darf man 
sich die Folgen, wenn etwa alle Staaten zu einfacher Währung über- 
gegangen sein sollten, keineswegs als segensreich für die Menschheit aus- 
malen, am allerwenigsten dann, wenn, wie es heute den Anschein hat, 
das Silber die Währungseigenschaft durchaus verlieren sollte. Wohl ist 
es wahr, dafs die einfache Goldwährung vom Steigen oder Fallen des 
Silberpreises und umgekehrt die einfache Silberwährung vom Steigen 
und Fallen des Goldpreises nicht unmittelbar berührt wird, desto em- 
pfindlicher wirkt jede Preisänderung des eigenen Metalls. Die Silber- 
länder leiden jetzt schwer unter dem niemals vorher erlebten Tiefstande 
des weifsen Metalls, und sicherlieh ziehen daraus gegenwärtig die Länder 
mit Goldwährung schönen Nutzen. Allein das Blatt könnte sich auch 
wenden, wie dies schon öfter vorgekommen ist, und in solchem Falle 
würden die Goldländer die Kosten zu tragen haben. 

Grote, Geldlehre 4j f> ff. ; Aufsätze über Gold- und Silberwährung, zerstreut in 
den Hl. f. Münzfr. 15. 1880, 1881. — Soetbeer A., Andeutungen in bezug auf die ver- 
mehrte Goldproduktion und ihren Einflufs. Hamburg 18.V2 (mit graphischer Darstellung 



Digitized by Google 



§ 20. Nachteile der Doppelwährung ; internationale Münzkonferenzen. 1 f>l 



des Schwankens der Goldpreise von 1690—1852. über das Verhältnis zwischen Gold 
und Silber im Altertum und Mittelalter. Gotha 1879 (Erganzungsheft zu Peternxana 
geogr. Mittig., Bd. XIII. — Mein Vortrag über das Wertverhältnis der Edelmetalle in 
Deutachland während des Mittelalters in den Verhandlungen des Brüsseler numis- 
matischen Kongresses (Br. 1892), ferner Aufsätze über den gleichen Gegenstand von 
Blanchard, Marcheville und M. de Vienne im Annuairr de numismalique 1890, 
1891. — Manche Angaben über das Wertverhältnis der Edelmetalle (meist aus Shaw, 
der seine Ergebnisse fürs Mittelalter leider ohne Quellenzeugnisso anführt) bei Ba- 
belon, Notice 46 ff. — .Statistische Tabellen zur Währungsgeschichte der österr.- 
ungnrischen Monarchie und Tabellen zur Währungsstatistik, verfafst im k. k. Finanz- 
ministerium. 1. Aufl., W. 1892 — 1893. Die 2. Ausgabe dieses von Shaw sehr hoch ge- 
stellten Werkes ist 1904 im Erscheinen. — Knies, Das Geld, 2. A. (B. 1885), S. 238 ff. 

4. Soviel dürfte feststellen, dafs es nicht einmal im Interesse der 
Goldländer liegt, dafs das Silber allerorten seiner Eigenschaft als Währungs- 
metall verlustig gehe, auch wird der Übertritt eines Landes mit Silber- 
wahrung zur Goldwährung seitens der Staaten, die sich bereits im Besitz 
einer solchen befinden, keineswegs gern gesehen, da man sich der Be- 
sorgnis nicht entschlagen kann, dafs die vorhandene Golddecke denn 
doch zu kurz sein könnte, um für die ganze Erde zu reichen. Abhilfe 
erwarten die Freunde der Doppelwährung von einer internationalen Ver- 
einbarung über das Wertverhältnis der Edelmetalle; doch lassen die ver- 
schiedenen staatlichen Münzkonferenzen, zu denen es schon gekommen 
ist , nur wenig Hoffnung , dafs die erforderte Einigung in absehbarer 
Zeit eintreton könnte, zumal es offene Frage bleibt, wieweit sich die 
Metallpreise im freien Verkehr an diese Vereinbarung halten würden. 
Beachtenswerter ist, dafs von unternehmenden Staaten der Versuch ge- 
macht wurde, die Doppelwährung auf Grund eines den jetzigen Markt- 
preisen angenäherten Verhältnisses wieder zu beleben. Die Republik 
Chile hat durch das Gesetz vom 11. Februar 1895 Prägungen nach dem 
Verhältnis von 1 : 30 angeordnet (*/$ des Goldskudo , nicht ganz 0,55 g 
Feingold = 1 silbernem Peso von 16,70 g Feinsilber); Japan soll sogar 
ein Verhältnis von 1 : 3272 beabsichtigen. Sie sichern sich dadurch einen 
grofsen Silbervorrat zu Preisen, die ein Menschenalter vorher niemand 
für möglich gehalten haben würde, und hoffen wohl auch auf den Ge- 
winn, der ihnen bei einem Steigen der Silberpreise zufallen müfste. Wie- 
der andere erwarten Besserung von der Einrichtung einer Weltmünze, 
obgleich es zweifelhaft ist, ob die Staaten sich über eine gemeinsame 
Handelsmünze, geschweige denn darüber hinaus so bald vereinigen 
wei den. Doch ist eine wichtige Erleichterung des Weltverkehrs dadurch 
geschaffen, dafs die Mehrzahl der grofsen Staaten den Feingehalt der 
französischen Goldmünzen von 900 Tausondstein für ihre Goldstücke 
angenommen hat (§ 30, 8). 

Über Silberpritgungen von Chile und Japan in jüngster Zeit. Z. f. N. XX und 
XXI, Anh. 9, 10(1896—1897). — Babolon, Xotiee 53 ff. La qmtttion tnnMUiiv von- 
tcmjwraiw. — Zur Silberfrage. B. Mzbl , N. F. 1902, Nr. 6, S 89. Die Beschlüsse der 
internationalen Wahrungskoniniission zu Berlin, Juli 1903, die u a. für China Beibe- 
haltung der Silberwahrung, «loch ohne Freigabe der Prägung empfahlen, um so den 
Wert der 8ilbermünzen gegenüber dem Golde möglichst zu festigen; s. M. Allgemeine 
Ztg., M., 24. Juli 1903. — Hierher gehört auch der Vorschlag Sir .1. Steuarts, das 
mittlere Verhältnis zwischen dem < iold u. ^Überpreise als Währung anzunehmen, so dafs 



Digitized by Google 



152 



Zweiter Teil. GeldKe*chichte. 



der Gläubiger das Recht haben sollte, die Zahlung halb in Gold und halb in Silber 
zu fordern. Roscher, System III, 213, Anui. 8. — Als ein verunglückter Vernich, 
diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, int der 1878 in den Vereinigten Staaten als 
Probe geschlagene Dollar Goloide zu betrachten, der aus einer Silber-Goldmiachung — 
eine Art Electron — bontand. R. N. B. XXXV (1879) 218 und dazu die treffenden Be- 
merkungen Grotes, Bl. f. Mzfr., Nr. 68, S. 563 (1878). Zu erwähnen ist noch, dafs 
die nach dein Ukaa vom 5. Dez. 1763 aus sibirischem Kupfer ausgebrachten Münzen, 
um die Scheidungskosten zu sparen, in ihrer natürlichen Mischung mit Gold und Silber 
hergestellt wurden. Praun, Gründl. Nachr. (L. 1784), 3. Aufl., 406, §8. Doppel- 
währung: Knies, Das Geld, B. 1873, S. 230 ; 2. Aufl. B. 1886. S. 286 mit Ausfüh- 
rungen über vertragsmäßige internationale Doppcl Währung. — Schmoller, Grundrifs 
IT, *5, § 167 mit Ausführungen Über >das ältere Nebeneinanderzirkulieren von Gold und 
Silbermünzen.« — Weltmünze: Nahuys M., Essai und ebenso Etat de la question 
de l'uniformite des montuiun, poids et des mrsures. Utrecht 1865 und L. 1866. La ri- 
forme monitaire de VAlletnagne consideree au point de vue national et international. 
Utrecht 1870. — Dazu R. N. B. V, 1, (1869). — Feer- Herzog, L'unijicatum monetaire 
internationale. Genf 1869. — Wolowski, L'or et Vargent. question monetaire, P. 
1868. — Brichaut, Histoire monetaire eonte.mporuine. R. N. B. Serie V, Bd. I, S. 461 ff. 
Ja ßorin cotunihre comme monnuie internationale Anntiaire IDT, 331. — Für die Pariser 
Weltausstellung im Jahre 1900 hatte R. Mowat eine colhetion monetaire universell'- 
vorgeschlagen, um den Übergang zu einer Weltmünze anzubahnen. R. N. IV, t. 3 (1899), 
S. 247. — Bedenken gegen die Ausführbarkeit eines einheitlichen Weltmünzsystems 
äufsert Roscher, System III, § 49. 

§ 21. Reehnumrseinhelt und Zähl weise. 

1. Soll das Geld seine wirtschaftliehe Aufsähe, allgemeines Wert- 
mafs und Zahlungsmittel zu sein, auch erfüllen, so mufs ein gewisser 
Wertbetrag als Rechnungseinheit bestimmt werden, um darnach Ab- 
stufungen in auf- und absteigender Reihe zu bilden. Die Gröfse dieser 
Rechnungseinheit ist wohl vom Willen des Münzherrn abhängig, läfst 
sich indessen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen soll, weder willkürlieh 
festsetzen, noch auf rein mathematischem Wege ableiten, sondern wird 
durch die jeweilig herrschenden Bedürfnisse bestimmt. Es ist nun Sache 
der Münzpolitik, die für die Rechnungseinheit gerade passende Gröfse 
zu ermitteln, was nicht so leicht ist; denn man mufs dabei sowohl auf 
das geschichtlich Hergebrachte Rücksicht nehmen, als auch erwägen, 
dafs Welthandel und Kleinverkehr eine ganz verschiedene Art der Ver- 
mittlung fordern. Der gröfse Verkehr, um mit Grote zu reden, spielt 
seine Rolle an der Börse und in den Rechnungsbüchern der Geld- und 
Warenhilndler, der Rankiers und Kaufleute — er rechnet! Der kleine 
spielt die seinige in den Bäckerladen und auf dem Gemüsemarkte — er 
rechnet nicht; er zählt, er milst, er wägt blofs. Ein Geldsystem, das 
nur den Anforderungen eines dieser beiden Verkehrsgebiete genügen 
will, ist daher tadelnswert und verwerflich. 

Grotes Geldlehre § 14, mit sehr übersichtlicher Vorführung der Ober- und 
Unterrechnungseinheiten in den um 1850 bestehenden Münzsyntemen der wichtigsten 
Staaten. — Hoffmann J. <>.. Die Lehre vom <i««l<le. B. 1H,'18, 1. — Del Mar A., 
Histury of thr monetnry Systems. !,. 1H94 ins Französische übersetzt dureh A. Chabry 
und ('. Besinnet. P. 1899. 

2. Tm die Zühlweise eines Münzsvstoms zu bestimmen, sind sowohl 
der Wertbetrag der Rechnungseinheit, als die Vermehrung.««- und Teilungs- 



Digitized by Google 



§ 21. Rechnungseinheit und Zähl weise : Duodocimal- und Decimalsystem. 153 

stufen derselben anzugeben. Gewöhnlich wird man mit der Bezeichnung 
einer oberen und einer unteren Einheit auskommen : Mark = 100 Pfen- 
nig, Frank = 100 Centimes, Gulden = 60 oder 100 Kreuzer usw. Er- 
scheint jedoch die Untereinheit für die Bedürfnisse des kleinen Verkehrs 
zu grofs, so wird eine weitergehende Teilung erforderlich. Man erhält 
dann mehr Stufen, so beim englischen Pfund Sterling, das in 20 Schil- 
ling zu 12 Pfennig zerfällt, bei der früheren Talerrechnung in Deutsch- 
land, die den Taler in Groschen und diesen noch weiter in Pfennige 
zerlegte u. dgl. m. Dabei soll der Wertbetrag der gewählten Untereinheit 
mit Vermeidung von Bruchzahlen sowohl der kleinsten vom gröfseren 
Verkehr noch in Rechnung gezogenen Wertgröfse, als den Bedürfnissen 
des täglichen Verkehrs entsprechen. Es weist darum beispielsweise die 
neue Kronen Währung in Osterreich gegenüber der österreichischen Gulden- 
währung in ihrem Rechnungssystem unverkennbare Vorzüge auf, indem 
statt des halben Kreuzers die Untereinheit des Hellers, die kleinste vom 
Grofsverkehr noch berücksichtigte Rechnungsgröfso ist und die Krone 
als obere Einheit etwa die Mitte unter den verbreitetsten Münzeinheiten 
in Europa: Frank, Mark und Schilling einhält, während der frühere 
Gulden für seinen Zweck viel zu grofc war. 

Grote, Geldlehre, § 15. Die Zllhlwelse. Ho ff mann a. a. O., 19. — Schmol- 
ler, Grundrirs IT, §166, S. 80, macht aufmerksam, dafs hei den höher entwickelten 
Kulturvolkern hauptsächlich drei Gruppen von Münzsorten vorkommen: eine mittlere 
von etwa 3 — 5 g Feinailher (attische Drachme, römischer Denar, heute Frank, Mark usw.), 
eine kleinere Teilmünze und eine probe Münze, die oft ein Vielfachen der mittleren 
ist. Eh könne >nicht Zufall sein, dafs so die verschiedensten Völker immer wieder 
auf ahnliche Münzgrofaen kamen. Sie entsprechen den Hauptarten des Verkehr» ent- 
wickelter Volkswirtschaften«. 

3. Die Zählweiso bestimmt nun, wie viele Untereinheiten in einer 
Obereinheit enthalten sein sollen. Etwa vom 8. bis gegen das 13. Jahrh. 
legte man der Ausprägung im Abendlande fast ausschliefslich das Quartal- 
System: Pfennig, Hälbling, Ort, zugrunde; seitdem herrschto hier bis ins 
19. Jahrh. das Duodezimalsystem vor, das infolge der vielfachen Teil- 
barkeit der Zahl 12 sich den Bedürfnissen des Klein Verkehrs bestens 
anschmiegt. Die neuere Münzgesetzgebung hingegen, die unverkennbar 
vor allem den Grofsverkehr berücksichtigt, hat sich fast allgemein für 
das Dezimalsystem entschieden, das sich von Frankreich aus seit der 
grofsen Revolution immer weiter verbreitete, wiewohl die ersten Münzen 
nach Dezimalfufs nicht in Frankreich, sondern in Amerika und Genf 
geprägt und in den Jahren 1792—1794 in Umlauf gesetzt wurden. 

E n g e I S e rr u r e benutzen die Einführung der Dezimalzahlung ins Münzwesen 
als Einleitungsgrund um in ihrem Traite die Münzkunde der neueren Zeit von jener 
der Gegonwart zu scheiden. (Dazu X. Z. 1870, Nr. 8, S. 46, über die Genfer Prägungen 
von 1794). Nach der bei Grote, Geldlehre, $11, S. 67, dargebotenen Übersicht der 
ReehnungHsysteme waren im Jahre 18G5 noch Anhänger des Duodezimalsystems Däne- 
mark, Norwegen, England, Indien, die Türkei und ganz Deutschland, das jedoch durch 
die Kronzehntel bereits eine Handelsmimze mit Dezimalteilung besafs. Österreich und 
die übrigen hier nicht genannten Staaten hatten schon das Dezimalsystem mehr oder 
minder rein angenommen. Seither haben sich diesem noch Deutschland (1871, 1873), 
Danemark (1874) und Norwegen 1S76 angeschlossen Hemerkenswert ist, dafs Na 



Digitized by Google 



154 



Zweiter Teil. Geldgenchichte. 



poleon I. neben der Dezimal- auch die Viertelteilunp bei den Franken zulief«, und dafs 
ähnliches noch heute im russischen Münzsystem vorkommt. Einen Vorschlag, wie 
man die Vorteile beider Systeme vereinigen könnte — der überwiegende Vorzug gebührt, 
dem Dezimalsystem für den grofsen, dem Duodezimalsystcm für den Kleinverkehr — 
machte Loos, indem er die Ausgabe von Dezimalpfennigen aus Messing und Duo- 
deziraalpfennigen aus Kupfer vorschlug, deren erstero als Marken für Kassenführer 
dionen sollten, im kleinen Verkehr aber grofsenteÜB als gleichwertend mit den andern 
umlaufen würden. Vgl. Grote, Geldlehre § 15, S. 78. — Die ersten Münzen nach 
dem Dezimalsystem wurden übrigens nicht in Frankreich (seit 1795), sondern in den 
Vereinigten .Staaten von Nordamerika (seit 1792) ausgegeben. Die älteren nordameri- 
kaniBchen Cents (seit 1778) waren Münzen der Einzelstaatcn oder Token, Geldzeichen. 

4. Es ist nun keineswegs notwendig, dafs jede Stufe in der Zähl- 
weise durch ein einzelnes Münzstück verkörpert wird, es genügt viel- 




mehr, wenn sie durch Zusammenlegen 
mehrerer Münzen bequem erreicht werden 
kann. Dergleichen Abstufungen in der 
Zählweise, die nur durch die Rechnung 



Fip 86. Piccolo von Verona oder 




- V2 Hcrurrstück v<>n Verona um UM. Kl*. S8. Venedig, Lira Tron (M71 1473). 



als Einheit zusammengefaßt werden, tatsächlich jedoch Summen von 
Münzstücken sind, pflegt man nicht eben passend als Rechnung«- 
münzen zu bezeichnen. Sie dienen als Mittel zur Vereinfachung der 
Rechnungen jetzt vor allein dem Großverkehr und umfassen oft grofae 
Wertbeträge. Als Beispiele seien genannt der türkische Beutel Silber = 
500 Grusch, das portugiesische Conto de Reis = 1000 Mürels, die Tonne 
Goldes, die man auf 100000 Taler veranschlagte. Von den ostindisehen 
Rechnungsmünzen ist wohl nur das Lack Rupien — 100000 Rupien zu 
praktischer Verwendung gelangt, wiewohl noch andere Couron, Croor, 
Padan, Nil genannt werden, die bis zum fabelhaften Betrage von 1000 Bil- 
lionen Lack Rupien ansteigen. 

Im christlichen Abendland waren seit dem Übergang zur Silber- 
währung unter den Karolingern bis gegen den Schluß des 12. Jahrh. 
fast durchweg nur der Pfennig und dessen Teilstücke wirkliche Münzen, 
während die Oberstufen: Schilling = 12 (in Bayern-Österreich =30 Pf.) 
Pfund = 240 Pf. = 20 bezw. 8 Schilling nur Rechnungsmünzen waren. 
Erst als man Ende des 12. Jahrh. in Verona zur Ausprägung der Sohli 
oder yrossi zu 12 picrofi schritt und seit 12f>2 die Ausmünzung des 
Gohli s allgemeiner wurde, gewann man die Möglichkeit, auch die Ober- 
stufen durch Einzelstücke zu decken. Zur Verkörperung des Pfundes 
durch eine Münze gelangte man erst im letzten Drittel des 15. Jahr- 
hundert, als der venezianische Doge Nikolaus Tron (1471 — 1473) die 
Ausmünzung «1er sog. Lim Tron begann. Rechnungsmünzen waren im 



Digitized by Google 



§ 21. Rechnungsmünzen, Zahlmarken, »idealisehes Geld«, Soutus marcharum. 155 

Mittelalter auch die sogenannten Zählinarken von verschiedener Gröfse 
zu 144, 160 Pfennig usw. 

über Rechnungsmünzen: Grote, Geldlehre, §14, 8.68, Die indischen Rech- 
nungsniünzen, die in Taverniers Reisen angeführt werden bei Schmieder unter 
den o. a. Namen. Deutsche Rechnungsmünzen: Bose, Handbach der Geldkunde II, 
S. 1 ff. 

5. Die Bemühungen, zu einem von allen Schwankungen des Münz- 
fußes unabhängigen Geld zu gelangen, haben zur Schaffung einer be- 
sonderen Art fingierter Münzen (Büsch: »idealisches Geld«) Anlafs ge- 
geben, die sich von den eben besprochenen Rechnungsmünzen dadurch 
unterscheiden, dafs sie dem Empfänger nicht eine bestimmte Zahl ge- 
prägter Münzen, sondern eine unveränderliche Menge Edelmetall sichern 
wollen. Hierher gehörte die venezianische Rechnung nach Lire di grossi, 
die bei der Beständigkeit des Matapans oder Grosso lange Zeit eine un- 
veränderliche Silbermenge darstellte, später aber zu einer doppelten Ein- 
teilung dos Grosso zu 32 oder 48 piecoli führte, je nachdem die Zahlung 
in Silber oder Gold zu leisten war, sowie der seit Anfang des 15. Jahrh. 
festgehaltene Rechnungsdukaten zu 6 Lire 4 soldi. Jünger als diese 
venezianischen Einrichtungen, aber von gröfserer Verbreitung war der 
sog. Scutus Marcharum, der dadurch entstanden sein soll, dafs deutsche 
Kaufleute auf die stark besuchten Genfer Warenniessen Feingold in 
Barren mitbrachten und nach dem Pariser Markgewicht an Zahlungs- 
statt abgaben. Anfang des 15. Jahrb., als der Mefsverkehr allmählich auf 
Lyon überging, hatte sich die Mark Feingold als Rechnungseinhoit bei 
den Mefskaufleuten soweit eingebürgert, dafs man Wechsel von und zu 
der Messe nahm, die auf diese Wertgröfso gestellt waren. Zu diesem 
Zweck teilte man die Mark von 244,7529 g Schwere rechnungsmäfsig in 
65 Scudi, die ihre weitere Unterteilung in 20 sohli zu 12 denari hatten. 
Der Markenskudo (acutus marcharum) war also nichts anderes als die in 
Kaufmannskreisen übliche Bezeichnung für eine feststehende Menge 
Feingold von 3,7656 g Schwere und war daher als unwandelbares Ein- 
lieitsgeld verwendbar, während der Metallskudo in sehr verschiedener 
Wertgestalt vorkam. 

Gleichen Zwecken hat die Hamburger Bankwährung seit 1690 ge- 
dient, welche zuletzt (seit 1790) ein Stück Feinsilber von 25,3*783 g 
Schwere als Banktaier behandelte. Die Bank schrieb dem Einbringer 
von Silberbarren, die 980 Tausendstel fein sein muteten, für jede darin 
enthaltene kölnische Mark Feinsilber 27 Mark 10 Schilling (9 5 / 24 Reichs- 
taler) Bankwährung gut und für jede über kurz oder lang wieder heraus- 
genommene kölnische Mark Feinsilber 27 Mark 12 Schilling (9'/ 4 Rtlr.) 
Bankgeld zur Last und schuf dadurch einen unverletzlichen Banktaier, 
der weder der Abnutzung noch der Verschlechterung im Münzfufs aus- 
gesetzt war. 

Papa do pol i Conte X., L< Bimetalismr a Yciiixe au tiioyoi-äge (Memoire» den 
Brüsseler num. Kongresses. Br. 18IU, S. f>3ö ff.). Chor «lie Hamburger Bankwahrung: 
Noback, Taschenbuch. L. 1851, 317 ff. — Büsch J. G., Grundsätze «ler Münz- 
politik, Hamburg 1789. S. A. aus dem 2. Bd. der Ilandlungsbibliothek), S. 388 ff. wird 



Digitized by Google 



150 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



über den Unterschied des Hamburger Banktalers von dem > idealischen Wechselgeld« 
anderer Nationen: dem Pczzo di otto, dem Ducato di Banco in Venedig usw., dessen 
Wert doch immer aus dem umlaufenden Gelde berechnet werden müsse, gehandelt — 
Scutm marcharum: Endemann, Studien in der romanistisch-kanonistischen Wirt- 
schafts- und Rechtslehre I (B. 1874), S. 180 nach Scaccia, Tractatus de commerviis et 
cambio, F. 1648, § 2 Glossa 3, S. 314 ff. Die Entstehung dieser Rechnungsmünze dürfte 
mit der Eröffnung der Lyoner Messen im Jahre 1419 zeitlich nahe zusammentreffen, 
denn der französische ecu d'or, der bis 1417 zu 64 Stück auf die feine Pariser Mark 
gestückelt wurde, verlor von da ab rasch an Feingewicht und wurde schon am 7. Marz 
1419 (7. März 1418 der französischen Zeitrechnung, die ihr Jahr mit Ostern begann) zu 
67 Stück, in den Jahren 1420 — 1421 zu 68 Stück aus der Pariser Mark ausgebracht. 
Saulcy, Ilfcueül, 43 14 und Schulte A., Geschichte des mittelalterlichen Handels 
zwischen Westdeutschland und Italion. L. 1900, I, 485 ff. 

§ 22. Der Mflnzftafs. 

1. Münzfufs nennen wir die von einem Münzberechtigten ausgehende 
Festsetzung, wieviel Münzstücke aus einer Gewichtseinheit Metall, das 
Feinmetall sein kann, gewöhnlich jedoch eine im voraus bestimmte 
Metallmischung (Legierung) ist, ausgebracht werden sollen (vgl. § 5, 3). 
Durch den Münzfufs werden demnach Schrot und Korn einer Münz- 
gattung bestimmt. Der Ausdruck Schrot bezeichnet dabei das absolute 
oder Rauhgewicht der einzelneu Münze, Korn hingegen den Fein- 
gehalt (im Mittelalter: Witte, Brand, Gelöt, albedo, vgl. § 18, 10). d. i. 
die Beschaffenheit der Metallmischung und mittelbar auch das Fein- 
gewicht, d. h. den verhaltnismäfsigen Anteil des Edelmetalls an dem 
Rauhgewicht des Geldstückes. Die Bestimmung des Münzfufses ist 
praktisch die Hauptsache eines Münzgesetzes, wiewohl die Forderungen 
der Theorie die Feststellung der Währung und des Gewichtssystems in 
den Vordergrund stellen. Je nachdem nun ein Münzfufs das Feingewicht 
der Münzeinheit sowohl an sich als im Verhältnis zum beigelegten oder 
Nennwert derselben hoch oder niedrig stellt (§ 19, 4), pflegt man von 
einem schweren oder leichten Münzfufs zu sprechen. 

Bufse, Kenntnis des neueren Münzwesens. L. 1795, I, 131 ff. vom Münzfufse. 
— Buse, Geldkunde. K. 1H03, S. 28, 3. Kapitel: Münzfufs oder gesetzliche nestininiuni: 
des Schrotes, Korns und Zahlwerts der gangbaren Münzen. — Grote, Geldlchre, 
§16. — Laband, Deutsches Staatsrecht, 3. Aufl., Freiburg 1895, II, S. 149 ff. — Die Ur- 
sachen, weshalb der Münzfufs bei den meisten Völkern mit der Zeit leichter geworden 
ist, d. h. »die Münzen eines gewissen Namens Hieb entweder an Gewicht oder an Fein- 
gehalt oder an boidem zugleich« verschlechtern, s. bei Roscher, System der Volks- 
wirtschaftslehre, III (3. Aufl. S. 1882), § 42. 

2. Die Genauigkeit, die bei der Münzarbeit erforderlich ist, um das 
im Münzfufs festgesetzte Schrot und Korn einzuhalten, hat vielfach zur 
Aufstellung besonderer Münzgewichte geführt (tj 6, 7). Das Münzwesen 
des früheren Mittelalters, das an römische Einrichtungen anknüpfte 
(§11, 12), hat sich des römischen Pfundes von 327,453 g Schwere als 
Münzgewicht bedient und aus diesem nach gesetzlicher Vorschrift 144 Si- 
liquen in Ganz- oder Haidstücken ausgebracht. Diese Halbsiliquen sind 
die in der Lex Sadai erwähnten Denare, so dafs im Frankenreich 
ursprünglich wohl 2HS Denare auf da.s Römerpfund kamen, das weiter 



Digitized by Google 



§ 22. Der Münzfnfe: Schrot und Korn der Münze, Münzgewichte. 



157 



in 12 Unzen von 27,288 g Schwere zerfiel. Karl der Grofse führte jeden- 
falls einen schwereren Münzfufs ein; doch ist es sehr zweifelhaft, ob 
damit auch die Erhöhung des Pfundgewichts verbunden war, und sicher, 
dafs es nur ein vorübergehender Versuch gewesen sein kann, weil später 
wieder das Römerpfund den Ausmünzungen zugrunde lag. Die Forscher, 
die sich für ein solches karolingisches Pfund entscheiden, nehmen an, 
dafs dieses mindestens 367 g Schwere hatte, von andern wird es auf 

15 Römerunzen oder 409,32 g, von Marcel Prou sogar auf 491,179 g 
(eingeteilt in 12 Unzen von rund 41 g Schwere) berechnet, keine dieser 
Annahmen ist jedoch in ihren Grundlagen hinlänglich gesichert. Da- 
gegen ist es gewifs, dafs man im späteren Mittelalter ein Gewicht von 
gewisser Schwere als Pfund Karls d. Gr. (pondtts Karoli) bezeichnete, 
wahrscheinlich jenes Pfund von etwa 409,32 g Schwere, das hie und da 
als Handelsgewicht von Spanien bis nach Rufsland vorkam. 

An Stelle des römischen und des karolingischen Pfundes ist später 
die Mark als allgemeines Münzgewicht getreten. Die Mark, die zuerst 
im 9. Jahrh. in angelsächsischen Urkunden erwähnt wird, ist wahrschein- 
lich eine von den Nordgermanen vorgenommene Anpassung des römischen 
Gewichts an ihre Bedürfnisse, bei welcher zwei Drittel des römischen 
Pfunds oder 8 Unzen zur Gewichtseinheit gemacht wurden. Tatsächlich 
zerfiel die Mark, soweit die Nachrichten zurückreichen, in 8 Or (alt- 
nordisch eyrir, Mehrzahl aurar, latinisiert ora oder hora), die ihrem Ge- 
wichte nach mit der römischen Unze (27,257 g) auffallend übereinstimmen. 
Urkundlich erwähnt findet sich die Mark in Deutschland erst im 11. Jahrh. ; 
im folgenden Jahrhundert begegnet uns schon ihre neue Einteilung in 

16 Lot, die als halbe Unzen gedacht sind und fortan in Deutschland 
und Skandinavien üblich blieben, während man anderwärts (in Frankreich, 
England, Italien, Spanien usw.) an den Unzen festhielt. 

Mit der gleichon Einteilung der Mark war jedoch keineswegs Über- 
einstimmung ihres Gewichts verbunden, vielmehr war deren Schwere 
nach Zeit und Land verschieden und schwankte von etwa 196 — 280 g. 
Die Einteilung der Mark beruhte, wenn man die bei den Angelsachsen 
nachweisliche Halbmark einschiebt und die als Or vorkommende Unze 
beibehält, nach dem streng durchgeführten Grundsatz der Halbteilung : 
1 Mark ~ 2 Halbmark = 4 Vierdung = 8 Unzen = 16 Lot = 32 =64 
l = 2 =4 =8 » = 16 =32 

1 , = 2 = 4» = 8^= 16 5 

1 =2 = 4 = • = 8 = 

1 , = 2 ~ = 4 
1 = 2 

Ein allgemeines Handbuch der mittelalterlichen Metrologie fehlt, obgleich ein 
solches eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Geldgeschichte dos Mittelalters 
wäre. Soweit nicht Einzeluntersuehungon vorliegen, bleibt nicht» übrig, als von dem 
zuletzt an einem Orte üblichen Gold- und Silbergewicht auszugehen. Ks ist jedoch zu 
berücksichtigen, dafs im Laufe der Zeit diese Gewichte mehrfach eine Veränderung und 
zwar meist eine Erhöhung um einige Gramm erfahren haben. Einzelne Angaben bei 
Prunn, Gründliche Nachricht, 3. Aufl., L. 1784, Kap. 1. — Bonnoville, Traite des 
moiuuivs d'or et d'argent. P. 1806. — Soetbecr, Ober die Münz- uud Gewichtsver- 
hältnisse unter den Merowingern sowie über den Ursprung und die Verbreitung des 



Digitized by Google 

i 



1Ö8 



Zweiter Teil, Geldgeschäfte. 



Markgewiehts. Hainburg 1858; s. auch Forschungen z. deutschen Geschichte. Göt- 
tinnen IV, 303 ff. — Blancard, La pile de Chnrlemagne und Vorigine du marr, Anna- 
aire de la Soc. franc. de n um von. t. XI, XII, 1887, 1888, dazu die Untersuchungen des- 
selben über die Schwere des Markgewichts in verschiedenen französischen Städten 
(En gel- Se r r u rc , Hepertoire den sourecs imprimern de la nuniismatique fraiicaiftf. 
Nr. 613, 624':. — Prou Maurice, La Ii rrr dite dt Chnrlemagne (Memoires de la .S«c. 
nationale dm antiqnairen de France, t. L1V, P. 1895) — Hilliger B., Studien zu 
mittelalterlichen Mafsen und Gewichten. Histor. Vierteljahrsschrift 1901, 161 ; dann 
a. a. O. 1903, 453 ff. — Bl. f. Mzfr Nr. 287 (1904, Nr. 1). — Capobtanchi V., Pesi 
proporzionali desunli dai doeutnenti della libra h'omana. Merovingica e di Carlonmgno. 
Hiv. Hai. di Xuntisinatira, Mailand 1892. — Blanchet, Manuel U, 2, p. 472 ff Poids 
du midi mit vielen Gewichtsangaben. — Holinboe, Kuf*landts nebln Yaegtxyxtem in 
den Verhandlungen der Kgl. Norweg. Ges. d. Wissenschaften, Christiania 1867, 1868, 
S. 25; ferner a. a. O. 1869, S. 67 einen Aufsatz über norwegische Gewichtslote des 
14. Jahrh. (Vgl.Bl. f. Mzfr. 1872, Nr. 32, Sp. 236) — v. Arnim, Nordgernianisches Obli- 
gationenrecht I, 440 ff ., II, 506 ff. — t v her altere Markgewichte: Meine münzgeschicht- 
lichcn Vorstudien im Archiv f. .interr. Gesch., XLVI. W. 1871 und MuffatB Unter 
Buchungen Ober bayer. und österr. Münzwesen in den Abhandl. d. Kgl. Baver. Akad 
d. Wiss. III, Cl. Bd. XI und XII. M. 1870-72. — Grote, Münzstudien III : Die numis- 
ma tische Metrologie, S. 1 ff. — Nicht zuganglich war mir 8choap J. G., Europäische 
Gewichtsvergleichung gegen dns nürnbergische Gewicht. N. 1722. 

3. Die bis auf Quintel durchgeführte Teilung der Mark als Silber- 
gewieht hat für die Zwecke des täglichen Verkehrs ausgereicht, nicht 
aber für die Ausmünzung, die noch weit kleinerer Gewichte bedurfte 
Ein solches erhielt man zunächst durch Yiertelung des Quentchens, die 
den Pfonnig oder Richtpfennig als 256. Teil der Mark ergab. Grote 
meint, dafs man weniger als den Richtpfennig, der je nach der Schwere 
der Mark etwa von 0,9 — 1,1 g schwankte, anfangs wohl nicht abzuwägen 
vermocht habe. Das mag — vielleicht — für die ersten Jahrhunderte 
des Deutschen Reichs richtig sein, trifft jedoch weder für die vorher- 
gehende Zeit, in der noch römische Einrichtungen nachwirkten, zu, noch 
für die Folgezeit, als die gröfsere Genauigkeit im Wagen heischenden 
Goldmünzen in Umlauf kamen. So gelangte man also in Deutschland 
etwa in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einer Unterteilung des 
Richtpfennigs in zwei Heller, die bis auf */öi2 ( ' er Mark ging. Darüber 
hinaus kam man in Norddeutschland während des Mittelalters nur dort, 
wo man wie in Lübeck wegen starker Goldeinfuhr aus Flandern die 
feineren niederländischen Gewichte kennen gelernt hatte. Anders im 
Süden, wo die Wiener und seit 1409 auch die Grazer Münzstätte in 
der Medol (medtda) und Halb-Medel Münzgewichte verwendeten, die dem 
720. und 1440. Teil der Wiener Mark entsprachen, also auf weniger als 
2 Dezigramm herabgingen. Erst im 16. Jahrb., meldet Grote, gelang 
es französischen Mechanikern, feiner ziehende Wagen zu verfertigen und 
alsdann auch die grains des französischen Gewichts körperlich darzustellen, 
l'm diese benutzen zu können, ermittelte man in Deutschland, dal's der 
Richtpfennig genau gleich IT gwins poids de wäre sei. reihte aber diese 
nach dem in den Niederlanden schon üblichen Namen Aß, als Äfscheu, 
AschfH. Esrhun in das Kölner Gewichtssystem ein. Noch später, wohl 
zu Beginn des 18. Jahrh. kamen in Deutschland die Richtpfennigteile 
auf. deren man 6f>.f>36 mit einer Schwere von tf'/o Milligramm auf die 



Digitized by Google 



§ 22. Verjüngte» und Probiergewicht : Richtpfennig, Medel usw. 159 

Kölner Mark rechnete. Der Richtpfennigteil diente jedoch nicht zum 
Wägen der Münzen selbst, sondern wurde (wie die Medel und Halbmedel 
zu Wien schon 1400) in den Münzstätten beim Probieren des Feingehalts 
der Metalle als sog. »verjüngtes Gewicht« verwendet, wobei der Betrag 
der Mark durch das Gewicht des Richtpfennigs und dieser durch das 
Gewicht des Richtpfennigteils (= Richtpfennig) vertreten wurde. 

Friese, Münzspiegel, S. 33 ff. — Bufse, Kenntnis d. neueren deutschen Münz- 
Weyens. L. 1795, I, 79 ff.: vom Gold- und Silbergewicht. — Grote, Münzstudien III, 
S. 4, vergleichende Angaben über daa französische, englische, niederländische, deutwehe 
und russische Gewichtssystem. Der von Grote erkannte Zusammenhang des russischen 
Pfundes von 409,511 g mit dem kölnischen Gewicht erklärt sich, wenn Hill ige rs 
Berechnung der Kölner niarca mercatorum mit 204,74 g zutreffen sollte. Es wäre dann 
einfach das als Kaufmannsgewicht fortlebende sog. pondus Caroli von mindestens 408 g, 
das durch deutsche Kaufleute (Nowgorod uswY in Rufsland eingebürgert wurde. — 
Über das Wiener Münzgewicht und dessen Einteilung s. meine Wiener Pfennige, 
§ 12 (W. X. Z. Vin, 268 ff.) und Wiener Mw. II, 780. — Wir sind im allgemeinen ge- 
neigt, die Genauigkeit zu unterschätzen, mit der man im Mittelalter rechnen und wägen 
konnte, weil uns die Methoden dieser Zeit nicht mehr geläufig sind, vgl. Hillig er in 
der Histor. Vicrtcljahrcsschr. 1903, S. 178, dazu Seebohm in d. Vierteljahrosscbrift f. 
Sozial- und Wirtschaftsgcsch. 1903, 179 : On thr car/y currmcü-8 of the Gcrtmn tribes. 
S. bespricht mehrere als Grabbeigaben gefundene Gewichte aus dem frühen Mittel- 
alter und erwähnt, dafs durch Kombinierung der oinzeln sehr verschieden wichtigen 
Stücke selbst ganz kleine Schweren (S. meint bis auf daa Troy - Grain = 0,0648 g 
herab) ermittelt werden konnten. Der Hinweis auf die Kombinierung bleibt ein beach- 
tenswerter Fingerzeig, wonngloich man den übrigen Folgerungen Seebohms nicht bei- 
stimmen kann. 

4. Das, was mau in der technischen Sprache, jedoch ganz sprach- 
widriger Weise Probiergowicht nannte, war gar kein Gewicht, sondern 
eine ideale, in Grade abgeteilte Skala zur Bezeichnung des Feingehalts. 
Heutzutage gibt man bei chemischen Analysen den verhältnismäfsigen 
Anteil der einzelnen Bestandteile einer Metallmischung einfach nach 
Hundertsteln oder, wie im Münzwesen, nach Tausendsteln an, indem 
man das chemisch-reine Metall als Einheit hinstellt. Solch eine Vor- 
stellung wäre indessen unsern Vorfahren zu wenig sinnenfällig gewesen. 
Sie gingen vielmehr von der Erfahrung aus, dafs der nach dem Fein- 
brennen einer Mark Metallgemisch zurückbleibende Klumpen Edelmetall 
eine von der Zusammensetzung der Mischung abhängige Schwere hat, 
und verbanden nun die begriffliche Abstufung des Feingehalts mit der 
Einheit des handgreiflichen Metallgewiehts. So kam es, dafs man die 
Skala in ebensoviele Teile und Unterteile als das Gewicht zerlegte und 
auch einerlei Benennungen für die Teile beider beibehielt. Dabei er- 
seheint indessen die völlige Übereinstimmung dadurch gestört, dafs man 
die Einteilungsart des einheimischen Gewichts mit der eines fremden 
verband und so zu einer doppelten Abstufung gelangte, je nachdem der 
Feingehalt von Gold oder Silber angegeben werden sollte. 

Grote, Münzstudien DI, 50 ff. Zur Bestimmung des Feingehalts dienten 
Streichnadeln, die man, wie es scheint, fallweise mit dem für die Münze vorgeschrie- 
benen Feingehalt anfertigte. Sie hiefseu in Bremen ;14. Jahrb.) Stuf, in Österreich 
(14.— 15. Jahrh.) Korn, in den Niederlanden 14. Jahrb. ] Xarldc = Nadel, ultfranzösisch 
rerge Der Ausdruck »wiWr< oder tuohk* war auch in Deutschland üblich; so ver- 



Digitized by Google 



160 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



ordnet der kursächsiBche Münzvertrag von 1444 (IlirHch I, 96), »man »olle ein nalden 
giefsen von jeglichem Münzwerke, eine von guten groHchen, eine von schildigten 
groschen usw.« Vgl. auch Joseph P., Goldmünzen, 16. Jahrh., F. 1882, S. 160; Grote 
IH, 220; Cumont. Melangen numismatiques (Amsterdam 1902). S A. aus der niederl. 
num. Tijdskriß. S. 30. 

5. Die Abstufung des Silberfeingehalts zerfiel in Deutschland und 
den Niederlanden wie das Markgewicht in 16 Lot, zu 4 Quentchen, zu 
4 Richtpfennigen, also in 256 Teile, in Frankreich und den meisten andern 
romanischen Ländern hingegen in 12 deniers zu 24 grains, also in 
288 Teile. Seit dem 17. Jahrh. bürgerten sich diese Grains vielfach auch 
in Deutschland ein, indem man unter Weglassung der Quentchen und 
Richtpfennige die Mark in 16 Lot zu 18 Grän, im ganzen also in 288 Grän 
teilte. In England teilte man die Skala nach dem Pfundgewicht in 
12 Unzen zu 20 Pfenniggewicht (= 240 pennyweights) , in Italien ent- 
weder die Mark in 8 Unzen zu 24 denari = 192 denari, die in Venedig 
noch in 6 caratti zerfielen, so dafs hier 1152 caratti auf die Mark 
kamen, oder es hatte, wie Pegolotti für Florenz rechnet, die Mark 
12 onze zu 24 denari, also im ganzen 288 denari. Für das Gold war 
ursprünglich überall eine Abstufung der Mark in 24 Karat zu 4 Gran 
üblich, und noch Tilemann Friese behauptet 1592 in seinem Münz- 
spiegel (S. 15), dafs das Gold nicht über >ein Vierteil eines Karats, d. i. 
das 96. Teil einer Mark,« hinaus geläutert werden könne. Als jedoch 
mit den Fortschritten der Metallurgie eine genauere Gehaltsbestimmung 
möglich und daher erforderlich wurde, behalf man sich bei der Gold- 
probe verschieden. In Deutschland gab man die 4 (jgrofsen«) Grän des 
Karats ganz auf und ersetzte sie durch 12 kleine Grän, so dafs nun die 
Goldmark gleichfalls in 288 Grän zerfiel, in Italien ging man noch weiter 
und teilte das Karat in 24 parti zuweilen gleichfalls grani genannt. 
Anderwärts behielt man die 4 jgrofsen Grän, zerlegte sie indessen 
durch Halbteilung bis auf V» Karat (Frankreich) oder selbst darüber 
hinaus (England, Spanien). In Rufsland wird der Feingehalt beider 
Metalle nach einer nüt 96 Teilen, doli, steigernden Skala bestimmt. Eine 
Probe von 72 doli ist also gleich 12 lötig oder 0,750 fein. 

Nach den erwähnten Abstufungen erfolgte nun in Deutschland die 
Feingehaltsbestimmung in der Art, dals man den Anteil des edleren 
Metalls nach Karat oder Lot und der übrigen Unterabteilung angab, 
also von 22karätigem Gold, 14 lötigem Silber u. dgl. sprach. Abweichend 
war der Brauch in Venedig. Hier wurde, wenn das Edelmetall vorwog, 
die Verhältniszahl des Zusatzes unter Beifügung des Wortes peggio an- 
gegeben, im umgekehrten Falle aber der Anteil des Edelmetalls als fein 
hervorgehoben. Eine Münze di peggio 4-S caratti, enthielt demnach 1 104 
caratti Edelmetall, welchen nach deutschem Sprachgebrauch 15 Lot 6 Grän 
bei Silber und 23 Karat bei Goldmünzen — jetzt 958 Tausendteile in 
beiden Fällen — entsprechen würden. Die Bezeichnung im umgekehrten 
Falle di fino argento caratti 352 bedarf keiner näheren Erklärung. 

Grote a. n. ()., 51 ff. — Saulcy, Hern' U. Einleitung S. XII. — Praun, 
Gründliche Nachricht, Kap. I, § 14 ff. — flau sc Salomon, Vollständiger Münzmeister 



Digitized by Go< 



§ 22. Abstufungen dos Feingehalt»; Remedium, Pasaiergewicht. 



1G1 



und Münzwardein. F. 1765. — Eröffnetes Geheininus der praktischen Münzwissen- 
schaft. N. 17G2, S. 50 ff. Y.in kleines Wörterbuch der Münzausdrücke auf 8. 110 ff. 
— Carli-Rubbi, Delle mottete \, Haag 1751, Dissertazione I, § XXTT. — Pcgolotti, 
Pratica (Ulla mercatura, Cap. LXXII, LXXI1I, Legte di tnotute d'oro und a che leghe 
di mottete bei: Pagnini, Deila decima. Lisbona e Lncca III, 1766, S. 290 ff . ; ferner 
S. 330, cap. LXXXIV, Hicetta di affinare oro, ditnesticare l'ariento salvnggio, ricetta da 
fare coppele d'assaggiare ariento, allegare ariento. Ähnliche Rezepte für die Wiener 
Hausgenossen in dem von Karajan herausgegebenen Beiträgen z. Geschichte der lf. 
Münze Wiens, Absch. VII, X ff. (in Chmels Geschichtsforscher I, W. 1838). — Neu- 
bauer, Feinbuch. B. 1867. 

6. Soll ein Münzfufs längere Zeit aufrocht bestehen, ist es unbe- 
dingt erforderlich, dafs die Münzen mit dem vorgeschriebenen Schrot 
und Korn möglichst genau übereinstimmen. Dies bei jedem einzelnen 
Stücke völlig zu erreichen, ist selbst mit den Mitteln unserer heutigen 
Münztechnik oft schwer ausführbar. Man hat darum seit jeher gewisse 
Fehlergrenzen sowohl beim Gewicht als beim Feingehalt aufgestellt und 
läfst Stücke, die innerhalb dieser fallen, ungeachtet ihrer Abweichung 
vom ideellen Münzfufs zur Ausgabe zu. Diese für die Ausprägung selbst 
gestattete Fehlergrenze nennt man Remedium, Toleranz. Aufser- 
dem pflegt, weil die Vollwichtigkeit der ausgegebenen Münze durch den 
Umlauf einer fortwährenden Abnutzung ausgesetzt ist. ein Passier- 
gewicht festgestellt zu werden, Stücke, deren Schwere unter jenes ge- 
sunken ist, werden dann aus dem Verkehr gezogen. Sowohl die Prüfung 
aufs Schrot als aufs Korn kann nun entweder, was das genauere ist, am 
einzelnen Stück oder nach dem Durchschnitt einer gröfseren Menge, al 
marco erfolgen. 

Remedium: Der Ausdruck ist alt und wird schon 1433 gebraucht. Hirsch I, 
76, Nr. LXXIX. — Hoffmann, Die Lehre vom Gelde, S. 37 ff., 42 ff . — Bufsc, 
Geldkunde I, 44 ff. — Roscher, System III (3. Aufl. St. 1882), S. 205 und Anm. 5 auf 
S. 207 — den deutschen Goldmünzen ist seit 1871 eine Abweichung nach oben und 
unten von höchstens 2'/, Tausendstel im Schrot und von 2 Tausendstel im Korn ge- 
stattet. 

7. Das genaue Nachprüfen des Schrots durch Einzelwägung pflegt 
man Justieren zu nennen (§ 10, 1); es kann mit den technischen Be- 
helfen der Gegenwart selbst bei Stücken mit geringerem Wertbetrag 
leicht vorgenommen werden, während dies im Mittelalter sogar für die 
Goldstücke schwierig war. Unter den Karolingern, die auf ein geord- 
netes Münzwesen sahen, wurde desungeaehtet eine ziemlich sorgfältige 
Justierung der Pfennigmünze durchgeführt; diese Genauigkeit wurde 
später aufgegeben, und durch viele Jahrhunderte war überhaupt nur die 
Prüfung al marco üblich, die zudem recht weite Fehlergrenzen hatte. 
Als ein Beispiel sei auf das 1350 zwischen den Städten Nordhausen 
und Ellrich abgeschlossene Münzübereinkommon verwiesen. Wer auch, 
heifst es darin, daz man under eymc werke funde XII Schillinge Pfenninge 
die eijnen ßerdung tvugen zum stiersten, oder XIII Schillinge zum lichsten, 
die mag man gelafse. Mit andern Worten: ein 20 Vierdung schweres 
Werk wurde bei der Prüfung des Korns schon durchgelassen, wenn 144 
der schwersten und 156 der leichtesten Pfennige al marco gewogen, das 
gleiche Gewicht, nämlich einen Vierdung, ergaben. Anderwärts war es 

Luic h In, Numismatik. 11 



Digitized by Google 



1G2 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



nicht besser. Die Schweidnitzer Münzgesetze duldeten seit 1351, dafs um 
J / 2 4 mehr oder weniger Heller aus der Mark geschlagen werden, als vorge 
schrieben ist (also statt 576 auch 552 oder 600 Stück), und verordnen 
1460 sogar, dafs die neuen Heller am Aufschrott ?zu dem Achten* be- 
stehen sollen, d. h. es wurden Gewichtsschwankungen bis zu V» gestattet 
(Friedens bürg II, 54). 

Wie grofs nun die Abweichungen im Gewicht bei den einzelnen 
Pfennigen untereinander waren, kann man noch heutzutage ersehen, 
wenn man Stücke gleichen Gepräges, die aus dem nämlichen Funde 
stammen, auf ihre Einzelschwere untersucht und diese Ergebnisse mit 
dem Durchschnittsgewicht vergleicht. Obwohl die Wahrscheinlichkeit 
dafür spricht, dafs die schwersten Stücke schon vor der Vergrabung aus 
dem Verkehr gezogen wurden, wird man nicht selten auf Münzen stofsen. 
die mehr als zur Hälfte über oder unter dem Durchschnitt stehen. 

Aus diesem Grunde ist auch auf Einzelgewichte mittelalterlicher 
Kleinmünzen meist wenig zu geben und ist beispielsweise die aus solchen 
abgeleitete Gewichtsbestimmung des karolingischen Pfundes durch M. Prou 
sehr anfechtbar. Selbst aus dem Durchschnittsgewicht einer groTseren 
Zahl mittelalterlicher Münzen wird man oft nur bedingt brauchbare 
Ergebnisse zur Bestimmung des Müuzfufses erlangen, weil wegen der 
ungleichen Stückelung der Unfug des Saigerns (§ 14, 8, 9). d. h. die 
Ausscheidung der überwichtigen Stücke aus dem Verkehr geradezu un- 
ausrottbar war. Anders verhält es sich allerdings mit den Pfennig -Viel- 
fachen, die genauer geschrotet und wohl auch justiert wurden. Zum 
mindesten verordnet die kursächsische Münzordnung von 1444, der 
Münzmeister solle die Groschen »ganz und gar gleich machen und ein 
iglichen Groschen besondern auf die Wage stofsen«, dafs die gleich 
werden (Hirsch, Reichsarchiv I, 95, Nr. XCI.) 

Bufse a. a. O. I, 118, vom Schrote und Korn der Münzen. — Eine Abbildung 
und Beschreibung der selbsttätigen Münzsortierma«chine von L. Seyss v 1 S7 1 ), bei 
Ernst, Münzt', S. 10. — Die Vorgange bei der Schrotprobe der Wiener Pfennige im 
Mittelalter sind nach dem Wiener Münzbuch geschildert in W. X. Z VIII, 270 ff. und 
Wiens Münzwesen If, 779. Ahnlich waren die Vorgänge in anderen deutschen Münz- 
stätten, z. 1? in Itcgensburg. Muffat, Beitr. z. Gesch. d. bayer. MünzweHens, S. 2<W5. 
— Vgl. auch den urkundlichen Anhang bei Pos ern -K 1 ett, Sachsens Münzen im 
Mittelalter L. 184G, S. 309 IT. 

Für antike Goldmünzen bestreitet J. Fr iedl ander die Berechtigung des Durch- 
schnittsgewichts; mufsgebend sei vielmehr das Gewicht der schwersten Exemplare, 
>und selbst diesem kann man noch ein wenig hinzurechnen; denn wio selten sieht 
man eine Münze, die nicht durch Abnutzung etwas verloren hattef. Z. f. X. II, IM. 
Es ist der gleiche Gedanke, von dem M. Proü bei Bestimmung des pondiis Coroli 
eich leiten lafst. Ich hatte zur Erprobung, ob die Karolingernlünzen einzeln justiert 
oder al marco geprüft wurden, nur sechs wohlerhaltene Stücke des Gepräges mit dem 
Monogramme Karls d. Gr. und der Aufschrift MET | ALO aus einem zu Skutari in Al- 
banien gemachten Funde zur Hand Das Gesamtgewicht dieser in Poitou bis in das 
10. Jahrh. mit ungeändertem tieprntre peschlngenen Pfennige war 6,7f>0 g, was ein 
mittleres Gewicht von l,12ö g fürs Stück ergibt Die Einzelgewichte: 1,23, 1,19 (2 mal), 
1,15, 1,02, 0,97 lassen auf eine ziemlieh sorgfältige Justierung schliefsen. 

8. Nicht viel sorgfältiger war die Prüfung des Feingehalts im 
Mittelalter. Auch sie erfolgte al marco, indem man aus einer Anzahl 



§ 22. Prüfung des Schrotes und des Feingehalt«. 



163 



Stücke, die «'in gewisses Rauhgewicht — ineist ein Lot — haben 
mufsten, durch Ausschmelzen das Feinsilber abtrieb und sich dann da- 
mit begnügte, wenn das gewonnene Korn die vorgeschriebene Schwere 
annähernd erreichte. Wenn wir die Vorschriften beachten, dafs man 
das für die Probe bestimmte Lot Pfennige reichlich nehmen solle, so 
dafs die Pfennige ein wenig auf das Silber schlagen, dafs man die Probe 
nicht zu sehr mit Blei abtreiben solle, weil dhuin sjndczsilber von alter 
herkomnwn i$t u. dgl., so ersehen wir daraus das Bestreben, dem Gusse 
durchzuheKen, so oft es nur halbwegs möglich war. Dazu war das 
Remediuni sehr bedeutend. Selbst in der Wiener Münzstätte, die um 
1440, wie wir gesehen haben, weitaus das genaueste Probiergewicht 
in Deutschland hatte, wurden Güsse, bei welchen das Korn um weniger 
als eine Medel = 22,2 Tausendteile zu leicht befunden wurde, unter der 
Bedingung freigegeben, dafs entsprechend bessere Güsse unter gleichem 
Gepräge hergestellt und, mit den beanstandeten Stücken vermengt, in 
Umlauf gebracht wurden. Mit andern Worten: von Geprägen, die einen 
auf 440 Tausendteile festgesetzten Feingehalt haben sollten , können 
Stücke mit einem zwischen 424 — 457 Tausendsteln schwankenden Fein- 
gehalt vorkommen, ohne dafs dabei die gesetzliche Fehlergrenze über- 
schritten wäre. Schon dies macht es erklärlich, weshalb eine heutzutage 
an einem einzelnen Stück vorgenommene Nachprüfung selten zur Er- 
mittelung des vorgeschriebenen Münzfußes ausreicht, daher man lieber 
zu Durchschnittsproben greifen sollte. Doch sind dabei noch andere 
Fehlerquellen zu berücksichtigen. Die Unvollkommenheit der alten 
Scheidungsverfahren und die Furcht vor dem bei öfterem Umschmelzen 
merklichen Verlust an Silber durch Verflüchtigung waren Anlafs, dafs 
man die Legierung nicht mit ganz feinem Metall, sondern mit Metall- 
mischungen vornahm, die man schon als Feinsilber behandelte Wo 
nun der beabsichtigte Feingehalt dieser Mischungen schon bekannt ist, 
wie beim französischen Aryent-lt-Roi ( 23 / 24 oder 958 Tausendstel) oder dem 
argmto della bolla di Vinczia (once 11, denari 14 — '.105 Tausendstel oder 
nahezu ^a), wird unqn die Richtigstellung durch Einrechnung der vor- 
ausgesetzten Kupferbeimengung ohneweiters vornehmen können. Wir 
sind jedoch leider oft in der schlimmen Lage, dafs uns Einzelheiten der 
Münzvorschrifteu entweder gar nicht oder doch nur ungenügend bekannt 
sind, beispielsweise dann, wenn (wie in dem S. 329 bei Posern- Kl ett 
abgedruckten Münzrecht von Freiberg in Sachsen) die Ausprägung aus 
lötigem Silber und einem angegebenen Kupferzusatz angeordnet ist, wir 
aber darüber im unklaren sind, welchen Feingehalt die lötige Mark 
damals haben sollte (vgl. § 18, 11). 

Argent-h-Hoi, h. Saulcy, Hrcuril, Einleitung S XII; es wird im Münzübercin- 
kommcu der drei rheinischen Kurfürsten vom Jahro 1386 als > Kunzes silber« erwähnt. 
Hirsch 1, 61. Pegolotti, Prutticu, eap. LXXII, LXXIII — Ül>er »lütig« . Bode, 
Das iilterc Münzwesen Sachsens, 1847, S. 38. — Nach dem Mün/.vcrtrag zwischen Ham- 
berg, Würzburg und Brandenburg vom Jahre 1441 sollten 8-loti^c Schillinge und Pfen- 
nige geschlagen werdon. Fehlte es um V, Quontlein an der Mark (— 8 Tausendteile), 
ho war ein entsprechend besseres Werk zu machen, und beide mufsten gemischt aus- 
gegeben werden. Dies würde Schwankungen his zu 16 Tausendteilen als erlaubt er 



ized by Google 



164 



Zweiter Teil. Geldgcschichte. 



geben, während in der Wiener Münze um dieselbe Zeit bei den Pfennigen Schwan- 
kungen bis zu 33 TaiiHendtoilen erlaubt waren. Hirsch I, 86, Wien« M W. II, 783. 
Im »achsischen Münzübereinkommen von 1444 wird daher das feine Korn dem Königs- 
und dem Kaufmannskorn entgegengesetzt: tltmi man soll die münz probirm uff das 
feine korn und nicht auf den königes wirr kaufmannskorn.* Hirsch I, 95. — Berichte 
über den Feingehalt der in Deutschland umlaufenden Münzen a. a. O. I, 93 (1444) 159, 
(1490); der wichtige Bericht des Wardeins Wolf Veytlein vom Jahre 1496 ist gedruckt 
im Arch. d. Histor. Vor. v. Untorfranken, Bd. 22, S*. 138. 

9. Aufser dem Schrot und Korn und der Gröfse des Remodiums 
wird in den Mün/.onlnungeii regehnäfsig auch ein Schlagschatz für den 
Münzherrn als Vergütung für die ebenso häkelige als verantwortliche 
und mit Unkosten verbundene Arbeit der Münzherstellung vorbehalten. 
Er wird durch einen Abzug am Feingewicht in der Art erhoben, dafs 
die aus der bestimmten Gewichtseinheit Barrenmetall verfertigten Münzen 
nach ihrem Nennwert höher bewertet erscheinen, als der Kaufpreis für 
das gleiche Gewicht in Barren. Hält sich der Schlagschatz innerhalb 
angemessener Grenzen, so ist er nicht blofs gerechtfertigt, sondern auch 
gemeinuützlich, denn gute Münzen übertreffen das rohe Metall an Ge- 
brauchswert, sowohl weil sie dem Verkehr die Mühe und Gefahr jeweiliger 
Abwägung und Prüfung ersparen, als auch wegen der Zahlkraft, die 
ihnen vom Staate beigelegt wird. Während des Mittelalters und lange 
Zeit darüber hinaus ist allerdings zu grofsem Schaden des Münzwesens 
der Schlagschatz fiskalisch ausgebeutet worden, wie in § 28, 5 ff. noch 
des näheren ausgeführt werden wird. 

Schlagschatz s. Buse, Geldkunde I, 69 ff. Grote, Geldlehro 26, $ 8. — 
Koscher, System III (3. Aull. 1882\ 221 ff., $ 46, 47. — Büsch, Grundsätze d. Münz 
politik, Anhang, 467 ff. Hamburg 1789. — Bul so, Münzwesen I, 189 ff. 

10. Die gesetzlichen Anordnungen über Währung, Zählweise und 
Münzfufs bilden das joweilige Geldsystem eines Staates; doch sind auch 
Geldsysteme möglich, bei welchen Zählweise und Münzfufs durch ein 
Gewichtssystem ersetzt sind. Zählweise, d. i. die Skala des Wertmessers, 
und Münzfufs oder die körperliche Darstellung der Stufen dieser Skala 
zusammen bilden das Münzsystem. Länder gleicher Währung und desselben 
Münzfußes können demungeachtet verschiedene Zählweise haben, z. H. 
Deutschland 1857 — 1871 den HOTaleriufs mit :i0, 40, 10."), 150 Unterein 
heiten. Länder, die gleiche Währung und Zählweise haben, wie z. B. Frank- 
reich und Rufsland vor 1848 — da der Rubel zufällig bis auf eine praktisch 
unmefsbare Verschiedenheit — 4 Silberfranks war und gleich diesen in 
100 Untereinheiten zerfällt — können verschiedenen Münzfufs haben, end- 
lich Länder mit gleicher Zählweise (wie England, Frankreich, Italien im 
18. Jahrb., Pound, Livre, Lira = 20 Shillings, sous oder soldi = 
240 pence. deniers, deuari) können nach Währung und Münzfufs ver- 
schieden sein. Gleiches Geldsystem ist nur in jenen Ländern vorhanden, 
in welcher Währung. Zählweise und Münzfufs gleich sind, ein einheit- 
liches Münzwesen ist aber schon jenes zu nennen, wo Währung und 
Münzfufs übereinstimmen, mag auch die Zählweise abweichen. 

Geld- und MünzsyRterne : Grote, Geldlehre § 12 und die Literatur bei §21, 1. 



Digitized by Googl 



§ 22. Schlagschate ; Geldsyntem. § 23. Währung»-, Handels-, Scheidemünzen. 165 



§ 23. Währuugs-, Handels- und Scheidemünze. 

1. Die Geldeigensehaft überhaupt kann einem Gegenstand schon 
durch den Verkehr allein beigelegt werden, die Anerkennung eines Geld- 
stückes als Münze ist jedoch vom Willen des Staates abhängig (§ 4, 3), 
mit andern Worten: der Staat bestimmt, was innerhalb seines Gebiets 
Geld sein soll. Er tut dies, indem er der Münze das Rocht der Wäh- 
rung verleiht und dem Besitzer von Münzen das Recht, mit diesen zu 
zahlen, einräumt (§ 29). Der Staat gewährt dadurch dem Schuldner die Mög- 
lichkeit, alle auf Geld lautenden Verpflichtungen durch Hingabe von 
Münzen nach derer» Nennwert in rechtsverbindlicher Weise zu tilgen 
und verpflichtet anderseits den Gläubiger, diese Münzen zum Nennwert 
in Zahlung zu nehmen. Diese Annahmepflicht besteht jedoch keineswegs 
für alle beliebigen Münzen und ist überdies dort, wo sie vorhanden ist, 
manchmal begrenzt; sie ist beispielsweise für den Gläubiger nicht vor- 
handen, wenn ihm fremde oder abgewürdigto, d. h. aus dem Verkehr 
gezogene inländische Münzen oder die vom Staate nur für den Handels- 
verkehr hergestellten sog. Handelsmünzen als Zahlung geboten werden. 

Münzen, die man ohne Begrenzung durch einen Höchstbetrag in 
Zahlung nehmen muis, bilden die Landeswährung, wogegen Münzen, 
die nur bis zu einer zifformäfsig festgesetzten Summe bei Zahlungen 
verwendet werden können, also von vornherein nur für den Kleinverkehr 
bestimmt sind, Scheidemünzen sind. Handelsmünzen endlich sind 
Stücke, denen der prägendo Staat selbst keine Zahlungskraft beilegt. 
Sie sind nichts anderes als Edelmetallstücke mit staatlicher Beglaubigung 
und Bürgschaft hinsichtlich ihres Gewichts und Feingehalts (österreichi- 
sche Dukaten seit 1892, die Levantiner Taler u. dgl.), doch kann es vor- 
kommen, dals der Staat ihnen einen Kassenkurs beilegt; in solchem 
Falle müssen zwar nicht Private, wohl aber die öffentlichen Kassen 
diese Münzen zum festgesetzten Kurswert annehmen, wie solches durch 
den Wiener Münzvertrag vom Jahre 1857 hinsichtlich der Goldkronen 
bestimmt war. 

In einem Staate mit geordneten Geldverhältnissen wird die zur all- 
gemeinen Begleichung von Forderungen bestimmte Währungsmünze 
einen dem Werte ihres Metallinhalts sehr nahe kommenden Nennwert 
haben. Man pflegt sie dann auch harte Münze oder Kuran tm ünze 
zu nennen. 

Bei zerrütteten Münzzustäuden kann indessen auch Kreditgeld, 

das gewöhnlich seine Rolle nur als Seheidemünze spielt, Landeswährung 

sein, wie beispielsweise 16r>6 — 1663 das Kupfergeld in Rufsland oder die 

kupfernen Nottaler, die in Schweden während der Jahre 1715 — 1719 

zum Nennwert von 28 Millionen Taler ausgeprägt wurden. (Fig. 3 S. 19.) 

I.exin in Handwörterbuch der Stnnt-swissenpchaften, 2. Aufl., IUI. 4, S 898 ff. 
— Laband, DcuUcbes Siaatsn-cht, 3. Aull. Frei bunt 1895, II, S 150. — Brückner, 
Das Kupfergeld, 1<>5G bis 1G63 in UulKland. Kiga 1863. Scbwedische Nottaler, s. 
Schiniedern Handwörterbuch d. Münzkunde. Halle 1811, 8.313. 

2. Die Unterscheidung von Währungs- und Scheidemünze blieb 
dem Mittelalter durch Jahrhunderte fremd,* weil der Silberpfennig lange 



Digitized by Google 



166 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Zeit die einzige geschlagene Münze war und man sich mangels kleinerer 
Münzen mit der Teilung oder selbst Viertelung der Pfennige behalf 
(englische brokemony, zerschnittene Brakteaten u. dgl.). Es kommt daher 
erst ziemlich spät zur Prägung von Hnlblingen oder gar Vierteln (Ort) 
und es ist eine Ausnahme, wenn irgendeinraal wie in den Münzüber- 
einkommen zwischen Nordhauseu und Ellrich von 1350 und 13t>0 die 
Anuahmepflieht rücksichtlich der minderwertigen Hälblinge auf kleine 
Beträge eingeschränkt wurde, was sie als Srheidemünzen in unserem 
Sinn erscheinen lüfst. Dagegen hat sich infolge des fiskalischen Inter- 
esses der Münzberechtigten schon frühzeitig unter Zurückdrängung des 
Reichsmünzwesens der Begriff lokaler Währungsmünze entwickelt, der 
zum Rechtssprichwort : der Holler gilt nur dort, wo er geschlagen ist. 
Anlafs gegeben hat. (§ 29, G.) 

Vertraue von Nordhausen und Ellrich von 1350, 1360 bei Poaern-Klott, 
Sachsens Münzen, S. 351 ff. : Ein iglich man den man bezalt, der ml nemen under der 
irermark sevhz pheny wert helbelinye, he en welle er denne met willen nie nemen. Da 
die Wennark damals 32 Schilling oder 3H4 Pfennig betrug a. a. O. S. 167), so bestand 
die Annahniepflicht für die Hülblinge nur bis zu '/«i des schuldigen Betrags. — Über 
Brokemoney — gemeint sind die angelsächsischen Pfennige mit dem sog. Zwillings- 
fadenkreuz (Fig. 31, S. 50\ h. Sehmieder, Handwörterbuch der Münzkunde I, 93 — 
Koehne, Memoiren III, 361. Pas Zerschneiden von Münzen kann, wie § 24, 7 gezeigt 
werden wird, verschiedenen Zwecken dienen. Am 29. Mai 1347 wurde es durch Kg. 
Philipp VI. für Südfrankreich erlaubt, um Scheidemünze zu gewinnen. J. A. Blan- 
che t: Les monnaien coupecs in 11. X. IV, 1, S. 8. 

3. Allein der Verfall dieser Landeswährungen war im Mittelalter 
infolge der fiskalischen Ausbeutung des Münzregals (§ 28) ein unauf- 
hörlicher; mochten die Stücke nun ihren Ursprung von einem mäch- 
tigen Fürsten oder einem kleinen Münzherrn haben, so wurden sie doch 
von Jahrzehnt zu Jahrzehnt minderwertiger. Selbst die Städte ver- 
mochten ungeachtet ihrer auf Besserung der Münzzustände gerichteten 
Bestrebungen das Sinken des Münzfufses nicht aufzuhalten und die 
Barrenzahlung, die sich für den Grofsverkehr erhalten hatte, verbreitete 
sich in den mittleren und selbst in den Kleinverkehr, der dann die 
Leistungen statt nach Schilling, Pfennigen nach Silberloten bemafs. Die 
Groschenprägung, die ums Jahr lHOO in Böhmen beginnt und sich von 
da ab über die Nachbarlande verbreitete, brachte nur vorübergehend 
Abhilfe. Immerhin diente sie dazu, an Stelle der früheren, auf der 
Pfennigmünze aufgebauten Lokalwährungen eine unserm heutigen 
WährungsbegritT angenäherte Münze zu schallen. In dieser Beziehung 
ist namentlich auf das kursächsische Ubereinkommen von 1444 hinzu- 
weisen, das die Prägung von Groschen, deren zwanzig 2 Lot fein Silber 
enthalten und einen rheinischen Gulden werten sollten, als eine rechte 
starke Oberwährung« anordnete und daneben den Schlag leichterer 
schildichter Groschen als Beiwährung vorsah, zugleich aber auch be- 
stimmte, dafs auf Oberwährung lautende Verpflichtungen in Bei Währung 
nur nach einem schlechteren Kurs dieser getilgt werden könnten. 

Den verdienstlichen Vorsuch einer Übersichtlichen Darstellung der Münzzustande 
in Deutschland wahrend des Mittelalters bietet Inama Sternegg, Deutsche Wirt- 



gitized by Googl 



§ 23. Anfänge der Scheidemünze, Ober- und Beiwährung; Goldgulden. 167 



schaftsgeschichte, 3. Bd., 2. Teil, S. 363 ff. (Leipzig 1901). — Hirsch, Münzarchiv I, 
91 ff., vom Jahre 1444. Viele Beispiele, dafs Zahlungen von Jahresdionaten nicht in 
Pfennigon, sondern in Barrensilbor bedungen wurden, im Codex Dipl. Moraviac, z. B. 
4. Sept. 1269 Troppau von einer Mühle dimidiam marcam ac unum ortum et dimidiutn 
lotonem et alia servicia ad valorem lutonis . . . IV, 29. 

4. Inzwischen war vom Reiche der Versuch gemacht worden, neuer 
dings Einthals auf das Münzwesen zu gewinnen, wozu die Einbürgerung 
des Goldumlaufs im Reiche die Handhabe bot. Da vor dem Jahre 1325 im 
Reiche ungeachtet der 1232 den Bischöfen von Meissen und den Vögten 
von Plauen erteilten Ermächtigung kein Gold gemünzt wurde und die 
früheren Münzrechtsverloihungen, auch wenn sie allgemein lauteten, nur 
für Silberprägung ausgenutzt worden waren, so folgerte man daraus, 
dafs die Goldprägung den Gegenstand einer besonderen Verleihung durch 
das Reichsoberhaupt bilde. Seit der goldenen Bulle, durch welche das 
Recht der Goldprägung auch den Kurfürsten eingeräumt wurde, erscheint 
dieser Anspruch des Kaisers im grofsen 
ganzen auch Ein« rkannt, obgleich es einige /^Ä^gl^i-: 
Reichsfürsten, z. B. die Herzoge von Oster- 
reich, gab, die, wie es scheint, «lie Gold- Btfk • ,'l)&n' 
prägung ohne besondere Ermächtigung be- «8|Se3K 
gannen. %< ^^^^ 

Im 13. Jahrb. war nun K. Sigismund ^ M . 0oIdgald . Q E . m^ZL, ln ^ 
bestrebt, leitenden Einflufs auf die Goldprä- Jahren 1433-14.17 zu Hamburc Kepnigt. 
gung zu gewinnen. Seine Bemühungen, durch 

Errichtung von Reichsmünzstätten den 19karätigen Goldgulden zur Reichs- 
währung zu erheben, dio den Wünschen und Bestrebungen der Städte 
entgegenkamen, hatten zwar nur vorübergehenden Erfolg, weil es nicht 
gelang, das Gold auf die Dauer in ein festes Verhältnis zu dem silbernen 
Landesgelde zu bringen. Immerhin war aber die Ordnung des Münz- 
wesens nun wieder zur Reicbsangelegenheit geworden die namentlich 
seit K. Maximilian I. den Reichstag oft genug beschäftigte. Anfänglich 
beschränkte man sich dabei auf die »Ordnung« der Goldmünze, allein 
schon die zu Efslingen am 10. November 1524 verlautbarte Reichsmünz- 
ordnung K. Karls V. erstreckte sich auch auf Prägung von Reichssilber- 
münzen und dabei blieb es, obwohl diese Ordnung im Leben nicht 
durchgriff, bis durch dio Rcichsmünzordnung K. Ferdinand I. vom 
Jahre 1559 eine etwas länger dauernde Grundlage gewonnen wurde. 

Inama-Sternegg a. a. O. 398 ff . Derselbe: Die Goldwährung im Deutschen 
Reiche wahrend des Mittelalters (Zeitsehr. f. Sozial u. Wirtschaftsgeschichte III (1894). 
— Mein Vortrag : Das Wertverhältnis der Edelmetalle in Deutschland während des 
Mittelalters. Brüssel 1892. Die Keichstagsverhandlungen über Münze zu Freiburg 1488, 
Worms 1495, Lindau 1497, Augsburg 1500 usw., sowie die Reiehfmünzordnungen von 
1524, 1551, 155'.» in Hirsch, Münzarchiv I, lt>8 ff. Gmu vereinzelt stehen ein paar 
Falle im 13. Jahrh., in welchen der Kaiser dem mit dem Bergregal begnadeten Münz- 
herrn im Falle des (ioldvorkommens auch die Prägung von tioldmünzen gestattet 
Vgl. Mai 1232, l'ordenone, zwei Berg- und Münzprivilegien für B. Heinrieh von 
Meifseu und dio Vogte von Blauen, Heinrich d. Ä. und Heinrich d. J., bei Posern- 
Klctt, Sachsens Münzen I (L. 1846), S. 364, Nr. 47 und Hirsch, Münzarchiv I, 9, 
Nr. 12. Die nächste Verleihung zur Goldprägung, die bekannt ist, erfolgte 1339 für 




Digitized by Google 



168 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Herzog Rainald von Geldern. Pfcffinger, Yitriarius illustr. III, 471 (1754, Frank- 
furt a. M.). Auch Kg. Wenzel mufs unter denjenigen genannt werden, welche an einer 
Verbesserung der Münzzustande im Reiche gearbeitet haben. Vgl. seine Verordnung 
vom Jahre 1390 bei Hirsch, Münzarchiv I, N. LVU, 8. 53. 

5. Kennzeichnend für diese Reichsmünzordnungen im 16. Jahrh. ist, 
dafs dadurch die Münzberechtigung der Reichsstände , für das eigene 
Gebiet nach Bedarf eine besondere Landesmünze auszugeben, nicht be- 
rührt wurde. Wie grofs dieser Bedarf anzunehmen sei , war nirgends 
genauer bestimmt, ebenso fehlte es an einer allgemeinen Verpflichtung 
zur Ausmünzung von Reichsmünzen , denn selbst die Vorschrift der 
Efslinger Münzordnung von 1524, dafs jeder Münzberechtigte auf 10 Mark 
Landessilbermünzen mindestens 3 Mark in Reichsmünzen auszuprägen 
habe, ist aus den späteren Ordnungen von 1551 und 1559 wieder ver- 
schwunden. So blieben nur die Beschränkung der Landesmünze auf 
ein vorgeschriebenes Schrot und Korn und der Vorteil, dafs die nach 




Fig. 90 SilberguMen nach der kelohsmütixonlnuiig von 1669 Von K. Ferdinand I. 

für seine Lande geprägt. 

dem Reichsmünzfufs ausgebrachten Stücke überall irn Reiche Währungs- 
recht hatten, als schwacher Antrieb zur Ausmünzung von Reichsmünze, 
welchem indessen das finanzielle Interesse der Münzberechtigten ent- 
gegenstand , das aus dem Münzregal möglichst grofsen Nutzen ziehen 
wollte. Namentlich für jene vielen Münzstände, die entweder gar keine 
oder unzureichende Silberbergwerke hatten und daher das nötige Silber 
nur durch Ankauf sog. Pagamen te sich beschaffen konnten, erschien 
nur die Herstellung von Kreditmünzen lohnend. Da aber der Ausgabe 
von Scheidemünzen keine ziffermälsige Grenze gesteckt war — die 
Reichsmünzordnung von 1559 begnügte sich zu erklären, dafs niemand 
verbunden sei, Reichsmünzen unter Fünfergröfse im Betrage »über 25 fl. 
in Bezahlung und für Werschaft zu nehmen* — so wurde allgemach 
der Verkehr in Deutsehland mit unterwertiger Scheidemünze überflutet. 
Die bösen Folgen dieses Zustandes zeigten sieh, als das zu Beginn des 
30 jährigen Krieges plötzlich entstandene Geldbedarf Iiis allgemein das 
Kipper- und Wipperunwesen hervorrief. Von diesem Sehlage hat sich 
das Reichsmünzwesen niemals vollständig erholt, und seit der 2. Hälfte 
des 17. Jahrh. wird immer mehr das vertragsmäßige Vorgehen der 
grölseien Landesfürsten für die Münzzustände in Deutsehland bestimmend. 
Während nun die verschiedenen Konventionsmünzen innerhalb der Ver- 



gitized by Googl 



§ 23. Die Reichsinünzen seit dem 16. Jahrh.; Landes- und Handelsninnzen. 169 

bandsländer zum Währungsgeld , zur harten oder Kurantmünze wurden 
und sieh auch auswärts grofser Beliebtheit erfreuten, mulste sich der 
Kleinverkehr mit minderwertigen Kreditmünzen begnügen, die nur inner- 
halb ihres Ursprungslandes Umlauf hatten und Landmünzen genannt 
wurden. 

Die Akten über das neuere deutsche Münzwesen in Hirsch, Münzarchiv, 
Bd. I— VIII. — 1'ruun, Gründliche Nachricht von dem .... Toutscheu Münzwesen. 
3. Aufl., Leipzig 1784, Kap. V— VII. — Waldner Matth., Vorsuch eines Entwurfs der 
Hauptmomente des deutschen Münzwesens Innsbruck 1858. — Über Landmünze in 
Bpiitercin Sinn. Schmioder I, 269. 

6. Handelsmünzen im heutigen Sinne, also Münzen, denen der 
Prägestaat selbst keine Zahlungskraft beilogt, gab es in Deutsehland vor 
den Goldprägungen nicht; doch hatte der Handelsverkehr gewisse Ein- 
richtungen ausgebildet, um dem Empfänger gegenüber den Wertschwan- 
kungen der Ortsmünze den bedungenen Betrag an Edelmetall zu sichern 
(§ 21, 5). Die Erwähnung einer besonderen Kaufmannsmark und des 
Kaufmannskorns zeigt, dafs sich der Kaufmannsstand im Wege der 
Gewohnheit einen eigenen interlokalen Wertmafsstab für Schrot und 
Korn des Silbers geschaffen hatte, nach welchem die Verbindlichkeiten 
zu erfüllen waren. Die Stadtgenieinden, denen an der Aufrechterhaltung 
des Handels begreiflicherweise viel lag, sorgten dafür ihrerseits, indem 
sie in eigenem Wirkungskreise guten ausländischen Münzen, wie don 
englischen Sterlingen im 13., den Turnosen und böhmischen Groschen 
im 14. Jahrb., das Recht der Währung zuerkannten, auch wohl einzelne 
Stücke mit dem Stadtzeichen abstempelten (Fig. 22 S. 43). Es sollte damit 
aber keineswegs eine gegenseitige volle Vertretbarkeit der beiden Wäh- 
rungen vorgeschrieben, sondern nur die Zulassung beider als Umlaufs- 
mittel anerkannt sein ; darüber hinaus führte die Herstellung der marca 
argenti immJis siynata, der Marken tekens (§ 18, 12), bei welchen die 
Beidrückung des Stadtzeichens die Verbürgung für das »lötige Korns; 
bedeutete, während allerdings dir» Schwere von Fall zu Fall nachgewogen 
werden mufste, da die Gewichte der erhaltenen Stücke zu grofse Un- 
regelmässigkeit zeigeu, um eine andere Auslegung zuzulassen. Entschieden 
als Handelsmünze wurden die ersten Goldgulden in Deutschland geprägt, 
und es ist dabei höchst bemerkenswert, dafs sie ihren hohen Feingehalt 
nur so lange beibehielten, als sie Handelsmünze blieben, und dafs sie ihn 
alsbald verloren, nachdem man den Versuch gemacht hatte, sie zur 
Landeswährung zu machen. 

Vom 17. bis 18. Jahrh. an wurden von deutschen und auswärtigen 
Staaten für den überseeischen wie für den Handel nach der Levante 
Handelsmünzen mit besonderem Gepräge ausgegeben. Schon vorher 
wurden Landesmünzen, die sieh einer gewissen Belicbhcit im Auslande 
und daher eines sicheren Absatzes nach aulsen erfreuten, von den 
Münzherren über den Bedarf des eigenen Landes hinaus geprägt oder 
von Unberechtigten nachgeschlagen. Der <nr$ns moneta major der Wiener 
Pfennige, den das österr. Iluhhuch Ende des 13. Jahrh. auf etwa 14000 TX 
Pfennige veranschlagte, wenn Friede in Österreich und den Nachbar- 



ized by Google 



170 



Zweiter Teil. Geldgeschiehte. 



landen herrsche, ist als ein solches Beispiel aus früher Zeit anzuführen. 
Ungleich häufiger sind jedoch die Fälle unberechtigter Nachahmung 
gewisser vom Handelsverkehr gesuchter Gepräge, von den reneziani< 
sehen Grossi und den Florentiner Gnldgulden angefangen, bis herab zu 
den Luigini im 17. Jahrb., die in Nachprägung der von der Fürstin von 
Dombes veranlafsten Nachahmung der Louis de etnq-Sous in italienischen 
Münzstätten in den Jahren l6<>7/(>8 in grofsen Mengen für den Ilamiel 
nach dem Orient nachgeschlagen wurden, wo sie als Timmins von Fran- 
kistan grofsen Absatz fanden. (§8, 3; 9, 13; 16, 5). 




Fi(r. 91. FiK- '-'2. HeischlaR von FosOinoTO (In 

Frankreich, Ludwig XIX.. hör. Louis der Nahe von Oenua) , durch Maria 

de cinq-sous vom Jahre ICfiO Magdalena ( enturioni, f 1669. 



Handel smünze. s. Literatur zu §4, 6: In ama - S t e rn eg p , Deutsohe Wirt- 
schaftspeschichte III/2, S. 374 ff. — Über ßarrensilber n. ».O. 387 ff., Eintrüge im 
Ilandelsbuch der Wittenberg 1353 ... 50 mark lodich unde 3 ht Inbesch tekm, dat irar 
also getekent: — argenlum eraminatum atqur xignatum, in Strasburg seit 1293. a. a. 
O. 391, Anin. 1 ; abgestempelte, böhmische Groschen, abgebildet bei Beschreibung der 
Samudunp böhmischer Münzen des M. Donebauer. Prag 1888, I, Taf. XIX mit 
40 Beizeichen. — Smolfk J., Praske Grote, Prap 1894, S. 84 ff. und Taf. V mit 88 
verschiedenen Beizeichen. — über die Nachahmung der Louis de cinq sous durch die 
Herzogin von Dombes und die darauffolgenden italienischen Beischläge durch die 
Tassarolo, Fosdinovo, Torreplia usw. Engel - Serrure, Traitr de numismatique moderne. 
PariB 1897, 1,48, 49; Schmieder, Handwörterbuch, Nachtrag, S 118 ff In manchen 
italienisrhen Staaten wurde I*rivaten gegen Gebühren pestattet, Staatsmünzen für den 
Handel nach der Levante münzen zu lassen. So zu Modena Kil3 dem Juden Jakob 
Todi, 1G5S3 einem französischen Kaufmann, in I'arma 17% usw. Strozzi, Periodieo 
di »umismatica d'ltalia II, 132, III, 198. 

§ 24. Mtlnzpolitik. 

1. Entgegen der lange Zeit herrschenden fiskalischen Ausbeutung 
des Münznutzens durch die Münzherren war vereinzelt schon im Mittel- 
alter der Ansicht Ausdruck gegeben worden, dafs der eigentliche Zweck 
der Münze ein volkswirtschaftlicher sei und in der Förderung des Ver- 
kehrs bestehe. Solche Fragen hat schon Thomas vou Aquino 1267 in 
seinem für Kg. Hugo II. von Cypero begonnenen Werke de regimine 
prineipis (Kap. 13, 14) erörtert. Ihm war in Frankreich der von 
Roscher und Wolowski als grofser Nationalökonom des 14. Jahrb. 
geleierte Bischof von Lisieux, Nikolaus Oresme (f 1382), gefolgt. In 
Deutschland verficht der Tübinger Professor und Abt von Urach, Gabriel 
Biel (f 1495). in seinem Traktat de tnonetarum potestüte et tttüitate den Ge- 
danken, dafs die Münze keine Finanzquelle des Fürsten bilde, dafs sie 
vielmehr als wirtschaftliches Mafs aller im Verkehr stehenden Güter 
vollwertig sein müsse, so dafs höchstens ein mäfsiger Schlagschatz zur 



by Googl 



§ 23. Beischläge beliebter Münzen. § 24. Münzpolitik. 



171 



Deckung der Herstellungskosten abgezogen werden dürfe. Eine Be- 
reicherung des Fürsten durch Münzgewinn sei unstatthaft, höchstens in 
Zwangslagen des Staates, z. B. in Kriegsnöten dürfe mit Zustimmung 
der Untergebenen für staatliche Zwecke Kreditmünze ausgegeben werden 
u. dgl. mehr. Es hat jedoch noch Jahrhunderte gebraucht, ehe diese 
und ähnliche (iedanken allgemein durchdrangen. Heutzutage ist aller- 
dings der Münzgewinn aus dem Kreise der ordentlichen Staatseinkünfte 
ausgeschieden, so dals er in neuen Handbüchern der Finanzwissenschaft 
nicht mehr vorkommt, allein wer weifs, ob wir über die von Biel in 
Kriegsnöten für statthaft erklärte Münz Verschlechterung schon hinaus 
wären , die uns das Kippergeld , die Ephraimiten und manch andere 
Kriegsmünzen (§ 16, 6) bis auf die österreichischen Kupfermünzen in 
den Franzosenkriegen gebracht hat, wofern nicht die Notenpresse für 
solche Zeiten ein noch bequemeres, allerdings aber auch gefährlicheres 
Auskunftsmittel wäre. 

Vgl. § 3, 1. Aus Gabriel Biels Tractatus de Monetarum potettate, der sich in der 
1574 zu Köln verlegten Sammlung der Tractatus varii atque utiles de moneti« des Mat- 
thäus Boifs, S. 1 — 9 findet, hebe ich hervor: F. 2 numisma est certa mensura omniutn 
commutabilium .... notandum quod tantum debet rsse pondus in numinmate. quantum 
fuit in matcria de qua moneta est fafiricata sattem deduetis erpensis et tabore secundum 
Innocencium, licet non secundum Bartolum, secundum quem expense debent solri de publica. 
— Eheberg, Finanzwissenschaft, 5. Aufl., Leipzig 1S98, übergeht das Münzwesen ganz 
und rechtfertigt dies S. 60 damit, dafs diejenigen staatlichen rntornehmungen, die der 
Staat nicht um des Erwerbes, sondern um anderer Gründe willen betreiht, wie die 
Münze, überhaupt nicht als Erwerbsanstal ten aufgefafst werden können. Dazu Mi- 
rabean in De la monarchie pritssienne, Ixmdon 1788, T. IV, 30, Li vre VT. Auf die 
Frago, ob das Miinzregiil Gewinn abwerfe ... Xous repondron* nettement, qw cette 
question est absurde, et que Von ne sauroit gugner sur la nwnnoie, quoique asxurimcnt <>n 
puisse voler sur eile 

2. Teils als Forderungen der Wissenschaft, teils als Ergebnisse der 
Erfahrung worden unter dem Ausdruck Münzpolitik jene Grundsätze 
zusammengefafst, auf die bei der Herstellung von Münzen Rücksicht zu 
nehmen ist, damit diese ihren obersten Zweck, bequemes und sicheres 
Preismafs zu sein, erfüllen können. So soll der Metallwert jeder 
harten Münze möglichst genau ihrem Nennwert entsprechen, die Menge 
des umlaufenden Geldes mit den jeweiligen Bedürfnissen im Einklang 
stehen, namentlich die Ausgabe von Scheidemünze mit der Einwohner- 
zahl des Staates in ein gewisses Verhältnis gebracht werden. Der Staat 
soll ferner jederzeit in der Lage sein, die von ihm in Umlauf gesetzte 
Münze gegen Währungsmetall einzulösen. Andere Sätze beziehen sich 
mehr auf die technische Seite der Ausmünzung, auf den richtigen Ab- 
stand in der Gröfso der einzelnen Münzgattungen, die Gestalt der Münzen, 
die Beschaffenheit des Gepräges, die Metallmischung, Remedium und 
Fassiergewicht, endlich auch auf die Frage der Vereinigung oder Teilung 
des Münzbetriebs u. dgl. 

Grote. Geldlehre, § 20, S. 113 ff. : St ück cl borg, 8. 137 ff. — Koscher, 
System der Volkswirtschaft III (3. Aufl., 188?, §41 ff. — Karmarsch K., Beitrag zur 
Technik d Münzwesens. Hannover 1856. — v. Ernst, Münze. Prag 1882. — Büsch. 
Grundsatze der Münzpolitik. Haniburg 1789. (S. A. aus dem 2. Bde. seiner Handlung» 



Digitized by Google 



172 



Zweiter Teil. Goldgeachichto. 



bibliothek. S> c h in o 1 1 e r , Über die A Unbildung einer richtigen Seheidemünzpolitik vom 
14.— 18. Jahrb. in seinem Jahrbuch XXIV, 4. Heft, S. 1 ff. (1247 ff.). L. 1900; der»., 
Grundrifs d allgem. Volkswirtschaftslehre (L. 1904), II, § 166, S. 81 ff. 

3. Die meisten Vorschriften der Münzpolitik waren dem Mittelalter 
fremd und sind erst in späterer Zeit aufgestellt oder doch durchgesetzt 
worden. Wie lange die Unterscheidung von harter und Scheidemünze 
unbekannt war, wurde schon hervorgehoben. Begreiflicherweise fehlte 
es ebenso bis zum Zeitalter der Groschenprägung an einer angemessenen 
Abstufung der verschiedenen Münzgattungen, auf welche man jetzt Ge- 
wicht legt. Wie selbstverständlich erscheint uns die Forderung, dafs 
Gröfse, Metall und Benennung der Münzeinheiten hinreichend unter- 
schieden sein sollen, um irreführende Verwechslungen auszuschliefsen, 
früher hat man dies leichter genommen. Die nach ihrem Münzbild 
tnoutons (Vor genannten brabantischen Goldstücke kommen z. B. in zwei 
Gröfsen (30 und 35 mm) vor und wurden als einfache und Doppelstücke 
bezeichnet und verrechnet, obgleich ihr Gewicht von Anfang an auf 4,70 g zu 
5,80 g (statt, wie man erwarten sollte, 9,40 g) gestellt war. Ebenso sucht 
man jetzt für die Legierung möglichst einfache Verhältniszahlen und hat 
sich daher bei den harten Münzen nach französischem Muster ziemlich 
allgemein für 900 Tausendstel entschieden, im Mittelalter herrschte gröfste 
Regellosigkeit, auch begnügte man sich nicht mit dem Kupfer allein, 
sondern setzte dem Golde wohl Silber und Kupfer zu. Dafs man die 
Feingehalts- und Gewichtsproben nur al marro vornahm, wurde schon 
gesagt, noch weniger genau nahm man es mit der Gestalt und Gröfse 
der einzelnen Stücke, was freilich nicht zu verwundern ist, denn jetzt 
werden die Zaine auf die erforderliche Dicke durch Walzen gestreckt 
und die Sehrötlinge mittels eines Durchschlageisens gleichmäfsig aus- 
gestanzt; früher muteten sie ausgehämmert werden und wurden dann aus 
freier Hand gestückelt. Das Senkungsverfahren gestattet, von einer Pa- 
trize die erforderlichen Matrizen in beliebiger Zald abzuformen, so dafs 
das Gepräge der einzelnen Stücke haarscharf übereinstimmt und Ab- 
weichungen zum Kennzeichen der Fälschung werden; im Mittelalter 
und darüber hinaus wurden die Stempel, obwohl man schon Punzen ver- 
wendete, jederzeit aus freier Hand gemacht oder mindestens überarbeitet, 
so dafs die Zahl der Stempelverschiedenheiten eines und des nämlichen 
Gepräges oft zahllos ist. Mit einem Worte, heute erfolgt die Münz- 
erzeugung als grofsartiger Fabrikbetrieb in wenigen Münzhäusern, im 
Mittelalter und noch lange danach handwerksmäfsig über das Land zer- 
streut in kleinen Münzschinieden. 

Zu den münzpolitischen Mafsregeln, durch welche die Städte eine Besserung 
der Münz Verhältnisse herbeizuführen suchten, gehört die Gepflogenheit der nieder- 
sächsischen Stitdtc, sieh gegenseitig die Münzen zuzuschicken, um sie auf ihre Probe- 
hultigkeit prüfen zu können. <i rote, Münzstudien IV, 5 ff. Anderwärts war allerdings 
die Sorge für die Einhaltung eines bestimmten Feingehalte viel geringer. Im mäh- 
rischen Funde von Kyselowilz, der etwa um 1*270 — 1278 vergraben wurde (beschrieben 
Koehne, Herl. Itl. III, 1*06, S. 5H;, wiesen 1"> der am häutigsten vorhandenen ( Je- 
präge folgende Feingehalte auf: 0,25t", O.ftW (2 mal), 0,374, 0.464, 0,468, 0,483, 0,500 
(2 mal , 0,502, 0,504 , 0,505. 0,520, 0,ol4 (nach Kupellenproben, die ich veranlagt habe;. 



§ 24. Mangel vieler münzpolitischer Einrichtungen im Mittelalter. 173 



Noch früher beginnt die Unregelniafsigkeit der Gröfse und des Münzgewicht«. Sa Da- 
tier macht aufmerksam (Koehne, Memoiren V, 297), dafs unter den byzantinischen 
KupformÜnzen eines Kaisers und der nämlichen Münzstätte trotz gleicher Wertbezeich- 
nung erheblicho Gröfsenunterschicde, z. B. von 28 — 40 mm, vorkommen. Er besafs 
z. B. zwei wohlcrhaltene Stücke des K. Konstans II. (641— 6G8) gleichen Gepräges aus 
der Münzstatte Alexandrien, boidc mit der Wertbezeichnung I— B versehen, die nach- 
folgende Verschiedenheit aufwiesen: 

A. B. 

Gewicht 1,806 g 0,477 g 

Durchmesser 2f> mm 19 mm 

Dicke 5 mm 2 mm 

Den auffälligen Gewichtsunterschied zwischen dem mouton und dem double mouton hebt 
Dannenberg in Z. f. N. XX, 112 bei Besprechung von A. de Wittes Histoire 
monetaire dfs comtes de Louvnin usw. hervor, und Cumont, Etüde sur le cours des 
monnaies en Brabant ^Brüssel 1902, S. 34), erklärt : Cette proportion d'un double mouton 
pour deux petita o erlitte des la creation du double mouton. comme il resulte des comptes 
usw. Eine genaue Justierung der rheinischen Goldgulden, die glich geschroden und 
gewegen werden sollen, findet sich erst im Münzvertrag von 1399, für die Albus erst 
1417. Lara p rocht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter (L. 1885) II, 392. — 
Über die grofse Zahl der Münzstätten in früherer Zeit und deren Beweglichkeit vgl. 
Grote, Geldlehre, §22 >Der Münzfabrikbetrieb*, 157 ff., Hofmann, Die Lehre vom 
Gelde, 8. 32. Vgl. auch die Bemerkungen zu § 11, 1 und Röfsler in Grote, Münz- 
studien VII (1871), 471 ff.: Die Vermünzung des affinierten Goldes. — Über dio grofse 
Zahl von Stein pol Verschiedenheiten, die Ausführungen von Frl. de Man in Cmsidera- 
tions sur trois sceattas anglo-sarons identiques du cabinet de la sociiU frisonne ä 
uarde in Tijdskri/t . . . vor Munt en Penningkunde. Amsterdam XII .1904), S. 119 ff., 
ferner die Angaben übor Münzfundc § 10, Abs. 12. 

4. Es gab jedoch im mittelalterlichen Münzwesen auch mancherlei 
Einrichtungen, die man füglich als münzpolitische Vorkehrungen be- 
zeichnen kann. Sie waren zum Teil durch die fiskalische Auflassung 
vom Wesen der Münzo veranlafst und sind schon lange verschwunden. 
Hierher gehört z. B. der oftmalige Wechsel des Münzbildes, der mit der 
in manchen Münzstätten jährlich oder selbst in kürzeren Zwischenräumen 
vorgenommenen Münzverrufung zusammenhing und an die Erfindungsgabe 
der Eisenschneider die Anforderung stellte, für die neue Münze ein von dem 
früheren augenfällig unterschiedenes Gepräge herzustellen. Man vergleiche 
einmal die beabsichtigte Einförmigkeit unserer neuen Münzen mit dem 
Bilderreichtum deutscher Hohl- wie Dichtmünzen im 12. und 13. Jahrh. 
Vom Askanier Bernhard, der als Graf von Anhalt zehn, als Herzog von 
Sachsen 22, im ganzen also 32 Jahre (1170—1212) regierte, hat Elze 
in seiner unvollendet gebliebenen Zusammenstellung 19 Brakteaten aus 
der Grafenzeit und ()9 aus herzoglicher Periode veröffentlicht, eine Zahl, 
die sich mit den bekannten Nachträgen schon heute auf rund 100 stellt, 
so dafs also durchschnittlich drei verschiedene Brakteatengepräge auf 
jedes Regierungsjahr dieses Herrschers entfallen. Den 155 Jahren vom 
Aussterben der Babenberger bis zum Ende des 14. Jahrh. entsprechen 
rund ebensoviele Gepräge von Wiener Pfennigen; noch gröfser ist die 
Zahl der Brandenburger Gepräge vor dem Herrscherantritt der Holien- 
zollern usw. In andern Fällen freilich wurde schon im Mittelalter das 
einmal gewählte Gepräge durch Jahrhunderte fortgesetzt, bezeichnender- 
weise treffen wir diese Beispiele vor allem bei Handelsstaaten oder 



Digitized by Google 



174 



Zweitor Teil. Üoldgcsc iehte. 



Handelsmünzon. Abgesehen vom Type immobilise, von dem schon § 8, 5 
die Rede war, sei an die deutschen Heller, die böhmischen Groschen, 
und vor allem an die venezianischen Zechinen erinnert, die ihr Gepräge 
über ein halbes Jahrtausend (1284—1835) behielten. (Fig. 28, S. 4t>). 

Th. Elze, Die Münzen Bernhards, Grafen von Anhalt, Herzogs von Sachsen. 
2 Hefte, Berlin 1*70, 1881. — Meine Zusammenstellung der Wiener Pfennige von 
1246—1400 in Wien» Geschichte I, II. — Bahrfei dt E., Da« Münzwesen der Mark 
Brandenburg, I (1889) mit über 700 brandenburgischen Gepragcn für die Zeit von 1170 
bis 1415 auf Taf. II— XXII. Im Münzfund von Rakwitz fanden sieb über 130 ver- 
schiedene Gepräge der Herrscher von Böhmen und Mühren aus den Jahren 1055 bis 
1140. W. N. Z. XIX, XX. Heutzutage hingegen gilt als ein Haupterfordernis guter 
Münze grofstmftglicho Unveründerlichkeit der Münzatempel. Roscher, System Hl, 
3. Aufl., St. 1882, § 41, S. 200. 

5. Höchst eigentümlich waren die Vorkehrungen, um den Münzfufs 
bei al »«r/rco-Prägungen einigermafsen zu sichern. Diese unvollkommene 
Art der Ausmünzung hatte bekanntlich zur Folge, dafs nur die wenigsten 
Stücke genau auf das vorgeschriebene Gewicht geschrotet wurden. Bei 
den übrigen sollte das oft recht beträchtliche Untergewicht der einen 
durch ein entsprechendes Übergewicht der andern aufgewogen werden, 
was zum Heraussuchen der allzuschweren Stücke verlocken mufste, weil 
man beim Einschmelzen derselben einen kleinen Gewinn erhoffen konnte. 
Man nannte diese gewinnsüchtige Sichtung des Geldes mit einem vom 
Gebrauch der Saiger genannten Wage gebildeten Ausdrucke saigern. 
Allgemein galt das Saigern als eine hochsträfliche Handlung, allein die 
Verbote halfen wenig oder nichts; denn das Aussuchen der schweren 
Stücke begann schon in der Münzstube und wurde nach Ausgabe der 
Pfennige von Laien und Geistlichen als müheloser Erwerb so lange fort- 
gesetzt, als noch überwichtige Stücke in Umlauf waren. Das Saigern 
wirkte also als beschleunigte Abnutzung der Pfennige; nachdem er- 
fahrungsgemäß schon der unbeabsichtigte Verlust, den die einzelnen 
Stücke bei fortgesetztem Verkehr durch mechanische Abreibung langsam 
erfahren, dazu hinreicht, um mit der Zeit den Münzfufs zu erschüttern, 
kann man sich denken, um wieviel verderblicher die erwähnte gewinn- 
süchtige Ausscheidung der schwereren Pfennige sein mufste. Darum 
lüfst sich der Gedanke nicht abweisen, dafs die später mifsbrauchten 
periodischen Münzverrufungen ursprünglich der Münzpolitik dienen 
und den durch das Saigern bedrohten Münzfufs aufrecht erhalten 
sollten. Je mehr sich indessen die Münzverrufungen zum Mittel um- 
bildeten, das dem Münzberechtigten eine ergiebige Einnahmsquelle er- 
öffnen sollte, um so weniger vermochte man mit ihnen allein den früher 
erwähnten münzpolitischen Zweck zu erreichen. Das Auskunftsmittel 
das man traf, ist allerdings den volkswirtschaftlichen Anschauungen, 
die heute das Münzwesen beherrschen, gerade entgegengesetzt. Statt die 
Stückelung al mareo. welche die eigentliche Quelle des Übels war, auf- 
zugeben, nahm man die Einwirkungen der Saigerung auf den Münzfufs 
geradezu in den Münzplan auf, indem man, um deren mutmafslichen 
Ertrag gleichfalls dem Münzherrn zuzuwenden, die Pfennige in dem 



Digitized by Google 



§ 24. Mafsregcln gegen das > Saigern < : Münzverrufe, Reiterbüchsan. 175 



Mafse, als das Jahr vorrückte, nach einem immer leichteren Münzfufse 
ausgab. (§28, 10). 

Der Saiger ist die fürs Justieren der Münzen eingerichtete Wage (vgl. Schröder, 
Über Saiga in Z. f. N XXIV, 339 ff.) Daher durfte nach dem Erfurtor Münzrecht 
Tosern-Klett S. 319, 330) niemand, mit Ausnahme de» Münzmcisters, di wage di 
man heizet seiger, da man die sireren Pfenninge mite poisit uz den andern, besitzen. 
Ähnliche Verbote auch zu Freiberg, Regensburg, Wien usw. Diese Wagen waren wohl 
nach Art gewisser Dukatenwagen eingerichtet, welcho WUgung ohne Auflage eines Ge- 
wichts gestatten, weil die eine Schale genau um einen Dukaten schwerer ist als die 
andere. Über die periodisch wiederkehrende Verminderung des Münzfufscs zur Ab- 
wendung der Folgen des Seigerns in Österreich, Steiermark, Böhmen, Merseburg, Braun- 
schweig usw. Vgl. § 28, 10. 

6. Harmlos war das Mittel, durch das die Regensburger dem Saigern 
zu steuern und den Münzfuß aufrecht zu erhalten suchten : ausgesaigerte 
Pfennige wurden, wo immer man sie antraf, zuhanden des Münzmeisters 
eingezogen, der sollte dann diese überwichtigeu Stücke mit gemainen 
Pfenningen wider zclen, also das dy swäreti pfenning ttnter die werlt wider 
kämen. Es ist sehr zu bezweifeln, ob dies viel geholfen hat; jedenfalls 
zweckmässiger war die Ubereinkunft vom Jahre 1390 der Stadt Strafs- 
burg mit ihrem Bischof, dem Abt von Murbach, dem Landgrafen vom 
Elsafs und einer Reihe von Städten (Hagenau, Kolmar, Schlettstadt usw.), 
in der sich die Strafsburger verpflichteten, überall riter (= Reiter = Sieb) 
für ihre Münzen aufzustellen, und zwar Büchsen mit einem nach der Länge 
und Breite der Münzgattung, zu deren Prüfung sie dienen sollten, sorg- 
fältig gearbeiteten Schlitz. Als vollwertig galten nun nur jene Stücke, 
welche in der Öffnung stecken blieben, alle übrigen, die durch das Sieb 
fielen, waren nach den Bestimmungen des Vertrages unterwertig und 
mufsteu zerschnitten und eingeschmolzen werden. Durch Aufstellung 
dieser Reiterbüchsen wurde also die Passiergröfse und dadurch mittelbar 
das Passiergewicht der Strafsburger Pfennige bestimmt und den Folgen 
des Saigerns wirksam begegnet. 

Die Vorschriften der Regonsburger Münze zur Verhütung des Reigerns betonen 
wiederholt: teer das tut, er aey gaistlich oder ux-ltlich usw. Muffat, Beitrage z. Gesch. 
d. bayer. Münzwesens (in den Abhandig. d Kgl. Akad. d. Wissensch., XI. Bd., I. Abt.. 
S 2GB). über die Strafsburger riter s. Cahn, Münz u. Geldwesen, der Stadt Strafs- 
burg, Strafsburg 1895, S. 52. Cahn leitet den Namen von *richten, auch wohl rihter 
geschrieben, ab; es ist jedoch das inhd. riter, reutere (Sieb, Reiter, cribrum; gcf. Mit- 
teilung von Prof. E Schröder). 

7. Sowohl das Anschneiden als das Zerschneiden der Münze hat 
im Mittelalter sehr verschiedenen Zwecken gedient. Weitaus in den 
meisten Fällen bedeutete es — wie noch heutzutage — Vernichtung des 
Münzcharakters. Unterwichtige Schrötlinge und Pfennige, falsche, nicht 
probehaltige Gepräge, altes verrufenes Geld wurden darum von den 
Münzbeamten beim Betreten an- oder durchgeschnitten, bisweilen auch nur 
gelocht, und der Eigentümer, dem die Teile etwa zurückgestellt wurden, 
hat nun nicht mehr Münze, sondern Metallstücke in Händen, geradeso 
wie es heutzutage demjenigen ergeht, der in der Bank von England ein 
unterwichtiges Goldstück zur Zahlung einreicht. Dafs der Einschnitt 



Digitized by Google 



170 



Zweiter Teil. Gehlgeschichte. 




big 93. Suatopluk Ilrrzog von 
Olmüti seit 1092, t 1109 hIs 
(iMifuherzoK von Böhmen Ein 
goschnittener Pfounlg aus dein 
n»ikwit/«»r Kunde W. N. Z XIX, 
181, T. III. 63. 



gleiche Bedeutung haben konnte, ersieht man daraus, dafs im Münz- 
schatz von Rakwitz, der zum Zweck der Umprägung gesammeltes Münz- 
gut enthielt, gewisse Gepräge, von welchen mir 30, 50 und noch mehr 
Stücke durch die Hände gingen . durchwegs den kurzen Einschnitt 
einer Blechschere zeigten. Auch die Pfennige, deren Abschnitzel man 
in Hacksilberschätzen (§ 18, 8) neben wohlerhaltenen Stücken antrifft, 
wurden durchs Zerschneiden ihrer Münzeigenschaft beraubt, doch mufs 
man sich gegenwärtig halten, dafs die unbekannten — wahrscheinlich 

slawischen Völkerschaften — die solches taten, 
alle zu ihnen gebrachten Münzen damals nicht 
als solche, sondern nur als Silber schätzten. Das 
Zerschneiden kann also hier nur Vorbereitung 
zur Herstellung von Gufskuchen, wie solche ge- 
wöhnlich beiliegen. Mittel zu Ausgleichung kleiner 
Gewichtseinheiten oder eine Feiugehaltsprobe sein 
— möglicherweise auch alles zusammen — be- 
zwecken. Ahnlich würde es sich mit angeschnit- 
tenen Münzen aus Funden von den Faeröern oder 
Island verhalten; anschaulich wird uns geschildert, wie hier während des 
Frühmittelalters Zahlungen mit ausländischen Münzen ausgeführt wurden : 
Der Empfänger besichtigte die dargebotenen Pfennige und beurteilte 
nach deren Farbe den Silbergehalt, waren die Parteien dann über die 
Güte der Münzen einig, so wurde die geschuldete Menge zugewogen. 
Kennzeichen des alten gesetzlichen Silbers aber sind nach der Grngas, 
dafs »in dem Pfennig mehr Farbe von Silber ist als von Messinge, und 
dafs er den * Einschnitt aushält und ebenso von aufsen ist wie von innen. ' 

Das Zerschneiden von Münzen sollte endlich, 
wie schon in § 22, 2 angedeutet ist, unter Um 
ständen auch den augenblicklichen Bedarf nach 
Scheidemünze befriedigen. Dies bezeugen nicht 
blofs einige schon angeführte Nachrichten aus- 
drücklich, sondern dies ist auch aus der manchen 
Gepräge!) eigenen symmetrischen Anordnung der 
Münzbilder zu erschliefseu, die so beschaffen ist, 
dafs die Hälfte oder selbst ein Viertel eines solchen 
Pfennigs die Ergänzung des Bildes mit Sicherheit KiK 9i „ rnku . llt einc , unbc . 
ermöglicht. Es gibt sogar Gepräge wie das hier stimmt« Mtoiherrn 8US rhö- 

_, " , , , I«. ..i ringen mit angemutetem Tel- 

iMg. \U abgebildete, welche durch einen quer über i,„ 1K ^iriPh vgl. bi f M*ir 
das Münzbild verlaufenden Strich die Richtung * r ^^J^^"' 
«ler künftigen Teilung vorzeichnen. 

Zerschneiden «><ler Zerbrochen «ler Pfennige als Zeichen «ler Ungültigkeit. Ver- 
ordnung K. Lothars für Italien von 832: De moHf/w im/ttiratnr .... rmtmtamen usqw 
missa s. Johannis dmarium argenteunt et non fractitm euiüBCUnqw momtae rrei/iiatur. 
Man. Herrn. 4° Lei/um Sectio II, Bd. 2 II. ISMO:, S. «vi, Nr. 202, bei PerU, M«jn. G. 
LL. I, 4'M, K. hudwiir Ii. nnd dem Jahre 856 zugeschrieben — K. Friedrichs II. Hand- 
feste für Goslar von 1219: hat ein Kaufmann, bei dem falsche Pfennige betroffen 
wurden, sich los^eschworen itn demum inrisi deb-nt ti rmtitni. Hui 1 1 a r d - Br e h o 1 • 
Ich, Hist Frid-riei II Bd. I, 646 (P. 1852). Augsburger Sta<ltrecht vom J. 1276, Art. VIII: 




Digitized by Googl 



■ 

§ 24. Münzpolizei: Zerschnittene Münzen, Preissatzungen. 177 



§ 29. Man sol auch wirzen, suenne man die alten phenninge verbiutet ze naemenne 
8\cer darnach mit den alten phenningen kaufet oder cerkaufet, swa des vogtes boten 
unde des munzmeisters darin chomment. die suln die phenninge naemmen und suln 
ieglichen enzwey sniden unde suln ieme diu stuke trider gaeben dem si die phenninge 
genommen habent und sol darüber keine galtnusse mer liaben. Ausgabe von Ch. Meyer, 
Augsburg 1872, S. 22. — Eingenchnittene Pfennige im Münzfund von Rakwitz (Mahren) 
s. W. N. Z. XIX, 181 ff., lfd. Nr. 53, 84, 87—91. — Ungiltig machte auch das Durch- 
löchern von Münzen : Nach der Heidelberger Goldschmiedeordnung von 1663 sollte 
der Goldschmied, dem falsche Münze unterkommt, >ein loch darin schlagen*. F. Mzztg. 
I, 428. — Anschnitt als Feingehalts probe v. Amira, Xordgormanische.s Ob- 
ligationenrecht II (Leipzig 1895), S. 516. — Münzhälften als Scheidemünze: 
Blanchet J. A., Les monnaies coupees in R. N. IV, 1, S. 1 ff. Die Gepräge dor breiten 
Pfennige im Rakwitzer Funde Uelsen ihrer symmetrischen Anordnung nach meist die 
Teilung in zwei Hälften, oft sogar die Viertelung zu. Vgl. W. X. Z. XX, Taf. VII bis 
IX. Halbteilungen kommen namentlich oft bei Brakteaten vor, daher auch in firak- 
teatenfunden dergleichen Hälften häufig sind, ja seihst Münzbildcr mit dem für die 
allfällige Teilung verzeichneten Strich vorkommen. Dafs man indessen auch bei Dicht- 
pfennigen auf das Zerschneiden rechnete, zeigen viele Münzbilder der brandenbur- 
gischen Pfennige. — Nicht mit münzpolitischen Maßnahmen zusammenhängend, ist die 
Verwendung zerschnittener oder gebrochener Münzen als Erkennungszeichen und Er- 
mächtigung zur Empfangnahme einer I^eistung. Als Beispiel führe ich einen Eintrag 
aus dem ungedruckten Geschäftsbuch der Uogonsburgcr Knuflcute Runtinger an, S. 70, 
1398: Item dez gelcz daz dem Sigmund Grafen auz dmi obgexchriben »Uber worden ist 
zu Venedig und euch von dem zelWn pfard etc dezscftien gelcz hat er zu Venedig lazzn 
zu dem Barthohme Barütt Ve und XXXI dueat und XXV grofs. Der hat im zu 
worzaichen geben ainen venediger groschen. der ist enezway }>roehcn, dez han ich daz 
tnynner taü hk; wann man dem Bartholome daz warzaichen pringt und daz man im 
darzu sait, daz er dem Sigmund Grafen iij plattete t altin enpholhen hab, dem sol der 
Bartholome geben daz gelt. Auch sol man dem Bartholome dez G raffen hrif da mit 
senden, den der Sygmund mit seiner hand gesehriben hat. — Besonders häufig findet 
man halbierte römische Münzen in der Schweiz (unter ca. 2000 Stück, die 1897—1898 
auf dem Gebiet von Vindonissa ergraben wurden, fand man 250 geteilte Stücke, dazu 
eines, bei welchem die Teilung noch nicht vollendet war. Stückelberg in Z. f. N. 
XXII, 43. — Über dos Vorkommen geteilter römischer Münzen an der Donau siehe 
Schmidel in Bl. f. Mzfr. 1904, Nr. 1, 8p. 3081. 

8. Als münzpolitische Mafsregeln einer vergangenen Zeit müssen 
endlich auch Preissatzungen für Waren und Münzen angeführt werden. 
Allgemeine Preissatzungen, die sich ebenso auf Waren wie auf den 
Arbeitslohn der verschiedenen Gewerbetreibenden erstreckten, wurden 
zu Wien im 13. Jahrh. vom Rat alljährlich zur Zeit der Münzerneuerung 
aufgestellt und noch im 15. Jahrh. bei gleichem Anlafs veröffentlicht. 

Einer späteren Zeit als jener der jährlichen Münzverrufungen ge- 
hören die Preissatzungen für alte oder ausländische Gepräge an, die 
Münztarifierungen, Münzvalvierungen, Münzmandate und wie sie sonst 
noch hiefsen. Es handelte sich dabei darum, solchen im Verkehr blofs 
geduldeten Münzen, welche, um einen schon im 15. Jahrh. üblichen 
Ausdruck zu gebrauchen, »Bei Währung* waren, gegenüber denjenigen 
Landesmünzen, welche die ? Oberwährung« — entsprechend unserm 
Kurant — bildeten, einen unsteigerlichen Umlaufswert beizulegen. Man 
bediente sich zu diesem Zwecke schon im Mittelalter der sog. Valvations- 
tabellen, an welche, wie ein in den Anfang des 15. Jahrh. zurückreichendes 
Beispiel im Lüneburger Ratsarchiv zeigt, Originale der bewerteten Münzen 
angeheftet wurden, um jeden Zweifel auszuschliefsen. Solche Aus- 

Luschin, Numismatik 12 



Digitized by Google 



178 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



schreiben sind daher zu des gemeinen Mannes Danachachtung gewöhn- 
lich mit Abbildungen ausgestattet; zuweilen ging man jedoch um einen 
Schritt weiter, indem man die zum Umlauf zugelassenen Münzen ab- 
stempelte und für diese Mühewaltung auch wohl vom Besitzer eine <ie- 
bühr. einzog. 

Hec e$t forma institutionis que fit per civium arbitrium anmiatim tempore quo 
denarii renorantur pro rerum rcnalium qualibrt rmptionc. Wiens Kernte und Freiheiten 
(1877), I, Nr. XII. — Ein Faksimile in der vom Altertum« verein herausgegebenen Ge- 
schichte Wiens I, Taf. XIV. — Cber spatere l'reissatzungen von 1460 und 1474 a. a. O. 
II, 828, Nr. 2 und S. 865, Nr. 24. — Dergleichen Münzbewertungen finden sich schon 
in dem Übereinkommen der vier rheinischen Kurfürsten vom Jahre 1386. Hirsch, 
Reichsarchiv I, 50. — Vgl. ferner oben die Literatur zu § 3, 1. Vom 16. Jahrb. her 




FIr. 95. Tulor «Je* SnUburgor Krzblschufs Maximilian Gundolf von Khuenburjr 
vom Jahre 1877, mit dem ileiBtempel mit welchem lfiM alle im Erzbistum tum 
Umlauf KuijelaiBeneu Stück« verschen wurden. 



ist ihre Zahl schier unübersehbar. Solche aus der Kipperzeit, Hirsch IV, S. 116 ff. 

Über die Lüneburger Valvationstabellen a. d. Mittelalter s. num.-sphrog. Anzeiger. 

1869, Nr. 18, S. 138; 1882, Nr. 1 — Berichte über Münzproben im Frankfurter Archiv 
von 1398—1496 erwühnt P. Joseph: Goldmünzen des XIV. und XV. Jahrb. (Frank- 
furt a. M. 1882), S. 59. — Wuttke R., Die Probationaregister des obersächaiachen 
Kreises. W. N. Z. XXIX, 237 (1897). — Meyer Ad., Das Probierbuch des Nürnberger 
Münzwardeins Hans Huefnagel 1605—1612. W. N. Z. XVIII, ST (1885). - Überstempelte 
Münzen s. 6, 7, 8. 8o wurden z. B. in Salzburg unter Erzbisehof Maximilian Gun- 
dolph Im Jahre 1681 alle in I rnlaiif befindlichen harten Münzen, Beibat wenn sie von 
diesem Kegenten herrührten, überstempelt (oben Fig. 95). — Ähnliche münzpolitische 
Experimente in Frankreich 1690— 1726) erwühnt v. Schröttei in Z. f. N. XX IU, (1902). 
<; fi. — Stempelung der paderbornischen Kupfermünzen 1763 (um die ungestempelten 
aufser Vorkehr setzen zu können). F. Mzbl. 1901, S. 232. 

9. Die Handhabung der Münzpolizei, soweit sie die Ausmünzung 
betraf, war dort, wo die Einrichtung der Münzerhausgenossen bestand, 
diesen überwiesen. Der Münzherr bestimmte den Mün/.fufs, sein Münz- 
meister berechnete die Metallmengen, welche zur Einhaltung dieses Münz- 
fufses für den einzelnen Ciufs nötig waren, allein die Herstellung der 
Mischung, aus der die Münzzaine gegossen werden sollten, war Aufgabe 
der Hausgenossen, welche als Unternehmer die Rohstoffe für den Münz- 
betrieb zu liefern hatten und dafür auch ihren Anteil am Münzgewinn 
bezogen. Die Leitung und r>e;iu!'-iehtiguug des Gusses war ihnen eben- 
falls überlassen und ihnen auch eine Mitwirkung bei der Erprobung des 



Digitized by Google 



§ 24. Mönzpolizei : Abstempelung von Münzen, Probierer usw. 



179 



Schrots der gestückelten Zaine eingeräumt. Die Erprobung des Fein- 
gehalts hingegen sollte in ihrer Gegenwart durch die geschworenen Ver- 
sucher, die das Korn zu brennen hatten, und den Münzmeister oder 
später durch den Münzwardein erfolgen. Diese Selbständigkeit erreichte 
ihren höchsten Grad und war einem zeitweiligen Übergang der Münz- 
berechtigung vom Beliehenen an die Hausgenossen, — in andern Fällen 
an den Münzmeister — gleich, wenn diese die gesamten Einnalunen der 
Münze auf eine bestimmte Zeit vollständig und ohne Abzug des Schlag- 
schatzes oder Pachtgeldes als Entgelt für ein dem Münzherrn gegebenes 
Darlehen erhielten, was nicht selten vorkam. So lastete also auf dem Münz- 
meister und den Hausgenossen die Haftung für die Einhaltung des Münz- 
fufses, und daraus erklärt sich auch der Anteil, der ihnen überall bei der 
Verfolgung von Münz verbrechen zukam. Vielerorten ist es ihre Auf- 
gabe, Münzfälscher zu erkunden und bei den zuständigen Gerichten zu 
verklagen, anderwärts wie in Wien leiteten Münzmeister und Hausge- 
nossen auch die Voruntersuchung einschliefslicb der Anwondung von 
Foltern zur Erzielung eines Geständnisses und überliefsen nur die for- 
male Aburteilung in der Art des endhaften Tages dem Stadtrichter. In 
Strafsburg endlich besafs der Münzmeister geradezu den Blutbann, mit 
dem er vom Vogt beliehen werden mufste, so dafs er im Verein mit 
den Hausgenossen über Leben oder Tod eines angeklagten Münzfälschers 
entscheiden konnte. 

Eine Änderung dieser mittelalterlichen Münzzustände trat erst ein, 
als die Münzherren in ihrem Bestreben zur allseitigen Ausbildung ihrer 
landesherrlichen Gewalt dem Polizeiwesen überhaupt ihre Aufmerksam- 
keit zuwandten. Nach mancherlei Anläufen, die teils von einzelnen, teils 
von mehreren Münzherren vereint unternommen wurden, um das zer- 
rüttete Münzwesen zu bessern, übertrug endlich der Reichsabsehied vom 
Jahre 1551 (§40) die Münzpolizei förmlich den Reich skreisen, die auf 
gemeinsame Kosten einen Kreis-Münz wardein oder Probierer zu bestellen 
hatten. In der Folge wurde durch die Reichsmünzordnung von 1559 
(§ 157) und die Reichsabschiede von 1566 (§ 170) und 1570 (§ 132), 1571 
(§ 28) usw. den Kreisen untereinander eine gute nachbarliche Korres- 
pondenz zur Handhabung durchgehender Gleichheit bei der Münzordnung, 
sowie die Abhaltung von Kreisprobationstageu aufgetragen. Eigene Münz- 
stätten wurden nur den Münzherren belassen, «lie eigene Gold- oder 
Silberbergwerke hatten, alle übrigen wurden zu »Heckenmünzen t er- 
klärt und den Münzberechtigten die Vermünzung ihrer Pagamente nur 
in allgemeinen Kreismünzstätten belassen. 

Mflnzpolizei: Ehoborg 135 ff., 156 ff.; tn e i n e (ieachichto den älteren Gerichts- 
wesens in Österreich (Weimar 1879), i> 244, § 23 »Das Münzgoricht«, Wien« Münz 
wesen II, § 6, 773 ff. — Verfügungen der Karolinger gegen falsche Münzen bei So et- 
beer in Forschungen IV, 293 ff.; VI, 7 ff., uns den Kapitularien von 808, 854, 856, 
864. — Für das spatere Mittelalter bei Lamp recht, Deutsches Wirtschaftsleben im 
Mittelalter. L. 1885, U, 359 ff. — Ilaberlin, Handbuch dea teutachen Staatsrecht*. 
2. Aufl. ß. 1797, III, S. 34, § 341 ff. Von dem Münzrechte. 

10. Schließlich sei noch Her münzpolitischen Mafsregel gedacht, durch 
welche in älterer Zeit die Nachteile der Mischwährung gemildert wurden. 

12* 



Digitized by Google 



180 



Zweiter Teil. Geldgoschich te. 



Da infolge der Regalität der Grundsatz der freien Münzprägung nicht 
anerkannt war, so stand es ganz im Ermessen des Münzherrn, ob und 
in welchem Umfang in dem einen oder beiden Münzmetallen geprägt 
werden solle. Die Münzherren hatten daher Gelegenheit, bei überwiegen- 
dem Goldumlauf die Silbermünze nach Art einer beschränkt ausge- 
gebenen Kreditmünze zu behandeln, und das Gold bei überwiegendem 
Silberverkehr in geringerer Menge aber mit erhöhtem Nennwert auszu- 
geben. In beiden Fällen behauptete dies Kreditgeld gewöhnlich seinen 
Kurswert. Man hatte so, bemerkt Schmoller, ein Münzsystem mit 
lauter Münzen festen Nenn- und Kurswertes, und die Schwankungen im 
Wertverhältiiis von Gold und Silber berührten die Inlandsmünze nicht. 

Schmoll er, Grundrifs der allgemeinen Volkswirtschaftslehre. L. 1904. II, § 167, 
S. 85, betont, dafs der in den Haupthandolsländern durch die Übung erwachsene 
Grundsatz der freien Edeltnetallprägunp für Rechnunß von Frivaton in England seit 
1U66, in den Vereinigten Stauton seit 1792, in Frankreich seit 1803 zum Rechtssatz er 
hoben wurde. Dein Mittelalter und geraume Zeit darüber hinaus war er fremd, weil 
die fiskalische Auffassung des Münzwcsens den Edelmetallhandel monopolisierte und 
aus dem >Silberkauf< Gewinn zu ziehen suchte. Doch wurde vereinzelt schon während 
des Mittelalters die Präg img freigegeben. Kalk mann erwähnt (Englands Übergang zur 
Goldwährung, Strafsburg 1895, S. 14} ein Gesetz Kg. Heinrichs VI. von England von 
1423, >da« die freie Prägbarkeit beider Metalle festlegt«. Auch in Österreich war 1460, 
als nach der Schinderlingszoit rasch wieder gute Münze in Umlauf gebracht werden 
sollte yedem man erlaubt grwegen ze münssen, doch durch die hawsgenossen . . . dadurch 
die münss gefordert ist n orden, nachdem dUselb zeit dhain münss im land getccftrn und 
durch die Verlegung der hawsgtnowen al*i>ald nicht hiet mugen aufpracht icerden. ^fon. 
llabsburgica. \V. 1858, 1, 3. Bd., S. 410 aus einer Eingabe der Hausgenossen um 1480. 
Damit nicht zu verwechseln ist der Fall, in welchem einem Kloster, einer Stadt usw. 
als Gnade gestattet wurde, jährlich eine bestimmte Monge Münze ohne Bezahlung des 
Scblagschatzcs vermünzen zu lassen. Beispiele solcher Begünstigungen für das Frauen- 
kloHter zu Tuln und die Stadt Wien, s. Wiener Mw. II, 786 ff. 

§ 25. Der MUnzwert in alter Zeit. 

1. Der Ausdruck Münzwert wird in verschiedenem Sinne genommen, 
je nachdem man die eine oder andere Aufgabe ins Augo fafst, der die 
Münze zu dienen hat; man kann so einen gesetzlichen, einen wirtschaft- 
lichen, den Verkehrswert und endlich den Tauschwert der Münze unter- 
scheiden. 

a) Der gesetzliche oder Nennwert der Münze beruht auf ihrer 
Eigenschaft, gesetzliches Zahlungsmittel zu sein (§ 29), mit andern Wor- 
ten : auf der durch den Staatswillen erzwingbaren Verpflichtung der Staats- 
untertanen, die Münze zu dem vom Staat bestimmten Betrag in Zahlung 
zu nehmen, kurz auf dem Zwangskurs. Es ist dies der von der mittel- 
alterlichen Geldtheorie sogenannte valor impositus, den namentlich die 
Kanonisten für das Primäre und überhaupt für das Wichtigste an der 
Münze ansahen und als Imnitas extrinseea gegenüberstellten 

b) der bonifas intr'nwca, die wir innere Gute, inn>r<n Wert, und 
da dieser auf dem in der Münze vorhandenen Metallinhalt beruht, auch 
Feingewicht oder Metall w ort der Müifze nennen. Dies ist der wirt- 
schaftliche Wert der Münze im engern Sinn, indem die in dem Münz- 



Digitized by Go 



§ 25. Einteilungen des Münzwertes, Ermittelung des Nennwertes. 



181 



stück vorhandene Edelmetallmenge als der Mafsstab erscheint, mit welchem 
der Wert wirtschaftlicher Güter gemessen wird. 

c) Verschieden von beiden ist der im Verkehr, zumal beim Aus- 
tausch von Münzen mehrerer Staaten, erscheinende Kurswert, es ist 
der durch eine gewisse Münzeinheit gemessene Wert des Metallinhalts, 
der in einer andern Münzgattung wirklich oder dem Kredit nach ent- 
halten ist. Er fällt daher weder mit dem Nennwert noch mit dem Metall- 
wert jener Münzgattung zusammen, sondern kann von beiden abweichen, 
und zwar bei Kreditmünzen mitunter in recht erheblichem Mafse. 

d) Der Tauschwert oder die Kaufkraft dos Geldes zeigt sich 
in dem Verhältnis, in welchem Gütereinheiten anderer Art gegen ge- 
wisse Geldeinheiten erworben werden können. 

Philippovich, Grundriß* der politischen Ökonomie I, S. 183. Freiburg i. Br. 
1893. — Grote, Geldlehre §9, 10. Nennwert u. Metallwert, S. 35. — Endemann W., 
Studien in der romunisch-kanonistischen Wirtschafte- und Rechtelehre. 2. Bd., Berlin 
1883. S. 159 ff., Abschnitt VII: Geld und Zahlung. — Hof mann .T. G., Die Lehre vom 
Gelde. Berlin 1838, S. 35, 163 ff. — Contzen, Thomas von Aquino als volkswirt- 
schaftlicher Schriftsteller. L. 1861. — I n am a - S terne gg, Wert u. Preis in der älte- 
sten Periode deutscher Volkswirtschaft (Jahrbücher f. Nationalökonomie und Statistik, 
begründet von B. Hildebrand, XXX, 197 ff. Jena 1878). Die Quellen der histo- 
rischen Preisstatistik (Wiener Statist. Monatsschrift XU, 597 ff.). — Gruber M.. Re- 
cherchen dans la statistique des prix en Italic (Extrait du Bulletin de l' Institut inter- 
national de statistiqiw VI, Rom 1891). — Zur Geschichte der Preise. Aufsätze von 
Sommerlad und Lexis im Handwörterbuch der Staatswissenschaften, herausgegeben 
von Conrad usw. J. 1901, 2. Aufl., VI, S. 207 ff. mit «ahlreichen Literaturangaben, 
Sp. 221 ff. 

2. Den Nennwert einer Münze erfährt man zunächst aus den auf- 
geprägten Zahlen oder Benennungen, z. B. : 24 EINEN REIC1ISTIIALER, 
1 HELLER, 60, 30, 20, 10, 3 {zu verstehen Kreuzer) GROSSVS PRA- 
GENSIS, FORTIS. Wo solche fehlen oder die etwa vorhandenen un- 
klar sind, kann man bisweilen aus dem Metall, der Münzgröfse, vor 
allem aber aus den Gewichts- und Feingehaltsverhältnissen den Schlufs 
auf die Stellung der Stücke im Münzsystem machen und dadurch etwa 
den früheren Nennwert dieser Münzen ermitteln. Oft geht das nicht 
ohne mühsame Untersuchungen ab, zumal die alten Münzordnungen 
noch vielfach der Veröffentlichung harren, ja selbst die Verzeichnisse 
alter Münzbenennungen keineswegs vollständig sind. Früherer Zeit hat 
man bei Münzbeschreibungen die 'Angabe des Nennwerts der einzelnen 
Stücke oft unterlassen oder hat sich mit unbestimmten oder unkritischen 
Bezeichnungen begnügt. Heute ist man in diesem Punkt sorgfältiger 
und gibt bei Münzbeschreibungen gewöhnlich das Nominal der Münze 
oder deren besonderen Namen, oft auch deren Gewicht an und schafft 
dadurch eino wichtige Voraussetzung für geldgeschichtliche Forschungen. 

Vgl. Literatur zu § 9, 12, Eine Sammlung dontscher Münzbenennungen gedenkt 
Prof. E. Schröder herauszugeben. Als allgemeine Sammlung von Münzbenennungen 
leistet Sch mieder, Handwörterbuch der gesamten Münzkunde, Halle -Berlin 1811, 
1815, noch immer die besten Dienste. 

3. Schwieriger als dio Ermittelung des Nennwerts ist die Feststel- 
lung des Metallwerts eines Stückes. Drei Wege stehen uns dazu offen: 



Digitized by Google 



182 



Zweitor Teil. Geldgeschichte. 



zunächst die Feingehaltsbestimmungen auf Münzen, beispielsweise: 
ZWEI VEREIXSTIIALER * XV EIN PFVND FEIN; X EINE FEINE 
MARK; LEY 900 MILESIMAS * 40 PIEZAS IN KILOG. (spanische 
5-Pezetas vom Jahre 1869). Durch Nachwägen gut erhaltener Stücke 
mit dergleichen Aufschriften kann Schrot und Korn im Rechnungswege 
bestimmt und somit der Münzfufs selbst festgestellt werden. Es finden 
sich jedoch solche Feingehaltsbezeichnungen nur auf Münzen der neueren 
Zeit, rücksichtlich älterer Gepräge sind wir auf die Bestimmungen der 

Münzordnungen, auf Münztarife und 
alte Verzeichnisse von Feingehalts- 
proben angewiesen ,die uns vom Mit- 
telalter herwärts erhalten sind (§ 3, 1). 
Fehlen solche, so kann man noch den 
Versuch machen, aus vorhandenen 
Münzen durch Wägungen und Fein- 
F\\i. 95. Spanisches 5>Ccntiinog8tuck vom Jahre gehaltsproben den Münzfufs zu er- 
1870 mit Gewichuancftben. scliliefsen ; doch ist dies eine müh- 

same und keineswegs • immer durch 
Erfolg lohnende Arbeit. Abgesehen von den Münzopfern, die sie erfor- 
dert, wenn man zu genaueren Ergebnissen gelangen will, als es Strich- 
proben ergeben, wird man bei Münzen, die al tnarco ausgebracht wur- 
den, immer nur Näherungswerte und keineswegs den vorgeschriebenen 
Münzfufs erwarten dürfen, und zwar aus Gründen, die schon § 22, 7 u. 8 
entwickelt wurden. 

Metallwert: Vgl. die Literatur zu § 22, 5, 8; über Münztarife S. 12, §3, Abu. 7. 
— Bericbte über Münzproben reichen in Frankreich bin inH 13. Jahrb. (Saulcy, lie- 
cueil. V. 1879, S. 138 ff.), in Italien ins 14. Jahrh., in Deutschland ins 15. Jahrb. zurück. 
(Hirsch, Münzarchiv I, 93 ff. vom Jahre 1444.) Älter, von ca. 1400, sind die Kin- 
zeichnungen in dem noch ungedruckten Hauptbuch des Rcpcnsburger Kaufmanns und 
Mttnzers Malt haus Klintinger »7>i« Munizze* auf S. 557 und die von Schalk in den 
Mitt. d. Instit. f. öBterr. Geschichte IV. S. 598 veröffentlichten Aufzeichnungen des 
Wiener Münzanwalts Niklas Graner vom Jahre 1425. — Einen Münztarif mit Angabe 
von Schrot und Korn der um 13G8 — 1371 zu Avignon umlaufenden Münzen s. EL N., 
4. Serie, 1, S. 177. — ( s ber die Fehlerquellen, mit welchen bei Gewichts- und Feinpehalts- 
bcstimmungcn von Münzen, die al nuirca ausgebracht wurden, zu rechnen ist. Vgl. 
meine Chronologie der Wiener Pfennige (S -B. d Wiener Akad., Bd. CXL, S. 7 und 
17 ffA Man wird daher oft die an mittelalterlichen Gepriigen durch Wage und Kupellen- 
probe ermittelten wirklichen (effektiven) Ergebnisse, von dem beabsichtigten 
ideellen Schrot und Korn zu unterscheiden haben. — Ohaion R., Recherche* sur la 
raleur intrinxeque du florin dt Ilrahant calrulee ä raison de Fr. 222,22 le kilogramme 
d'argent fin depui* l< miluu du XV« sii'ch ■ just/u'en 1TU4 (ab 1433). R. N. B. 1871, S. 186. 

4. Zur Ermittelung des Kurswertes in alter Zeit stehen uns schrift- 
liche Quellen in ziemlicher Anzahl zu Gebote. Da der grolse Geld- 
handel von Land zu Land während des Mittelalters in den Händen der 
Italiener lag, so sind auch die ergiebigsten Nachrichten über Kurswerte 
in italienischen Aufzeichnungen zu finden, so in den ins 13. Jahrb. zurück- 
reichenden Abrechnungen über päpstliche Steuern und in den für kauf- 
männische Zwecke gearbeiteten Handbüchern, unter welchen ich die 
J'ruftira d<lla mtraitxm des Giovanni da l'zzano vom Jahre 144:? als 




Digitized by Google 



§ 25. Ermittelung dos Metall- und Kurswertes; Fehlerquellen. 



1*3 



Beispiel hervorhebe, da sie von Kap. XXVII angefangen qui appresso 
faremo menzione come si camlna quasi per tutte parti da nn luogo a nn altro 
eine Menge von Kursangaben anführt. Als dann im 16. Jahrh. der 
Geldhandel mehr und mehr in deutsche Hände überging, wurden 
ähnliche Hilfsbücher auch in Deutschland verlegt. Meders Handels- 
buch, das 1562 zu Nürnberg gedruckt wurde, behandelt im 25. Kapitel 
s-Boscheyd aller Müntzen und Wehrschaft mehrerley landen aufs kürzist 
dann in wenig jähren sich dieselben in mehrtheylfs orten oft verendernc, 
und in dem 1563 zu Wien gedruckten Handelsbuch »Wienn nach Vene- 
dig oder Venedig nach Wienn«, das Michael Scherhauf verfafste, 
finden sich zahlreiche Tabellen zur Umrechnung der Warenpreise, welche 
Kursschwankungen *von Rheinisch Gulden 130, vntzt auf Rheinisch 
Gulden 148 per Ducati 100 berücksichtigen. Zahllose Kursangaben 
nach dem Muster so und soviel Pfund Pfennige dieser Münzgattung 
gegen so und soviele einer andern, oder so und soviel Schilling - Pfen- 
nige für einen (rheinischen, ungarischen, Florentiner) Goldgulden finden 
sich in Urkunden, Akten, Rechnungen u. dgl. Man hüte sich aber, der- 
gleichen vereinzelt vorkommende Angaben für etwas anderes als für die 
mehr oder minder dem Metallwert angenäherte Bewertung anzusehen, 
wio sie im Verkehr mit Rücksicht auf die Lage gerade vorkam. Auf- 
zahlungen, die bisweilen mit dem Ausdruck Vorwechsel ausdrücklich 
hervorgehoben sind, oder Abrundungen zugunsten der einen Münz- 
gattung, sind in dergleichen Kursangaben regelmüfsig eingeschlossen, und 
man wird si»* daher für eine genaue Berechnung des Müuzfufses nicht 
verwenden können. Muffat hat dies in seinen Untersuchungen -über 
Gewicht und Gehalt der österreichischen Pfennigen nicht beobachtet und 
ist daher zu sehr anfechtbaren Ergebnissen gelangt. Wohl aber können 
geldgeschichtliche Folgerungen anderer Art, z. B. über das Eindringen 
fremder Gepräge in den Verkehr, ferner über die Richtung des Handels- 
verkehrs u. dgl., aus solchen Angaben entnommen werden, wie dies die 
gründlichen Untersuchungen Cumonts aus mehr als 3000 Brabanter 
Urkunden für die Brabanter Münzverhältnisso von 1316 — 1406 ergeben. 

Kurswert: Pagnini, Deila Dtcima <; delle altre Gravczie Lisbona e Lucca 
1766, T. IV mit Uzzanos Prattica dclla niercatura. — 1260, 21. Febr.: Pussau, vor- 
gleicht sich Bischof Otto von Passau mit Ortolf von VolkcnBdorf wegen einiger For- 
derungen und erklärt, dafs der Volkensdorfor c libras Patavirnses pro Stainrhirchrrio 
irt quibus sibi ralorem exeresenittm qtoxl Vorwechsel dicitur dt'dimut pro c W>ris Wien- 
nemtibun nobis et rcelesiae rtlaxarit. U. P». o. Enns JII, 269. — Cumont G., Les Mon- 
naies dans Ich Charles du Brabant, 1901. Etudes sur U> cours drs Monnaies m Bra- 
bant, 1902. Ans den Annale« de In socieU d'archeologie de Bruxelles. T. XV, XVI. 
(Umfassen die Zeit von 1316-1406.) 

5. Am schwierigsten gestalten sich die Untersuchungen über den 
Tauschwort der Münze. Da hierbei die Münze nur als eine bestimmte 
Form des Geldes in Betracht kommt, so laufen diese Untersuchungen 
auf eine Erörterung der Frage nach der Kaufkraft des Geldes hinaus. 
Diese ist, wenn man die ausgleichende Wirkung von Angebot und Nach- 
frage, die sich in den Marktpreisen ausdrückt, berücksichtigt, jeweils in 
einem gegebenen Zeitpunkt und an einem gegebenen Ort eine feste 



Digitized by Google 



184 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Gröfse. Allein der Tauschwert des Geldes ist nicht nur für den ein- 
zelnen, also subjektiv verschieden, indem die gleiche Geldmenge z. B. 
100 Mark je nach der wirtschaftlichen Lage für den einzelnen einen 
höheren oder geringeren Wert haben kann, sondern er ist auch zu ver- 
schiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ein anderer, also objektiv 
veränderlich. Er steigt, wenn man für die gleiche Menge eine gröfsere 
Menge anderer Güter kaufen kann als bisher, er sinkt, wenn man weniger 
dafür erhält. Die Kaufkraft des Geldes äufsert sich demnach in den 
Geldpreisen der Waren, und eine allfällige Änderung des Wertes jener 
wird auch nur in der Änderung der Preise wahrnehmbar. Dadurch 
sind aber für die Ursachen einer Änderung der Kaufkraft dos Geldes 
zwei Richtungen gegeben: Das Steigen oder Fallen der Preise kann 
nämlich entweder auf einer bei den Waren vorgekommenen Ände- 
rung, z. B. in den Erzeugungskosten, beruhen, oder es sind die Gründe 
auf seiten des Geldes zu suchen, da dieses aus einem Stoffe besteht, der 
wie jedes andere wirtschaftliche Erzeugnis schwankende Produktions- 
bedingungen haben, überdies schwankender Nachfrage unterworfen sein 
kann. Die Feststellung der Gesetze, nach welchen sich im ersterwähnten 
Falle tagtäglich das Steigen und Fallen der Warenpreise vollzieht, ist 
ganz der Volkswirtschaftslehre zu überlassen, zur Lösung der verwickelten 
Vorfrage, ob das Geld als solches im Laufe der Zeit an Kaufkraft ge- 
wonnen oder verloren habe, und wie grofs diese Veränderung sei, ist 
indessen die Geldgeschichte in erster Reihe berufen. 

Tauschwert: P h i 1 i p p o v i c h . Grundrifs d. politischen Ökonomie I (1. Aufl. 
1893). — Paasche, Studien über die Natur d. Geldentwertung J. 1878. — Soet- 
beer, Materialien i. Erläuterung d. wirtschaftlichen Edelnietallverhältnisse. B. 1886 
(S. 94 ff. Darstellung verschiedener Methoden der Messung der Knufkraftanderung des 
Geldes). — Wasserrab, Preise und Krisen. S. 1889. — Kral, Geldwert und Preis- 
bewegung im Deutschen Reich 1871—1884. J. 1887. — Hoff mann, Die Lehre vom 
Gelde. P>. 1838, S. 11. 

6. Sehr allgemein wird angenommen, dafs die Kaufkraft des Geldes 
vom Mittelalter her stark abgenommen hat, allein sowohl in der Be- 
gründung dieser Behauptung als in der Frage über den Betrag der 
Minderung herrschen sehr verschiedene Ansichten; dabei ist zunächst 
festzustellen, dafs die Vorstellungen von der Billigkeit der Waren im 
Mittelalter häufig übertrieben sind, nicht zum wenigsten darum, weil man 
sich die Verringerung, die der Münzfuls seither allerlanden erfahren hat, 
nicht genügend gegenwärtig hält, vielmehr die Wertgröfsen der heutigen 
Münzen auf ältere gleichnamige Münzeinheiten in Gedanken unwillkür- 
lich überträgt. Das berühmte Beispiel vom Pfennig, um den man im 
Mittelalter zehn Eier kaufen konnte, verliert schon viel des Über- 
raschenden, wenn man sich vergegenwärtigt, dafs der Pfennig in jener 
Zeit vielleicht an Feinsilber das Zehnfache und mehr von dem wirklich 
besafs, was seine entarteten kupfernen Brüder im 19. Jahrb. durch 
ihren Nennwert vorstellten. Diese Probe dürfte klar machen, dafs mit 
der Ermittelung des Nennwertes der alten Münzen für die Frage nach 
ihrer Kaufkraft nicht viel erreicht ist, ebensowenig wird man mit dem 



Digitized by Google 



§ 25. Schwierigkeit, die Kaufkraft des Geldes zu ermitteln. Mafsstäbe. 185 



Kurswert allein auskommen, ja selbst die Feststellung des Metallwertes 
wird, nur einen, allerdings einen der wichtigsten Beiträge zur Geschichte 
der Preise liefern. »Wenn man die Frage beantworten will , sagt 
Grote (Geldlehre 6, § 2), > welche Werüstufe wurde im 14. Jahrh. durch 
einen Goldgulden bezeichnet, so erfährt man dies nicht dadurch, dafs 
nachgewiesen wird, mit wieviel Gulden und Kreuzern das in einem da- 
maligen Goldgulden steckende Quantum Gold in Gestalt einer Gold- 
krone neuerlichst (1865) zu Frankfurt a. M. bezahlt wurde. Das Gold 
an sich oder auch die daraus angefertigte Münzsorte steigt und fällt im 
Preise, je nachdem es mehr oder weniger vorhanden ist, und je mehr 
oder weniger mannigfaltig der Gebrauch ist, zu dem man es anwendet. « 
Es hat daher d'Avenel sicher recht, wenn er in seiner Histoire economique 
de la proprieti (Paris 1894, I, 13 ff.) den Gedanken verficht, dafs von einer 
vom Mittelalter her fortgesetzten allgemeinen Minderung der Kaufkraft 
des Geldes nicht gesprochen werden könne, da diese, örtlich wie zeitlich 
betrachtet, viele Schwankungen aufweise. 

D'Avenel G., Histoire Economique de la proprieU, des salaires, des denrees et de 
tous le$ prix cn gentral, 1200—1800. P. 1894—1898, 4 Bde. — Sommerlad im Hand- 
wörterbuch der StaatewiHsenschaften, herausgegeben von Conrad ... 2. Aufl., J. 1901, 
VI, 207 ff. 

7. Die gröfste Schwierigkeit bei geschichtlichen Untersuchungen 
über die Kaufkraft dos Geldes ist die Ausmittelung eines geeigneten 
Mafsstabes, an welchem die Veränderungen des Tauschwertes gemessen 
werden können. Man hat einen solchen vielfach in den Getreidepreisen, 
oder im gemeinen Taglohn zu finden geglaubt, denn das unter allen 
Klimaten gleich unentbehrliche Bedürfnis der Menschen sei die Nahrung, 
und das allgemeinste Nahrungsmittel sei seit jeher Brot gewesen. Aufser- 
dem bedürfe der Monsch auch der Kleidung und des Obdachs als Be- 
dingungen seiner physischen Existenz. Dieser Bedarf im einfachsten 
auf das Unerläfslichste beschränkten Ausmafs könne durch Arbeit der 
einfachsten und rohesten Art erworben werden; der Preis, den die 
tägliche Arbeit eines Taglöhners hat, entspreche daher stets genau dem 
Werte jenes täglichen Bedarfes an unentbehrlichen Mitteln des täglichen 
Unterhaltes. »Dieses Arbeitsquantum hatte gleichen Wert im Jahre 1500 
wie im Jahre 1860, und wenn sein Preis im Jahre 1500 = l g Silber, 
1860 aber = 10 g Silber war, so war der Wert des Silbers 1860 
um zehnmal geringer als 1500 geworden/ (Grote). Es hat indessen 
schon II offmann in seiner Lehre vom Geldo (S. 2, 3) auf das Un- 
genügende dieser beiden Mafsstäbe hingewiesen. Da nicht überall 
dieselbe Getreideart das allgemeinste Nahrungsmittel ist, so kann schon 
deshalb keine Getreideart als allgemeines Mafs der Werte dienen; dazu 
kommt, dafs die Nahrung überall, jedoch in verschiedenem Ausmafs, ge- 
mischt ist. Was hingegen den Tagelohn für gemeine Handarbeit betrifft, 
so liegt in Grotes Behauptung, dafs dies Arbeitsquantum in den Jahren 
1500 und 1860 gleichen Wert gehabt habe, eine petitio prineipii vor. 
Auch die Höhe dieses Taglohns kann Schwankungen unterliegen, wie 
Angebot und Nachfrage, gröfsere oder geringere Arbeitskraft des Tag- 



Digitized by Google 



isf; 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



lOhners, seine Bedürfnislosigkeit oder gesteigerte Lebenshaltung u. dgl. 
solche mit sich bringen, uns aber fehlen nur allzuoft die Anhaltspunkte 
zur Prüfung, ob die vorliegende Angabe auf den orteüblich gewöhnlichen, 
oder einen Ausnahmstaglohn zu beziehen ist. 

Grote, Geldlehre 3, 4, S. 7 ff. — II off mann, Lehre vom Gelde, S. 2, 3. 

— Inama-Sternegg, Deutsche Wirtschaftsgeschichte. L. 1901, III, 2. S. 455 ff. — 
Köberlin A., Fränkische Münzverhältnisse zu Ausgang des Mittelalters. Bamberg 1899 
(Programm). — L a in p recht K., Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter. 1,. 1885, 
2. Bd., S. 236. Material i. Geschichte der Werte. — Soetbeer in Forschungen VI, 56: 
Der Wert de» Geldes zur Zeit Karls des Grofsen und seiner nächsten Nachfolger. — 
Wuttke R., Die Ermittelung der Kaufkraft des Geldes. Bl. f. Mzfr. Nr. 220, L. 1897. 

— Leber C, K»$ai sur Vappreciation de la fortune pritve au moyen-äge. 1\ 1847. — 
Hivor, Bech<rehes sur 1-h monnaies et sur la valeur de l'argent en France jusquä 
Francois I; P. 1864. — Hanauer, Abbe, Ktudes cconomiques sur l'Alsaee ancienne rt 
moderne. V. H, 1878. — Levasseur, Um Methode pour mesurer la vahttr de l'argent. 
(Journal drs economistes II«' Serie 3<t anner., t X, 228 ff., P. 1856.) — D'Avenel G-. 
llistoire economique I. P. 1894. — Cibrario, Deila economic politica del media reo. 
2. Aufl. Turin 1842. — Tooko and Newmarch, History of pricts (1793 — 1857). Lon- 
don 1838 — 1857. Doutscho Übersetzung von Ashor, 1859. — Rogers J. E. T , 
A history of agriculture and prües in England (1259—1793). Oxford 1866—1887. 

8. Die Erkenntnis dieser Schwierigkeiten hat dazu geführt, dafs 
manche die Hoffnung auf eine gedeihliche Lösung der Frage überhaupt 
aufgaben. J. B. Say hat geschichtliche Untersuchungen über den Tauseh- 
wert des Geldes als die Quadratur des Zirkels in der Wirtsehaftslehre 
verspottet, und auch Babelon (Notice sur la Monnaie, S. 66) verspricht 
sich als schliefsliches Ergebnis solcher Forschungen wenig mehr als höchst 
unsichere Näherungswerte. Glücklicherweise steht die Sache nicht ganz 
so schlimm, als man nach den Aussprüchen so bedeutender Gelehrter 
fürchten inufste. Wohl ist zuzugeben, dafs die bisher erzielten Ergeb- 
nisse auf dem Felde der Geschichte der Preise noch wenig befriedigend 
sind, und dafs die Schwierigkeiten, die sich bei dieser Arbeit dem Forscher 
entgegenstellen, entmutigend wirken können, allein dies ist kein Anlafs, 
um für alle Zukunft an dem Gelingen zu verzweifeln. Die Mängel der 
angewandten Methode lassen sieh verbessern, die Stützen, die uns die 
Geld- und Malsgesehiehte zu liefern haben, verstärken. Entschliefst man 
sich dann zu einer kritischen Sichtung des Quellenstoffes und zu einer 
passenden Fragestellung, so lassen sich Ergebnisse erhoffen, welche die 
bisher erreichten an Genauigkeit weit übertreffen werden. 

Bubeion, Xoiice sur la Monnaie, 8. 65 ff. P. 1898. — W. Sohum, Beitrag z. 
Charakteristik d. national ökonomischen Ansichten in Thüringen während der Refor- 
mationszeit (Mittig. d. Ver. f. Gesch. u. Altertumskdo. von Erfurt VI, 1873, 8. 251), 
hebt die Schwierigkeiten hervor, die »1er Ermittelung der Kaufkraft des Geldes im 
Mittelalter entgegenstehen, halt sie jedoch gleichfalls nicht für unüberstciglich, sofern 
die Vergleiehung auf Grund möglichst vieler kritisch ermittelter Daten erfolgt. — 
Li pouroir partieulier de l'argent sur le hie n'r&t pas h: meine que le pouroir par- 
tirtdirr de l'argent sur Olle ou hlle autrr man handise, ni par enntequant que lr pou~ 
roir geniral de l'argent sur l'ensi nihle des niarchandists. Ce pouroir yener al n'est autre 
rhosc qit'une woyenne des tous les pouroirs partieulier* .... G. d'A venel I. 6. Auch 
Menger (Handwörterbuch d. Süuitswisscnsch., 2. Aufl., J. 1900, IV, 8. 91 ff.): Versuche 
e. Messung der örtlichen Verschiedenheit und der Bewegung des äufseren Tausch- 
wertes des Geldes, sieht »die Feststellung des Tcuerungsverhaltnisscs< rückaichtlich 



Digitized by Google 



§ 25. Notwendigkeit, die Kaufkraft auf breiter Grundlage zu ermitteln. 187 



einzelner Güterarten, ebenso rücksichtlich qualitativ und quantitativ in beHtimmter Art 
zusammengesetzter Güterkomplexe, für verschiedene örtliche und zeitliche Verhält- 
nisse als ein theoretisch klargestelltes, und soweit die der Bewegung zugrunde zu 
legende statistische Sachlage bekannt ist, auch als ein praktisch lösbares Problem an. 

9. Wichtig vor allem ist, dafs die Untersuchung auf möglichst 
breiter und dabei sicherer Grundlage geführt wird; die Einschränkung 
derselben auf die Geschichto des Taglohns, der Getreidepreise und über- 
haupt einzelner Bedürfnisse der menschlichen Lebenshaltung kann nur 
zu einem zifformäfsigen , am Metallinhalt, der als Preis bezahlt wurde, 
gemessenen Ausdruck führen. Man kann daraus entnehmen, ob die 
Preise in diesem einzelnen Falle wirklich — oder scheinbar — sich gleich 
geblieben, oder ob sie ebenso gestiegen oder gefallen sind. Man wird 
forner, wenn Verschiebungen nachgewiesen wurden als Ursache derselben 
auch die Möglichkeit ins Auge fassen können, dafs die Veränderung auf 
Seiten des Geldes eingetreten ist, d. h. dafs sich die Kaufkraft des Geldes 
in einer gewissen Richtung geändert hat. Darüber hinaus wird man 
jedoch nicht gelangen, wenn man sieh auf die Erforschung der Getreide- 
preise oder des Taglohns oder selbst beider zusammen beschränken will. 
Die Getreidepreise zeigen in früherer Zeit, solange man zur Deckung 
des Bedarfs vor allem auf den Ertrag der Ernte in der näheren Um- 
gebung angewiesen war, weit raschere und gröfsere Schwankungen als 
heutzutage, wie man schon aus den städtischen Brotsatzungen ersehen 
kann. Da nun, um etwas Bestimmtes anzuführen, dem Taglöhner zu 
Wien im Jahre 1427 35, im Jahre 1430 aber 53 dkg Brot um 
einen Pfennig zu Gebote standen, der Münzfufs in dieser Zeit unver- 
ändert blieb, auch die gleichen Arbeitslöhne vom Jahre 1412 in den 
Preissatzungen von 1430, 1439 wiederkehren und selbst 1460 noch wenig 
geändert erscheinen, so dürfte schon dies Beispiel zeigen, dafs man durch 
Erforschung der erwähnten Tatsachen keineswegs zu einer einwand- 
freien Feststellung der Kaufkraft gelangt, die das Geld in jenen Jahren 
gehabt hat. Man mufs vielmehr, wie dies Leber schon 1847 in seinem 
Essai sur V appridativn de la fortune privee au moyen-uge gefordert und 
D'Avenel in seinem mit bewunderungswürdigem Fleifse zusammen- 
getragenen Werke auf breiter Grundlage unternommen hat, die Erfor- 
schung der Preise auf möglichst viel Gegenstände des menschlichen 
Bedarfs ausdehnen. Dafs dies der richtige Weg ist, ergibt schon die 
Erwägung, dafs die Kaufkraft des Geldes auch heutzutage nur als 
eine Resultierende, d. h. als mittleres Ergebnis vieler Preise, erfafst 
werden kann. 

Zur leichteren Aufstellung der Brotsatzungen dienten Tabellen, welche mit Be- 
rücksichtigung verschiedener Getreidepreise und eines angemessenen Müllor- und 
Backerlohnes die Schwere des Pfennigbrotes festsetzten : die Wiener Tabellen, die An- 
fang des In. .Tahrh. schon vorhanden waren, beginnen mit Weizen preisen von einem 
halben Tfund Pfennig (120 Pfg.) fürs Mut und steigen Schilling um Schilling bis auf 
12 Pfund Pfennig (2880 Pfg.}. Gedruckt sind nie als der peken recht in den S.-B. der 
Wiener Akad. 1861, Bd. 36, S. 106. Dafs dieser Spielraum nicht überflüssig war, ergibt 
sich ans den Preisen benachbarter Jahre. 1427 kostete der Mut Weizen in Wien 5'/, Pfd. 
Pfennige, 1430 nur 3'/, Pfd. Pfennige, infolgedessen wog das Pfenni«bn»t 1427 35, 1430 
aber 53 dkg. Vgl. meine Abhandlung: Wiens Münzwcsen II, S. 828, dazu K. Schalk 



Digitized by Google 



188 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



im Wiener Kommunalkalcnder von 1888, S. 231 ff., 253 ff. — II ei Big J., Die histor. 
Entwickelung der landwirtschaftlichen Verhältnisse auf den gräfl. Schaffgotschischen 
Güterkomplexcn in PreufsischSchlesien. J. 1884 (in Conrads Sammlung d. national- 
ökonomischen und statistischen Abhandlungen des staatswisscnschaftl. Seminars zu 
Halle III, 3. Heft). — Schön feldt G, Lohn- und Prcisvorhaltnisse in Hann. Münden 
zu Anfang d. 15. Jahrh. (Vierteljahrschr. f. Sozial- und Wirtmhaftsgcsch. I, 33 ff.V — 
Wiehe, Zur Geschichte der Preisrevolution des 16. und 17. Jahrh. 1895. — Grünau 
D. G., Wert eines Denars tu Beginn des 10. Jahrh. Bl. f. Mzfr. 1899, Nr. 4, 5 Nr 233, 
234), S. 39. 

10. Mit der Menge allein ist jedoch die Sache keineswegs abgetan. 
Die uns von der Vergangenheit in Rechnungen, Preissatzungen, Urkunden 
und Vermerken verschiedener Art überlieferten Nachrichten über Preise 
in früherer Zeit sind zunächst nur Rohmaterial, das vor seiner Ver- 
arbeitung kritischer Sichtung und einer angemessenen Zurichtung bedarf. 
Vor allem mufs man über den Wert der Überlieferung ins reine kommen, 
darüber, ob es eine; abgeleitete oder eine ursprüngliche Nachricht ist, 
dann mufs auch ihre Beschaffenheit berücksichtigt werden. Gesetzt den 
Fall , es wäre uns die Gleichung 2 kg Schwarzbrot = 1 g Feinsilber 
in einer Preissatzung, ferner in einem Urbar und letztlich auch in einer 
Rechnung überliefert, so wird man diese drei Nachrichten nicht ohne 
weiteres als gleichwertig behandeln dürfen. Die Preissatzung ist eine 
durch obrigkeitliehen Willen festgestellte obere Preisgrenze, allein das 
Leben kann sie zu eng befunden und gesprengt haben. Die Nach- 
richt im Trbar ist die Ablösung einer schuldigen Leistung, die ursprüng- 
lich dem Grundherrn vorteilhaft erschien, sich aber seither in ihr Gegen- 
teil verkehrt haben kann; sie ist zunächst nur auf den Zeitpunkt des 
Übereinkommens und nicht auf den der Niederschrift zu beziehen. 
Man wird daher nur den Eintrag im Rechnungsbuch ohne weiteres als 
einen zur angegebenen Zeit wirklich gezahlten Preis behandeln können. 
Ferner wird darauf zu achten sein, ob die Nachrichten vereinzelt oder 
in gröfserer Anzahl vorkommen. Die ergiebigste Ausbeute ist zu er- 
warten, wenn man auf Quellen stüfst, die uns durch eine Reihe von 
Jahren eine Fülle verschiedener Nachrichten für einen einzelnen Ort 
oder selbst für einen einzelnen Haushalt überliefern. Ausgabebücher 
des städtischen Haushalts und Kirchenbaurechnungen können darum 
für die Geschichte der Preise Quellen ersten Ranges sein und, falls sie 
richtig benutzt werden, zu wichtigen Ergebnissen führen. 

Beispiele von Kirchenbaurechnungen: Die Hegcnsburger, herausg. von 
Schuegraf für die Jahre 1459, 1487 — 1489. Verhandl. d. histor. Vereins v. Oberpfalz 
u. Regensburg XVI, XVIII. Regensbg. 1855—1858. — Breslau: Luchs, Baurechuugen 
des ehemaligen Dominikanerkonvent» tu St. Adalbert in Breslau (Zeitsehr. d. Ver. f. 
Gesch. Schlesiens II, Breslau 1S58). — Koblenz: Bär, Der Koblenzer Mauerbau. 
(Publikationen d. Ges. f. rheinische Geschichtskunde V. L. 1888). — Viktorskirche zu 
Xanten: Beisse I, Geldwert und Arbeitslohn im Mittelalter. Freiburg i. Br. 1884. Die 
Einwendungen, welche Menadier vom Standpunkt der Geldgcschichte aus gegen die 
Arbeitsweise Beissels erhebt, s. Z. f. N. XIV, Anh. 31. — Prag : Neuwirth Jos., 
Die Wochenrechnungen . . . des Präger Dunbaus in den Jahren 137*2 — 1378. Prag 1890. 
— Wien : Die Rechnungen des Kircheiuneisteramts von St. Stephan, herausgg. durch 
K. Uhlirz, 1,2. Wien 1902. — Stadtrechnungen: Schalk C, Gemeiner Arbeits- 
lohn und Kaufkraft des Geldes in Wien im 15. Jahrh. Wiener Kommunalkalender 1888, 



Digitized by Google 



§ 25. Voraussetzungen für eine brauchbare Geschichte der Preise. 



IS«) 



S. 230 ff.). Wiens FleiBchversorgung in abnormer Zeit 1551— 15G4 a. a. O. 1897, S. 408 ff. 
— Überreichen Stoff zur Geschichte der Preise birgt das Archiv der Stadt Prcfsburg. 
Leider sind die eingehenden Arbeiten, die Prof. Franz Kovats darüber veröffent- 
lichte, in ungarischer Sprache erschienen und daher bis auf die abgedruckten Quellen- 
bclege für die Mehrzahl der europaischen Gelehrten verloren Vgl. übrigens desselben 
Verfassers Aufsatz über die Nachmönzung der Wiener Pfennige in Prefsburg in W. N. 
Z. XXXIV (1903), 157. 

11. Um nun zu solchen zu gelangen, mufs allerdings das gesichtete 
Nachrichtenmaterial vor seiner Verarbeitung noch einer gewissen Zu- 
richtung unterzogen werden. Man mufs, wenn die Nachricht brauchbar 
sein soll, sowohl die Warenmenge als den dafür bezahlten Preis ziffer- 
mäfsig genau kennen. Es wurde schon gezeigt, dals der Nennwert einer 
Münze zur Ermittelung ihrer Kaufkraft nicht zureicht, dafs vielmehr 
allemal die Kenntnis ihres Metallwerts erforderlich ist; ebensowenig ge- 
nügt auf der andern Seite der Name eines Mafses ohne genaue Kenntnis 
seines Inhalts. Die Behelfe zur Ermittelung des einen wie des andern 
hätten dem Forscher die Geld- und die Mafsgeschichte zu liefern, die 
jedoch beide auf einen ungleich höheren Grad der Vollkommenheit 
gehoben werden müfsten, als sie derzeit besitzen , wenn die Nachfor- 
schungen über die Kaufkraft des Geldes in alter Zeit zu einem gedeih- 
lichen Abschlufs führen sollen. 

Meine Denkschrift: Vorschläge und Erfordernisse für eine Geschichte d. Preise 
in Österreich, Wien 1874, richtete sieh gegen F. Sailers Geschichte der Preisbewe- 
gung in Niederösterreich im 14. Jahrh. (Bl. d. Vereins für Landeskunde von Nieder- 
österreich 1870, S. 104 ff.) und vor allem jjegen die unkritische Sammlung des Mate- 
rials, dag die Prager Handels- und Gewerbekamtner 1873 zur Weltausstellung nach 
Wien gesandt hatte, wo es nun veröffentlieht werden sollte. Vgl. den Katalog der 
Kollektiv-Ausstellung von Heitragen zur >Geschichte der Preise«, redigiert durch Dr. 
Edmund Schebeck, Prag 1873, mit ungeheuerlichen Druckfehlern oder Mifsverstand- 
nissen im geldgeschichtlichen Abschnitt, S. 75 ff. 

12. Die Voraussetzungen für das Zustandekommen einer brauch- 
baren Geschichte der Preise haben sich seit 1874, in welchem Jahre ich 
eine Denkschrift darüber veröffentlichte, im ganzen so wenig gebessert, 
dafs ich die damals niedergeschriebenen Leitsätze mit geringen Ände- 
rungen hier wiederholen kann. 

a) Der Queltenstoff, nach welchem eine Geschichte der Preise dar- 
gestellt werden soll, mufs so vollständig als nur möglich beschafft werden. 
Nur dann, wenn man viele Einzeldaten nicht blofs für ein, sondern für 
eine grofse Anzahl von Jahren hat, die örtlich ein und demselben Ge- 
biet angehören, und wenn dieselben nicht nur einen, sondern verschiedene 
Gegenstände betreffen , kann man die Gesetze der Preisentwicklung in 
der Gestalt, dio ihnen das Leben gab, erfassen und zu jenen Folge- 
rungen gelangen, die das eigentliche Ziel sind. 

b) Da der wissenschaftliche Apparat, dessen man zu dieser Arbeit 
bedarf, meist zu grofs ist, um in einer Geschichte der Preise vollständig 
veröffentlicht zu werden , anderseits diese ohne jenen nicht zustande 
kommen kann, so erfordert das Unternehmen eine weitgehende Teilung 
der Arbeit. Die erste Aufgabe wäre die Beschaffung eines Quellen- 



Digitized by Google 



190 



Zweiter Teil. GeldgeBchichte. 



archivs, das alle auf Münz-, Maß- und Preisgoschichte bezüglichen Nach- 
richten in verläßlichen Abschriften zu sammeln hätte, um allen weiteren 
Arbeiten eine quellenmäfsige sichere Grundlage zu geben. Sache der 
Archivseinrichtung wäre es, den zusammenströmenden Stoff nach Zeit, 
Ort und Gegenstand zu ordnen. Anzuschließen wäre die Übertragung 
der Nachrichten auf einzelne Zettel im gekürzten Wortlaut und unter 
steter Bezugnahme auf die Quelle, kurz das, was man jetzt geschmack- 
voll als * Verzettelung« bezeichnet. 

c) Die nächste Arbeit wäre dann die Umrechnung der auf den 
Zetteln verzeichneten Nachrichten, und zwar derart, dafs einerseits die 
verschiedenen Preisangaben, anderseits die Warenmengen auf gemein- 
same Mafseinheiten gebracht worden. Diese Umrechnung, die am besten 
auf dem einzelnen Zettel selbst vorgenommen, sonst aber hier kurz in 
ihren Ergebnissen vermerkt wird, könnte auf ortsübliche Mafse und 
Münzen erfolgen, wie das bisher meistens der Fall war, weil man auf 
solche Weise die Ergebnisse preisgeschichtlicher Forschungen dem all- 
gemeinen Verständnis näher zu bringen hoffte. Zweckmäßig wäre dies 
indessen nicht, weil datm immer der auswärtige und nach eingetretener 
Veränderung des Münzfußes oder der Mafse auch jeder einheimische 
Benutzer dieser Ergebnisse zu mühsamer Umrechnung genötigt wäre. 

Dies wird vermieden, wenn die Rechnung auf das in der Wissen- 
schaft allgemein und zumeist auch im täglichen Leben übliche metrische 
Gewicht und Maß gestellt und die Ergebnisse einfach nach den Formeln : 

(Jahreszahl) 1 Pfennig = y g Feinsilber 
(Jahreszahl) 1 Metzen = x hl 

(Jahreszahl) 1 Metzen oder x hl Weizen = a Pfennige = a «/g Feinsilber. 

Mithin ist (Jahreszahl) 1. hl Weizen = . . . Pfennig oder . . . g Feinsilber, 
aufgezeichnet werden. 

Außerdem müßte die Frage der Wertverschiebung bei den Edel- 
metallen ins Auge gefaßt werden. Mancherlei Wege hat man dafür 
schon in Vorschlag gebracht. Voigt und Belhäzy haben die Anwen- 
dung des geometrischen bzw. des arithmetischen Durchschnitts vorge- 
sehlagen, andere eine Umrechnung auf das Verhältnis der lateinischen 
Münzunion oder nach dem Tageskurs befürwortet. Derzeit dürfte es 
noch am zweckmäßigsten sein, sich auf die Angabe des Feingewichts 
nach dem Münzmetall in Gramm Silber oder Gold zu beschränken und 
das Wertverhältnis von damals in Klammern beizufügen, weil damit die 
Behelfe für jede erforderliche oder gewünschte Umrechnung gegeben sind. 

d) Erst nach solchen Vorbereitungen eignen sich die vereinfachten 
Münz-, Maß- und Preisangaben als Quellenstorf höherer Ordnung zum 
Abdruck in einer Preisgeschichte. Der Übersichtlichkeit wegen dürfte 
sich die Form von Tabellen empfelden : für drei derselben, die Münz- 
und die Maßtabellen und für die Übersicht der Wertiinderungen der 
Edelmetalle, die als Hilfstabellen zu dienen haben, Ist die Form gegeben, 
sie sollen in chronologischer Reihe, womöglich Jahr um Jahr, die ermit- 
telten Münz- und Maßeinheiten in Gramm Feinsilber, bzw. in Litern, 



Digitized by Google 



§ 25. Gang der Arbeiten zur Herstellung oiner Geschichte der Preise. 191 



enthalten und ebenso das jeweilige Wertverhältnis der Edelmetalle ver- 
anschaulichen. Auf möglichste Vollständigkeit dieser Tabellen, von welcher 
der Grad ihrer Brauchbarkeit abhängt, ist das Augenmerk zu richten. 
Über die Einrichtung der übrigen der Darstellung der Preisentwickelung 
gewidmeten Tabellen entscheidet der nächste Zweck, der durch sie er- 
reicht werden soll. Sie werden anders anzuordnen sein, wenn es sich 
um Vergleichung der Preise handelt, die eine Ware während gewisser 
Zeit an einem oder an mehreren Orten gehabt hat, anders wenn sich 
<lie Forschung gleichzeitig auf mehrere Gegenstände richtet, beispiels- 
weise Taglohn und Getreidepreis in ihrer gegenseitigen Beziehung ver- 
anschaulicht werden sollen u. dgl. m. Als Anmerkung wären aufserdem 
die Quelle, aus welcher die Nachricht geschöpft wurde, und gewisse 
nähere Umstände anzugeben : ob es ein vereinzelter oder ein Marktpreis 
ist, ob ein Durchschnittswert vorliegt usw. Zur Vereinfachung der Sache 
könnte man sich gewisser Zeichen von verabredeter Bedeutung bedienen, 
zweifelhafte Angaben könnten durch ein Fragezeichen (?), Marktpreise 
durch Beigabe eines Sternchens (*), Durchschnittswerte durch zwei 
Sternchen (**) hervorgehoben werden. Je nach Bedarf und im ganzen 
reiclüieh wären auch graphische Darstellungen zur Erleichterung des 
Verständnisses einzuschalten, die Preise könnton überdies, wie Juvalt will, 
auf einen neutralen Wert bezogen werden. Mehr als irgend ein anderer 
Zweig der Geschichtswissenschaft bedarf die Geschichte der Preise um- 
fassender Vorbereitungen und eines planmäfsigen Zusammenwirkens. Un- 
erläfsliche Vorbedingung solch eines Unternehmens ist die Herstellung 
verläfslicher und möglichst vollständiger Übersichten in chronologischer 
Reihe, sowohl der Münzen nach ihrem Metallwert, als der Mafseinheiten 
nach ihrem Inhalt. Sind diese vorhanden, so kann man dort, wo man 
über reichlichen Quellenstoff verfügt, mit der Erforschung der Preise an 
einem gewissen Orte oder während eines gegebenen Zeitraumes beginnen. 
Dabei wird man von gesicherten Posten auszugehen haben und die Ar- 
beiten nur vorsichtig auf unbekannteren Boden vorschieben. 

Wohl sind es nur Näherungswerte, die man so schrittweise gewinnt, 
indessen jeder Schritt nach vorwärts bietet Gelegenheit zur Nachprüfung 
und zur Sicherung der früheren Ergebnisse. Es ist mithin die Frage? 
nach der Kaufkraft d» s Geldes so recht eine Aufgabe, die nur mit ver- 
einten Kräften und nach einheitlichen Gesichtspunkten mit Aussicht auf 
Erfolg in Angriff genommen werden kann ; sie sei daher auch dem inter- 
nationalen Verbände der wissenschaftlichen Akademien zu gemeinsamer 
Behandjung empfohlen. 

Methoden zur Umrechnung von Münzwerten: v. Ernst, Über die Ermittelung 
de» Werten alter Münzsorten. W. N. M. I, Nr. 54, S. 228. — Der», Flormus monetae 
alemanae. W. N. Z. V. (1873), 148 ff. — v. Bolhazy. Über die Ermittelung den Worte» 
alter Münzen. W. X. Z. XXI, 335 (1889). — Lamprecht, Deutsches Wirtschafts- 
leben im Mittelalter (I,. 1885), II, 3% ff., reduziert alle mittelalterlichen Münzwerte auf 
Gramm Feinsilber. — W. v. Juvalt, Forschungen über die Feudalzeit im kuriHchcn 
Kätien. Zürich 1871, 1. Heft: § 1: Mafs und Gewicht; § 2: Da« Geld; § 3: Der Wert, 
§ 4 : Die Münzen ; S, 5 : Die Verteuerung ; schlagt die Bildung von Xeutralentabollen 
vor (S. 14). — In meinen Vorschlugen und Erfordernissen, S. 22 ff., befürwortete ich 



92 



Zweiter Teil. Geldgcschichte. 



noch die Zurückführung der Münzwerte auf heutiges Geld, und bot ich S. 32 eine 
Neutralentabelle mit Berücksichtigung der Wertverschiebung der Edelmetalle unter 
Zugrundelegung der Bestimmungen der französischen Münzkonvention. Beides halte 
ich heute für unzweckmäfsig. — Umrechnung von alten Mafsen auf das metrische 
System, vgl. meine Vorschlage und Erfordernisse, S. 33 ff. — K. Schalk, Zur Ge- 
schichte der älteren Wiener Maine im 15. und 16. Jahrh. (Bl. d. Ver. f. Landeskunde 
von NioderöMterreich 1886, S. 454 ff.) mit Angabc einer amtlichen »Getraydt Maas-Tabelle« 
vom Jahre 1639, die das Wiener Mafs mit 38 andern bayerischen und österreichischen 
Mafsen vergleicht. — Rottleuthner W., Die alten Tx)kalmaTse und Gewichte in 
Tirol und Vorarlberg. Innsbruck 1883. — Tonarini F., liaguagli dei catnbj, e 
misnre delle piü mercantili piazze di Europa. 2 Bde., Rom 1780, 1781. — Tavole di 
raguaglio fra le nuorr e le nntiche misurc e fra i nuovi t gli antichi pesi della UtpttbUca 
Italiana. pubblicate per ordine del goremo. Mailand 1803—1811. 3 Bde. — Vgl. auch 
§ 18, 9 und § 22, 2. 



Digitized by Google 



II. Hauptetüek 
Die Münze in ihren Beziehungen zum Recht. 

§ 26. Die Mttnzhoheit und die aus ihr hergeleiteten Rechte. 

1. Es mag eine Nachwirkung der im Mittelalter vom Wesen der 
Münze herrsehenden Auffassung sein, dafs noch heute die Ausdrücke: 
Münzrecht, Münzregal, Münzhoheit zusammengeworfen werden, wie- 
wohl sich bei näherem Eingehen auf die Sache wichtige Unterschiede 
nicht verkennen lassen, namentlich, wenn man ihre geschichtliche Ent- 
wickelung ins Auge fafst. Der Begriff des Hoheitsrechtes ist aus jenem 
der Staatsaufgaben herzuleiten. Er bezeichnet jene Gowalt, durch die 
der Staat seinen Zweck auf einem gewissen Gebiet seiner staatlichen 
Wirksamkeit erfüllen soll. Weder die Zahl noch der Umfang dieser 
Hoheitsrechte ist von Anbeginn her bestimmt, fest steht nur, dafs der 
Staat, um zu bestehen, seit jeher Hoheitsrechte haben mufste; was er 
jedoch als Hoheitsrecht erklärte, und wieweit er dies beanspruchte, das 
hing von den tatsächlichen Voraussetzungen ab: von den herrschenden 
Ansichten über die Aufgaben des Staates und von der Art und Weise, 
wie sie der Staat zu verwirklichen suchte. Soweit sich beides im Laufe 
der Zeit veränderte, gibt es auch eine Geschichte der Hoheitsrechte, 
welche mitunter weit in die Vergangenheit zurückreicht. 

Die Unterscheidung der Münzhohoit vom Recht zur Ausprägung, dem Anspruch 
auf den Münznutzen, der blofscn Berechtigung zur Münzorzeugung usw. wird in numis- 
matischen Werken vernachlässigt. Selbst C. A. 8errure, der in dem Aufsatz: *Le 
soi-disant monnayage prifectoral dam h PaysBaa {Bulletin N. I. 85 ff. Br. 1881 82) der 
Frage näher tritt, beschränkt sich darauf, zu erörtern les diffeWentes circomtances qui 
peurent donner lieu ä l'exercice du droit de battre monnaie. A1b dergleichen Grund- 
lagen führt er an: a) le dominium, la qualite mPme de souverain (Stückelberg, 148, 
der sich in diesem Abschnitt durchwegs auf Serrure stützt, übersetzt »die Münz- 
hoheit«); b) la conceasio expream, peraonalis sive hereditaria, doch beruht das von 
Serrure angeführte Beispiel der Verloihung de» Münzrechts zu Frunekcr durch K. 
Friedrich III. (7. Mai 1478) ä un simple particulier, den Sicke Sjaerdama, wie mir Prof. 
Pi renne mitteilt, auf einem groben Mifsverstandnis. Durch die Urkunde von 1478 
wurde lediglich gewissen Beamten des Kaisers die Einrichtung von Reichstnünzstätten 
in Friesland aufgetragen, und jene haben dann kraft dieser Ermächtigung den Sicke 
Sjaerdama zum Münzineister in Franeker ernannt. (Vgl. van Loon, De munten van 
Frieslant. Haarlem 1855. S. 110.) Ebensowenig treffen die aus Ungarn angeführten 
Luschin, Numismatik. 13 



Digitized by Google 



194 



Zweiter Toil. Goldgeschichte. 



Beispiele zu, dafs Private Münzgerechtigkeit hatten (Roll, Jessen). X. Z. 1839. Xr. 12. 
Es sind dies Marken oder Medaillen; vgl. v. Ernst, Bergwerknmt»nzen. S. 38 ff., Xr. 31 ; 
c) usu/ruetus; d) contractu*, namentlich Verpfandung; e) precarium ttire conce&sio revo- 
cabilis Od nutum ; dergleichen sei namentlich zu Ende des 15. Jahrh. oft vorgekommen, 
wenn man einer kleinen Stadt die Mittel zu finanzieller Aufbesserung einräumen wollte; 
f) protectio sive tutcla, der wir VormundschaftHmOnzcn verdanken. — Reust Joach. 
Ernst, Sciagraphia juris monetandi in S. Jmperio Romano Gerinanico . . . Von der 
Münzgerechtigkeit. L. 1745. — Essenius Daniel G„ De jure monetandi. Leipziger 
Dissertation 1740. 

2. Anders verhält es sich mit den Regalien im landläufigen Sinn, 
die auch wohl von der Theorie als regalia accidentalia sive minora den 
wesentlichen Hoheitsrechten (regalia essentialia) gegenübergestellt wurden. 
Sie sind für das Bestehen des Staates an sich nicht notwendig und 
könnten ihm samtlich fehlen, ohne dafs der Staat irgend eine seiner 
wesentlichen Aufgaben zu vernachlässigen gezwungen wäre. Sie sind 
ein rein geschichtlicher Begriff, der sich nur dort bilden konnte, wo 
neben der Zentralgewalt des Staatsoberhaupts die Verwaltungsorgane der 
einzelneu Teile mit weitgehender Autonomie ausgestattet waren. Ob 
sich diese als Überrest früherer Selbständigkeit oder als Zersetzung der 
Reichsgewalt darstellt, mit andern Worten, ob sie das Ergebnis einer 
noch mangelhaften Angliederung der Teile oder der Lockerung des Staata- 
verbandes ist, bleibt zunächst gleichgültig; in beiden Fällen kann es dazu 
kommen, dafs das Staatsoberhaupt neben den Hoheitsrechten, auf welchen 
der Bestand des Staates beruht, sich noch das eine oder andere neben- 
sächliche Recht vorbehält. Während früher sämtliche Rechte, soweit 
sie dem Staatsoberhaupte zukamen, nach dem Titel desselben * könig- 
liche Rechte« hiefsen, die Regalien mithin gleichbedeutend mit Fiskalien 
waren, bildet sich dann ein engerer Begriff aus. Regalien sind nunmehr 
nur jene Rechte, welche dem Staatsoberhaupt als solchem innerhalb des 
Staatsgebiets zukommen. Scheidet man nun von diesen die früher er- 
wähnten Hoheitsrechte aus, so bleiben die Regalien im landläufigen Sinne 
übrig. Sie haben meist finanziellen Inhalt, weil der Wunsch, sich Quellen 
des Einkommens zu sichern, das Staatsoberhaupt vor allem zum Vor- 
behalt gewisser Rechte bestimmte. Aus der Natur der Regalien erklärt 
sich auch ihre Geschichte, da es ebensogut möglich ist, dafs das Staats- 
oberhaupt den Kreis der ihm vorbehaltenen Rechte erweitert, als dafs 
es sich dieser Rinkommenquellen ganz oder teilweise begibt. Die Ab- 
tretung ist an sich nicht gleichbedeutend mit dem Ausscheiden eines 
Rechts aus dem Kreise der Regalien. Ein solches erfolgt nur dann, 
wenn der Verzicht zugunsten dei Allgemeinheit lautete; geschah dies 
nicht, so hat das Staatsoberhaupt sein Recht nur der Ausübung nach 
auf dritte Personen übertragen. Der Charakter der Regalität bleibt dabei 
bestehen, weil das Recht des Staatsoberhaupte immer noch allen Übrigen 
gegenüber vorbehalten erscheint, Die Nutzungen indessen, die das Regal 
abwarf, kommen fernerhin nicht mehr dem Staatsoberhaupt allein zu, 
sondern werden von diesem mit den Personen geteilt, die ihren beson- 
deren Anspruch darauf von ihm herleiten. Diesen Entwicklungsgang 
der Regalität können wir namentlich in Deutschland genau verfolgen. 



Digitized by Go< 



§ 26. Äufserungen der Münzhoheit; Beispiele. 



195 



Holl mann, Ursprung der Regalien in Deutschland. Frankfurt a. O. 1806. — 
Strauch, Über Ursprung und Natur der Regalien. 1866. — Zachariä in Zeitschr. 
f. deutsches Recht XIII, 319. Stobbe, Deutsches Privatrecht, 1. Aufl. (B. 1871 ff.), 
II, § 83, 8. 79. — Roscher, System d. Volkswirtschaft III (3. Aufl.. St. 1882), § 48, S. 229. 

3. Es ist somit die Münzhoheit das Recht der Staatsgewalt, die 
zur Organisierung und Erhaltung des Münzwesens notwendigen obersten 
Verfügungen zu treffen. Gewöhnlich besitzt der Inhaber der Münzhoheit 
überdies jene Befugnisse, wenngleich in örtlich eingeschränkterem Um- 
fang, die den Inhalt dos Münzregals bilden, nämlich die Befugnis zur 
Münzerzeugung und den Anspruch auf den dabei sich ergebenden Münz- 
nutzen, Befugnisse, die man auch unter dem Gesamtnamen »Münzrecht« 
zusammenfallt. Notwendig ist jedoch diese Vereinigung nicht, es kann 
vielmehr jede dieser Befugnisso ihrer Wesenheit unbeschadet jemand 
anderem zustehen. 

Die Münzhoheit ist ebenso alt als das Münzwesen überhaupt 
(§ 19, 3); sie besteht heute fester denn je und äufsert sich nach folgen- 
den Richtungen: 

a) in der Wahl des Gegenstandes, welcher als Geld nicht nur den 
allgemeinen Wertmafsstab sondern auch das gesetzliche Zahlungsmittel 
bilden soll. (Recht der Währung im weiteren Sinn § 20, § 29.) 

b) Kraft der Münzhoheit wird einerseits die Gröfso und Einteilung 
dieses Malsstabs bestimmt, anderseits der Nennwert, d. h. der Betrag 
festgestellt, welcher den Teilstücken bei Zahlungen zukommt. — Recht 
des Münzfufses (§ 22). 

c) Zur Bekundung der Bürgschaft für das Vorhandensein der 
vorerwähnten Erfordernisse und zur Betätigung seiner Hoheit drückt der 
Staat den einzelnen zum Wertmafs und Zahlungsmittel bestimmten 
Gegenständen ein Zeichen auf. — Recht des Gopräges (§ 7). 

d) Als Rechto von minderer Wichtigkeit erscheinen die Herstellung 
der Münzen in eigenem Betrieb und der Anspruch auf etwaigen Münz- 
nutzen. 

Wurde als Gegenstand des Gehles Metall gewählt, dies nach staat- 
licher Vorschrift in Stücke von bestimmtem Feingewicht geteilt und 
durch ein geeignetes Zeichen der staatliehen Anerkennung versichert, 
dann liegt eine Münze vor; fehlt eines dieser Erfordernisse, so mag 
der Gegenstand immerhin noch Geldeigenschaft besitzen, er ist aber 
trotz der Münzform, die er haben kann, streng genommen keine Münze 
(§ 4, 3). 

Die römische Geldgeschichte bietet für das Gesagte Beispiele aus weit 
abstehenden Zeiten. Das aes mde sowie das servinnisehe acs siynatum 
wurden von Staats wegen hergestellt, aber verbürgt wurde dabei nur die 
Geltung des Kupfers als allgemeines, gesotzliches Tauschmittel in Rom 
und etwa die normale Reinheit des Metalls, keineswegs aber ein be- 
stimmtes Gewicht , das stets durch unmittelbare Wägung festgestellt 
werden mul'ste. Das ass signatum war zwar staatlich ausgegebenes Geld 
aber keine Münze, eine solche wurde vielmehr erst um 324 v. Ch. 

13* 



Digitized by Google 



196 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



durch Ausgabe der asscs geschaffen, welchen ein gesetzlicher, von dem 
wirklichen Metallinhalt unabhängiger Wert, der Nonnwert, beigelegt war. 
Ahnlich verhält es sich mit der römischen Goldmünze im 4. Jahrh. n. Chr. 
bei welcher fortwährende Änderungen in der Stückelung vorkamen, so 
dafs schliefslich nur die Bürgschaft des Staates für den Feingehalt, das 
vielumstrittene OB — obryzum, obinfsum übrig blieb und diese geprägten 
Metallstücke, nicht anders als das ungeprägte Barrengold, nur mit der 
Wage in der Hand genommen wurden. 

Mommsen, Geschichte des römischen Münzwesens, B. 1860, S. 170 ff. 

4. Da die Münzhoheit gleich andern Hoheitsrechten ein Begriff ist. 
dessen Inhalt von der augenblicklichen Lage der staatlichen Verhältnisse 
mehr oder minder beeinflul'st wird, so kann sie sich in verschiedener 
Weise äufsern und verträgt auch mancherlei Beschränkungen. 

In Staaten, deren Verwaltung sich auf einer der geschilderten 
Stufen der Dezentralisation befindet, äufsert sich die Münzhoheit vor 
allem im Vorbehalt der Reichsmünze , während die Obsorge für die 
Landes- oder Ortsbedürfnisse andern Personen oder Körperschaften als 
Amt oder Eigen berechtigung übertragen wird. Dieser Vorbehalt, welcher 
sich im ganzen an den Unterschied von Grofs und Kleinverkehr an- 
schliefst, kann sich mehrfach äufsern, und zwar: 

a) Durch Vorbehalt eines bestimmten Münzmetalls. So entzog 
Rom, als es um 486 v. Chr. mit der Silberprägung begann, den lateini- 
schen Kolonien die Gold- und Grofssilbcrprägung und beliefs ihnen 
höchstens das Recht, Kleinsilber und Kupfer für den Ortsbedarf zu 
schlagen (Mommsen, 93, 318). Die Einhaltung eines einheitlichen Fufses 
ist dabei keineswegs nötig. 

b) Durch Vorbehalt bestimmter Münzgattungen innerhalb eines 
einheitlichen Münzfufses. So war im alten Perserreich die Prägung des 
Grofsgoldes dem Grofskönig vorbehalten, während die Satrapen Klein- 
gold von (V 4 bis V w Dareikos) und Silbermünzen vom höchsten Nenn- 
wert abwärts prägen durften (Mommsen S. 12). 

c) Durch Vorbehalt eines bestimmten Gepräges. So beanspruchten 
die byzantinischen Kaiser für sich die Goldmünze und gestatteten 
höchstens den Ostgotenkönigen die Ausprägung von Goldmünzen auf 
den kaiserlichen Schlag unter Anbringung von Monogrammen (Münz- 
meister oder Münzstätten) als Unterscheidungszeichen. Der Klagen 
Prokops über das Unterfangen des Frankenkönigs Theodebert (534 bis 548), 
der das gallische Gold unter eigenem Stempel vermünze, wurde schon 
oben § 11, 6 gedacht (Fig. 67, S. 83). Hierher gehört u. A. auch die 
heutige Münzverfassung des Deutschen Reichs. Nach -dem Münzgesetz 
vom y. Juli 1873 gibt es nur noch Reichsmünzen, deren Prägung jedoch 
auf Rechnung und nach Anordnung des Reichs in den Münzstätten der 
Bundesstaaten erfolgt. Dabei ist das Gepräge der Wertmünzen vom 
Zweimarkstück aufwärts für eine Seite freigegeben, während die übrigen 
Münzen nur Reichsgepräge tragen. 



Digitized by Google 



§ 26. Beschränkungen d. Münzhoheit; ihre Geschichte im Altertum. 197 



d) Durch Vorbehalt eines eigenen Münzfufses für das Reichsgeld unter 
Freigebung eines andern für die Ortsbedürfnisse. So hatte sich Rom 
seinerzeit den schweren Unzialfufs für die Reichskupferprägung vor- 
behalten , während die noch in Tätigkeit verbliebenen italischen Münz- 
stätten bei zwangsweiser Einführung des As-Systems nach halb so 
schwerem Fufse münzen mufsten (Mommsen 321). 

Treffend hebt Laban d, Staatsrecht deH Deutschen Reiches, Freiburg und L. 
1895, 3. Aufl., II. Bd., § 76, 8. 149 hervor, dafa es erforderlich sei, zwei Begriffe aus- 
einanderzuhalten, welche die ältere Theorie unter dem Namen Münzregal durchein- 
andergeworfen hat, wenn man die staatsrechtlichen Prinzipien erkennen wolle, auf 
deneu die Ordnung des Münzwesens im Deutschen Reich beruht. Der eine davon, 
den man Münzhoheit bezeichnen könne, »ist das in der Staatsgewalt enthaltene Recht, 
das Münzsystem zu regeln c, der andere ist »die Ausmünzung oder Münzprägung, d. h. 
die Herstellung von Münzen, welche einem gewinsen Müuzsystem entsprechen^ — 
Meyer G., Lehrbuch des deutsehen Staatsrechts, 5. Aufl., L. 1899, S. 646: »Die Prägung 
der Münzen erfolgt jetzt auf Rechnung und Anordnung des Reichs in den Münzstätten 
der Bundesstaaten. < 

5. Schon im Altertum hat wie heutzutage die Münzhoheit als 
Zeichen der Souveränität gegolten ; sie wurde beispielsweise im Schreiben 
des Königs Antiochos von Syrien an Simon Makkabäus diesem bei 
Einräumung der politischen Selbständigkeit ausdrücklich beigelegt. Dafs 
auch die ersten Frankenkünige ähnlicher Anschauung waren , erweist 
das Vorgehen Theodeberts, dessen gerade gedacht wurde, und der West- 
gotenkönige seit Leovigild (573 — 586), das Kapitel 24b* im Gesetzbuch 
des Langobardenkönigs Rothari usw. Unter den späteren Merowingern 
jedoch hat bei der allgemeinen Zersetzung der königlichen Gewalt auch 
die Münzhoheit gelitten und viel von ihrem Inhalt eingebüfst; Name 
und Bild des Herrschers verschwinden als entbehrlich in der Mehrzahl 
der Fälle; die Haftung für die Güte der Münze übernimmt aussehliefslich 



der Münzmeister, der die Ausmünzung da und dort, jetzt für den Staats- 
schatz, jetzt für eine Kirche oder einen Grundherrn, als Wandergewerbe 
ausübte und daher nebst der Münzstätte regelmäfsig auf den Stücken 
genannt wurde. Die ersten Karolinger hingegen haben bei der Wieder- 
herstellung des Königtums auch Ordnung ins Münzwesen gebracht und 
die Münzhoheit in vollem Umfang wieder geübt (§ 11, 6. 7). Auf die 
Nennung des Königsnamens wird wieder Gewicht gelegt; als Karl d. Gr. 
788 den Beneventanern auf ihre Bitte den Grimoald zum Fürsten gab, 
verpflichtete er diesen eidlich, dafs er den Königsnamen auf seine Münzen 
setze (Fig. 97). Gleichen Brauch haben die Päpste, von der Zeit Karls d. Gr. 




Fifj. 97. Triens des Beneventer- 
fürsten (irimua)d mit d. Numeri 
Kg. Karl» d. firofsen 
(TM-800). 



Fig. 98. Pfennig Kg. Karls des 
Grolsen mit seinem Namenszng 
zu Mailand in den Jahren 781 



bis 800 geprägt. 



Digitized by Google 



198 



Zweiter Teil. Geldgeschäfte. 



angefangen bis zu den Ottonen eingehalten. Im Frankfurter Kapitular 
vom Jahre 794 wurde den neuen Pfennigen mit dem königlichen Namens- 
zug (Fig. 98) unter Strafandrohung Zwangskurs beigelegt, 805 die Münze an 
den königlichen Hof gezogen usw. Doch liefs sich diese Zentralisation 
des Münzwesens auf die Dauer nicht aufrecht erhalten, und schon Karl 
d. Gr. dürfte für die Bedürfnisse des Verkehrs an den bedeutenderen 
Plätzen, die auf seinen Münzen genannt werden, zu Dorestat (heute Wyk 
bei Duerstede), Mainz, Strafsburg, Trier, Verdun usw. bleibende Münz- 
stätten eingerichtet haben. In Gewährung vorgebrachter Bitten mag die 
Errichtung königlicher Münzstätten auch an andern Orten zur Hebung 
des Verkehrs stattgefunden haben, beispielsweise zu Regensburg späte- 
stens unter Ludwig dem Frommen (814 — 840). 

Lexis im Handwh. d. Staatswiss. 2. Aufl., J. 1900, V, S. 900 ff. — Roscher 
in (3. Aufl., 1882), S 232. § 48, Anra. 2. — Blanchet A., Manuell, (Parin 1890\ 
S.101 ff., 186 ff, 197 ff. und die Münzurkunden. 8. 497 ff. — Waitz, Verfaseungs- 
geschieh te IV (2. Aufl.\ Berlin 1885, S. 77 ff. — Engel, Tratte de Numismatique du 
moyen-age I, 42 ff. — Edictm Rotbart, Kap. 246 ; siquis sine jwsione regia aurum 
tignacerit (tut motu' tarn confinxerit manu» ejus incidatur. — Münzhoheit der Ostgoten- 
könitfo, Cassiodors Variae VI, forin. 7: Formida, comitivae sacrarum largitionum . . . 
hinc liberal itatem nostram alio decoras ob&equio ut figura ndtus nostri metalli usualdtus 
imprimatur monrtamque facis. — Ein Goldstück mit den» Bilde Theoderichs ist seit 
kurzem bekannt. Hirista ital. di numismatica. Mailand 1895, VIII, 153. 

6. Es wird im folgenden § zu zeigen sein, welche Entwicklung 
an diese erste Form von Münzprivilegien anknüpft, hier sei nur erwähnt, 
dafs beim raschen Verfall, den die Herrschergewalt unter den letzten 
Karolingern nach dem Vertrage von Verdun in der Westhälfte des 
Frankenreichs erlitt, das Münzwesen zum grölsten Teil in die Hände 
mächtiger geistlicher und weltlicher Grofscn geriet. Hugo Capet, der 
Begründer des neuen Herrschergeschlechts, sah sich auf die Münzstätten 
zu Paris und Orleans beschränkt, und es dauerte volle zwei Jahrhunderte, 
ehe beiläufig ein Drittel des heutigen Frankreich der königlichen Münze 
zurückgewonnen wurde. Noch unter Ludwig IX. (1226 — 1270) gab es 
hier über 80 Münzherren, die allerdings ihr Recht vom französischen 
König, in Burgund meist vom Deutschen Reich ableiteten. Doch hat 
schon König Ludwig IX. in diese Münzrechte mehrfach eingegriffen und 
namentlich für seine Gepräge als Reichsmünze allgemeinen Umlauf in 
Frankreich verlangt, während die Münzen seiner Grofson auf deren Gebiete 
beschränkt wurden. Seine Nachfolger gingen weiter, Philipp IV. der Schöne 
und Philipp V. untersagten zeitweise (1306, 1317) ihren Prälaten und 
Baronen geradezu die Ausmünzung, schrieben, als sie solche wieder ge- 
statteten, den Münzfufs vor und dehnten (1320) ihr Aufsichtsrecht auch 
auf die Münzen aus, die König Edward II. von England in seinen 
französischen Besitzungen schlagen liefs. An Münzberechtigten gab es 
nach einer im Jahre 131") aufgenommenen amtlichen Liste nur mehr 
9 Prälaten und 21 weltliche Grofso, und selbst diese Zahl nahm fort- 
während ab, da die Krone manchem das Münzrecht abkaufte und die 
grol'sen Vasallenherrschaften allmählich mit dem unmittelbar königliehen 
Gebiet verschmolzen wurden. So wurde die Einheit der Münzherrschaft 
in Frankreich seit dem Endo des 15. Jahrh. vollkommen erreicht. 



gitized by Googl 



§ 26. Geschichte der Münzhoheit in Frankreich und Deutschland. 199 



Barthelem y A., Lettre ä Mr. E. Cartier nur les concessions du droit de /rapper 
monnaie faxten par le* Carloringiens aux prilats. R. N. I. 8erie 1851, S. 27 ff. — (Juel 
sens doit-on attarher an mot Moneta dont se sert Louis IV dann le diplöme pars lequel 
il ratifit lest droit» d'Etienne eveque de Liege zur la vüle de Maestridtt. R. N. B. I, Bd. 1, 
S. 349. — Pfoffingor, Corptix juris publici (Frankf. 1754), III, 459. — Garnier, Hi- 
stoire de la mwmaie jmqu'au rdgne de Charlemagne P. 1819, 2 Bde — Prou M., Mon- 
naies Carolingünnes. P. 1896, Introduction, S. XLVI ff. Le Droit de Monnaie. Saulcy 
F. de. Recueil de doenments I, P. 1879, S. 129 (1262/63), 161 (1305), 166 (1306), 192/193 
(1315), 197 (1317), 199 (1320). — Prou M., Documenta d'Histoirc monetaire. P. 1901, 
Nr. I, 1—6. — Mayer Ernwt, Deutsche und französische Verfassungsgeschichte, L. 
1899, I, § 10, S. 94 ff. — Luchai re A., Manuel des Institution francaises. P. 1892, 
§ 145, S. 270 ff. 

7. Umgekehrt verlief die Entwicklung in Deutschland. Hier war 
das Königtum unter Arnulf und den üttonen weit kräftiger als jenseits 
des Rheins, es verlor aber im Laufe der Zeit immer mehr von seinen 
Gewalten, so dafs nach der Ausbildung der Landesherrlichkeit im 
13. Jahrh. ungefähr der Zustand erreicht war, der in Frankreich im 
10. Jahrh. geherrscht hatte. Mit andern Worten, während in Frank- 
reich das Königtum von der Zersplitterung zur Einheit fortschritt, zer- 
bröckelte in Deutschland die Macht des Reichsoberhauptes und er- 
wuchsen die Nachfolger ehemaliger Reichsbeamten zu eigenberechtigten 
Gebietsherren, denen der König eine Gerechtsame nach der andern über- 
lassen mufste. Dem hier geschilderten allgemeinen Entwicklungsgänge 
entsprachen auch die Schicksale des Münzwesens im Deutschen Reich. 
Zu Zeiten Arnulfs war die Münze im Deutschen Reich noch rein könig- 
lich, nur der König und dessen Sohn Zwentibold, der als König in 
Lothringen von Anfang an eine sehr selbständige Stellung beanspruchte, 
verfügen über die Münze. Noch waren die bleibenden Vergabungen 
des Münznutzens, die später so sehr überhandnahmen, recht selten. 
Wenn wir das Jahr 000 als Grenze annnehmen, so können wir aus mehr 
oder minder beglaubigten Quellen nur fünf, zumeist im ehemaligen 
Reiche Lothars I. gelegene Kirchen, die Bistümer Strafsburg (seit 873) und 
Worms (898) und drei Abteien: Korvei (833), Prüm (8(51) und Münster- 
eifel, die mit dem Münznutzen begnadigt waren, anführen. Aufserdem 
dürften die Grafen, in deren Amtssprengel die königlichen Münzstätten 
lagen, für die Aufsicht, die sie besorgten (§11, 8), einen Anteil am Er- 
trägnis gehabt haben, und dieser ermöglichte ihnen im westlichen 
Frankenreich, dafs sie sich bisweilen in den Besitz des Ganzen setzten. 
Eine Änderung trat im Deutschen Reiche seit dem Anfang des 10. Jahrh. 
ein , indem das wieder erscheinende Stammesherzogtum die Münze 
als Amtsbefugnis beanspruchte, und daher der Einflute der Grafen auf 
die Münze hier zurücktrat (§ 27, 1), ferner hat die neue Richtung in der 
innern Politik seit Otto I. neben andern Ilerrscherrechten auch das 
Recht zur Ausmünzung an vielen Orten in die Hände der vom Könige 
frei ernannten Kirchenfürsten gebracht. Diesen gegenüber wurde in 
Deutschland selbst nach dem unglücklichen Ausgang des Investiturstreites 
die Münzhoheit des Reichsoberhauptes in einer Weise gehandhabt, die 
dem Könige wenigstens zeitweise die Nutzungen bischöflicher Münz- 
stätten zuwandte. Wir erfahren aus einem Verzicht Kaiser Ottoä IV. 



200 



Zweitor Teil. Geldgeschichte. 



zugunsten des Erzbischofs von Magdeburg (1209), dafs dem Könige, so 
oft er eine bischöfliche Stadt betrat, um da Hof zu halten, während 
seiner Anwesenheit die Einkünfte aus dem Zoll und der etwa vorhan- 
denen Münzstätte zustanden, ein Vorbehalt, der noch 1238 durch ein 
Hofgerichtsurteil von K. Friedrich II. aufrecht erhalten wurde. Damit 
übereinstimmend erklären der Sachsonspiegel (III. Art., 60, § 2) und auch 
das grofse Kaiserrecht (sog. Schwabenspiegel, Art. 133, Ausg. Lafsberg), 
>In swelke stat des rikes de koning kumt binnen dem ricke, dar is ime 
ledich monte unde toln unde in swelke lant he kumt, dar is ime ledich 
dat gericht.i Dafs dieser Vorbehalt in dem vom Kaiser angegebenen 
Umfange nicht blofs im Sachsenlande und weit über das 13. Jahrh. 
hinaus aufrecht bestand,, erfahren wir aus Berichten zum Jahre 1353 
und 1385, die sich in dor Chronik der bischöflichen Stadt Metz finden. 
So verblieb also dem Reiche als Überrest einer einst umfassenden Be- 
herrschung des Münz wesens zuletzt nur eine gewisse Oberhoheit in 
Münzsachen. Der übrige Inhalt dieses Grundverhältnisses war zersplittert 
und als subjektiver Anspruch auf den Münznutzen, auf ein bestimmtes 
Gepräge, auf die Münzerzeugung usw. in die Hände zahlreicher Berech- 
tigter übergegangen, bis er endlich in den Händen der Landesfürsten 
wieder zu einer auf den Umfang ihres Gebiets beschränkten Münzhoheit 
sich verdichtete. Allein immer noch erscheint deren Münzberechtiguug 
als ein vom König abgeleitetes Recht. Noch im 18. Jahrh. wird in den 
kaiserlichen Wahlkapitulationen der Gedanke festgehalten, dafs das Münz- 
regal kein allgemeiner Bestandteil der Landeshoheit sei, sondern auf be- 
sonderer kaiserlicher Verleihung beruhe, oder sonst beständig herge- 
bracht sein müsse. Es kann daher, um Wiederholungen zu vermeiden, 
hier auf die früheren Ausführungen in § 23, 4, 5 verwiesen werden, 
welche zeigen, dafs die deutschen Könige im 14. Jahrh. kraft ihrer 
Münzoberhoheit die Goldprägungen von ihrer besonderen Bewilligung 
abhängig machten, dafs im 15. Jahrh. Rcichsmünzstätten für die Gold- 
prägung eingerichtet wurden, und dafs im 16. Jahrh. durch Zusammen- 
wirken von Kaiser und Reich Reichsmünzordnungen ergingen. 

Grote, Münzstudien VIII, 313 ff. : Das Münzrecht der deutschen Könige und 
die Autorität des Sachsenspiegel*, 1877. Vgl. auch VIII, 38 — Dannenberg, 
Deutsche Münzen der sächsischen und fränkischen Kniserzeit I (B. 1876), 4 ff. ; II 
(1894), S. 511; III (1898 , 759. — Cahn J„ Ein Beitrag zur Frage des Münzrechts 
deutscher Könige in Stiidtcn mit autonomer Münze. Z. f. N. XX, 156. — Übersicht 
der Münzreehtsverleihungen von 925-1060, Koehne, Z.III. 166 ff., von 908—1291, 
Eheberg, Münzwesen und Ilausgenossenschaften, S 182/183. — Münzrecht und 
Münzstatten geistlicher Fürsten, N Z. 1859, 111, 1863,9, 161. — Grote, Münzstudien 
VIII, 43. — Münzrecht der Herzoge, Koehne. Z. III, 167. — Grote, Mttnzstudien 
VIII, 37. — Geiren Grote, der die Nachrichten de« Sachsenspiegels über da« Münz- 
recht der deutschen Könige bestreitet, s. auch P. J. Meier, Bcitr. z. Brakteatenkunde 
des nördlichen Harzes in Höfkens Archiv f. Brakteatenkunde II. 179. — Ficker. 
Eigentum des Reiches am ReieliHkirchengut, S.-R. der k. Akademie Wien 1872. Bd. 72. 
III, S. 109 ff. — Schröder, Deutsche Rorhtsuesch., 4. Aufl., L. 1902, 418,593. — 
Waitz, Deutsche Verfassungsgeseh., Kiel 1878, VIII, 317 ff.; sog. Schwabenwpiegel. 
Ausgabe Lahberg, cap. 364 . . . Wir sprechen duss alle zoelle unde alle müntze die in dem 
]{oi)\e$chen rie.hc fint, dir /int eines liomeschen kuniges und suer fi teil han. er ß 
phaffe oder leige der whz fi han von einem Kow-sehcn kunege. ■ — Soetbeer in For- 



Digitized by Google 



§ 27. Anschauungen des Mittelalter» über Münzhoheit und Münzrecht 201 



schungen IV, 241 ff., VI, 1 ff. — Na gl A., Das Geldwesen und die deutschen Kultur- 
verhältnisse des Mittelalters. Vortrag. W. X. M. III, Xr. 140, S. 182. — II über - 
lin, Handbuch des deutschen Staatsrechts (2). ß. 1797, III, § »41 ff., S 39. — Wahl- 
kapitulation K. Franz' I., Art IX, §7 in Kochs Sammlung d. Re ichsabschiedo, Zu- 
gabe zu IV, S. 14. Frankfurt a. M. 1747. — Senteniia de liegalibus non in/eudandis 
1238. Mon. Germ. Legeft, Sectio IV, Bd. II, Xr. 212, S. 285. 

8. Im Römischen Reiche stand die Münzhoheit nur dem Kaiser zu, 
und dies fand als Reehtssatz Aufnahme in das corpus juris. Die Glossa- 
toren übertrugen diesen Satz auf den deutschen König, der nach seiner 
Krönung durch den Papst Kaiser des Römischen Reiches deutscher 
Nation wurde und den man als Nachfolger der römischen Imperatoren 
ansah. Auch das Decretum Graüani kennt (c. 11 § 5 Dist. 88) die Münz- 
hoheit des Kaisers mit Bezugnahme auf die von Jesu den Pharisäern 
erteilte Antwort. Thomas von A quiuo wies in seiner schon erwähnten 
Schrift de regimine Principis (II. c. 13) auf die Dekretale Innozenz' III. 
hin, die im Jahre 1205 den König von Arragonien wegen Münzver- 
schlechterung tadelte (c. 18 X, de jurejurando, 2, 24), seitdem haben alle 
späteren Gelehrten des Mittelalters, die sich mit dem Münzwesen be- 
schäftigten, die Münzhoheit auch dem Papst und schliefslich jedem 
suprenats prineeps, also jedem Souverän, zugeschrieben. Alle andern 
physischen oder juristischen Personen sollten das Münzrecht nur durch 
Verleihung von einem Träger der höchsten Gewalt, durch Schenkung, 
Leihe, Amtsauftrag, Kauf, Verpfändung usw. erlangen können. Da jedoch 
das Herkommen ausdrücklicher Verleihung gleichgeachtet wurde, so sind 
auch ohne solche viele weltliche und geistliche Grofso, Städte und Kor- 
porationen sehr zum Schaden der Münzeinheit zum Münzrecht gelaugt. 
Diese Auffassung von der Münzhoheit hat auch auf Münzen ihren Aus- 
druck gefunden. Als die Baseler, in deren Stadt die Kaiser seit Sigis- 
mund Reichsgoldmünzen geschlagen hatten, mit dem Reich zerfallen, eine 
eigene Goldmünze ausgeben wollten, liefsen sie sieh vom Papst Julius II. 
dazu die Ermächtigung erteilen und prägten 1513 Goldgulden mit dem 
Namen des Papstes und dem Baseler Stab, sahen sich aber allerdings ver- 
anlafst, später (1516) bei Kaiser Maximilian um Bestätigung dieses Münz- 
rechtes einzukommen, der selbstverständlich die päpstliche Ermächtigung 
unbeachtet liefs und den Baselern von Reichs wegen eino neue Verleihungs- 
urkunde ausstellte. Von einem andern Auskunftsmittel, das die Nieder- 
lande im Kampfe gegen König Philipp II. in den Jahren 1568 — 1588 
ergriffen, war schon § 8, 6 die Rede. Da die Niederlande ohne formelle 
Ermächtigung noch nicht unter eigenem Stempel zu prägen wagten, 
ahmten sie bei dem Gelde, das sie ausgaben, ältere spanische und 
portugiesische Gepräge nach (Fig. 29 ? S. 48) oder münzten sie auf den 
Namen und mit dem Namen ausgestorbener Geschlechter, wie der 
van Arkel u. dgl. m. 

Ende mann, Studien in den romaniHch-kanonistiscnen Wirtschaft«- u. Rechta- 
lehren II, B. 1883, S. 171 ff. — Waitz, Deutsche Vt)rfassiinKS>;c»ch. VIII, Kiol 1878, 
317 ff. — Eheberg, S. 41 macht aufmerksam, dal« ditN Verbot unn-chtmilfsiti entstan- 
dener Münzstätten durch K«. Heinrich von 1234 — 1190, von K. Friedrich II. von 
1235—1197 und im Würzburger Landfrieden von 1287 — 1250 rückwirkend »ein sollte 



Digitized by Google 



202 



Zweiter Teil, Geldgeaehichte. 



Münzstätten, die ihren Bestand schon vor diesen Jahren nachweisen konnten, durften 
offenbar unbehelligt fortbestehen, ohne Rücksicht, ob sie mit oder ohne kaiserliche Er- 
laubnis entstanden waren. Darin liegt ein Vorläufer jener I^ebre, welche das Münzrecht 
entstehen lief« ex prineipis concessione rel centenaria praescriptione. — Florin Bälois 
au nom d'un Pape. Koehne IV, 371 mit Abbildgn. — Cahn, Rappenmünzbund, 
125. Vor den Baselern hatten 1509 schon die Freiburgcr den gleichen Weg eingeschla- 
gen. Über das angeblich der Stadt Lucca vom Papste Lucius III. im Jahre 1181 verlie- 
hene Münzprivilogium : Lcitzmann, N. Z. 1844, 8p. 21. 

§ 27. Münzverleihungen. 

1. Im Gegensatz zur umfassenden Münzhoheit des Reichs, wie sie 
die ersten Karolinger machtvoll begründet hatten, war die Münzberech- 
tigung des einzelnen stets beschränkt. Ihr Inhalt in den Urkunden 
sehr verschieden als moneta, usus monetae, percussura monetae usw. be- 
zeichnet, besteht immer aus ehemaligen Gerechtsamen des Reichs, die 
entweder diesem entzogen worden waren, oder die der König freiwillig 
aufgegeben hatte. So gewannen — wie schon § 20, 7 bemerkt wurde — 
im westlichen Frankenreich zahlreiche Grafen dadurch, dafs sie ihre 
Amtsbefugnisse hinsichtlich der Münze in lohnbare und vererbliche An- 
sprüche zu wandeln vermochten, eine bleibende Münzberechtigung für 
sich und ihr Geschlecht. Im Ostreich hingegen, wo vor dem 10 Jahrh. 
wenige Münzstätten genannt werden, offenbar weil solche als bleibende 
Einrichtung noch selten waren und die Ausmünzung vor allem in 
palatio, d. h. am jeweiligen Aufenthaltsort dos wandernden Ho,fes, er- 
folgte, hat das unter Ludwig dem Kinde neuerwachsene Stammesherzog- 
tum von Anbeginn die Münze innerhalb seines Gebiets besessen und 
diesen Anspruch so glücklich behauptet, dafs auch die seit den Staufern 
vorkommenden Territorialherzoge die Münzgerechtigkeit, wie es scheint, 
ohne eine besondere königliche Verleihung ausüben konnten. 

Mttnzberechtignng der Grafen in Frankreich. Luchai re, Manuel des Institution* 
fran^aises, P. 1892, 270, t? 145. — Münzrecht der deutschen Stammesherzoge : Grote, 
Mfinzstudien VIII, 37 ; a. a. O. II, 967, erklart er Regen9burg als die einzige karolin- 
gische Münzstätte diesseits des Rheins. Bekannt sind Münzen der Stammesherzoge 
in Bayern seit Arnulf ;907— 937, Danneuberg, Nr. 1046), in Lothringen seit Gisel- 
bert (915—939, a. a. o. S. 541. Nr. 1391), in Schwaben seit Herzog Hennann (926 - 948, 
a. a. O. 340, Nr. 890 ff.), in Franken seit Konrad (944—953) a. a. o. 307, Nr 800 ff. In 
Sachsen, das Kg. Heinrich I. und Otto 1. bis 959 als Stützpunkt der königlichen Macht 
in Händen behielten, gibt es Herzogsmünzen erst von den Nachfolgern Hennann 
Billungs (f 973), z. B von Herzog Bernhard I. (973 — 1011). Unsicher erscheint mir 
Grotes Zuteilung (Münzstudien II, 778) eines Münzchens mit dem Namen LUDOWIC 
und BRVNO an den als Sachsenherzog bezeichneten Oheim Kg. Heinrichs I., den 
Grafen Bruno, der 880 im Kampfe gegen die Dänen tiel ; das Münzprivilogium König 
Arnulfs für Bremen vorn Jahro 8S8, auf das sich Grote beruft, um zu erweisen, dafs 
es im Verwaltungsbezirke des D(7N Bruno, und zwar während seiner Dienstführung 
eine Münzstätte gegeben habe, ist eine Fälschung aus dem 10. Jahrh. (Mühiba eher, 
Karol. litij. I, 664, Nr. 1744, und Waitz, V. G. VIII, 322, Anm. 1). In Karantanien, das 
bis 1002 meist vom Herzoge in Bayern verwaltet wurde, beginnen eigene Herzogs- 
münzen mit Konrad I. (1004—1001) und Adalbero (1012—1035 . — Münzen der Baben- 
berger als Markgrafen sind bisher nicht nachgewiesen, wohl aber bestand schon das 
nächste Jahr nach Krhebung der Ostmark zum Herzogtum eine herzogliche Münze zu 
Krems. — Vgl. meine Wiener Pfennige, § 10 in W. N. Z VIII, 254. — Dio Münz- 



Digitized by Google 



§ 27. Inhalt der Münzverleihang anter den Karolingern. 



203 



berechtigung proprio jure der Stammeaberzoge, die schon im 18. .Tahrh. von Ludo- 
wiß, Joachim und Pütter angenommen wurde, betjtreitet mit K o eh n e (Z. III, 1 66), 
Moller I, 160. 

2. Bei einer Untersuchung über Münz.verleihungen und bei Be- 
trachtung ihrer geschichtlichen Entwickelung mufs — wie Eheberg mit 
Recht betont — sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden. »Zwischen 
Münzverleihung und Münzverleihung ist ein grofser Unterschied«, der 
allerdings oft übersehen wurde, weil die Münzprivilegien im früheren 
Mittelalter nicht selten Verleihungen verschiedenen Inhalts und Umfangs 
kurzweg mit moneta bezeichnen. 

Für die Münzverleihungen in karolingischer Zeit waren volkswirt- 
schaftliche Erwägungen mafsgebend. Die von Karl d. Gr. verfügte Ein- 
schränkung der Ausmünzung auf die Tätigkeit der an seinem Hofe be- 
schäftigten Münzer erwies .sich als ungenügend, um den Verkehrsbedürf- 
nissen im ganzen Reiche zu genügen; sie konnte ja eigentlich nur die 
Umgebung jener königlichen Besitzungen versorgen, die sich gerade 
einer längern Anwesenheit des umherziehenden Hofes erfreuten. Es 
entbehrten daher ausgedehnte Gegenden des Reiche.« Jahr um Jahr der 
Möglichkeit, sich mit der erforderlichen Münze zu versorgen, aus dem 
einzigen Grunde, weil sie abseits von der Reiserichtung lagen, die der 
König eben einhielt, während es doch für Plätze mit lobhaftem Verkehr 
von Wichtigkeit war, jeweils nach Bedarf eine königliche Münzstätte 
zur Verfügung zu haben. Nachdem dies nur infolge besonderer Ver- 
fügung zu erreichen war — das Kapitulare vom Jahre 805 bestimmt: 
rolumiis ut müh ulio loco moneta sit, nisi in palatio nostro, nisi forte Herum 
a nohis aliter fuerit ordinatum — so müssen wir eine erste Form von 
Münzprivilegien annehmen, die darin bestand, dals der König für solche 
Orte die Errichtung einer besondern königlichen Münzstätte zugestand. 
Münzverleihungen dieser Art mögen, besonders auf Bitten von Stiftern, 
die in ihren Bezirken wegen der vielen auch für sie daraus entspringen; 
den Vorteile die Entstehung eines Marktplatzes wünschen mufsten, schon 
unter Karl d. Gr. ergangen sein. Schriftliche Zeugnisse für solche Ver- 
fügungen, die durch mündlichen Befehl des Königs erledigt werden 
konnten, sind nicht bekannt. 

Eheberg 7 ff. — Soetbecr in Forschungen VI. 23 ff. — Waitz, V. G., IV 
(2 Aufl.), 94 ff. — Müller, Deutsche Münzgexchichte I, 126 ff. — Beselcr, Die 
deutschen KaiMcr Urkunden als RechLsqu eilen in Z. f. Kechtapenchichte II (1863), 383 ff., 
388, 406; Zusammenstellungen von Münzrechtsverleihungen h. hei Eheberg, S. 1H2, 
183 (von 908 — 1291), und bei Pfeffinger (Frankfurt u. M. 1754), III, 459 — 477 — 
Engel Serrure, Tratte II, 516 von 937 — 1071. — Lamprecht, Deutsches Wirt- 
schaftsleben im Mittelalter (Leipzig 1885), II, 351, bezeichnet in Anschluß an Soet- 
beer und Eh oberg die r'.ntwickelungsstufen, welche die Verleihung der moneta durch- 
gemacht hat: einfaches Münzprivileg (2\ einschlicfslich der Münzvergünntignng (l); 
Münzprivileg zu eigenem Gepräge (3) und als Münzrecht zu eigenem Schrot und Korn (4). 

3. Seit Kaiser Ludwig dem Frommen (f 840) kam es zu Münzver- 
leihungen anderer Art. Noch wird der früher allein wirksame volkswirt- 
schaftliche Gesichtspunkt: Belebung des Verkehrs durch das Vorhanden- 
sein einer Münzstätte angedeutet, allein in den Vordergrund tritt der 



Digitized by Google 



204 



Zweiter Teil. Gcldgeachichte 



persönliche Beweggrund des Herrschers, der durch Gewährung irdischer 
Vorteile an Kirchen für sein Seelenheil Vorsorgen will. 

Dies geschieht in der Art, dafs die Einkünfte einer schon bestehen- 
den oder neu errichteten königlichen Münzstätte nunmehr ganz oder 
teilweise der begnadeten Kirche überwiesen wurden, vielleicht auch nur 
durch einen Befehl auf Ausfolgung neugeprägter königlicher Münze 
mit Nachsicht des Schlagschatzes. Welcher Art dieser Nutzen war. 
wissen wir leider nicht; wir haben, wie Soetbeer und Eheberg mit 
Bedauern hervorgehoben haben , keine urkundlichen Nachrichten , ob 
die Münzstätten von den darin beschäftigten Münzorn selbständig gegen 
Ablieferung einer nach Art eines Pachtzinses bemessenen Summe des 
aus dem Münzwechsel und Schlagschatz gewonnenen Geldes, oder ob sie 
von diesen auf Rechnung nur gegen Abzug der Selbstkosten und ihres 
Unterhalts verwaltet wurden. Klar ist nur, dafs ein bestimmter Vorteil 
aus dem Münzbetrieb für den Fiskus wie für die Beliehenen erwuchs, 
und dafs derselbe nicht unbedeutend gewesen sein kann, da Fälle be- 
kannt sind, in welchen selbst über ein Zehntel dieses Nutzens durch den 
Herrscher verfügt wurde. 

Auch auf dieser Entwickelungsstufe der Münzprivilegien, die wir 
als zweite bezeichnen, ist von einem Rechte des Begnadeten, Münze 
unter eigenem Gepräg* 1 zu schlagen, noch keine Rede. Das Münz- 
bild entsprach dem Stempel der königlichen Münzen, Schrot und Korn 
aber mufsten sich an den vom König festgesetzten Münzfufs anschliefsen, 
dessen Einhaltung ausdrücklich vorgeschrieben wurde. Nur die Münz- 
fabrikation und deren Gewinn ist jetzt den mit einem Münzprivilegium 
Bedachten gestattet. 

Eheberg 10, Soetbeer VI, 31 ff. — Waitz, V. G. VTII (1878), 318 ff. — 
Müller I, 148 ff. : Das Privileg Kg. Karl« II. des Kahlen von 865 für Bischof Erchenraus 
von ChAlons bewilligt diesem, der die vollwichtige Münze in proprio nequibat ciritatc 
invtnirc auf seine Bitte (1.7, in eadem ciritatc sicut in aliis regni nostri statueremw 
monclam —: jusHvnm Uli dari de camera nostra monetam nestram; zugleich schenkt der 
König um seines usw. Seelenheils willen den Kauonikern der Kirche censnm qui inde 
exier'tt . . Blanchet, Manuel de numism. I (P. 1890}, 504. Der mitgeteilte Wortlaut 
könnte zur Annahme führen, dafs der König dem Bischof den kostenlosen Bezug 
von vollwichtiger Münze aus der königlichen Kammer gegen Einlieferung von Silber 
gestatteto und auf den Schlagsatz zugunsten der Kanoniker Verzicht leistete. Der 
Nachsatz, dafs der Bischof cundem monetam cnm omni redditu jwssülere ralcat ctrr- 
nalih r erregt allerdings Zweifel gegen diese Auslegung und scheint zum mindesten 
die Befugnis zur Errichtung einer "Weehselbank in sich zu schliefsen. — Dafa der Aus- 
druck momta zeitweilig gleich niensta numularui, camhium gebraucht werde, sucht N. 
Z. 1K40, Nr. 22 nachzuweisen. 

4. Eine wesentliche Änderung im Inhalt der Münzprivilegien tritt 
im Laufe des 10. Jahrh. ein. Die kraftvollen Herrscher aus dem säch- 
sischen Hauso, denen die Aufgabe zugefallen war, das Reich aus der 
allgemeinen Auflösung unter Ludwig dem Kinde und Konrad I. wieder 
in gesicherte Zustande zu lenken, gaben die karolingischen Verwaltungs- 
grundsatze preis und schlugen neue Bahnen ein. 

Bekannt ist, dal's sie gegenüber der erblich werdenden und daher 
anschwellenden Macht der Grafen und Herzoge sich vor allem auf die 



Digitized by Googl 



§ 27. Inhalt der Münzverleihungen unter den Ottonen. 



205 



Bischöfe stützten, deren Ernennung in ihren Händen lag. Es wurden 
in dieser Zeit die Bischöfe durch Übertragung mannigfacher Gerechtsame 
zu königlichen Organen für die örtliche Verwaltung, und ihnen blieb es 
auch überlassen, den Handel und Verkehr am einzelnen Orte zu heben. 
Volkswirtschaftliche Erwägungen treten in dieser Zeit bei neuen Münz- 
rechtsverleihungen ganz zurück, ebenso die Rücksichtnahme auf das 
Seelenheil des Königs; mafsgebend werden politische Erwägungen, nament- 
lich die Absicht, treu geleistete Dienste zu belohnen oder solche sich 
fernerhin zu sichern und Gründe ähnlicher Art. Dafür erscheint in 
den Urkunden ein fiskalischer Gesichtspunkt: Der Bischof, das Kloster, 
oder wer sonst der Beliehene war, soll durch die Münze Einkünfte er- 
halten, und zwar ohne Rücksicht, ob dadurch anderweitige Interessen geför- 
dert oder geschädigt wurden. Durch diese Änderungen wurde nun die 
Einheitlichkeit im Münzwesen aufgegeben, welche die Karolinger ent- 
schieden festgehalten hatten, namentlich wurde die früher ausdrücklich 
vorgeschriebene Übereinstimmung aller Münzen mit den königliehen 
Geprägen fortan nur ausnahmsweise zur Bedingung gemacht, beispiels- 
weise in den Jahren 992 bis 1000 den Abteien zu Echternach , Nien- 
burg, Lorsch und Reichenau. Meist wurde dem Begnadeten moneta 
schlechtweg oder monetam efficere und dazu noch Markt- und Zoll recht zu- 
gestanden, so dafs man schon gemeint hat, es hätte sich die Verleihung 
in dieser Zeit immer auf all diese Gerechtsame zugleich erstreckt, 
eine Ansicht, die in dieser Allgemeinheit allerdings unhaltbar ist , da es 
Beispiele gibt , in welchen das Markt- oder Zollrecht nur unter Vor- 
behalt der Münze für den König gewährt wurde. 

Nun wäre es zwar möglich, dafs damals eine allgemein lautende 
Verleihung immer auch die stillschweigende Bedingung oinschlofs, dafs 
die neue Münze nach dem Vorbild der königliehen geschlagen werde, 
allein es gibt auch Fälle, in welchen ausdrücklich jus et jwtestas propriae 
moneiae, oder percussura propriae monetae, proprii nomismatis u. dgl. ver- 
liehen wurde, oder die Bestimmung dahin lautete, die neue Münze sei 
nach dem Muster der Regensburger, der Speyrer, der Strafsburger 
Münzen herzustellen. 

Ehebe rg 19 ff. : a) Den Abteien zu Echternach, Nienburg, Lorsch wurde in den 
Jahren 992 — 1000 eine moneta jmblica zugestanden, in qua probabUc* nummi dchinc 
percutiantur ; um dieselbe Zeit (998) erhielt auch Reichenau die Erlaubnis zu einer 
moneta omni tempore purissimi argenti. — b) Die Ansicht, dafs mit dem Markt- und 
Zollrecht auch die Münze verliehen gewesen sei und umgekehrt, vertritt Eh oborg 
ti. 18. — Vorsichtiger drückt sich Waitz VIII (1878\ 320 aus, der die Marktrechtsver- 
leihungen für Andlau und Sulzburg excepta moneta in Ann). 3 hervorhebt. Anderseits 
erhielt 958 das Kloster Meschede im Orte omne theloneum vel quicquut ex maeello in 
loco Meascede pcracto jure adquiri potent, excepta moneta zu Eigentum. M. G. Dipl. 
Ottonis I, 272, Nr. 190 — c) Man könnte für die Meinung, dafs die königliche Münze 
bei allen allgemein lautenden Munzrechtsverleihungen stillschweigend als Vorbild be- 
dungen gewesen sei, geltend machen, dafs die im Jahre 988 dor erzbischöflichen 
Kirche zu Hamburg erteilte Ermächtigung comtruendi mercatum in loco Bremun — 
nec non monetam in den Bestätigungen durch K. Heinrich II, vom Jahre 1003 und 
1014 durch den Zusatz nec non monetam publici ponderis et puri argenti erläutert 
wurde. M. G. Dipl. Ottonis III, 40, S. 439, Heinr. II, Nr. 325, S. 411. Andere Bei- 
spiele bei Waitz, V. G. VIII (1878), 321, Anm. 1. 2. — d) Die proprio moneta 



Digitized by Google 



206 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



et percu8sura proprii numitmatia wird zuerst 926 erwähnt in einer Bestätigung für 
St. Martin de Tours. Blnnchet, Manuel, I. 231. — 973 erhält Eb. Theoderich von 
Trier percussuram proprutm monetae, 986 das Klostor Korneli Münster Marktrecht una 
proprio cum moneta. M. Germ. Dipl. Ottonis II, III, S. 68, Nr. 58, S. 416, Nr. 18 ; andere 
Beispiele bei Waitz, V. G. VI LI, 321, Anm. 2, ferner 3—6, für Kloster Seh: 993: 
monetam publicum imaginc et supertscriptione utriusque monetär, Argentinensis et SpirenMs 
praefiguratam. 996, monetam Jtadasponenscm in loco Friginnga (ebenHO in loco Salzpurc) 
dicto imperialt potentia confttrui — concetttimus. Ferner 1009 die Erlaubnis fürs Bistum 
Speyer zu Marbach faciendi monetam forma, pondere et puritate Spiremium sire Worma- 
crn&ium de.nariorum ad destruendas in citvuitu falsa» monetas. M. G. Dipl. Ottonis III, 
Nr. 130, 197, 208, S. 641, 605, 619, Heinr. II, Nr. 190, S. 225. — 1062 Kg Heinrich IV. 
erstatet dem Bistum Bamberg zu Fürth das Marktrecht cum theloneo et perevfisura 
proprii nomismatis. Mon. Boica XXIX, I, 160, Nr. 406- 

5. Aus den zuletzt angeführten Verleihungen ersieht man bereits 
deutlieh die Richtung, in der sich die Kntwjekelung des Münzwesens in 
Deutschland weiterhin bewegte: was erst ein einfacher Gnadenakt des 
Königs war, wurde mit der Zeit zu einem durch die Belehnung ge- 
festigten Rechte des Münzherrn. Welch grofser Abstand von den karo- 
lingischen Münzeinrichtungen am Schlüsse des 10. Jahrh. schon erreicht 
war, kann man aus den zuletzt erwähnten Verleihungen einer proprio 
moneta ersehen, die im Gegensatz zur moneta publica offenbar den ört- 
lichen Bedürfnissen angepafst werden durfto und daher den Charakter 
einer Lokalmünze trug. Die nächste Folge solcher Verleihungen war 
die langsame Zurückdrängung der Einheit im Münzwesen, indem sich 
Lokaltypen von Münzen bilden konnten , deren Unterschiede anfäng- 
lich die Form und Gröfse des Schrödings, das Münzbild, kurz das 
Äufsere der Münze betreffen mochten, mit der Zeit jedoch auch das 
Feingewicht, also ihr eigentliches Wesen, erfafsten und so zur Prägung 
nach eigenem Münzfufs führten. Es wird später (§ 29, 5) zu untersuchen 
sein , welche Rückwirkung diese Entwickelung auf die Umlauffähigkeit 
der verschiedenen Gepräge genommen hat. Hier genügt die Feststellung, 
dafs sich in Deutschland bis gegen das Jahr 100U hin schon bestimmte 
Lokaltypen herausgebildet hatten, so dafs man Pfennige nach Regens 
burger, Speyrer, Wormser Schlag usw. unterschied. Zwei Menschenalter 
danach war man schon bei der Prägung nach eigenem Münzfufs an- 
gelangt, wie dies aus dem Münzprivileg König Heinrichs IV. für Augsburg 
vom Jahre 1061 hervorgeht , «las dem Bischöfe einerseits die Müuzuug 
auf den Regensburger Schlag bestätigt, anderseits aber um 30 Pfennige 
mehr aus dein Pfund Silber auszubringen gestattet. Aufgabe tüchtiger 
Numisniatiker wird es sein, künftighin durch sorgfältige Erforschung der 
überlieferten Münzen aus dem 10. und Anfang des 11. Jahrh. Klarheit 
in diese verwickelten Verhältnisse zu bringen. 

Bestätigung dos Münzrechts für den Bischof von Augsburg durch Kg. Heinrich 
im Jahre 10G1 ... ut radem moneta l{ati$bonrnsi rquiparetur, »intilitcr erponatur rt 
aa-ipioiitr, c.iirpto rjuod in Ultra argenti XXX drnarii />/«.< quam in illa mperiu* 
nominata moneta Kntiftponi'nxi monetentur. Mon. Boica XXIX, 1, S. 150, Nr. 401. Die 
Schwere des in der Iieirensbiirgcr bzw. in der Augsburger Münze im XI. Jahrh. ver- 
wendeten Silberpfundes iMt vorerst unhekunnt, die spätere Augshurger Silbermark war 
um etwa 10 V. g oder rund '/„ leichter als die zu KegeiiHburg übliche Troymark von 
24<;,1 tl g. 



Digitized by Google 



§ 27. Die Munzverleihungen der Salier und der Staufer. 



207 



6. Erst die vierte Entwicklungsstufe der Münz Verleihungen geht 
noch um einen Schritt weiter und überläfst das Münzrecht nach seinem 
ganzen Inhalt dem Münzherrn. Erst sie ist, mit Eheberg zu reden, 
der Ausdruck einer eigentlichen Schwäche im Zentrum des Reichs. Von 
da ab ist keine Ausbildung des Inhalts der Privilegien mehr erfolgt, und 
sie wäre auch kaum mehr möglich gewesen. >Nun ist den Beliehenen 
erlaubt den Münzfufs und Stempel selbst und mit wenigen Ausnahmen 
vollständig frei zu bestimmen und nach Belieben zu verändern, alle 
fremden Münzen in ihrem Gebiet vom Verkehr auszuschliefsen , die 
eigene Münzo zu verrufen , den Schlagschatz nach eigenem Gutdünken 
festzusetzen , kurz das Münzrecht auf alle mögliche Weise und alle nur 
denkbare Art zur Gewinnung möglichst grol'ser Einkünfte auszuüben.« 
Als frühes Beispiel dieser Art sei die Schenkung der königlichen Münze 
zu Kirchheim am Neckar durch König Heinrich IV an den Grafen 
Eberhard im Jahre 1059 genannt. Der Graf empfängt die Münze cum 
omni jure et utilitate, que ullo modo provenire poterit und mit der Ermäch- 
tigung zu beliebiger Veräufserung. Eine Erweiterung darüber hinaus 
war nur insofern möglich, als die königliche Bewilligung gewöhnlich 
auf bestimmte Orte lautete, die Übertragung schon bestehender, sowie 
die Errichtung neuer Münzstätten daher von einer besondern Er- 
laubnis abhängig war. Auf die Beseitigung auch dieser Schranke war 
fortan das Bestreben der Münzherron gerichtet, die ihr Ziel hier früher, 
dort später erreichten. Genauer läl'st sich indessen der Eintritt dieser 
Entwicklungsstufe nicht abgrenzen , da die Steigerung allmählich er- 
folgte und seltener im Wortlaut der Privilegien als in der Art und 
Weise hervortrat, wie der Münzherr von seinem Rechte Gebrauch machte. 
So ist denn vom alten Gedanken der Münzverleihung nichts mehr ge- 
blieben. Der volkswirtschaftliche Gesichtspunkt, dafs die Münze den 
Handel eines Landes oder einer Stadt zu beleben habe, dafs sie Handels- 
beziehungen ermöglichen, den Wohlstand und Nutzen der Untertanen 
befördern solle, tritt völlig in den Hintergrund; das Münzrecht ist nur 
eine sehr ergiebige Quelle von Einnahmen für den Berechtigten, und 
es hat Jahrhunderte voll trüber Erfahrungen bedurft, ehe wieder eine 
Wendung zum Bessern ointrat. 

1059 . . prefatus Kberhardus comes W>eram dehinc habcal poteatatem de eadem 
tnoneta dindi, commtttandi, prccariaruli rd quiequid sibi plucurrit indv. faciendi . . . 
Wirtemberg, V. B. I, 279, Nr. 232; dazu Khoberg, 23; Soetbeer VI, 37. — Der 
Erzbiscbof von Trier erlangt das Recht zur Errichtung von MunjwUitten an beliebigen 
Orten seines Gebiet« erat 1314 vom Könige. Lamprecht a. a. O. II, 355. 

7. Das unterscheidende Merkmal für die jüngste Forin der Münz- 
verloihungen ist, dafs nunmehr das erteilte Münzrecht allen übrigen 
Münzberechtigten, ja, soweit kein Vorbehalt gemacht wurde, auch gegen- 
über dem Reich einen gegen jedwede Sehmülerung geschützten Rechts- 
anspruch auf den Münzgewinn darstellt. Der Münzherr kann jetzt den 
Verkehr innerhalb seines Gebiets der eigenen Münze ausschlicfslieh vor- 
behalten und ist hier gegen die Errichtung fremder Münzstätten all- 
gemein geschützt, seitdem Kaiser Friedrich II. in seinen Gunstbriei'en 1220 



208 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



für die geistlichen und 1232 auch für die weltlichen Fürsten auf sein 
Recht im Reiche, nach freiem Ermessen Reichsmünzstätten einzurichten, 
verzichtet hatte. Im Zusammenhang damit war am 30. April 1230 zu 
Frankfurt vor dem Reichsgerichte durch Gesamturtoil festgestellt worden, 
dafs der Kaiser nuüam auetoritatem seit uarandiam thelonei vel monete in 
dampnum sice prejtulicium alicuius gewähren könne. Die Eigentümlich- 
keiten des in einer Münzstätte entwickelten Gepräges, vor allem die 
Münzhilder, sollten ohne Willen des Münzherrn von niemand nach- 
geahmt werden, ein Gedanke, den der sog. Schwabenspiegel in die Worte 
kleidet : Swelh gemaelde ein herre an sine phennige setzet und setzet daz ein 
ander herre an die ßnen, die fint vaUch und ist der herre ein mlschaer 
(Lafsberg, S. 155 nach § 363). Diesen Anspruch vermögen wir sogar 
in seiner geschichtlichen Entwicklung zu verfolgen. Noch um die Mitte 
des 12. Jahrh. bedurfte es zu solch einer Sicherung eines kaiserlichen 
Gnadenbriefs. Lucca liefs sich z. R. im Jahre 1155 vom Kaiser Friedrich I. 
verbriefen : monetam cum cuneo et forma, qua Jiactcnus eudebatnr, um sich 
gegen Pisa zu schützen. Gegen Ende des 12. Jahrh. war jedoch der 
Anspruch des Münzherrn auf sein Münzbild schon so gefestigt, dafs ihn 
der Erzbisehof von Salzburg im Jahre 1195 durch Klage vor dem 
Fürstengericht durchsetzen konnte. Kurz vorher (1194, 4. Juni)" hatte 
Kaiser Heinrich VI. den Genuesen einen Schadlosbrief ausgestellt, weil sie 
ihm erlaubt hatten, während des Feldzugs sein Silber nach Genueser 
Gepräge auszumünzen, und 1220 erging zugunsten der Gepräge geist- 
licher Fürsten ein allgemeines kaiserliches Gebot, das die Nachahmung 
ihrer Gepräge untersagte. Bald darauf legte sich der König durch das 
Statutum in favorem prineipum (1231/32) eine weitgehende Beschränkung 
seines Verleihungsrechts auf, indem er den Landesherren versprach, nur 
mit ihrer Zustimmung neue Münzstätten in ihren Gebieten errichten 
zu wollen. In Ausführung dieser Zusage erging im Landfrieden 
Kaiser Heinrichs vom Jahre 1234 die Aufhebung aller Münzstätten, die 
seit Kaiser Friedrichs I. Tode ohne Zustimmung der Fürsten errichtet 
worden waren. Fortan war also der Kaiser in der Ausübung seines Regals 
durch den entgegenstehenden Anspruch der Gebielsherren beschränkt, 
die jede Änderung des bestehenden Zustande ablehnen konnten, wenn- 
gleich die Münzverleihungen, soweit solche noch erfolgten, bis ins 14. Jahrh. 
vom Kaiser allein und ohne Beirat der Grofsen ergingen. Später änderte 
sich auch dieses, und Kaiser Maximilian II. mulste 1562 in seiner Wahl- 
kapitulation das Versprechen geben, hinfür niemand, wes Standes oder 
Wesens er sei, ohne Vorwissen der Kurfürsten mit Münzfreiheit begna- 
digen zu wollen. 

1195, 1. Juni, Mailand. K. Heinrich bekundet da« in seiner Gegenwart gefundeno 
Urteil: qm»l nultu* omnino ptr tot um archiepixcniatum Salzburgenxcm monetam eudere 
debeut in forma Salzburgensi tthi tuntum momtarii arrhie/tixeopi Salzburgemis. Bflhmer, 
Acta sei it»i>. 18"), W 202. ^chudlosbrief K. Heinrich* VI. für Genua vom 4. Juni 1 194 
b. Stumpf, Reichskanzler 48ftfi. -- Confmderutio cum prineipibus ccclcxiasticis 1220, § 2. 
Der Kaiser gelobt die Münzrechte der geistlichen Fürsten zu achten und zu schirmen 
n>'c ab aliis ledi jtermittemus mod'm ali'jtnbus ntpote mottete turburi et vilij'icari solent 
nimilitudinibmt ymatjinum. M. G. 1° Constitutiones II, 89. Xr. 73. — Statutum in 



Digitized by Googl 



§ 27. Münzrechte slaviseher Fürsten in Mecklenburg, Pommern D8W. 209 




farorem printi/mm 1231/32 § 17 a. a. O. 419 Nr. 304 und 212, Nr. 171. Kg. Heinrichs 
Landfrieden 1234, § 9 a. a. 0. 429, Nr. 319. — Ehehertr 40. Die Kaiser behielten sich 
jedoch in den von ihnen verliehenen Reichsmünzstatten das Recht vor, vorüber- 
gehend für den eigenen Bedarf Münze schlagen zu lassen. Vgl. die Urkunde für die 
Wormser Hausgenossen von 1165 (U. B. Worms 1, S. 65) für Goslar von 1219. Ein 
Beispiel, in welcher Art deutsche Reichsstande, die das Münzrecht zu erlangen 
wünschten , seit der Wahlknpitulation K. Maximilians II. um die Zustimmung der 
Kurffirsten sich bemühen mufsten, bildet die Eingabe des Landgrafen Georg Christian 
von HesKen-Homburg an den Kurfürsten von Bavern vom Jahro 1670, s. Bl. f. Mzfr. 
1894, Nr. 195, S. 1881. 

8. Von der Regel, dafs alle Münzrechte im Reieh vom deutschen 
König abzuleiten seien, bildet der Ursprung der Münzberechtigung ge- 
wisser slawischer Fürstentümer, die erst später in den Reichsverband 
eintraten, nur eine scheinbare Ausnahme. Der Hevellerfürst Pribislaw- 
Heinrich, der Freund Albrechts des Bären in der Nordmark, Jakza von 
Köpenick, Pribislaws Verwandter und Gegner des Mark- 
grafen, die Fürsten von Mecklenburg und Pommern, 
die Pfemysliden in Rühmen und Mähren besafsen als 
auswärtige Fürsten von Hause aus das Münzrecht und 
haben nur teilweise und vom 14. Jahrb. an Bestäti- 
gungen dieses Rechts oder andere Münzprivilegien 
vom Kaiser angenommen. Eigentümlich vor allem 
waren die Münzverhältnisse in Schlesien, wo die Her- ng fl 
zöge aus piastischem Hause seit der 2. Hälfte des von Köpenick um 1157 mit 
12. Jahrh. als polnische Teilfürsten münzen lieben. KStSS' 
Als sie später zu Anfang des 14. Jahrh. ihre for- IAKZa . coptnik . cnk(i). 

11 itL« • 1 • . .,1 • t> • Nachbildung eines majr«le- 

melle Abhängigkeit von Polen gegen ein zu Beginn b urg. ürätipftnaJfa. 
ebenfalls formelles Lehensverhältnis zur Krone Böh- 
mens vertauschten, behielten sie zwar die frühere Münzberechtigung, die 
sie unter anderm zur Verpfändung oder zeitweiligen Verleihung der Aus- 
münzungen an ihre Städte benutzton ; über ihnen aber nahmen die Kö- 
nige von Böhmen als Oberlehensherren das Recht der Münzverleihung 
in Schlesien gleichfalls für sich in Anspruch. So verlieh schon König 
Johann 1340 der Stadt Glogau das Münzrecht, 1362 erlaubte Kaiser 
Karl IV. auctoriiate regia Boemica der Stadt Breslau Heller zu schlagen, 
ein Recht, das in gleicher Weise König Wenzel IV. 1416 und König 
Sigismund 1422 genehmigten, 1429 nahm Herzog Johann I. von Sagan 
ein Münzprivilegium aus den Händen König Sigismunds entgegen, 14Ö5 
bestätigte König Ladislaus Postumus die Münzvereinigung der schle- 
sischen Fürstentümer aus kunifflicher Behmischer macht usw. Als dann 
um das Jahr 1470 König Matthias von Ungarn in Schlesien Fufs ge- 
fafst hatte, wufste er die Münzhoheit des Königs als des obersten Herr- 
schers von Schlesien durch die Münzordnung vom Dezember 1474 
schärfer zum Ausdruck zu bringen. König Matthias nahm darin das 
Recht, die \V r ährung zu verleihen, für sich allein in Anspruch, behielt 
sich auch die Groschenprägung bevor, und den bisher münzberechtigten 
Fürsten wurde unter Verkürzung ihrer bisherigen Berechtigungen nur 
noch die Hellermünze belassen, die sie jedoch in gleichem Schrot und 

Luschin, Numismatik. 14 



Digitized by Google 



210 



Zweiter Teil, Geldgcachichte. 



Korn mit der königlichen schlagen muteten. Auf dieser Grundlage haben 
König Wladislaus und Ludwig allgemeine Verfügungen erlassen , nach 
ihnen hat dann Ferdinand I. als König von Böhmen die Münzhoheit 
über Schlesien vollends gefestigt. 

Eh Oberg, 26, über Pribislaw-Heinrich u. Jakza von Köpenick, Koehne Z. I, 165. 
Bahrfeldt E-, Da« Münzwesen der Mark Brandenburg I (Berlin 1889) S. 55 ff. — 
Dannenberg in Bl. f. Mzfrde. 1900, 1., 2.; derselbe: Münzgeschicbto Pommerns. 
B. 1893. Mecklenburg empfing 1348 in dem Lehnbriefe Kg. Karl» IV. auch eine Be- 
stätigung de« Mflnzrechts. (L eitzmann, Wegweiser 356:, Bobinen durch die Goldene 
Bulle von 1356, Kap. 10, über Schlesien: Friedensburg: Schlesiens Münzgeschichte 
im Mittelalter (Codex Diplomaticun Süesine, Bd. 12, 13, Breslau 1887, 1888), namentlich 
im Urkundenband Nr. 5 ff. 16, 17, 22, 25, 28, 29, 33—35, 37, 52, 53, 59, 60 usw., ««»wie 
die wichtigen Ergänzungen in den Berliner Münzblättern Nr. 222 ff. ;1898). — Räch 
fahl, Die Organisation der Gesanitataatsverwaltung Schlesiens vor dem 30jähr. Kriege. 
L. 1894 (Schmollers Staats- und sozialwiasenschaftliche Forschungen XIII. 1), S. 105 ff 
266 ff. 

9. In dem Mafse, als die den einzelnen Reichsständen eingeräumte 
Münzgerechtigkeit an Inhalt gewann, nahmen die Münzherren eine immer 
weiter gehende Ausnutzung dieses Regals für sich in Anspruch, das sie 
sehlielslich zu einer auf ihr Gebiet eingeschränkten Münzhoheit um- 
wandelten (§ 26, 7). Dabei wurden im Münzregal die Verfügung über 
die Währung (§ 20 und 23), der Anspruch auf den Münznutzen (§ 28) 
und die technische Seite der Münzerzengung (§11; 28, 14) als Berechti- 
gungen unterschieden, über welche der Münzherr mehr oder minder 
frei verfügen mochte. Doch blieb der finanzielle Ertrag immer die 
Hauptsache und so sehr das eigentliche Merkmal, das den Inhaber des 
Regals bezeichnete, dafs der Münznutzen geradezu das Münzregal genannt 
wurde. Daher geschah es nicht selten, dafs bald die eine, bald die 
andere dieser Berechtigungen, namentlich oft das Recht der Münzerzengung 
und der Anspruch auf den Münzuutzen durch Verkauf, Verpfändung. 
Verpachtung oder in anderer Weise aus den Händen des beliehenen 
Münzherrn ohne Dazwischenkunft des Reichs auf Zeit oder dauernd an 
dritte gelangte. Dafs ein solches Vorgehen zu argen Mifsbräuchen 
führen konnte, läfst sich nicht leugnen und war auch Veranlassung, 
dafs durch $ 132 des Reichsabsehiedes von 1570 »allen und jeden so 
Münzgerechtigkeiten haben, ernstlich verboten: wurde, ihre Münzen 
durch keinen Weg andern verkaufen, zu verleihen oder verlegen zu 
lassen, da diese Berechtigung >kein Mereantzey«, sondern ein kaiserlichem 
Regal sei. Zum Glück waren solche Veränfserungen auch der Weg, 
auf welchem die Stadtgemeinden, denen an geordneten Geldverhältnissen 
vor allem gelegen war, massgebenden Kinflufs auf die Münze erreichten 
(§ 28, 14). 

Khcberg, S. 42 ff., 48 ff. Eine allgemeine (bersicht jener Reichsständo, welche 
das Münzrocht im Deutschen Reich erlangten a. a. O. S. 33 ff. Sie bilden wohl weitaus 
die Mehrheit von der (Gesamtzahl. — V) »er die trrofsc Menge von Münzstätten im Reich 
vgl. auch die Anm. zu sj 11, 1. 

10. Münzprivilegien für italienische Städte wurden von deutschen 
Königen und Kaisern bereits im 12. Jahrh. erteilt. Kaiser Konrad III. 



Digitized by Google 



§ 27. Münzprivilegien für italienische and deutsche Städte. 211 

hat 1138 das Münzrecht den Genuesen, 1141 den Bürgern von Asti, 
Kaiser Friedrich I. 1155 an Cremona, Heinrich VI. 1186 an Siena 
und 1191 den Bolognesen verliehen. Bestätigungen schon vorhandenen 
Münzrechts erwirkten Piacenza und Lucca in den Jahren 1140, 1155 
und 1186. Die deutschen Städte, deren Aufschwung bekanntlich später 
fällt, können sich in solcher Zeit ähnlicher Gunstbeweise von soiten der 
deutschen Könige nicht rühmen, im Gegenteil, man wird nicht fehlgehen, 
wenn man annimmt, dafs die Spitze der von Kaiser Friedrich II. und seinem 
Sohno König Heinrich erlassenen Münzgebote sich vor allem gegen das 
Bestreben der deutschen Städte richtet, die Einflufs auf das Münzwesen 
zu erlangen trachteten. Wenn man desungeaehtet auf Angaben stöfst, 
die einzelnen deutschen Städten ein tief ins Mittelalter zurückreichen- 
des Münzrecht zuschreiben, so wird man ohne genauere Prüfung dies 
nicht glauben dürfen. Die Nachrichten, dafs die Stadt St. Gallen schon 
969, die Stadt Zürich sogar von Karl dem Dicken das Münzrecht er- 
halten hätten, gehen beispielsweise auf Schriftsteller des 16. Jahrh. 
(Stumpf und Vadianus) zurück, welche die zu ihren Zeiten herrschen- 
den Zustände ohne weitores auf die Vergangenheit zurückbezogen haben. 
In andern Fällen hat die irreführende Ausdrucksweise von Urkunden- 
regesten, noch andere Male ein Mißverständnis des Urkundentextes das 
Alter eines städtischen Münzrechts um Jahrhunderte erhöht. So findet 
sich z. B. bei dem sonst sehr sorgfältigen H. Meyer die wahrscheinlich 
aus Haller übernommene Nachricht, dafs Kaiser Friedrich II. der Stadt 
Bern 1218 bei Bestätigung ihrer Rechte auch das Münzrecht bewilligt 
habe, während in der Handfeste selbst davon keine Hede ist. Seit 1228 
ist allerdings eine Münzstätte zu Bern beglaubigt, doch war sie nicht 
städtisch, sondern kaiserlich, da dem Kaiser der Schlagschatz gebührte. 
Auf einem Mifsverständnis beruht es, wenn Bey schlag in seinem Ver- 
such einer Münzgeschichte Augsburgs (S. 151) der Stadt Villingen mit 
Berufung auf eine bei Schöpflin, historia Zaringo-Badensis (V, Nr. 7, 
S. 11) gedruckte Urkunde seit 999 das Münzrecht zuschreibt, das viel- 
mehr dem Grafen Berthold in quodam suo loco V Hingen dich erteilt 
wurde. Ja selbst die Worte indulsimus eis propriam facere monetam et habere, 
die Kaiser Friedrich II. bei Erhebung seiner villa Anweiler zur Reichs 
stadt 1219 anwendet, gewähren der Bürgerschaft kein Münzregal, da sich 
der Kaiser den Schlagschatz für sein Schlofs Trifels vorbehält. Es ist 
daher sehr unwahrscheinlich, dafs irgendeine deutsche Stadt vor dem 
grofsen Zwischenreich dauernd im Besitze eines vom Könige verliehenen 
eigenen Münzrechts sich befand, was allerdings nicht ausschlofs, dafs 
der Kaiser einer Stadt zeitweise die Münzprägung gegen Reichung einer 
festgesetzten Abgabe erlaubte oder andermal für die Besorgung gewisser 
Aufgaben einen Teil des Münznutzens überwies. Das erste traf bei 
Lübeck zu, das 1226 von Kaiser Friedrich II. gegen Zahlung von jährlich 
60 Mark Silber für seine Lebenszeit das Recht erhielt ut in ipsn ciritate 
xub charactere twstri Hominis facere et eudere debetnt, das zweite bei Frank- 
furt, dem 1235 die Hälfte des Einkommens der dortigen kaiserlichen Münze 
zur Wiederherstellung und Erhaltung der Mainbrücke eingeräumt wurde. 

14» 



ized by Google 



212 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Zu den gegen diese Bestrebungen der Städte gerichteten Erlässen gehören Kg. 
Heinrichs aententia de jure abbatiarum 1223, die sententia de argento rewlendo 1224. 
sententia de rambio et imaginibu* denariorum 1231; K. Friedrich« II. Kdictum contra 
comunia civitatum 1231/32; Bestimmungen in den Landfrieden von 1234, 1235, die sen- 
ttntia de Itegalibus non infeudandis 1238, Man. Germ. 4° Constitutione« II, Nr. 282, 
S. 397; Nr. 802, S. 398, Nr. 301/2, S. 416; Nr. 166, 8. 193; II, Nr. 319. 8. 429; Nr. 196, 
8. 244; Nr. 212, S. 285. 

Eheberg, S. 39, 44. Dio erwähnten Münzprivilegien sind verzeichnet bei 
Stumpf, Reichskanzler, II. Für Genua Nr. 3382, Piacenza Nr. 3408; Anti Nr. 3428/29. 
Lucca Nr. 3718; 4578; Crcmona Nr. 3723, Siona Nr. 4595, Bologna Nr. 4674. — Die Stadt 
St. Gallen erhielt da« Münzrecht 1415, Zürich begann ohne Mflnzprivileg zu münzen 
1417. Meyer II., Brakteaten der Schwoir. (1846) S. 37; derselbe, älteste Münzen 
von Zürich 1840 S. 20. — Das Berner Münzrecht bei Meyer Brakteaten, S. 21 und 
die Irk. von 1218 bei Huillard-Brcholles, HiHt. Friderici. P. 1852, I, 2, S. 541. 
Urkunden für Auweiler Mon. Boica XXX, 1, S. 80 Nr. 642; für Aachen die Errich- 
tung der kais. Münzstätte durch Friedrich I., 1166, s. Stumpf, Nr. 4062. Ein Münz- 
privileg für die Stadt ist nicht bekannt, dürfte jedoch erst um 1350 erflossen sein. 
Z. f. N. II. 76. Für Lübeck 1226 auszüglich bei Pf effinger, Vitriarius illustr., Frank- 
furt a. M. 1754, S. 469. — Huillard-Brch olles, II, 1, S. 577. Abdruck des Lübecker 
Privilegs von 1226, Mai, mit der Gestattung, dafs der Rat totien* in anno monetam 
examinent quotiem velint et si monetär iu$ offendrrU einendet. Diese Hülsen seien zwischen 
Stadt und Kaiser zu teilen, und II, 2, S. 626 ff. 1226, Juni, mit der Überlassung der 
Münzprägung gegen Zahlung eines Schlagnc-hatzes von 60 Mark Silber jährlich — Für 
Frankfurt Hirsch, Reicbsmtinzarchiv 1, 12, Nr. 16. 

§ 28. Die finanzielle Ausnutzung des Mttnzregals. 

1. Die im Verlauf der grofsen Völkerwanderungen begründeten 
germanischen Staaten übernahmen das Münzwesen als römische Ein 
richtung in dem Zustande, welchen die Münzreformen unter Konstantin I. 
angebahnt hatten. Ihre hergebrachte Vorliebe für gutes Silbergeld und 
später auch für gutes Gold haben bewirkt, dafs die Anfänge ihres eigenen 
Münzwesens ziemlich geordnet waren, und dafs namentlich die Kupfer- 
prägung in mäfsigen Grenzen blieb. Dafs irgend ein Münzgewinn für 
die Könige abfiel, unterliegt keinem Zweifel, allein wir sind weder über 
die Höhe desselben noch über die Art der Einhebung genauer unter- 
richtet. Im Frankenreich war, so scheint es, unter den Merowingern 
die Prägung für den Privaten freigegeben, der sein Edelmetall nach 
Bedarf durch einen der umherziehenden Münzmeister vermünzen lassen 
durfte. Die Angabe des Münzmeisters und der Name des Prägeortes 
oder des Auftraggebers sind Haftung für Einhaltung der Münzvorschriften. 
Die Prägekosten und der dem Könige gebührende Münzgewinn wurden 
zweifelsohne durch einen Abzug am vermünzten Edelmetall hereinge- 
bracht, und es ist naheliegend, dals letzterer gewöhnlich vom königlichen 
Ilausbeamten eingehoben wurde, den wir aus der Lebensbeschreibung 
d» 's hl. Eligius als Begleiter des Münzmeisters kennen gelernt haben 
(i? 11, f>). Andere Male mag allerdings der Münzmeister dies selbst be- 
sorgt und dem Könige dafür ein Abschlagsgeld oder einen Pachtzins 
bezahlt haben. 

Die Kupfermünzen der germanischen Reiche sind abgesehen von den Gepragen 
der Ostgoten und Angelsachsen alle selten, obgleich auch von den Vandalcn, den Bur- 
gundern, Westgoten und Franken Kupferstücke bekannt sind. Man nimmt daher all- 



Digitized by Google 



§ 28. Münznutzen und Münzeinrichtungen im Frankenreich. 



213 



gemein an, dafs hier daB im Lande noch befindliche römische Kupfergeld als Scheide- 
münze Verwendung fand. Z. f. N. VIII, 140. 

2. Mangel an bergmännisch gewonnenen Edelmetallen, Finanznöte 
und die Habsucht der Münzherren haben indessen frühzeitig zur Münz- 
verschlechterung, d. i. zu offener oder selbst trüglicher Verkürzung des 
inneren Münzwerts geführt. Der Westgotenkönig Alarich II. (484 — 507) 
hat in seiner Bedrängnis kurz vor dem Kriege mit Chlodwig, in dem er 
besiegt und getötet wurde, zur Ausgabe einer mit minderwertigem 
Metall stark versetzten Goldmünze gegriffen, die alsbald in deu Nachbar- 
reichen verrufen wurde. Ähnlich haben auch die Könige der Lango- 
barden bei Einhaltung des alten Schrotes sich durch eine Verschlech- 
terung des Feingehaltes ihrer Goldstücke zu helfen gesucht, während die 
Frankenkönige dem fühlbar gewordenen Mangel an geeignetem Münz- 
stoff um das Jahr 575 in weniger bedenklicher Weise dadurch begeg- 
neten, dafs sie offen zu einem leichteren Münzfufse übergingen. Leider 
half dies nur für den Augenblick; auch im Frankenroich kam jene 
Läuterung des Münzgoldes allmählich in Wegfall, auf welche noch zu 
Zeiten des hl. Eligius (f 659) so grofser Wert gelegt wurde ; die späteren 
fränkischen Goldmünzen verraten schon durch ihr blasses Äufsere, den 
starken Silberzusatz, der sie schliefslich völlig entwertete. 

Eine Verordnung des Burgunderkönigs Gundohald (473 — 516) aus dessen letzter 
Regierungszeit, (Kap. CVII des Gesetzes), befiehlt die Annahme aller vollwichtigen 
Goldstücke mit Ausnahme von vier Prägen. Eine derselben sind die von König Gode- 
gisel zu Genf geschlagenen Solidi, die drei übrigen sind westgotisch, und darunter 
werden jene seit König Alarichs II. Zeiten als adaerati bezeichnet. Mon. Germ. LI. III 
(1863), S. 676. In Anm. 30 ist hior auch das vernichtende Urteil des Bischofs Avitus 
über die Münz Verschlechterung des Königs Alarich II. mitgeteilt. Vgl. auch Ililliger 
in d. Hiator. Viorteljahresschr. 1903, 188 und 211. Hilliger erklärt das Sinken des Donar- 
gewichts, das sich in einer Steigerung der Aufzahl aufs Gowichtspfund (bis 288 Donaro) 
ftufsert, aus dem Sinken des allgemeinen Goldwertes, doch reicht auch schon die Ab- 
nahme des Goldinhalts in den Goldschillingen infolge stärkerer Legierung aus, um 
diese Erscheinung zu erklären. 

3. Die Karolinger, die das Münzwesen im Zustand arger Zerrüt- 
tung übernahmen, haben, wie auf andern Gebieten der Verwaltung 
auch hier Ordnung geschaffen und namentlich die Münzhoheit in vollem 
Umfang für sich in Anspruch genommen. (§11, 6, 7, §26,5). Das 
Münzwesen wird nun nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten einge- 
richtet, und manches was dabei von den Karolingern verordnet wurde, 
erinnert an Grundsätze, die erst seit dem 19. Jahrb. in die Münzpolitik 
wieder Eingang gefunden haben. Die Münze soll ihrer doppelten Auf- 
gabe als Wertmalsstab und allgemeines Zahlungsmittel voll entsprechen. 
Daher die immer wiederkehrende Vorschrift, dafs die denarii meri et 
pleniter pemnntes, also probehaltig und vollwichtig herzustellen seien, 
wobei zu beachten ist, dafs damit eine Forderung, die vorher nur für 
die wertvolleren Goldstücke galt, auf die Silbermünze übertragen wurde. 
Vielleicht steht damit bis zu einem gewissen Grade in Zusammenhang, 
dafs die Reform des Münzwesens unter den Karolingern nicht von dem 
tatsächlichen Metallinhalt der umlaufenden Münze ausging, sondern den 



Digitized by Google 



214 



Zweiter Teil Geldgeschichte. 



Übergang zu einem schwereren Münzfufs darstellt, indem das Gewicht 
des einzelnen Pfennigs allmählich von V20 auf Vi6 una< durch das Edictum 
Pistetise sogar auf ein l { lb der Römerunze erhöht wurde. Möglicherweise 
war aber auch der Gedanke mitbestimmend, auf solche Weise den Eingang 
der in Silberschillingen festgesetzten Leistungen an den Fiskus (Hann- 
bufsen, Friedensgelder u. dgl.) zu steigern. Um den Heckemünzen und 
der Falschmünzerei zu begegnen, wurde die Überwachung verschärft 
und der Münzbetrieb auf die am Hofe tätige Münze und wenige aus- 
wärtige Münzstätten beschränkt und überdies, was von Wichtigkeit war, 
ein einheitliches Gepräge vorgeschrieben. 

Auch die Eigenschaft der Münze als allgemeines gesetzliches 
Zahlungsmittel wurde kräftig betont. Nur probehaltige und vollwichtige 
Münzen eines bestimmten Gepräges waren zum Umlauf zugelassen, diese 
. muteten aber anderseits bei Strafe als Reichsmünze allerorten angenommen 
werden. Gerichtliche Verfolgung drohte dem Verbreiter falscher oder 
unterwichtiger Münze (§ 29, 4). Ergänzt wurden diese Vorschriften durch 
gemessene Befehle an die Beamten, in deren Amtssprengel Münzstätten 
lagen , bei Aufnahme der Münzer omni gratia et cupulitote seit lurro 
postposito vorzugehen , durch strenge Strafandrohungen für ungetreue 
Münzer, ferner durch Einschränkung des Barrenverkehrs auf Zahlungen 
mit Feinmetall. Dagegen trat der finanzielle Gesichtspunkt in den Münz- 
vorschriften der Karolinger wenig hervor, namentlich fanden Ver- 
ruf ungen der Münze nur selten und aus dem volkswirtschaftlich gerecht- 
fertigten Grunde statt, um vollwichtiges Geld im Umlauf zu erhalten. 
Ein mäteiger Schlagschatz wurde allerdings beim Einwechseln von Roh- 
metallen oder verrufener Münzen durch die Münzer erhoben, welche 
das erforderliche Betriebskapital aus der königlichen Kammer empfingen, 
oder auch bei Privaten aufbrachten, denen sie dann einen Anteil am 
Münznutzen überliefsen. 

Über das Münzwesen unter den Karolingern s. Troii M., Monnaies Carolin- 
giennes. P. 1S96, Introduction, ferner Soctbeer in Forschungen IV, 241 ff., VI, 1 ff., 
der auch die einschlägigen Stellen au» den Kapitularien von 745 bis zum Edikt von 
Pistes 864 und von Münzverleihungen von 826—90* mitteilt. Hil liger (Historische 
Viertel Jahresschrift, 1903), S. 204} ff., verficht die Ansicht, dafs die Verordnung Pip- 
pins vom Jahre 754/765 die Ausprägung von 22 Schillingen auf» feine, von 20 Schil- 
lingen unfH rauhe Münzpfund bestimme und dafs der Obersehufs von 2 Schillingen zur 
Hälfte dem Münzor als Lohn, zur Halft« dein Staat als Schlagschatz gebührt habe. 
Vgl. ferner a. a. <>. 458 ff. Ks darf jedoch nicht übersehen werden, dafs gegen seine 
rechtsgeschichtlichen und teilweise auch gegen seine numismatischen Folgerungen 
Heck in der Vicrteljahrcsschrift f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 1904, S. 337 ff., 
vielfach Widerspruch erhoben hat. — Auf eine Toilung des Münznutzens zwischen dem 
Münzer und dem Kapitalisten, der Geld zum Münzbetrieb hergab, zielt die von Soct- 
beer IV, 344 mitgeteilte Stelle aus dem theologischen Kommentar des Drutmar, der 
der Zeit Karls d. Gr. angehört: 8'dcnt »tonetarii acripere argcutum ab aliquitni.i et «olent 
daiarios foruiare et post nnmtnt integrum reddere quod aeeeperant et medietatrm ingenio 
suo super aeeeptatn. F.in Vorschufs von 5 Pfd. Silber aus der königlichen Kasse, der 
im nächsten Jahre mit dem gleichen Gowicht Silbermüuze zurückzuzahlen war, wird 
erwähnt Edictum l'i*tensr, c. 14. Die Wahl eines schwereren Münzfufses, um nominell 
fixierte .Steuern zu erhoben, kommt auch anderwärts, wenngleich sehr selten vor. So 
noch 1494 bei den Quattrini zu Florenz. Koscher III (3. Aufl., Stuttgart 1882), §42, 
S. 207, Anm. 4. 



Digitized by Google 



§ 28. Ursachen der Münzverachlechterung im späteren Mittelalter. 



215 



4. Im Gegensatz zu den wohlgeordneten Zuständen unter den 
Karolingern herrschte im Münzwesen später dureh viele Jahrhunderte 
arge Zerrüttung. Da diese Unordnung ungeachtet der lauten Klagen, 
die sie hervorrief, keine vereinzelte Erscheinung blieb, sondern in ganz 
Europa lange Zeit andauerte, so läfst sie sich durch die Habsucht der 
Münzbereehtigten allein nicht erklären, sondern es müssen ihr noch 
andere allgemeine Ursachen zugrunde liegen. 

Als solche möchte ich vor allem die unzureichende Gröfse des für 
Münzzwecke verfügbaren Edelmetallvorrates in Europa bezeichnen. Da 
der Ertrag der Bergwerko bis gegen dio Mitte des 15. Jahrh., zeitweise 
Ausnahmen abgerechnet, unbedeutend war und die unentwickelte In- 
dustrie nicht hinreichte, um Edelmetall aus dem Orient heranzuziehen, 
so konnte kaum der Abgang gedeckt werden, der durch den natürlichen 
Umlaufs verlust sowie durch den Silberabflufs für Gewürze und andere 
Erzeugnisse Asiens bedingt war. Man war also in Europa während des 
späteren Mittelalters auf einen sehr mäfsigen Metallschatz angewiesen, 
den man fortgesetzt umprägen mufste, und der sich auch dann wenig 
oder gar nicht vermehrte, als sich ein gesteigertes Bedürfnis nach Um- 
laufsmitteln geltend machte, welchem durch die Ausbildung des Wechsel- 
verkehrs nur teilweise abgeholfen wurde. 

Als zweite, allgemeine Ursache der Münzverschlechterungen im 
Mittelalter ist der Umstand zu verzeichnen, dafs die mittelalterliche 
Staatswirtschaft sehr geringe Bargeldeinnahmen hatte, sich aber solche 
noch am leichtesten aus den Regalien verschaffen konnte. Die Regalien 
wurden eben vor allem als subjektive Berechtigung des Begnadeten auf- 
gefafst, und so kam eine Zeit, in der die Münzberechtigung nahezu als 
einzigen Inhalt den Anspruch auf den Münzgewinn enthielt. In welchem 
Umfang und auf welche Weise der Münzherr diesen Nutzen ziehen 
wollte, das war nicht selten ganz in sein Ermessen gestellt. König 
Philipp VI. von Frankreich (1327 — 1358) erklärte darum in einer seiner 
Ordonnanzen geradeheraus: )Nous ne pouvons croire ne presumer quaueun 
puisse ne doye faire doutf, que d Nous et ä Nostre Majesti Royale ne appar- 
tienne . . . et de faire feiles monnayes et donmr tel cours et pour tel prix 
comme il nmus plaist et bon noiis semble* (R. N. B. I, 6, 1850, S. 229). 

Der Münznutzen war also des Münzherrn gutes Recht, und die 
Höhe, die er daraus ziehen wollte, reine Gewissenssache. Diese aber 
konnte der einzelne um so leichter nehmen, als ihm die Unterstützung 
durch die Kanonisten zur Seite stand, die in dem mittelalterlichen Streite 
über das eigentliche Wesen der Münze den vom Willen des Münzherrn 
abhängigen mlor impositus über den inneren Wert des Geldstückes, die 
bonitas intrimeca, stellten (§ 25, 1). Die bösen Folgen solcher Lehren 
konnten allerdings nicht ausbleiben. Sobald auch nur ein paar mäch- 
tigere Münzherren sich für die Verschlechterung ihrer Münzen ent- 
schieden hatten, mufsten die Nachbarn in immer weiteren Kreisen jenen 
in der Herabsetzung des Münzfufses nachfolgen, da das G resham sehe 
Gesetz, dafs die gute Münze durch anhaltenden Umlauf schlechterer Ge- 
präge notwendig aus dem Verkehr gedrängt werde, damals nicht minder 



Digitized by Google 



216 Zweiter Teil. Gcldgeschichte. 

wirksam war als heute. Wenn jetzt, ungeachtet des ins Riesige gestei- 
gerten Bedarfs nach Unilaufsmitteln im allgemeinen bessere Zustände im 
Münzwesen herrschen als beispielsweise noch vor 150 Jahren, so danken 
wir es einerseits dem Umstand, dafs die übermäfsige Zahl der Münz- 
berechtigten und der Münzstätten erheblich abgenommen hat, dann aber 
auch dem, dafs im Zeitalter des Weltverkehrs die Staatsverwaltungen 
selbst sich den volkswirtschaftlichen Anschauungen über das eigentliche 
Wesen der Münze nicht länger verschliefsen können. Dazu kommt, dafs 
die gegenwärtige Ausbeute an Edelmetallen alle Zeiten in der Vergan- 
genheit unendlich übertrifft, und dafs in noch höherem Grade Forder- 
ungen aller Art, Wechsel-, Scheck- und Clearing- Verkehr, Banknoten usw., 
statt Bargeld verwendet werden. Ferner kann jetzt der Staat durch 
Ausbildung der Steuern und des Schulden Weyens über grofso Mengen 
von Bargeld verfügen und besitzt er äufserstenfalls in der Staatsnote 
einen weit bequemeren und ausgiebigeren Behelf zu augenblicklicher 
Beschaffung von Zahlungsmitteln, als es seinerzeit die sog. Interims- oder 
Kriegsmünzen waren (§ 16, 6). 

G. d'Avenel, Histoire econ-omique de la Propriete I (Purin 1894), S. 21, int der 
Ansicht, dafs zum mindesten in Frankreich die Gewinnung der Edelmetalle im 13. u. 
14. Jahrh. bedeutend war. — über die Grofsc des Umlaufsvorlustes vgl. Roscher I 
(16. Aufl.), 1882, g 120, S. 293, Anm. 9; III (3. Aufl., 1882}, £ 42. S. 208, Anm. 6. — Gres- 
hams Gesetz a. a. o. III, §42. Anm. 1. I.exis hobt hervor, dafs Greshams Gesetx 
nicht wirksam sei, wenn und solange der Kohlbetrag an innerem Gehalt bei der 
einen Goldart durch einen allgemein anerkannten Kreditwert ersetzt wird. Hand- 
worterbuch d. Staatswissenschaften. 2. Aufl. (Jena 15>00), Bd. V, 905. — Babelon, 
A'onVe, 29 und 50: ä la fin du XV. itiirle le nwnde ( inline etait dt venu treu pauvre m 
vtttaua- precieux; le* economittes esliment qu'il en restait a peine pour 1 millinrd de fr. 
(or et argenl eompris). Hoff mann, l,ehre vom Gelde, 11 1838, S. 42 ff., dazu der 
§ 24, Abs. 1 (S. 171) angeführte Ausspruch Mirabeaus. 

5. Der Münznutzen, auf den die Münzberechtigung Anspruch gab, 
wurde auf verschiedenen Wegen zu erlangen gesucht. Die Verleihung der 
monrta unter den späteren Karolingern gewährte nur den Gewinn, der 
sich bei der Herstellung von Reichsmünze und aus der Einlösung des 
Prägematerials gegen diese Münze ergab, also Schlagschatz, monetagiinn, 
und Wechselgewinn, jus camhii (§ 27, 3). Der Schlagschatz umfafst nach 
dem Sprachgel »rauch der wicht igst en Urkunden des deutschen Münz- 
wesens den ganzen Unterschied zwischen dem Nennwert und dem Metall- 
wert einer Münze, doch lassen sich darin zwei Bestandteile sehr un- 
gleicher Art und Wirkung unterscheiden. Der eino Teil, der zur 
Deckung der Münzkosten erhoben wird, der sog. ? natürliche Schlag- 
schatz (Busse), hrassagi' im Englischen, ist volkswirtschaftlich durchaus 
gerechtfertigt; bedenklieh durch seine Folgen kann jedoch der darüber 
hinaus abgeforderte Münzgewinn des Münzherrn, das sog. »Münzregal der 
Kameralisten, soignomge der Engländer, werden. Die Höhe der Münz- 
kosten in karolingischer Zeit bestimmt ein Kapitular Pippins von 754/50 
auf V22 °der etwa 4 1 / 2 °/o; es sollten nämlich aus einem Pfund Silber von 
327,45 g Schwere 22 Schilling oder 2f>4 Pfennige geprägt werden und 
von diesen 1 Schilling dem Münzer für seine Mühewaltung gebühren. 



Digitized by Google 



§ 28. Quellen des Münznutzens, Scblagschatz, Wechselgewinn. 



217 



Es ist nun nach II il ligers Untersuchungen nicht unwahrscheinlich, 
dafs ein Betrag in gleicher Höhe auch für den Münzherrn als Münz- 
gewinn in Ahzug gebracht wurde, so dafs sich der Schlagschatz damals 
im ganzen auf etwa 9°/ 0 stellte. Allein diese Ziffern haben — ihre 
Richtigkeit dabei vorausgesetzt — doch nur eine begrenzte Dauer ge- 
habt, da die Höhe des Schlagschatzes sowohl an sich, als was die Ver- 
teilung auf die darin begriffenen Vergütungen anbelangt, von vielerlei 
Umständen beeinflufst wurde, die nach Zeit und Ort verschieden waren. 
Nur beispielshalber sei erwähnt, dafs nach den Gufsberechnungen der 
Wiener Münzstätte im 15. Jahrh. der Schlagschatz 13°/ 0 vom Metallwert 
der Münze ausmachte, obschon damals halbwegs geordnete Zustände 
herrschten und namentlich der Unfug der willkürlichen Münzverrufung 
nicht mehr statt hatte. Noch merkwürdiger als die Höhe ist die Auf- 
teilung dieses Schlagschatzes, da 7,7% Müuzkosten, nahezu 5 °/ 0 Gewinn 
der Hausgenossen und nur 0,4 °/ 0 Gebühr des Herzogs sind. 

Lexis im Handwörterbuch d. Staatswisscnschafton, 2. Aufl., lid 5 (1900), 900 ff. 
— Busse, Münzwesen. 1,. 1795, I, S 189 ff. vom Schlagschatzc, von den Münzkosten 
und dem Münzregal, § 181— 226. — Bu s e , Geldkunde (Erfurt 1803) I, 69 ff. — Ro- 
scher III (3. Aufl., 1882), §46 ff., S. 221. — Bei Du Cangc werden die Ausdrücke : 
monetagium und seignoria, »eigneuriage als gleichbedeutend behandelt, doch sind die 
beiden letzten wohl im Sinne des englischen seignorage auf den Münzgewinn im engeren 
Sinne einzuschränken. — Iii Niger (1903), 206 ff. — Dazu meine Abhandlung über 
Wiens Münzwesen usw. in» IT. Bde. der Geschichte Wiens (1901), S. 783 ff. 

6. Gesteigert konnte der augenblickliche Ertrag der Münze werden, 
sobald sich die Berechtigung auch auf die Bestimmung des Münzfußes 
erstreckte, weil man dann die Möglichkeit hatte, unterwertige Münze 
zum früheren Nennwert auszugeben. Ein derartiges Vorgehen, bei dem 
bald das Schrot, bald das Korn der Münze, mitunter auch beides zu- 
gleich verändert wurde, nahmen die Inhaber der Münzhoheit, beispiels- 
weise die Könige von Frankreich, England, Spanien usw., zuzeiten als 
»Recht für sich in Anspruch (§ 26, 3 b), die Inhaber abgeleiteten Münz- 
rechts hingegen erwarben es erst durch Verleihung oder durch eigen- 
mächtige Erweiterung ihres ursprünglichen Rechts. Im Deutschen 
Reich wurde im ersten Jahrhundert seines Bestandes der Ubergang 
vom Reichsmünzfufs zur Prägung nach eigenem Münzfufs angebahnt. 
Schon zur Zeit dor Ottonen werden bei Münzverleihungen die Erzeug 
nisse bestimmter Münzstätten als Mustergepräge hingestellt, und vom 
Jahre 1061 ist uns sogar ein urkundlicher Beleg für solch einen örtlichen 
Münzfufs (Augsburg) erhalten (§ 27, 5). 

Die Einzelheiten der nun folgenden Münzzerrüttung im Deutschen 
Reiche sind für die nächsten Jahrhunderte noch wenig erforscht, doch 
kann auf Grund sicherer Zeugnisse schon heute behauptet werden, dafs 
man zu Zeiten Kaiser Heinrichs IV. (1156 — 1106) in weit abliegenden Münz- 
stätten am Rhein und in Böhmen bereits bei kupferigen Pfennigen ange- 
langt war. 

Die Münze von Speyer, die K. Otto III. im Jahre 993 der Abtei Selz als Muster 
bezeichnet hatte, war ein Jahrhundert spater schon ar>: mit Kupfer versetzt. Arci/ie 
ergo dr Sjürensi inende non nihil quod purum sit utenti plurimum v< ro anutnti, schrieb 



ized by Google 



218 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



um 1070 — 1088 Meister Manegold von Lautenbach an seinen Freund A., llle quippe 
nummus ubi vemiibilior e*t et argento proprior. Nostrat* quippe ita dreoxit ut ex eo 
es lacritnantibu» oceulis arrideat. Sudendorf, Registrum III, 46, Nr. 28. — 
Die Gepräge des Königs Wratislaus von Böhmen, f 1090, und seiner unmittelbaren 
Nachfolger in Mahren weisen zumeist Feingehalte unter 0,500, ein Pfennig Herzog 
Ottos II., t 1126, sogar nur 0,160 aus. Vgl. meine Beschreibung des Rak witzer Münz- 
fundes in der W. N. Z. XVIII, XIX, unter Nr. 2, 9, 10, 13, 16, 35, 42, 53, 70. In 
schlechtem Rufe stand um 1152 die Münze der Bischöfe von Basel . . alterationc qua*: 
vihtit levitate, itnpuritute tenuitate sagt Kg. Friedrich 1. Stumpf, 3683. — Lam- 
precht, Deutsches Wirtschaftsleben (L. 1885), II, 353, scheint anzunehmen, dafs der 
Anatofs zur Verschlechterung des Münzfufses von den königlichen Ausmünzungen aus- 
gegangen ist und sich zunächst aufs Sehrot beschränkt habe, denn das Korn sei bis 
zur Mitte des 13. Jahrh. meist fein gewesen (8. 3ü3). Beide Behauptungen scheinen 
mir noch sehr des Erweises im einzelnen zu bedürfen. So wird schon a. a. O. S. 406, 
angegeben, dafs die Münzo von Trier unter Bruno (1102 — 1024) nur 14, unter Albero 
(1124—1152) sogar nur 121ötig gewesen sei und erst unter Hillin (1152—1169) >wieder 
entsprechend dem regelmäßigen Brauche in «lieser Zeit fein ausgebracht < wurde. 

7. Sowohl die Einhebung des ordentlichen Schlagsehatzes als auch 
jenes aufsergewöhnlichen Gewinns, der sich bei einer Veränderung des 
Münzfufses für den Augenblick ergeben konnte, waren von der Ausgabe 
neuer Münze abhangig. Die Münznerren trachteten daher möglichst viel 
und möglichst oft zu prägen und auch möglichst viele Leute zur Ab- 
nahme ihrer neuen Münzen zu verhalten. All dies zusammengenommen - 
hat zu einer Reihe eigentümlicher Mafsregelu geführt, welche für die 
Münzpolitik des Mittelalters bezeichnend sind : Periodische Münzver- 
rufungen, Ausgabe von Münzen mit periodisch schwankendem Schrot 
und streng territorialem Charakter, Zwangsvorschriften um die Einwechs- 
lung dieser Münzen zu sichern; auch die Nachahmung auswärtiger Ge, 
präge wäre hier zu nennen. 

Münzverrufungen renovationes, revocationes, innovatioties, mutationes 
mancUv aus volkswirtschaftlichen Beweggründen hatten schon die Karo- 
linger angeordnet (s. o. Abs. 3); anderer Art sind indessen die erzwun- 
genen Umwechslungen des umlaufenden Geldes, die zur Steigerung des 
Münzgewinns im späteren Mittelalter üblich wurden. Vorläufer dieser 
finden sich vereinzelt schon im griechischen und römischen Alterturn, 
doch nur als äußerstes Auskunftsmittel in Notlagen des Staates, während 
die Münzherren im Mittelalter die periodische Münzverrufung zur Deckung 
ihrer täglichen ßedürfmsse vornahmen und daher unter die gewöhnliehen 
Finanzmalsregeln einreihten. Kheberg hat es wahrscheinlich gemacht, 
dafs sich diese Münzverrufungen im Anschlufs an die Entwicklung des 
mittelalterlichen Markt- und Verkehrswesens herausgebildet haben. Von 
dem engen Zusammenhang von Münze, Markt und Zoll war schon die 
Rede (§ 27, 3, 4). »Der eigentliche Handelsverkehr, der eine gröfsere 
Anzahl von Käufern und Verkäufern zusammenbrachte, einen ausge- 
dehnteren Warenumsatz schuf und Münzgeld in gröfseren Summen nötig 
machte, war auf die wenigen grofsen Jahrmärkte konzentriert!. Nach 
den Markttagen richtete sich demnach die Ausmünzung; denn es war um 
diese Zeit sicher ein gröfserer Bedarf nach neuen Zahlungsmitteln vor- 
handen, da die Münzen, die an früheren Markttagen waren gebraucht 



Digitized by Google 



§ 28. Ursprung und Erlrag der periodischen Münzverrufungen. 



219 



worden, verloren, abgenutzt, teilweise in die Fremde gewandert waren, 
auch wohl andere Käufer und Verkäufer zusammenkamen. Unaufgeklärt 
bleibt jedoch durch Eheberg, wann und wo und wie sich diese durch 
den Verkehr bedingten periodischen Ausmünzungen zu einem mit abso- 
lutem Zwang ausgestatteten Recht des Münzherrn umbilden konnten, 
kraft dessen alle Umsätze auf dem Markte an die Verwendung neuer 
Münze gebunden wurden. Sicher ist nur das eine, dafs solches erst in 
einem Zeitpunkt eintreten konnte, in dem der von den Karolingern ent- 
wickelte Begriff der Reichsmünze wieder verdunkelt war, mit andern 
Worten, erst seit sich die sog. Territorialität der Münze (§ 29, 6) heraus- 
gebildet hatte, was nun an einem Orte früher, am andern später einge- 
treten ist. 

Münzverrufungen im Altertum: Heispiele in Cyriac Spangenbergs Traktat vom 
rechton Brauch und Mifebrauch der Münzen (Anhang zu Tileuian Frieses Munz- 
spiegol, S. 222 ff.). — Eheberg, 65 ff. 

8. Die frühesten Nachrichten über solche zur Bereicherung des 
Landesherrn eingeführte Münzverrufungen, durch welche jedermann im 
Lande gezwungen werden sollte, sein Bargeld mit Verlust gegen neue 
Münze einzuwechseln, haben wir aus Böhmen. Schon der im Jahre 1125 
gestorbene Dekan der Prager Kirche Cosmas spricht von drei bis vier- 
mal im Jahr vorkommenden Münzänderungen , deren Wirkungen ver- 
derblicher als Pest oder feindliche Brandschatzung seien. Du der Chronist 
die tadelnden Worte dem längst gestorbenen (t 999) Herzog Boleslaus II. 
in den Mund legt, so kann man daraus schliefsen, dafs dieser Unfug 
in Böhmen schon seit geraumer Zeit angedauert hatte. Von den drei 
oder vier Münzverrufungen im Jahre, die in Böhmen zu Anfang des 
12. Jahrh. vorkamen, war man indessen bis zur Mitte des 13. Jahrh. 
auf zwei im Jahre zurückgegangen, wie wir aus Münzpachtverträgen 
der Könige Wenzel I und Pfemysl Ottokar II mit dem Münzmeister 
Eberlin (ca. 1253 und 1267) ersehen. In Schlesien wurde die Münze noch 
Anfang des 13. Jahrb. dreimal im Jahr erneuert und ebenso in Polen. 
Anderwärts, wenn wir von Frankreich absehen, begnügten sich die Münz- 
herren gewöhnlich mit einer Münzverrufung im Jahro, so in Ungarn, 
Dänemark und in den meisten deutschen Münzstätten. Ks ist eine Aus- 
nahme, sowohl dafs die Erzbischöfe von Magdeburg seit Wichmann 
(1152 — 1192) eine zweimalige Münzerneuerung im Jahre durchsetzten, als 
auch, dafs in Steiermark seit 1237 dio Münzerneuerung nur mit Zu- 
stimmung der Landesministerialen in mindestens fünfjährigen Abständen 
erfolgen sollte. 

Der Ertrag dieser Münzeinziehungen für den Münzherrn war von 
verschiedenen Umständen abhängig, namentlich von der Gröfse des 
bedungenen Schlagschatzes und der Ausdehnung des Umlaufsgebiets, 
ferner davon, ob die Münze noch zu den besseren (iepriigen gehörte 
oder schon ganz herabgekommen war; weniger ergiebig, als man denken 
sollte, war die Häufigkeit der Münzverrufungen. Eine genaue Angabe 
der Gröfse dieser Einnnhmsquello wird jedoch nur in wenigen Fällen 



ized by Google 



220 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



möglich sein, weil der Schlagschatz meist nicht in Feinsilber, sondern 
in einer bestimmten Menge d«>r neuen Münze bedungen wurde und man 
zur Umrechnung den Feingehalt dieser Pfennige kennen mufs. Als 
Beispiele erwähne ich, dafs der Münznutzen in Möhren 1267 mit zwei- 
maliger und im Herzogtum Österreich 1334 bei einmaliger Münzverrufung 
im Jahre den ziffermäi'sig gleichen Betrag von 5000 Pfennig erreichte 
und dennoch von ganz verschiedener Höhe war. Da die mährischen 
Pfennige 1207 kaum mehr 0,228 g, die Wiener 1334 noch etwa 0,45 g 
Feingewicht hatten, so stellte sich das Jahresertrfignis dort auf etwa 
263.6, in Osterreich, das noch zwei Menschenalter später bessere Münzen 
hatte, wohl doppelt so hoch, auf etwa 540 kg Feinsilber. 

CoHmäB, Mon. Germ. ( Folio), Ss. IX, 55, legt dem sterbenden Boleslaus II. (f 099;, 
die Worte in den Mund : Karl der Grofso habe cm»» filium suum Pippinum post se 
rcgttaiurum disponeret diesen durch furchtbaren Eid verstrickt, keine Münzvcrschleeh- 
terungen vorzunehmen, certa niilla clades, nulla pestilentia, nee mortalita* nec non si 
liostes tot am terrum rajiinis. invendiis derastarent, mag ist populo dei nocerent, quam fre- 
quem mutatio et fraudulenta pejoratio numi, und weiterhin werden Gewalthaber ier 
vel quater in anno mutanten monetam . . . non duces sed füren usw. bezeichnet Die 
Stelle ist mit geringen Veränderungen auch in den Annalista Sa.ro (M. G. 8». VI, G45.) 
übergegangen. — Alu K. Friedrich I. 1166 in Aachen zwei Jahrmärkte und eine Münz- 
stätte einrichtete, befahl er ne crebra mutatio monetär, quae aliquando gravior aliquondo 
levior esse solebat zum Schaden de« Orts ausschlage, die Prägung einer in Schrot und 
Korn unveränderlichen Reichsmünze. Stumpf, 4062. Eheberg, 64 ff. — Pachtver- 
träge der böhmischen Könige mit dem Münzmeister Eberlin von ca. 1253 und 1267 im 
Cod. jur. bohemici I (Prag 1867), 8. 126, 165, Nr. 43 und 68. Eine Schilderung der Miß- 
stände dieser Münzernenerungen, vor deren Abschaffung im Jahre 1300 im Chronicon 
Aulae regiae, cap. 66; für Schlesien und Polen: Friedensburg, Schlesiens Münzge- 
schichte im Mittelalter II (Breslau 1888), S. 32 ff., und den von Vinzenz Kadlubek 
(f 1223) in seiner Chronik mitgeteilten Rechtsfall, der sich unter Micszko III. (nach 
1174) zugetragen haben soll. (Ausgabe L. 1712 als Anhang zur Chronik des Dhigos, 
Bd. II, 764.) Inf er fiaeo septuaginta sed humanissimc tecum agitur, si numerata pecunia 
possis absolri, cum ad pnndus ßsci exploratissimo debeas jure in metallum pocius (die 
Krakauer Ausgabe von 1862, S. 158 liest pnrius) eondempnari usw. Für Ungarn : Art. 23 
der Goldenen Bulle Kg. Andreas' II. vom Jahre 1223 und Krajner, Die ursprüngliche 
Staatsverfassung Ungarns, Wien 1872, S 706. — Dafs Münzverruf ungen zur Steigerung 
der kgl. Einkünfte auch in Spanien vorkamen, beweist das 1236 dem Kg. Jakob I. von 
Arragonien von den Ständen bewilligt« Monetaticum >ut non immuturetur moneta JaccensU 
(terratis lege, pondere et figitra.' Du Cange, Glossarium V (1885), 506, s. v. nume- 
tatkum. — In Kaiser Friedrichs II. Bestätigung der Rechte der steierischen I>andes- 
niinisterialen von 1287 heifst es: Monetam quoque que singulis annis avarieia e.rpo- 
scente solebat renorari in prejwlirium commune hahitatorum ejusdem terreex nune volumus 
sine conditio com mun i ministerialium major um Styriae nullatenus renovari et renoratam 
in primo pondere per quinqaennium perdttrare. Dafs diese Bestimmungen eingehalten 
wurden, lehrt die Münzordnung für Steiermark von 1339. Beide Urkunden bei Schwind* 
Do]> seh, Ausgewählte Urkd. z. VcrfasHungspesch., Innsbruck 1895, S. 79 u. 177. — 
Ertrug der M ü n z v e r r u f u n g e n : Nach dem Münzvertrag von 1267 sollten nach 
mährischem (= dem Wiener) Gewicht Gl 2 Pfennige aus der um 1 Lot feiner als bisher 
Üblichen Münzmark geschlagen werden. Das ergibt: 280 g: 612 — 0,457 g Ranhgewicht 
für den Pfennig. Der Feingehalt der mit dem Namen König Ottakars bezeichneten 
mährischen Pfennige schwankt nach Feiugehaltsproben, die ich an dem Kyselowitzer 
Funde machen lie.fs, zwischen 0,256, 0,468 und 0,500. Nehmen wir den letzgenannten 
als jenen vom Jahre 1267 an, so enthielt ein Pfennig 0,457 X mal 0,500 = 0,228 g, 
ein Pfund 0,228 X 240 ~ 54,72 g und der Schlagschatz von 5000 Pfund ~ 273,6 kg 
Feinsilber. Der Wiener Münzmeister Dietrich Urwetsch verrechnete 1334 den ö*ter- 



gitized by Google 



§ 28. Volkswirtschaftliche Schaden dieser M Unzverruf nngen. 



'2-1 



reiehiscben Herzogen 4971 Pfund Wiener Pfennige (rund 5000 Pfund) Münzgewinn. 
Die Pfennige mit dorn Wap|>en des» Mttnzmeisters Schuheier, der 1338 und 1340 im 
Amte war, sind nach Feingehaltsproben auf wenigstens 0,600 fein und im Rauh 
gewicht wohl ebenHO auf 0.750 g anzuschlagen, was dann ein Feingewicht von 0,45 g 
für den Pfennig von 108 g füre Pfund und von 540 kg Silber für den verrechneten 
Münzgewinn ergibt (vgl. meine Chronologie der Wiener Pfennige, 8. 61 ff., X. 7—9 und 
die Liste der Wiener Münzmeister in Wiens Handel II, 819 ff. Die hier 8. 795 gege- 
bene Bewertung der 4971 Pfund auf 621" ,-, kg Feinsilber iHt für das Jahr 1334 wohl zu 
hoch, sie würde dem Pfennig Feingewicht unter Albrecht I. f 1308) entsprechen. Auch 
aus der GroTse der Ablösungssummen, die an die Münzherren für den Verzicht auf 
die jährliche Münzerneuerung bezahlt wurden, vermag man beiläufig auf den Ertrag 
dieser Finanzqnelle zu schliefsen. 

9. Der Nutzen, den die Münzherren aus diesen jährlichen Münz- 
verrufungen zogen, war also, ungeachtet namhafte Summen als Schlag- 
schatz vereinbart wurden, keineswegs bedeutend, ganz unverhältnismäfsig 
grölser jedoch der volkswirtschaftliche Schaden, den die Gesamtheit 
tragen mufste. Vor allem traten diese Verrufungen fast jeder Kapitals- 
bildung, insofern das Kapital aus Münzgeld bestand, hindernd entgegen, 
da alles bare Geld jährlich etwa 25°/ 0 an Wert ein hülste, die aber nur 
teilweise in den Säckel des Münzherrn flössen , weil daraus auch die 
bedeutenden Kosten der Umprägung bestritten werden muteten . Je 
mehr Bargeld also ein Land, ein Stift oder sonst jemand besals oder 
nötig hatte, desto empfindlicher traf dieser Wechselverlust, den beispiels- 
weise der Kämmerer von Klosterneuburg im Jahre 1339 auf 100 Pfund 
Pfennig oder etwa 11 kg Feinsilber anschlug, d. i. auf ein Fünfzigstel 
des Münznutzens, den der österreichische Herzog aus dem ganzen Lande 
zog. Aber auch der Kleinverkehr blieb davon nicht verschont. Durch 
die jährlich sich wiederholende Verruf ung erlitten die neu ausgegebenen 
Pfennige vom Tag ihrer ersten Ausgabe an schon durch den blofsen 
Zeitablauf eine Entwertung, die sieh vcrhältnismüfsig über das ganze 
Jahr verteilte und schliefslich jene 25°/ 0 erreichte, um welche der Ein- 
lösungspreis der alten Pfennige unter dem Nennwert der neuen stand. 
Wurden z. B. wie in der Mark Brandenburg seit dem Anfange des 
14. Jahrh. zu Jakobi für 16 alte Pfennige 12 neue ausgegeben, so war 
deren Wert bis Michaelis, also in einem Vierteljahr, auch um den vierten 
Teil der Jakobi künftigen Jahrs zu gewärtigenden Einbufse gesunken, 
d. h. nun waren erst 13 Pfennige im Handel so viel wert als ein 
Schilling zu Beginn des Münzjahres usw. Damit aber erhöhten sich, 
sofern die übrigen Verhältnisse gleichblieben, die Preise der Waren. 
Um diese Schwankungen, die zur Zeit des allgemeinen Umtausches der 
alten gegen neue Pfennige ihren Höhepunkt erreichen mufsten, so gut 
es ging hintanzuhalten, griffen die Städte zum mittelalterlichen Auskunfts- 
mittel der Preissatzungen. So liefsen sich die Schöffen von Schweidnitz, 
in Schlesien jedesmal durch den Münzineister die Pfennige neuester 
Prägung bringen, setzten deren Wert fest und bestimmten danach in 
Gemeinschaft mit dem Rate und den Ältesten der Stadt den Preis der 
verkäuflichen Gegenstände. Von Wien ist uns eine jormrt institutionis 
que fit per civium arbitrium annnatim tempore quo donarii renoruntur pro 
verum venalimn qualibet emptione aus der Mitte dos 13. Jahrh. überliefert 



Digitized by Google 



222 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



und es sind Preissatzungen für Waren und Arbeitsleistungen bei der Ein- 
führung neuer Münze aus den Jahren 1460 und 1474 erhalten. Ahn- 
liche Mafsregeln sind bei gleichen Anlässen sicherlich auch in andern 
Städten getroffen worden. 

Volkswirtschaftliche Nachteile der jährlichen Münzverrufungen : Eh e b e r g, 72 ff. — 
Menadier, Deutsche Münzen III, 104. ff. — Wien» Münzwesen usw. n, 789 ff., 828 ff. — 
Friedensburg, Schlesiens Mjsgeseh. im MA. II. (Cod. dipl. Silesiae XIII. Breslau 
1888 8. 33 ff.) Gewöhnlich betrug die Einbufae bei der Umwechslung gegen neue 
Pfennige 1 '« oder 25° 0 . Doch werden in päpstlichen Stcuorrechnungen 1285 iy s alte = 
1 neuer Wienerpfennig, also 20° 0 Verlust gerechnet, andere Male wieder mehr. >Es 
ist zweifelhaft, ob schlechte Könige, Minister, Parlamente und Richter England in 
einem Vierteljahrhundert so viel geschadet haben, wie schlechte Kronen und Schillinge 
in einem Jahr<, lautet ein von Roscher angeführter Ausspruch Macaulays aus 
Kapitel XXI, das die Münxwinren und die Münxrefonu in England (1695) schildert. 

10. Die im Laufe des Jahres periodisch wiederkehrende Entwertung 
aller Bargeld bestände war jedoch keineswegs die einzige böse Folge 
der häufigen Münzverrufungen, sie haben vielmehr zu einer zweiten 
Ungeheuerlichkeit geführt, zur Ausprägung von Münzen von periodisch 
wechselnder Schwere. Die karolingischo Vorschrift, dafs der einzelne 
Pfennig meras et bene pensans sei , (s. oben 3) liefs sich nicht länger 
aufrecht erhalten, als die Münzherren das Recht der Prägung nach 
eigenem Münzfufs erhielten und nun Schwere und Feingehalt der Lokal- 
münzen rasch abnahmen. Da sich zugleich die Zahl der Münzstätten 
erheblich vermehrte, so mufste sich wohl mancher Münzherr mit den 
Diensten weniger geschulter Müuzer begnügen, die überdies kaum das 
ganze Jahr hindurch mit der Münze zu tun hatten und daher zeitweise 
anderweitig beschäftigt werden mufsten. All dieses zusammen mufste 
zu einem Verfall der Münztechnik führen. Als nun die alljährlich und 
noch öfter stattfindenden Münzverrufungen aufkamen, fehlte es vollends 
an Zeit zur Justierung der grofsen Menge leichter Pfennige, deren man 
nun alljährlich zu gewissen Tagen in grofser Menge bedurfte. An Stelle 
der sorgfältigeren Stückelung in älterer Zeit kam nun die Münzung al 
marco auf (§ 10, 5, § 22, 7). Ein solches Vorgehen aber, das ein Neben- 
einander von Münzen eines Nennwertes und verschiedener Schwere ge- 
stattete, bot den stärksten Anreiz zum Saigern < d. i. zum sträflichen 
Herausklauben der überwichtigen Stücke, die man mit Vorteil als Silber 
verwerten konnte. Die Folge war also, dafs nur das unterwichtige Geld 
im Verkehre blieb. Da nun das Saigern um so gewinnbringender sein 
mufste. je geringere Zeit die Münze im Umlauf war, so erlitten 
auch die Pfennige in den ersten Wochen nach einer neuen Ausgabe 
auf diese Weise die stärkste Einbufse. Es ist nun für die fiskalische 
Auffassung, die man damals vom Wesen der Münze hatte, bezeichnend, 
dafs man sich seitens der Münzherren schliefslich mit der -Saigerung^ 
als einer unvermeidlichen Schmälerung des durchschnittlichen Schrots 
abfand, dafür aber deren nmtmafslichen Ertrag vorweg für sich in An- . 
Spruch nahm, indem man in dem Mafse, als das Jahr vorrückte, immer 
leichtere Münze ausgab 24, !>). Mit dürren Worten wird dies von 
Herzog Albrecht 11. von Osterreich 1330 in seiner Münzordnung für 



Digitized by Google 



§ 28. Prüfung von Münzen mit periodisch wechselndem Schrot. 223 



Steiermark als Regel hingestellt. Die neuen Pfennige sollten von Lieht- 
mefs bis Reminiscere in der Fasten (durch 2 — 7 Wochen) zu 21, von 
Reminiscere bis Georgi (10 — 5 Wochen) zu 22, in den übrigen 40 Wochen 
von Georgi bis wieder Lichtmefs zu 23 Stück aufs Lot ausgegeben und 
dieser Kreislauf eingehalten werden, bis mit den Landstanden eine 
neue Münzordnung vereinbart werden würde, die dem Herzoge, Land 
und Leuten nützer und pesser sei. In Böhmen herrschte die gleiche 
Gepflogenheit schon um die Mitte des 13. Jahrb.; es sollte die Aufzahl 
der Pfennige auf die Münzmark im Jahr von 316 — 364 Pfennigen sine 
vara des Münzmeisters anwachsen, in der Mark Brandenburg teilte die 
Münzordnung von 1347 das Jahr in sechs ziemlich gleiche Abschnitte 
und gestattete dem Münzmeister inner Jahresfrist ein allmähliches An- 
steigen von 24^ bis auf 27 Schilling (294—324 Pf.) auf die Münzmark ; 
in Braunschweig wurde nach den Eintragungen des Münzmeisters Hans 
Porner im Jahre 1407 am 4. Juni mit 29 Schillingen auf die Münzmark 
begonnen und die Aufzahl bis zum 3. August auf 31, 33 und 35 Schil- 
ling gesteigert. Für Merseburg ist ähnliche Übung seit 1255 nachweis- 
lich. Als 1329 den Kanonikern ex quo denarii tum haben tur ihre Be- 
züge in Silber ausbezahlt wurden, mufsten sie es sich gefallen lassen, 
dafs ihnen je nach dem Fälligkeitstermin ein Lot Silber zu Bartholomäi 
für 20, zu Martini für 24, zu Lichtmefs für 30 und vom 1. Mai bis 
24. August sogar für 48 Pfennige gerechnet wurde! usw. Man sieht, 
dies Münzen mit periodisch abnehmendem Schrot, wie widersinnig dies 
<len volkswirtschaftlichen Anschauungen von heute auch erscheinen mag, 
war während des Mittelalters im Deutschen Reiche sehr verbreitet. Ks 
war das rohe Mittel um dem Münzherrn den durch die Saigerung sicher 
eintretenden Metallverlust zu ersparen, und sollte aufserdem den Wert- 
sturz, der sonst am Tage der Münzerneuerung unvermittelt eingetreten 
wäre, auf die Umsätze im Laufe des Jahres verteilen. 

Münzrechtsverleihungen unter gleichzeitiger Zuweisung der Münzgorätsehaften 
kommen vor. 101b* erhält das Kloster St. Florin zu Koblenz vom K. Heinrich II. zu 
< Allenfeld monetam cum omnibus uknsilibus. — 1018 Schenkung des Hofes Koblenz an 
das Erzstift Trier cum thetoneo et moneta et cum omnibus eorum pertinrntiitt. Mon. 
Germ. h. Dipl. III, S. 450, 509, Hoinr. II, Nr. 352, 397. — Dafs auch die zur Bedienung 
der Münze bestimmten Ministerialen mit ihren Fanulien bei Vergebung einer schon 
bestehenden kgl. Münze übertragen wurden, leidet keinen Zweifel (Eheberg, S. 109) 
und wird durch das Privileg K. Friedrichs I. für die Wormser Hausgenossen {1165) bo 
stiltigt, in welchem diesen zugesichert wird, falls der Herrscher mit grofsem Gefolge 
in Worms einroiten sollte und der bischoff' zu Warmsze nicht diener gnug kette eime 
keyser . ... zu dienen, so soltcnt die muntzer von der muntze, die da ist eins keysers 
ramer der diener gebrexten und stad erfüllen und einem der vier Hofainter vorübergehend 
zur Dienstleistung zugewiesen werden. Boos, U. B. der Stadt Worms I (B. 1886), 65, 
Nr. 80. Münzen mit periodisch abnehmendem Schrot vgl. Wiens Handel und Münz- 
wesen II, 788. — Menadier, Deutsche Münzen III, Berlin 1895) Sehowelpenninue 
S.961T. — Eheber K 76ff. - Posern-Klctt. S. 367 ff. f. Merseburg 1255, 1273. 132»; 
Codes jnr. Bohemici I, 12(5 (c. 1253 , vielleicht auch in Ungarn, falls die Worte in 
einer Urkunde Kg. Belas IV. (Schenkung des Marktzolls in Castro Pestensi an das 
Nonnenkloster auf der Margare tcninsel) Item tempore norae monetär dum eelcbris ext pixa 
monetu de mensura 4 garlarum denarium reripiant cum untern dnearii ineipient desren- 
dere pro trihu* garlit 1 denarium nicht auf den Verlust durch Saigerung oder durch die 



Digitized by Google 



224 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Münzverrufung zu beziehen sind. Fejer, Cotlex dipl. Hungariae, T. IV vol. 2, S. 312. 
Wiederkehrende Zinsungen wurden daher bedungen in Pfennigen *dcr münz die dann 
g<t> (1333) oder genauer 1345 netee Grntxer phenning als si gent ze sand Merten tag 
(Urkd. 2049*, 2270<- st. L A.) 

11. Arger noch als in Deutschland, war der Mifshrauch des Münz- 
recht« zu fiskalischen Zwecken in Frankreich. Es ist schon früher 
(§ 26, 6) gezeigt worden, auf welchem Wege die französischen Könige 
das beim Verfall des karolingischen Reichs in die Hände der Kirchen- 
fürsten und Barone übergegangene Münzwesen bis gegen die Mitte des 
18. Jahrh. nach und nach wieder ihrer königlichen Oberhoheit unter- 
worfen hatten. Unter den Königen Ludwig IX. (1226 — 1270) und Phi- 
lipp III. (1270 — 1285) herrschten hier sehr geordnete Münzverhältnisse, 
und die neugeschaffenen Silber- und Goldmünzen : Turnosen, Agnels 
(Vor, Florins, Chaises (Vor usw. gewannen alsbald Umlauf und Nachbildung 
in den Nachbarlanden. Ein Umschlag trat unter König Philipp IV. dem 
Schönen ein (1285 — 1314), dem die Zeitgenossen geradezu den Beinamen 
des Müuzfälsehers gaben. Schon 1301 war die Münze König Philipps IV. 
so verrufen, dafs der Bischof von Pamiers erklärte, ego in tota Hin pe- 
cunia non dnrem unum stercus, quae prava- et falsa est et sine lege et falsiis 
qui eam facit ßeri, nec in curia Romana daret homo unum stercus de ista 
pecunia (Saulcy Rcueil I., 154) Pliilipp IV., der wahrscheinlich die 
Münzverschlechterung durch mehrere Jahre im geheimen betrieb, gab 
dieselbe 1295 offen zu, bezeichnete aber jetzt seine minderwertigen Ge- 
präge unter Zustimmung und Bürgschaft seiner Gemahlin als Kredit- 
münze, die seinerzeit zu vollem Nennwert eingelöst worden solle, ein 
Versprechen, das allerdings niemals erfüllt wurde. Nicht weniger als 
sechsmal wiederholte sich in den nun folgenden 20 Jahren das Schau- 
spiel, dafs der König, ungeachtet der schweren Opfer, die Volk und 
Geistlichkeit darbrachten, von schlechter Münze zu guter überging, um 
alsbald wieder zur schlechten zurückzukehren. Dabei wurde nicht nur 
die Eitilieferung in- und ausländischer guter Münzen und der Gold- und 
Silbergeräte gegen die neuesten Gepräge des Königs erzwungen, sondern 
es erwuchsen auch die gröl'sten Schwierigkeiten bei Schulden und Renten, 
die zur Zeit entwerteten Geldes entstanden waren und nun in gutem 
Geld gefordert wurden, und umgekehrt. Almliche Zustände, wenn auch 
in geringerem Umfang, wiederholten sich unter den Söhnen Philipps 
des Schönen, doch bestand der fiskalische Gewinn, den die kapetingischen 
Könige zogen, weniger in der Verschlechterung des Feingewichts der 
üblichen Münzen als darin, dafs diesen ein erhöhter Nennwert beigelegt 
wurde. Man ging, wie Levis bemerkt, im allgemeinen »von der An- 
schauung aus, dafs das Line eine ideale, in den Gütern sich ausprägende 
Werteinheit sei, die durch die Münzen auch unabhängig von dem innern 
Wert derselben repräsentiert werde . Daher wurde in mehreren Ordon- 
nanzen immer wieder befohlen, dafs alle Rechnungen nur auf Livres, 
d. h. auf die Rechnungseinheit von 20 Sols oder 240 Deniera, nicht aber 
auf Gewichtsrnengen Gold oder Silber oder auf bestimmte Münzsorten, 
etwa auf Montons oder Tumosen lauten sollten. Die neuausgegebenen 



Digitized by Googl 



§ 28. Fiskalische Ausnutzung der Münze in Frankreich. 



225 



Münzen erhielten also einen bestimmten Nominalwert in deniers (ournois, 
und ein ans solchen Münzen zusammengesetztes Livre von 240 Deniers 
mufste von den Gläubigern nach seinem Nennwert angenommen werden. 
Der Erfolg war um so sicherer, als im Gegensatz zu Deutschland, wo 
bis 1300 nur der Pfennig und dessen Teilstücke geprägt wurden, in 
Frankreich verschiedene Münzeinheiten in Gold und Silber — ein Münz- 
edikt König Philipps IV. von 1314 zählt deren ein Dutzend auf — neben- 
einander üblich waren. Es bedurfte daher nicht einmal einer Herab- 
setzung des bisherigen Feingewichts, sondern nur einer Erhöhung des 
Nennwerts bestimmter Münzgattungen, welche zur Einlösung der übrigen 
demonetisierten, d. h. ihrer Münzeigenschaft entkleideten Stücke nach 
dem vom Könige festgesetzten Metallpreis verwendet wurden. Davon 
abgesehen, konnte auch dadurch, dafs man die Einlösungsmünze nach 
ihrem Feingewicht einmal leicht (mmwtti debilis), einmal schwer (muneta 
fortisj herstellte, und endlich dadurch, dafs man das Wertverhältnis der 
Edelmetalle veränderte, ein namhafter Münzgewinn für den Augenblick 
erzielt werden. Löhne und die Preise im Kleinverkehr sind wahrschein- 
lich nicht immer im Verhältnis zur Münzveränderung gestiegen, allein 
im Grofsverkehr liefs sich eine Preiserhöhung durch die königlichen 
Verbote nicht verhindern. Die Wirkung der Nennwertserhöhung bei 
der umlaufenden Münze war also die einer Verschlechterung des Zah- 
lungsmittels, im wesentlichen also dieselbe, die heute bei einem unein- 
löslicheu Papier mit Zwangskurs eintritt: ein Agio auf Edelmetalle. Die 
Gold- und die groben Silbermünzen erhielten in den Sols und Deniers 
der umlaufenden Münzen, wie es in einer alten Aufzeichnung heilst, de 
In volunte du peuple nun le cantre ostnnt Vordtmnance einen um so höheren 
Kurswert, je schlechter die letzteren wurden. War dann die Unter- 
wertigkeit dieser Münzen nach und nach auf den tiefsten erreichbaren 
Punkt gebracht — zu dergleichen argen Münzverschlechterungen gab 
den Valois der hundertjährige Krieg mit England ja reichlich Anlafs — 
so kehrte man im 14. und 15. Jahrh. nach dem von Philipp IV. dem 
Schönen eingeführten Vorgang plötzlich zur moneta fortis zurück und 
verrief die vorhandenen leichten Münzen oder würdigte sie ab. Dieser 
Wechsel von schwerer und leichter Münze wurde sogar zu einem Grund- 
satz der Finanzpolitik, indem mau die Verringerung eintreten liefs, 
wenn grolse Staatsausgaben erwartet wurden, und die Münze verstärkte, 
sobald grolse Einnahmen bevorstanden. Nach dem Jahre 1430 traten 
geordnetere Münzzuständo ein, wiewohl sehr bedenkliche Mittel zur Er- 
zielung grofsen Münzgewinns in Frankreich noch bis ins 17. und 18. Jahrh. 
vorkamen und der Wert des Livre beständig sank. 

Urkundliche Nachrichten über den Münzgewinn in Frankreich in Sauleys Recueü 
de Documenta relatifs ä l'histoire des monnaies I, (Parin, 1879:, über den courx de la vo- 
lunte du peuple, S. 39. Roscher III (3. Aufl. 1*82) i; 42, S. 207, Anin. 4, berichtet mit 
Berufung auf Sismondi, dafs 1349 9, 1351 18, 1353, 13 und 1355 wieder 18 Münzver- 
änderungen stattfanden, welche zwischen 4 — 17 Livre« 8 Souh bei der Ausbringung 
der feinen Mark schwankten. — Die Angabe bei Eh eh e rg , 77 ( ,iafs die Mark zu 2 Livree 
18 .Sola, aber auch zu 112 Livre» ausgeprägt wurde, ist ein Mifsverstundnis ; solch einen 
Tiefstand hat da» Livre erst im 18. Jahrh. erreicht; es dürfte wohl H2Sous = 5 L. 8 S. 
Luschin, Numismatik. 15 



Digitized by Google 



226 



Zweiter Teil. eJeldgesehiehte. 



heifsen. Unmittelbaren Einblick in die Verschlechterungen der Münze wahrend eines 
einzelnen Jahre» bietet der Aufsatz von F. Saulcy im Annuiire IV, 232, über die 
Grand* blaues ä l'etoilc, die Kg. Johann II. von Frankreich vom 27. Nov. 1359 bis 
zum 31. März 1360 in acht Emissionen ausgab: 



Eiumission 


Auf/nlil nuf 
«He .Mark 


FVlDKt'bttlt 


Uowicht 


Zeit 




Tage von — hi* 


1. 


4M 


4d 


5,5417 


8 Tage 


27. Nov. — 5. Dez. 


2. 


48 


3 d 


5,5417 


28 


> 


5. Dez. — 2. Jan 


3. 


HO 


2 d 12 k 


4,3340 


20 


> 


2. Jan. — 22. Jan. 


4. 


72 


2 d 


3,7149 


26 


> 


22. Jan. — 17. Fbr. 


5. 


80 


2 d 


3,2505 


10 


» 


17. Fbr. —27. Fbr. 


6. 


100 


2d 


2,6004 


5 


> 


27. Fbr. — 4. Mrz. 


7. 


100 


1 d 12 g 


2.6004 


17 


> 


4. Mr. — 21. Mrz. 


8. 


125 


1 d 12 g 


2,0*03 


10 


> 


21. Mrz. — 31. Mrz. 



Die einzelnen Emissionen hatten ihre geheimen ErkennunsjHzcieheu differenta) 
Die Blancs zu 2 den. (= 0,167 fein) hatten z. lt. zwischen DEI und ( J RA ein Kingelchen O 
als Trennungszeichen usw., während die dißerents der Münzstatten weggelassen wurden 
pnur cc, que nous roulons eette chose estre ttnue la ]>lns sevrete que l'en jiourra. (1359, 
2. Dez , Saulcy, Recueil, 117). Die oben mitgeteilten Gewumtsberechnungen Saulcys 
scheinen übrigens fehlerhaft zu sein. — Shaw, The Ilistory of Currency (London 18*.>6) 
31 ff. — Du Cange, Glossarium l*85i unter Moneta. — Luchaire, Manuel des 
Institution* francaises. Paris 1*92, $5? 321, 326. — Warnkönig, Franzfteisehe Staats- 
geschichte I, Bowel 1846, Nr. 194, 279. — Lexis im Handworterbuch der Staatewissen- 
schaften 2. A. 1900 V, 900 ff.) unter Münzwesen. 

12. Um sich nun den Münznutzen möglichst zu sichern, haben die 
Münzberechtigten dem Verkehr in Edelmetallen mancherlei Beschrän- 
kungen auferlegt. Befanden sich in ihrem Gebiete Erzgruben, so hatten 
sie gewöhnlich auch das Bergregal und damit die Möglichkeit, die 
Preise fürs Bergsilber zu drücken, das ihnen abgeliefert werden mulste. 
Sie suchten indessen auch den übrigen Edelmetallvorrat im Lande, 
mochte er nun Landesuntertanen angehören oder von fremden Kauf- 
leuten mitgebracht werden, ihrem Einflüsse zu unterwerfen. Die Aus 
fuhr von Edelmetall wurde an die Einholung von Erlaubnisscheinen 
geknüpft, aller Verkehr mit ungemünztem Metall oder ungängiger Münze 
im Lande untersagt oder doch sehr erschwert, schliefslich Kauf und 
Verkauf von Silber und Gold allgemein nur bestimmten, dazu ermäch- 
tigten Personen vorbehalten. So waren alle diese Malsregeln darauf 
angelegt, der Münzherrsehoft zur Versorgung ihrer Münzstätte mit Roh- 
metall ein Ankaufsmonopol zu schatten. Alle Zahlungen sollten nur in 
den jeweilig zum Umlauf zugelassenen Münzen erfolgen (§ 29. 6.); wer 
solche nicht bei Händen hatte, mulste sie sich beim Wechsler beschaffen, 
wobei er für sein Edelmetall den von der Münzherrschaft einseitig fest- 
gesetzten Einlösungspreis in geringer Münze nach «leren Nennwert aus- 
bezahlt erhielt. Es hat darum auch der Münzweehsel im Mittelalter 
von den ersten Überweisungen des Münzertrags bis zur völligen Aus- 
lieferung der Münze an die Münzherren durch alle Zeiten einen wich 
(igen und unerläfslichen Bestandteil des verliehenen Münzregals gebildet. 

Lexis a. a. O. 901. Sentcttti« de argento eendendo 1224. — Mcm. G. hist. Consti- 
tutione* III, Nr. 283, S. '$'.«*, P231 ; Sentnitiu de rambio et imaginibus dennriorum a. a. O 
II S. 416, Nr. 301 '2. Im Privilegium Herzn« Otakars für die Iiegensburger auf den 
Ennser Messen gestattet dieser 1191 quieqnid emere let rciidcie eum auro vel argtiito 



Digitized by Google 



§ 28. Vorrecht der Münzherren auf Edelmetalle; Monetaticum. 227 



roliterint, potestatan habeant. Sein Nachfolger, Hz. Leopold V. von Österreich und 
Steiermark, crlauhte 115)2 diesen: emant aurum, rutes et omnia . . . cjrrjito argentn. Noch 
um einen Schritt weiter ging Hz. Leopold VI., der 1221 im Wiener Stadtrecht den Rc- 
genshurgern und andern oberdeutschen Kaufleuten auftrug: Et non emat aurum nequt 
aigentum. Si habuerit aurum rel argentut» non tendat niai ad cameram noxtram. Archiv 
f. ö. Gesch. X, 92, 95, 106. Die Verhandlungen zwischen Österreich und Bayern 
wegen Herstellung einer gleichförmigen Münzo zerschlugen sich 1465, weil die Bayern 
das Recht der Silherausfuhr aus Österreich verlangten und Kg. Ladislaus dies ablehnte. 
Karajan in Chmels Geschichtsforscher I. W. 1838 (Münzbuch, Abschn. LXXXI). 

13. Die Schädigung, welche die häutigen, volkswirtschaftlich ge- 
radezu verwerflichen Münzerneuerungen und die noch verderblicheren 
Münzverschlechtcrungen allem Verkehr zufügten, die Härte, mit der 
die Umwechslung des alten Geldes gegen neue Münze durchgesetzt wurde, 
die lästigen Mnlsregeln zur Erschwerung von Zahlungen in ungemünztem 
Metall, dies alles zusammen mufste schließlich den Wunsch nach einer 
weniger lästigen Ausübung des Münzregals allgemein erwachen lassen. 
Anderseits haben Geldverlegenheiten und der ungeachtet aller Anstren- 
gungen immer spärlichere Ertrag der Münzmitzungen auch auf die Münz- 
berechtigten eingewirkt und diese geneigter gemacht, auf Änderungen 
einzugehen, sofern nur der Ausfall an Einnahme genügend gedeckt 
wurde. So kam es, dafs der früher streng verbotene Verkehr mit alter 
Münze oder Barrensilber neben jenem mit neuen Pfennigen in gewissem 
Grade gestattet wurde, wenn ein entsprechendes Entgelt geboten wurde. 
In Erfurt wurde ursprünglich für diese Erlaubnis, die jedoch nicht all- 
gemein war. da manche Zahlungen nur mit neuen Pfennigen geleistet 
werden durften, fallweise eine Gebühr erhoben, die -Schlagschatz hiefs. 
In gewissen Fällen fand eine Befreiung von diesem Schlagschatz statt, 
namentlich im Verkehr der Bürger untereinander. Unter Erzbisehof 
Gerlach wurde 1352 auch das eingeführte Getreide, das man nach dem 
Weistum von 1289 entweder mit neuen Pfennigen oder mit Zuzahlung 
des Schlagschatzes kaufen sollte, davon befreit, weil sich die Bürger 
bereit erklärt hatten, an dessen Statt jährlich 100 Mark lötiges Silber zu 
entrichten, rücksiehtlich der übrigen Geschäfte blieb es beim alten. Erfurt 
bietet uns ein Beispiel, wie einsichtigere Münzberechtigte, ohne ihr 
Recht auf die jährliche Müuzerneuerung aufzugeben, gewisse Erleich- 
terungen eintreten Helsen. Welcher Art die Vorkehrungen anderwärts 
waren, wo — wie z. B. in Österreich in der Zeit von 12f>0 — 13i>l) die 
alten Pfennige nach Ausweis der Urkunden und Münzfunde im Umlauf 
vielfach vorkamen, ist unbekannt. Allein die fallweise Einhebung des 
Schlagschatzes in Form einer Verkehrssteuer war ziemlich umständlich 
und jedenfalls nicht leicht zu überwachen , selbst wenn aus diesem 
Grunde gewisse Zahlungen nur in neuer Münzo geleistet werden durften. 
Darum haben die Münzherren anderwärts andere Wege eingeschlagen 
und gegen Einräumung einer mehr oder minder allgemeinen Abgabe 
auf die periodische Münzerneuerung, sei es für eine bestimmte An- 
zahl Jahre, sei es für immer, verzichtet, Hierher zählen das Mono 
taticum und das Morahot'ntnm , die in Arragonien seit dem Jahre \2M\ 
«lein Könige von Zeit zu Zeit als eine 5 proz. Steuer vom beweg- 

15* 



Digitized by Google 



228 



Zweiter Teil. Ueldgoachichte. 



liehen Vermögen und als eine lOproz. vom Häuserwert zuicnuien, 
ferner die sog. Relevalio monetae, die in Frankreich schon 1159 erwähnt 
wird und wohl in Form einer Hordsteuer erhoben wurde, da die 
Ausdrücke Monetayium und Fwayium als gleichbedeutend bezeichnet 
werden. Auch in Ungarn, wo der König den aus der jährlichen Münz- 
erneuerung fließenden Gewinn als ein Lucrum ramerae beanspruchte, 
dachte man schon seit dem 13. Jahrb. an einen Ersatz desselben durch 
Steuern. Es wird dies um so begreiflicher, weil in diesem Reiche die 
zwangsweise Einwechslung der verrufenen Münze besonders hart durch- 
geführt wurde. Unter König Karl Robert I. wurde dann der Münz- 
gewinn um einen festen Betrag verpachtet und dem Pächter das Recht 
erteilt, auf dem flachen Lande eine Torsteuer, und zwar von jedem Ein- 
fahrtstor 18 Pfennige, zu erheben, die in neuer Münze bezahlt werden 
muteten; ferner hatten dio Städte je nach ihrer Gröfse einen bestimmten 
Betrag neuer Münze einzuwechseln, im übrigen blieb aber der Verkehr 
nicht nur mit neuen Pfennigen sondern auch mit solchen der drei vor- 
aufgehenden Jahrgänge freigegeben. Doch gab selbst diese Art der 
Einziehung des Münzgewinns noch zu grofsen Beschwerden Anlafs, wie 
aus dem von Korachich in seinen Formular, solennen styli Hunyariae (1799, 
S. 51 ff.) mitgeteilten Briefwechsel einer ungarischen Stadt mit König 
Ludwig I. hervorgeht. 

Finanztechnisch wohl dio günstigste Lösung hat Herzog Rudolf IV. 
von Österreich erzielt, der für den Verzicht auf dio periodischen Münz- 
erneuerungen von den Landstäuden das Ungeld . eine Gotränksteuer, 
eintauschte. Die Ablösung war übrigens ins Belieben des einzelnen 
Grundherrn gestellt, wer sie ablehnte, auf dessen Besitzungen blieb dem 
Herzog sein altes Recht vorbehalten nach den rechten freihalten und ye- 
wohnhaiten , als dieselbe unser münzte von alter herkommen ist an allez 
yever. auch sollte das Übereinkommen nur fürs Jahr 1359 gelten, je- 
doch verlängert werden, falls beide Teile damit zufrieden wären. Dies 
ist offenbar eingetroffen; ungeachtet der Klagen mancher über das 
Ungeld als eines doppelten Zohents, denen der Dichter Peter Suchenwirt 
nach dem Tode Herzog Rudolfs IV. Ausdruck gab, ist es bei der Ver- 
einbarung vom Jahre 1359 geblieben: Die Münzprägung beschränkte 
sich für lange Jahn» auf den Ersatz des jährlichen Abgangs, so dafs 
der Münzgew inn ums Jahr 1437 nicht einmal 200 Pfund Pfennig oder etwa 
f) 1 ^ kg Feinsilber erreichte, während der Ertrag des Ungeldes mit 
30,563 Pfund oder rund 800 kg Feinsilber, damals beinahe die Hälfte 
der Gesamteinküul'te dos Herzogs, ausmachte. 

Der Verfall «ler Messen in der Champagne fallt zeitlich zusammen mit der von 
Philipp IV. von Frankreich eingeführten verderblichen Münzpolitik und int vollendet 
zur Zeit der Münzverschlechterungcn unter Philipp von Valois u. Johann I. Schulte A., 
Geschichte d. mittelalt. Handels zw. Westdeutschland u. Italien. L. 1900, I, 344 ff., 
Warnkonig I, 457 (Basel 1846). — Über d. Münzzuatande in Erfurt s. Eheberg 81 
und dazu die Urkunden im Anhang zu Po se r n - K 1 e 1 1 , Sachsens Münzen (L. 1846\ 
317 ff. — \Ln\etatirum, Monctngium. Moraholhutm, Relevatin monetär, Focagiu») ». Du 
Gange (Austrat*} Niort 1885) unter diesen Schlußworten. Ich hebe hervor die Urk. von 
1315 für die Xormandie : redditus nobis dchiUm pro dieta pecunia non mutanda, qui in 



Digitized by Google 



§ 28. Verzicht auf periodische Münzcrueuerung, Lucrum cumcrae un\v. 229 

dirto ducatu monetagium, alias /ocnginm nnncnpantur . . .; für Ungarn «lie bei Krajner, 
Stant8verfa»sunp Ungarn« (Wien 1H72), S. 705, 707, 711 angeführten Urkunden: 1191 
Privilegium f. Fünfkirchen ; 1271 desgleichen für die Zipser SarliHen ; 1212 quod loeo 
cotlegitur monetae ; 1237 . . coUectam . . . pro redemptione. monetae. Ihm tum Caroli I. 
Regis u nie um anni 1342, §§ 1, 19, 31, iui Corpus juris llungariae und Krujners Aum- 
führungen S. 703, §23. Für Österreich vgl. meine Abhandlung über Wien* Münz- 
wesen, Handel und Verkehr 1902, S. 795 ff. Es scheint übrigens in Österreich einzelne 
Ortschaften gegeben zu haben, die schon früher Befreiung vom herzoglichen Münznutzen 
genossen. Das Urbar der Meissau aus »lern 14. Jahrb. meldet von Weizendorf: l'as 
d<>rf qeit cheinm ungelt, noch hat mit der neuen phtnninqen nicht« ze schaffen. Notizen- 
blatt d. W. Akad. JH53, 120. 

14. Die fiskalische Ausbeutung des Münzgewinns war übrigens auch 
Ursache, dafs das Recht der Ausmünzung schliefslieh an die ineisten 
Reichsstädte kam. ja zum Teil sogar in die Hände von landsässigen 
Städten gelangte. Die Städte, die ihr Gedeihen allgemein dem Aufblühen 
von Handel und Verkehr verdankten, mufsten auch den gröbsten Wert 
auf eine schonende Ausübung des Münzrechts legen. Sie sahen sich 
jedoch vor allem auf ihre eigenen Kräfte angewiesen, da sie zur Zeit 
der staufischen Kaiser, welche nach ihren Erfahrungen in Italien dem 
Emporkommen der Städte in Deutschland nicht allzu günstig gesinnt 
waren, vom Reiche wenig Unterstützung zu erwarten hatten. Die Kölner 
erwirkten 1252, nachdem sie sieh mit dem Grafen Wilhelm von Jülich 
verbündet hatten, gegen ihren Erzbischof Konrad von Ilochstaden, als er 
eine neue Münze schlagen wollte, einen Schiedsspruch, der diesem eine 
starke Einengung des Münzerneuerungsrechts auferlegte. In andern 
Städten kauften die Bürger den Münzherren das Recht der Yerrufung 
der Münze für eine Reihe von Jahren ab (z. B. 1284 in Augsburg). 
Weitaus in den meisten Fällen erlangton sie indessen, sei es durch die 
Münzerhausgenossen , die allmählich aus ihrer Ministerialenstellung ins 
Patriziat der Städte übergetreten waren, sei es durch den Stadtrat einen 
dauernden Einfhifs auf die Ausübung des Münzreehts und die Münz- 
verwaltung, am frühesten wohl in Speyer, wo der Münzwert nach einem 
auf Kaiser Heinrich V. zurückbezogenen Privilegium nicht ohne allseitige 
Zustimmung der Bürgerschaft verschlechtert werden durfte. Ende des 
12. Jahrb. gewannen Lübeck (11*1, 1182) und Hamburg (1189) die Mit- 
aufsieht über die Münze, 1204 sollen Stade, 1210 Goslar zu gleichem 
Recht gekommen sein, 1230 folgten Regensburg. 1241 Hannover usw. 
Auf die Dauer bot indessen dies Beaufsichtigungsrecht nicht genügenden 
Schutz, weil es der Bürgerschaft höchstens ein Beschwerderecht gab, 
dessen Erfolg unsicher war. Da gaben ihr nun die häufigen Geldver- 
legenheiten der Münzherren Gelegenheit, weitergehende Rechte an der 
Münze zu erringen, weil diese um einer augenblicklichen Nutlage willen 
oft genötigt waren, ihre Rechte an Münze und Wechsel, sei es der Stadt 
selbst, sei es an einzelne Bürger, gegen Vorschüsse zu verpfänden, zu 
verpachten oder auch zu verleimen. Hie und da. z. B. in Schlesien, 
kam es aus solchen Anlässen sogar zum Verkauf der Münze auf Zeit — 
auf 2, 6. 10 oder mehr Jahre — oder zu einer zeitlich befristeten, oder 
endlich zu einer auf Widerruf erteilten Münzbereehtigung. 



Digitized by Google 



230 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Ehe her g 83 ff.: Zu den hier angeführten Verordnungen deutscher Konige, die 
sich in vereinzelten Fällen gegen den Mißbrauch der Münzberechtigung wenden, 
können noch nachgetragen werden: ca. 1152 (Stumpf, Reichsk inzler, Nr. 3683 : Kp. 
Friedrich I. gegen die Münzverschlochterung durch den Bischof von Hasel 1196. K. 
Heinrich bestimmt Schrot und Korn der Speyror Münze. Mon. Germ. Constitutione* I. 
Nr. 374, S. 522. — 1275 (Schopf I in, Almth dipl. II, 8. Nr. 69-*): Kg. Rudolf befiehlt 
dem Abt von Weifsenburg, die neue Müum« d- min'nterialium ac eiiüum ron*ilio zu 
prägen. — Gegen den wachsenden Einflufs der Hausgenossen wendet sich das Reichs- 
urteil von 1283. Jeder Fürst kann iu hergebrachter Weise münzen, pociu* . . . qwim 
jnrtn voluntntem consorcium qui ndgariter hue*geuoe,s appclantur. M. (f. Constit. III, 
Nr. 348, S. 333. — Münzverpfandungen und Verkaufe usw. der Kölnischen Münze 
an Bürger schon 120«, Mon. G. leg. II, 209. an die Wormser Bürger auf 10 Jahre 1234, 
Wormser U. B. I, 126, Nr. 172; der Reichsmünze zu Nürnberg an den dortigon Bürger 
Herdegen Yalzncr durch Kg. Ruprecht 1402. Hirsch VIII, 11, Nr. 10 — 1352. Herzog 
Wenzel von Liegnitz verpfändet der Stadt Liegnitz für 10 Mark Goldes die Heller 
mönzo zu Liegnitz bis zur Abzahlung dieser Schuld. Kriedensburg, Schlesiens Münz- 
gesch. im Mittelalter (1887), S. 45, Nr. 45; ähnliche L'rkunden für Lüben a a. O. unter 
Nr. 47 — 50 — Verleihungen der Münze zu Bernwald an Bürger von Frankfurt a. O 
durch Markgf. Ludwig von Brandenburg auf 12, bzw. 30 Jaihre, s. Koehne, Z. V, 27, 
Nr 7, 8, die Münze zu S. Trond hatte vor 12.*)«', der Bischof von Lüttich einor Bür- 
gerin zu Lehen überlassen. R. N. B. I, 1 (1842i, 372. 1221 belehnte das Stift Corvey den 
Wilhard Keren, Bürger zu Volkmerfsen, mit der Münze daselbst zu einem rechten Mann- 
lehen. Grote, Bl. f. Mzkde. I (1835), Nr. 17. — Verkäufe der Münze auf Zeit : Friedens 
bürg a a O. I, Nr. 54, 63, 64,67, 69, 73 ff., II, S. 166. Breslau, das seit 1301 die Münze 
vom Herzoge auf Zeit zu kaufen pflegte, erhielt 1362 vom K. Karl IV. auf Widerruf 
das Recht, Heller zu prägen, a. a. O. I, 37, Nr. 34. die Stadt Sprottau 1407 ebenso auf 
10 Jahre, a. a. O. I, 53. Weiterverleihungen oder Verkauf d. Münzberechtigung wurden 
durch d. Reichsabschiede v. 1551, 1559 verboten Pfeffingcr, Yitriarius illustratns 
(Frankfurt a. M. 1754), III, 479. — Verleihungen des Rechts der M ünzprägung auf 
Zeit kommen auch anderwärts vor. Kg. Ladislaus von Neapel bewilligte 1391 dem 
Napoleon IL, Orsini, Grafen von Manopello, die Prägung von Bolognini zu Gnardiu- 
grelr doch nur für die Dauer des mit dem Gegenkonig Ludwig von Anjou begonnenen 
Krieges predicta tam>n prexrnti gwrrtt durante et non ulterius. {Laznri, Zeechc degli 
Ahrnzzi. Venedig 1858, S. 77 ff.) — In Lyon scheint der Münzpacht von 1286 — 1408 
erblich gewesen zu sein: zum Jahre 1340 wird uns sogar eine Münzpächterin genannt. 
Amphelise de Peage. Natalis Rondot, T,es maitres particulirs de la monnair de Lyon. 
Lyon 1889 (W. N. M. I, Nr. 75). — Die Verpachtung der Münze war in Frankreich 
noch lange üblich, die Prägung der kupfernen LUtrds von 1655 — 1658 wurde beispiels- 
weise durch den formier gent-ral Imar Blandin besorgt ; der Münzbetrieb wurde hier 
überhaupt erat 1880 verstaatlicht. R. N. F IV, t. 2, S. 688, t 3, 62 ff., Babelon, AV 
tire 123. 

15. In all diesen Fällen überlicl's der Münzherr den einzelnen Bürgern 
oder der Bürgerschaft nur die Ausmünzung und den daraus fliefsenden 
Gewinn, während er sich die übrigen Rechte: Bestimmung des Münz- 
gepräges, von Schrot und Korn usw. noch vorbehielt. Noch der Inhalt 
des von Friedrich II. den Lübeckern im Jahre 1226 erteilten Münzbriefes 
beschränkt sich darauf, dafs der Kaiser der Stadt gegen jährlich 00 Mark. 
Silber die Ausprägung in seinem Namen und offenbar nach dem von 
ihm festgesetzten Münzfulse, und /.war nur für seine Lebenszeit gestattete, 
da er seinen Nachfolgern die Bestätigung dieses Übereinkommens aus- 
drücklich vorbehielt, Gegen Schlufs des \;\. Jahrb. gelangten indessen 
manche Städte in Deutschland auch in den Besitz der bis dahin dem 
Münzherren vorbehaltenen Rechte. So erwarb Stade im Jahre 1272 
vom Erzbischof Hildebold von Bremen im Austausch gegen Liegen- 



l 

Digitized by Google 



§ 28. Cbcrgnng der Ausmünzung an die .Städte; der >ewige Pfennig«. 231 



.Schäften moiiekim nostrum Stadensem eo jure quo nos seit antecessorcs nostri 
et eeelemt Bretnensis liactenus jxmedimKS. Hamburg pachtete 1293 die 
Münze von den Grafen von Holstein, 1325 verzichteten diese auf ihre 
Ansprüche vollständig, und Hauiburg erhielt nun unbeschränkte Münz- 
freiheit; 1293 erwarb die Stadt Lüneburg gegen Übernahme einer Steuer 
vom Herzoge Otto dem Strengen die Münze mit aller Zugehör, auch die 
Gerichtsbarkeit mit eingeschlossen, zu Eigentum; 1327 empfing die Stadt 
Freiburg im Breisgau das Recht Silber zu münzen von ihren Herren, 
den Grafen von Freiburg zu Lehen ; Rostock und Stralsund erwarben 
1325 Münzgerechtigkeit von den Herzogen von Mecklenburg und 
Pommern usw. Nur in dem erwähnten Fall von Lübeck, das die Münze 
unmittelbar aus den Händen des Reichsoberhauptes empfing, erscheint 
der Charakter des Regals bei der Verleihung festgehalten, weil die Stadt 
um Erneuerung ihrer Münzgerechtigkeit bei jedem Herrscher von neuem 
cinkomtnen sollte; allein selbst diese Bedingung wurde weggelassen, und 
nur die Zahlung des ursprünglichen Jahreszinses festgehalten, als Lübok 
im Jahre 1340 von Kaiser Ludwig IV. das Recht der Goldprägung bekam. 
Soweit Reichsstädte späterhin ihre Münzberechtigung unmittelbar vom 
König erhielten (z. B. Isnv 1507, Kempten 1510, Augsburg 1521, 
Kaufbeuren 1530), geschah dies ohno zeitliche Begrenzung, doch wurde 
ihnen das Münzbild vorgeschrieben, das sie ohne Erlaubnis des Königs 
nicht ändern sollten. In allen andern Fällen erachteten die Fürsten sich 
für berechtigt, die ihnen an bestimmten Orten zustehende Münzgerech- 
tigkeit dauernd der Ausübung nach an Dritte zu übertragen, obgleich 
dies im lb\ Jahrb. durch Reichsgesetze untersagt wurde. So gelangte 
also die Münzgerechtigkeit nicht etwa blofs an freie und Reichsstädte 
sondern, wie gesagt, auch in die Hände zahlreicher Landstädte, während 
sie anderseits manchen Reichsstädten, z. B. Dinkelsbühl, dauernd ver- 
sagt blieb. 

Über die Erwerbung des Münzrechts durch norddeutsche Städte vgl. Bode, 
Älteres Münzwcwen (BniunHchweig 1847), § 12 ff., S. 27 ff. Hirsch, Reichs- Münz- 
archiv I, S. 213, 237, 249. — Aufsichtsrecht des Stadtrats bei der Münzprägung: Ehe- 
berg 89, Grote IV, 5 (Osnabrück). — Eine Zusammenstellung der landsässigen Städte, 
die das Münzrecbt erworben hatten bei Pfeffinger, VitriariiiH iUuntratus. F. 1754, 
in, 481, Nr. 9. 

16. Nach Beseitigung jener Münzverrufungen, die aus finanziellen 
Gründen von den Münzherren alljährlich angeordnet worden waren, be- 
liefsen diese entweder die schon vorhandenen Münzen weiterhin in Um- 
lauf, ein Fall der 1351) in Ost erreich beobachtet wurde, oder sie ent- 
schlossen sich zur Ausgabe einer neuen bleibenden Münze und zwar, 
wenn nötig, unter Festsetzung eines neuen Münzfufses. 

In solcher Weise ging man in Braunschweig vor, wo die Stadt, 
nachdem sie 1412 die pfandweise besessene Münze von den Herzogen 
zu Eigentum erworben hatte, im Jahre 1413 die Prägung des ewigen 
Pfennigs?: anordnete, dessen Name in der Wissenschaft zur technischen 
Bezeichnung für die Abschaffung des unbeschränkten Münzerneuerungs- 
rechts geworden ist (Fig. 100 und 101). Unstreitig ist durch die Einfüh- 



Digitized by Google 



232 



Zweiter Teil. Geldgesehichte. 



rung des ewigen Pfennigs , eine Besserung der trostlosen Zustände, 
die im Münzwesen geherrscht haben insoweit eingetreten, als viele 
lästige Beschränkungen nun wegfielen, die dem Handel und Verkehr 
vordem aus fiskalischen Rücksichten aufgelegt waren. Auch war nun 
die Bildung von Geldkapitalien erleichtert, die früher durch die jähr- 
lichen als Besteuerung alles Bargelds mit 25°/ 0 wirkenden Münzver- 
ruf un gen so gut wie ausgeschlossen war. Eine nachhaltige Gesundung 
der deutschen Münzzustände ist indessen keineswegs eingetreten, weil 
man durch den ewigen Pfennig doch nur eine «1er vielen Ursachen 
des Münzverfalls beseitigte und überdies nun leicht in die entgegenge- 
setzte Übertreibung geriet. Die jährliche Münzerneuerung hatte wenig- 
stens einen Teil der ausgesaigerten alten Pfennige perindisch eingezogen ; 
da dies nun wegfiel, und die verderbliche Münzung ai marco nicht auf- 
gegeben wurde, so mufste sich der Verkehr binnen wenig Jahren mit 

unterwertiger Münze füllen. 
Bra u tisch wei ger Pfennige. Ein allgemeines Sinken des 

Münzfufses war die Folge, man 
gewöhnte sich an die leich- 
ten c Pfennige und unter- 
schätzte die Gefahr, die mit 
dem allmählichen Leichterwer- 
den der Münze verbunden war. 





Man kann diese Verschlech- 
terung der lang umlaufenden 



Fig. Pfennig mit der ffrof«eti Kiiur 101 

Hiiehse vom Jnlire Uli. Letzte« _ . 

Geprtge aus de( Zeil der j,.hr- Hn vwiKt T PfinM| K 

iieiien Münzvernifytigoii. (ohne JHhrgangfzeiehen ) Landesmünze aus den steigen- 
den Kursen gewisser als Han- 
delsniünze umlaufender Goldstücke leicht nachweisen. Die Zeitgenossen 
wunderten sich zwar darüber, scheuten jedoch die plötzliche Rückkehr zu 
einem schwereren Münzfnfs, weil sie befürchteten, dals die in leichten 
Pfennigen des alten Geldes augesetzten Preise dann in neuen schweren 
Pfennigen verlangt werden würden. So geschah es in Osterreich, als 
die Herzoge im Jahre 13^9 die Ausgabe neuer besserer Pfennige be- 
schlossen, deren zwei den Wert von drei alten haben sollten. Die Vor- 
bereitungen zur Anfertigung dieser nach ihrem Münzbild Steinböcke 
genannten Pfennige hatten kaum begonnen, so ergingen schon von Wien 
aus Zuschriften an die übrigen Städte im Lande ob und unter der Enns 
mit Schilderung, der dem Bürgerstande durch die beabsichtigte neue 
Münze drohenden Schäden. In den Antworten aller Städte wurde nun 
die Ausgabe einer schwereren Münze als eine Mal'sregel beklagt, aus 
der Land und Leuten kain yemayner nncz nicht vn'iy y*sein, stuuhr ein 
ursiich verde» hin her Schaden meniehle/chs erwachsen müsse. Die Herzoge 
Helsen zwar die schon begonnene Prägung nicht unterbrechen, verzich- 
teten indessen auf den für das Jahr 1402 in Aussicht genommenen Ver- 
ruf der älteren Münzgepräge. Die Folge war, dals dieser Besserungsver- 
such völlig scheiterte, und dafs der Münzfnfs in Österreich stetig abnahm. 

Bode a. a. O., f>4 und 1K9. Wiens Münzwesen, Handel und Verkehr II [1902), 
S. 7% ff. Bezeichnend für die KapiUilsunla^o Knde des 14. Jahrh. ist der a. a. O. S. S54 



Digitized by Google 



§ 28. Folgen de» >ewigen Pfennigs«, ij 29. Hie Münze als Zahlungsmittel. 233 



mitgeteilte Veriiu»genHUUHwei» dos reichen Regeusburger Kaufherrn Matthäus Hun- 
tinger vom Jahre 1300. Die 15030 rl., die er besafs, verteilten sich auf durch Pfand- 
nutzung gedeckte Forderungen 5700 n\, Barschaft, wohl das im (ieschttft angelegte 
Kapital, 3000 rl., Liegenschaften und Haus 3400 fl., Leibrentenkapital 2300 rl., Fahrnisse 
400 fl- kleine Forderungen 230 fl. 

17. So hat selbst der »ewige Pfennige dem deutschen Münzwesen 
nicht die erwartete Besserung gebracht. Wohl war man die Qual der 
jährlichen Münzerneuerung los geworden, allein die Münzen wurden 
nicht blofs in landesherrlichen Münzhäusern sondern auch dort zu- 
sehends geringer, wo das Münzweson in den Händen wohlweiser Stadt- 
räte lag. Abhilfe boten nicht einmal die Münzbündnisse der Städte 
(§ 30); der umsichtig geleitete Rappenmünzhund, dem viele südwest- 
deutsche Städte angehörten, konnte es beispielsweise nicht hindern, dais 
das Feingewicht der Rappen in den Jahren 1425 — 1498 von 0,245 g 
auf 0,168 g sank, und dafs die schwereren Plapperte in der gleichen 
Zeit von 1,52 g auf 1.05 g zurückgingen. Ungeachtet aller Anstrengungen 
waren also die Münzeinheiten hier innerhalb 75 Jahren um ein volles 
Drittel leichter geworden ! Wo indessen die Münzgerechtigkeit in 
den Händen fürstlicher Münzherren verblieben war, dort wurde in 
grofsen Notfällen noch immer auf die Verschlechterung der Münze als 
letztes Auskunftsmittel zurückgegriffen. Die verheerende Krise der 
Schinderlinge, die in den Jahren 1457—1400 den ganzen Südosten des 
deutschen Reichs überschwemmten (Fig. 74, S. 118), die geradezu un- 
glaubliche Münzverwirrung der Kipper- und Wipperzeit (Fig. 76, S. 126). 
die zu Beginn des Dreil'sigjährigen Krieges ganz Deutschland erfüllte, 
sind nicht die einzigen Beispiele dieser Art. Auch später noch sind 
unter dem beschönigenden Namen von »Kriegsmünzcn« (§16,6) Münz- 
verschlechterungen der ärgsten Art vorgekommen oder Kreditmünzen 
in ungemessener Zahl ausgegeben worden, welche, wie das Kupfergeld 
in Ruisland in den Jahren 1050 — 1063, die schwedischen Nottaler Karls XII. 
(Fig. 3, S. 19) oder das österreichische Kupfergeld zur Zeit der Fran- 
zosenkriege (letzteres allerdings in Verbindung mit der Ausgabe unge- 
zählter Bankozettel) zum offenen oder verdeckten Staatsbankerott ge- 
führt haben. 

("ahn, Der ItappeninUnzhuml. Heidelberg lt>01, S. 111. — fber Kriejjsmünzen 
vgl. § HJ. 6. — Heimele »tadtischer Münzpolitik *. l ahn, Münz- und CieldgeHchichto 
«ler Stadt .Strasburg im Mittelalter Sirufrburg 189') , Kap. 2 fl'. 

§ *2!>. Die Münze als gesetzliches Zahlungsmittel. 

1. Unter Zahlung versteht man gewöhnlich die Erfüllung einer auf 
Geld lautenden Verpflichtung durch Hingabe von Geld. Im weiteren, 
weniger gebräuchlichem Sinne ist jedoch Zahlung die Lösung einer Ver- 
bindlichkeit durch genaue Erfüllung des Schuldinhalts, also dadurch, 
dals dem Gläubiger gerade dasjenige gegeben oder geleistet wird, was 
den Gegenstand seiner Forderung ausmacht. Der Ausdruck Zahlung 
entspricht dann der römischen solutio, diese im engeren Sinn genommen. 



Digitized by Google 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



Das (Jehl spielt schon an und für sich bei Eingehung oder Tilgung 
von Verbindlichkeiten eine sehr wichtige Rolle, da es sehr verschiedene 
wirtschaftliche Bedürfnisse zu befriedigen vermag, beispielsweise Wert- 
träger, Wertmalsstab, Wertaufbewahrungsmittel, allgemeines Tauschmittel 
sein kann (§4,2); es gewährt eben seinem Eigentümer eine allgemeine, 
auf alle Gegenstände des freien wirtschaftlichen Verkehrs anwendbare 
Vermögensmacht. Für das grofse Gebiet des Forderungsrechtes erhält 
es eine noch viel weiter reichende Bedeutung dadurch, dafs es kraft 
Rechtsvorschrift überdies zum gesetzlichen Zahlungsmittel wird, d. h. als 
Ersatzleistung in allen Fällen eintreten kann, in welchen die Erfüllung 
des ursprünglichen Schuldinhalts unmöglich geworden ist und daher an 
Stelle einer Sache oder Leistung der Wert derselben vergütet werden 
mufs. Pecnnia tis- est, non est materia. 

Die rechtliche Möglichkeit, sich aus einer Verbindlichkeit durch Hin- 
gabe von Geld selbst gegen den Willen des Gläubigers zu befreien, be- 
ruht somit auf der Erklärung des Staates, dafs er dieser oder jener Geld- 
art innerhalb seines Machtgebiets die Eigenschaft der Währung (§ 23, 1) 
verleihe. Die Eignung des Geldes, als Zahlungsmittel zu dienen, ist daher 
von seiner Eignung als Wertmafsstab oder Tauschwerkzeug verwendet zu 
weiden, auch insofern verschieden, als für diese nur wirtschaftliche Vor- 
aussetzungen mafsgebend sind, während jene zunächst vom Willen des 
Staates abhängt. 

Pas Eigentum des Geldes verleiht dieselbe Macht, > welche die durch dasselbe 
gemessenen Vermttgensstücke zu verleihen fähig sind und es erscheint hierin das Geld 
als ein abstraktes Mittel Rur Auflösung aller Yermögensstücko in blofse Quantitäten.« 
Sa vi g n y, Obligationenrecht. Ii. 1851, I, t* 40, S. 405. — Knies, Geld und Kredit I 
(13.1873), S. 191 ff. — En de in an ii, Studien in der roui. -kanonist. Wirtschafts- und 
Reehtslehre II . Ii. 1883\ S. 161 ff., namentlich g 5, S. 211 ff. — Scnccia, TracUttus 
de commereiis et camhio , Frankfurt a. M. 164H, 336/337. ij II, Glos V. 17. Solvere diri- 
tur qui facit qu<*l pmmisit 1». l'ropria solutia d'uitur illa, qnar. cum ßat in praerian 
specic et forma oblü/ntionis liberat otnnino debitorem . . . Hot in rommuni u*u loquendi 
verbo solutionis uiamur in solutione tantum preuniaria. — Menger und I.exis im 
Handwörterbuch der Staatswissenschaftcn, 2. Aufl., J. 1900, IV, S. 69, V, S. 903. — 
Sehr entschieden betont die Natur des Geldes als Zahlungsmittel La band, Deutsches 
Staatsrecht, 3. Aufl., Freiburg i. lir. 1895, II, $ 76, S. 151 Im juristischen Sinn ist 
Geld »ganz gleichbedeutend mit gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel. Zahlen kann 
man allein mit Geld, allo andern Wertgegenstdnde kann man nur an Zahlnngsstatt 
verwenden« usw. 

2. Bei der Bestimmung eines Gegenstandes zum Zahlungsmittel 
geht der Staat vom Begriff der Vertretbarkeit im weitesten Sinne aus, 
d. h. es tritt Sache an Stelle einer Leistung, oder eine Sache an die Stelle 
einer andern. Auf diese Art ist schon die älteste ( leidform, das Viehgeld, 
Zahlungsmittel geworden : um der den allgemeinen Frieden bedrohenden 
Blutrache zu begegnen, in welche die Selbsthilfe der beleidigten Sippe 
allzuoft überging, haben die germanischen Herrscher der auf römi- 
schem Buden begründeten Reiche- beide Teile, die Sippe des Beleidigten 
und jene des Tüters, also Gläubiger wie Schuldner, genötigt gegen Empfang, 
bzw. gegen Entrichtung der gesetzlichen Bul'se der Familienfehde zu ent- 
sagen. Der Staat begnügte »ich jedoch nicht mit der Festsetzung der Bufse 



Digitized by Google 



§ 29. Die Aufgabe des Geldes als gesetzliches Zahlungsmittel. 



235 



als der vom Staate für gewisse Straffälle allgemein ausgomittelten Entschä- 
digung, sondern ging noch um einen Sehritt weiter, indem er die Währung 
bestimmte, in der gezahlt werden sollte. Unsere Nachrichten sind aller- 
dings nur in später Fassung überliefert. Jene in Tit. XIX der Lex 
Saxonum ist eine Verfügung Karls d. Gr., Tit. XXXVI, § 11 der Lex 
Ribuariorum gehurt — falls es keine spätere Einschaltung ist — frühestens 
dem Ende des (>. Jahrb., also jedenfalls einer Zeit an, in der die Deut- 
schen mit dem römischen Metallgeld schon vertraut waren. Darum sind 
auch die Bufssätze beider Gesetze in Goldschillingen angegeben. Allein 
der Vorrat an Metallgeld war offenbar knapp, so dafs die Aufbringung 
der im Interesse des allgemeinen Friedens recht ausgiebig bemessenen 
Bufsen wohl nur ausnahmsweise in der bestimmten Münze möglich war. 
Weitaus in den ineisten Fällen konnte also die Bufsschuld nur durch 
Hingabe wertvoller Vermögensstücke, namentlich von Vieh, beglichen 
werden, und da waren wohl Streitigkeiten über die Bewertung zu be- 
fürchten. Daher griff der Staat abermals ein, indom er die Voraus- 
setzungen festsetzte, unter welchen das Vieh als vertretbare Sache, ja 
geradezu als Geld behandelt werden sollte. Si qui# iveregeldnm solverc 
deltet verfügt das Gesetz der ribuarisehen Franken, bovem cornntum viden- 
tem et sunutn pro duobus solidis tribuat, raccatn cornutam ridentem et sanam 
pro tino solido tribuat usw. Solid u* est duplex, erklärt das Sachsenrecht, 
mitts habet duos tretrusses qnod est bot annieulus duodeeim meusium vel ovis 
cum ugno, altn- solidus tres tremiwt id est bos XVI mensiinn. Dafs übrigens 
die Behandlung von Viehstücken einer gewissen Beschaffenheit als Geld 
eine vermutlich aus ältester Zeit überlieferte gemeingermanische Einrich- 
tung war, lehrt das Kuhgeld der nordischen Rechte, von dem bereits 
(§ 18, 1) die Rede war. 

Ridgoway, 77»* origin of metallic currency and teeight Standard, Cambridge, 
1H92, entwickelt den Gedanken, dafs auf der ganzen Welt die uinprüngliehe Werteinheit 
der Ochse war, und dafs in der Folge die Münzeinheit in Gold dem Kuhwert ent- 
sprochen habe. S. 124 ff-, Kap. VI, fhc gold l'nit neryirhere the raltte of a co>r. 
Seebohm, Tribal eustotn in Anglo-Saxon Laie (London 1902\ führt diesen Gedanken 
hinsichtlich des Wergeids aus. Kap. 1, 1, Connccfion between the Wergctd of Kß) Head 
of Cattle and the Mina of KM) Staters. Im Hinblick auf die Streitigkeiten, die sieh bei 
der Bewertung einzelner an Zahlungsstatt gegebener Gegenstände ergaben, verordnet 
das Aachener Kapitular vom Jahre 818 '819, Add. 8: In eompositione wirgildi volumu* 
ut ea dentur, quac in lege continentur excepto aeeipitre et spatn, quia propter illa duo 
aliquoties perjurinm conmittitur. quando majnris pretii quam illa sint, esse jurantur. 
Mon. G. Leg. Sectio II, 281 (H. 1883;. - l'urtz in der Folioausgahe LL. I, 210, setzt die 
Bestimmung ins Jahr 817. 

3. In unvergleichlich anderm Grade als beim Viehgeld herrscht 
die Vertretbarkeit beim Metallgeld. Zwischen einer Kuh und einer 
zweiten bestehen, auch wenn beide heil an Hörnern und Zagel , an 
Augen und Eutern und an allen Füfsen .< und überhaupt -lasterfrei 
waren, nach Kasse. Gröfs«\ Ergiebigkeit fast immer Unterschiede, die 
b» »im Metallgeld ganz wegfallen können. Geläutertes Edelmetall zeigt 
in allen seinen Teilen die gröfste Gleichförmigkeit, kann daher beliebig 
geteilt werden, ohne dafs die einzelnen Stücke an dem Werte etwas ein- 



Digitized by Google 



23« 



Zweiter Teil. Geldgesehieliie. 



büßen würden, der ihrem Gewicht entspricht; ähnlich verhält sich auch 
sorgfältig legiertes, d. h. mit einem absichtlichen Zusatz eines andern 
Metalls versehenes Edelmetall. 

Diese Eigenschaften steigern beim Metallgelde derartig die Ver- 
tretbarkeit, dafs gut justierte Münzen bei Einhaltung des Reniediums 
und des Passiergewichts (§22, 6, 7) ohne merkliche Verschiedenheit, 
ein Stück für das andere, genommen werden, so dafs der Akt der Zah- 
lung meist ohne Hilfe einer Wage vor sich gehen und in blofser Zu- 
Zählung der Münzstücke bestehen kann. 

Amira. Nordgermani8ch.es Obligationenrecht II (L. 1895), S. 522. Die juristische 
Bedeutung der Vertretbarkeit des Metallgelds hebt besonders hervor C. Menger im 
Handwörterbuch der StaatswiHscnschaften, 2. Aufl. (Jena 1900 , F.d. IV, S. G9 unter Geld, 
Abschnitt?: >l)ie Unterscheidung zwischen Geld und Ware in der Jurisprudenz.'. — 
Im übertragenen Sinn zahlt nach mittelalterlich deutneher Auffassung das Pfand die 
Schuld. Stralsunder Stadtb. III, 476 : Jacob d< Colbergc ntatuit pro st et suo socio Jo- 
hanni ('rans sttatn narim pro 10 marria mimt* tribus aolidis et arbitratus est »itniliter 
coram consulihn* qtn><l rult eutn intetjrnliter ».timere indrmpnem, st «an* wem »obere 
tantum potest. Auf diese Stelle hat mich Prof. P. PuntHchart aufmerksam gemacht. 

4. Aus vorkarolingischer Zeit sind nur wenige Münzverordnungen 
erhalten. Im Westgoten reich war der Umlauf probehaltiger Goldstücke 
die das Passiergewicht hatten, ohne Einschränkung gestattet, ähnlich 
war es im Burgunderreich, wo nur viererlei Goldmünzen, darunter die 
seit König Alarich II. verschlechterten westgotischen Gepräge vom Ver- 
kehr allgemein ausgeschlossen blieben. Die Karolinger hingegen haben 
von Anbeginn ihre Münzhoheit kräftiger betont (§ 2G. 5). Sie beliefsen 
nur ihre eigenen Münzen im Verkehr, legten aber diesen, wenn sie den 
gesetzlichen Erfordernissen entsprachen und namentlich keinem abge- 
würdigten Gepräge angehorten, Zwangskurs bei. Zum erstenmal erscheint 
dies in einem 794 zu Frankfurt beschlossenen Kapitulare, das die An- 
nahme der neuen mit dem königlichen Namenszug ausgestatteten Pfennige, 
sofern sie probehaltig und vollwichtig sind, jedermann in omni loeo. in 
<nnni ciritate rt in omni empturio bei lö Schilling Strafe befahl. Solche 
Pfennige waren allerdings als Keichsmünze gedacht, die ohne Rücksicht 
auf den Prägeort im ganzen Reieh Umlauf haben sollte, — et Uli denarii pa- 
lafini mercanlar rt per oninia discairant wurde im Jahre 808 eingeschärft — 
doch stielsen diese Verfügungen auf Widerspruch, so dafs schon 817 die 
Strafe für die Annahmeverweigerung auf <>0 Schillinge erhöht, also ver- 
vierfacht werden mufste. ein Satz, der fernerhin beibehalten wurde. Strenge 
Strafen drohten demjenigen, der sich im Verkehr schon abgewürdigter 
oder verfälschter Münze bedienen wollte. Qnicumqtw ab illa die alinm 
dennrium mgotiantli causa jaotalrrit a romite rt ntinistris ejus auferutur ab eo 
verordnete das Aachener Kapitular vom Jahre 825 (c. 20) und ebenso 
H>4 (f. 10) das Kdirtam Pisbnsr, das in Kap. Hi überdies zur Erforschung 
der Verbreiter unterwichliger (»der verfälschter Pfennige ein Dritthand- 
vei fahren einführte. Ungereinigtes oder absichtlich gemischtes Edel- 
metall durfte nicht einmal zur Herstellung von Geräten, viel weniger zu 
Zahlungen verwendet werden, sondern sollte unter staatlicher Aufsicht 



Digitized by Google 



§ 29. Reichs- und Lokalmünzen ; «1er Heller gilt nur, wo er geKchlagen wurde. 237 



der Reinigung zugeführt werden. Dagegen waren Zahlungen mit unge- 
münztem Feinmetall zulässig und der Kauf und Verkauf von solchem 
freigegeben ; dabei sollte allerfeinstes Gold nur mit dem zwölffachen, ein 
zugelassenes minder feines Gold mit dem zehnfachen Silbergewicht be- 
zahlt werden. 

Lex Wisigot. üb. VII, Tit. 6, «; 5 : Solidum aureum integri ponderif enimcunquf 
monr.tae ait, si adtdterinus nnn fuerit nulliis nusus »it remmre usw. Lex Burgund ionum 
Gumlobada cap. 107, § 6. Man. G. Leg. sect. I, t. 1, 411 (II. 1902) u. Fol. LL. III, £S7G. Die 
Bestimmungen der Karolinger in MünzHachen sind ül>ersichtlich zusammengestellt bei 
Soetbecr, Forschungen IV, 265 ff., 290 ff. 

5. Die Münzeinrichtungen der Karolinger, die zum Teil an solche 
von heute erinnern, erfuhren im Laufe des späteren Mittelalters durch- 
greifende Änderungen. Es wurde schon (§ 27, f>) ausgeführt, dafs unter 
den Ottonen die Verleihung einer propria moneta aufkommt, d. i. einer 
solchen Münze, die offenbar den örtlichen Bedürfnissen angepafst werden 
durfte und daher den Charakter einer Lokalmünze hatte; das mutete 
auf die Umlaufsfähigkeit der Gepräge zurückwirken. Als allgemeines 
Zahlungsmittel konnte fortan nur die moneta puhlicn, die Reichsmünze 
in Betracht kommen, während die Zahlkraft der moneta proprio, auf den 
Ortsverkehr beschränkt blieb. Gerade diese Rückbildung traf mit den 
Wünschen vor allem der kleineren Münzherren zusammen, die auf solche 
Weise ihren Münznutzen zu fördern hofften. Zum Gewinn, den sie aus 
einer eigenmächtigen Festsetzung des Münzfufses erwarteten, kam die 
dauernde Sicherung des Absatzgebietes, sofern es ihnen gelang, ihren 
Lokalgeprägen den Markt im eigenen Gebiet zu erhalten. Das mochten 
die Münzherren, soweit nur fremde Lokalmünzen in Frage kamen, kraft 
der ihnen in Münzsachen zustehenden Verordnungsgewalt (des Münz- 
bannes) ohne weiteres tun, während die Reichsmünzen ihren Anspruch 
auf allgemeine Umlaufsfähigkcit bewahrten, bis er ihnen teils durch Ver- 
zichte der Könige und Kaiser (§ 27, 7), teils durch die Übermacht der 
Landesherren entzogen wurde. 

Über die Umbildung deH Münzrechts zu eigenem Sehrot und Korn in ein terri- 
toriales Münzmonopol unter tunlichst beseitigter Konkurrenz der kgl. Münzhoheit vgl. 
Lamprecht a a. O. II, 353. 

6. Auf diesem Wege haben die kurzsichtigen Einzelinteressen der 
vielen Münzherren schliefslich über den volkswirtschaftlich gesunden 
Gedanken einer allgemeinen Reichsmünze gesiegt. Es bildete sich die 

Territorialität der Münze aus. Der Heller gilt nur dort, wo er ge- 
schlagen wird , hiefs es fortan als allgemeine Regel, und selbst dieser 
Spielraum erschien der Habgier der Münzberechtigten bald zu grols. 
Oft genug haben sie ihren eigenen Geprägen in ihren Landen nur einen 
beschränkten Umlauf gestattet. Besafs ein Münzherr mehrere Münz- 
stätten, so konnte wohl jede von diesen ihren eigenen Bezirk haben, 
in dem sie allein gesetzliches Zahlungsmittel war, so zerfiel im 14. Jahrb. 
die Mark Brandenburg zum wenigsten in drei solche Münzbezirke, Munzi/st r 
genannt: Berlin, Stendal und Salzwedel. Dafs es im Süden nicht anders 



Digitized by Google 



238 Zweiter Teil. Geldgeschichtc. 

war, ergibt sich daraus, dafs der Ungeldbrief und damit der Verzicht 
auf das Müiizerneuerungsrecht von Seiten Herzog Rudolfs IV. von Oster- 
reich nur wirksam war »m allem dem lande zu (Merreich linder der Em 
und ob der Ens, als weit und als verre unser münzze von Wien von recht 
aen sol : und für die übrigen habsburgisehen Lande: Steiermark, Kärnten 
und Krain keine Bedeutung hatte. Eine zweite Einschränkung der Um- 
lauf sfähigkeit war zeitlicher Art, indem zufolge der periodischen Münz- 
erneuerungen jeweils nur das zuletzt ausgegebene Gepräge für die kurze 
Frist, die ihm gegeben war, gesetzliche Zahlungskraft hatte, demnach im 
Ausdruck jener Zeit der ; neue Pfennig- war. Alle übrigen Erzeugnisse 
derselben Münzstätte, mochten seit ihrer Ausgabe Jahrzehnte oder auch 
nur ein volles Jahr verstrichen sein, hiefsen und waren jenen neuen 
Pfennigen gegenüber »alte* Pfennige, d. h. sie waren nicht mehr ge- 
setzliches Zahlungsmittel, konnten auch wohl von den Münzern, wenn 
man sie ausgeben wollte, als falsch beanstandet werden und durften nur 
zu jenen Bedingungen, unter welchen der Verkehr mit ungemünztem 
Silber erlaubt blieb, zu Zahlungen verwendet werden (§ 28, 13). 

Buhrfeldt, Münzwesen d. Mark Brandenburg Ii. 1889 , I, 15: Fheberg 48, 
über die Territorialität der Münzen und S. 81 : über alte und neue Pfennige. - Als 
Überrest der alten Territorialität der Münze haben sieb in manchen Gebieten sehr 
verschiedene Münzeinheiten nebeneinander erhalten. Oldenburg prüfte /.. 11. vor seiner 
vorübergehenden Einverleibung ins französische Kaiserreich (1810) nach vier verschie- 
denen Mflnzfüfeen zugleich. Ronoher, System III (3. Aufl., 8. 1*82), 8. 234, A. 16. — 
Die technische Bedeutung der Ausdrücke >alte« und >neue« Pfennige wurde bisher in 
münzgeschichtlichcn Abhandlungen meist übersehen, namentlich hat man aus der Fr- 
withuung und Bewertung von deuarii not i und dtnarii antiqui oft Schlüsse auf Ver- 
änderungen im Münzfufs gemacht, die nicht zutreffend waren. Dafs die' verrufene 
Landesmünze von den Münzern als falsch angehalten werden konnte, lehrt die Er- 
zählung in Vincenz Kadluheks Hixtoria 1 Won ica (Ausgabe von Przezdzieck i , 
Krakau 1862, 8. 1;">8 ':, wo dem zu einer Geldstrafe Verurteilten die zur Zahlung ange- 
botenen Münzen zurückgewiesen werden, und auf die Frage nonne rurrentis mottete 
uiulctatn debeo dies bejaht, er aber zugleich gewarnt wird, die Schuld auf den Wechsler 
zu schieben, ne fateitate numiHutatis teiltet ipsum eondeinpncs . . . Habebant (tut cm so- 
Udos aliquoH c.r argettti renn purinre nttperrimi numismatis et recenti* eontm arte fahre- 
j'aetos. Ilhtd unum et uninttn instantia e*sr temporitt titimistua et asserunt et euiguut. 
A'd rem, qua te uhsolri estituas e.niuctoratatu essr numettttn et jam pridem ttbjectam hon 
dubites. 

7. Die rücksichtslose Ausnutzung des Grundsatzes, dafs der Pfennig 
nur gelte, wo er gesehlagen wurde, hat dem Verkehr nicht blofs von 
Reick zu Reich, sondern selbst innerhalb desselben Landes die gröfsten 
Opfer auferlegt. In Deutschland herrschte nach dem Zeugnis des 
hl. Thomas von Aquino noch um 12f>0 der gleiche rohe Behelf, der 
uns 1204 in den Reiserechn ungen des Bischofs "Wolfger von Passau 
begegnet: man nahm ungentünztes Edelmetall als Reisegeld mit und 
wechselte nach Bedarf ortsübliche Münze dafür ein. Das konnte jedoch 
nur dort und nur so lange genügen, als es noch keinen entwickelten 
Verkehr nach au Isen gab. denn ein solcher begründet zahlreiche Ver- 
bindlichkeiten von Ort zu Ort und macht daher auch interlokale Zah- 
lungen erforderlich. In Italien und Südfrankreieh, wo man früher als 
in Deutschland in den Weltverkehr eingetreten war, hatten die Kauf 



Digitized by Google 



§ 29. Territorialität der Münze, >altet und >neue< Pfennige. 



leuto darum schon um die Mitte des 12. Jahrh. durch die kaufmännische 
Anweisung in Wechselform das Mittel gefundon, um Zahlungen mit ge- 
ringeren Kosten trotz der Territorialität des Münzwosens von einem Orte 
nach dem andern zu leisten. 

Zingerle V,, ReiHcrochnungen Wolfgers von Ellenbreehtnkirchen. Heilbronn 
1877. Ich netze als Probe die ReiMerechnung vom Jahre 1204, S. 58/60 im Auszug hier- 
her: Apnt Climmun (Gemona) cambirit /rater Heinricus dor Reisouiarschall) tres mar- 
ras pro rriij solid longis et xviij den. Aquilegiemittm. Von Pordonono bis Padua 
werden Venetianeruiünzcn eingewechselt, in Ferrara: den. imperiales, Bologna: d. Bo- 
vonienses. in Florenz: d. Pisani, in Siena: d. Senenses, in Rom: d. Provisimses: Yi- 
terbn auf der Rückreise, den. Senenses; Siena: d. Semnses; Verona: d. Yeronenses; 
Schongau: d. Sehongotcenses ; Augsburg: den. Augustenses ; Donauwörth: denarii Wer- 
denses; Weifsenburg: den. Xuorembergenscs ; Nürnberg : drn . Jtatisponenses. Dazu Thom. 
de Aquino: De reg im ine Principum (geschrieben 1263) II, c. 13 (Antwerpener Aus- 
gabe, 1612, Bd. XVII). Fremde Münzen ?ion tantum raleant in regionibus extraneis 
quantum in propriis et hoc sine damno esse non potent. Et preeipue accidit in partibus 
Thentoniae et regionibus circumstantibus propUr quod coguntur, cum de loco ad locum 
transcunt massam auri rel argenti secum deferre et tptantum in commutat ionibus rerum 
renalitun indigent, tantum vendunt. Der umgekehrte Weg der Entwickelung ist in 
Frankreich zu beobachten, wo es alhnulich zur Verdrängung der Lokalmünze durch die 
Reichsmttnze kam. 

8. Die Regel, dafs der Heller nur dort gilt, wo er geschlagen 
wurde, erlitt übrigens selbst in Deutschland manche rechtliche oder tat- 
sächliche Einschränkung. Der rücksichtslosen Anwendung dieses Satzes 
widerstrebte vorerst der Anspruch der Roichsmünze auf allgemeine Gel- 
tung, der zwar um die Mitte des 13. Jahrh. durch die Münzherren bis 
auf den Vorbehalt des Königs in bischöflichen Städten zur Zeit der 
Reichstage frei prägen zu können. (§ 26, 7) fast verdrangt war, seit Kaiser 
Sigismund jedoch wieder stärker hervortrat. (§ 23, 4). Aufserdem reichte 
die Macht der Münzherren in ihren Gebieten nicht aus, um dem Ver- 
kehre ihre Münzen als einziges Zahlungsmittel aufzudrängen. Zahlung 
in neuen Pfennigen ; war aus den § 28,9 angegebenen Gründen die 
teuerste Form, um wirtschaftliche Verpflichtungen zu tilgen, man suchte 
sie daher, soweit es möglich war, auf billigere Weise zu ersetzen. Neue 
Pfennige verwendete man zu Zahlungen an den Münzherren oder bei 
Verkehrsakten, die unter der Aufsicht seiner Beamten standen, darüber 
hinaus vermied man sie nach Tunlichkeit, tauschte lieber Ware gegen 
Ware, gab und nahm ungemünztes Metall oder alte Pfennige nach ihrem 
Metallwert, Handelsmünzen nach ihrem Kurswert u. dgl. So bildete 
sich allmählich der Begriff eines im Lande umlaufl'ähigen Geldes heraus, 
der mit der Münze als gesetzlichem Zahlungsmittel keineswegs zusammen 
fiel. Ausdrücke, wie Wersilher, Werinark, gute Landeswährung, Pfen- 
nige, die gäng und gibig- sind, u.dgl., die in Urkunden oft genug vor- 
kommen, sind daher nicht immer auf Zahlung in vollwertiger Landes- 
münze zu deuten, sondern beziehen sieh häufig gerade auf fremdo Ge- 
präge, die als Ilandelsmünze auswärts ein Umlaufsgebiet gewonnen 
hatten, und darum vertragsmäßig als Zahlungsmittel bedungen wurden. 

Den Umlauf verschiedener Münzen nebeneinander setzt die Handfeste K« Fried- 
richs IL für (ioslar von 1219 voraus: Cniuslibft etiam monttae denarii dandi sunt in 



Digitized by Google 



240 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



ciritate Gnslarirnsi j>< cta ratorcm sw<m. H u i 1 1 ard - Breholles I, 64G, was in der 
Handfeste Heine« Sohnes Kg. Heinrich vom Jabre 1223 wiedergesehen ist durch Pen- 
nintfc aUirleiji r »mute xchal man ijhtcen in der stttdt (o (ionler na oereme »rerde. Winkel- 
niann, Atta imp.. Innsbruck 1H80, I, 382. — (Jahn, Münz- u. Geldiret»ch. der Stadt 
Strafsburg (Strafsburg 18%, S. 48 , setzt als sicher voraus, dafs hier viel fremdes < ield» 
besonders italienisches und französisches, schon zu Anfang des 14. Jahrh. Kurs gehabt 
habe, obwohl die ernte Ratsverordnung , die sieh mit fremder Münze befal'st, erst 
vom Jahre 1386 ist. 

9. So hatte denn die Handelsmünze im mittelalterlichen Verkehr 
eine weit wichtigere Aufgabe als heutzutage zu erfüllen. Entgegen der 
Landesmünze, deren fortgesetzte Verschlechterung örtlich (wie in Köln) 
zum Gegensatz des Währungsgeldes, das nur mehr als Rechnungsgeld 
existierte und des Zahlgeldes, (Pagament) mit einem gegen das Rech- 
nungsgeld wesentlich verminderten Werte führte, hot die Handels- 
münze in der Regel längere Zeit einen vergleichsweise sicheren Wert- 
malsstab und gegenüber der Barrenwährung den Vorteil gröfserer Be- 
weglichkeit. So finden wir in Deutschland als Handelsmünzen erst die 
englischen Sterlinge, dann die französischen Turnosen, dann die böhmi- 
schen und die Meifsener Groschen und ungefähr seit dem zweiten Viertel 
des 14. Jahrh. die Goldmünzen. Allgemein verbreitet waren die Flo- 
rentinergulden, während im Nordwesten auch französische und nieder- 
ländische Gepräge , im Südosten ebenso die Venezianer Dukaten und 
die ihnen gleich bewerteten ungarischen Goldgulden umliefen. 

Jede dieser Handelsmünzen erfuhr jedoch früher oder später Nach - 
prägungen durch andere Münzherren in gewinnsüchtiger Absicht (§ 16. 5). 
und dies wirkte in der Regel auch auf das Ursprungsland in der Art 
zurück, dafs hier der Münzfufs erleichtert wurde, um dem Schaden zu 
wehren, den man von diesen Untermünzungen zu besorgen hatte. Ent- 
schlofs sich ein Münzstand, solch eine Handelsmünze als Landesmünze 
auszuprägen, so war der Verfall des Münzfufses noch rascher. Das lehr- 
reichste Beispiel dieser Art bietet uns die Geschichte des Goldguldens 
in Deutschland. Im Jahre 1325 hatte König Johann von Böhmen als 
erster im Reiche mit der Ausprägung von Goldgulden nach dem Floren- 
tiner Schlag und Fufs begonnen, um «las in seinen Bergwerken gewon- 
nene Gold besser zu verwerten. 1338 folgte Kaiser Ludwig IV, der 
das Gold, das er als Verbündeter vom englischen König Eduard III. 
empfing, nach französischen Vorbildern vermünzte, 1340 erhielten 
Lübeck und Frankfurt das Recht der Goldprägung vom Kaiser, und 
rasch folgten diesen manche geistliche und weltliche Fürsten, vor allem 
die Kurfürsten, denen dies Vorrecht durch die Goldene Bulle ausdrück- 
lich beigelegt wurde. Für alle diese auf kaiserlicher Verleihung be- 
ruhenden Goldmünzungen war der Florentinergulden als Muster entweder 
ausdrücklich vorgeschrieben oder doch stillschweigend verstanden. Allein 
die einheitliche Einhaltung dieser Vorschrift liefs sich weder erzwingen 
noch allgemein überwachen, und das eigene Interesse band die Münz- 
herren auch nur so lange an den Florentiner Münzfufs, als der Gold- 
guldcn nur eine Handelsmünze mit Kurswert war. bei welcher die strenge 
Einhaltung von Schrot und Korn die Grundbedingung ihrer Verwend- 



Digitized by Google 



l; 29. Handelsmünzen im Mittelalter. Goldgulden als LandeHiiiünze. 241 



harkeit bildete. Das alles änderte sich in dem Augenblick, in dem der 
Gedanke aufkam, den Goldgulden zur Landesmünze zu machen und in 
ein festes Verhältnis zum herrschenden Silbergeld zu bringen. Da die 
Goldmünzen den Silberumlauf erheblich einschränkten und dem örtlichen 
Umwechslungszwang nicht unterlagen, so fiel schon dadurch mancher 
Anlafs fort, der dem Münzherrn Gewinn gebracht hätte. Noch wichtiger 
aber war, dafs der Münzstoff nur zum kleinsten Teil in Deutschland berg- 
männisch gewonnen wurde, im übrigen aber durch Einschmelzen fremder 
Goldstücke beschafft werden mufste, was notwendig dahin führte, dafs 
man die eigenen Gulden, um Prägekosten und Schlagschatz zu gewinnen, 
etwas leichter ausbrachte, als es dio eingeschmolzenen waren. Aufserdom 
konnten jetzt auch Veränderungen im Münzfufs des Silbergeldes zu einer 
Änderung der Guldenmünze führen. Die Folge war, dals gar bald (diese 
Wendung war 1371 schon eingetreten) der Gulden vom ursprünglichen 
Feingehalt immer mehr einbüfste. Von 23'/ 2 Karat, nach welchem die 
Mainzer Goldgulden 1354 geschlagen wurden, war man 1371 auf 23 Ka- 
rat, 1399 auf 22^2 Karat und bald noch tiefer herabgekommen. 

1344 verkauft Huinzel des Chramer sun dem Marburger Stadtschreiber Mathe 
March gelt* neuwer Gradier pknming ze rechtem jturchrrcht. . . umb 'i march silher, 
die machten turn guidein und drei- tot. da gevilen zr drr zeit für su-ch*tchalb march alter 
Graezer phenning und ain und vierezich jdunhing (Steiorm. L.Arch. Nr. 2251 b). — 1342 
•JO guidein florin getnaincr landurrung {Nr. 2315). In einer andern HteiriHcbon Urkunde 
vom gleichen Jahr sollen statt 12 Mark Silber gegeben werden 48 guidein odrr ander lant- 
teerung dafür di gib und geh ist (St. L.-Urk. 2242). — 1350: fiO guidein oder mit ander 
u-ernng du- dafür gezeucht nach landesreeht (Nr. 2406). — 1410 will PeUr der Tungart 
den Bischof von Passau bezahlen mit guldin 9 ungrinchen oder ducaten die gut in gold 
fein, ir rechtete teag haben gib und gäbig siin . . . Mon. Boica XXXI '2, 8. 89. — Eine 
übersichtliche Zusammenstellung der rheinischen < loldgulden seit 1386 bei P. Jose ph, 
Goldmünzen des 14. — 15. Jahrb. F. 1882, S. 37, mit einem Anhang »»ehr wichtiger Akten- 
stücke. — Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben II (L 1885), S. 460 ff. - Inaraa- 
Stornegir, Deutsche Wirtschaftsgeschichte III, 2 (1901), S. 369, 414, dazu dessen Auf- 
satz über d. Goldwahrung im Deutschen Reiche wiihrend d. Mittelalters in Z. f. Sozial- 
und Wirtschaftsgesch. III (1894). — Wenn die vier rheinischen Kurfürsten in der an 
den Frankfurter Rat gesandten amtlichen Abschrift des Münzvertrags vom 7. Marz 
1417 das Kon» noch zu 22 Karat angaben, so geschah es wohl, um die Münzung durch 
den kaiserlichen Münzmeister zu Frankfurt, Konrad von Weinsberg, zu erschweren. 
In der Tat beschlossen sie, nur zu 20 Karat fein zu münzen, und selbst diesen Fein- 
gehalt erreichen dio von ihnen damals geprägten Gulden nicht. Kg. Sigmund, der 
nicht besser als die rheinischen Kurfürsten münzen wollte, unterliefs darum oino ziffer- 
mafsige Angabe des Feingehalts, indem er verordnete, sich an den durchschnittlichen 
Feingehalt dieser Gepräge zu halten. Je 20 Goldgulden von vier bezeichneten kurfürst- 
lichen Münzstätten, wie sie im Verkehr >in des Kaufmanns Beutel vorkommen«, sollten 
zusammengeschmolzen werden und danach der Feingehalt für die königlichen Ge- 
präge gewählt werden. 1'. Joseph 58, 59 a. a. O. — Wie sehr die Münzherren den 
Umlauf der Goldgulden als Schädigung ihrer Silbermünzen empfanden, ersieht man 
aus der Verordnung der bayerischen Herzoge, d. d. 1397, 4. Februar, München (Uegesta 
Boica, M. 1847, XI, 94): Kaufmannsware aller Art soll bei Verfall des 10. Pfennings als 
Strafe nur mit Münchener, I,andshutcr oder Ingolstadter Pfenningen, nie mit Gold- 
gulden bezahlt werden. Bei allen andern Kaufen, Zahlung von Schuldon usw. soll 
für den neuen ungarischen Gulden je ein Halbpfund von ohgenannten Pfenningen 
gegeben und genommen weiden usw. 

10. So waren also die Münzzustände im Reiche, seitdem die Gold- 
münze zur Landesmünze geworden war, nichts weniger als befriedigend, 

Luschin. Numismatik. 16 



Digitized by Google 



242 



Zweiter Teil, (ieldgcschichte. 



zumal die rheinischen Kurfürsten den Versuchen König Sigismunds 
durch Schaffung einer Reichsgoldinünze Abhilfe zu schaffen beständig 
entgegenarbeiteten. Die Mitteilung des Reichsmünzmeisters Weinsberg 
an die Stadt Frankfurt vom 27. März 1426 deckt diese Schaden im 
Münzwesen offen auf und zeigt, dals der Grundsatz der Territorialität 
der Münze von den Münzherren noch festgehalten wurde, obschon die 
Zeit der jährlichen Münzverrufungen schon allgemein vorüber war. Am 
besten, meint Weinsberg, wäre es. Reichsmünze auf Schrot und Korn 
der Frankfurtermünze zu schlagen, di wyl man in allen landen alle kauf- 
manmehaft seezet und Wechsel macht u ff' die munez und werunge zu Franeken- 
Jurt •'. Würde dies geschehen, so könnte jedermann mit dem kleinen- gelt 
ohne Verlust durch das Reich kommen. So wie die Dinge aber jetzt 
liegen, leiden Adel und gemeiner Mann grofsen Schaden beim Um- 
wechseln ihres Geldes, bei Zehnmgen und Käufen, was einer heimlichen 
Besteuerung der Leute ohne Vorwiesen ihrer Herren gleichkomme und 
viel Geld den Landen koste. Der Reisende, der könne nur höchstens 
eine Tagereise machen und zuweilen noch weniger, so mufs er allwegen 
ein ander munez Italien und aUweg»-n rerlicsen ran herherg zu herherg an 
der munez. Der du wandelt und zert der muß allwegen golt haben, das er 
sich nur mit Verlust verschaffen könne, weil alle Zinsungen auf Silber 
lauten. Wenn aber jemand Gulden verkaufen mufs, um Silbergeld zu 
erhalten, büfse er dabei wieder ein usw. 

Sj. den Bericht WeinshergM hei P. Joseph, Goldmünzen, Anh. 28. f?. 163 ff. 

11. Abhilfe gegen derlei Belästigungen hat — soweit diese nicht durch 
Münzverträge einzelner Münzherren teilweise behoben wurden (§30) — nur 
der auf dem Gebiet des Münzwesens allmählich erstarkende Kinflufs des 
Reichs gebracht (§ 2(3, 7). Nach der geschichtlichen Kntwiekelung, welche 
die königliche Gewalt in Deutschland, zumal vom 13. Jahrb. ab, durch- 
gemacht hatte, war es allerdings ausgeschlossen, dals auf dem preisge- 
gebenen Gebiet des Münzwesens der Wille des Königs wieder hätte ein- 
seitig verfügen können. Anderseits war die Auflösung nicht so weit vor- 
geschritten, dals das Reichsoberhaupt auf den Vertragsweg mit den ein- 
zelnen Münzherren beschränkt gewesen wäre. So waren es nun Kaiser 
und Reich, d. h. das Reiehsoberhaupt einerseits und die auf dem Reichs- 
tag verfassungsmälsig vertretenen Landesherren anderseits, die durch 
ihren Gesamtwillen den einzelnen Münzherren gewisse allgemein bin- 
dende Vorschriften über die Art der Ausübung ihrer Münzfreiheiten er- 
teilen konnten. Dem vereinten Zusammenwirken von Kaiser und Reich 
hat man es daher zu danken, dals der Rechtssatz, der Heller gilt nur. 
wo er geschlagen ist . seit dem H>. Jahrb. eine neue von der mittel 
alterlichen Deutung wesentlich verschiedene Auslegung erfuhr. 

12. Angebahnt wurde dieser Unischwung in der ersten Hälfte des 
15 Jahrb. durch die reichliche Ausprägung -von Goldstücken, die Kaiser 
Sigismund in den Reichsmünxstätten zu Frankfurt a. M. und Nord- 
lingi-n (seit 1418). zu Dortmund (142")) und zu Basel (142 < J) angeordnet 
hatte, um ein weiteres Herahglciten des Feingewichts bei den rheinischen 



Digitized by Google 



§ 29. Versuche, die unbefriedigenden Münzzustände zu bossern. 



243 



GoldguWen aufzuhalten. Diese Absicht Sigismunds kam den Wünschen 
der Städte sehr entgegen, namentlich erklärten sich dio schwäbischen 
Städte schon 1419 bereit , seine Gulden als Währung bei sich uni- 
laufen zu lassen, sofern bei den weiteren Prägungen keine Verschlech- 
terung eintrete. Eino solche liefs sich zwar nicht aufhalten, da die 
rheinischen Kurfürsten im folgenden Jahre den Feingehalt dor Gold- 
gulden auf 19 Karat herabsetzten, es behaupteten sich indessen die mit 
dem Reichsapfel als gemeinsamen Gepräge ausgestatteten königlichen Gul- 
den im Umlauf, trotz der bald offenen, bald verdeckten Feindseligkeit, mit 
der dio Kurfürsten dem Wettbewerb der Reichsmünzstätten begegneten. 
Auf dem Reichstag zu Kger wurde 1437 ausgesprochen, dals der 19karätige 
Gulden, wie seit einiger Zeit, gemeino Landeswährung bleiben, und dals 
der Kaiser mit Pönen und andern notdürftigen Dingen dafür sorgen 
solle, dafs keine Minderung des Feingehalts eintrete, ein Gedanke, der 
auf dem Nürnberger Reichstag 1438 mit noch schärferen Wendungen 
wiederholt wurde. Dann tritt allerdings eine lange Pause ein, denn 
Kaiser Friedrich III. legte im Gegensatz zu seinen Vorgängern weniger 
Gewicht auf eine Regelung der Münzverhältnisse im Reiche. Allein die 
einmal angeregten Gedanken wirkten nach und begegnen uns in den 
Reichstagsverhandlungen vom Ende des 15. Jahrh. immer häutiger. Schon 
die Reichstage von Worms (1495) und Lindau (1497) hatten diese Frago ge- 
streift, auf dem Augsburger Reichstage wurde dann löOO die Erlassung 
einer Reichsmünzordnung ins Auge gefalst und beschlossen, dals die nach 
deren Bestimmungen geschlagenen Gold- und Silbermünzen allenthalben 
im Reich«' bei Strafe > für Währung hierfür in allen Oontracton und 
Verpflichtungen* zu halten und zu nehmen seien (Hirsch I, 178). Zur 
Ausführung gelangte dieser Beschlufs allerdings erst ein Vierteljahr- 
hundert später. Die von Kaiser Karl V. im Jahre 1524 zu Eislingen 
erlassene Münzordnung stellt die gemeinen ReiehsmünzciH, welchen 
Grölse, Gepräge, Schrot und Korn einheitlich vorgeschrieben war und 
die von mennigklichen im Reich in kaufen, verkaufen und sunst an 
aller Bezahlung für Wersch aft an statt des Golds ausgegeben und ge- 
nommen werden ', sollten, den in ihrer Zahlkraft beschränkten kleinen 
Pfennigen und Hellern gegenüber, die jeder Münzstand als Landesmünze 
■ zu gemeinen Gebrauch und Notdurft i seines Gebiets etwa im dreifachen 
Betrag der von ihm geschlagenen Reiebsmfmze ausbringen durfte (vgl. § 2.'). 
5 und Hirsch I, 240 ff. $ 1—10, 20, 21). 

v. In am a a. a. O. 372, 42f> ff., 434. .loneph 1'., .">8 IT., 63. — Hirsch 1, 
K), 81 : Die Bestimmungen der hoc Reformation K Friedrichs von angeblich 1444 
Uber das Münzwcseu nind von mir nicht in Retracht gezogen, da nie als Machwerk 
<ie* 1(>. Jahrh. nachgewiesen ist. 

13. Seit der Efslinger Ordnung und den darauffolgenden Reiehs- 
münzordnuugen von lf»f>l und ITkV.) (Hirsch I, 344 IV., 383 ff.) gab es 
in Deutschland wieder Reichsmünzen nach allgemein vorgeschriebenem 
Münzfufs. die liberall im Reich, soweit nicht < !<>!d ausdrücklich bedungen 
war, nach ihrem Nennwert in Zahlung genommen werden mufsten. 
Wohl war den Münzständen das Recht geblieben, kleinere Münzen nach 



Digitized by Google 



244 



Zweiter Teil. < ieldgoschichte. 



Landesart, z. B. Schrcekenberger und »Seh wertgn »sehen in Sachsen. 
Plappert in den schwäbischen Reichsstädten, Batzen (Fig. 102) usw. als 
» Landtmünzen < auszubringen und Pfennig und Heller zum täglichen 
Gebrauch zu münzen, doch der Satz, der Heller gilt nur dort, wo er 
geschlagen ist, hatte seinen Sinn gelindert, seitdem Heller und Pfennige, 
mit ihrem im Laufe der Jahrhunderte tiefgesunkenen Feingewieht aus 
«lern Handelsverkehr durch gröfsere und bessere Münzen verdrängt worden 
waren. Er bedeutete jetzt nicht mehr die den Geprägen eines Münz- 
herrn zukommende Kigensehaft in seinem Gebiet ausschliefsliches Zah- 
lungsmittel zu sein, sondern die Beschränkung der Annahmepflicht von 
Seheidemünzen auf den Kleinverkehr des Ursprungslandes. Nun ist es 
ja wahr, dafs eine gründliche Besserung der Münzzustände im Reich 
durch die Münzordnungen des 16. Jahrb. auf die Dauer tatsächlich nicht 
erreicht wurde, manche ihrer Bestimmungen waren an sich ungenügend, 



andere durchzuführen mangelte die Macht. Auf theoretischem Boden 
hingegen bedeuteten sie einen Ungeheuern Fortschritt gegenüber der 
Zerfahrenheit des Münzwesens irn Mittelalter. Die von der Wissenschaft 
seit Thomas von Aquino entwickelte Unterscheidung der bonitns intrinseca 
vom valor impositus (§ 25, 1), drängte zur Trennung des auf dem Metall- 
inhalt beruhenden Tauschwertes der Münze von ihrem Nennwert, als 
der ihr vom Staate beigelegten Eignung, Zahlungsmittel zu sein ; dies 
hat dann zur Entwickelung der Begriffe Hartgeld und Scheidemünze 
(nioneta t/rossa, monetn mintita) geführt, die «lern Mittelalter mit seiner 
fiskalischen Auffassung des Münzwesens lange Zeit fremd waren, bei- 
spielsweise in Deutschland erst im 15. Jahrb. die Sonderung der Ober- 
voll der Beiwährung veranlafst hatten (Hirsch I, 90, sächsische Münz- 
ordnung von 1444). 

Bei dieser Sachlage ist die Vorschrift der Reichsmünzordnungen, 
dafs niemandem gröfsere Beträge in unterwertiger Landesmünze wider 
seinen Willen aufgedrängt werden dürfen, um so wichtiger, als eine ähn- 
liche Beschränkung 1550 sogar hinsichtlich der drei untersten Stufen 
der Reichsmünzen ausgesprochen wurde. Der Regensburger Reicha- 
al »schied vom Jahre 157(5 wiederholte das Verbot, dafs niemand in den 
Zahlungen Über 25 Gulden in halben Batzen oder andern kleinen 
Sorten für Wehrsehaft anzunehmen schuldig' sei und bedrohte jeden, 
der seinen Gläubigern grölsere Zahlung mit kleinen Sorten aufzu- 
drängen sich unterstände«, mit Einziehung dieser unterwertigen Münzen. 




Fl*. 10; Osterreielii- 

•cbei Zwelpfbnnlgstitok 

oilcr liallicr Kreuzer, 
ums .Inhr 1510 zu Wien 
Keprftgt. Wiener Mw. II. 



Fi*. Iir2 Sogen. Kolllmlzen des KonMun/.er Riseliot» 
HURo von I.an.leiil.er* MiW-l-W. W. N. /.. XII, 3<>2 



SIT. 



Digitized by Google 



tj 29. Reichs- u. Landesmünze, Hartgeld u. Scheidemünze als Zahlungsmittel 245 

Damit war die Gesetzgebung noch über die Forderungen der Gelehrten 
hinausgegangen, von welchen beispielsweise der kurfürstlich kölnische 
Münzvorstand Budelius (§ 3, S. 7) in seinem 1591 erschienenen Werke 
über den rechtlichen Unterschied von guter und Seheidemünze noch 
nicht im reinen war. Allerdings durfte bei der damaligen Ohnmacht 
der Reichsgewalt eine allgemeine Beobachtung der von der Reichsmünz- 
ordnung aufgestellten Vorschriften nicht erwartet werden, denn kein 
Reiehsstand wollte, wie gelegentlich einmal hervorgehoben wird, j einige 
Modifikation oder Einschränkung seiner landesherrlichen Hoheit, wie in 
andern so auch besonders in Münzsachen, gestatten - (Hirsch IV, 2G4). 
Um so wichtiger war es, dafs die im Münzwesen tätigen Reichskreise 
und schließlich auch die angesehensten Reichsstände die Notwendigkeit 
einer Besserung der Münzzustände erkannten und ihre Ausmünzung 
danach einrichteten. 

Die Bestimmung der Geldsorten, in welchen Verbindlichkeiten zu 
erfüllen sind, erscheint fortan den Parteien überlassen, nur werden bis- 
weilen aus müuzpolizoilichen Rücksichten gröfsere Zahlungen in unter- 
wertiger Münze schlechtweg verboten, selbst wenn der Gläubiger zu deren 
Annahme bereit gewesen wäre. Im übrigen galt, dafs, wer sich ausdrück- 
lich zur Zahlung in einer bestimmten Geldart verpflichtet habe, sich 
durch Hingabe einer moneta oquivalcns nicht befreie (Scaccia), dafs aber, 
von diesem Falle abgesehen, bei Geldschulden und Barschaften nicht 
soviel auf die Gleichheit der Münze, als auf den gleichen Wert derselben 
gesehen wird (Codex Theresianus III, Kap. XXIV, § 1, 25). 

»Landmünze heifst überhaupt Münze, welche nicht nach dem Beichskonventions- 
fufs, Hondern nach einem geringeren Ful'se geschlagen wird und dalier nur in dem 
Gebiet des Münzherrn gültig int.* Schmieder I, 269. — »Di« Schied- oder Land 
münzo ist blofs einig und allein zum Nutzen und commoderen Gehrauch in jedem 
Craifs oder Land für «ich betrachtet und eingeführt.« Bericht der GeneralMünz- 
wardeine vom Jahre 1737. Hirsch VI, 264. — Dio Ausdrücke Ober- und Beiwührung 
zuerst 1444 in einer kursächsischen Münzvereinigung. Hirsch 1, 90. — Der Bei 
wikhrung entspricht ungefähr der Ausdruck Beigang im fränkischen Münzvertrau 
von 1441 : . . dabei doch dm all mmiz iren b> ijijamjck mit drr noc n münz habm soll. 
Hirsch I, 85. — En de mann II, Geld und Zahlung VII, S. 162 ff., namentlich 
S. 200 ff. Die ziffermäl'sige Begrenzung des Betrags, bis zu welchem man zur An- 
nahme von Scheidemünze verpflichtet ist, heute ein wesentlicher Bestandteil der Münz 
gesetze, fehlte früher meistenteils. Man scheint sich im allgemeinen an die erwähnten 
Vorschriften der Reichsmünzordnungen und an die Beschlüsse der in Münzsachen kor 
respondieronden Kreise gehalten zu haben und begnügte sich im übrigen mit der Her- 
vorhebung, dafs die Scheidemünze nur für den Kleinverkehr bestimmt sei und daher 
niemandem wider Willen aufgenötigt werden solle. Ein österreichisches M Unzpatent vom 
Jahre 1746 verbietet, xlie gar kleine Münzen als Kreuzer, Gröschel u. dgl. in ver 
petschierten Säcken. Stärnitzcln oder Packetern herumzutragen und nach »lern darauf 
angemerkten Quanto solche, ohne sie zu eröffnen«, an Zahlungsstatt anzunehmen, weil 
dadurch leicht verrufene Münze in Umlauf erhalten bleibe und um so leichter xlie 
inlandische Schiedmünze zu grofsen Zahlungen gebrauchet werden« (Becher, Dum 
österreichische Münzwesen von 1524—1838, W. 1838, II, 187, Nr. 127). — Kine zweite 
Verordnung vom 29. Dezbr. 1760 verpachtet zur Annahme der Kupfermünze im Klein- 
verkehr bis einschliefslich 10 Kreuzer. Bei Zahlungen bis zu 10 II. sind bei jedem 
Gulden 3 Kupferkreuzer, bei grofseren im ganzen höchstens 15 Kupferkreuzer als Zah- 
lung zulassig (a. a. O. II, 290, Nr. 172 . Der Codec Thcnsiauits (1766 vollendet) bemerkt 
IH, Kap. XXIV, § 1, 25, »dafs in Ansehung deren Schiedmünzen bei allen und jeden 



Digitized by Google 



Zweiter Teil. Gcldgcschichte. 



Zahlungen «ich nach l'nseren in Münzsachen ergangenen und noch in Hinkunft er- 
gehen mögenden Verordnungen auf das genaueste geachtet werden sollet. Ausgabe 
von Harra so wsky III, 404, W. 188-4. — Preulseti prägte 17G4-H6 auf 4 / s Crofs- 
nur noch V s Scheidemünzen und liefs im Landrecht bei Zahlungen unter 30 — io Taler 
die Hälfte in Scheidemünze, bei den unter 10 lauter .Scheidemünze zu. Schmoll er, 
Grundrifs der allg. Volkswirtschaftslehre. L. 1904, II, 7;"». — Wuttke, Die Probations- 
register deB obersnehsischen Kreises (VV. N. Z XXIX, 2'.il . 

§ 30. Münzvertrage, Mttnzvereliiigungen, Munzrerbttncle. 

1. Die Anordnungen, die von einem Münzherrn in Ausübung 
seines Münzrechtes getroffen werden, geschehen meist durch einfachen 
Befehl, können jedoch auch als zweiseitige Vereinbarung erfolgen. Der- 
artige Münzverträge können, sowohl was die vertragsehliefsenden Teile 
als auch was ihren Inhalt anbelangt, mannigfach sein. Hierher gehören 
beispielsweise Bestallungen der Münzhcaniten und des freien Münzer- 
gesindes, Vertrage, durch welche die Ausmünzung während einer be- 
stimmten Zeit an den Münzmeister oder eine Kapitalistenvereinigung 
verpachtet oder den Hausgenossen als Unternehmern bleibend über- 
lassen wird, von welchen schon § 11, 9 ff die Rede war, Verzichte auf 
den Münznutzen aus der jährlichen Münzerneuerung, wie jener, den 
Herzog Rudolf IV. den Landstiinden von Osterreich 1359 nach Ein- 
räumung einer Getränkesteuer durch den sog. Ungeldbrief ausstellte 
(§ 28, 13) u. dgl. in. All diese Verträge haben das eine gemeinsam, 
dafs die Münzberechtigung nur einem der vertragsehliefsenden Teile zu- 
steht, und dais diese auf den andern an sich nicht münzberechtigten 
Teil entweder der Ausübung nach übertragen oder zu dessen Gunsten 
beschränkt werden soll. Es gibt jedoch auch Verträge, die zwischen 
mehreren Münzherren abgeschlossen weiden, und zu solchen gibt vor 
allem der Umlauf ihrer Gepräge Anlafs. 

Vertrag vom 18. November 1433 zwischen dem Rat von Basel und dem dort 
tagenden Konzil über die Hohe des < iuldenpreises usw. siehe Thommen, Kin Münz 
vertrag aus dorn 15. Jahrb. in Kernte Sni/sc de numistnatif/ue. V, (4«nf l£9ö, S. 1. — 
Vertrag des Kg. Philipp A neust von Frankreich mit dem Müuzincister Everardux de 
Vinci» . . . de motu tu Tornar.nsi 1204. Saulcy, lt<cu<il I, 117. — Carta Henrici J'lnr- 
tard 1225, 12(55 a. a. O. 120, 133. In das Jahr 1188 reicht zurück der Vertrag zwischen 
dem Grafen von Nevers und den geistlichen und «eltlichen Grofsen »eines Gebiets 
über den Münzfnfs der Grafschaftsmünzc. — Prou M., Dnnimcnts d'Histoirr mon+- 
taire, P. 1901, S. 4 (S. A. aus H. X. 1896/98). 

2. Die Verschiedenheit der Aufgaben, welche die Münze einerseits 
als Wertträger, anderseits als gesetzliches Zahlungsmittel erfüllt, äu teert 
sich nämlich auch in dem Umlaufsgebiet, das sehr verschieden ist, je 
nachdem die «'ine oder die andere Eigenschaft der Münze in Betracht 
kommt. Wofern es nur auf den inneren Wert (§ 25, 1 b) abgesehen ist, 
den die Münze stofflich in sich trägt, oder auf den sowohl davon als 
auch von andern Umständen beeintlul'sten freien Umlaufswert (Kurswert 
§25, 1 c) wird sieh ihr Umlaufsgebiet so weit erstrecken, als ihrem 
Stoffe bzw. diesem Stoffe in bestimmter Form. Geldeigensehaft beigelegt 
wird. Da nun diese, wie schon S. 17, ij 4, 3 ausgeführt wurde, von der 
staatlichen Anerkennung unabhängig ist, so ist auch das Umlaufsgcbiet 



Digitized by Google 



S, 30. Aufgabe und Einteilung der Münzvertraue. 



247 



der Münze, soweit sie nur als Wertträger verwendet wird, an keinerlei 
staatliche Gebietsgronzen gebunden. Anders stellt sich allerdings die 
Sache, sofern die Münze als gesetzliches Zahlungsmittel dienen soll. 
Diese Eigenschaft, die ihren üufseren Ausdruck in dem durch Zwangs- 
kurs geschützten Nennwert findet, wird der Münze von Staats wegen bei- 
gelegt, hangt also vom Staatswillen nb, und ist daher auch an die 
Grenzen gebunden, innerhalb welcher sich dieser wirksam iiufsern kann. 
Mit andern Worten, das Umlaufsgebiet der Münze als gesetzliches Zah- 
lungsmittel wird zunächst nicht über die Grenzen des Staates reichen, 
wohl aber kann es darüber hinaus im Vertragsweg erweitert werden. 

Laband, Deutsches Staatsrecht, 3 Aufl., Freihur« i. B. 1895, II, § 7»!, S. 151, 
fühlt nach Betonung der rein juristischen Seite des (»eldcs als Zahlungsmittel fort: 
Der wirtschaftliche Wert, die sog. Kaufkraft oder der Tauschwert kommt hei dorn 
Kechtshcjrriff des (ieldes gar nicht in Betracht. Der (iesetzgeber kann ihn gar nicht 
normieren, er kann ihn bei keiner Suche erhöhen oder vermindern, auch nicht bei 
dem Edelmetall durch Aufdrücken des Prägestempels, denn dieser Wert wird durch 
tatsächliche Verhältnisse, nicht durch Hechtssätze bestimmt. Der (iesetzgeber kann 
und will vielmehr nur den Zahlungswort im lnlando festsetzen. 

3. Der Inhalt von solchen Münzverträgen kann mannigfach sein, 
er kann die Regelung eines Einzelfalls oder dauernder Zustände be- 
treffen, auf ein blofses Dulden oder Unterlassen, oder auch auf be- 
stimmte Handlungen der vertragschliefsenden Teile gerichtet sein. Im 
allgemeinen lassen sich jedoch folgende vier Hauptgruppen von Münz- 
verträgen unterscheiden : 

a) wird durch den Vertrag den Geprägen des einen Münzherrn im 
Gebiete des andern blofs ein beschränkter oder unbeschränkter Umlauf 
gewährt. Gewöhnlich wird Wechselseitigkeit bedungen, es gibt jedoch 
auch Fälle, in welchen diese fehlt oder als ungenügende Entschädigung 
angesehen wird, und dann wird der Teil, der seine Gebiete dem fremden 
Gepräge öffnet, in anderer Weise, z. B. durch eine Geldleistung, befriedigt. 
Ein V hereinkommen dieser Art bestand seinerzeit zwischen den Patri- 
archen von A(juileja und den Grafen von Görz, indem die Patriarchen 
bei jeder Münzerneuerung als lirijalia, d. h. als Abfindung für ent- 
gangenen Münznutzen, den Grafen 100 Pfund der neuen Münze mit dem 
Ersuchen übersandten, der neuen Münze der Patriarchen im gräflichen 
Gebiet Umlauf zu gestatten und die hier bisher umlaufenden Agleier als 
alte Pfennige zu verrufen. 

b) Die vertragschließenden Münzherren eröffnen nicht blofs 
wechselseitig ihre Gebiete allen oder bestimmten Geprägen des andern 
Teils, sondern einigen sich aufserdem über Ausmünzung nach einem ge- 
meinsamen Pulse. Es ist dies die häufigste und wichtigste Art der 
Münzverträge. Ich erwähne als Beispiele aus älterer Zeit die Verträge 
zwischen den Erzbischöfen von Sulzburg und den Herzogen von Kärnten 
von 1208, 1280 über die Prägung der Friesacher in der crzbisehöl'Iiehen 
Münzstätte zu Friesach und in jenen des Herzogs zu St. Veit und Völker- 
markt, aus neuerer Zeit den zwischen Kursachsen und Brandenburg 11107 
abgeschlossenen Zinnischen Reeeis , die 1753 zwischen Osterreich und 
Bayern getroffene Münzkonvention, die zur Einführung des sog. Kon- 



Digitized by Google 



248 



Zweitor Teil. Gcl.ltresehiehte. 



ventions- oder 20-Gulden-Fufses Anlafs gab, und endlieh den sog. latei- 
nischen Münzbund vom Jahre 1 Hi»5, welcher die französische Münzein- 
heit unter verschiedener Bezeichnung als Franc, Lira. Drachme in 
Frankreich. Belgien, Schweiz, Italien, Griechenland einbürgerte. 

c) Noch darüber hinaus führen Beredungen, welche für die Münze 
der vertragschliefsenden Teile nebst all dem vorher Erwähnten auch ein 
gemeinsames Gepräge festsetzen. Hierher gehören die Münzverträge der 
rheinischen Kurfürsten von 1386, 1391, 13«>9. 1-409 usw., die Münz- 
rezesse der fränkischen Fürsten von 1434. 1441. 1454 usw. aus neuerer 
Zeit der deutscho Münzbund von 1*.">7. 

GemeinHchaftsmürizen Herzog Leopolds VI. von Österreich und Erzbisehof 
Eberhards II. um 1222 zu Pottau siesthhiiren. W. X. Z II, 4W. 



Fiir 1»6. Oemein»oh»ruiiiiiii«u Krebi»«-!inf Bolx'niiin.ls II von Trirr (1354 13rt'_>< 
und Hen»n Winzcls von Lnx.-inl.urg (I353-I3.vtj (Orot»-. Hl f. M/k.k- , IV, Hfl, Tuf XIV. 3001 

d) Die bisher genannten Münzverträge setzen voraus, dafs die 
Münzherren ihre besonderen Münzstätten in Tätigkeit erhalten und nur 
die Ausmünzung den allenfalls verabredeten Beschränkungen unter- 
werfen. Es gibt jedoch noch eine vierte Art, bei welcher zeitweilig«' 
Münzgemeinschaft in dem Sinne eintritt, dafs die Münzen geradezu auf 
gemeinsame Rechnung und Gewinn geschlagen werden. In solchen 
Fällen kann es sogar vorkommen, dafs der eine Münzherr den Münz- 
betrieb in seinen Münzstätten zeitweilig ganz oder teilweise einstellt, und 
dafs die Gemeinsehaftsmünzen nur in jenen des andern Vertragsteils her 
gestellt werden. Als frühes Beispiel dieser Art nenne ich das Überein- 
kommen zwischen Herzog Leopold VI. von Osterreich und dem Erz- 
bisehof Eberhard II. von Salzburg, das in einer päpstlichen Bulle vom 
15, Jänner 122:? genehmigt wird. Der österreichische Herzog war bereit, 
seine Münzstätte von Graz nach der erzbisehöflichen Stadt l'ettau zu 
übertragen, über welche ihm bereits die Vogtei zustand, wogegen aulser 
dem Münzgewinn auch noch die Zoll- und Gerichtsgefälle zwischen beiden 
Fürsten geteilt werden sollten. Dafs es zur Ausführung dieser Beredung 
kam, erweisen Friesaeher Pfennige mit dem Namen beider Münzherren 




Fl*. 104. Pfennig IlettoR Leopold« vi. 

von Österreich. 



KiK i"ö CfemiiR Bnbisebol Eber- 
hard« II. von Sftltbuig. 




Digitized by Google 



$ 30. Vertragsmäßige Gepräge, Gemcinschaftsmünzen, Münzbünde. 249 

und gemeinsamem Münzbild (Fig. 104, 105). Der Abschlufs solcher auf 
Herstellung von Geuieinschaftsniünzen gerichteter Verträge war seit dem 
14. Jahrh. namentlich in den Niederlanden üblich, und es fehlt nicht 
an Heispielen, in welchen die Gepräge geradezu als Moneta Socioritm be- 
zeichnet wurden (vgl. Fig. 106). 

Stückelberg 146. — a)Liruti, Deila Monrta . . che ebl>e corso nel Ducato del 
Friuli. Cap. XXV, Venedig 1749; im Wiederabdruck bei Argoluti, De Mowtia 
Italiae . . Dissertation* s, Mailand 1750, Bd. II, 178. Erhallen ist eine solche Zuschrift 
des Münzmeisters au» der Zeit de» Patriarchen Anton Gaetano vom Jahre 1399 an den 
Hauptmann zu Gor/.. Ähnlich war auch der 1312 vom Bischof Peter von Cambrai mit 
dem Grafen von Hennegau geschlossene Münzvertrag. K. N. B. Br. 1846, I, •>, 8. 22. 
— b) Die Salzburgor Verträge bei Kleimayrn, Unparteiliche Abhandlung vom Erz- 
»tift Salzburg. Salzburg 1770, § 317, 320. — Münzvoroin der Reichsstädte 1409, die 
Ouldon Kg. Ruprechts für eine gemeine werunge zu geben und zu nenien. Hirsch 
I, 67. — Zinnischer liecefs 1667: Hirsch V, 24. Praun, Gründliche Nachricht, 
3. Aufl., L. 1784, 121. — Kon ventionsf ufs, Hirsch VI, 398, Pr a u n 157. — Latei 
nischer Mit nzbu nd : Loxis im Handwörterbuch der StaatswisHenschafteu, 2. Aull. 
J. 1900, V, 893; Wirth M., Das Geld, L. 1884, 102 ff. - c) Münzvertrüge der rheini- 
schen Kurfürsten bei Hirsch I, 50, VII, 22; II, 57, I, 63; von 1419 bei Grote, 
Bl. f. Mzkde. IV, 57; der fränkischen Fürsten (Bamberg, Würzburg, Brandenburg 
usw.) Hirsch I, 77, 85, 110. — Ei kent scher, Dio fränkischen Münzvereinigungen 
im 14 und lö. Jahrh. Mitt. B n, vgl. auch B. Bl. V, 93 ff. — Wiener Münzvertrag 
von 1857. Wirth 99 ff. — Grote, Geldlehre. L. 1865, § 25, S. 201 ff — d; Ge- 
meinschaftsmünzen: Der edlen Herren Richard von Fricsack und Johann 
von Plotho um 1250. Bahrteldt, Münzwesen d. Mark Brandenburg. B. 1889, I, 268, 
Nr. 757. — Desgleichen des B. Johann von Hildcshehn 1393 — 1424 und der Stadt Gos- 
lar. Bl. f. Mzfr. 1899, Nr. 12. — Mein Aufsatz über die Pettau-Friesacher Gepräge in 
W. N. Z. II, 494. — Di-8 mounaies fmpph s par le roi Jrttn de Hohem-- a frais et profitn 
comun* arte le comb- Jlmri IV de Jiar (1342 auf drei Jahre geschlossen '. B. N. B. 1, 
Bd. 1, S. 212 und 357; dazu Grote, Bl. f. Mzkde., IV, 98 ff. und Taf. XIV, Nr. 299, 
300. — B. Mzbl. Nr. 164, Sp. 1645 mit der Nachricht, dais Kg. Johann ähnliche Verträge 
auch mit Adolf von Lüttich und Wilhelm I. von Namur abgeschlossen habe. — Münz 
Verträge des HorzogH Wenzel von Luxemburg mit den Trierer Erzbischöfen Boomund II 
(1354—1362) und Kuno 1371. K. N. B. I, 357 ff. — Serrure C. A, Belgische ge- 
meenschapsmunttn uit de XIII« en XIV« 5 euuicen. Antwerpen 1855 (Aufsatz in De Vlaem- 
sehe School I, S. 95 ff — Müuzverträgo des Grafen Philipp des Kühnen von Flandern 
und seiner Witwe mit der Herzogin Johanna von Brabant 1389 — 1404 bei Cum out, 
Melange» nnmismatigucs in Tydskrift der niederländischen num. Gesellschaft X, 1900. 

4. Münzvorträge, die nicht blofs einen Einzelfall betreffen, sondern 
Münzzustände auf eine gewisse Dauer hinaus regeln sollen, pflegt man 
Münzvergleiche, Münzvereine, Münzkonventionen , Münzrezesse, Münz- 
bündnisse zu nennen. Eine schärlere Abgrenzung dieser Ausdrücke 
fehlt; da indessen nach allgemeinem Sprachgel »rauch der Verein einen 
mehr lockeren, der Bund einen engeren Zusammonschluls bezeichnet, 
so sollte man von einem Münzbund nur dann sprechen, wenn die ver- 
tragsch liefsenden Münzherren sich nicht auf die Regelung des Umlaufs 
ihrer Münzen beschränken, sondern darüber hinaus auch die Prägung 
nach gemeinsamem Münzfufs verabreden. Als Beispiel eines mittelalter- 
lichen Münzbundes sei der Kap pe n m ün zbund genannt, welcher die 
Geldverhältnisse im oberen Rheintal, im Elsal's, Schwaben und der Schweiz 
vom Jahre 1403 an durch anderthalb Jahrhunderte beeinHufst hat. 

Cahn J., Der Kappenmünzbund. Heidelberg 1901. 



Digitized by Google 



250 



Zweiter Teil Gcldgcfwhichtc. 



5. Vom Vorhandensein solcher Münzverträge geben uns teils mancher- 
lei Aufzeichnungen, teils die Münzen seihst Kunde, doch sind Fälle aus 
dem Mittelalter vergleichsweise selten, für welche wir beiderlei Zeugnisse 
besitzen. Häufig fehlen uns zu urkundlich erwähnten Münzvereinen die 
entsprechenden Münzen und umgekehrt. Zweifel gegen die Beglaubigung 
können daher bei einseitiger Überlieferung leicht auftauchen, und volle 
Sicherheit wird man meist nur haben, wenn unanfechtbare Zeugnisse 
beider Art vorliegen. Oft genug sind ja derlei Beredungen ohne Aus- 
führung geblieben, und nicht jedes Gepräge, das als Vereinsmünze au- 
gesehen wird, ist als solche wirklich hergestellt worden. Ich beschränke 
mich hier auf jene Einwände, die man gegen einen durch dergleichen 
Gemeinschaftsmünzen geführten Beweis erheben kann und überlasse die 
Würdigung der übrigen der Diplomatik, in deren Bereich es fällt, die 
Mittel zur Kritik von urkundlichen Zeugnissen zu liefern. 

Die Einwendungen, die man gegen angebliche Gemeinschaftsmünzen 
erheben kann, kehren sich einerseits gegen die Echtheit, anderseits gegen 
die Deutung der als Zeugnis angeführten Stücke. Der Vorwurf der Un- 
echtheit kann oft begründet sein, weil Gemeinschaftsmünzen im allge- 
meinen seltenere Gepräge sind, die von Sammlern geschätzt und darum 
gut bezahlt werden. Es kann daher der Gewinn, der sich bei Herstel- 
lung solcher Stücke erhoffen läfst, gar wold die Mühe des Münzfälschers 
lohnen und zur Verfertigung unechter Münzen dieser Art anspornen. 
Noch öfter wird der Fall vorkommen, dafs ein echtes Stück für eine 
Vereinsmünze gehalten wird, ohne dies zu sein. Nach Münzbild oder 
Umschrift wird /.. B. einem Stücke die Eigenschaft einer Vereinsmünze 
beigelegt und daraus weiter auf ein Münzübereinkommen als Veranlas- 
sung dieser Prägung geschlossen. Bei solcher Sehlufsfolgerung unter- 
laufen jedoch leicht Irrtümer. Die Ubereinstimmung zweier oder mehrerer 
Münzen in den Münzbildern und der übrigen Ausstattung läfst aller- 
dings schliefsen, dafs mindestens einem dieser Gepräge der Umlauf neben 
den gleichen Geprägen des andern Münzherrn verschafft werden sollte, 
ob aber dies erlaubterweise geschehen oder blofs erschlichen werden 
sollte, das ist danüt noch keineswegs entschieden, das heifst mit antlern 
Worten, der Forscher rnufs sich gegenwärtig halten, dafs die angebliche 
Vereinsmünze auch ein unberechtigtes Nachgepräge (§§8,3; 16.5) sein 
könnte und danach seine Untersuchung einrichten. 

Sicherer erscheint der aus dem Münzbild abgeleitete Schlufs. weun 
auf einem Stück die Namen oder Wappen verschiedener Münzherren 
vorkommen, doch sind auch da mancherlei Fehlerquellen zu beachten. 
Wappenvereinigungen auf Münzen sind nicht immer ein Zeichen be- 
stehender Münzgemeinschaft, sie können auch als Heirats- oder auch als 
Anspruchswappen angebracht sein. Selbst die Nennung mehrerer Münz- 
herren ist nicht immer entscheidend; linden sich ihre Namen auf beide 
Münzseiten verteilt, so kann dies auch durch eine irrtümliche Benutzung 
der Münzstcmpcl zweier Münzherren oder von einem lleckmünzer ver- 
anlagt sein. Sobald solches auch nur als wahrscheinlich erwiesen werden 



Digitized by Google 



§ 30. Fragliche (icmeinRehaftsmün/.en. Münzvereine im Mittelalter. 251 



kann, werden wir »las Stück eher als eino Zwittermünze oder einen un- 
erlaubten Beischlag, denn als ein Voreinsgepräge anzusehen haben. 

So würde ich das von R. Serrure im Bulhtin mensutl de numismatique l, 20 
(Kr. 1881) als monnair conrentioncllr <b- Hrabant- Xamur bezeichnete Stück eher für eine 
I leckmünze oder für einen Zwitter erklären, als für eine Vereinsmünze halten. 

6. Münzvereinigungen wurden seit jeher geschlossen, wenn be- 
stimmten Geprägen ein gröfsores Umlaufsgebiet gesichert werden sollte, 
als ihnen nach den Machtverhältnissen ihres Münzherrn zukommen 
konnte Dies erklärt das Zustandekommen zahlloser Münzverträge vom 
frühen Altertum bis zur Gegenwart. Münzverträge aus den ersten Jahr- 
hunderten des Mittelalters sind indessen nicht bekannt, und es ist selbst 
zweifelhaft, ob dergleichen im karolingischen Reiche vorkamen, obwohl 
die Teilung von Verdun und die Münzpolitik der Herrscher, die zu 
einem schwereren Münzfufs übergingen 28, 3), dazu Veranlassung 
geboten haben könnten. Als jedoch mit der Auflösung der Karolinger- 
monarchie die Zersplitterung der königlichen Gewalt begann, das Reichs- 
münzwesen verfiel, die Ausmünzung in die Hände zahlreicher Gebiets- 
herren gelangte und der Rechtssatz aufkam, dafs der Heller nur gilt, 
wo er geschlagen wurde, da war die Zeit zu Münzverträgen gar bald 
da, wiewohl uns urkundliche Nachrichten nicht vor der Mitte des 
12. Jahrb. überliefert sind. Wie sehr jedoch dio Stellung der Münz- 
herren im Reiche damals schon erstarkt war, ersieht man daraus, dafs 
die Staufer seit Kaiser Friedrich I. in manchen Fällen zur Regelung von 
Münzfragen nicht mehr im Verordnungswege vorgingen, sondern Ver- 
träge mit ihren Vasallen abschlössen. Mit dem Aufblühen des Städte- 
wesens und dem Emporkommen des Bürgerstandes in Deutschland nimmt 
die Zahl der Münzverträge im 13. Jahrb. rasch zu, um im 14. und 
15. Jahrb. zu einer schier unübersehbaren Menge anzuschwellen. Es 
wurde schon oben (§ 28, 14) angedeutet, wie die Städte, die wegen ihres 
Handelsverkehrs das lebhafteste Verlangen nach einer 
Besserung der unleidlichen Münzzustände hatten, durch 
Verträge mit den Münzherren erst Einflufs auf die 
Münzprägung und zuletzt das Recht zur Ausmünzung 
anstrebten und, dal's die Erreichung dieses Ziels nicht 
blofs Reichs-, sondern auch manchen Landstädten ge- 
lang. Von da ab war ihr Bestreben darauf gerichtet, Kh«JÄS£ 
teils unter sich, teils in Verbindung mit geistlichen 12:« im «icm Münz- 
oder weltlichen Münzherron gewissen Münzen im Vor- ^ «taem beiaS "gl* 
tragswege ein gröfsercs Umlaufsgebiet zu sichern. Be- mwht«n Funde). 

... . . ,.. . . 1 , , „! Ilofken, Archiv II. .17.1, 

redungen über den Munzhus, auch wohl über eine T af xvn, Nr 7. 
genieinsame Ausstattung der Vereinsmünze schlössen 
sich an. So kam es beispielsweise 1240 zum Bund der Münzstätten im 
Bodenseegebiet, der seine Gepräge mit einer aus Kreuzen und Vier- 
ecken bestehenden Umrahmung versah (Fig. 107), andere Male wie 
1424 bei der Vereinigung von Zürich, Schafihausen und St. Gallen 
wurden vier Blinkte als Kennzeichen gewählt usw. Allein wenn wir auch 




Digitized by Google 



Zweiter Teil. Geldgeschichte. 



die Städte hier als das treibende Element anzusehen haben, so verstand 
es sieh doch nach den Machtverhältnissen und dem höfischen Brauch 
von selbst, dafs die geistlichen oder weltlichen Münzherren bei diesen 
Verträgen an »he Spitze gestellt wurden, und dal's die Städte nachfolgten 
80 wurde es u. a. hei den grofsen Münzvereinigungen von l'.Ml und 
1387 gehalien, welche Vorläufer des Rappenmünzbundes (1403) waren. 
Von der Mitte des 14. Jahrb. an mehrt sich übrigens die Zahl der von 
fürstlichen Münzherren unter sich geschlossenen Münzverträge (s. oben 
Absatz 3c), bis es im 10. .lahrh. zu den Reichsmünzordnungen von 1524. 
1551, 1559 kam, die man eigentlich als umfassende, zwischen dem Kaiser 
und den Reichsständen vereinbarte und in Gesetzesform gebrachte Münz 
konventionell bezeichnen mufs. (§29, 11.) 

S t ü c k e 1 b e r g 1-16 ff., mit einem Verzeichnis von Münzvertragen der nltgrie 
chischen Stadtstaaten. — Pro u M., Monnaies carolinginmcs, P. 1896, Introduktion XIX 
bis XXI, erwilhnt die von Gariel veröffentlichte Münze, die auf der einen Seite 
LOTHARIVS REX IMl'E und ein Kreuz, auf der andern das Monogramm Karotus 
und die Umschrift GRATIA D~"I REX zeigt, bezweifelt jodoch, dafs Hie auf einen Münz 
vertrag zwischen Karl dem Kahlen und l^othar gedeutet werden dürfe, sie sei vermut- 
lich eine Zwittermünze. Er ist auch nicht geneigt V S. XXI), aus den Stücken mit 
LYDOVK'YS REX als Umschrift um das Monogramm Karolns in andern Fallen aber 
Ludovicus auf eine Münzeinigung zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem 
Deutschen zu schliefsen, die Stückelberg S. 147 annimmt, — De Witte beschreibt, 
als: l'nc monnaije brlgr de Convention numinmatique du connuenmtwnt du XI ftiecle. 
Br. 1892, ein Stück, das er als (iemeinschaftsmünze Herzog Gottfrieds von Xieder- 
lothringen und des Hochstifts Lüttich (ums Jahr 1000 erklärt. Münzvertrage zwischen 
dem deutsehen Konig und ReichsstUnden . K. Friedrichs I. mit dem Grafen von Flan- 
dern 1173, Mon. (i. Constitutionen I. \r. '239, S. 334; Kaiser Heinrichs VI. mit dem Erz 
bischof v. Köhl IHK), Hirsch 1,8; mit «lern Abt v. Seiusheim 1192, Stumpf, Reichs 
kanzler, Innsbruck 1*65- Ho, Reg. 4738; mit Genna 1194 n. a O. Reg. 4866; Kg. Rudolfs I 
mit Köln, 1282 Mon. <1. Constitution) s III, Nr. 335, S 322. — Münzverein der Bodensec 
Städte von 1240. Hufken, Archiv R., Rd. I, 1*3, II, 411. Die Münzverträge der Habs 
burger mit Schweizorstadten von 1344, 1377, 1387, 1393, 1399 bei Mever, Itraktenten 
der Schweiz, Zürich 1815—58,1, 8, 10, 18, 20, 25, 41, IS, 49, 50, II, 38, 61. — Cahn. 
Rappenmünzhund, Heidelberg 1901, S. 31. — Münzvertrag zwischen Lübeck u. Harn 
bürg 1255, Eheberg 51: zwisehen den Herzogen von Rayern und den Rischöfen von 
Regensburg 1255 und Lassan 1262: Quellen z. bayer. Gesch. V, M. 1857, S. 136 und 
190; Seh ratz W, Die Konventionsmünzen der Herzoge von Rayern und der Bisrhofe 
von Regensburg vom 12. — 14. Jahrh. Stadtamhof 18S0 S. A.). - 1 11 a ma • S te rti e gg , 
Deutsche Wirtschaftsgeschichte, L. 1901, II 1/2, S. 372 ff. und Beilage XI, S. 527 ff. 
— Stückelberg S 147. — Cumont, ftibliografdih- de la nnmisntatu{ue Mge, Br. 
1883, S. 419. Übersieht «1er Uigletnerts et Truites ntom'taires. — Blancard, Enquete* 
et Conventions monetaires au XIY C sürle. Annuoire IX, 289 ff. (Macon 1885). 

7. Die Münzvereinigungen im Mittelalter haben immer ein ver- 
gleichsweise enges Ciebiet betroffen und namentlich die Reichsgrenzen 
nicht überschritten, was durch die Zersplitterung der einheitlichen 
Königsgewalt an viele Machthaber erklärt ist. Der Gedanke einer inter- 
nationalen Behandlung von Münzfragen wurde zuerst von Herzog Karl 
dem Kühnen v. Burgund angeregt, dessen Beamten bei einer Zusammen- 
kunft mit den Bevollmächtigten seines Schwagers, des Königs Eduard IV. 
von England, 14b9 zu Brügge das Wertverhültnis des Golde* zum Silber 
auf 1 ; 12 festsetzten und sich auch darüber einigten, welche Münz- 



Digitized by Google 



§ 30. Anfänge internationaler Münzveroine, die »Wcltmünze.< 



253 



gattungcn in beiden Ländern Zwangskurs haben sollton, welche nicht. 
Später hat Kaiser Karl V. den Versuch gemacht, die Münzeinheit über 
seine Lande auszudehnen, doch ohne sonderlichen Erfolg; dann blieb der 
(Jodanke wieder ruhen für lange Zeit. Nach dem Jahre 16f>(> tauchte 
im Deutschen Reiche der Wunsch auf, mit Frankreich zu einem gleichen 
Münzsvstom zu gelangen, doch kam es nicht zu dessen Verwirklichung, 
da man sich selbst in den Kreisen der Geldtheoretiker gegen diesen Ge- 
dankon ablehnend verhielt. Das offene Schreiben des Kieler Professors 
Hegewisch im Deutschen Magazin (1792) an Professor Büsch süber die 
Möglichkeit und Nützlichkeit eines allgemeinen Münzfulses beantwortete 
dieser nicht blofs durch den Hinweis auf die grofse Schwierigkeit der 
Ausführung, sondern auch durch die Einwendung, dafs der Nutzen dabei 
nicht grofs sein würde. Die Zeit, in welcher die Frage einer Weltmünzo 
erörtert werden konnte, war erst gekommen, nachdem die Ausdehnung 
des Eisenbahn- und Telegraphennetzes und der Dampfschiffahrten um 
die Mitte des 19. Jahrh. die Vorstellung von einem Weltverkehr verall- 
gemeinert hatte und durch diese bei Voranstellung der Bedürfnisse des 
Grolsverkehrs über jene des Kleinverkehrs ein Umschwung in den An- 
sichten von der eigentlichen Aufgabe des Geldes und sohin auch in der 
Münzpolitik eingetreten war. 

Selbst der grofse oberrheinische Münzbund von 1387, in dem durefT 11 Herren 
und 17 Städte nicht weniger als 74 Städte und 17 Münzstätten vertreten waren, er- 
streckte sich nur über ein L'mlaufsgebiet, das hinter der Fläche des heutigen König- 
reichs Sachsen zunickbleibt. Vgl. die Karte bei Cahn, Rappenmünzbund, S. 33. — 
De Witte A., Conyies monetaire international tenu a hruyes en 146V, Br. 1893, auch 
behandelt in desselben Verfassers: Histoire monetaire des enmtes de Lourain, dura de 
Hrabant, Antwerpen 18%, IM. II, Kap. XIII (W. X. Z. XXVIII, S. 312 . — Koscher, 
System III (3. Aufl. St. 1882), §49. Anm. 2, 8.236. Da* Schreiben von Hege wisch 
nebst der Antwort von Büsch findet man in .loh. G. Büschs samtlichen Schriften 
über Banken und Münzwesen, Hamburg 1801, S. 707 ff. Büsch war eben Anhänger 
des »idealischen Geldes«, das ihm eine im Werte unveränderliche RcchnungsmOnze 
nach Art des Hamburger Banktalors war, und er erklärte geradezu: >Das für die grofse 
Handlung bestimmte idealische Geld mufs, wenn man es irgend vermeiden kann, 
nicht in einer wirklichen Münze dargestellt werden«, a. a. O. Anhang über Bankgeld 
usw., § 28, S. 560. 

Über Weltmünzen s. die Literatur oben bei § 20. Chevalier, La monnaie, 
Brüssel 1850, spricht den Gedanken einer Weltmünzc nur gelegentlich aus. S. 474 em- 
pfiehlt er, um den Schwankungen im Wertverhältnis der Edelmetalle zu begegnen, eine 
einfache Wälirung und fügt bei l'our les gouvernements, ee devait etre l'occcution de 
s'aecorder stur une monnaie d'or dont la eomposition fut absolununt la meme pour tonn, 
et qtti nc diff'erdt d un Etat ä itn aittre uue par l'effiy'v. In Anm. 1 auf S. 475 ergänzt 
er diesen Vorschlag: Dans er Systeme on pourrait prendre pour unite monetaire en or 
u n poids d'un nombre rond de yrnnnne*. Ferner Grote, Geldlehre, L. 1865, der §25, 
S. 231 den Ausdruck »Grammer« für die so und so viel Gramm Feingold enthaltende 
Weltmünzo vorschlägt, Knies, Weltgeld und Weltmünzen, B. 1874; Babelon, A'o/irr 
sur la monnaie. Y. 18'.'8, S. 128 ff. — v. Krnst, Das Münzwesen und die Medaillcure 
unter der Regierung K. Franz Joseph I. W. 1888. Einen guten Überblick über den 
Stand der > Weltmünze« in der Beilage Nr. 91 zur Münchencr Allgemeinen Zeitung 
vom 19. April 1892. 

8. Als Vater dieses Gedankens haben wir wohl Michel Chevalier 
zu betrachten, der 18f)0 die Forderung aussprach, alle Staaten sollten 



Digitized by Google 



2:>4 



Zweiter Teil. Cicld^cschielite. 



um den Schwankungen in dem Wertverhältiiis der Edelmetalle die 
schädigende Spitze zu benehmen, eine völlig gleiche, nur im Gepräge 
verschiedene Goldmünze schlagen lassen, deren Preisverhältnis zum 
Silhor nach Art des Kassenkurses jährlich vom Gesetz festzustellen wäre. 
Seine Nachfolger, unter welchen sich Grote (1805), Nothomb (1X09), 
Augsburg, Mösle u. a. befinden, griffen die von Chevalier neben- 
her gemachte Bemerkung, dafs dieses Geldstück ein poi<h' tVun nombrv 
rond (hs grammes haben könnte, als besonders wichtig heraus und erklärten, 
dafs die Weltmünze das Gramm Feingold als Grundlage haben sollte, 
drangen jedoch damit nicht durch, weil die im Kleinverkehr eingebür 
gerten Münzgröfsen sich nicht so schnell ändern lassen. Auf anderer 
Grundlage schien die lateinische Münzkonvention von 1865 den Ge- 
danken der Weltmünze der Verwirklichung nahe gebracht zu haben, 
indem nicht nur Griechenland dem Bunde 180S förmlich beitrat, sondern 
auch die übrigen Balkanstaaten und Spanien den französischen Münz 
fufs annahmen und Österreich wegen des Anschlusses bereits eine vor 
läufige Vereinbarung getroffen hatte, welche zur Prägung von Gold 
münzen von 8 und 4 Goldgulden (gleich 20 und 10 Franken) Anlal's 
gab. Der Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs 1870, die 
Wahl der Mark als Grundlage für die deutsche Münzrefonn 1873, »ler 
Krone für den skandinavischen Münzbund (1X73) und der österreichischen 
Krone für das Münzwesen in Österreich-Ungarn (1892) haben den Ge 
danken, dafs die Frankenwährung zur Welt Währung werden könnte, 
gründlich gestört. Desungeachtet sind die Bestrebungen zur Erweite- 
rung des lateinischen Münzbundes von grölst er Bedeutung für den inter- 
nationalen Verkehr geworden, indem seither die meisten Handelsstaaten 
der Welt das französische Mischungsverhältnis von 0,900 fein ange- 
nommen haben, während die übrigen: England, Portugal, Türkei. Chile, 
ebenso an 91 6 2 / 3 Tausendteilen festhalten. Es gibt also im Welthandels- 
verkehr jetzt im wesentlichen nur Goldmünzen von 900 oder 910 -/.. Tausend- 
teilen Feingehalt. Diese Übereinstimmung im Korn ermöglicht, Gold- 
münzen der verschiedensten Staaten nach ihrem Gewicht ohne jede 
rechnerische Schwierigkeit als Goldbarren von bestimmtem Feingehalt 
zu behandeln, Sie bietet also, da das Zuwägen statt des Zuzählens der 
Münzen bei grofsen Zahlungen ohnehin üblich ist, im Weltverkehr die 
wichtigsten Vorteile der Weltmünze und erhält nebenbei dein Klein- 
verkehr jene Münzgröfsen, an welche dieser von früher her gewöhnt ist. 



Digitized by GoOgli 



Sachregister. 



Uerücksichtigt und nach der Seitenzahl bezeichnet sind sowohl der Text alH dio 
Anmerkungen, die durch Beigabe eines Sternchens (*) zur Seitenzahl unterschieden 
sind: ferner die Abbildungen, die durch ein vorgesetztes A und darauffolgende Ord- 
nungs- (nicht Seiten-) Zahl hervorgehoben werden. Erscheint ein Gegenstand in einem 
ganzen Paragraphen behandelt, so wird dieser mit vorgesetztem ^-Zeichen angeführt; 
erstreckt er sich in zusammenhangender Darstellung über zwei Seiten, so ist dies durch 
>f.«, wenn über mehrere durch ein >lT.c vermerkt. Gesperrt gedruckte Namen sind 
Autorennamen; Namen der Herrschergeschlechter wurden nicht immer selbständig 
verzeichnet, sondern meist bei den Herrschaftsgebieten berücksichtigt. 



A. 

Aachen 52 

Abbilden von Münzen § 15 
Abbildung fi. a): 104, 117, 
122. 1-28, 178 
antiker Gepräge I 
der Münze 41) 
der Münzvorgange 77, I£? 
des Gepräges d. Münze 1 11 
von englischen Münzen IQ 
von Gebäuden auf Münzen 
41^ 51 

von Kronon auf Münzen 

49, 50*. 
von Menschen auf Münzen 

411 f. 

von Notmünzen 7, 21 
von Tieren auf Münzen 
4i». 51 

von Wappen auf Münzen 
49, 51 

Abbo, Goldschmied u. Münz- 

meister 81 
Abendländisches Miinzwe- 

sen 59, 96, 1DÜ 
Abendmahlspfennige 22, 2ü*. 
Abhandhinyen über Geld u. 

Münzwesen 6^ 9, Iii? 
Abkürzungen : 

auf Münzen 51 f., 58*. 

62, 111? 



Abkürzungen 
der Titel benutzter Ab- 
handlungen 11*. 12*. 
von M ünzmcistcrnuinen 
61* 
Abnutzung : 
der Münze 161. 162* 218 f. 
der Pfennige 174 
Abschlüge : 

von Dukatensteinpein 38 
von (iuldcnstcmpeln 12 
von Münzstempeln 2ü 
von Talerstempeln 19. 21* 
von Tiroler Ge prägen 4Ü 
Abschnitt bei «I.Münze 13, 53. 
Abschrote 37, 65, 
Abstempelung von Münzen 

4M, 118 
Abstufung; d. Münzgattun 
gen 1 72 
de.«- Feingehalts 159, 1ÜÜ 
Abwägen der Münzen 41, 

146 s. auch Justieren 
Abzeichen der Heiligen auf 
Münzen 1 !>,:>()*; d. Münz 
berren 49: d.Münzmeistcr 

f>8, r>9* 

Adam, Münzfälscher 126* 
Adrelsmarkcn !t, 2S, 
Adressen Verzeichnisse von 
Sammlern 92* 107, 1ÜQ 



Aes rüde, — signatum 125 
Afrika 25 

Aglei (Aquileja) Patriarchen 

10, 82, — Pfennige 140*. 

241 : Johann von — 82*. 
Agnelsd'or 224 
Agnus Dei 28 
Ägypten 139 
Albcdo 141, löß 
I Albus Uli? 
Alchimisteninünzen 36, 36* 
Alexandrien, Münzstädte 

173* ; Tetradraehinen 3Ji 
Alkemade I 
AI marco: 
Justierung der Schrötlinge 

60, ߣ 

Prägung 113^ 174, 182, 222, 
232 

Prüfung der Pfennige des 

Mittelalters 6Ü 
Prüfung des Feingehaltes 

der Münzen 16T, l£2 ff., 



Stückelung 174 
Wagung 1Ü1 
Alter: der Münze 52 
lies Se nk ii n gs Verfahrens 
IÜ? 

Alt französische Münzen I 
Aluminium 36. 3ti*. 



jd by Google 



Sachregister. 



Ambro8oli 4^ 1241 1211 
Ämter der Münze SO 
Anachronismen auf Münzen 
Iii 

Anderson 8. 
Änderung : 

des Gepräges 40 
des Münzfufses 60, 142, 
1 75, 175*. 184, 190. 2liL 
214, 21"). 218», 218, 22L 
237, 238* , 240, 241. 2a 1 
Andorra 127, 128, 12hl 
Andreaskreuz 50, 5ä 
Anfänge : 
der Brakteatonpragung 

12 ft\, 141 
der Scheidemünze 105 f. 
der staatlichen Münze 1 17 
Internationaler Münzver- 
eine 252. f. 
Anfertigung v. Münzkopien 

121 * 
Angaben : 

bei Fundbesehreibungen 

m. 

der Gröfse in Münzbc- 

sehreibungen 4D 
der Regierungsjahre 59* 
der Schwere von Münzen 

IL HÜ 
Angaben : 

der Zeit auf Münzen 59 
des Durchmessers der 

Münzen 118 
des Einzelgewichts der 

Münzen 41, 113, A. 90 
des Feingehaltes d. Mün- j 

zen 33, Hü 
A n ge 1 oera t or , Daniel I , 
Anglonormannische Münzer 

821 

Ankauf v. Sammlungen 108, | 

iqüi 

Anlage einer Münzsammlung 
10S 

Anlegung der Markte 8Q 
Anordnung : 

von Münzsammlungen, 
synchronistische 98. f. 

der Sammlungen § 12 

nach ihrem Inhalt 91 ff. 

der Medaillen in Samm- 
lungen 101 

einer chinesischen Münz- 
sammlung 104* 

dorStorersehen Medaillon- j 
Sammlung in Buston IM* . 



Anordnung ; 

des ewigen Pfennigs in 

Braunschweig 231 f. 
des Münzbildes, symmetri- 
sche 176 
Angelsachsen 34, 100, 157. 
212* 

Angelsächsische Aufschrift 
der Münze 53 

Angelsächsische Münzen 
110*. 111! 
Münzmeister 821 
Pfennige 1 fit»* 

Anschauungen des Mittel- 
alters über Münzhoheit 
und Münzrecht 201 

Anschneidon d. Münze 175 f. 

Anschnitt der Münze als 
Feingehaltsprobe 177* 

Anspruch : 

auf den Münzgewinn oder 
Münznutzen 193*, 195, 

200, 207, 210, 215 

auf d. Münzerzeugung 200 
auf ein bestimmtes Ge- 
präge 200 

Anspruchswappen 250 

Antwerpen tiü 

An wciler '212* 

Anweisungen münzäbnlichc 
auf künftige Zahlungen 
22, 3fi 

Aqtiila 53 

Aquileja, s. Aglei 

A q u i ao , Thomas v. 6, 170, 

201, 238, 241 
Arabische : 

Münznuf schritten 53, 54 
Buchstaben auf Münzen 55 
Zahlzeichen 59 
Herrscher 32 
A r g e 1 a t i 9 

Argent-le-Koi Konigssilber) 

33, 34^, ÜA 163, lüaH 
argenlo: da grossi Vene- 
tiani 143 
della holla «Ii Veneria 1 13, 
163 
Argen tum: 

caudidum 141* 
examinntiim atque sig- 

natum 1201 
legale 143 
nigrum 33j 01 
purissimum 33, 141 
|)iirum et sincerum 141* 
spectat um 1 4 1 i; 



Arkel, Familie 49, 201 

Arragonien 221 

Arten : 

dor Ausmünzung IS ff. 
der marca argenti 141 
der Münzen L a. 18 ff. 
der Prügung 10 f., 12 
vonSpezialsammlungen 96 
des Geldes s. Geldarten 

As 158, 196, — System 191 

Äschen, A fachen, Münzge- 
wicht 158 

Athen 46j Drachme 153* 

Attila 121 

Aufbewahrung von Münzen 
103. IT. 

Aufgaben : 
der Geldgescbichte § II 
der Münze 6, H 
der Münzvertrage 240 f. 
des Geldes 6, 15, 253 
des < ieldes als gosotzliches 
Zahlungsmittel 234 
Aufschrift der Münze 7^ 36. 
§9, 80,83,801 116, 11L 
1S2, A. 3 3 40 
irreführende 62 f., 031 
tauschende 03 f., 031 
verderbte 03 
verwirrte 02 f. 
Aufschrott 102 
Aufsichtsrecht des Stadt- 
rats bei der Münzprägung 
->31* 

Aufstand der römisch. Mün- 
zer SO 
Aufzahlmark 05 
! Aufzeichnungen: 

über das Münzwesen, amt- 
liche 5 
über das Münzrecht von 
Privaten 5 
Augsburg 217, 229j Schrift- 
steller 254 
Augsburger Münze 206 
Pfennige 10, A. 51 
Silbernuirk 206» 
Silberpfund 2001 
Augustalis, Münze K. Fried- 
richs II. 90, 90*, 138. A. II 
1 Auktionslisten 106* f 

> -Verzeichnisse von 
Summlungen 94* 
: Aurar (<_>r, Unze) Iii 
; Ausbauchung, schüsseiför- 
mige des Schnellings 2S 
Ausbeutemünzen 18, 201 



Digitized by Google 



Sachregister. 



2hl 



Ausdrücke : 

für den Feingehalt dos 
Silbers iu der gemischten 
Mark 111 
für Jetons 25, 2G 
heraldische 51 
Ausfall von Buchstaben auf 

Münzen 52 f. 
Ausgabe von Münzen, s. 

Prägung 
A usgabebücher des städti- 
schen Haushalts 188 
Aushätnmern <ler Münzzaine 

64, 112 
AuHlandfundc HO, 110*. 112 
Auslieferung d.Münzwesons 

an Private 82 
Ausmünzung, s. Prägung 
als Wandergewerbe 7Hj ÜL 
82, 122 
auf den Regensburger 

Schlag 2Dü 
fürReehnungPrivaterSl f. 
in der königlichen Pfalz 
84, 202, 214 
in Frankreich 78 f. 
in palatio 84, 202, 21i 
nach gemeinsamem Münz- 
fufs 212 f., 212 
nnterwertige 123 
von Reichstnünzen l£8 
Ausnutzung des Münzregals, [ 
finanzielle 166, 168, 210, j 
S 23 

in Frankreich 221 f. 
Ausprägung, s. auch Prägung 
im Abundlande 153 
von Goldgulden nach dem 
Florentiner Schlag und 
Fufs 242 
von Goldmünzen 167*. 

1%, 254. 
von Goldstücken durch K. 

Sigismund 212 f. 
von Münzen in. perindisch 
wechselndem Schrot 222 f. 
Ausrundling der TCcken des 

Schrödings 6_8_ 
Aussaigerung 113. s. auch 

Saigern 
Aufsengeld 15 
A ii fsere u ropai sehe Mü n zen 
3fi 

Änderungen d. Münzhuheit 
125 f. 

Australischer Goldharren 

ilnl 

Luüehin, N iniiiMnntik. 



Australisches Goldgeld 1 U)" 
Ausübung des Münzrechts j 

durch Städte 222 ff- 
Auswurfsmünze 2ü 
d A ve n e 1 , < i. 185, 187.216* 
Avers 43, 119, 120*. 

B. 

Babolon 4, 16» f., 145, 14£, 

186 
Babisci 132 

Baden, Gedenkkreuzer 20* 
Bagattini Iii 
Balancier ü5 

Balkanstaaten, Münzwesen 
251 

Bank von England 175 ; zu 

Peking 131* 
Bankozettol 233 
Bankwährung, Hamburger 

Barren: 64, 155 
-geld 138 ff., 140*. 145, 146 
-gold IM 
metall IM 

-silber 1J3, 1Ü7^ 170*. 222 
■verkehr 21 1 

> in Ostasion 141) 
-Währung 212 
-Zahlung 133 ff-, liiß 
Bartstenermarke , russische 

28, 302 
Basel 246» ; Bischöfe 68, 73. 
218*. 

Batzen 244, A. 1Ü2 

Bauer 9. 

Bange 138 ff. 

Bayern 32. 68, 74, IM 

Bayerische Stainmesherzoge 

202 ; Heinrich der Löwe 

24 

Bayerisches Münzwesen : 143 
Douceurdukaten 21* 
Gepräge 63, A. 34, 50, 51 
Geschichtstaler 2U1 
Münzstätten ÜÜ 
Pfennige IQ 
Zehner 121 
Zwanziger 121 

Bearbeitung v. Münzfunden 
Iii f. 

Becliler 23^, llfi 

Becker 1211 f. 
Münzen 132 

-sehe Fälschungen 130», 
A. 77. h2 



Beckersehe Stempel 123 f., 
132 

-sches > Rovers Duplex Re- 
flector Numisma« 104* 
Bcckiua n n 8 
Befeilen der Münzen 21 

der Münzränder 126 
Befugnis zur Errichtung 
einer Wechselbank 204* 
Beglaubigungsstempel 22 
BegTiff : 

der Münze 17, 125. 

der Numismatik l ff., 18. 
28 r 55, 101. 133 

der Zahlung 233 

dos Gehles 13 f., 134 
Behandlung : 

von MOnzfragen, interna- 
tionale 252 ff. 

von Münzfunden 41, § 14. 
Behelfe des Sammlers § 13 
Beigang 245* 

Beimengungen des Edel- 
metalls 64 

Beinamen der Herrscher GQ 

Beischläge beliebter Münzon 
169 f.. 251. A. 29, 32b, 22 

Beistempcl 43 

Beiwährung 166, HL 244. 
2452 

Beize H2 

Beizeichen 49,50*, 116, 119*. 

um 

Belagcrungsrafluzen 19, A. 4 

bleierne 21* 
Belehnung eines Bürgers zu 

Volkmerssen mitd. Münze 
dasei bst 2302 
Belgien 22, 38, 53, 602, 248. 
Belhäzy 19Ü 
Bellini 2 

Bencdiktspfenning 28, 302 
Benehmschere 64, 6Ji 
Benennung von Münzein- 
heiten 122 
Benevent 32, Triens des 
Fürsten Grimoald 197. 
A. 22 

Bereitung der Münze 2 
BergueM 22, 231 
-regal 223 
-silber 22li 
Ben:- und Miinzprivilegien 
für Bischof Heinrich von 
Meilsen und die Vögte 
von Plauen, Heinrich d A. 
und Heinrich d. .1. 167° 
11 



jd by Google 



Sachregister. 



Bcrgmannsches System zur | 
Anordnung von Münz- ; 
Sammlungen UM 

Bericht : 

der Genoraluni nzwardeiue 

von 1737 215*. 
des Rcichsmünznicisters 
Weinsberg an die Stadt 
Frankfurt ;2_L Marz 142*5) 
242. 242» 
des Wardeins Wolf Veyt- 
lein vom Jahre 141*6 164* | 
Ober Münzproben 182* 
Berlin 70, 231 
Berner .Münzrecht 212* 

Pfennige 140, A liü 
Berry , .Johann Hz. v. — 

Medaillcnsammler 1*2 
Beschauzeichen 28 
Beschaffenheit : 

der Münze, äufserc 31 ff. ! 
der Münzfunde lü9f., 1_LL 1 
IUI 

Beschickung des Edelmetalls ! 

des Tiegels 65 
Beschneiden derMünzrftnder 
126 

Beschränkungen der Münz- 
hoheit lÜßf. 

Beschreibung der Münze 3, 
31, 40, 42, 51, 104, S 15, 
181 

Beschreibzettel 105* 

Bestallungen : 

der Müuzbenmtcn 246 
des freien Münzergesindes 
216 

Bestandteile der Aulschrift 

der Münze 52 ff. 
Bestätigung : 

der Kochte der Stadt Bern 

durch Kaiser Friedrich II. 

(1218) 211 
des Münzrechtes von Pia- 

cenza 21 1, von Lucca 211 
Bestiniuiung : 

der Herkunft der Münze 

55, Uli 
der Münzen (i. a ) 47, 58, 

104, £ 15 
der Münzen nach der 

Mache derselben 116 
des absoluten Gewichts 

der Münzen 1'H 
des Alters der Münze 55^ 

llii 



Bestimmung : 

des Feingehalts «ler Münze 

113. 117, 151*. 151)», 16Ü ! 
des Münzfufses 5, 1 56, 
162, 178,182,183, 198,217 
des Münzgepräges 230 
des spezifischen Gewichts 

der Münzen 131 
eines Gegenstandes zum 
gesetzlichen Zahlungs- 
mittel 231 f. 
unbekannter Gepräge 3 
von Schrot und Korn der | 
Münze 230 
Bestimmungen über Münz- 
funde, gesetzliche 109» 
Betpfennig 28, 3Ü». 
Beurteilung von Münzfun- 
den Hill ff 
Beutel (ield, türkische Rcch- 

nungsmünze 151 
Betto, Münzmeister 82 
Bey schlag 211 
Bezeichnung : 

der Figur auf Münzen 11 1> 
derGrüfse der Münzen 118 . 
der Münze, 3 
der Münze , absonder- 
liche 61 
der Münzstätte durch 

Münzbuehstaben 60 
der Richtungen auf der , 

Münzflache llü 
des Barrengeldes in Fr- | 

künden 140 
des Feingehaltes der Mün- | 
zen 118, Iii 



des Gewichtes der Mün- j 

zen 118 
des in Zahlung gegebenen 
Silbers inFrkunden LUIT, j 
Bibliographien 11», 1A1 
Biel Bvel), Gabriel 6, 170. 

ill hü 

Bild der Münze, s. Münz- 
bild, Münzbeschreibung 

Bilder der Heiligen auf 
Münzen 4!>, 501 Hü 
verzerrte, A. 52^ 53 

Billin, Billon 33^35 
Münzen 'dl 

Bimetallisnius, s Doppel- 
währung 

Binnenycld 15 

Bir. herod 8, 10 

Bland, et 4^ 102, 1^3 

Blankenburg Brakteat, A 26 



Blarsgold 32, 33^ 61 

-münzen 32 f- 
I tlfttter f ür M ü nz verkau f 107» 
Blech 41^ münzen 38^ 41* f. 

der Bischöfe von Augs- 
burg und Worms II 

zweiseitige, bayerische 74* 
Blechschere 37, 64, 176 
Blei 34, 35 f., 163, -münzen 

35, 36*. 
Blindgeld 65 
Blockschrift 55 
Bode 113 
BogiiBcents 23* 
Böhmen 136^ 166, 175», 210». 
219. 223 

Herzoge: Boleslaus II. 53 
> HI. 53 
Suatopluk.A 113 
Könige: :i. a.l 1 74». 200 
Wenzel IV. 56, 168». 
Wratislaus 218» 
Premysliden 201) 
Böhmische Groschen 52, 1<>9, 

170». 174, 210 
Boiss Bovss) 1 
Bologna: Pfennige 140». 
230» 

B o n i t a s extrinseca 180 : 
intrinseca ISO IT., 215, 241 

Bonke 38, 31*1 

Bor n e in a n n 68*. 

Brnbant 12*. 
er File 150. • 

er Mtmzverhaltnisse 183 
Brabantische Goldstücke 172 
Brabantiseher Patard 4-t» 
Brakteaten li.u.) 10, 10f , 44, 
75, 76, 77, 173, 177* 
als Knopfülierzüge, Obla- 
ten, Teufelswerk erklärt 
12 

Blütezeit derselben 15 
Münzgerate zur Erzeugung 
16 f , a 63 

des » Jrafen Siegfried von 
Blankenburg A. 26 

Braunschwciücr A. 100. 
Uli 

aus Meifwen II 

der Äbtissin Beatrix von 
Quedlinburg 12 

der Bischöfe von Halber- 
stadt 12 

■ ler Mainzer Erzbischöfe 12 

der Thüringer Landgrafen 
72, A. Iii 



ed by Google 



Sachregister. 



Braktcaten : 

den Erzbischofs 



Konrad 



H r u c k in ii n n 9. 
Hrunümii! 110*. 



von Magdeburg 72, A. 5J. 
des Jnk/.a von Köpenick 

51 209, ->10». A. i!2 
mit teils erhabenem, teils 

vortief teui Gepräge 74*. 

A. 5ü 

mit hebräischer l'mschrift 
54, A ÜÜ 
mit Teilungsstrich A. Ql 
<l Münzmeisters Erdmann 
Velmar A. 69 
unechte, aus Seeländers 
Fabrik 122 
viereckige 38*^. A. 4S 
zerschnittene lfifi 
Brakteatenfunde 177* 
Brakteatenfnnd zu Horn 1 10* 
Brakteatenprägung 22 ff. 
Bnikteatensteinpel 76*. Ifif. 
Brand ML läü 

-silher LU* 
Brandenburg 221. 223, 221 
Brandenburger Gepräge 173, 
1111 

Brandenburgische Pfennige 



10. 



LiÜ: 



223 



Breverl 2*, 30^ A. 13 
Britanniametall 35 
Brokeuioney 166, I tili* 
Bronze 31, 70*. 76, 22 
Bronzemünzen 1Ü2 

falsche römische 124* 
Brotsatzungen , städtische 

187, 1S2*. 
Brückengeldmnrken 2S 



Brasilien, Goldbarren 
Brassage 21fi 
Braunschweig 74, 17;">*, 
LosermUnzen 32 
Losertaler der 1 [erzogt» 
Julius und Heinrich 
Julius 12 
marcao usualis argenti 
purae 142*, Münzmeister 
Breuer 128*. 
Stadt : Löwenpfeuu.ige23jL 

A B1Q 
ewiger Pfennig 231, A. lül 
Breitmünzen 74, A. 51. 55, 
51 

Bremen 1511*. 
Brenner, K. S 
Breslau 93, 126*. 
Breuer, Job. G , Münzmeister 



Brustbild auf Münzen 49. 50* 

Buchschrift 55, 52 

Buchstaben auf Münzen 52, 
M ff , 57, 60, 131 
verkehrte 20*. 
verschränkte 52 
-förmige Zierat A. 46. 

Buchstaben : Formen 55 ff. 
ungewohnte £2 
Verbindungen 57, 62 
Verschritnkungcn 02 

Bullae us, Bude 2 

Budolius, R. 7, 35, 245 
! Bulle, goldene BJ^ 21Ü 
[ B u 1 1 i o n 3Ji 

! Bund der Münzstatten im 
Bodenseegebiet (1 240) 251 
| Bürge n s i s , fortis Iii 
i Burgfriedsberainungen oder 
-bereitungen 27, Münzen 
22 

Burgund 198, 236 
Burgunderkönige IS 
Burgundische Lande 22 
Münzstätten 58 
! Bursarienzeichen 22, 23* 
Büsch 155, 253, 252*. 
Busse 216 

Bvzanz 32, 39, 55, 56, 100. 
Kaiser 32, 83, 138, ltni; 
Kupfermünzen 59*. 173*: 
Münzen überhaupt 53. 
100; Typus 45 ; Byzantius, 
i loldstück 32, A. 2Ü 

( . 

Cabiuot d'ignorance 102, 132 

Cadurci 51*. 

C a Ii n 175*. 210*. 

Cambium 204* 

Cambrai, B. Beter 62 f., 2411*. 

Cannnc 81 

Cappe 112*. 

Caratti 160, s. Kamt 

Carlin d'or 62 

Carli Rubbi 2 

Cattaro 66, A. 12 

Centime 12S, 253, centimos 
182. A. 9ii 

Chaise d'or 221 

Chülons sur Sanne, Münz- 
statte 8_i, 81*. 

Charte, la gründe «1« Bour- 
ues i Münzerrecht; HS 



Chevalier, M. 253*, 251 
Chile 36*^ 151, 151*. 2M 
China 34, 35, IUI 
Chinesen 3S, Iii 

Silberunzen 145 

Geldwesen 145 

Papiergeld 132 

Scheidemünzen 38 

.Silberkuchen 145 
Christliche Herrscher 58 
Civitas 80 
Congreve<lruck 121 * 
»Conterfetterc (Medailleur) 
25 

Corpus nuniornm 99*. 100, 

Italiae 103* 
Correnio 47 

Couron , Kechnungsmünze) 
154 

Covarruvias de Leiva 2 

Cromwelltaler 20*. 

Croor (indische Hechnungs- 
münze) 154 

Cuivre blanchi 39* 

C u i n out 1S3 

Cnrmissus, Münzmeister 12 

Cursus monetae major der 
Wiener Pfennige Hill 

Cypern 32 

Cyrillica (Schrift) 55, 52 
1>. 

Dänemark 35, 48, 76, 153*. 

Aufschrift der Münze 53 

Münzen 52 
Balberg, Johann v., 6 
Dannenberg 48, 120*, 1 7.'i* 

Kaisernlünzen 12 
Dareikos 126 
Darstellungen, bildliche : 

auf Münzen 42, 45, 12 ff. 

über das Münzwesen 5 
Datierung nach der minderen 

Zahl 52 
Denare 213* 

in der Lex Salica er- 
wähnte 156 
Denan 155, 160, 163, IM 
Denarii 213, 214*. 221, 223 
223*. 236, 239* 

an tili ui 23S* 

palatini 236 

veteres (U), 238* 

Deniers 1611 164, 224 , 225 

touruois 225 
Denga von Pskow A. 32 

n* 



jd by Google 



260 

Penkniale, münzähnliche 4 
Denkmünze 3 f , 10, 17, 1H, ; 

20», 24, 25, 30^, A 1 
DenkpfenniK 25 
Deutsche Aufschrift auf 

Münzen 53, 54T, A. ü5 j 

Prakteaten 8, 113 
— 1 

Dichtmünzen 17:i 

Form der Oberlnijrnns den 

Münzbetriebes am ein« 

Mehrzahl von Personen, 

HauKtfenoKHcn 86 
< iepräfre deK IL.lnhrh. 4Ü*. 
Goldmünzen 161 * 
Kaisennünzen 90* 
M ünzforschertane 108,10«* 
Münz^attunneii I 
Münzstätten 162*. 210». 

219 

Privatmedaiile 20* 
Kcchnuniismünzen 155* 
Schrift öl 
Deutscher Münzbund (1857) 

Deutsches 2 Markstück IM 
Deutsches Reich 2*'), 27, 28, 
37, 4JL fti^ 08, 50, 61, 02, j 

TOj 7f»a ^ HL llÜi USL 
133, 13.'». i:^«>, 142, 151", 
153», 157, 158. 151)*, 160. 

i<;:], i6<», ir,4, ir.8, 169, 

170, 182», 18.1, 194, 198, 
20C», 217, 223, 221, 225, 
229, 230, 233, 23^ 239. 
210. 241, 242, 243, 244, 
251. 253 
Kaiser: Friedrich 11. 138. 
A. iL 12. 
Heinrich IV, 12 
V. 12 
Karl IV. 9J. 
Maximilian L 12. 
Ott. .neu 90, 198, 
199. 217. 237, 
A. Iü 
Staufer 87, 25J. 
I leutschlaml , s. Dculsches 
Ueich 

Dezimalpfennii:»' 1 .'14* 
Dcz.iinalsvste.in 1 ")■"» , 153*. 
Hill 

1 m'hlrnünzen LLt 45, JjL Iii 
mit teils erhabenem, teils 
vertieftem Gepräge 74 c 

Dicht pfenui^e 177" 

Im. ke 

.ler Mcdsullen 4J 



Sachregister. 

1 »icke : 

der münzidinlichen Ge- 
präge Ii 

der Münze 20, 40, ITH? 

des Schrödings 39^ 116 
Dicken pennincs 2ü 
Dickmünzen 20, 40, 42*. 6J. 
I Mdrachmcn Sehrotlinire 66* 
Ditferents 58. 59», 226* 
Dinar 36 
Dinkclshühl 222. 
Distributionen in plumbo 22 
Dobia de la Vanda 39^ 411*. 
Dobia, narhcouiünzte A. 29 

Doli im. 

Dollar (ioloide lf»9* 
10-Dollarstüeke der Königin 

Liliuokalani 'Hawaii} L2Ü 
Domulfus, Münzmeister 81 
Donna • Seni 3ü 
Doppelkreuz 50, A 23 
Dnppflkrcuzclien 58 
Doppelschlajz 44, 44», 70 
Doppelwährung Uli ff., 152» 
Doppelte Umschrift A. 33 
Dorestat, Duerstadt (heute 

Wyk bei Duerstcde; «3», 

198 

Double moutoii 173» 
Drachmen 218; 

von Chios 51 ' 
Drittelslücke, uuTovinjjiscbe 

Triens 61 
Du Ca 11 je 217* 
Dueato im 
Din ato di Dane«) 1 56» 
Dukaten 3J, 41L 175 1> 

vierfache bis zehnfache IÜ 

zwanzi'jfache Iii 

hundertfache 39. 

venezianische A. 28. 
Nürnberg A 21 
Dukntcnkahinett 9. 
Dukatenwa^en 175 
Duo. Iczimalpl'eun'me 154* 
Diiodczimalsvstcm 153, 153*. 

1M1 

Dupre, Gniihitime, französi- 
scher Medailleur U f. 
I »urchloclicrn der Münze 

175. J_l^_ 
I hirchmesser : 

der uniiizahnüeheri Ge 

pm-e 11 
der Medaillen 40, 4_L 12 
der M 11 uze :;9 1'.. »>'.». '.*7 T 17.". 
der 1'lentiiL'«' 12 



Durchschlag iü 
! Durchschla^Heisen 172 
Durchschnittsgewicht der 
Münzen 41_, 113^ 114. 
114' , 161. 162* 
I Durehschnittsprobe 163 



EhebcrK 12^ 2lll». 203. 203». 

204, 20f>», 207, 218. 219 
Khrpfenni<re 25, 30* 
Eignung' der Metalle zu 

Gehl/wecken 3L Iii 
Einengung des Münzerneue 

runpsrechts 229 
Einführung der P.rakteaten 

72 f. 

des Dezimalsystems im 
französ. Münzwesen UtO 
Einhebung d. Sehlapschalzest 
als Verkehrssteuer 221 
I Echternach 205, '»na* 

E c k h e 1 10, i!Ü 
1 Ecu d or 156* 
Edelmetall 3_b, 35, 4J_. 64, 65, 
6<2, 139, 140, 144, 149. 
150, 155, 156, 159, 16t>. 
169, 18L 190, 212. 213, 
215, 216. 216*. 225. 226. 
235. 236, 247*. s. auch 
(iold, Silber 
legiertes 236 
unireinünztes 3H, 238 
| Edehnetallbarren IAL 
in Drahtforui 145 
Edelmetallpratunp für Rech- 
nnn^ von Privaten, freit? 
1SQ*. 

Edelmetall Vorrat in Europa 
21Ii 

Edelrost 102, 128, 129*. IUI 
Edictum Pistense von Pitres, 

Pistcs s± 85, 214. 214-. 

23Ü 
Eyer üü 

l'.iiilals/.eichen 28. 
Einlösung des Silbers 8ü 

-spreis von Münzen 226 
Hinnahmen aus der Münze, 

s. Münzte winn 
Einordtiuiip der Münzen 

101, 115 
Einrielittnijr : 

der Miinzkasten 103 f. 
des Münzbetriebes ^ 11, im 
s]»aleren .Mittelalter S5 ff. 



Digitized by Google 



Sachregister. 



2ül 



Einrichtung von Laden- 
Sammlungen 1Ü3 f. 
\onSchausammlungenl04 
Einrichtungen , münzpoliti- 
sche, im Mittelalter U3 ff. 
zur Erleichterung «lfr An- 
lage von Sammlungen 105 
Einschlagen von Punzen fiüf. 
Einschnitt der Münze Uäf. 
Einschränkung des Satzes: 
»Der Heller gilt nur dort, 
wo er geschlafen ist < 239 
Einstempelprag ung = Brak- 

te atenpriigung 
Einteilung : 

dertiewichtsinark 1 10. 155, 

157, Ulli 
<ler Medaillen ÜÜ 
der Münzgesehichte 2 f. 
der Münzkunde 2 f. 
der Sammlungen nach 

ihrem Inhalt Ütif. 
dos Münzwertes IfiQ f . 
des Wertinafsstnbcs 195 
der Münzvertnlge 247 ff. 
Einzelfunde Ulli 

-gewicht von Münzen 41j 
65, 113, 114*. 162. Ifi2» 
•justierung der Sehrotlinge 

65, 161. lf,>» 
-wagung der Münzen liil 
Einziehung der Münze II 
Eisen 35, 70^ II 

Prägestempel) 70, 72*. 7G, 
kurze 221 
Eisengeld: 35, Ml 
geschmiedetes 35 
-graber 6^ 6j^7jL, 7j^88, LIÜ 
•gufs 31J 
■h fiter St», 

•Schneider — Eisengraher 
-Schneider Erzhischof. Adal- 
berts II. von Mainz 7J. 
-stücke, rolie 35 
Elektron 32, 146, 
Elcctrum = Elektronmün- 

zen 33* 
Eligius, hl. (Münzmeister 

8_L 82, 83, 21JL 21Ü 
Elle 135, I3ji 
Elsasser Gepräge üfci 
Elze 113. 

Embleme auf mittelalter- 
lichen Münzen 4ü 
auf Münzen ül 

Serrure 4V, IL, 99, 
100, mi 



England 21^ 3j^ 36, 50, 153». 
15L 160, JGi 160*. 222». 

Könige : 217 

Edward L 111*, 12S 
> II. III* 

Johann ohne l,and 138 
Englische Kolonien 21 
Krone 222* 
Münzen 10, *8 
Souvereigns 127» 
Sierlinge 47, 169, 210 
Pfund Sterling lää 
Entwertung der Rargeld- 
bestande als Folge <ler 
Münzverrufungen 221, 
222. 224 
Entwicklung der Hausgenos- 
sen tsfi f. 
des Geldwesens 133 
des Münzwesens 133. 
Ephraim 125 

Ephraimiten 125, 125». III 
Erdichtungen von Falsch- 
münzern 12h* 
Erfurt 72, 221 
Erfurter Münzrecht 146, 115 
Erhaltungszustand d. Münze 
III 

Erhaltuniisgriide der Münze 
U£l 

Erhebung der villa Auweiler 
zur Reichsstadt (1219 211 
Erkennen der Münze Iii 
Erkennungsmerkmale , ge- 

heime 158 
Erkennungszeichen d.'M ünz- 
statten 60, ?*»» 
zur Empfangnahme einer 
Leistung 177» 
Ermittehmg der Kaufkraft 
des Ueldes lü3.ff. 
auf breiter Grundluge Üü 
der Münzgrofse 104 
des Alters von Miinz- 

sehützen 112 
des Kurswertes der Münze 
1Ü2 f., Mi 

des Mctallwcrts der Münze 

1M1 f., 1*5 
<les Münzgewichtes 113* 
des .Vennwertes der Münze 

181. IM 
desTauschwertes d. Münze 

IM ff. 

Erprobung der Münzstempel 
2L! 



Errichtung der kaiserl. M ünz- 
statte in Aachen durch 
Friedrich L '1166) 212». 
2201 

Ersatz der Siglen bei Münz- 
beschreibungen durch ein 
einfaches Hild 118. 118 f.» 

Ersatzmittel des Geldes 2, 
münzahn liehe 4. 

ErHcheinung der Miinze, 
aufsere (i. a. 2, 39. 66, 
67, 116, 123, P2L 2Üü 

Ertrag der Münze, s. Miinz- 
gewinn 

Ertrag der periodischen 
Münzverrufungen 219. f., 
220 f.» 

Erwerb des Goldpragerechts 
durch Frankfurt a. M 240, 
Lübeck 231^ 24Ü 
von Münzen zur Anlage 
einer Sammlung 108 IT. 

Erze Ü4 

Erze u g n i sse , bra k t ea t e n f o r ■ 

mige I5_ 
Erzeugung der Buchstaben 
und Münzbilder im Münz- 
stempel 6il 
der Münze, h. Herstellung 
der Miinze 
Eschen, .Münzgewicht 1 5 S 
Essai (Münzprobe) 20, 211 
Efslinger Weichsmünzord- 
nung (1524) 168, 2JJ1 
Estalen, etalon 20, 21^ s. 
Suhl 

Europa 34, 56, 60, 8(K. Vi>\ 

145. 153, 215 
Europaische Münzen 9Ji 
Exagium 20, 211 
Exactor auri argenti et 

aeris IS 
Eyrir (Unze; 151 

F. 

Fabrik der Münze (la fabri- 

«pie'j liil 
Fnchausdrücke in «ler Münz- 
beschreibung 1 1 9, 1 21 » 
-Zeitschriften, numismati- 
sche 11 
Fatmza 36, 138 
Kalkenstcin, Rrakteaten 61 
Falscherindustrie 1 30 
Falschmünzer 81, 102, 122 f , 
12ii 



)d by Google 



2Ü2 



Sachregister. 



Falschmünzer : 
-crze unnisse IUI t 
-werkstatte in Ägypten, 
antike 127*. zu Genf 1221 
Falschmünzerei, Falschmün- 
mhik Mx f., 124*. 

126, 126* f.. 2J4 
Fälschungen Luigi Cigois 

130*. 132» 
Famars (Münzstätte) 821 
Farbe der Münze 6Ji 

de« Metalls Uli 
Fehlergrenzen beim Fein- 
gelullt derMünzen 161,163 
beim Gewicht der Münzen 
IM 

Fehlerquellen bei Gewichts- 
und Feingehalt ubestini- 
inunuen 182, 182» 

Fehlschlage 11 

Feilstriche auf «lein Münz- 
rand 11 

Feinbrennon des Silbers 85 
einer Mark Melallgeiniseh 
151» 

Feingehalt der Münzen 20, 

33,64., 79, 145, 1J9, 151, 

156, 15(3' , 159», 163. 1C4». 

165, 16». 172», 1%, 213. 

218», 221, 226, 2Ü1 
der Silbermark 141 
der Silberinüiizen ilÜ 
des Silbern 142, 159, 160 
von Gold 159, 160 
Feingehaltshestätigung 12 
FeingehaltsbeHtirnmungcn 

auf Münzen 182 
Feingehalts! lezeichnung 

öjoiZoi — purum 60 
Feingehnltsptobe 172. 176. 

182, 220*. 221» 
Feingewicht 123, 1*0. f., 190, 

195, 206, 220, 224, 225, 

23.?, 243, 244 
Feingold 32, 82, 151. 155, 

237. 253», 254 " 
Feinmetall 156, 163,214. 23j 
Feinsilber 84, 102, 135, 137, 

141. 141», 143, 143», 151, 

153», 155, 163, 166, 181. 

188. IUP, l'.ll», 220. 220». 

221. 22Ü 
Feld der Münze Münzl'cld 

43, 50—52 
Feldmünzen lü 
Felle als Münzen 137 
Fe II -cid 137 



Fellgeld 

in Skandinavien 137* 
Ferto 140 

Festsetzung den Schlag- 

Hrhut7.es 207 
Feststellung des Prägestem- 
pels 2Ü 
der Wahrung lfili 
des ( »ewicht HHyHtem« 156 | 
Fiesehi 42 

Figuren auf Münzen 42, 113 i 
linkscitige Iii» 
rechtseitige 119 
wappenahnlicho ßü 
auf Punzen <i9_ 
F i n a ner 2 
Finnland 13JI 
Firdung 140 
! Flachrelief 44, -schnitt 73, 7ü 
! Flandern läS 
Florenz 24, 16Q 
Goldgulden 47, 170. 183. 
240 

[ Guldengepnige 125* 

Münzer 8ii 
j Münzfufs 21Ü 

Münzmeister 8_ü*. 
' Florez S 
Florin ±21 

Florin, St., Kloster zu Kob- 
lenz 8Ji*. 
Focagiuni 228, 22Ü f.* 
Folgen des ewigen Pfennigs : 
232 f. 

Form der Münze 21, 31, 3J_ff., i 
42. 195, ungewöhnliche 
Üü 

des Schrödings 2DU 
Formen der Übertragung des 
Münzbetriebes an eine 
Mehrzahl von Personen 
86 f. 

Formeln zur Berechnung des 
zweekmülsigMten Durch- 
messers 4Ü 
Forzetta, Münzsammler 9Ü 
Fosdinovo A. 1»2 
! Franc a cheval ü2 
Frank, Frankenwahrung 148, 
153, 153». 154», 254. von 
Cattaro. Not münze liü 
Franken 1ÜQ 

Statnmesherzoge 202* 
Kranki-nrci. h >^2, 93»^ 15Ji 
östliches 2Q2 
westliches 198, 199, 2li2 
Könige <d_, 81, 197, 2111 



Franken reich : 

Theodebert I , 56, 1%, 197, 
198. A. 67, h. auch Ka 
rolinger, Merowinger 
Frankfurt a. M. 211 
Frankfurter Juden pfennige 
1211 
Münze 242 
Frankische Goldmünzen 79, 

21a 

Frankiseher Münzvertrag 
(1441) 21Ü 

Frankreich 20, 21, 22, 2Ü, 
26, 27, 32, 33, 34, 36, 43, 
60, 79*, 86. 88, Iii 
149. 153, 154», 157. 160, 
164. 170. 178*. 180*. 182* . 
198. 199, 216». 219, 228. 
23Ü». 248. 253 
Könige 53, 217, 221 
Johann II. der Gute 62 f., 
138 

Karl V. 125*. 
Ludwin IX. 138, 139». 198 
Napoleon 1 15Ji f.» — III. 
A. lü 

Franzosen 5_ü 

Französische Aufschrift auf 
Münzen ä3_ 
Harone 5ü 

Gepriige 240, A. 4_L 21 
Goldmünzen 151, 224. 225 
Münzbezeichnungen £1 
Münzeinheit 24h 
Münzer 20, Odl 
Münzkonvention 1 92* 
Münzsammlungen 96» 
Münzstatten &Ü 
8iibcrmünzen 224, 225 
Tnrnosen 47, 224, 2JO 
Vorbilder 240 

Französischer Münzfufs t>54 

Französisches Gewicht 1 R8 

Freiberg 175» 

Freiburg, Kanton 21 

Freigabe der Prägung lf>l» 

Friaul 32 

Fried bcrg.Kipperzwolfer A76 
Friedensburg 162 
Friedenskreuzer l>s 
Friedla n der, J., 120^, 1Q2* 
Fries (AVollzeug i als Gehl I3_ä 

eilen 135, 13J 
Friesach, Pfennige 1 12. 247. 

248 

Friesack , Gcmoinschafts- 
münzc 249* 



Digitized by Google 



Sachregister. 



203 



Friese, Tileiimnn 7, 92, 160 
Frieden, Münzwcson der - 

135, IM 
Friesland 32, 123*. 
Fuchsmagen, Dr. J. 91* 
Fulger 86* 

Fnndbeschreibungen LU> 

St Gallen, Schweiz 73, A ifi 
Gallien 8Q 
Galmei 3j> 
Ganle de com* 8Ji 
Gebäudeformen auf Münzen 
all 

Gebilde, uninzähnliche 2, 3, 
18, 28, Ü5 
<les Mittelalters 22 
der neueren Zeit 93». 
Gedächtnisinünzcn = Denk- 
münzen 
•pfennige 2S 
Gedenkgroschen 2?)* 
Gedenkkreuzer 22». 
Gedenkpfennige 21 
Gedenktaler Hill 
Gegenstand «1er Geldge- 
schichte t; 1 
der Münzgeschichte 2 f. 
der Münzkunde § 1 
des Buches 3 f. 
des gesetzlichen Zahlungs- 
mittels 125 
des Wertmafsstabes 195 

G cge n stände , m ü nzah n 1 i ch e 
36 

( iegcnstcmpel A. 22, 25 
Geld (i. u. 2, 20». tj 4 T 36. 
81, 87, 10:>, 109, 111, 112, 
134, 134», 14f>, 195, 204, 
233, 239. 240», 242 

als allgemeines Tausch- 
mittcl 234 

als gesetzliches Zahlungs- 
mittel 234. 231», 247* 

als Wertauf hewahrungs- 
mittel 23.4 

als Wcrtmafsstab 234 

als Werttrager 231 

idealisches 155, 156*, 253» 

in Siam 38. 

unterwichtiges 222 

verrufenes 1 75 

vollwichtiges 214 
Geldarten 2, 216», 221 

die nicht Münze sind $ 18. 



Geldeigenschaft eines Ge- 
genstandes 17, 24, 25, 
134, 165, 195, 2jfi 

Geldeinheiten IHt 

Geldfund 11Ü 

Geldgeschichte 101, 13311. 

Geldhandel IM 

Geldhändler 145, 152 

Gcldkunde 133 

Geltlmarken 21 f., 23». 28, 3ü 

Geklrollen 3£ 

GeldstnlTe 15, 31 

Geldstücke, grüfste cler Welt 

Geldsurrogate 4, 18, 21, 22, 
24, 22 

Geldsystem 152, 164, 164» 
Geld Verhältnisse im oberen 
Kheiutal 242 

in der Schweiz 242 

in Schwal>en 252 
Geldwechsel öl 
Geldwesen auf den Inseln 

des Stillen Ozeans 17* 

im Elsafs 2J9 
Geldzeichen aus Glas 3Ü 

aus Porzellan 3_£ 
1 Geldzweck 24, 28, 3_L 123 
Geldersche Rechenkammer 

i Gel.tt DU, IM. 

i Gomeinsehaftsinünzen 24Hf., 

249'. 250, 251*. A. 104 

bis lül 

fnigliche 250 f., 252?. 
i Genealogie 5, 46 
j Genf 153 

i (ieufer Prägungen von 1794 
1 :'»:!* 

Warenmessen 155 
Genua, Gepräge 208 
Georgstaler, gegossener 131 
Gepräge 6, 9, 20^ 25, 31, 
•iiL «iL 10, § 7, 45, 46, 4L 
48, 49, 54, 55, 61, 74, 
74», 79, 81, 90, 96, 97, 
99». 104. 114. 171, 172. 
173, 196, 213, 251 
abendländisches 55. 
abgewürdigtes 236 
altes 143 

aus der Kipperzeit 124 

ans der Regierung eines 
Münzherrn üfi 

aus der Zeit der französi- 
schen Revolution 9.6 

der Memwinger 32 



Gepräge : 
der neuen Zeit 96, Hl, 112 
der neueren Zeit 60, 93». 

99, 100, LH 
der neuesten Zeit 96, 22 
der Neuguinea - Kompa- 



gnie 



der oberitalienisch. Münz- 
herren 48» 

iles Altertums 9Ji 

des frühen Mittelalters in 
den germanischen Rei- 
chen 45 

des Kasinger Münzfundes 
7Ä 

des Münzstempels 72. 

des Rakwitzer Münzfun- 
des 73, A. 45, 46, 23 

des Steckborner Münz- 
fundes 68, 

erstarrtes 48 

Kuropas, abendländisches 
92 

falsches 115 

gemeinsames 248 f. 

karolingisch.es 51 

kleinste A. 21 

medaillenartiges 21 

müuzähnliehcs 4, 41, 101 

nachgebildetes antikes 129 

nachgebildetes mittelalter- 
liches 122 

nicht probelialtiges 175 

scbriftloses 42 

spätkarolingisches , von 
Chateau Chinon 42 

spatmittelaltcrliches 100 

stummes 42, 116 

unbekanntes 3 

unechtes von Hanau 130» 

unvollständiges 62 
Verschiedenheiten 1 14 

vertragsmäßiges 248 

verwischtes 103* 

verzerrtes U 

wechselndes 61 

zweisprachiges 51 
Gerichtsverhandlungen 81 
Germanen 131] 
Geschäftsbuch der Regens- 
burger Kaufleute Rutin- 
ger 177 : ' 
Gesehenkinünzen 19_, 21*, 

31 f. 
Geschichte : 

der Getreidepreise D7 

der Metalle 131 



jd by Google 



204 



Sachregister. 



Geschichte : 

der Münzzaino II 

der Münzhoheit hei <len 
Karolingern 1 08 f. . bei 
«len Merowingern 198 

«ler Münzhoheit im Alter- 
tum 197, in heutschland 
!1!3I, in Krankreich IM 

«ler Preise 181*. 185. 186, 
188. ISO. 

«ler Werte 180* 

des Goldguldcns als Lan- 
desmü nze 211, in Dcutsch- 
lan.l 2iüf. 

des Tiu-dohns lfil 
Geschichtstaler 18, 20» 
Gesellschaften , numismati- 
sche 108, 108*. 110, 120 

zu Berlin 108' 
Gesetze Ober «las .Münzwesen 
IM 

Gestalt : der Münze 2, § 6, 
12G. 171, 172 
«ler Prägestempel 70 
der Punzen üä 
des Schrödings 36, Hü 
münzförmige 2ü 
Getrankcstcuer 22S, 216 
Getreidepreis 187* 

als Mafsstab für die Kauf- 
kraft des Geldes 185, 191 
Geusen 48, PJjV; A 211 
Gewan«hn:irk 130 
Gewicht, absolutes 1 50 
der Mark 1:'>7 
der Medaillen 11 
«ler münzahnlichcii (ie- 

pragc 11 
der Münze 31, $ 0, 73, 
II«), 117. 131, 1 15, 156», 
IGT). 173», 174, 181 225», 

23«; 

der Silhermark 140, Hl 

verjüngtes 150 
Gewichtseinheit 157, 164, 176 
Gcwiehtscinleilnngen 140 
Gewichtsmark Silber 1 10 
Gewichtspfun«! 113» , 140, 

Gew iebtsprobe 172 
GewirliiMKyjjieiii 161 
Gewinn «,ler.\ u*niün/,ung 230, 

s. Münzgcwinn 
Gewinnung «ler Scbrotlirnje 

Üi t . 
f i i c r k u ST 1 ' 1 

GielVeu d«-r Münzzaine üä 



! Gierser ÖS 
j Gigliato, A. 40 
i Gittelde 53, 6J 
» ilasmalereien mit Abbildun- 
gen von Münzern Ii 
<! lockengut 34. 
Gna«Ienmittcl, Münzen als — : 

28, -pfenni»e 25, 30*. 
Göhl 32 f., 35, 42, 06, 67, 
82, 10G. 130. 148, 149, 
150, 151», 152»,. 154, 155, : 
158, 100, 107^ 172, 180, ; 
1S5. 190, 106, 212, 213. 
224. 225, 22G, 230», 235», 
240, 213 
legiertes 32 
J ( ioldbarren 00 f., 82, 251 
j Goldbrakteaten von Athen 
74» 

Goldbullen 15 

«ehl Hü 

-gewicht 157» 
i gülden 32 f.. 1G7, 1G9. 183, 
185. 201, 241», 254, A. SO , 

•kabinett 111 

-kröne 18ü 

legierung 33, Uli 

-mark l*iQ 

-medaillen 0_2 
münzchen für Anerken- 
nungszinse 14G, 140» 

•münzen 32, 33, 39, 62, 
GG», 12G, 140, .lös, 1G0, 
IGT, 100, 2m, 213, 236, 
240. 241. 243. 251 

-münzen, antike 1G2 

-münzen, unechte, der alt- 
serbischen Herrscher 
Urosih, Milutin, Lazar 

m 

i in Barrcnforin 3S 
| münzung des romischen 
Kaiserreichs 32. 

-pnigung 32, S3^ 1G7, 1G9. 
19G, 211Ü 

■prairung in den germani- 
schen Beichen derGoten, 
Burgurnier u. r ranken 32 

-probe 160 

■sammluiiL'cii 90 
Schillinge 213*. 235 

schmied 75, TG, S2, 1 40, 
Uli 

•hkudo 151 

-soüdns 32 

stucke des FrunkcnkttnigK 
Tbeodebert 50, S3 



Gold : 

-stücke, erdichtete, alt- 
serbische 128* 

-stücke, probehaltige 230 

-stücke, von «len Mormo- 
nen ausgegebene 23* 

■tropfen 3fi 

-Währung IIS, 150, 150». läl 
G ol«last v. Hai mensf e ld, 

Melchior G^ I 
Görlitz; Pfennige 5ji f. 
G«"»rz: Gepräge >>0 
Goslar : 220. ( ?e; .rUge 72, A.62 
Gotenkönige 7_ä, gotische 

Schrift 51 
Grabstichel 45, G0, 12s, 122 
»Grammer < , Münzbezeieh- 

nunu) 253* 
Grün Gewicht 33, 1 00 
Gruin ((iewicht) 1 58, 100 
Grands blaues ä 1 etoile 220 s 
Grani 100 

Grazor Münzstatte 158. 21Ü 

Pfennige 241» 
(ireshamsches Gesetz 21 5, 
2 IG» 

Griechenland 24 S 254 
Griechische Aufschrift der 

Münze 53, äG 
Buchstaben auf Münzen 

55, 5J» 

Münzen 74^ 92, 100, 1U5, 
140 

Grimoald, Fürst von Ben«.* 

vent 107, A. 22 
Griwna, russische Münze in 

Silber, in kuny Pelz 

geld) 131 
G n"t ni n ir, .1. 8. 
Gnischel 245» 

G roschen 100, 153, 102, 166, 

A. 22, 33 
tiroschimgrofse 1 18 
Groschenkabinett 0, ÜB 
Groschenpragung 1GG, 1 72, 

200 

(.iriifse der Münze 2, 3l_, £ iL 
97, 117, 172, 173», 181,243 
der Münzeinheit 172 
«ler Münzgattungen 121 
des Schrödings 11^ 2üG_ 
des Wertmal'sstabes 195 

Grofsgold 12G 

Grolsgold pnigung 100 

Grofsniunn, Tb. 122 

Grosso 151. 1 55 

Grofsilber 100. 



Digitized by Google 



Sachregister. 



< irofsilberpragung 196 
Grossus 61 
fortis 181 
l'rageiisis 181 
Grote, Hermann 10, KV*, 
40, 46, 59^, 62^ 08, 99, 
ot*. im 10L 117». 110*. 

KjO, IW, 159*. 
18», 200*. 202*. 253*. 251 
Grünau, Konrad v. , Chro- 
nist Iii 

Grundblätter , CJrundzettel 

Ulf., IIa 
Gritsch 154 

Gulden ITkJ, 185^ 241, 241*. 
242. 243. 244, 215*. 249 
falsche, in den Nieder- 
landen 6 
20(;iildenfu[w 218 
Guldengroschen 39, A. IS. 
-ka bin ett 2 
•münze 241 
-preis 246* 

-Stempel HL 12A 125j 121 

•Wahrung 148 
Gummi-Token 36" 
Gute 65, 66, 87, 126, 163, 178 

der tSchrotlintio 66, H6' 
Gufsbercchnungen dor Wie- 
ner Münzstätte 217 

formen HG, GJL GR» 

•könige 142*. 144 

kuchen 139, HS 

•niedaillen 35, 42. 

-medaillcn des Viktor Pi- 
nn nun 2ä 

-teefmik L3Ü 
Güte der Münze, innere, 
s. innerer Wert der Münze 

II. 

Hacksilber 139, 140, 144, 



A lä 

-fund 110*. 130. 140*. 176 
Ilainhofer, l'hil. 26 
Ilakon, Jarl 37, 2S*. 
Ilalbbnikteaten 13 
•mark 157, 157* 
-medol 158. 159 
-pfund 241* 
-siliqucn 156 
Halberstadt 72, 15 

Bischöfe: Bernhard Z2 
Budolf 72 
Ulrich Ii 
Zicrbrakteat im Domschatz 
A, 61 



Halblinke 61, 111, 153, 166. 

166*. A 52 
Halfpennies, kupferne 21 
Halke TJi 
Haller 8, 211 
Hamburg 229 
Hamburger Hank 155 
Hamburger Hanktaler 155, 

156*. 253*. 
Hamburger Bankwahrung 
155. 155*. 
(ioldgulden A. 82 
Hammel pragung ID. f. 

-spuren 6ü 
Handbuch der Münzkunde 
des Mittelalters und der 
neuern Zeit von Engel- 
Serrure lfiü 
für Kaufleute 6, 13*. 1£2 
numismatisches 7, 22 
Handel nach dem Orient 170 
Handel nach der Levante 
170* 

Handelshneh des Michael 
Srberbanf 183, s. auch 
Hauptbuch 
Handelsgesellschaften : 
offene SJ] 
privilegierte 21 
gewichte H, 157 
-münze 2L, 23*^ 8b, 144, 
147. 151. 153*. i; 23, 174, 
232, 232 
-münze im Mittelalter240 f. 
Handhabung der Münz- 
polizei 178 f. 
Hannover 229 
Harten der Stempel Ü2 
Hart, belgischer Medailleur 
42 

Hartgeld 18. 8_L 244 

als Zahlungsmittel 244 f. 

Harz 58^ 72-74 

Hauberg, 1*. 88. 

Hauptbuch des Begensbur- 
ger Kaufmanns und Mün- 
zers Matthäus Kuntinger | 
182* 

Hauptseite der Münze 43, 

119, 1 •-><)' 
Hausgenossen 8Ü f., 87^, 88, 1 
17h f.. IS»*. 229,230^246 
zu Lrfurt 87*. 
zu Goslar S7^ 209» 
zu Mainz 87* 
zu Öhringen 87* 



zu 



Wien 161*. 227 



Hausgenossen zu Worms 87, 

87*. 209*. 223*. 
Hawaii. 5-Centstücke 128 
Hebrilische Aufschrift auf 

Münzen 54, 156 
Hebriiische Buchstaben auf 

Münzen 54, 55 
Hebräische Umschrift auf 

Münzen 146, A. 38 
Heck, l'h, 2141 
Heckmünzo 179^ 214^ 251* 

Pfennig 12 
Heckmünzer 250 
Heidelberger Goldschmiede- 
ordnung 1563), 177* 
Heimatfund 110, 110* 
Heiratwwappen 25ü 
Heller 68, 114, 153, 158, 162, 

174, 181. 209. 243. 244 
»(Der) Heller gilt nur dort, 

wo er geschlagen ist < 47. 

166, 231 ff., 242, 244, 251 
Heraldik 5^ 46. 50, 119 
Herdsteuer 22H 
Herkunft: der Gepräge 21 
der Münze 62, 117^ 122 
der Münzfundstücke 110 
Herold 9, 22 
Herrgott S 
Herrscbeiiiguren 15 

•titel auf Münzen ßi} 
Herstellung der Bmkteateu 

12 ff. 

der Dichtmünzen 61 11. 
dor Münze 59, Ül ff., 164, 

171, 172, 195, 197, 210 
der Münzstempel 69f,, 70*, 

8fi 

Hefs, Johann (Münzsamm- 
ler 91* 

Hessen, Landgraf Ludwig II.- 
<troschen, A. 22 

Ilevellerfürst I'ribislaw 209, 
210 

Hildebrand, Hieb. 161 

Hildesheimer Medaillen 29* 

Hilfswerke des Sammlers 
104, 116, im 

Hilfswissenschaften der Nu- 
mismatik § 2 

Hi Niger, B. 113*. 159». 
214*. 217 

Hirsch, i Chr. 9, lfi2 

Hochburgund 13 

Hochmeister des .lohannitcr- 
ordens auf Bhodus 53 f. 

Hochrelief 11 



Sachregister. 



Hoffmann 184*. 185 
Höfken v. Iii 
IIoheit*rechte 193, IM 
Hohlmünzen, s. Brakteaten 
Hohlpfcunig 75, A GO 
Holzschlcyel als Münzgerüt 

±± 

Holzschnitte mit Münzen 6, 
Ii 

Holzstempel 76, U 

HonoriniiH, Münzmeister I9_ 

liora = l.'nxe 151 

II 6 u w e I i n g o n , K. v. 2 

hud (Haut IM 

Huinc, I). Iii? 

Huttichius, Jo. & 

L 

Ibrahim ihn Jakuh 136, 136* 
Imperiales 1-10 
Indien 34, 152? 
Indische Ucchnungsmünzen 
155*. 

Indische Silbcikuchen 1 15 
Ingolstikdter Pfennige 241* 
Initialen der sog. Hufsbibel 

mit Mi'inzerdursteltungen 

IM 

Inhindsmünze 1 SO 

Innovationen monetae 218 

Inschrift: 52 f., 51 
kreuzförmige 52 

Interiuismünzo 216 

Inventar m Münzhauses 78* 

Iri.Hche Sterlingc 11 

Irland, Könige 53 

Isardukaten 15 

Island, ( ieldwesen l.'>r» 

Italien 28, 32, CO, 62, 88, 
31. 97, 115, 143, 157, 160, 
164. 182*. 238, 218 

Italiener 1£<2 

Italienische Aufschrift auf 
Münzen 53 f., A. 3li 

ItalicnischeBcischlage durch 
die Tassurolo, Fosdinovo, 
Torreglia usw. 170*. A. 112 

Italienische Form der Über- 
tragung d. Münzbetriebes 
!in eine Mehrzahl von 
Personen 8Ü 

Italienische Münzen 5_£, 97, 
98. lülil, Miin/.er 86^ 8^ 
Münzherren II 
Münzsammlungen 96* 
Münzstätten Hü 

Italische Münzslauen 1ÜI 



'• 

Jahreszahlen auf Münzen 43, 
59, 59*^ 60, 112 
! Japan 35, 38, 39*^ 151_, IM? 
Japanesen 28; Münzen 39* 
Jeter, in der Bedeutung 

Rechnen 25 
Jeton 2, 3, 17^ 20*^ 2i ff., 
30*. 34, 35, 36, 38, 93*^ 
96, 101_, A. 9^ 10, fi5 
detreiines 2E 
J o a c h i m 9, 1D 
J obert 9^ 1Ü 
; Joseph, l'aul 72*. 12ü 
Junkheit, Münzstätte 59- 
j Jus cambii 216 
Justierung 65, 66j II, 161. 
162*. 173*. 175*. 222 
der Pfennigmünze 161 
J n v a 1 1 191, mi 

K. 

Kalk mann mH 
Kampen 19 
Kanonenbronze 31 
Kapitalschrift 55, 5il 
Kapitularien d. Karolinger 81 
Karantanien, Herzoge 2112? 
Karatgewicht! 33, 16(^241, 

211? 
Kärnten 232 

Karolinger 32^ 33, 8P, 90, 
100. 113. 154. 161. 179*. 
197. 198. 202. 205. 213. 
215, 216. 218. 219, 236. 
2äl 

Karl der Grofse 84, 1 57, 
113. 113». 197. 198, 2Q3. 
220*. A 97, 9.8 
Pippin der Kleine 84, £$5? 
Karolingermünzen 1 62* 
; Karolingerpfennige 85* 
1 Karolingischer Typus der 
Münze 15 
KarolingischoHl'fund 157,162 
Karthago 5fi 
Kartusche 52 
Kätingen, Münzfnnd 12 
Kassenkurs 1 '>.*>, 25 1 
Kastilien, Könige 39 
Kataloge von Münzsamm- 
lungen i. a 1 9,1 ff.*, 99 
von Öffentlichen Samm- 
lungen 91 ff.* 
von I'rivatsamm Iii ngen 
91 ff.* 



| Kauf von Münzen 105 
: Kaufkraft des Geldes 181. 
211? 
Kaufleuto 15,2 
, Kaufmannsgewicht 159 
! Kaufmannsmark 
I KaufmannBkorn 164*. 1&> 

1 

Kavaliermünzen 9ü 
Kehrseite der Münze 43, 

119. 12U2 
Keltonmünzcn 139* 
Kennzeichen : 
der Münzen 18, 36, 37, 117. 
üul'scre M 
I der Fälschung der Münzen 
112 

der Haniincrpragung IQ f. 
der mittels Taschenwerke 
hergestellten Münzen H 
der Walzenpragung U 
von Vereinsuiünzen 251 
zur Unterscheidung echter 
und unechter Münzen 2 
| erdichteter oder verfälsch- 
ter Münzen 3, IM 
Kerbrand 12 

Keutschachtaler, Preise K>6 
unechte 130* 
j Khane d. Goldenen Horde 54 
I Kippe 107, 1ÜI? 
j Kippergehl 171. A. Ifi 
-münzen 5, 96, 1 2 1 
■ wesen 5, 233 
Kirchenbaurechnuugeu 188, 

mn 

Kirchenglocken als Mjinzgnt 
31, ßli 

I Kirmis 102. 130. IM 
; Kleingold, -silber 196 

Klippa 21 
1 Klippe 21 f-, 38? 

Klippenform 21 f., A U 

Klipping M 

Kluis auf Münzen 54, 209 
Knies 15? 
Knopfüberzüge 12 

-zwanziger 124*, A. U 
Kobangs 28 

Kodex Theodosianus 82 
Theresianus 211?, 21Ü 

Kotl der, Job. D 9, 12? 

Koehne 5, 30*^ !£ 

Köln 22Ü 

Gepräge 110* 
Gewicht 159 
< iewiehtssystem 158 
marca inercatorum 159* 



Bd by Googli 



Köln 

Mark Inn, 159 
Pragezange 12*. 
Kolonialmünzen 100 
Kolonien, lateinische 19Ü j 
Kongresse, numismatische 
zu Brüssel, Paris, Koni \ 
108 

Könige, kupetingischc 224 
Königsberg 1 96* 
Königsboton 8ä 
Konstanz 

B. Heinrich, Braktoat, 
A. iül 

Ii. H ugo, Rollbatzen, A . 1Ü2 
Königskom 164» 
Königsilber 33, Uli 
Kontermarke, Beizeichen 43, 
128 

Kon troll marke 28 
Konventionsfufs 58 247, 

240*. Münzen lßS 
Kopeke 38, -nstempel 43 
Köpenick, Jak zu von 54, 209, ! 

210*. A 2Ü 
Köpfe auf Münzen 42. 49.50* 1 
Korn 34, 144, 156. 150», 161», 

163, 17!». 217, 21s». 241*, 

254 
feine» 164» 
lötiges liill 
Korn (Streichnudel) 20j 159». ' 

A. 5 

Korvei, M Unzrecht 1ÜU 
Kruin 23S 
Kredit 131 

geld 137, 138, 165, 1SÜ 

-münze 4, 17, 19, 67, 123, 
124, 147, 148, 168^ 169, 
17_L 180, 18L 224^ 233 

-wert 17, 916* 
Kreismünzstätten 179 
Kreismünzwardein 179 
Kreisprobationstage 179 
Kreuz 28, 29, 5D f., 53 

-formen : 50, 51». mittel- 
alterliche 51*^ A. 30—32 

-winkel 52 
KreuzernO. 153.181,185,245» 

A. 32 a. 
Kreuzfahrermünzen 53 
Kreuzfahrerpfennige 1 06* 

-stauten 54. 
K r e y b i g Ö 

Kriegsmünzen 125. 125*. 171 

216. 233. 233». 
Kroatenkönige 110* 



Sachregister. 
Krone 51_, 51 

Krone (Münze) 17, 153,254 
Kronenwilhrung 113 

in Österreich 153 
KrOnungsdukalcn 13 

•jeton 211 
Kügildi 135 
Kühe als Celd 135 

>gehende< 135 

> lebende« 135 
Kuhgeld 135, 235 

der nordischen Hechte 235 
Kuh wert 135. 235» 
Kulm : 

Bischof Stephan Mathiao ] 

21 

Kuna 13J 

»Kuniges Silber < 163* 
Kunstunstalt f. Nachahmung 

alter Münzen 130 
Kupellenprobe 172», 1S2*. 
Kupfer 32, 33, 34, 35 f., 64, j 

66, 67, 76, 77, 126, 148, j 

152». 15PV 163. 172. 195. 

196 

-brakteaten 15 

geld in Rufsland 165, 233 
-kabinett 97, in Schweden 

149 

■legiorung 34, 64, 66, 102 
münzen lLSAMiÜL^lM 
Kupfermünzen d. Burgunder 
-> | •)•■ 

der Franken 212* 
der germanischen Reiche ! 
212 f.* 

in Burren form 33 
Kupferprügnng 34, 196, 212 ; 

durch Private 23», 79, Iii*. 
Kupfersammlungen 9ü 
Kupferstiche II 
Kupferstücke der Vandalen ' 

»10» 

der Westgoten 212» 
Kupferwahrung 1 18, 112 
Kurant 177 

münzen 18, 19, 20^, 147, i 
165, 1Ü1> 
Kurrentmünzen = Kurant 

münzen 
Kurfürsten 167, 208.209». 21ü 

rheinische 242, 213 
Kursacli^cn : 

Münzordnung (1444 162 i 
Münzvertrag 1414) 15i!f.*, 
liüL 

; Kursangaben 182 f. 



2ül 

Kurswert der Münze 165, 
180, 181. 183», 185. 225, 
231». 240 

Kürzung der Münzbeschrei- 
bung IIS f. 

Kürzungen von Namen G2 

Kürzungszeichen auf Mün- 
zen 51 f. 

Kuttenberger Münzen IS* 

L. 

La band 197». 234», 247* 
Ladensammlung 103, 104 
Lagerverzeichnisse s. Ver- 
zeichnisse der verkäuf- 
lichen Münzen 
Laisscr- Passer (Marke) 2Ü 
Luck, indische Rechnungs- 

münze 154 
Lamprecht 191». 203», 

213". 
Lundcsgeld 167 
Landesmünze 168. 169, 177, 

232, 239, 240. 24 1 , 243, 211 
Landesmünze verrufene 238' 
Landessilbermünzen 168 
Ijindeswahrung 165. 166, 

169. 243. gute 239 
Landmünze, 'Landtmünzcnc 

169. 169», 244, 245' 
handschafllin 2ü 
Landsluiter Pfennige 211* 
Lungobardenkönige 213 
Läppchen (irauwerk, kleine, 

als Scheidemünzen 131 
lateinische Aufschrift <ler 

Münze 53, 54, 55, 51i 
Buchstaben a. Münzen 55 
Zahlzeichen 511 
Laurentius, Münzmeister 7_9_ 
L e a k « M 
Le her 187 
Lo Blaue 7, 8 
Ledergeld 36. 138.138». -me- 

daillen 3Ü*. 
LefTler, (iregor, K. Büchsen- 

giefser 49* 
hegende der Münze = Auf- 
schrift der Münze 
I-egendenlexikon von Rentz- 

mann, numismatisches 

Iii*. 

Ix»gierung 33, 64, 65, 6ü f., 
6t;». 126. 131. 141. 156. 
163. 172, 213« 
des Nickel mit Kupfer 35 
> Silber 35 



ed by Google 



2(>8 

Legitiumtionszeichen 22, 28, 
30*. 

Legpenning 30» 
Lehrbücher, heraldische 51 
Lehre von den Münzen = 

Numismatik 
Ixunwand als <'eld L% 
Leinwaudmark 13fi 
Leitniünzen 112. 1 13* 
Leitzruanu 1Ü 
Lele w e 1 , Joachim 10, 1 Mi 
Levnntinertaler liiä 
F.cxiH 21»)», 221 
Leydcn, Notmünzo Sfi 
Liard 230» 
Librn aruenti 140 
Liebhaberpreise v. Münzen J 

lüü f., L2Ü 
Ligorio, Pirro, Münzfälscher 

Lilienkreuz 511 
Lilienthal 9, System zur 

Anordnung von Münz 

Sammlungen ÜS 
L i p h i u s ü f. 
Lira lö± 218. 

Tron 154 
Listen der Versteigcrungs 

preise v. Münzen 10G f.*, 

m 

Literatur der ("eldgesehichte 

iler Münzkunde i; 3. 
über Hraktcatcn 74» 
» das < »eldwcscn 14 f.* 
» Medaillen 2U*. 
Litterae singulares 5JZ. 
Li vre 1^ 22_L 225, 22hl 
l.uhki 1ÜI 
Loke Iii*. 
Lokalfund Uli 
Lokalmünze 20(5, 222^ 2: ',7, 
WH 

Lokaltypen von Münzen 
2M 

LokalwahrunL'en HUi 

LdilH 154* 

Lori, .T. (J. 1» 
Lorsch 205^ üoy* 
Loserlaler Ii* 
Lnti'j 1Ü3 

L«»t 33, HO, 157, 157*. im. ! 

lt>3, IG«?. 220 -\ 223 
Lothringen iiü 

Stuininesherzoge 20-'» 
Lothringische* Kreuz ÜÜ 
I.oui silur 12t'* 



Sachregister. 

Lowentalcr des Salzburger 
Krzbisehofs Hieronymus 

Lübeck 15^ 2LL, 212*. 220, 
23_L 

Lübecker Münzprivilegieu 
Lucca 20H 

Lucrmn cainerae 22S 
L u d e wig , .1. I'. v. 9. 
Luigini 170 

Lüneburger Yalvationstabel- ; 

len 17S* 
Lütticher Postulatgulden 33* 
Luxemburg. GemeinschaftN- 

münze, A. 10ti 
Lydischer Stein 1 hi 
Lyon 1 55 

Lyoner Messen löü*. 
M. 

Mache der Münze = Fabrik 

der Münze 
M adai 9, 94^ HMi*. 

-sehes Talerkabinett 04* 
Miidelinus, Mü nznieister 83* 
A ÜH 

Mader, Jose |.h v. 10, 59, 73, 

Sit». 99, 101*. 133 
Macstricht, Münzslatte Hü*. : 
Magdeburg 72. 74* 
Kr/bim hofe 2_L9_ 
Münzen, A. 30. 54. 5S, 5j} 
Mahren 45, 218* 

Herzoge: Roiiwoj 9D 

Sobeslaus 2fi 
Piemysliden *-~Q9 
Mahrische Herrscher 1 74* 
Münzstätten ÜÜ 
Pfennige 22U1 
Mainz 1HH 
Liv.bisehöfe : 
Adalbert IL 72, 
Heinrich 12 
March* 12 
Mainzer (ioldgulden 21 1 
Majuskel, gotische üll 

lateinische 55 f. 
M a in e ra nun I 
Man, Insel, Geldwesen 3t**. i 
i:;s 

Mancus, Münze 51 
Mandate Li 

Mangel münzpolilischer Lin 
richtunL'en im M.A. LI2 
Munnighiitigkeit der Münz 
bilder Iii 



Manteltlitche der Münze 42 
Marabutinus *]2 
Marca 236». 239 ' 
argenti 140 

argenti albi, cocti, com 
buati , examinati, fiiii, 
mein, meriati, montani, 
mundiati, nigri, non pr<-- 
bati, probati, puri, pnri- 
(icati, purisHiini, reeli 14 1 

usualis 141.143.143», XJ<i 

usualis pnra 142 
signata 141, It>9. ». mich 
Mark 

Marca UHualis =- marca ar- 
genti usualis 
in Ihaunschweig IAH 
Marderschnauzen als 

Scheidemünzen 137 
Marder*teuer der Drew ier an 

(Heg 137" 
Marinianus, Münzmeister Sl 
Mark 41^ St^ 13|L_ 157, 157», 
158, 15'.», ICO. lt'2, 103*. 
1Ü8. 211. 212*. 225, 220». 
227. 230*. 230. 21L*. 
des Pfennigsilbers. 143 
feine 141, 182, 225» 
Feingold 1 55 
gemischte 141, 142 f 
get